Alles halb so schlimm

Heute war ich irgendwie am Ende meiner Kräfte. Alles geht schief, alles wächst mir über den Kopf, entgleitet meiner Kontrolle. Und ich war genervt und erbost und hätte heulen können. Dann habe ich einen guten Freund gefragt, ob er mit mir skypen kann, denn irgendwie schafft er es immer, mich zum Lachen zu bringen. Ich hatte Glück, denn er hat sich Zeit für mich genommen.

Erst fragte ich ihn aus, um mich abzulenken, aber schließlich schilderte ich ihm alles, was mich nervte und er lachte. Er lachte und sagte: „Katha, all you need is money. You need money and you’ll be all good.“ Oh-oh. Mich auszulachen, wenn ich eh schon am Rand der Verzweiflung balanciere, ist absolut nicht zu empfehlen. Und sein Vorschlag war ja nun beim besten Willen nicht konstruktiv, sondern legte meine Wunde quasi direkt in Salz ein.

ABER (und das ist wichtig) gleich darauf wurde er ernst und sagte, wir würden eine Liste machen und die Probleme lösen. (Mit Listen kriegt man mich immer.) Und er fasste meine Probleme denn auch ganz kurz und unemotional zusammen:

– kein Auto
– keine Möbel
– keine Ahnung, wie viel Material ich für ein bestimmtes Projekt kaufen muss
– keine Medizin und Vorbereitungen für Tansania
– keine Zeit
– kein Geld

Dann fragte er, wo ich mir ein Auto leihen oder mieten könne. Er fragte, ob ich eine Matratze und Besteck hätte. Er sagte, ich solle Infos verlangen. Er sagte, ich solle losgehen und Medizin kaufen. Er fasste sachlich zusammen, wie viel Zeit ich für was brauchen würde und erklärte, ich hätte noch genug Zeit für alles andere. Und zum Abschluss sagte er: „Katha, in life problems come and problems go. Just get yourself up and start.“ Und ich wollte ihn dafür in den Arm nehmen.

Ich weiß auch nicht richtig, was da passiert ist. Vielleicht lag es daran, dass er alles leichter genommen hat, als ich es nehmen konnte. Er hat sich gar nicht auf meine emotionale Achterbahnfahrt eingelassen, sondern sein Ding durchgezogen. Aber nicht, ohne mir zuzuhören und mich das machen zu lassen, was mir Sicherheit gibt: eine Liste. Ich glaube, das war genau das Richtige, denn hätte er versucht, mich „in echt“ aufzumuntern, also konstruktive Vorschläge gemacht mit der Erwartung, dass ich sie genau so umsetze, dann hätten wir beide irgendwann verzweifelt. Er hat mich zwar ernst genommen, aber nicht überernst, und das brauchte ich. Jemanden, der mir zeigt: „Hey, soo schlimm ist es nicht, und es gibt Alternativen zum in-der-Ecke-sitzen-und-jammern. Das kannst du zwar ’ne Zeit lang machen, und das ist okay, aber dann solltest du weitermachen.“

Ein guter Rat – und danke Skype gar nicht teuer. Aber gute Freundschaft ist ja eh unbezahlbar.

 

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2 Kommentare zu “Alles halb so schlimm

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