Hallo Echo! – Echo, Echo …

Ich bin wieder da. Ich habe endlich Zeit. Ich nutze diese Zeit, euch über mein altes, neues Leben zu erzählen. Der kurze Abstecher in die Straßenpflasterei war erfolgreich und ich bin angekommen, wo ich hinwollte. Der Weg war holprig, aber der Weg ist ja das Ziel, oder wie war das?

Die erste Woche zu Hause habe ich zusammen mit einer Freundin verlebt, die ich aus Neuseeland kannte, die aber aus Holland kommt und angeboten hatte, mich am Flughafen zu empfangen. Das war echt schön und ein guter Übergang, denn wir konnten Englisch miteinander sprechen, und dies in der vertrauten Umgebung zu tun, hat geholfen, nicht gleich im kalten, deutschen Wasser unterzugehen.

Die zweite Woche verbrachte ich damit, mich mit dem Arbeitsamt herumzuärgern, wie eigentlich immer. Das führe ich auch gar nicht weiter aus, denn jeder hat so etwas sicher schon erlebt. In der dritten Woche hatte ich dann ein so genanntes Beratungsgespräch im ‚Jobcenter‘. Da ich aus Erfahrung weiß, dass diese rein gar nichts bringen, wenn man schlecht vorbereitet dahin geht oder erwartet, dass der Berater seinen Job zu 100% alleine macht, habe ich mir aus dem BIZ das Lexikon der Ausbildungsberufe organisiert und mich eingelesen in Berufe, die mich eventuell interessieren könnten. Dieses Buch kann ich übrigens jedem nur empfehlen, denn es ist klar untergliedert in verschiedene Berufe (‚Berufe mit Metall‘, ‚Berufe mit Kindern‘, …) und die einzelnen Berufe werden klar beschrieben, inklusive Ausbildungsdauer, eventuellen Vergütungen und Anforderungen, Aufgabenbereichen und späteren Möglichkeiten.

Abenteuer Teil 1

Mein Fokus lag dabei auf der Arbeit mit Kindern, da ich in Australien auf der Farm festgestellt habe, mit wie viel Freude es mich erfüllt, mit Dan zu leben und lernen. Ich kam also 5 Minuten zu früh zu meinem Beratungsgespräch, wie man das halt so macht, nicht wahr? Mein Berater war äußerst motiviert, wie das bei Menschen beim Arbeitsamt zur Stellenbeschreibung wohl dazugehört, und wies mich erstmal vorwurfsvoll darauf hin, dass ich ja einige Termine nicht wahrgenommen habe. Auf meinen Protest, das könne aber nicht in diesem Jahr gewesen sein, belehrte er mich, dass es sich dabei um Termine im letzten Jahr handele und beim Arbeitsamt nichts verloren gehe (außer Motivation und Liebenswürdigkeit natürlich, aber ich verschwieg ihm aus taktischen Gründen diese meine Meinung).

Dann drehte er sich mir zu, fast schwungvoll auf seinem Drehstuhl, und sagte: „Abitur haben Sie ja nicht …“, woraufhin mir erstaunt die Kinnlade herunterklappte. Ich wagte also, zu widersprechen: „Ich glaube mich zu erinnern, vor ein paar Jahren in 4 schriftlichen und einer mündlichen Prüfung geschwitzt zu haben.“ Mein Widerspruch bewog meinen Berater also, sich grummelnd zu seinem PC zu drehen und mein bestandenes Abitur in die Akten zu übertragen. Nachdem das geklärt war, begann ich, meine Situation zu schildern und meine Zukunftspläne grob zu umreißen. Herablassend rasselte Herr K. die Adresse der Schule, bei der ich mich melden müsse, die angeforderten Bewerbungsunterlagen, Dauer der Ausbildung und weitere Informationen herunter, wobei ich ihn unterbrechen und um Zettel und Stift bitten musste.

Kardinalfehler! „Das sollten Sie eigentlich dabei haben!“ schnaubte Herr K. in einem frustriert-aggresiven Tonfall, was ich jedoch einfach unbeachtet ließ, denn er hatte ja Recht (zu meiner Verteidigung sollte aber gesagt sein, dass ich einen Kugelschreiber dabei hatte). Jedenfalls begann ich Notizen zu machen und Fragen zu stellen: was der Unterschied zwischen einer Erzieherin und einer Erzieherin in Heim- und Jugendarbeit sei, wollte ich wissen. Herr K. musste seinen PC bemühen, fragte mich jedoch, was denn in dem Lexikon der Ausbildungsberufe, das ich natürlich vorbildlicherweise dabeihatte, stünde. Zack! Da hatte er mich aber unterschätzt! Stand alles fein säuberlich auf einem Post-it und mit farbigen Stiften hatte ich mir die wichtigsten Stellen im Text markiert – Abiturientendrill!

Nachdem also die jeweils gewünschten Informationen ausgetauscht worden waren, begehrte ich zu erfahren, wie es denn mit einer Weiterbildung zur SOS-Kinderdorfmutter stünde: wie lange da eine Weiterbildung dauere, wie die Berufschancen in Deutschland seien und wie einfach es sei, ins Ausland zu gehen, wollte ich wissen. Und des Weiteren hoffte ich zu erfahren, welche Schritte ich unternehmen müsse, um Diakonin zu werden: müsse ich studieren, wenn ja, wie lange, oder gäbe es da eine Weiterbildung nach der Ausbildung zur Erzieherin, müsse ich bestimmte Qualifikationen vorweisen und wie genau ginge das vonstatten? Ich glaube, Herr K. hat in seinem ganzen Leben noch nicht so viele verschiedene Informationen an ein und dieselbe Kundin herausgeben müssen. Sichtlich schockiert ob meiner Flut an Fragen entschuldigte er sich regelmäßig dafür, dieses und jenes nicht zu wissen und wies mehrfach darauf hin, dass es aber alles in seinem PC gespeichert sei und was er und seine Kollegen ohne den PC nur machen würden, wisse er ja auch nicht. Ich nickte nur wissend.

Nachdem ich meinen Berater also davon überzeugt hatte, dass ich konnte und gedachte, auch tatsächlich zu wollen, war er sehr kooperativ und wir verbrachten eine nette Informationsstunde. Er schaute sich meine Bewerbungsunterlagen an und wies mich auf Fehlformulierungen und Unterlassungen hin, korrigierte freundlich und war alles in allem sehr hilfsbereit. Wie genau ich mich an der Schule zu bewerben habe, erklärte er mir und dann erkundigte er sich nach meinen Auslandsaufenthalten. Was genau ich gemacht habe, wo und wieso, und wie ich mir das finanziert habe, wie ich auf Neuseeland und Australien gekommen sei, ob ich mir alles alleine organisiert habe oder oder oder. Und ob es tatsächlich so sei wie im Film, dort auf der Farm im Outback. Ich glaube, ich habe ihn fasziniert, den netten Herrn K. . Am Ende wünschte er mir mit festem Händedruck Glück und meinte, er habe keinerlei Bedenken, dass ich bei der Schule angenommen werde. Wie schön!

Abenteuer Teil 2

Am nächsten Tag stand ich gestriegelt und hoffnungsvoll in den Korridoren meiner hoffentlich zukünftigen Schule – ich hatte mich für die zweijährige, schulische Ausbildung zur Erzieherin entschieden, der voran die ebenfalls zweijährige, schulische Ausbildung zur Sozialassistentin geht. Meiner Euphorie, endlich Schritte in die richtige Richtung zu unternehmen, wurde ein Dämpfer versetzt mit den Worten: „Also, da brauchen Sie einen Praktikumsplatz; wenn Sie keinen finden, dann können Sie sich das gleich abschminken.“ Was da genau die Anforderungen seien, konnte mir die Sekretärin allerdings nicht sagen, die zuständige Lehrerin sei gerade nicht im Haus und werde sich in der kommenden Woche bei mir melden – bis dahin könne ich ja schon Anstrengungen unternehmen, einen Praxisplatz zu finden.

Ich erstellte also eine Liste, erbat mir Hilfe, Tricks und Tipps von facebook-Nutzern aus meiner Umgebung und telefonierte darauflos. Bei wie vielen Kindergärten ich mein Sprüchlein aufsagte, kann ich hier gar nicht erwähnen, aber immerhin zwei Bewerbungen durfte ich losschicken. In allen anderen Einrichtungen gab es entweder schon Praktikanten (das Schuljahr war ja auch schon 6 bzw. 7 Wochen am Laufen), sie nahmen generell keine oder die Leitung war bis auf Weiteres im Urlaub. Pft. Vollkommen entmutigt wählte ich die Nummer für Kummer und bat das Arbeitsamt, meinem Berater auszurichten, mich anzurufen. Das tat er dann und ich klagte Herrn K. mein Leid. Er versprach, seine Kollegen zu fragen und sich bei mir zu melden. Gerade hatte ich aufgelegt, da rief die Schule an – die Abteilungsleitung für Soziales würde sich freuen, wenn ich bei ihnen mitmachen würde! Die Nummer eines freien Kindergartens gab sie mir auch mit dem Auftrag, da sofort anzurufen. Kaum aufgelegt, klingelte das Telefon schon wieder und einer der Kindergärten, der meine Bewerbung erhalten hatte, bot mir einen Platz in seiner Krippe an.

Die Entscheidung fiel schwer, aber ich habe den Krippenplatz angenommen und habe es bis jetzt keine Sekunde bereut. Dort sind insgesamt 13 Kinder im Alter von 12 Monaten bis fast 3 Jahren. Ich habe noch nicht alle kennengelernt, da ich erst 5 Praxistage absolviert habe, aber die Einrichtung ist hell, freundlich und geräumig. Meine Mitarbeiter und vor allem Betreuerin sind superfreundlich, hilfsbereit, verständnisvoll und das Team ist jung. Ich fühle mich sehr wohl und freue mich darauf, dort ein Jahr jede Woche 2 Tage Erfahrung zu sammeln.

Nach den jetzt stattfindenden Herbstferien, die ich dazu nutze, den versäumten Schulstoff aufzuholen, geht es für mich Montag bis Mittwoch in die Schule und Donnerstag und Freitag in die Krippe. Ich freue mich, eine Richtung und Routine zu haben und somit eine Struktur in mein Leben bringen zu können. Ich muss ewig früh aufstehen, um pünktlich in die Schule und vor allem in die Krippe zu kommen, aber daran, dass ich zwar erst grummelig bin, aber dann freudig und erwartungsvoll zur Arbeit fahre, merke ich, dass ich das Richtige gewählt habe. Wünscht mir Glück für den Neustart in der Schule – ein bißchen aufgeregt bin ich ja schon. Ob ich mir selbst eine Schultüte gönnen soll? Hmmmm … 🙂

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Ich wünsche mir … Copyright by Inge.

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2 Kommentare zu “Hallo Echo! – Echo, Echo …

  1. Ich hoffe, Du hast Dir eine Schultüte gegönnt! Und ich wünsche Dir einen guten Start in diesen neuen Lebensabschnitt! Nachdem ich hier alles von der Farm gelesen habe, glaube ich auch, dass Du genau das Richtige für Dich gewählt hast. Viel Spaß!

    • Ach vielen, vielen Dank! 🙂 Ich hoffe, alles läuft glatt, ich bin echt aufgeregt, was diesen ersten Schultag betrifft, bin das ja gar nicht mehr gewöhnt …

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