Aus dem Mund von … Bosse

bosse

 

Manchmal trifft man jemanden, der einem anders erscheint als alle anderen, bei dem man sich anders fühlt als bei allen anderen und der einem das Gefühl gibt, alle anderen sind eh unwichtig. Alles passt – von der Größe und dem Klamottenstil über den Humor, das Lachen und die Stimme bis hin zu unerwartet gemeinsam geliebten Songs und geteilten Ansichten auf das Leben, und auch die kleinen Dinge, die einen bei anderen stören würden, sind plötzlich liebenswert und besonders. Ich sage man – und meine mich. Alles passte – außer der verfi Zeitpunkt, zu dem wir uns begegnet sind. Wir wollten, dass es funktioniert, da bin ich sicher. Beide wollten wir das. Lange, lange, lange haben wir das versucht und es gab so schöne Momente, an die ich immer noch denke und die mich traurig werden lassen, dass es doch nicht funktioniert hat. Irgendwas kam dazwischen, und zwar immer und so lange, bis bei uns beiden einfach das Gefühl abgeklungen ist, besonders bei mir – über ihn kann ich nur Vermutungen anstellen. Das Wörtchen „wir“ bestand nicht mehr aus wohligem, kribbeligem, erwartungsfrohem Gefühl, nicht mehr aus Grinsen und Herzklopfen und Freudestrahlen, nicht mehr aus sich-besonders-fühlen und auch nicht mehr aus Hoffnung und Zuneigung, sondern da war einfach nur noch das Gefühl, fortlaufend enttäuscht zu werden oder ständig vorgehalten zu bekommen, den anderen enttäuscht zu haben, da war nur noch Resignation und Unverständnis, Trauer und Wut und Zweifel. Rundherum im Kreis ging es bei uns und wir haben nichts gelöst bekommen. Unerträglich wurde das irgendwann, besonders für mich, weil ich meine (Gefühls-)Welt gern geordnet und gesichert habe. Mein Kopf hatte schon lange begriffen, dass es sinnvoller wäre, einen Schnitt zu machen, aber mein Herz … das hat’s nicht so mit sauberen Schnitten. Ich mochte ihn doch so gerne!

Der Song „Steine“ von Bosse führte mir vor Augen, dass sich manchmal der richtige Mensch in unser Leben schiebt, wundervoll und einzigartig und perfekt – es aber bei einem flüchtigen Aneinandervorbeischieben bleibt, weil der Zeitpunkt der falsche ist. „Was wär‘, wenn wir uns zwischen Steinen fänden?“ – Zwischen Steinen und Staub, Schutt und Asche, mitten in einer Situation, an einem Ort im Leben, in dem ein Verweilen nicht möglich ist, weil beide so viel damit zu tun haben, Ordnung in ihr jeweiliges Leben zu bringen. Jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, dass kein Platz ist für den anderen mit seinem eigenen Scherbenhaufen von Leben, seinen Wünschen und Bedürfnissen. Und dabei wünscht man sich nichts mehr als jemanden, der dableibt und einen unterstützt bei dem ganzen Schrott, der passiert, der gemeinsam mit einem alles zusammenkehrt, sortiert und ordnet, schimpft und flucht und weint und danach einfach weitermacht mit dem Aufräumen.

Es klingt ein klitzekleines bißchen dramatisch, aber er und ich haben uns, glaube ich, zwischen Steinen gefunden – auf unseren jeweiligen Lebensbaustellen, die nicht zusammenlegbar sind. Also müssen wir uns wohl getrennt die Hände und Gesichter schmutzig machen, auch wenn das Herz schmerzt und die Augen brennen. Ich kann einfach nur hoffen, dass wir uns irgendwann nochmal begegnen und dann die Berge von Geröll und Steinen abgetragen sind, sodass wir neu starten können. Dieser Wunsch, dieser Gedanke, dieser Wunschgedanke trägt mich momentan durch die Tage. Ich bin immer noch am Verarbeiten und Verstehen und Damit-Klarkommen – das Schreiben hier auf dem Blog hilft mir sehr dabei, meine Gefühle in Worte zu fassen und ich bitte euch: seht es mir nach, wenn ich hier mein Herz ausschütte.

„Und dann sitz ich auf’m Bett und esse Steine, deine, meine, große, kleine, beiß‘ mir die Zähne aus, wenn ich sie zermalme, ich denk‘, nur so geht es vorbei. Und so sitz‘ ich auf’m Bett und esse Steine, alte, schwere, spitze, feine. Bis ich fertig damit bin, lasst mich alleine, ich denk‘, nur so geht es vorbei. Stein um Stein.“

Bitte lasst mich nicht allein mit meinen Steinen, sondern bleibt bei mir. Irgendwann habe ich alle weggeräumt und es wird bergauf gehen – Stein um Stein.

5 thoughts on “Aus dem Mund von … Bosse

  1. Ach, Du! Es ist genau so, wie Du sagst: manchmal stimmt einfach der Zeitpunkt nicht und Wege teilen sich.😦

    Aber wenn Du weiter optimistisch Deinen Weg gehst, dann triffst Du auch wieder jemanden, der ihn mit Dir geht. Wie lange kann zwar niemand sagen, aber es wird mit Sicherheit wundervoll sein, so lange wie es dauert.🙂

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