Gegen Blutkrebs

Hallo ihr Lieben!

Da ich in letzter Zeit gesundheitlich nicht so auf der Höhe war, hab ich jeden Tag beim Arzt vorbeischauen müssen und aus Ermangelung einer ordentlichen Lektüre fiel mein Blick auf die Infowand mit Broschüren. Dort lag folgendes Infoblatt aus:

P1000890

Mal abgesehen davon, dass ich den Menschen auf diesem Infoblättlein optisch anziehend finde, fand ich es schon immer wichtig, mit meinem vergleichsweise gesunden Körper Menschen helfen zu können und so habe ich mir den Flyer gegriffen und durchgelesen.

DKMS bedeutet Deutsche Knochenmarkspende(rdatei). Das ist eine Organisation, die sich dem Kampf gegen den Blutkrebs verschrieben hat. Alle 16 Minuten erkrankt allein in Deutschland ein Mensche an Blutkrebs, wie viele es auf der ganzen Welt sind, weiß ich nicht. Einige von euch fragen sich jetzt wahrscheinlich:

Was ist denn Blutkrebs eigentlich?

Grob beschrieben ist Blutkrebs eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks oder des Blut bildenden Systems. Die normale Blutbildung ist gestört, da sich die bösartigen Blutzellen unkontrolliert vermehren – lebenswichtige Aufgaben wie Infektionen zu bekämpfen, Sauerstoff zu transportieren oder Blutungen zu stoppen kann das Blut nicht mehr bewältigen. Ein erkrankter Mensch stirbt.

Die logische, weiterführende Frage für mich ist:

Gibt es Hilfe? Was kann ich tun?

Geholfen werden kann erkrankten Menschen mit einer Stammzellenspende. Klingt doch ganz einfach und schließlich sind schon über 4 Millionen Menschen registrierte Stammzellenspender. Leider und natürlich gibt es einen Haken, nämlich den, dass die Gewebemerkmale von Spender und Patient zu nahezu 100% übereinstimmen müssen. Und da wird es problematisch, denn die rund 10.000 Merkmale können in Abermillionen Kombinationen auftreten (und jeder, der schon mal Wahrscheinlichkeitsbäume in Mathe gemalt hat, weiß, wie kompliziert das werden kann – urgh).  Irgendwo in der Welt sitzt vielleicht ein Mensch, dem nur du helfen kannst – nur du allein.  Um zu helfen, musst du dich registrieren, und die Menschen von der DKMS-Family, wie sie sich nennen, erklären dir alles verständlich und kümmern sich ordentlich um dich.

Wenn du:

+ zwischen 18 und 55 Jahren alt und
+ körperlich fit bist und
+ keine chronischen Erkrankungen hast und
+ keiner Risikogruppe angehörst,

dann kommst du für eine Stammzellenspende in Frage. Aber vielleicht steht ja auch erstmal die Frage im Raum:

Was läuft da eigentlich ab bei so einer Spende? Ist das wie Blut spenden?

Ja und nein, denke ich als recht frisches DKMS-Familienmitglied. Es gibt zwei verschiedene Arten der Stammzellenspende; mit deiner Unterschrift erklärst du dich für beide bereit. Du kannst also nicht wählen, nur auf eine Art und Weise zu spenden. Ganz oder gar nicht heißt es hier.

peripher

1. Die periphere Stammzellentnahme

Bei dieser Methode, die zu 80% angewandt wird, nimmst du als Spender 5 Tage lang einen hormonähnlichen Stoff ein, der bewirkt, dass sich vermehrt Stammzellen in deinem Blut bilden. Dieser Stoff wird vom Körper bei Infektionen auch selbst produziert und schadet dem Körper somit nicht. Während der Einnahme kann es zu grippeähnlichen Symptomen kommen, da sich der Körper mit diesem Medikament auseinandersetzt. Nach 5 Tagen gehst du Blut spenden, wenn ich mich recht erinnere, werden 0.75l Blut „abgezapft“, aus dem die Stammzellen gefiltert werden und das du dann so gefiltert wieder zurückbekommst. Das dauert 3-4 Stunden und du fühlst dich dann ein bißchen matschig, musst vielleicht sogar zu Hause bleiben, aber generell gibt es noch keine bekannten Langzeitschäden – oder Nebenwirkungen.

becken

2. Die Knochenmarkentnahme

Hierbei ist ganz wichtig, zu wissen, dass nicht das Rückenmark „angebohrt“ wird, sondern der Beckenkamm. Unter Vollnarkose wird operativ etwa 1L Knochenmark-Blutgemisch aus deinem Beckenkamm entnommen. Die entnommene Menge regeneriert sich innerhalb von etwa 2 Wochen vollständig und das Risiko dieser OP beschränkt sich auf das Narkoserisiko und auf einen lokalen Wundschmerz, der aber auch wieder abklingt. Du wirst ca. 2-3 Tage im Krankenhaus verbringen, aber die Helfer der DKMS kümmern sich um alles, was mit deinem Arbeitgeber zu regeln ist.

Bevor es allerdings überhaupt zur Spende kommt, wirst du körperlich durchgecheckt und es wird getestet, ob du wirklich noch fit genug bist. Manchmal liegen ja zwischen der Registrierung und der eigentlichen Spende mehrere Jahre, in denen sich der Gesundheitszustand verändert haben könnte. So wird vermieden, dass Komplikationen auftreten oder unnötige Spenden gemacht werden. Erst, wenn wirklich sicher ist, dass deine Merkmale mit denen des Patienten so übereinstimmen, dass man eine Spende wagen kann, geht es los.

Kostet das etwas? Muss ich etwas zahlen?

… fragst du dich jetzt vielleicht. Zu Recht, diese Fragen habe ich mir als unbezahlte Azubine auch gestellt. Die Registrierung zum Stammzellenspender kostet tatsächlich 50€, die aber die Organisation übernimmt. Du kannst, musst dich aber nicht an den Kosten beteiligen. Die Organisation finanziert sich über Spenden und selbst, wenn du 2,50€ zahlst, wird das dankend angenommen. Auch die Anreise zu dem Spendeort, der deinem Wohnort am nächsten liegt, bezahlt die Organisation, genauso Übrenachtungs- und Krankenhausaufenthaltskosten. Dich kostet das Spenden lediglich Zeit und möglicherweise einige „Krank-Tage“, aber die DKMS-Mitarbeiter übernehmen die Organisation, reden mit deinem Chef und kümmern sich um dich und alles. Du bist also bestens versorgt.

Was, wenn ich mal keine Zeit habe/ im Ausland bin / … ?

Verständlich, dass man nicht immer auf dem selben Fleck ist; manche Menschen müssen beruflich viel im Ausland unterwegs sein, andere haben zu bestimmten Zeiten vielleicht Prüfungen und möchten sich dann nicht mit grippeähnlichen Symptomen herumschlagen oder frisch operiert aus dem Krankenhausbett in den Hörsaal rutschen. Du kannst dich für bestimmte Zeiträume einfach abmelden, sodass du gar nicht erst angeschrieben wirst und in einen Zwiespalt gerätst.

Ich finde das gut, möchte oder kann aber kein Knochenmark oder Stammzellen spenden.

Musst du auch gar nicht – helfen kannst du trotzdem, wenn du willst. Wie gesagt, die DKMS finanziert sich ausschließlich über Spenden und freut sich über den kleinsten Beitrag. Hierhin kannst du deinen frei gewählten Spendenbeitrag überweisen:

Kreissparkasse Tübingen
Kontonummer    255 556
Bankleitzahl         641 500 20

IBAN                       DE64 641500200000255556
BIC                           SOLADES1TUB

Oder du legst Flyer aus: in deinem Laden, in deiner Praxis, in deinem Taxi, in deiner Schule, auf deiner Arbeit. Oder du postest etwas über die Knochenmarkspende auf facebook, twitterst oder bloggst darüber.

Mehr Infos gibt es hier (wo es auch ein tolles Video gibt, das alles nochmal vereinfacht erklärt),
unter dieser Telefonnummer 07071 9430
oder per email an post@dkms.de

Ich jedenfalls habe mich telefonisch angemeldet und erwarte jetzt aufgeregt die Ankunft des Selbstregistrierer-Sets. Das ist ein kleiner Koffer (ich hoffe auf etwas Silbernes mit schicken Klick-Verschlüssen à la Geldübergabekoffer 😉 ) mit Anleitung für den Wangenabstrich, mit dessen Hilfe meine Gewebemerkmale festgestellt werden. Darüber werde ich dann auch posten, damit ihr auf dem Laufenden bleibt.

Was haltet ihr davon? Seid ihr schon registriert? Wenn ja, was sind eure Erfahrungen? Wenn nein, würdet ihr es in Erwägung ziehen?

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15 Kommentare zu “Gegen Blutkrebs

    • Hallo 🙂
      Also, als ich am Telefon Bedenken geäußert habe, dass ich eigentlich weniger gerne meinen Beckenknochen angezapft haben möchte, wurde mir gesagt, dass man sich schon zu beidem verpflichtet. Da das aber eh nur in 20% der Fälle der Fall ist, ware ich jetzt erstmal ab, was passiert – vielleicht rufst du auch einfach mal an, fragst nach und berichtet mir / uns? 🙂

  1. Meine Eltern, mein Bruder und ich haben uns vor einigen Jahren kollektiv als Spender beim DKMS eingetragen. Ist auf jeden Fall eine gute Sache, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlen muss, wenn man dann wirklich mal einem anderen Menschen damit das leben rettet.

    Und danke für den Tipp, dass man sich für bestimmte Zeiträume abmelden kann. Das ist gut zu wissen, sollte man im Hinterkopf behalten. ^^

    • Wow, das finde ich richtig cool, dass ihr das als Familie gemacht habt! Das geht bei uns leider nicht mehr! Ihr wurdet also auch noch nicht benachrichtigt, dass ihr eventuell in Frage kommt, richtig?

      Ich fand das mit dem Abmelden auch sinnvoll, weil ich zum Beispiel in der Zeit der Prüfungen nicht gerne kränkeln würde, aber wenn in dieser Zeit ein Briefe käme, hätte ich ganz schöne Gewissensbisse.

  2. Ich finde Dein Engagement toll! Ich würde es auch machen, falle aber unter die Ausschlusskriterien. Organspende finde ich zum Beispiel auch eine sinnvolle Sache. Warum sollte man alle meine Reste den Würmern überlassen, wenn sie auch ein Leben retten könnten. Da frage ich mich schon lange, ob das nicht verpflichtend sein sollte.

    • Hallo Corinna, schade, dass man dann nicht helfen kann, wenn man möchte, oder? Ich habe auch eine Organspendeausweis ausgefüllt und trage ihn bei mir – und ich gehe trotz meiner Angst vor Nadeln fleißig Blut spenden, wenn ich nicht gerade krank war oder frisch tätowiert / gepierct wurde. Organspende zu verpflichten – ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist – ich finde, dass jeder selbst entscheiden sollte, was er mit seinem Körper macht oder was mit ihm passiert. Wenn man aber gar nicht spenden darf / kann, kann man ja immer noch finanzielle Gaben machen, die die Arbeit der Lebensretter unterstützen.

      • Ich denke hinsichtlich der Organspende, dass weniger Leute widersprechen würden, als den – zugegeben geringen, aber immerhin doch – Aufwand zu betreiben, sich zu verpflichten. Ähnlich wie Google es gemacht, als sie meinte, man könne dem Streetview auch widersprechen. 😉

        Grundsätzlich muss natürlich jeder entscheiden können, was mit seinem Körper passiert. Obwohl… wenn ich darüber nachdenke, warum eigentlich, wenn man ohnehin schon tot ist? Klingt ketzerisch, aber ist vielleicht auch mal überdenkenswert.

  3. Pingback: Gegen Blutkrebs – das Registrieren | recolourlife

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