Welche Rolle spielst du?

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Hallo liebe Lebensmaler,

heute haben wir im Politikunterricht ein sehr interessantes Experiment/Spiel durchgeführt. Ich nenne es das “Schritt-Spiel”. Alle Schüler haben sich nebeneinander in eine lange Reihe gestellt, 3 Beobachter haben sich dieser Aufstellung gegenüber positioniert.

Die aufgestellten Schüler bekamen alle eine Rollenbeschreibung, die sie vor den anderen geheim halten sollten. Ich z.B. hatte die Rolle einer 26-jährigen, lesbischen Studentin, die in ein paar Monaten ihr Studium abschließt und schon einen Arbeitsvertrag für danach unterschrieben hat. Außerdem gab es solche Rollen wie die des 18-jährigen Jungen aus dem Iran, der Abitur und einen Abschiedebescheid vorliegen hat; wie die einer Prostituierten, die HIV-positiv ist; wie die einer alleinerziehenden, Hartz-IV beziehenden Mutter; wie die eines schwulen, 18-jährigen Auszubildenden zum IT-Fachmann; wie die der senegalesischen Einwanderin, die im Senegal Jura studiert hat, hier jedoch nur die Stelle einer Reinigungskraft zugewiesen bekam.

Dann stellte die Lehrerin verschiedene Fragen, unter anderem: “Kannst du dich nachts sicher auf den Straßen bewegen?” – “Ist es möglich, deinen Partner oder deine Partnerin unbefangen in der Öffentlichkeit zu küssen?” – “Kannst du ohne Probleme einen Wohnungsvertrag unterschreiben?” – “Kommst du problemlos in eine Disco?” – “Kriegst du unproblematisch einen Kredit?”

Die Rollen, die die Fragen mit “JA” beantworten konnten, durften einen Schritt vortreten. Ich war erstaunt, wie viele Personen am Ende des Fragenkatalogs weit hinten standen – ich als homosexuelle Studentin mit unterschriebenem Arbeitsvertrag hatte das Glück, recht weit vorne zu stehen. Die hinteren Personen (alleinerziehende Mutter; 31-jähriger, griechischer Familienvater; linksextremer Punk, der auf der Straße lebt; eine gläubige Kurdin; …)  sahen sich einem abweisendem Rücken nach dem anderen gegenüber, fühlten sich ausgegrenzt, unverstanden, übergangen. Ein furchtbares Gefühl, das für viele Personen in Deutschland leider der Realität entspricht.

Die Beobachter berichteten, dass sie bei allen Rollen Unsicherheit und längere Entscheidungsphasen beobachten konnten, als diese sich überlegen mussten, ob sie “JA” oder “NEIN” wählen mussten. Die Gründe für die Einschränkungen sind vielfältig, das ist uns allen klar geworden, und nicht immer sind sie offensichtlich. Alter, Religion, politische und sexuelle Orientierung, gesellschaftlicher und gesundheitlicher Status, Familienstand, finanzieller und kultureller Hintergrund oder Berufs- und Bildungsstand sind mit Sicherheit nur einige der Faktoren, die bei Ausgrenzung und Benachteiligung “eine Rolle spielen”.

Bitte spiele DU eine andere Rolle: hilf, dass Personen, die offene Arme und Ohren sowie helfende Hände benötigen, sich nicht mit kalten Schultern und abwehrenden Rücken konfrontiert sehen müssen. Alle Personen haben das gleiche Bedürfnis nach Akzeptanz, Sicherheit, Toleranz, Mitgefühl, Unterstützung und Zugehörigkeitsgefühl – bitte trage DU deinen Teil dazu bei, dass der Teil der Welt, auf den DU Einfluss nehmen kannst, ein Bereich ist, in dem sich alle Menschen wohl und angenommen fühlen können.

DANKE!

Aus dem Mund von … Sleeping At Last

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Ich liebe diese Zeilen aus dem Lied “Next to me” von Sleeping At Last, weil sie einfach so wahr sind. Ich wünsche mich oft zurück in die unbeschwertere Zeit meines Lebens, in der ich meine Zukunft mit Blei- und Buntstift auf riesigen Rollen Papier entwarf.

“Oh, unsere Zukünfte waren mit Buntstiften in Malbücher geschrieben. Es war falsch geschrieben und außerhalb der auszumalenden Linien und wir liebten, wie es aussah – wie der schiefe Saum deines Lieblingskleides aus der Kindheit und die Löcher in meiner Jeans, aus den Jahren der Sorglosigkeit.

Ich weiß, seit wir aufgewachsen sind, sehnen wir uns nach diesen Erinnerungen.”

Aus dem Mund von … Bosse

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Ich liebe diese Passage aus dem Lied “Brilliant” von Bosse. Das Lied weckt in mir Sehnsucht nach Unbekannten, nach Freiheit, nach Dunkelheit und  Lichtern, die diese erhellen. Danach, verzauberte Städte zu erkunden, jemanden kennenzulernen, der nach kurzer Zeit  vertraut ist wie sonst niemand, mit ihm die fremden Straßen, Häuser, Türme, Berge zu entdecken und mich fallen zu lassen, mich zu verlieren und wieder zu finden.

Ferien in Faßberg

Hallo liebe Lebensmaler :)

In meinen Sommerferien habe ich einem Impuls folgend ganz überraschend meinen Onkel plus Familie in Faßberg besucht. Faßberg liegt im Landkreis Celle, ca. eine Dreiviertelstunde von der Stadt Celle entfernt. Rundherum liegen Orte mit den witzigen Namen Müden, Hermannsburg und Wietzendorf, und zu finden sind diese Ortschaften in einer ländlichen Idylle aus Wald, (Lüneburger) Heide und wahlweise blauem oder grauem Himmel.

Außerdem gibt es in Faßberg den Truppenübungsplatz Munster. Da dort mein Onkel und mein Cousin arbeiten, durfte ich mir ihre Wirkungsstätte mal aus der Nähe ansehen. Mein Cousin ist z.B. dafür zuständig, “Kulissen” aufzubauen, auf die die Panzer dann aus verschiedenen Entfernungen zielen. Von einem alten Bunker aus ließ ich meinen Blick schweifen:

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Blick vorbei am Bunker.

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Meterdick sind die Bunkerwände, um vor Angriffen zu schützen.

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Gekonnt düster setzt sich der Truppenübungsplatz in Szene.

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Unendliche Weite.

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Ein kleiner Lichtblick am Fuße des Bunkers.

Namensgebend für Faßberg war der … ihr habt es erraten: der Faßberg, der seinen Namen eigentlich nicht verdient, denn er ist bescheidene 92m hoch und ich hatte das Gefühl, man hat die Stelle für das Gipfelkreuz ausgewürfelt. Trotzdem ließ es sich wirklich schön durch die Heide wandern, zumal der Wind die dunklen Wolken weggepustet hat und die Sonne dem Wind die Schärfe nahm. Nicht nur Heidegewächse lieben den Boden hier, sondern auch andere Gräser und Blumen wachsen in die Höhe. Was in Frühling und Winter trost- und leblos erscheint, erwacht in Sommer- und Herbstmonaten zu lila Leben: tausend Heidekrautgewächse entfalten ihre violette Pracht und verwandeln die Landschaft in einen leuchtenden Teppich. Damit Gräser, Blumen und auch Jungbaumpflanzen nicht Überhand nehmen, grasen Heidschnucken diesen Teppich ab und halten ihn so sozusagen “sauber”. Auch Kiefern und Birken wachsen in der Heide gerne und viel. Durch diese Umgebung wandernd konnte ich plötzlich die ständige Sehnsucht meiner Oma nach der Heide verstehen.

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Leuchtende Heide mit Gräsern – ein wunderbarer Kontrast.

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Mein liebstes Motiv.

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Das Gipfelkreuz ist ein schönes Motiv an sonnigen Tagen.

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Ein einsames, violettes Büschel …

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Nach dem Spaziergang durch die Heide fuhren wir durch viele kleine Orte und erreichten schließlich den nördlichen Rand des Naturparks Südheide. Dort befindet sich der Heidesee, in dem bis zum Ende der 60er Jahre Kieselgur abgebaut wurde. Jetzt ist es dort möglich, zu angeln, am Ufer und durch die umliegenden Wälder zu wandern und auch Sand wurde aufgeschüttet, sodass bei schönem Wetter gebadet und sich gesonnt werden kann.

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Blau-sandfarbenes Wasser mit Windmuster …

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Danach fuhren wir noch eine ganze Weile durch Kiefernwälder, bis wir zum “Angelbecks Teich” kamen. Hier wuchs eine Unmenge an Heide, bis das Gebiet im 19. Jahrhundert aufgeforstet wurde. Die trockenen Kieferwälder sind jedoch äußerst brandgefährdet und 1975 wüteten hier Flammen, die sich den Baumbestand vollständig einverleibten. Zusätzlich zu der nach dem Waldbrand wachsenden Heide wurde ein Löschteich angelegt, der heute als Angelsbecks Teich ein gerne besuchtes Erholungsziel darstellt. Unsere Familien sind hier anscheinend schon spazieren gegangen, als ich noch klein war – daran habe ich keinerlei Erinnerungen, aber den See fand ich dennoch schön: schiefergraues Wasser mit vom Wind hineingefurchten Mustern, leuchtende Blumen und Heidekraut drumherum … irgendwie verwunschen und gleichzeitig gemütlich. Vereinzelt standen Liegen bereit, auf denen man sich niederlassen konnte, wenn man die Szenerie länger betrachten oder mit geschlossenen Augen die Stille oder Geräusche der Natur aufnehmen wollte.

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Ich bin viel spazierengegangen und habe die Weite genossen, die die Landschaft so wunderbar zeigte. Alles habe ich in den zwei Tagen, die ich dort oben war, natürlich nicht gesehen. Wir sind an vielen Mühlen vorbeigefahren, alten Fachwerkhäusern, Höfen und Teichen, Seen und Waldgebieten, die ich hoffentlich beim nächsten Besuch näher unter die Lupe nehmen kann.

One Day – Eines Tages, Baby, werden wir alt sein

glaube1 glaube2 glaube3

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Diese 3 sind meine liebsten Auszüge aus einem Gedicht / Slam von Julia Engelmann. Ich finde sie wundervoll, denn sie zeigen das Potential eines jeden Menschen, das nur wachgekitzelt werden will. Jeder Mensch besitzt dieses Potential und jeder Mensch kann sich seine Wünsche erfüllen. Julia spricht diese Wahrheit(en) aus, ohne sie jedoch den Menschen als Pflicht auf den Rücken zu binden, sondern um an all die Möglichkeiten, die jeder einzelne Mensch in sich trägt, zu erinnern.

Das komplette Gedicht / Den kompletten Slam könnt ihr euch hier anschauen:

DIY – Songtext trifft Leinwand

Hallo liebe Lebensmaler,

es ist Zeit, sich in die Malerkittel zu schmeißen und die Pinsel aufzureihen – ich bin mal wieder geschenke-technisch kreativ geworden.

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Ich konnte Coldplay nie leiden, und das ist genau wie bei Nickelback – hört man einen Song, kennt man alle. Dachte ich. Alle hören sich gleich an – bis man einen hört, den man liebt, dann liebt man sie alle. Und genau das ist bei mir passiert. Ein Freund schickte mir ein Coldplayvideo, das er schön fand und das ich auch lieben müsste, meinte er. Ich blieb weiter skeptisch, bis ich in Australien die Live-CD von 2012 hörte, allerdings ohne zu wissen, dass es sich um Coldplay handelte. Ich war begeistert, Coldplay gehört seitdem zu meinem Australien Soundtrack und bei vielen Liedern muss ich sofort an den Freund denken. Darum auch die Idee, ihm für seine Wohnung einen Ausschnitt eines Songs auf Leinwand zu pinseln.

Ihr braucht:

  • Leinwand (meine ist von wicky)
  • einen Songtext
  • Farben, mit denen ihr gerne malt – ich habe Acryl- und Aquarellfarben gewählt
  • Pinsel, Wasser, Stifte, Kreisformen
  • Flüssigkleber, Glitzer

Und so geht’s:

Die Leinwand auspacken und präparieren – hinten muss man diese Keile in die vorgegebenen Schlitze schlagen, damit die Leinwand gespannt ist. Ich musste erstmal googlen, wie man das macht, muss ich peinlicherweise gestehen, weil ich nicht rausfinden konnte, wie herum diese Dinger richtig eingesetzt werden. Um euch das zu ersparen, hier ein Bild, wie es richtig ist ;)

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Was den Songtext betrifft, habe ich mich für einen Ausschnitt aus “Magic” entschieden und ihn von meinem Laptop auf ein A3-Papier abgepaust, weil ich frei nicht schön und gleichmäßig schreiben kann. Dann habe ich diesen Songext mit Tesafilm hinten, also in der Leinwand fixiert und gegen das Licht auf die Leinwand abgezeichnet, in rot und gelb, weil das die Farben waren, mit denen ich auch später gestalten wollte. Bleistift sieht man später eventuell durch die Farbe, abhängig davon, welche Farbe ihr benutzt. Danach habe ich begonnen, die Farbe aufzutragen. Am besten legt ihr euch ein Taschentuch bereit, in dem ihr überschüssiges Wasser oder Farbe abtupfen könnt.
Ich habe zuerst die rote (Acryl-)Farbe mit einem dünnen Pinsel aufgetragen und später die gelbe Aquarellfarbe mit dem Stift aufgemalt und mit einem Pinsel und Wasser verstrichen. Das sah für meinen Geschmack zu blass aus und so habe ich mit einer weiteren Lage gelb und einer Lage rot das Leuchten gesteigert. Das geht besonders schön, wenn ihr den Aquarellstift ins Wasser taucht und dann über die Leinwand streicht.

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Danach habe ich unter Zuhilfenahme von verschiedenen Dingen (CD, Glas, Deckel, Fingerloch der CD, …) Kreisformen dünn mit Bleistift auf die Leinwand gezeichnet. Diese habe ich dann mit schwarzem und braunem Aquarellstift ausgefüllt. Je dunkler ich die Kreisformen haben wollte, desto mehr schwarz habe ich gewählt, und dann habe ich mit einem Pinsel die Farben vermischt. Hier ist es jedem selbst überlassen, ob er die Kante der Leinwand mitgestaltet oder darauf verzichtet. Ich fand dann, dass die weiße Fläche der Leinwand einfach zu kahl aussah, fast so, als hätte ich sie vergessen, und so habe ich in Ermangelung eines Aquarellstiftes mit einem hautfarbenen Buntstift die Fläche ausgefüllt und schließlich mit Wasser und Pinsel verwischt. Das ging eigentlich überraschend gut; danach die Farben trocknen lassen für den nächsten Schritt.

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Und jetzt, meine Damen und Herren: GLITZER! :) Ich fand, der Glitzerstaub würde dem Bild noch einen glanzvollen, irgendwie festlichen Anstrich (ha!) geben. Also habe ich an einigen Kreisrändern Kleber aufgetragen (Flüssigkleber eignet sich besser als Prittstift, durfte ich feststellen) und Glitzer daraufgestreut. Nach einer längeren Trockenzeit habe ich den übrigen Glitzerstaub vorsichtig mit einem Pinsel abgebürstet und wieder in das Döschen gegeben.

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Und damit sind wir dann eigentlich auch schon fertig! Hier seht ihr das vollendete Werk, zur Probe an meiner Wand gehängt. Mittlerweile habe ich es besagtem Freund auch schon überreicht und er hat sich wahnsinnig gefreut, was mich wiederum gefreut hat. Ich bin gespannt, wohin er es in seiner Wohnung hängt, vielleicht fahre ich demnächst mal vorbei und gucke. Was haltet ihr von der Idee? Habt ihr schon etwas ähnliches gemacht oder vielleicht sogar geschenkt bekommen? Welchen Songtext würdet ihr wählen und warum?

Ich freue mich, von euch zu hören! :)

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