Farm Charm – In guten wie in schlechten Zeiten

Liebe Leser,

Ich weiß, ich habe seit Ewigkeiten nicht geschrieben. Das lag mir schon einige Zeit im Magen, ich mag es nicht, wenn ich euch und meinen Blog vernachlässige, und als dann ein guter Freund, der sich meinen Blog alle Jubeljahre mal durchliest, meinte: „Du hast aber lange  nicht gebloggt, ist alles ok?“, da wusste ich, es wird Zeit.
Zu meiner Erklärung muss ich sagen, dass ich ein paar wirklich emotional auslaugende Wochen hatte. Aus verschiedenen Gründen, die ich eigentlich mal aufzählen kann, da ich euch immer mit meinen Glücksmomenten bombardiere. Gute sowie schlechte Zeiten!

ok - Kopie

Mitbewohner – Knatsch

Ich wohne ja seit meiner Ankunft mit Wajihah und Kate zusammen und obwohl das Zusammenwohnen nicht immer absolut harmonisch war, hatten wir 3 eine gute Zeit, haben eine Menge zusammen erlebt und überlebt, haben gelacht und uns alles in allem sehr gut verstanden. Seit dem 17. April komplettiert ein schottischer Tischler namens Fraser die Runde, der uns am Anfang wie ein Geschenk des Himmels erschien: ein Kerl, der unsere weiblichen Hormone mal aufmischt, der neue Dynamik reinbringt. Es fing auch alles vielversprechend an: er war absolut witzig, er hat die Frösche und Kröten hingenommen, er schien unkompliziert und wie ein einfacher Mitbewohner.

Jetzt, einen Monat später hängt zumindest Kate und mir alles zum Halse heraus: er kann die Stimmung im Haus beeinflussen wie sonst nichts. Ist er witzig und fröhlich, lachen wir alle viel und haben die Zeit unseres Lebens, wenn er aber knatschig ist, dann haben wir alle das Gefühl, es sei unsere Schuld und es ist generell keine gute Atmosphäre, wir schleichen auf Zehenspitzen um ihn herum und hoffen, dass alles fix wieder besser wird. Er redet dann aber auch nicht, wenn wir ihn fragen, was los ist, ob wir ihm helfen können, ob wir was für ihn tun können, sondern schmollt vor sich hin, während die schlechten Wellen von ihm abrollen und bei uns ihre Spuren hinterlassen.

Alles schön und gut, jeder hat mal schlechte Phasen und das steht auch jedem zu. Aber konstant schlechtgelaunt zu sein kann doch einfach nicht sein – er ist eine freie Person, er kann gehen, wenn ihm hier alles nicht passt. Wenn wir ihn fragen, wie sein Tag war und was er gemacht hat, was seine Aufgaben für den nächsten Tag sind, murmelt er sich eins zusammen und damit ist das Gespräch beendet. Außerdem scheint er keinerlei Interesse daran zu haben, uns besser kennenzulernen: unsere Fragen nach seiner Familie, seinen Reisen, seinen Hobbies ect. werden wortkarg beantwortet und nicht zurückgegeben. Wajihah, Kate und ich wissen schon den ein oder anderen Fakt über unsere jeweiligen Leben, und als wir neulich über den schrecklichen festen Freund einer Freundin von Kate sprachen, schaute Fraser auf und sagte: „Wieso wisst ihr eigentlich alle so verdammt viel über die Freunde der anderen?“ Und Kate antwortete kurz und bündig: „Weil wir uns dafür interessieren.“
Lange Rede, kurzer Sinn: Monsieur drückt ordentlich die Stimmung, und zwar spürbar. Darum versuche ich, mich so wenig wie möglich innerhalb des Hauses aufzuhalten, wenn er daheim ist.

Familien – Knatsch

In letzter Zeit lief auch mit der Familie alles nicht ganz so rund, wie wir das von den letzten Monaten her gewohnt waren. Komische Blicke hier, kein Danke da, ein kurzangebundener Kommentar  –  und unser Sorgenkarussel ging in die Vollen: warum sind sie sauer auf uns? Sind sie sauer auf uns? Wollen sie uns nicht mehr haben? Essen wir zu viel, sind unsere Bestelllisten zu extravagant? Arbeiten wir nicht ordentlich genug, sind wir zu oft drüben in der Familienatmosphäre? Sollten wir mehr helfen oder lieber weniger? Sind wir schon zu lange hier? Haben wir irgendwas Falsches gesagt oder getan?
Ihr wisst sicher selbst, wie so etwas läuft.

Zukunftsplanung

Wie viele von euch sicher wissen, ist es mein Traum, zurück nach Neuseeland zu gehen, wenn meine Zeit hier um ist. Ich liebe das Land und kann es kaum erwarten, meine Freunde wiederzusehen, durch die vertrauten Straßen zu laufen … Da ich aber nicht in der Lage sein werde, ein Arbeitsvisum zu bekommen, aber im Leben nicht genügend Rücklagen habe, um ohne Job auszukommen, heißt die Devise: einen Aupairjob suchen, da diese meistens „cash in hand“ bezahlt werden und ich ohne Ausgaben wohnen und essen kann. Diese ganze Planung ging schon Anfang März los und nimmt einfach keine gute Wendung. Ich habe mich bei gefühlt Millionen Familien beworben, aber entweder gefalle ich ihnen nicht, sie haben schon zu viele Bewerbungen, sie gefallen mir auf den zweiten Blick nicht, die Zeitplanung kommt nicht hin, meine Visumsituation stößt auf Unverständnis oder oder oder. Es ist zum Muckenpucken! Und das bringt mich zur nächsten Sorge …

Money, Money, Money

Dadurch, dass ich nicht weiß, ob ich in Neuseeland arbeiten kann oder nicht, muss ich mir Gedanken darüber machen, wie ich hier in Australien an Geld komme, und das bedeutet, ich muss mich bewerben und mich mit dem absolut angsteinflößenden Gedanken beschäftigen, die Farm, die trotz der ganzen Schwierigkeiten mein zu Hause ist, zu verlassen. Und das zerrt extrem an meinen Nerven. Ich brauche Sicherheit in meinem Leben und mutterseelenallein im riesigen Australien zu sitzen ist nicht unbedingt meine Definition von Sicherheit.

Abreise

Um die Chance auf ein zweites Visum zu bekommen, muss frau wie bekannt z.B. 3 Monate Farmarbeit verrichten. Das ist unser aller Ziel, und Wajihah ist da: Mitte / Ende April waren ihre 3 Monate voll und sie begann, sich ernsthaft Gedanken zu machen, wohin es als nächstes gehen sollte. Heute ist es soweit: Abreise Wajihah. Das hing aber alles so ewig in der Luft, weil sie einen Unfall hatte, der sie für 1.5 Wochen quasi arbeitsunfähig gemacht hat, und auch danach blieb der Planungsverlauf schwammig und diese Unsicherheit und Instabilität kam hinzu zu dem ganzen anderen Sch … önen.

Unfall

Denkt aber nicht, damit wäre die Liste komplett. Nach Wajihahs Unfall hab ich mich nicht lumpen lassen, bin ihrem Beispiel gefolgt und habe selber einen kleinen Stunt fabriziert, der mir überall Beulen, Narben und Schmerzen in meinem Beckenbereich eingetragen hat. Ich kann nicht mehr richtig trainieren, ich habe überall Schmerzen und außerdem Angst vorm Motorradfahren.

Und hinzu kommen noch mehrere kleine Dinge, die in meinem Kopf ein absolutes Chaos verursachen und es mir damit unmöglich machten, mich auf ordentliches, gehaltvolles Bloggen zu konzentrieren. Ich bin mir noch nicht mal sicher, dass dieser Eintrag wirklichen Inhalt hat, aber zumindest wisst ihr jetzt,  was mich lange vom Schreiben abgehalten hat. Wie ihr also seht, habe auch ich schlechte Wochen. Ich mag mich selber nicht leiden, wenn ich so bin, also versuche ich, alles zu tun, um schnell aus den Tiefs herauszukommen. Und heute morgen dann endlich …

Aber das ist für den nächsten Eintrag reserviert, denn meine Laune ist heute erheblich besser!!🙂

2 thoughts on “Farm Charm – In guten wie in schlechten Zeiten

  1. Hallo Kaja!🙂

    Schön mal wieder von Dir zu hören!

    Schlechte Zeiten hat jeder Mal, aber die gehen auch wieder vorbei. Manchmal braucht man einfach Zeit für sich und hat keine Lust zu Schreiben.
    Ich kenne das Gefühl, mir ging es die letzten Wochen auch so.😉

    Aber jetzt wird es wieder besser und ich freue mich drauf wieder mehr von Dir lesen zu können / dürfen!🙂

    Liebe Grüße,
    Sechs Semester

    • Vielen, vielen Dank!! Ja,ich habe auch das Gefühl, so langsam kriege ich wieder die Kurve und arbeite mich den Berg hinauf. Hat ja auch lange genug gedauert! Vielen Dank für deine lieben Worte, die bedeuten mir echt viel!

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