Silence speaks

Ich habe bereits hier einen Post mit einem Bild  veröffentlicht, das eine tolle „Weisheit“ von Jr zeigt. Vor einiger Zeit schon fand ich eine weitere an einer Häuserwand.

silencespeaks

Stille spricht, wenn Worte es nicht vermögen.

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Jr scheint sich mit der Stille zu beschäftigen, ein Thema, das mich sehr anspricht, denn ich denke, dass Stille zu wenig vorkommt in unseren Leben. Wir tun alles, damit es nicht still wird um uns – WhatsApp, facebook, instagramm, twitter … das sind nur einige der sozialen Netzwerke oder Kommunikationswege der modernen Zeit, die es ermöglichen, dass wir täglich 24/7 zu erreichen sind und keine ruhige Minute für uns haben.

Das Problem dabei sehe ich darin, dass wir zwar alle diese Geräte nutzen, um erreichbar zu sein, uns mitzuteilen oder zu kommunizieren, aber dass wir nicht wirklich etwas sagen. Wir posten Bilder, wir teilen Links, wir kommentieren etwas – aber richtig miteinander reden geht anders.

Wenn wir nicht am Smartphone, Tablet oder PC hängen, dann läuft Musik oder der Fernseher. Irgendwas ist ja immer. Auch hier sehe ich den Umstand, dass die Medien echte Kommunikation verhindern. Wenn ein Lied läuft, singen wir vielleicht gemeinsam mit, wenn ein Film läuft, der uns beide interessiert, schauen wir ihn gemeinsam und teilen so unsere Interessen – aber echtes Interesse geht anders.

Diese Form der Unterhaltung – also die Musik oder der Film – dient als Basis für’s Abschalten vom stressigen Alltag. Aber muss dieser Alltag so stressig sein? Stellen wir uns nicht selbst ein Bein damit, ständig zu erreichen zu sein? Was wäre, wenn wir weniger oft erreichbar wären, einfach mal das Smartphone abstellen, uns aus sozialen Netzwerken ausklinken …? Hätten wir dann weniger Stress und abends Lust, uns mit der Tochter, dem Lebensgefährten oder dem Sitznachbar in der Bahn zu unterhalten?

Früher trafen sich Nachbarn, Freunde, Kollegen in der Kneipe oder zu Hause in der Stube, um gemeinam zu trinken, den Tag zu bekakeln und nebenher noch Sinnvolles zu tun wie Stricken oder Nähen oder Häkeln – okay, die Frauen taten das, aber ihr wisst, was ich meine. In einem etwas zeitnaheren „Früher“ gab es etwas, das nannte sich Spieleabend – da kam die Familie oder mehrere befreundete Familien zusammen und spielten Mensch ärgere dich nicht, Halma, Rommee, Skat, Maumau … und dabei wurde sich unterhalten, der neueste Dorftratsch ausgetauscht und besprochen, wer was wann wie wo und wie oft getan hatte. Kein Starren auf’s Smartphone, kein fixes Selfie, kein Posten ins WWW. So geht echtes Miteinander.

Die Ruhelosigkeit, die uns heute umgibt, rührt meiner Meinung nach größtenteils daher, dass wir nichts verpassen wollen von dem, was in der Welt, in den Medien passiert. Dabei verlieren wir uns selbst irgendwie aus dem Blick. Und wenn es dann mal still wird, dann kommen Gedanken und Bilder und Fragen, mit denen wir uns meist nicht auseinandersetzen können oder wollen, weil es unangenehme, schwierige und bohrende Dinge sind, mit denen sich unser Gehirn dann beschäftigen will, soll, muss. Auch ich versuche Dinge zu umgehen, indem ich vortäusche, hochbeschäftigt zu sein. Aber irgendwann kann ich auch aufhören, mir selbst etwas vorzumachen und bin in der Lage, mich mit den Dingen auseinanderzusetzten, die mir erst unüberwindbar schienen, dann aber doch irgendwie mach- und bedenkbar sind. Vor sich herschieben – okay. Komplett ausblenden – nicht okay.

Es ist so wichtig, sich in dieser schnelllebigen und aufmerksamkeitsgeilen, vorschnell, hart und bedenkenlos urteilenden Welt nicht selbst zu verlieren. Und das geht nur, wenn wir uns Zeit nehmen, mit und bei uns selbst zu sein. Nur dann erkennen wir Muster in unserem Denken oder unserem Verhalten, die dazu führen, dass wir uns so fühlen, wie wir uns fühlen. Und nur dann können wir etwas ändern. Natürlich ist das ein Prozess, der nicht von heute auf morgen stattfindet und der supereasy vonstatten geht. Selbstreflektion, und gerade kritische Selbstreflektion, ist nicht jedermanns Sache. Es braucht Übung und Zeit und Nachsicht mit sich selbst, aber etwas bewusst wahrnehmen ist der erste große Schritt zum Glücklicherwerden.

Eine Sache kurz vor Schluss: ihr merkt sicher, dass ich häufiger poste. Wieso habe ich plötzlich so viel Zeit dazu? Weil ich facebook-faste. Ich habe mich ausgeklinkt, weil ich seit einiger Zeit festgestellt habe, dass ich die Stille in meiner Wohnung damit zu füllen versuche, sinnlos bei facebook herumzuscrollen, unsinnige Videos anzusehen und Kommentare abzugeben. Und nachdem ich das festgestellt, überprüft und für ungut befunden habe, habe ich reagiert und habe jetzt mehr Zeit für etwas, das ich wirklich liebe: meinen Blog.

P.S. Über einen Kommentar von euch zu diesem Artikel würde ich mich sehr, sehr freuen.

5 thoughts on “Silence speaks

  1. Du drückst mit diesem Text genau das aus, was auch ich denke! Diese ständige Erreichbarkeit wirkt sich tatsächlich sehr negativ auf die Qualität unserer täglichen Aktivitäten aus. Wenn man zum Beispiel schon ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man eine E-Mail nicht sofort, sondern erst nach zwei Tagen beantwortet. Ich bin auch nicht bei Facebook, und von WhatsApp hatte ich mich schon nach wenigen Monaten wieder abgemeldet. Im Moment habe ich auch nur meinen Blog, der mir wirklich wichtig ist.
    Jetzt werde ich mich noch ein bisschen auf deinem Blog umsehen, mir gefällt es sehr, wie du schreibst🙂

    • Hallo und herzlich Willkommen hier🙂 Vielen Dank für deinen lieben Kommentar, ich freue mich, dass es auch andere Menschen gibt, denen auffällt, dass irgendwas „falsch“ läuft. Ganz ohne faceboook geht es leider nicht, da meine Freunde in der ganzen Welt verstreut sind, aber diese Fastenzeit ersehne ich jedes Jahr wieder, und auch den Sommer genieße ich in der Regel „7 Wochen ohne“🙂 Schau dich um, es wäre schön, dich öfter hier zu haben!

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