Von O bis O – Aus dem Alltag einer unerschrockenen Reifenwechslerin

????????????????????????Ich kann Reifenwechseln. Ja. Weibliche Anatomie und Reifenwechselfähigkeiten schließen sich nicht aus, wie viele Männer (und leider auch einige Frauen) annehmen. Ich kann erkennen, welcher Reifen vorne links und welcher hinten rechts montiert werden muss, ich weiß, wo ich die Luftdruckangaben finde und tatsächlich auch, wie ich den Luftdrucke messe, senke und erhöhe, sollte es denn nötig sein. Ich kann meinen Fahrzeugschein lesen (obwohl ich andere Lektüre bevorzuge) und anhand der ganzen Kürzel auf dem Reifen erkennen, ob ein Reifen mal getestet werden sollte: hat er vielleicht seine besten Jahre hinter sich und sollte langsam in den Gummihimmel entsendet werden? Oder tut er’s noch ein paar Jahre? Einmal Nachmessen der Profiltiefe und Untersuchung in der Werkstatt meines Vertrauens und ich weiß Bescheid.

Nach Ostern Reifenwechsel

????????????????????????Es heißt ja, ein Paar Reifen sollte immer „von O bis O“ (Ostern bis Oktober bzw. Oktober bis Ostern) gefahren werden, also hatte ich mir überlegt, ich könnte ja noch in den Ferien meine Reifen wechseln. Ich mache das immer selbst und auch wirklich gerne – da fühle ich mich immer so … kompetent! Da mein geliebter Horst (ja, mein Auto ist ein ER und wir lieben uns) schon ein recht reifer Herr ist, kam es mir in den Sinn, mal zu überprüfen, wie reif seine Reifen eigentlich sind … und so fing das Dilemma an.

.

Die fiese DOT-Nummer

Normalerweise erkennt frau das Alter der Reifen an der DOT-Nummer – das Department of Transportation, also das Verkehrministerium der US of A, hat die vor ein paar Jahrzehnten eingeführt. Das ist meist eine 4-stellige Nummer (manchmal auch noch 3-stellig), die angibt, in welcher Kalenderwoche und in welchem Jahr der Reifen gefertigt wurde.

Dreistellig:

????????????????????????

Eine dreistellige DOT-Nummer zeigt an, dass der Reifen in den 1980ern gefertigt wurde. Sie sieht evtl. so aus: 489 – das bedeutet, der Reifen wurde in der 48. Kalenderwoche des Jahres 1989 gefertigt.

Dreistellig mit Δ (Delta):
Außerdem gibt es da noch dreistellige Nummern mit einem Deltazeichen: das Delta wird für Reifen verwendet, die in den 1990ern gefertigt wurden. Die DOT-Nummer 257Δ bedeutet also, der Reifen wurde in der 25. Kalenderwoche im Jahr 1997 gefertigt.

Vierstellig:
Die neuesten DOT-Nummern sind vierstellig. Folgende Nummer 0405 bedeutet also … na? … der Reifen wurde in der 4. Kalenderwoche des Jahres 2005 gefertigt! Richtig!

Bestens ausgerüstet ans Werk

Im Prinzip ist die Altersüberprüfung ja nun wirklich nicht so schwierig – es sei denn, man findet diese bescheuerte Nummer nicht! Also, es ist doch ein Kreuz. Da ????????????????????????will man ganz tüchtig und selbstbestimmt loslegen, seine Fähigkeiten demonstrieren und es scheitert daran, dass man mit der Lupe über dem Reifen hängt und nach  Ziffern sucht, die nicht draufstehen. Also doch: Reifen ins Auto und die Werkstatt aufsuchen, wo – natürlich! – nur Männer arbeiten, die sich bestimmt gegenseitig die ölbeschmierten Ellenbogen in die Rippen schubsen und frauenunfreundliche Dinge vor sich hinmurmeln. Hmpfr! Kann ich ja nix dafür, dass da keine Nummer drauftsteht …

Lost and found …

Nein, das war geschummelt. In meiner Werkstatt arbeiten zwar wirklich nur Männer, und der hinterm Tresen hat mich tatsächlich schief angeschaut, als ich von unauffindbaren DOT-Nummern erzählt habe, aber der, der damit beauftragt wurde, mir beim Suchen der Nummer zu assistieren, war äußerst freundlich. Und tatsächlich – die Ziffern waren in einem Kürzelwald verborgen, und ich hätte sie wirklich nicht alleine finden können. Ich wollte schon fragen, ob er mir DAS schriftlich geben kann, konnte mich jedoch grad so beherrschen …

????????????????????????

Tja … jetzt weiß ich also Bescheid, brauche keine neuen Reifen für diesen Sommer (yay!) und kann mir beim Wechseln wieder vollkommen fachfräulich und fröhlich die Finger schmutzig machen. Außerdem: nach Ostern ist ja bekanntlich vor Oktober – meine Winterreifen wechsel ich dann wirklich ohne dass mir jemand dazwischenfunken muss! Ich kann das nämlich echt.

6 thoughts on “Von O bis O – Aus dem Alltag einer unerschrockenen Reifenwechslerin

  1. Wow! Kompliment! Dinge am Auto sind für mich als Mechanikertochter bzw. Mecahnikerschwester im Aufgaben meines Vaters oder Bruders gewesen. Auch hier in Italien besteche ich die Mechaniker der sich gegenüber befindenden Autowerkstatt lieber mit Kuchen im Austausch für einen Freundschaftspreis, als Dinge am Auto selbst zu machen.😉

    • Du kannst eben andere Sachen toll, wie zum Beispiel bloggen, italienisch lernen und Kuchen backen!🙂 Für mich ist es ganz wichtig, sowas alleine zu können und nicht ständig auf andere (okay, Männer…) angewiesen zu sein. Darum frage und frage ich immer, wenn jemand da ist, der Bescheid weiß – meistens einen meiner Cousins.

      • 🙂 Du machst das schon richtig. Wenn Dir etwas wichtig ist, dann ist es gut, es zu lernen. Ich treibe mich in der Männerdomaine eher in Haus und Garten herum und habe mich dafür mehr interessiert. … und sonst, wie schon gesagt: Kuchen backen. Kommt eigentlich immer gut an. *ggg* Falls Du einen Werkstattkurs brauchst, kann ich ja mal bei meinen Männern nach einem Bildungsurlaub in Ostbrandenburg für Dich anfragen.😉

      • Ja, ich finde es auch toll, wie du eure Renovierungsarbeiten koordiniert hast😉 Das kommt bei mir dran, wenn ich endlich ausziehe😉 Und was den Bildungsurlaub in Ostbrandenburg angeht – ich komme darauf zurück!🙂

  2. Auch von mir Kompliment! Ich muss gestehen für mich ist Technik ein Buch mit sieben Siegeln – und da ich einen Freund habe der sowohl IT als auch Handwerk gelernt hat überlasse ich ihm gerne das Reifenwechseln, Heizungsschraubdingsreparieren, Mixer-wieder-zusammensetzen und gelegentlich sogar das Overlock-Maschine-korrekt-einfädeln (um mal die Herausforderungen des letzten Winters aufzuzählen). Ich finde aber grundsätzlich hat das nichts mit Geschlecht sondern eher mit Interesse und Geschick zu tun – auch wenn die Herren das manchmal anders sehen😉

    • Interesse ist hier das Stichwort! Wenn einem Kind von Anfang an eingeredet wird, es könne etwas nicht, dann geht es genau so an die Aufgabe heran: unsicher, ängstlich, uninteressiert. Erklärt man einem Kind aber, man sei sicher, es würde das schon hinkriegen, dann stürzt sich das Kind begeistert und neugierig in die Aufgabe und werkelt vor sich hin, bis es die Lösung findet. Die Erwartungshaltung der Erwachsenen hat Einfluss auf das Ergebnis!
      Genau so ist es mit Erwachsenen: wenn Männer ständig erklären, dass Frauen dieses und jenes nicht könnten, dann ist es wahrscheinlich, dass eine Frau schon gar keine Lust mehr hat, es zu probieren, da sie sich beobachtet und bewertet fühlt. Sie verliert das Interesse und somit die Möglichkeit, sich etwas anzueignen. Jeder Mensch kann alles lernen, solange er es wirklich will!🙂

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s