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Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 1

Nachdem ich euch über die letzten Wochen aus meinem bewegten Dezember berichtet habe, muss ich euch endlich mal auf den neuesten Stand aus 2017 bringen. Es hat sich so ziemlich alles geändert, was sich ändern kann, und der Bericht ist so lang, dass ich ihn in zwei Teilen schreiben werden. Hier Teil 1.

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IMG_9483 (2)Im Dezember bin ich nach Peru gereist (Berichte dieser Reise muss ich leider auf unbestimmte Zeit verschieben), um das Land zu verlassen und ein neues Touristenvisum über 90 Tage ausgestellt zu bekommen. Das hat nicht so geklappt, wie es sollte. Ich habe am Flughafen in Bogotá nur einen 7-Tage-Stempel bekommen, weil der Beamte meinte, dies seien die Tage, die von meinem alten Visum noch „übrig“ wären. Ich müsste zur Migrationsbehörde in Cúcuta, und da würde ich dann ohne Probleme (haha …) meine neuen 90 Tage bekommen. Angel und ich sind also am 03. Januar zur Behörde gefahren und dort wurde mir gesagt, wenn ich in 2017 ein neues Visum beantrage, müsste ich auch in 2017 das Land verlassen und wieder einreisen. Diese Info war komplett gegensätzlich zu den Infos, die wir zusammen im Dezember eingeholt hatten – ich war so wütend! Wir hatten extra gefragt, ob es egal sei, in welchem Jahr die Ausreise stattfindet … Tja, aber wir mussten eben mit den Infos arbeiten, die wir zu diesem Zeitpunkt hatten.

Wir standen also geschockt und planlos da … und schließlich setzten wir uns ins Auto und fuhren zur Grenze mit Venezuela. Das war die einzige Möglichkeit für mich, in meinem Zeit- und vor allem auch Finanzlimit das Land zu verlassen, wieder einzureisen und dadurch einen neuen Stempel zu erhalten, den ich ja nun mal brauchte. Diese Möglichkeit hatte Angel schon im Dezember vorgeschlagen, ich hatte mich aber dagegen ausgesprochen, denn es besteht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Venezuela, und meine Reisekrankenversicherung übernimmt keine Kosten für Behandlungen von während dieser Reise entstandenen Verletzungen. Ich war so wütend auf die kolumbianischen Behörden, da es nie eine Antwort gibt, auf die man sich 100%ig verlassen kann – spricht man mit einer anderen Person, bekommt man ganz andere Infos!

Die Ausreise klappte problemlos – nach endlosem Warten in einer Schlange fragte der Beamte auf der kolumbianischen Seite mich lediglich, was um alles in der Welt ich denn in Venezuela wollte? Wäre er Deutscher, würde er definitiv nach Deutschland reisen – zack, hatte ich meinen Ausreisestempel, ohne dass er eine Antwort erwartete. Wir machten uns auf den Weg über die Brücke, die die beiden Ländern verbindet, und stellten uns aus der venezuelanischen Seite in die Schlange, die sich vor dem Büro formte. Ich musste schließlich alleine hinein, Angel durfte nicht mit. Dieser Beamte war weniger freundlich – was ich hier wollte, wo ich denn hinreisen würde, wie ich dahinkommen wollte, wie lange ich bleiben würde … Ich wurde ganz nervös, weil ich natürlich keine guten Antworten parat hatte. Ich gab also vor, nicht antworten zu können und der Beamte wurde böse. „No entiendes español?!“, zischte er mich an. Ich erwiderte: „Sí, le entiendo, yo entiendo más que hablo y es difícil explicar lo que voy a hacer.“ – „Doch, ich verstehe Sie, ich verstehe mehr, als ich spreche und es ist schwierig, zu erklären, was ich machen werde.“ Grummelnd, kopfschüttelnd und alles andere als zufrieden drückte mir der mürrische Beamte dann einen Stempel in den Pass. Als ich wieder aus dem Büro kam, bedrängte mich Angel: „Was wollte der denn alles wissen?!“

Wir setzten uns auf den Bordstein, Angel kaufte uns je ein Eis und wir redeten 20 Minuten über alles und nichts. Dann besorgten wir Angel ein Papier, das er zur Ausreise brauchte. Idiotisch, da auf dieses Papier alle Infos geschrieben werden, die auch auf seiner ID stehen. Muss aber gemacht werden, sagte er. Als der Ausreise-Beamte feststellte: „Ihr seid doch gerade erst eingereist!“, hatten wir unsere Story bereit, aber erstmal versuchte es Angel mit „Sí, pero tenemos que volver.“„Ja, aber wir müssen zurückreisen.“ und für diesen Beamten reichte das. Wir schlenderten also wieder über die Brücke zurück nach Kolumbien, reihten uns wieder in die Schlange ein und als ich vorgerufen wurde zum Beamten, war ich erleichtert, dass wir uns eine Geschichte überlegt hatten.

Er: „Du bist doch gerade erst ausgereist!“
Ich: „Ja, mit meinem Freund, wir wollten seine Freunde besuchen, aber wir müssen zurück.“
Er: „Warum denn das?“
Ich: „Er wurde angerufen, jemand aus seiner Familie hatte einen Unfall.“
Er: „Und warum reist du nicht alleine weiter?“
Ich: „Naja, es sind seine Freunde, die wir besuchen wollen und außerdem ist mein Spanisch nicht so gut, dass ich mich sicher fühle, alleine zu reisen.“
Er: „Und wo geht es jetzt für dich hin?“
Ich: „Nach Cúcuta!“
Er: „Und wo wirst du wohnen?“
Ich: „Bei Freunden.“
Er: „Hast du die Adresse?“
Ich: „Ja, die ist sicher im System gespeichert, das ist Ave… “
Er: „Okay, will ich jetzt gerade gar nicht wissen.“

Und mit einer wegwerfenden Handbewegung wendete sich der Beamte meinem Pass zu. Ich starrte ihn verwundert an – warum fragen, wenn die Antwort nicht gewünscht ist? Keine drei Sekunden später fragte er mich mit triumphierendem Blitzen in den Augen, warum ich denn nicht am Tag vorher ausgereist sei.

Ich: „Weil wir die Freunde meines Freundes heute besuchen wollen. Warum fragen Sie?“
Er: „Weil dein Visum nur bis gestern gültig war.“
Ich: „Ja, das ist der alte Stempel, aber da ist ein anderer, mit dem ich bis zum 06. bleiben darf. Ich bin letztes Jahr ausgereist.“

Und ich zeigte ihm den neuen Stempel, den ich am Flughafen bekommen hatte. Er zog die Nase hoch, wackelte mit den Augenbrauen und wendete sich seinem PC zu. Ich versuchte mich erst gar nicht mehr am Smalltalk. Mit einem vernichtenden Blick in meine Richtung stempelte er schließlich meinen Pass ab und schob ihn mir über den Tresen zu. Ich bedankte mich artig und gesellte mich zu Angel. Zusammen gingen wir zum Auto und fuhren zurück nach Hause. Das war vielleicht ein Akt!

Zu Hause angekommen, machte ich mich dann an die Beantragung des Arbeitsvisums, das ich für meine Arbeit im Februar brauchen würde. Auf der Webseite hieß es: „Sie werden wohl mindestens 15 Minuten brauchen, um dieses Formular auszufüllen.“ Ich habe mir schon gedacht, dass es länger dauern würde, war aber nicht vorbereitet auf anderthalb Stunden!! Das war alles auf Spanisch und dementsprechend schwierig, und die englische Übersetzung war ebenfalls irreführend … Fehler kann man sich bei sowas ja eher nicht leisten. Als ich dann endlich fertig war, hab ich 3 Kreuze gemacht, das könnt ihr mir glauben. Leider war auch die Bezahlung superkompliziert, da ich die vorgeschlagenen Methoden allesamt nicht nutzen konnte und auch Angel mir damit nicht helfen konnte … Zum Glück traf ich mich nachmittags mit meinem Freund Jaime, und während unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass er mir mit einer Zahlungsmethode helfen konnte. Zum Glück! Als das dann endlich vom Tisch war und ich am 05.01. ins Institut ging, um mir alles erklären und Messungen für meine Uniform durchführen zu lassen, war ich richtig erleichtert und vorfreudig: jetzt konnte ja nichts mehr schiefgehen!

Ich hatte anscheinend in den 6 vorangegangenen Monaten nichts gelernt. Kaum öffnete ich nach dem Besuch im Institut mein Emailpostfach, hatte ich eine Nachricht vom ministerio. Sie bräuchten ganz andere Unterlagen, ich müsste dies löschen und jenes einschicken usw usf … Zum Muckenpucken! Nach einem Gespräch mit der Direktorin, in der ich die geforderten Dokumente benannte und sie mir in sehr klarem und unhöflichem Ton erklärte, ich müsste zusehen, wie ich das regeln würde, von ihr würde ich die Dokumente nicht bekommen, war ich weit entfernt von meinem positiven Vormittagsgefühl. Ich war verzweifelt, alleine und hilflos. Mir war plötzlich klar, dass ich nicht in Kolumbien bleiben würde, weder, um für dieses Institut zu arbeiten, noch, um in der Familie zu bleiben. Trotzdem machte ich weiter, denn was blieb mir anderes übrig? Angel half mir, eine Antwort in beamten-spanisch zu verfassen und ich schickte sie ab. Ein paar Tage später kam die Antwort, die ich erwartet hatte und ich teilte der Direktorin die Absage des Ministeriums mit und dementsprechend auch meine eigene. Damit hatte das Kapitel „profesora de inglés in Cúcuta“ geendet, bevor es angefangen hatte.

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Teil 2 folgt hier!

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Aus dem Mund von … Walking On Cars

Viele von euch werden sicherlich etwas mit der Band „Walking on Cars“ anfangen können, weil sie den Song „Speeding Cars“ kennen. Doch hat sich jemand von euch die Mühe Freude gemacht, mal bei youtube die anderen Lieder dieser großartigen Band auszukundschaften? Wenn ja, dann weiß er, dass es sich um eine wirklich talentierte, ausdruckstarke Ansammlung von Künstlern handelt, die auch gleichzeitig berührende, beeindruckende Videos zu ihren Liedern dreht. Ihre Songs fangen mich immer auf, wenn ich mich beschissen fühle (was in letzter Zeit oft vorkam) und auf meinen Streifzügen durch youtube bin ich auf das Lied „Don’t mind me“ gestoßen. Es beruhigt und ermutigt mich gleichzeitig sehr und ich möchte darum ein paar der schönsten Zeilen mit euch teilen. Das Video findet ihr hier.

walkingoncars

ArtParasites – How Art Thou Today?

Hallo hallo!

Ihr wisst, dass ich inspirierende Sprüche, Zitate, Songtexte, Wahrheiten und Weisheiten sehr gerne habe. Oft wird in bestimmten Texten ein Gefühl auf den Punkt gebracht, das mich überwältigt hat, ohne dass ich es benennen konnte, und nach dem Lesen fühle ich mich 100 Kilo leichter, weil das Gefühl endlich einen Namen hat.

Ich habe auf facebook eine tolle Seite gefunden, auf der ich mir täglich solche inspirierenden, verstörenden, Wahrheit aussprechenden, melancholischen, bestärkenden … Texte „abholen kann“ – so viele, wie ich möchte, wann ich möchte. Ich finde sie großartig und bin jedes Mal wieder erstaunt, wie viele andere Menschen ein Gefühl zu fühlen scheinen, von dem ich dachte, ich bin damit alleine. Das ist unglaublich erleichternd und ermutigend.

Die Seite auf facebook findet ihr hier, ihr könnt aber auch mit google und „artparasites“ fündig werden, wenn ihr nicht so gerne auf facebook unterwegs seid. Auf der offiziellen Website war ich selbst noch nicht unterwegs, weil ich es lieber mag, die Texte in kleinen Portionen präsentiert zu bekommen und mir Nachschlag nehmen zu können, wenn ich mag – einfach einen Post weiter nach unten scrollen …
Nach diesem Prinzip möchte ich jetzt mit euch die Texte teilen, die mich in letzter Zeit sehr stark berührt haben. Oft waren die Gefühle so einfach und offensichtlich, und doch so hart zu greifen und zu definieren … und dann fand ich sie in diesen Auszügen wieder. Vorhang auf:

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I think I fall in love a little bit with anyone who shows me their soul. This world is so guarded and fearful. I appreciate rawness so much.
– Unknown

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Sometimes I like you so much I can’t stand it. It fills up inside me, all the way to the brim, and I feel like I could overflow. I like you so much I don’t know what to do with it. My heart beats so fast when I know I’m going to see you again. And then, when you look at me the way you do, I feel like the luckiest girl in the world.
– Jenny Han

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I hope that someday, somebody wants to hold you for twenty minutes straight, and that’s all they do. They don’t pull away. They don’t look at your face. They don’t try to kiss you. All they do is wrap you up in their arms, without an ounce of selfishness in it.
– Unknown

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I am learning everyday to allow the space between where I am and where I want to be, to inspire me and not terrify me.
– Tracee Ellis Ross

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I hope I’ll always believe in love. Even if love shames me and tries to destroy me, I hope I’ll want to start again.
– Warsan Shire

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Is it love? Is it idolization? The former happens when you’ve spent time with them, when some of the magic wears off, when you know their flaws, and you decide to bring them coffee when they’re working, or write them sweet messages anyway, but the latter is when you’ve spent little time with them, but you think of them all the time; it crumbles where reality can’t meet imagination.
– Jessica Monet

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Lighthouses don’t go running all over an island looking for boats to save; they just stand there shining.
– Anne Lamott

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I find comfort in knowing that people who I’ve cut out of my life are left with this version of me that simply doesn’t exist anymore. The memory and image of me that they have isn’t who I am, and I’m happy that it’s that way. I’ve changed and grown and they won’t ever get the chance to know the better version of myself that I’ve become during their absence.
– Unknown

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The pearls weren’t really white, they were a warm oyster beige, with little knots in between so if they broke, you only lost one. I wished my life could be like that, knotted up so that even if something broke, the whole thing wouldn’t come apart.
— Janet Fitch

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I choose to love you in silence because in silence I find no rejection, and in silence no one owns you but me.
– Rumi

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And when I asked you how you’d been, I meant I missed you more than I’ve ever missed anything before.
– Iain Thomas

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Sometimes the desire you have for someone is so overwhelming that it leads to an inept ability to govern your own emotional stability, which is poisonous for any committed relationships because it’s muddled with desperation.
– Unknown

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Das war eine Auswahl an den Sprüchen, die mir und meinen unaussprechlichen, weil zu komplizierten Gefühlen in letzter Zeit Worte, Stimme und Gesicht gegeben haben … vielleicht war für euch ja auch etwas dabei! Gibt es ein Zitat davon, das ihr besonders gerne mögt? Oder eins, mit dem ihr überhaupt nichts anfangen könnt, oder eins, mit dem ihr gar nicht übereinstimmt?

So oder so lohnt es sich wirklich, sich bei ArtParasites mal umzuschauen, denn jeder Text gibt einen Denkanstoß, mal größer, mal kleiner, mal liebevoll, mal unerwartet brutal … aber immer ist es ein Schubs, sich mit sich selbst, dem Leben, seinen Gefühlen, den Werten der Gesellschaft … ach, allem möglichen! auseinanderzusetzen.

Habt einen schönen Tag / Abend … wo auch immer ihr gerade seid ❤

Aus dem Mund von … Mark Forster

Hallo liebe Lebensmaler,

ich bin neulich auf einem meiner Streifzüge durch youtube über ein Lied gestolpert: „Zu dir (Weit weg)“ von Mark Forster. Ich konnte den Hype um ihn nie verstehen, darum habe ich auch nicht viel erwartet, als ich das Video anklickte … und dann wurde ich eingehüllt in seine Stimme und den Text und die Melodie dieses großartigen Liedes, und habe mich verstanden und aufgehoben und getröstet gefühlt. Es ist einfach und schnörkellos, ohne große Effekte und Schnickschnack, trifft aber gerade deswegen mitten ins Herz – nicht nur die Melodie, sondern auch der Text. In Bahn und Bus steigen, Abschied nehmen, Skypen, Entfernung überbrücken, Müdigkeit, Alltag meistern, Vermissen – es geht um den Alltag all jener, die Liebe in einer anderen Stadt oder einem anderen Land gefunden haben. Das Lied beschreibt eine Beziehung, die von Distanz, Trennungen, Fragen und Unsicherheit gekennzeichnet ist – die aber gleichzeitig genug Liebe und Sicherheit besitzt, dass es „für immer“ sein kann. Ich finde es so schön – Marks Stimme ist so besänftigend und liebevoll und er erzählt von Gefühlen, die gleichzeitig alltäglich und doch so außergewöhnlich und groß sein können. Die Melodie trägt den Zuhörer wunderbar durch diese kleine (Liebes-)Geschichte … vielleicht lasst ihr euch ja auch tragen?

markforster

 

Aus dem Mund von … Alanis Morissette

Ich möchte heute ein wundervolles Lied von Alanis Morissette mit euch teilen. Es ist schon länger eins meiner Lieblingslieder. Dazu geworden ist es, weil und nachdem ich auf den Text geachtet habe. Es erzählt von einer Liebesgeschichte, die sich unerwartet und langsam entwickelt und aus den kleinsten Aufmerksamkeiten heraus entstanden ist. So etwas muss nicht immer nur auf eine Liebesgeschichte zutreffen, sondern kann auch auf eine ganz normale Freundschaft passen. Eine solche Freundschaft, die mir sehr gut tut, habe ich hier ganz unerwartet gefunden – mit Angel. Wir sehen uns oft und auch nicht mehr „nur“ zur clase de español/clase de alemán, sondern wir reden über alles und nichts, machen Sport, fahren herum, essen Eis, sind bei ihm zu Hause, organisieren verschiedene Dinge, die ich ohne seine Hilfe nicht schaffen würde … und das tut mir richtig gut. Es sind so viele Kleinigkeiten, die unsere Freundschaft ausmachen.

Im Lied heißt es „You treat me like I’m a princess“ – Angels Spitzname für mich ist princesa und er kümmert sich wirklich toll um mich, bringt mir Kleinigkeiten mit, wenn wir uns treffen, bezieht mich in seine Tage mit ein und erkundigt sich nach meinen. Er nimmt mich mit auf Familienfeiern und fährt mich herum. Wenn ich z.B. abends mit dem Hund rausgehe oder in einem Café bin, wartet er mit dem Schlafengehen, bis ich ihm geschrieben habe, dass ich sicher zu Hause bin und dank seiner – im wahrsten Sinne des Wortes – „Engelsgeduld“ und Ruhe arten auch (seltene) Meinungsverschiedenheiten nicht in Streit aus.
Alanis singt „I couldn’t help it, it’s all your fault“ – das ist gerade besonders passend, weil hier in Kolumbien bei allem, was ungeplant passiert, prinzipiell erstmal die Schuld von sich gewiesen wird mit den 4 kleinen Worten „No es mi culpa“. Das ist einer der häufigsten Sätze, die er und ich (augenzwinkernd und grinsend) zu einander sagen – beim Schreiben in WhatsApp werden schon die richtigen Worte vorgeschlagen, wenn ich nur „no …“ eintippe.

Ich bin mir also nicht sicher, ob ich wegen all dieser Überschneidungen das Lied nun noch ein Stückchen mehr mag oder ob ich ihn wegen des Liedes ein Stückchen mehr mag. Fakt ist, dass wegen ihm und wie er mit mir umgeht, ein paar Dinge in mir heile gemacht werden, die schon länger kaputt waren. Und schon allein deswegen bin ich extrem dankbar, dass ich ihn getroffen habe und er ein Freund geworden ist. Mir war vor der Einreise nicht so ganz klar, wie es werden würde mit der Kontaktaufnahme/Freundschaften, aber ich habe nach meiner Ankunft schnell begriffen, dass es nicht so einfach werden würde wie sonst … Sprachbarriere, Frauen(ideal)bild usw … und dann überhaupt jemanden gefunden zu haben, mit dem ich mich verstehe und etwas unternehme, freut mich sehr – und dass es dann in so kurzer Zeit auch noch eine solche echte, tiefergehende, auf gegenseitigem (fast blindem) Vertrauen basierende Freundschaft wird … das empfinde ich als echtes Geschenk, für das ich jeden Tag dankbar bin.

Vielleicht gefällt euch das Lied ja auch und ihr denkt an eine bestimmte Person, die euch heile macht oder euch das Gefühl gibt, besonders zu sein? ❤ Vielleicht reist ihr auch in der Zeit zurück? Das Lied ist schon 21 Jahre alt – ich habe es gehört, als ich Teenager war und freue mich, dass ich es jetzt (wieder) für mich entdeckt habe.

alanismorissette

Aus dem Mund von … Julia Engelmann

Ich bin ein großer Fan von Julia Engelmann, ich liebe ihre träumerischen und gleichzeitig wachrüttelnden, erschütternden und tiefgründigen, tröstenden und ermutigenden Texte. Wie sie mit Worten spielt und sie aneinanderreiht, vergleicht, gegenüberstellt und auseinandernimmt, finde ich großartig. Wer sie nicht kennt, dem rate ich dringend, sie bei youtube zu suchen – sie ist wirklich, wirklich toll. Eine Poetry-Slammerin aus Bremen, die in Berlin studiert und herzberührende Texte schreibt. Ich habe schon mal hier auf dem Blog von ihr berichtet: hier könnt ihr etwas von der „Bestandsaufnahme“ lesen, und hier lest ihr etwas über „Eines Tages Baby“. Beides wahnsinnig gute Slams.

Wie sie ihre Texte vorträgt, hat auch nochmal eine ganz besondere Wirkung auf die Worte. Eins meiner Lieblingsgedichte von ihr heißt „Stille Wasser sind attraktiv“. Es gibt zwei verschiedene Videos dafür und ich finde beide berührend und sehr gut gelungen.

Der Grund, warum ich gerade jetzt und gerade hier daran denke … Gestern hatte ich ein wundervolles Treffen mit Angel, das ganz viel mit mir und meinen Gedanken und meinem Herzen gemacht hat. Ich hab mich besonders gefühlt, und stolz, und planlos, und alles  war überhaupt ein wenig durcheinander. Ich konnte das alles nicht ordnen, und dann hat eine Zeile aus eben diesem Slam ziemlich genau beschrieben, was ich gestern gefühlt habe. Ich finde sie wunderwunderwunderbar. Es sind so einfache Worte und Sätze, die aber eine Kraft haben und spenden, die unglaublich und überraschend ist. Schlichte Worte, die große Gefühle perfekt beschreiben. Das mag ich, und darum mag ich Julia Engelmann. ❤

juliaengelmann

 

Aus dem Mund von … Wir sind Helden

„Ein Elefant für dich“ ist ein mittlerweile 11 Jahre altes Lied von „Wir sind Helden“. Ich finde es wunderschön und gleichzeitig so unendlich traurig. Es erzählt vom Lieben, davon, aufeinander Acht zu geben und einander Lasten abzunehmen. Davon, über sich selbst hinauszuwachsen … und davon, Abschied von einer geliebten Person zu nehmen, auch wenn man selbst oder beide noch nicht bereit sind. Ich finde, die Gefühle sind auf den Punkt genau beschrieben, aber so weich verpackt, dass man sich in die Worte einkuscheln und Trost finden kann. Ich stelle mir immer vor, wie ich als alte Dame mit der Liebe meines Lebens auf unser gemeinsames Leben zurückblicke. Wie ich seine Hand halte, ihm durch jene Worte Zuspruch gebe und ihm meine Liebe auf diese Weise ein letztes Mal schenke. Ich denke auch an meine Oma und meinen Opa und ob ich tatsächlich in der Lage sein werde, ein Elefant für meinen Opa zu sein, wenn es soweit ist und wir am Ende des Wegs angekommen sind. Bis es soweit ist, kuschele ich mich in die Worte des Liedes ein.