Aventuras Nuevas – Chinácota

Sooo … ich nutze die freien Tage, die ich jetzt habe, dazu, um euch endlich mal auf den neuesten Stand zu bringen, denn im November/Dezember habe ich viel erlebt und auch zwei Reisen unternommen, über die ich euch gerne erzählen möchte. Ich habe es so genossen, endlich mal meine Tasche zu packen und etwas mehr von diesem tollen Land zu sehen!

Am Samstag, den 26.11. haben Angel und ich uns nachmittags gegen 16Uhr in einem kleinen Reisebus auf den Weg nach Chinácota gemacht – umgerechnet hat diese Reise wohl so 3€ gekostet. Wir hatten diesen Wochenendausflug schon seit einiger Zeit im Kopf, aber natürlich wurde alles Organisatorische bis zur letzten Minute gelassen („En Colombia es así!“) – zum Beispiel wussten wir am Samstagmorgen noch nicht, wo wir abends schlafen würden. Sowas macht mich normalerweise fuchsig, weil ich es gern organisiert habe. Dieses Mal jedoch habe ich mich zurückgenommen, ihm alles überlassen und gesagt: „It’s going to be fine. This is an adventure.“ Was soll ich sagen? Am Ende war es dann perfekt – manchmal ist die kolumbianische „a ver“-Einstellung doch ganz gut, weil man sich am Ende umso mehr freut, dass alles geklappt hat.

Der Start in dieses Abenteuer begann also mit einer Busreise durch kurvenreiche Berge, sodass besonders ich mit Kopfschmerzen und Schwindelgefühl am Ziel ankam. Die kleine Stadt liegt ca. 1 Stunde südlich von Cúcuta, es ist viel kühler dort, zumindest abends, und es gibt einen Höhenunterschied, der sicherlich an Kopfschmerz und Schwindel nicht ganz unbeteiligt war. Wir haben unsere Pension, in der er uns ein Zimmer organisiert hat, zum Glück sehr leicht gefunden und konnten auch gleich das Zimmer beziehen. 25.000COP haben wir dafür bezahlt, also umgerechnet ca. 8€, und das war ein mehr als fairer Preis für ein Zimmer mit Doppelbett, angeschlossenem Bad und in einer ruhigen Lage! Es war klein und gemütlich, und ich habe mich gleich beim Eintreten wohlgefühlt. Wir lagen schnell im Bett, weil wir uns beide nicht so gut gefühlt haben, und das Nickerchen wirkte Wunder, sodass wir uns dann entspannt auf die Suche nach einem Abendessen machen konnten. Es gab an der plaza, am „Hauptplatz“ der Stadt, am Straßenrand einen Hotdogstand, und die Leute dort haben gleich alle Stühle freigeräumt und zurechtgerückt, damit wir es gemütlich haben. Es hat wie aus Eimern geschüttet und wir haben uns ganz wohlgefühlt unter dem kleinen Dach aus Plastik, während um uns herum die Welt unterging. Das Fastfood war sehr lecker und auch nicht allzu teuer. Die Leute zu beobachten, die den Stand betrieben, wie sie miteinander und den Kunden umgegangen sind, wie sie gescherzt und ihre Arbeit gerne gemacht haben – das alles hat dazu beigetragen, dass es ein schöner Abend wurde. Wir haben die ganze Szenerie eine Weile auf uns wirken lassen und sind dann zurück ins Zimmer gewandert, um auszuschlafen für den nächsten Tag.

Vielleicht ist es jetzt übrigens mal an der Zeit, zu erwähnen, dass Angel mittlerweile nicht mehr nur ein Freund ist, sondern mein Freund. Einige haben sich das vielleicht schon gedacht, aber ich wollte es trotzdem nochmal für’s Protokoll festhalten 😉

Am nächsten Tag sind wir „früh“ aufgestanden. Ich setze das in „Tüddelchen“, weil er -sagen wir mal so- Schwierigkeiten damit hat, morgens aus dem Bett zu kommen und ich jemand bin, der in der Regel direkt mit dem Weckerklingeln die Beine aus dem Bett schwingt und ich es auf Reisen zusätzlich gar nicht erwarten kann, auszukosten, was der Tag so für mich bereithält. Nachdem wir es dann soweit geschafft hatten, dass wir die Füße vor die Tür setzen konnten, haben wir uns in einer kleinen tienda (Kiosk, Allerlei-Laden) ein Frühstück organisiert und sind dann durch die Straßen Chinácotas gewandert. Einfach so, ziellos hin und her, rauf und runter – ich mit meiner Kamera in der einen Hand und mit meiner anderen in seiner. Auf der plaza habe ich gesehen, wie ein Mann einem anderen die Schuhe putzte – beide lächelten, unterhielten sich angeregt und waren vertieft in diese Situation. Das gefiel mir so gut – weil es so menschlich war. Nicht irgendeine Maschine erledigt Arbeit, sondern ein Mensch, und mit diesem kann man sich „verbinden“, durch Worte und Gesten und Mimik. Als ich fragte, ob ich ein Foto machen könnte, lächelten beide, nickten und wollten wissen, in welchem Land ich sie denn berühmt machen wolle.

Die Stadt schmiegt sich zwischen Berge und es ist überall viel Grün zu sehen, manchmal als Unkraut am Straßenrand, manchmal als ein kleines Beet in einer Gasse, manchmal als Park … Die Häuser sind teilweise neu, teilweise alt und oft auch zerfallen. Ich fand die Stadt gerade deswegen total charmant und habe mich sehr wohlgefühlt, weil es so viel zu schauen und entdecken gab und mir nicht irgendetwas „perfekt touristisches“ präsentiert wurde. Werbung, kleinere Anzeigen oder Verkaufs-/Vermietangebote waren einfach auf Wände gepinselt und an vielen Türen oder Fenstern der Häuser waren kleine Kreuze oder Blumensträuße angebracht, um zu zeigen, dass dort gläubige Christen wohnen. Ich fand alles sehr authentisch und lebendig.

In Chinácota fand im Oktober 2015 el primer encuentro internacional de muralismo y arte público (Erstes internationales Treffen der Wandmalerei und öffentlicher Kunst) statt, bei dem viele wunderschöne Wandgemälde entstanden sind, die verschiedene Mauern in der ganzen Stadt zieren, und Geschichten erzählen. So etwas ist für mich ein Paradies, ich liebe Wandmalerei und kann mich gar nicht sattsehen daran. Ich hab so viel durch meine Kamera geguckt, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Die Bilder stelle ich an das Ende des Posts, es sind so viele, dass sie zwischendrin stören würden und ich möchte, dass ihr diesen Post UND die Fotos genießen könnt.

Einer meiner Wünsche war aber auch, einen mercado zu besuchen, den ich im Vorbeifahren gesehen hatte, als ich mit der Familie schon 1x durch Chinácota durchgefahren bin. Das haben wir auch gemacht und der Besuch dieser typisch kolumbianischen Markthalle war echt spannend. Ich wurde natürlich neugierigst beäugt, weil ich auffalle mit meiner piel de leche, wie ich meine helle Haut oft scherzhaft bezeichne, aber alle waren freundlich zu uns. „A la orden?“,  also in etwa „Zu Diensten!“ oder „Wie kann ich Ihnen helfen?“ schallte uns von überall her entgegen. Ich war froh, dass Angel dabei war und ich ihn alles mögliche fragen konnte: Was ist das für eine Frucht? Was für Saft ist das? Wie bereitet man dieses Gemüse zu? Ist das ein guter Preis? Was macht der Mann dort? Wieso sieht das so aus? Tausend Fragen, und ich habe es so genossen, einfach mal Reisende zu sein! Ganz lebendig habe ich mich gefühlt.  Im mercado haben wir dann auch eine Begegnung der besonderen Art gehabt – eine Minikatze hat es mir angetan, sie hat sich streicheln lassen, hat mit uns gespielt und war ganz tapsig. Die Frau, an deren Stand sie lebte, hat uns erklärt, dass die Mutter nicht mehr lebt und sie sich um sie und all ihre Geschwister gekümmert hat – diese Kleine war die letzte, die sie noch nicht unterbringen konnte. Ob ich sie nicht haben wollen würde? Na, ich konnte mir das Gesicht von Renzo und Renata vorstellen, wenn ich mit einer Babykatze im Gepäck heimkäme 😉

Nachdem wir den Vormittag durch die Straßen wandernd verbracht hatten, haben wir, zurück in der Pension, noch ein Mittagsschläfchen gehalten (habe ich schon erwähnt, dass Angel gerne schläft?), und wir sind eine Stunde zu spät zum Checkout bereit gewesen. Aber auch hier macht sich die kolumbianische Mentalität bezahlt. „Macht nichts“, sagte der Verwalter, als wir die Schlüssel zurückgaben und uns entschuldigten, und schüttelte den Kopf, als wir fragten, ob wir extra bezahlen müssten. Wir ließen unser Gepäck bei ihm in seiner tienda und wanderten gepäcklos weiter durch die Straßen. Bevor wir gegen 17 Uhr unseren Bus nach Hause nahmen, haben wir noch für 10.000COP (~4€) Mittag gegessen und anschließend in einem kleinen Laden die Spezialität Chinácotas genossen: fresas con crema, Erdbeeren mit Sahne. Soo lecker! Wir haben unsere Lieblingslieder gesungen, auf Spanisch erzählt (ich übe fleißigst mit ihm und fühle mich viel wohler mit der Sprache) und sind dann entspannt zur plaza gewandert, um den Bus zu besteigen. Die Fahrt nach Hause war viel entspannter, weil wir ganz vorne neben dem Fahrer sitzen konnten und es nicht so geschaukelt hat.

Zurück in Cúcuta haben wir uns für ein paar Stunden getrennt, örtlich gesehen natürlich nur, und später hat Angel mich abgeholt, um mich auf eine Semester-Abschlussfeier eines seiner besten Freunde mitzunehmen. Der hatte Angel eingeladen und extra betont, er möge mich doch bitte mitbringen. Nun ist es ja so, dass die Kolumbianerinnen es (meiner Meinung nach) gerne mal übertreiben, was die Outfits angeht und das einfach nicht mein Stil ist, mich so aufzubrezeln. Ich wollte erst in Jeans und Top gehen (was ja auch schick sein kann), aber dann habe ich mich umentschieden und mich in mein einziges schickes Kleid geworfen – das viel strapazierte kleine Schwarze. Ich dachte, das ist mal eine Gelegenheit, bei der nichts schiefgehen kann mit einem schicken Kleid – es würde vermutlich nicht mal auffallen, da ich im Vergleich zu den Kolumbianerinnen sehr schlicht auftreten würde. Angels Blick, als er mich gesehen hat, war dann jedenfalls Gold wert 🙂 Ich hab mich so gefreut, dass er sich so gefreut hat und offensichtlich fand, dass ich gut aussah – und er war natürlich ebenfalls sehr schick … Ich gehe gerne mit ihm weg, weil er so richtig gut aussieht in seiner „dressing up“-Kleidung! Sein Freund war dann sehr nett zu mir, hat mich tausend Dinge gefragt und mir im Laufe des Abend tausend Dinge erzählt – seine Erzählfreude stieg proportional zu seinem Alkoholkonsum 😉 Angel und ich tranken beide nicht, amüsierten uns aber prächtig. Wir konnten nicht tanzen, weil der DJ unfähig war, ordentliche Musik aufzulegen und sinnvolle Übergänge zu schaffen, aber wir machten Sitztanz, stießen mit Wasser an und beobachteten fasziniert, wie sich im Laufe der Nacht mehr und mehr Leute in den in der „Location“ vorhandenen Pool schmissen. Als ich allen erklärte, es sei ganz wichtig, sich beim Anstoßen in die Augen zu schauen, weil sonst 7 Jahre schlechter Sex drohen würden, gab es einen Aufstand und alle, wirklich alle, egal wie betrunken, gaben sich plötzlichst größte Mühe, klar geradeaus in irgendein Augenpaar zu schauen, bevor sie einen weiteren Schluck nahmen …

Als wir gegen Mitternacht nach Hause gingen, war ich sehr glücklich, denn dieses Wochenende war einfach so perfekt. Nicht nur, weil es ein Wochenende mit ihm war, sondern auch, weil ich endlich mal etwas mehr gesehen habe als die Straßen, Gebäude und den Himmel in Cúcuta. Mehr davon sollte es das nächste Wochenende geben … aber davon erzähle ich euch in der nächsten Maus in einem der folgenden Posts! 🙂

Ich hoffe, euch hat dieser Post gefallen und ich freue mich über eure Kommentare, Anregungen und Meinungen!

Un abrazo fuerte! 🙂 ❤

 

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