Bienvenidos a Colombia!

Hallo ihr Lieben🙂

Ich sende euch herzlichste Grüße aus Südamerika! Ich wollte euch eigentlich noch vor der Ausreise Bescheid geben, dass es losgeht, wann es losgeht, wie es mir geht … aber es war zu viel los! Ihr habt sicher auch gemerkt, dass meine Posts weniger wurden. Ich hatte natürlich immer noch eine Liste mit abertausend Dingen, die erledigt werden mussten und es kamen für eine abgehakte Sache zwei neue dazu. Besonders mit der Post hatte ich erhebliche Probleme.

Außerdem habe ich seit einigen Wochen mit einer Entzündung des Steißes zu tun, die äußerst schmerzhaft ist. Ich kann nicht sitzen, ohne dass es unglaublich doll wehtut und kann laut meinem Arzt nichts tun als warten und Tonnen an Schmerzmitteln schlucken. Die leider nichts helfen. Das hat mir ganz schön zugesetzt – ich habe mir wegen allem Sorgen gemacht: Kann ich so lange fliegen? Kann ich mit dieser Entzündung überhaupt mit der Kleinen spielen? Kann ich meinen Backpack benutzen oder brauche ich einen Koffer? Übernimmt die Versicherung die Kosten, wenn in Kolumbien etwas ist? Sollte ich die Reise absagen/verschieben?

glitter

Letzen Endes habe ich meine Reisekasse strapaziert, mir einen hübschen blauen Koffer gekauft und die Zähne zusammengebissen. Ich hab mich in meine Lieblingskleidungsstücke geworfen: meinen schwarzen Jumpsuit mit Palmen drauf, meine Chucks und meine graue, lange Strickjacke sowie meinen Hut und los ging es. Der Flug war echt hart, die Schmerzmittel haben einfach nicht mehr gewirkt und ich war total kaputt.
Am 7.7. fuhren meine Mama und ich morgens um 7h zu Hause los, um 10.35h verspätete sich der Abflug aus Hannover um eine Stunde, aber in Frankfurt blieb alles beim Alten. Der Flug von Frankfurt nach Bogotá verlief planmäßig, bis auf dass wir nicht pünktlich landen konnten. Das Fußballspiel wurde live übertragen und im Flugzeug waren auf fast allen Bildschirmen ein grüner Rasen und 20 flitzende Fußballer zu sehen. Das Endergebnis war leider nicht so ganz nach meinem Geschmack, aber wenigstens haben sich die mitreisenden Franzosen gefreut😉

In Bogotá angekommen war ich überfordert. Ich dachte, die Beamten würden nett sein, würden sich bemühen, mir zu helfen, weil ich ja kaum Spanisch spreche und wir würden in einem lustigen Mix aus Englisch und Spanisch alle Fragen klären … nix da. Die meisten der Beamten waren kurz angebunden und offensichtlich genervt davon, dass ich ihre Sprache nicht sprach und sie sich nun selbst abmühen mussten mit Englisch. Manche lachten mich aus oder redeten einfach weiter auf mich ein, obwohl ich auf Spanisch erklärte, dass ich nur ganz wenig Spanisch sprechen würde. Sie verdrehten die Augen und schickten mich weiter zu ihren Kollegen, die allesamt eine „ist doch nicht mein Problem, du willst ja was von mir“-Ausstrahlung versprühten. Im Normalfall hätte ich schlagfertig auf deutsch ebenso schnell dahergebrabbelt, aber ich war einfach so kaputt und schmerzgeplagt und überfordert und außerdem wirklich auf Hilfe angewiesen …

Der einzige freundliche Mensch, der mir dort begegnete, war der Buskoordinator. Ich kam gerade zur Haltestelle, als der Bus, der die zwei Terminals verband, abfuhr. Er sagte etwas auf Spanisch, ich wiederholte mein Sätzchen, ich spräche nur ein bißchen Spanisch und er versuchte tatsächlich, sich mit Händen und Füßen verständlich zu machen. Das war Balsam für meine Seele! Als das weder für ihn noch für mich funktionierte, versuchte ich es so: „Escribir?“ Schreiben? Ich bekam ein Blatt und einen Stift und wir klärten unser Problem so. Alles war gut – er bot mir einen Sitzplatz an, ich verneinte lächelnd und dank jahrelanger Activity-Übung konnte ich ihm erklären, mir täte der Po weh. Diese Begegnung stellte mich ein bißchen wieder her.

Letztenendes lag ich nach der Busfahrt aber am Terminal 2 des Flughafens auf den beinharten Stühlen, die sich so einladend in meinen Rücken und meine Hüften bohrten wie Legosteine in Fußsohlen, und musste mich von einem älteren Herren anstarren lassen, der mich wohl sehr gerne ebenfalls in einer spanischen Schimpftirade davon unterrichtet hätte, was er davon hielt, dass ich mich ignoranterweise auf Sitzmöbel legte. Ich hatte keinen Nerv mehr zu gar nichts und ignorierte ihn mit unterdrückten Tränen in den Augen.

Auf dem Flug von Bogotá nach Cúcuta konnte ich tatsächlich ein bißchen schlafen und alles klappte gut. Ich glaube, wir hatten wieder Verspätung, aber durch mein Nickerchen habe ich nichts mitbekommen – außerdem habe ich kein Wort der spanischen Durchsagen verstanden. Ich hob mein Köfferchen vom Band und wurde von Renzo abgeholt, dem Papa der Familie. Wir erzählten ein bißchen auf Englisch und das tat so unglaublich gut! Einfach reden können und der andere versteht dich und ist nett zu dir.
Wir kamen irgendwann nach Mitternacht in meinem neuen zu Hause an und nach einer kurzen Email nach Hause habe ich mich sofort ins riesige Doppelbett geworfen und geschlafen. Es war so ein geniales Gefühl. Liegen, schlafen, nicht reden müssen in einer Sprache, in der ich niemanden verstehe und mich auch niemand versteht.

Ich wohne jetzt im 7. Stock des „edificio Caranday“ und habe mein eigenes Zimmer samt walk-in closet und en-suite bathroom. Hört sich sehr schick an, oder?🙂 Ich muss es noch etwas persönlicher gestalten, diejenigen die meine Zimmer in Australien gesehen haben, wissen, was ich meine (Canberra, Farm). Ich bin ja aber erst 4 Tage hier und habe noch Zeit. Aus meinem Alltag berichte ich euch, wenn ich etwas mehr Zeit habe, aber hier seht ihr den Ausblick aus meinem Zimmer. Unglaublich schön, oder?

sunrise

2 thoughts on “Bienvenidos a Colombia!

  1. Was so scheußlich beginnt, kann ja nur besser werden! Ich drücke Dir die Daumen dafür, dass alles gut geht und Du eine ganz, ganz tolle Zeit dort verleben wirst. Dein Spanisch wird bestimmt im Nullkommanichts besser! Ich hab‘ das ja hier in Italien gesehen. Da bin ich auch nur mit ein paar Wörtern gelandet und nach einem halben Jahr konnte ich mit dem Deutschunterrichten anfangen.

    Die Aussicht ist wirklich traumhaft… und ich bin gespannt, was Du weiter berichten wirst, wenn es die Zeit hergibt.🙂

    Alles, alles Gute und gute Besserung! Corinna

    • Vielen Dank für deine aufmunternden und mutmachenden Worte! Es tut gut, zu hören, dass es bei dir auch geklappt hat, obwohl du anfangs wohl nicht viel mehr italienisch sprechen konntest als ich spanisch. Gestern hatte ich meine erste Spanischstunde und es war toll🙂 Ich bin auch gespannt, was es so zu berichten gibt😉 Ganz liebe Grüße auch an dich🙂

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