More beautiful than silence

Neulich mit Elena in den Straßen Hildesheims …

hildesheimcity

„Sprich nur, wenn das, was du gleich sagen wirst, schöner ist als die Stille.“

Zuhören ist genug

Das ist etwas, das ich in der Jugendarbeit oft erfahre – manchmal ist es gar nicht wichtig, tausend Ideen und Vorschläge und Kommentare parat zu haben, sondern viel eher, einfach da zu sein. Das klingt nach nicht viel, kann aber tausenderlei Gesichter haben. Eine Schulter verleihen. Offene Arme haben und massierende Finger wandern lassen. Eine Stirn zum Runzeln, einen Mund zum Seufzen, einen Rücken zum Lastenabnehmen anbieten. Aber eben still und teilnehmend. Denn oft ist es so, dass man dann beim Zuhören schon anfängt, über eine Erwiderung nachzudenken und dann hört man eben nicht mehr richtig zu. Ich selbst werde wütend, wenn meine Mutter mir gleich mit Ratschlägen kommt und womöglich noch versucht, mir die Perspektive und Gründe einer anderen Person aufzuzeigen. Ist mir doch schnurzpiepegal, ich kann mich da schon reinversetzen, aber was ich in diesem Moment brauche, ist dann einfach die Gewissheit: da ist jemand, der mir zuhört. Der sich die Zeit nimmt, mit mir zu sein. Den mein Teil, meine Sichtweise der Geschichte interessiert. Der nicht gleich alles gerade rücken will, sondern gemeinsam mit mir alles als anstrengend und überfordernd und auswegslos und bodenlos kacke findet. Mit dem ich motzen und schreien und weinen kann. Und dann ist es wieder gut, weil es raus ist.

Ich glaube wirklich, ohne abgedroschen klingen zu wollen, dass Zeit und Stille Geschenke sind, die wir alle maßlos unterschätzen. Beides ist so kostbar geworden, denn Orgakram und diese eine Email, aus der dann doch mindestens 5 werden, die Wäsche, der Rasen, die Überweisung, der Termin, das Auto, der Anruf, der Einkauf, facebook, twitter, aufräumen, … alles muss, will, soll erledigt werden.

Wo bleibt die Zeit zum Liebhaben?
Liebhaben sollte genauso auf unserer Liste stehen wie Kuscheln, Zuhören, Lächeln, Umarmen, Küssen, Streicheln, Massieren, in-den-Himmel-Schauen, Atmen, Schmecken. Manchmal muss man einfach aussteigen aus dem Karussell, das Drehen anhalten und die Jahrmarktmusik ausstellen. Sich auf das besinnen, was wirklich wichtig ist. Ich weiß noch nicht, ob die Stille immer schöner ist als Worte, aber ich möchte diesen Post abschließen mit einem Auszug aus Michael Endes „Momo“ – er sagt so ziemlich alles aus, was ich über die Stille, das Zuhören und die Wichtigkeit von beidem denke. Ich finde diesen Ausschnitt sowie die ganze Geschichte einfach wundervoll.

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“Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war das Zuhören.

Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder.
Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur recht wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte – nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme.

Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm plötzlich Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose, unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden.

Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf denen es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte das alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.

So konnte Momo zuhören!”

5 thoughts on “More beautiful than silence

  1. Ja, da triffst du genau einen wundern Punkt bei mir. Ich denke auch immer, dass jemand, der mir nur sein Herz ausschütten will, auch einen Rat haben möchte, und fange sofort an, Lösungen zu wälzen. Meistens ist es gar nicht nötig, weil die Leute eigentlich selbst meistens schon wissen, was sie machen müssen, und nur noch nicht so weit sind, es zu tun.

    • Ich glaube, dass das daran liegt, dass wir (denken,) uns immer beweisen (zu) müssen, ob mit Worten oder Taten, ist in dem Fall unwichtig. Wer aber sitzt und denkt und zuhört, der wird als langsam und unfähig abgetan. Einfach da zu sein und die Gefühle aufzunehmen und die Person dann, wenn es eingefordert wird, zu unterstützen, ist viel schöner und zufriedenstellender für bei. Es sind doch auch die Großeltern, die man am meisten liebt, weil sie sich Zeit nehmen und einfach für einen da sind – ohne, dass sie sich oder uns etwas beweisen.

      • Das ist gut möglich, aber bei mir liegt es vielleicht auch daran, dass ich generell ein sehr lösungsorientierter Mensch bin. Auch für mich selbst bedenke ich immer, zig Alternativen mir ihren Vor- und Nachteilen.🙂

        Mit meinen Großeltern hatte ich etwas Pech. Als ich sie brauchte, waren sie noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, und jetzt sind sie schon so alt, dass man eher für sie da sein muss. Aber ich weiß, was du meinst. Manchmal kommt es eben nur darauf an, dass jemand sich aussprechen kann und es damit gut ist.

  2. Pingback: Silence speaks | recolourlife

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