Farm Charm – Cattle Hand

Wer wollte schon mal ein Cowboy oder ein Cowgirl sein? So richtig echt mit Staub und Hut und „Hoi!Hoi!“- Geschreie? Ich für meinen Teil auf jeden Fall; seit ich hier angekommen bin, habe ich gehofft, Darcy mit dem Vieh helfen zu können. Und  vor 3 Wochen, erbot sich mir die Gelegenheit, in der Dunkelheit des Autos … und ich ließ sie zunächst vorbeiziehen. Und das war so:

Wir kamen heim von einer Party und ich saß – halb schlafend, halb durchgerüttelt – auf dem Rücksitz und habe überhaupt nicht mitbekommen, dass Darcy gefragt hat, ob jemand Lust hast, sich als Cowgirl zu probieren. Erst später, als wir Mädels uns für’s Bett fertig gemacht haben, habe ich davon erfahren und bin dann am nächsten Morgen – ein Sonntag auch noch! – auf gut Glück noch vor den Hähnen aufgestanden und habe mich in mein improvisiertes Cowgirl-Outfit geschmissen. Darcy war hocherfreut und hat mir sogar einen Hut angeboten, den ich natürlich dankend angenommen habe, denn, mal ehrlich: was ist ein Cowgirl ohne Hut?

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Ein Sonntagmorgen-Sonnenaufgang – wie schön!

Los ging es also und wir fuhren zum „cattle yard“, ein großer, eingezäunter und durch Gatter unterteilter Hof, in dem sich gefühlte Millionen Rinder versammelt hatten. Diese Rinder galt es zu sortieren; die Kriterien für diese Sortierung haben sich mir nicht ganz erschlossen, aber auf jeden Fall wurden die Mamakühe und Kälbchen zusammen in ein Gatter geschleust, dann die fetten Kühe in ein anderes, die älteren Kälber und Bullen wurden auch noch unterteilt, aber wie gesagt: mein Expertenauge hatte sich noch nicht entwickelt …

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Volles Haus, oder besser gesagt: voller Hof!

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Mit dem Truck sind wir einfach in die Menge gefahren – die Rinder haben zum Glück respektvollen Abstand gehalten

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Mamakühe mit ihren Kälbern

Die Sortierung passiert im „Crush“, das ist so ein metallener Gang, in den die Tiere gescheucht werden und Darcy hat ein paar Hebel, mit denen er eine Art Tor im Crush schließen und dann mehrere Gatter hin- und herschieben kann, sodass die Kuh in den richtigen Bereich gelotst wird. Ich war erstmal nur dafür verantwortlich, die Kühe weiterzuschubsen, wenn sie sich in den Kopf gesetzt hatten, im engen Gang stehen zu bleiben. Dafür hatte ich ein schwarzes Plastikrohr, das ich ihnen in die Seite rammen konnte, wenn nötig, aber meist hat es ein einfacher Platzwechsel oder das Heben eines Armes getan. Zwei Freunde von Darcy, Richard und Adrian, waren für’s Scheuchen verantwortlich und Darcy hat sortiert.

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Eine Kuh vor dem Tor im Crush – wartend, bis Darcy sich entschieden hat, wohin mit ihr

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Darcy an den Hebeln für das Tor und die Gatter innerhalb des Crushes

Die Sortierung hat den ganzen Tag in Anspruch genommen und wir haben die einzelnen Gruppen mehrmals sortieren müssen, weil einfach nicht genug Platz in dem Gatter war, um die Kühe gleich in ihre richtigen Gruppen zu unterteilen. Zwischendrin haben wir einige der Kühe nämlich auf die Freiheit der Wiesen entlassen, sodass wir mehr Raum hatten.

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Auf Tuchfühlung mit den 4-Huflern

Um 11Uhr morgens gab es dann „smoko“, eine neuseeländische und australische Teepause, die meist eine halbe Stunde dauert. Das war entspannend! Ich habe natürlich viel zu wenig getrunken, denn da gab es kein Klo und ins hohe Gras wollte ich mich wegen der Schlangen nicht hocken. Außerdem wär das ziemlich offensichtlich gewesen, wenn ich einfach so verschwunden wäre, und das war mir vor den Männern doch etwas peinlich.

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Ich werde genauestens beobachtet bei meiner Arbeit!

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Diese Kühe machen es richtig – erstmal chillen beim ewig langen Warten

Nach der smoko hat Darcy Richard heimgeschickt und wir 3 haben uns an die restliche Sortierung gemacht. Für mich gab es etwas mehr zu tun beim Kühen-in-die-Seite-Piksen, da Darcy, der mich vorher unterstützt hatte, jetzt Adrian beim Scheuchen geholfen hat. Als wir endlich fertig waren, mussten wir die Rinder nochmals durch de Crush jagen, weil sie in „Fat“ (Fett) und „Bull“ (Bulle) und „Ox“ (Ochse) unterteilt werden mussten. Ich hatte die Aufgabe, Striche zu machen, habe aber dann wieder dafür gesorgt, dass sich die Rinder in den Crush begeben und, einmal drin, nicht stehen bleiben oder gar rückwärts gehen. Das ist nämlich auch passiert.

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Die Sonne prallt vom Himmel und die Rinder wirbeln den Staub auf – ich sag’s ja: ein richtiges Cowboyabenteuer!

Diese Rinder allerdings haben das Gatter mit dem überlaufenden Wassertrog erwischt, weswegen sie einen matschigen Boden zertrampeln

Diese Rinder allerdings haben das Gatter mit dem überlaufenden Wassertrog erwischt, weswegen sie einen matschigen Boden zertrampeln

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Darcy beobachtet Adrian von an Gittern des Crushes aus, auf Arbeit wartend

Eines der Highlights beim Helfen war, dass gerade in der Nacht zum Sonntag ein Kälbchen geboren wurde. Das war noch ganz flauschig und stokelig auf den Beinen, aber die Mamakuh war richtig liebevoll und hat sich total um ihr Kälbchen gesorgt – und ist sogar auf uns losgegangen, als wir ihm beim Aufstehen geholfen haben. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass ich so ein richtiges Mädchen mit diesem Kälbchen war; ich hab es gestreichelt und bemuttert und später aus der Menge gefischt und in den Schatten gelegt. Die Männer haben aber nichts gesagt, sondern sogar ein Foto von mir mit dem Kälbchen gemacht, einfach klasse!

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Erstmal ein bißchen schlafen nach all der Aufregung

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Mein Gesicht ist nicht dreckig, nein …

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„Pure gold, Katharina!“

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So ein hübsches Kälbchen!

Wir haben den ganzen Tag damit zugebracht, die Rinder zu sortieren und später haben wir noch ein paar Zäune repariert. Die Männer waren ziemlich beeindruckt von mir (nicht nur sie!) und ich war ziemlich glücklich, diese Gelegenheit wahrgenommen zu haben. Gegen 18Uhr (endlich, endlich!) sind wir dann heimgefahren und als Darcy mich an „The Brook“ abgesetzt hat, meinte er: „Morgen dann wieder um 6 Uhr, mate!“ Wow! Hatte ich es doch tatsächlich geschafft, ihn so zu beeindrucken, dass ich noch mal helfen durfte – juchu!

Trotz meiner Euphorie ob des offensichtlichen Gelingens der Arbeit war ich war ziemlich geschafft; ich stolperte in die Dusche, hab mir schnell Abendessen gemacht und ließ mich schwer wie ein Stein ins Bett fallen.

Am nächsten Morgen ging es wieder los; diesmal alleine mit Darcy, und beim yard haben wir dann Rob getroffen, der beim Verladen der Rinder helfen sollte. Zunächst aber haben Darcy und ich die Rinder wieder durch den Crush geschoben und ihnen die Knöpfe im Ohr verpasst. Das war echt ziemlich krass, denn die Rinder fanden das meist nicht so klasse und haben ihre Muskeln ganz schön spielen lassen. Unglaublich, was die für eine Kraft haben!

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Hier seht ihr die Markierung der Rinder – diese sind gekaufte, denn Darcys Markierug sieht anders aus

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Also, wenn Blicke töten könnten … manchmal hatte ich schon etwas Angst

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Knopf im Ohr!

Nach dem Knopf-Markieren stieß Rob dazu und wir haben uns ans Verladen gemacht – das war eine Arbeit, sag ich euch! Immer in 12er-Gruppen wurden das Vieh in ein Gatter gescheucht, dann wurden einige Tore geschlossen, andere geöffnet und schließlich rannten die Rinder die „Gangway“ hoch. Wir hatten ein paar Rinder zu wenig und mussten noch ein paar der älteren Kälber hinzuholen, aber das ging ohne Probleme vonstatten. Das alles hat ’ne ganze Zeit gedauert, und alles in allem haben wir in diesen 2 Tagen mit zwischen 1000 und 1200 Rindern gearbeitet!

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Wartend, abwartend …

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Rob und die Kühe warten auf das „Okay“ von Darcy und den Verladern, während diese mit störrischen Kühen im Truck arbeiten

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Auf Wiedersehen, cattle truck!

Nachdem alle Rinder sicher verladen waren, wir alles aufgeräumt hatten, was herumlag, alle Tore geschlossen hatten und auch der Papierkram erledigt war, ging es gegen 13 Uhr wieder heim. Zu Hause angekommen hat Darcy mir den Hut geschenkt, und das hat mich so unglaublich stolz gemacht!! Das war wie eine Medaille oder eine Auszeichnung, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass er mal einfach so Hüte verschenkt an jeden, der ihm mit dem Vieh hilft. Und wenn er noch mal Hilfe braucht, hofft er, dass ich ihm wieder helfe, meinte er. Wow. Bald kippe ich aus den Latschen vor Glück. Was für ein Abenteuer!

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