Aus dem Mund von … Rosenstolz

Hallo liebe Lebensmaler,

ich bin in letzter Zeit so viel beschäftigt! Ich bin nicht mehr in der Schule, sondern in der Praxis. Ich arbeite jetzt jeden Tag in einer Wohngruppe einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung und erfahre, wie sich die bewegte Realität von den glatten Beschreibungen der Fachbücher unterscheidet. Ich fühle mich sehr wohl dort, wo ich arbeite, aber es ist nicht so, dass ich die Füße hochlegen kann – das ganz sicher nicht, denn ich muss natürlich ein Projekt erdenken, planen, durchführen und auswerten, mir alles mögliche theoretische Wissen anlesen und mündlich in einem Fachgespräch reproduzieren und natürlich den Alltag verstehen, die Kollegen unterstützen und für die Kinder und Jugendlichen Ansprechpartner, aber auch Vorbild und manchmal auch nervige, meckernde Elternvertretung sein. Das klingt nach ziemlich krassen Spagat und oft ist es das auch.

Erwähnte ich schon, dass ich mich wohl fühle? Was stressig klingt, ist für mich Leben und Entwicklung, Ausprobieren und Wachsen. Es ist lebending und bunt und aufregend und ungemein wundervoll. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erfüllt mich einfach total und obwohl ich manchmal traurig bin, dass ich ihr Leben nicht wieder „heile machen“ kann, sind da diese Augenblicke … wenn mich ein Jugendlicher umarmt und sagt, er mag mich, wenn Englisch und Mathe plötzlich Spaß machen, wenn mir ein Kuss auf die Wange gedrückt wird, wenn ich „Ersatzmami“ genannt werde, wenn 4 Kinder an meinen Beinen hängen und alle etwas von mir wollen, wenn ich über Roller fachsimpele und eigentlich keine Ahnung habe davon, wenn ich mich mit Haarlack als Friseurin austoben darf und ein glückliches Lachen ernte …

Ich freue mich auf die Arbeit und bin dankbar und glücklich, einen Beruf gefunden zu haben, der mich morgens aufstehen und lächeln lässt. Ich bekomme so viel zurück an einfachen, aber trotzdem unbezahlbaren Gesten und das ist einfach wundervoll. Und genau dieses Gefühl drückt der Song „Gib mir Sonne“ von Rosenstolz aus, dieses Überquellen von Freude und ein Umarmen-Wollen der ganzen Welt.

rosenstolz4P.S. Versteht mich nicht falsch – der Alltag ist KEIN Zuckerschlecken und die Fetzen fliegen des Öfteren. Es ist keine rosa Wattekissenwelt, in der alles läuft und nichts schiefgeht. Es ist anstrengend und schwierig, alle Bedürfnisse zu erspüren und ihnen gerecht zu werden ist noch viel unmöglicher. Aber dennoch … diese Momente machen alles wieder gut.

7 thoughts on “Aus dem Mund von … Rosenstolz

  1. Wow! Da hast Du Dir aber etwas vorgenommen. Meine Mama war jahrzehntelang in der Betreuung von Jugendlichen aktiv. Von daher weiß ich, wie nervenzehrend, aber auch befriedigend diese Arbeit sein kann. Ich wünsch‘ Dir, dass dieses befriedigende Hochgefühl, das Du hier beschreibst, sich immer wieder einstellt!🙂

    • Danke Corinna, das wünsche ich mir selbst auch! Und genau darum „protokolliere“ ich es hier und stolpere in ein paar Jahren hoffentlich dann darüber, wenn es mir mal abhanden gekommen ist. Wie schon festgestellt: die Arbeit ist auch nervenzehrend und anstrengend, da Kinder und Jugendliche nicht wie Maschinen zum Feierabend abgestellt werden …😉
      Was genau macht deine Mama, oder was hat sie gemacht?

      • Meine Mama war zwanzig Jahre Kindergärtnerin und dann 15 Jahre lang in der Familienhilfe tätig. Da betreut man im Auftrag vom Jugendamt Familien, in denen die Kinder auffällig geworden sind und versucht, ihnen dabei zu helfen, das Leben wieder in geregelte Bahnen zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Eltern auch ihre Pflichten gegenüber den Kindern erfüllen. Schwierige Sache, aber es gab auch immer wieder Glanzmomente, wenn jemand es geschafft hatte.🙂

      • Ja, das ist sehr schwierig, ich stimme dir zu. Alltägliche Dinge stellen oft schon eine Hürde dar für Eltern und Kinder … Schwierig neben dem Glanzmomente-Schaffen auch, die Arbeit auf der Arbeit zu lassen und nicht mit nach Hause zu nehmen, sowohl materialmäßig als auch gedanklich … daran knabbere ich momentan.

      • Ja, das Letztere ist auch ein Problem gewesen. Die Mitarbeiter der Organisation hatten alle einen Therapeuten, zu dem sie einmal im Monat gegangen sind, um damit fertig zu werden.

      • Immerhin einmal im Monat … obwohl das wohl auch nicht gerade viel ist! Gerade für mich als angehenden, frische Erzieherin ist es manchmal einfach sehr heftig. Mal sehen, wie es weitergeht.

  2. Pingback: Staatlich anerkannte Erzieherin | recolourlife

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