Aventuras Nuevas – Español

Hallo liebe Lebensmaler,

ich möchte jetzt gerne mal loswerden, wie es mit meiner Sprache so funktioniert. In Kolumbien wird spanisch gesprochen und mein Wunsch war es schon längere Zeit, diese Sprache auch zu beherrschen. Prinzipiell sagt man ja: „Wenn du täglich von der Sprache umgeben bist, kommt das ganz schnell!“

Das Einzige, was hier schnell kommt, ist ein riesiges Fragezeichen in meinem Gesicht.

Zu Beginn sind Renata und ich immer zusammen auf den Spielplatz gegangen und sie hat mich vorgestellt, wenn jemand interessiert war, hat ganz langsam und deutlich gesprochen, sodass ich Sätze oder Wörter aufschnappen und eine Idee bekommen konnte, wie ich hier auf Kinder zugehen kann. Das hat viel geholfen, genauso wie unser allabendlicher Spanischunterricht. Trotzdem war es oft schwierig, ein Gespräch zu beginnen oder die Kinder dann zu verstehen. Ich habe erklärt, dass ich nur ganz wenig Spanisch spreche, aber ich glaube, Kindern ist nicht bewusst, dass sie eine „Sprache“ sprechen bzw. wie diese heißt, und dass es noch andere gibt. Somit war es für die Kinder schwer zu verstehen, wieso ich sie nicht verstehe. Eine Mama hat toll reagiert und ihrem Sohn ganz einfach erklärt, dass ich andere Wörter benutze, weil ich aus einem anderen Land komme, und darum nur wenige Wörter verstehe, die er benutzt. Das fand ich toll, und sie ist auch eine der wenigen Mamas, die normal sind. Juan Pablo ist ein Riesenfan von unserer Anja (und mir) und freut sich jedes Mal, uns zu sehen. („Hola niiiñaaaaaa!“ ruft er immer.)

spielplatz

„Unser“ Spielplatz

Ansonsten ist es für die meisten Erwachsenen schwer zu verstehen, was ich hier mache. Oft sprechen sie mich an und wenn ich dann erkläre, dass ich noch nicht so viel verstehe und sie bitte, langsamer zu sprechen und das Gesagte zu wiederholen, dann gibt es i.d.R. eine entweder … oder– Situation. Entweder schweigen sie komplett (was mir natürlich ungemein hilft, mein Spanisch zu verbessern) oder sie wiederholen alles, aber nicht etwa langsamer, sondern lediglich lauter. Auch super.

Was viele Menschen vergessen oder vielleicht auch noch gar nicht erfahren haben, ist, dass ein Mensch ohne seine Sprache eine vollkommen andere Person ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich offen auf Menschen zugehe und keine Probleme damit habe, jemanden kennenzulernen, dass ich auch bzw. gerade mit Kindern gut Kontakt knüpfen kann und generell Freude daran habe, mit Menschen in einen Austausch zu treten. Hier fehlen mir die Mittel, diesen Teil meiner Persönlichkeit auszuleben und somit fühle ich mich immer eingeschränkt und überhaupt nicht wie ich selbst. Das macht es mir sehr schwer, mich hier einzuleben und zu Hause zu fühlen.

In den letzten Wochen habe ich aber mehr und mehr Verantwortung übertragen bekommen und gehe mit Anja jetzt alleine auf den Spielplatz usw. Ich habe während dieser Solobesuche festgestellt, dass es besser ist, zu erklären, dass ich Spanisch hier lerne und deswegen noch nicht so viel sprechen/verstehen kann („Aprendo español aquí y sólo puedo hablar un poco“) anstatt nur zu sagen, dass ich noch nicht so viel spreche. Dann können Erwachsene meine Situation besser nachvollziehen und die Wahrscheinlichkeit von Folgefragen und Gesprächen steigt rapide an. Spielplatzgespräche kann ich schon ganz gut schaffen, denn im Prinzip sind es immer die gleichen Fragen und Themen, was mir hilft, mich verständlich zu machen und andere zu verstehen. Nachdem dann aber alles „Übliche“ durchgesprochen wurde, fällt es mir schwer, weiter zu erzählen bzw. Fragen zu stellen oder auch bei einer zweiten Begegnung neue Anknüpfungspunkte zu finden. Auch bei neuen Menschen ohne Kinder ist es irgendwie schwierig, etwas zu finden, was nicht langweilig ist, über das ich aber auch sprechen kann.

Neulich habe ich mit einer Frau gesprochen, die mir ein Kompliment gemacht hat – für 2.5 Wochen spräche ich schon richtig gut Spanisch, sagte sie. Heute habe ich mich mit einer Frau unterhalten, deren Hund uns immer freudig begrüßt. Auch sie war beeindruckt, dass ich nach 4 Wochen schon so viel Spanisch spreche. Das war Balsam für mein ramponiertes Selbstbewusstsein. Besonders knickt dieses ein, wenn mich wildfremde Männer mit eindeutigen Absichten anzwinkern, mir etwas zurufen oder mir zu nahe kommen … das mag ich nicht, weil ich mich in diesen Momenten definitiv außerhalb meiner Sicherheits-Komfort-Zone befinde und nichts schlagfertig erwidern kann. Der beste Weg zum Spielplatz führt leider an einer Baustelle vorbei und dementsprechend muss ich Pfiffe und sonstige Rufe über mich ergehen lassen. Neulich haben zwei der Bauarbeiter von dort auf dem Gelände des Spielplatzes Pause gemacht, Anja wollte ihnen unbedingt Hallo sagen und somit wurde mir ein Gespräch aufgedrängt. Nachdem ich erklärt hatte, wie mein Leben momentan aussieht, machten mir allerdings auch die beiden Komplimente, waren beeindruckt und meinten, dass sei sicher schwierig hier für mich. Seit diesem Gespräch gibt’s keine Pfiffe oder blöde Anmachen mehr, wenn ich an der Baustelle vorbeigehe.

Neulich im Supermarkt fragte die Kassiererin mich einige Dinge – ich konnte leider nur auf Englisch antworten, was immer mein erster Reflex ist. Englisch wiederum konnte sie aber nicht verstehen und wir waren beide etwas befangen. Ein anderer Mitarbeiter schaltete sich ein und fragte ganz lieb (und langsam) auf Spanisch, ob ich Englisch spräche – ich nickte, und erzählte, dass ich Spanisch hier lernen würde und dass es ganz schön schwierig sei. Er nickte wissend und sagte, dass es den Kolumbianern mit Englisch so gehen würde. Es war nichts großes, diese Begegnung, aber irgendwie hat mir das etwas gegeben und ich konnte mit einem Lächeln nach Hause gehen.

Trotzdem überkommt mich manchmal die Traurigkeit. Ich kann zwar über Kinderdinge sprechen und einige Informationen über mich weitergeben – aber in Alltagssachen bin ich sowas von hilflos und unbeholfen. Es ist so dermaßend frustrierend, nicht mal nach einer Bodylotion fragen zu können, wenn ich sie nicht finde. Oder mich nicht zu trauen, in einem Café etwas zu bestellen, weil mich dann alle anstarren, wenn ich es nicht verstehe. Oder einfach ein Gespräch mit jemandem anfangen zu können, den ich interessant finde. Ich fühle mich wie beim Stabhochsprung – die Hürde hängt irgendwo außerhalb meiner Reichweite und ich habe nicht die nötigen Gerätschaften, um sie (je) zu erreichen. Und während ich also im Spotlight der Arena stehe und verzweifelt versuche, diese eigentlich unlösbare Aufgabe zu meistern, langweilen sich die Zuschauer auf den Bänken und kichern hinter vorgehaltener Hand.

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Ich arbeite dran. Ab der zweiten Woche hatte ich jeden Abend Spanischunterricht bei Renata (der Mama). Wir haben mit ganz einfachen Sachen angefangen und uns so langsam gesteigert. Es wird immer verwirrender, habe ich das Gefühl. Jetzt treffen wir uns immer montags, mittwochs und freitags, sodass ich immer einen Tag dazwischen habe, um meine „deberes“ (Hausaufgaben) zu erledigen. Die bekomme ich natürlich immer auf – ich bin ja nicht zum Spaß hier!😉

Außerdem treffe ich mich 2x die Woche mit Angel, den ich über Couchsurfing angeschrieben habe. Wir haben uns am 29.07. das erste Mal getroffen und uns sofort unglaublich gut verstanden. Er hat irgendwann vorgeschlagen, dass wir doch einfach einen „intercambio“ machen könnten, also einen Austausch der Sprachen. Er hilft mir mit Spanisch und ich bringe ihm Deutsch bei. Die Idee fand ich natürlich super, weil ich ihn einfach total klasse finde. Wir treffen uns immer Donnerstags und Samstags in einem Café oder bei ihm zu Hause und üben dann fleißig. Witzig ist, dass wir immer mit Spanisch beginnen müssen, damit er an Selbstvertrauen für Deutsch gewinnt, wie er immer mit einem Zwinkern und Lächeln bemerkt😉 Und wenn wir dann komplizierte Wörter wie „Flughafen“ oder „Französisch“ aufschreiben, kommt ein abgrundtiefer Verzweiflungsseufzer: „Pheeeeew!“, begleitet von ungläubigem Kopfschütteln. Wir lachen viel während unserer Stunden. Wenn wir bei ihm sind, gibt es eine zusätzliche Schwierigkeitsstufe für mich: seine Eltern sprechen nur Spanisch (und das nicht gerade langsam) und obwohl er mir hilft und übersetzt, wenn es nötig ist, finden sowohl er als auch ich es gut, wenn ich mit seinen Eltern Spanisch spreche bzw. es zumindest versuche. (Das alles versuche ich jetzt kurz für ihn zusammenzufassen, damit er Bescheid weiß – darauf hat er bestanden, wenn ich ihn hier erwähne.)

(Angel: yo escribí que nos encontramos los jueves y los sábados para aprender español/alemán y que lo me gusta mucho🙂 Yo escribí que tenemos que comenzar con las clases de español porque quires ganar autoconfianza por las clases de alemán.😉 Yo escribí también que suspiras frecuentemente porque alemán es muy difícil (pheeeew) y mueves la cabeza Y que yo pruebo hablar español con sus padres pero que es muy difícil para mi. Espero que puedes entender :D)

angel

Mi amigo Ángel estudiando:“Pheeeew, qué bonito aprender alemán!“

Außerdem habe ich über Couchsurfing, auf dem Spielplatz und auch 1x bei einem Treffen mit Ángel ein paar Nummern von Kolumbianern bekommen, die wirklich nur Spanisch sprechen und wenn ich mit denen schreibe, muss ich mich ja irgendwie verständlich machen. Zwar sind das dann wahrscheinlich  Nachrichten voller Grammatikfehler, aber Übung macht die Meisterin, und außerdem versuche ich mich wenigstens an ihrer Sprache. Das Problem ist zumindest nicht das Leseverstehen – das klappt super. Ein bißchen schwieriger ist das Antworten per Nachricht (also geschrieben), auf der nächsten Stufe steht das Hörverstehen und ganz oben auf dem Siegertreppchen der Schwierigkeiten reckt stolz die „Sätze/Fragen-Produzieren“-Aufgabe die dürren Ärmchen in die Höhe. Das selbst-Formulieren fällt mir oft noch am schwersten, vor allem, weil es hier wichtig ist, ganz höflich zu sein und immer „usted/ustedes“ (Sie) zu sagen anstatt „tú“. Außerdem benutzen die Leute hier nicht die 2. Person Plural, also ihr bzw. „vosotros“, sondern sie siezen stattdessen. Deswegen komme ich mit den Verbformen durcheinander und habe Angst, dass ich total unhöflich bin …

Was mir aber hilft, ist, mich daran zu erinnern, dass ich im Englischunterricht mit einer 4 gestartet bin, „erst“ in der 10. Klasse (nach 5 Jahren Unterricht) meine 1 bekommen habe und eigentlich erst in Neuseeland so richtig in die Sprache hineingewachsen bin (nach 9 bzw. 10 Jahren). Jetzt ist es wie eine zweite Muttersprache für mich und ich fühle mich zu Hause in dieser Sprache, oft mehr als in Deutsch.

Ich trainiere also weiter und arbeite an meinen Spanisch-Fähigkeiten. Ich möchte das schließlich von ganzem Herzen können – und wenn man mit dem Herzen bei der Sache ist, wird es schon klappen (sagt man so, habe ich gehört😉 ). Irgendwann werde ich diese blöde (Sprach-)Hürde also auch überspringen können!

Ich hoffe, ich habe euch einen kleinen Einblick geben können – ich freue mich, wenn ihr mir einen aufmunternden Kommentar hinterlasst oder mir von eurem Lernen einer fremden Sprache erzählt – dann fühle ich mich vielleicht nicht ganz so alleine mit meinen Schwierigkeiten😉 In jedem Fall bis bald!

Un abrazo grande!

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