Aventuras Nuevas – Feliz Navidad y Feliz Año

Ich weiß, dass ich etwas spät dran bin für Weihnachtswünsche und irgendwie auch für Neujahrswünsche – sonst gar nicht mein Stil, aber wieso sollte es in Kolumbien anders sein als in Deutschland? Auch hier gab es last minute-Stress, verschiedenster Art. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal habe ich festgestellt, dass ich zu Weihnachten doch ein paar Menschen beschenken kann, und das hat mich recht glücklich gemacht. Das geht an Weihnachten oft verloren, finde ich: es geht nur um Geschenke und wer etwas bekommen muss, wer wohl beleidigt ist, wenn er nichts bekommt, für wen unbedingt das perfekte Geschenk gefunden werden sollte. Dabei geht es nicht mehr darum, warum man diesen Menschen beschenkt, sondern dass und was man schenkt. Ich hatte mich diesbezüglich auf ein ruhiges Weihnachten eingestellt, da ich nichts nach Deutschland schicken und von dort auch nichts empfangen konnte. Doch dann ist mir aufgefallen, dass ich mich bei einigen Menschen hier bedanken wollte, weil sie mein Leben hier erleichtert haben, mir Lasten abgenommen, mir geholfen, zur Seite gestanden oder mir ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert haben – und bei einigen auch, weil sie Freunde geworden sind.

Ich habe mich also in die Küche gestellt und deutsche Schwarz-Weiß-Kekse gebacken – die gehören bei uns zu Hause zur Weihnachtszeit dazu wie der Baum und der Adventskranz. Die habe ich dann hübsch verpackt (die Suche nach durchsichtigem Geschenkpapier war die reinste Odyssee!), kleine Nachrichten dazu geschrieben und an die Empfänger verteilt. Neben den kleinen Päckchen habe ich auch eine große Menge für meinen Gastvater abgepackt und auch für Angel’s Familie, bei der ich ein zweites zu Hause gefunden habe (sieht die zweckentfremdete ud neu gestaltete Douglastüte nicht aus wie eine „teure“ Verpackung  luxuriöser Backgüter? Ich war so stolz!). Meine Gastmama, Angel’s Mama und auch Angel haben noch extra Geschenke bekommen – und ich habe mich sehr glücklich gefühlt, dass ich an so viele Menschen denken kann, da ich noch nicht ganz 6 Monate hier lebe und schon so vielen Menschen dankbar sein kann. Das war für mich eine tolle Erfahrung.

Zusätzlich zu den Geschenken musste ich meine Koffer packen – ich bin am 23. zu Angel „gezogen“ für ein paar Tage. Das hatten wir schon vor ein paar Wochen so geplant, da es Unstimmigkeiten in meiner Gastfamilie gab und wir uns auf einen Auszug am 23.12. geeinigt hatten. Die Umstände dieser Entscheidung haben sich zwar wieder geändert, sodass das Packen im kleineren Stil verlief als ursprünglich angedacht, aber an dem Plan haben wir trotzdem festgehalten, da ich Weihnachten gerne mit ihm verbringen wollte. Aber nicht nur für den Aufenthalt bei ihm mussten meine Koffer gepackt werden, sondern auch für meine erste weitere Reise in Lateinamerika: am 26.12. sollte es für mich nach Peru gehen, genauer gesagt in dessen Hauptstadt Lima. Diese Reise war notwendig, um ein neues Touristenvisum beantragen zu können, da ich vorhabe, noch länger in Kolumbien zu bleiben und mein jetziges Visum nur bis zum 02.01. (morgen) gültig ist. Bei der Aus- und Einreise würde ich einen neuen Stempel in meinen Pass bekommen, der mir erlauben sollte, erneut 90 Tage in Kolumbien zu bleiben.

hojadevida

Mein Lebenslauf – Hoja de vida

Mein Wunsch, länger in Kolumbien zu bleiben, hat mehrere Gründe: zum einen möchte ich länger bei Angel bleiben können und zum anderen möchte ich gerne weiter an meinem Spanisch arbeiten, was ich zu Hause in dem Stil wie hier nicht könnte. Da es aber in meiner Gastfamilie, wie erwähnt, Unstimmigkeiten gab und wir uns dazu entschieden hatten, den Vertrag nicht zu verlängern, musste ich mich nach einer Alternative umschauen, was ganz schön an meinen Nerven gezogen und auch die Zeit mit Angel belastet hat. Er hat mir geholfen mit allem, was ich nicht alleine schaffen konnte, und wir haben meinen Lebenslauf bei mehreren Englischinstituten eingereicht. Privat habe ich mich natürlich auch umgeschaut und -hört und es ergaben sich viele, viele Möglichkeiten … die leider alle nach und nach in sich zusammengefallen sind, leise, aber meine Welt hat es doch erschüttert. Ich habe während dieser Wochen gelernt, dass die Kolumbianer zwar sagen, dass sie helfen werden, aber eigentlich meinen, dass sie helfen möchten. Ein großer Unterschied, denn irgendwann stellten alle, die mir Hilfe zugesagt hatten, dann fest, dass sie nicht helfen konnten und ich stand da – desillusioniert, hilflos und ganz verzweifelt.

Zum Glück hat mich dann ein Englischinstitut zu einem Interview eingeladen – und ich werde im Februar beginnen, als Lehrerin in der ISE -International School of English- zu unterrichten. Die Stunden, die ich absolvieren muss, sind exorbitant, die Pflichten, die ich habe, sind kolossal und breitgefächert und die Arbeit, die ich außerhalb meiner Arbeitszeit abzuleisten habe, ist gewaltig. So viel zum Soll; auf der Haben-Seite steht ein ziemlich kümmerlicher Lohn und karge Freizeit, dafür aber Zeit in Kolumbien. Was tut man nicht alles …? Wie es eben in Kolumbien so ist, wird alles auf die letzte Minute erledigt, sodass ich am 23.12. morgens ins Institut musste, um meinen Vertrag zu unterschreiben und alles für den Antrag auf ein Arbeitsvisum vorzubereiten. Das hat ziemlich lange gedauert, und zum Arzt musste ich auch noch, sodass ich in Zeitstress kam. Das Arbeitsvisum zu beantragen habe ich nicht mehr geschafft, und muss ich jetzt recht fix erledigen. Ich hoffe, dass damit alles glatt läuft – drückt mir die Daumen!

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Glitzernde, blinkende Lichter kolumbianischer Weihnacht

Weihnachten war dann etwas ganz anderes als zu Hause – hier ist es eher eine große Party mit lauter Musik, viel Alkohol und blinkenden Lichtern. Mir hat die Besinnlichkeit, Ruhe und die Gemeinschaft gefehlt, und obwohl (oder gerade weil) ich inmitten von Angels spanischsprechender, kommender und gehender Familie saß, habe ich mich sehr einsam gefühlt und mich nach Hause gesehnt. Es gab keinen erkennbaren Ablauf für mich, kein Aufgehobensein, kein Zusammensein, wie ich es gewohnt bin und liebe, und auch keinen Baum oder Geschenke. Eine kleine Bescherung haben wir gemacht, als wir von der Familienfeier wieder zu Hause waren, und die Freude über mein Geschenk auf seinem Gesicht zu sehen, war unbezahlbar. Ich habe wieder etwas gelernt dieses Jahr: Weihnachten zu Hause ist etwas Besonderes, und etwas, das ich in den nächsten Jahren mehr zu schätzen wissen werde.

Am 26. hat Angel mich dann morgens zum Flughafen gefahren und ich machte mich auf die Reise nach Lima (Peru) mit Stopover in Bogotá (Kolumbien). Am 31.12. bin ich um kurz nach Mitternacht wieder auf kolumbianischem Boden gelandet und habe gemerkt, wie sehr das ein Gefühl von „nach Hause kommen“ ist, gerade auch dann, als ich gegen 8 Uhr morgens nach einer komplizierten, turbulenten Heimreise leichten Schrittes in Angels Arme lief, der mich in Cúcuta abholte. Mit ihm und seiner Familie habe ich dann auch Silvester verbracht und jetzt ist schon das neue Jahr! Wie flugs das ging! Irgendwie fühlt es sich an, als wäre gerade gestern alles losgegangen mit 2016 … und plötzlich ist es 2017. Bevor es wieder losgeht mit dem ganzen Organisieren, das ansteht, möchte ich mir aber noch die Zeit nehmen, euch meine Wünsche für Weihnachten und Neujahr zu überbringen (nachträglich zwar, aber trotzdem mit der gleichen Herzlichkeit):

Ich hoffe, dass ihr alle eine wundervolle Weihnachtszeit hattet, mit Menschen, die euch am Herzen liegen und denen ihr „Danke“ sagen konntet. Dass ihr zu Weihnachten und auch „zwischen den Jahren“ Zeit hattet, euch zu besinnen auf das, was euch wichtig ist, was gut lief und was zum Glück vorbei ist. Dass ihr reflektieren konntet, was ihr alles geschafft, erreicht und überlebt habt, was euch stärker gemacht und was euch etwas gelehrt hat. Dass ihr euch klar werden konntet darüber, was euch für 2017 wichtig ist, was ihr erreichen wollt und welche Ziele ihr habt. Welche Menschen ihr in eurem Leben haben wollt und braucht und welchen ihr vielleicht freundlich die Tür aufhalten solltet. Ich hoffe, dass ihr gut ins neue Jahr gestartet seid und dass ihr die vielen weißen Seiten, die das Jahresbuch euch bietet, freudig und zuversichtlich mit Farben und Musik, mit Abenteuern, Liebe und Freude, Glücksmomenten, Frieden, gemeinsamer Zeit, Freundschaft … und Leben füllen werdet. Ich wünsche euch, dass ihr 2017 zu eurem Jahr machen und zum Zeitpunkt der nächsten Jahreswende zufrieden sein könnt mit dem, was war, und neugierig auf das blicken werdet, was kommt. In diesem Sinne:

navidad

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7 Kommentare zu “Aventuras Nuevas – Feliz Navidad y Feliz Año

  1. Dass bei Dir nicht einfach mal etwas glatt gehen kann!!! Dieser Beitrag haut mich echt vom Hocker. Ich hoffe, dass Dir die Arbeit an der Englischschule gefallen wird, die innere Befriedigung die miese Entlohnung aufwiegt und, dass die Letztere Dir dort zum Leben reicht. Man muss ja keine Reichtümer anhäufen, aber sich auch nicht ständig sorgen müssen. Vielleicht hilft Dir der Gedanke, dass Du ja (fast) problemlos Deine Zelte dort abbrechen kannst und immer eine Zukunft in Deutschland haben wirst, durchzuhalten. So komisch es klingt.

    • Danke für deine aufmunternden, unterstützenden Worte! Das tut echt gut! Es ist wirklich ein ständiges Auf und Ab und hier wache ich oft morgens schon mit vor Angst klopfendem Herzen auf, weil ich nicht weiß, was der Tag bringt. Sowas hatte ich noch nie und manchmal ist es ganz ganz schlimm. Ich musste an dich denken, als ich es bei Sprachschulen mit der Bewerbung versucht habe – du bist mein Vorbild bei diesem Abenteuer! Ich schaffe das! Danke nochmal!

      • Kar, schaffst Du das! Man wächst da einfach rein. Am Anfang ist es viel Arbeit, aber irgendwann beginnt auch da die Routine… und ich kann mir vorstellen, dass die Kollegen und Schüler überwiegend nett sind. Das muss einfach so sein im Süden! Sonst bricht mein Weltbild zusammen. 😉

      • Danke Corinna, nachdem ich jetzt schon 1x herumgeführt wurde, bin ich auch ruhiger. Leider gibt es jetzt Probleme mit dem Visum und den Dokumenten. Ich habe keinen Zugriff darauf, die Direktorin will mir keinen Zugang verschaffen, sondern verlangt, dass ich einen anderen Weg finde (YOU need to find a way) und das finde ich so unfair. Alles ist neu für mich, die Sprache, der Prozess, das Land … und ich fühle mich alleine und erschöpft. Ich möchte ehrlich einfach meine Koffer packen.

      • Vielleicht ist das ein Test der Direktorin und sie will sehen, wie Du mit dem Problem umgehst. Also Kopf hoch! Beruhige Dich mit dem Gedanken, dass Du Deine Koffer immer noch packen kannst, wenn es nicht klappt. Aber erstmal gib Dir eine Chance. 🙂

      • Irgendwie wird es schon werden – aber ich hasse es so, wie es ist. Und natürlich will ich meine Koffer nicht packen, Angels wegen … Ich halte dich auf dem Laufenden.

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