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Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 1

Nachdem ich euch über die letzten Wochen aus meinem bewegten Dezember berichtet habe, muss ich euch endlich mal auf den neuesten Stand aus 2017 bringen. Es hat sich so ziemlich alles geändert, was sich ändern kann, und der Bericht ist so lang, dass ich ihn in zwei Teilen schreiben werden. Hier Teil 1.

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IMG_9483 (2)Im Dezember bin ich nach Peru gereist (Berichte dieser Reise muss ich leider auf unbestimmte Zeit verschieben), um das Land zu verlassen und ein neues Touristenvisum über 90 Tage ausgestellt zu bekommen. Das hat nicht so geklappt, wie es sollte. Ich habe am Flughafen in Bogotá nur einen 7-Tage-Stempel bekommen, weil der Beamte meinte, dies seien die Tage, die von meinem alten Visum noch „übrig“ wären. Ich müsste zur Migrationsbehörde in Cúcuta, und da würde ich dann ohne Probleme (haha …) meine neuen 90 Tage bekommen. Angel und ich sind also am 03. Januar zur Behörde gefahren und dort wurde mir gesagt, wenn ich in 2017 ein neues Visum beantrage, müsste ich auch in 2017 das Land verlassen und wieder einreisen. Diese Info war komplett gegensätzlich zu den Infos, die wir zusammen im Dezember eingeholt hatten – ich war so wütend! Wir hatten extra gefragt, ob es egal sei, in welchem Jahr die Ausreise stattfindet … Tja, aber wir mussten eben mit den Infos arbeiten, die wir zu diesem Zeitpunkt hatten.

Wir standen also geschockt und planlos da … und schließlich setzten wir uns ins Auto und fuhren zur Grenze mit Venezuela. Das war die einzige Möglichkeit für mich, in meinem Zeit- und vor allem auch Finanzlimit das Land zu verlassen, wieder einzureisen und dadurch einen neuen Stempel zu erhalten, den ich ja nun mal brauchte. Diese Möglichkeit hatte Angel schon im Dezember vorgeschlagen, ich hatte mich aber dagegen ausgesprochen, denn es besteht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Venezuela, und meine Reisekrankenversicherung übernimmt keine Kosten für Behandlungen von während dieser Reise entstandenen Verletzungen. Ich war so wütend auf die kolumbianischen Behörden, da es nie eine Antwort gibt, auf die man sich 100%ig verlassen kann – spricht man mit einer anderen Person, bekommt man ganz andere Infos!

Die Ausreise klappte problemlos – nach endlosem Warten in einer Schlange fragte der Beamte auf der kolumbianischen Seite mich lediglich, was um alles in der Welt ich denn in Venezuela wollte? Wäre er Deutscher, würde er definitiv nach Deutschland reisen – zack, hatte ich meinen Ausreisestempel, ohne dass er eine Antwort erwartete. Wir machten uns auf den Weg über die Brücke, die die beiden Ländern verbindet, und stellten uns aus der venezuelanischen Seite in die Schlange, die sich vor dem Büro formte. Ich musste schließlich alleine hinein, Angel durfte nicht mit. Dieser Beamte war weniger freundlich – was ich hier wollte, wo ich denn hinreisen würde, wie ich dahinkommen wollte, wie lange ich bleiben würde … Ich wurde ganz nervös, weil ich natürlich keine guten Antworten parat hatte. Ich gab also vor, nicht antworten zu können und der Beamte wurde böse. „No entiendes español?!“, zischte er mich an. Ich erwiderte: „Sí, le entiendo, yo entiendo más que hablo y es difícil explicar lo que voy a hacer.“ – „Doch, ich verstehe Sie, ich verstehe mehr, als ich spreche und es ist schwierig, zu erklären, was ich machen werde.“ Grummelnd, kopfschüttelnd und alles andere als zufrieden drückte mir der mürrische Beamte dann einen Stempel in den Pass. Als ich wieder aus dem Büro kam, bedrängte mich Angel: „Was wollte der denn alles wissen?!“

Wir setzten uns auf den Bordstein, Angel kaufte uns je ein Eis und wir redeten 20 Minuten über alles und nichts. Dann besorgten wir Angel ein Papier, das er zur Ausreise brauchte. Idiotisch, da auf dieses Papier alle Infos geschrieben werden, die auch auf seiner ID stehen. Muss aber gemacht werden, sagte er. Als der Ausreise-Beamte feststellte: „Ihr seid doch gerade erst eingereist!“, hatten wir unsere Story bereit, aber erstmal versuchte es Angel mit „Sí, pero tenemos que volver.“„Ja, aber wir müssen zurückreisen.“ und für diesen Beamten reichte das. Wir schlenderten also wieder über die Brücke zurück nach Kolumbien, reihten uns wieder in die Schlange ein und als ich vorgerufen wurde zum Beamten, war ich erleichtert, dass wir uns eine Geschichte überlegt hatten.

Er: „Du bist doch gerade erst ausgereist!“
Ich: „Ja, mit meinem Freund, wir wollten seine Freunde besuchen, aber wir müssen zurück.“
Er: „Warum denn das?“
Ich: „Er wurde angerufen, jemand aus seiner Familie hatte einen Unfall.“
Er: „Und warum reist du nicht alleine weiter?“
Ich: „Naja, es sind seine Freunde, die wir besuchen wollen und außerdem ist mein Spanisch nicht so gut, dass ich mich sicher fühle, alleine zu reisen.“
Er: „Und wo geht es jetzt für dich hin?“
Ich: „Nach Cúcuta!“
Er: „Und wo wirst du wohnen?“
Ich: „Bei Freunden.“
Er: „Hast du die Adresse?“
Ich: „Ja, die ist sicher im System gespeichert, das ist Ave… “
Er: „Okay, will ich jetzt gerade gar nicht wissen.“

Und mit einer wegwerfenden Handbewegung wendete sich der Beamte meinem Pass zu. Ich starrte ihn verwundert an – warum fragen, wenn die Antwort nicht gewünscht ist? Keine drei Sekunden später fragte er mich mit triumphierendem Blitzen in den Augen, warum ich denn nicht am Tag vorher ausgereist sei.

Ich: „Weil wir die Freunde meines Freundes heute besuchen wollen. Warum fragen Sie?“
Er: „Weil dein Visum nur bis gestern gültig war.“
Ich: „Ja, das ist der alte Stempel, aber da ist ein anderer, mit dem ich bis zum 06. bleiben darf. Ich bin letztes Jahr ausgereist.“

Und ich zeigte ihm den neuen Stempel, den ich am Flughafen bekommen hatte. Er zog die Nase hoch, wackelte mit den Augenbrauen und wendete sich seinem PC zu. Ich versuchte mich erst gar nicht mehr am Smalltalk. Mit einem vernichtenden Blick in meine Richtung stempelte er schließlich meinen Pass ab und schob ihn mir über den Tresen zu. Ich bedankte mich artig und gesellte mich zu Angel. Zusammen gingen wir zum Auto und fuhren zurück nach Hause. Das war vielleicht ein Akt!

Zu Hause angekommen, machte ich mich dann an die Beantragung des Arbeitsvisums, das ich für meine Arbeit im Februar brauchen würde. Auf der Webseite hieß es: „Sie werden wohl mindestens 15 Minuten brauchen, um dieses Formular auszufüllen.“ Ich habe mir schon gedacht, dass es länger dauern würde, war aber nicht vorbereitet auf anderthalb Stunden!! Das war alles auf Spanisch und dementsprechend schwierig, und die englische Übersetzung war ebenfalls irreführend … Fehler kann man sich bei sowas ja eher nicht leisten. Als ich dann endlich fertig war, hab ich 3 Kreuze gemacht, das könnt ihr mir glauben. Leider war auch die Bezahlung superkompliziert, da ich die vorgeschlagenen Methoden allesamt nicht nutzen konnte und auch Angel mir damit nicht helfen konnte … Zum Glück traf ich mich nachmittags mit meinem Freund Jaime, und während unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass er mir mit einer Zahlungsmethode helfen konnte. Zum Glück! Als das dann endlich vom Tisch war und ich am 05.01. ins Institut ging, um mir alles erklären und Messungen für meine Uniform durchführen zu lassen, war ich richtig erleichtert und vorfreudig: jetzt konnte ja nichts mehr schiefgehen!

Ich hatte anscheinend in den 6 vorangegangenen Monaten nichts gelernt. Kaum öffnete ich nach dem Besuch im Institut mein Emailpostfach, hatte ich eine Nachricht vom ministerio. Sie bräuchten ganz andere Unterlagen, ich müsste dies löschen und jenes einschicken usw usf … Zum Muckenpucken! Nach einem Gespräch mit der Direktorin, in der ich die geforderten Dokumente benannte und sie mir in sehr klarem und unhöflichem Ton erklärte, ich müsste zusehen, wie ich das regeln würde, von ihr würde ich die Dokumente nicht bekommen, war ich weit entfernt von meinem positiven Vormittagsgefühl. Ich war verzweifelt, alleine und hilflos. Mir war plötzlich klar, dass ich nicht in Kolumbien bleiben würde, weder, um für dieses Institut zu arbeiten, noch, um in der Familie zu bleiben. Trotzdem machte ich weiter, denn was blieb mir anderes übrig? Angel half mir, eine Antwort in beamten-spanisch zu verfassen und ich schickte sie ab. Ein paar Tage später kam die Antwort, die ich erwartet hatte und ich teilte der Direktorin die Absage des Ministeriums mit und dementsprechend auch meine eigene. Damit hatte das Kapitel „profesora de inglés in Cúcuta“ geendet, bevor es angefangen hatte.

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Teil 2 folgt hier!

Alles halb so schlimm

Heute war ich irgendwie am Ende meiner Kräfte. Alles geht schief, alles wächst mir über den Kopf, entgleitet meiner Kontrolle. Und ich war genervt und erbost und hätte heulen können. Dann habe ich einen guten Freund gefragt, ob er mit mir skypen kann, denn irgendwie schafft er es immer, mich zum Lachen zu bringen. Ich hatte Glück, denn er hat sich Zeit für mich genommen.

Erst fragte ich ihn aus, um mich abzulenken, aber schließlich schilderte ich ihm alles, was mich nervte und er lachte. Er lachte und sagte: „Katha, all you need is money. You need money and you’ll be all good.“ Oh-oh. Mich auszulachen, wenn ich eh schon am Rand der Verzweiflung balanciere, ist absolut nicht zu empfehlen. Und sein Vorschlag war ja nun beim besten Willen nicht konstruktiv, sondern legte meine Wunde quasi direkt in Salz ein.

ABER (und das ist wichtig) gleich darauf wurde er ernst und sagte, wir würden eine Liste machen und die Probleme lösen. (Mit Listen kriegt man mich immer.) Und er fasste meine Probleme denn auch ganz kurz und unemotional zusammen:

– kein Auto
– keine Möbel
– keine Ahnung, wie viel Material ich für ein bestimmtes Projekt kaufen muss
– keine Medizin und Vorbereitungen für Tansania
– keine Zeit
– kein Geld

Dann fragte er, wo ich mir ein Auto leihen oder mieten könne. Er fragte, ob ich eine Matratze und Besteck hätte. Er sagte, ich solle Infos verlangen. Er sagte, ich solle losgehen und Medizin kaufen. Er fasste sachlich zusammen, wie viel Zeit ich für was brauchen würde und erklärte, ich hätte noch genug Zeit für alles andere. Und zum Abschluss sagte er: „Katha, in life problems come and problems go. Just get yourself up and start.“ Und ich wollte ihn dafür in den Arm nehmen.

Ich weiß auch nicht richtig, was da passiert ist. Vielleicht lag es daran, dass er alles leichter genommen hat, als ich es nehmen konnte. Er hat sich gar nicht auf meine emotionale Achterbahnfahrt eingelassen, sondern sein Ding durchgezogen. Aber nicht, ohne mir zuzuhören und mich das machen zu lassen, was mir Sicherheit gibt: eine Liste. Ich glaube, das war genau das Richtige, denn hätte er versucht, mich „in echt“ aufzumuntern, also konstruktive Vorschläge gemacht mit der Erwartung, dass ich sie genau so umsetze, dann hätten wir beide irgendwann verzweifelt. Er hat mich zwar ernst genommen, aber nicht überernst, und das brauchte ich. Jemanden, der mir zeigt: „Hey, soo schlimm ist es nicht, und es gibt Alternativen zum in-der-Ecke-sitzen-und-jammern. Das kannst du zwar ’ne Zeit lang machen, und das ist okay, aber dann solltest du weitermachen.“

Ein guter Rat – und danke Skype gar nicht teuer. Aber gute Freundschaft ist ja eh unbezahlbar.

 

Gebt mir Parabeln! Ich mach das!

Ich hätte in meinem ganzen Leben nicht vermutet, dass es mal soweit kommt. Ich bin erstaunt, wenn nicht sogar total platt. Vielleicht sollte ich mich mal durchchecken lassen. Die Überschrift stimmt nämlich – ich meine nicht Vokabeln und hab mich auch sonst nicht vertippt, ich meine tatsächlich Parabeln, diese Mathedinger.

Wie konnte das passieren? Wieso verlange ich nach Parabeln? Ganz einfach: ich sitze über meinem Jahresurlaubsplan. Jahresurlaub?, denkt der eine oder andere von euch jetzt vielleicht. Wir haben fast Mai, und sie sitzt an ihrem Jahresurlaub? Ich weiß, ich weiß. Ich schiebe es schon seit Wochen Monaten vor mir her, weil es eine verdammt komplizierte Angelegenheit ist. Ich arbeite nämlich Nächte und nicht Tage. Daher muss ich meine Urlaubstagsanzahl immer umrechnen. Wenn ich 45 Stunden im Monat arbeite, muss ich 45 Stunden durch die Anzahl der Arbeitstage im jeweiligen Monat teilen, um meine tägliche Stundenzahl zu errechnen.

Bis hierhin ist alles klar. Dann wird es aber kompliziert, weil ich nämlich beispielsweise 20 Urlaubstage einreichen muss, um 3,3 Nächte Urlaub zu bekommen. Huh? Und überhaupt: verratet mir mal, wie ich „Komma 3“ Nächte Urlaub mache?! Also hab ich ein Plus von 0,3 Stunden und muss die dann irgendwo anhängen. Außerdem muss ich meinen Urlaub also pro Monat ausrechnen und das ist absolut verworren, und ich bin eh keine Mathekanone.

Also, eigentlich stimmt das auch nicht. Mit Parabeln à la f(x)=-0.8·(x-2)² -4 hab ich überhaupt kein Problem. Diese Parabel ist nach unten geöffnet und gestaucht, ihr Scheitelpunkt liegt bei x=2 und y=4 und die Polynomdarstellung lautet f(x)=-0,8x²+3,2x-4,8. Daraus wiederum lässt sich ablesen, dass der Schnittpunkt mit der y-Achse bei -4,8 liegt. Das ist üüüüberhaupt kein Problem für mich. Aber vor meiner Urlaubsplanung kapituliere ich … alles klärchen. Man sieht: in der Schule werde ich total klasse auf mögliche Aufgaben des täglichen Arbeitslebens vorbereitet. Nicht.

Von O bis O – Aus dem Alltag einer unerschrockenen Reifenwechslerin

????????????????????????Ich kann Reifenwechseln. Ja. Weibliche Anatomie und Reifenwechselfähigkeiten schließen sich nicht aus, wie viele Männer (und leider auch einige Frauen) annehmen. Ich kann erkennen, welcher Reifen vorne links und welcher hinten rechts montiert werden muss, ich weiß, wo ich die Luftdruckangaben finde und tatsächlich auch, wie ich den Luftdrucke messe, senke und erhöhe, sollte es denn nötig sein. Ich kann meinen Fahrzeugschein lesen (obwohl ich andere Lektüre bevorzuge) und anhand der ganzen Kürzel auf dem Reifen erkennen, ob ein Reifen mal getestet werden sollte: hat er vielleicht seine besten Jahre hinter sich und sollte langsam in den Gummihimmel entsendet werden? Oder tut er’s noch ein paar Jahre? Einmal Nachmessen der Profiltiefe und Untersuchung in der Werkstatt meines Vertrauens und ich weiß Bescheid.

Nach Ostern Reifenwechsel

????????????????????????Es heißt ja, ein Paar Reifen sollte immer „von O bis O“ (Ostern bis Oktober bzw. Oktober bis Ostern) gefahren werden, also hatte ich mir überlegt, ich könnte ja noch in den Ferien meine Reifen wechseln. Ich mache das immer selbst und auch wirklich gerne – da fühle ich mich immer so … kompetent! Da mein geliebter Horst (ja, mein Auto ist ein ER und wir lieben uns) schon ein recht reifer Herr ist, kam es mir in den Sinn, mal zu überprüfen, wie reif seine Reifen eigentlich sind … und so fing das Dilemma an.

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Die fiese DOT-Nummer

Normalerweise erkennt frau das Alter der Reifen an der DOT-Nummer – das Department of Transportation, also das Verkehrministerium der US of A, hat die vor ein paar Jahrzehnten eingeführt. Das ist meist eine 4-stellige Nummer (manchmal auch noch 3-stellig), die angibt, in welcher Kalenderwoche und in welchem Jahr der Reifen gefertigt wurde.

Dreistellig:

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Eine dreistellige DOT-Nummer zeigt an, dass der Reifen in den 1980ern gefertigt wurde. Sie sieht evtl. so aus: 489 – das bedeutet, der Reifen wurde in der 48. Kalenderwoche des Jahres 1989 gefertigt.

Dreistellig mit Δ (Delta):
Außerdem gibt es da noch dreistellige Nummern mit einem Deltazeichen: das Delta wird für Reifen verwendet, die in den 1990ern gefertigt wurden. Die DOT-Nummer 257Δ bedeutet also, der Reifen wurde in der 25. Kalenderwoche im Jahr 1997 gefertigt.

Vierstellig:
Die neuesten DOT-Nummern sind vierstellig. Folgende Nummer 0405 bedeutet also … na? … der Reifen wurde in der 4. Kalenderwoche des Jahres 2005 gefertigt! Richtig!

Bestens ausgerüstet ans Werk

Im Prinzip ist die Altersüberprüfung ja nun wirklich nicht so schwierig – es sei denn, man findet diese bescheuerte Nummer nicht! Also, es ist doch ein Kreuz. Da ????????????????????????will man ganz tüchtig und selbstbestimmt loslegen, seine Fähigkeiten demonstrieren und es scheitert daran, dass man mit der Lupe über dem Reifen hängt und nach  Ziffern sucht, die nicht draufstehen. Also doch: Reifen ins Auto und die Werkstatt aufsuchen, wo – natürlich! – nur Männer arbeiten, die sich bestimmt gegenseitig die ölbeschmierten Ellenbogen in die Rippen schubsen und frauenunfreundliche Dinge vor sich hinmurmeln. Hmpfr! Kann ich ja nix dafür, dass da keine Nummer drauftsteht …

Lost and found …

Nein, das war geschummelt. In meiner Werkstatt arbeiten zwar wirklich nur Männer, und der hinterm Tresen hat mich tatsächlich schief angeschaut, als ich von unauffindbaren DOT-Nummern erzählt habe, aber der, der damit beauftragt wurde, mir beim Suchen der Nummer zu assistieren, war äußerst freundlich. Und tatsächlich – die Ziffern waren in einem Kürzelwald verborgen, und ich hätte sie wirklich nicht alleine finden können. Ich wollte schon fragen, ob er mir DAS schriftlich geben kann, konnte mich jedoch grad so beherrschen …

????????????????????????

Tja … jetzt weiß ich also Bescheid, brauche keine neuen Reifen für diesen Sommer (yay!) und kann mir beim Wechseln wieder vollkommen fachfräulich und fröhlich die Finger schmutzig machen. Außerdem: nach Ostern ist ja bekanntlich vor Oktober – meine Winterreifen wechsel ich dann wirklich ohne dass mir jemand dazwischenfunken muss! Ich kann das nämlich echt.

Farm Charm – You’re not alone

This post is going to deal with the one vital challenge we are facing here in the Australian Bush almost daily: how to … get into the shower with a frog sitting on the door frame. I’m pretty sure this knowledge will come in handy for you one day, even if not in the immediate future. But, as mentioned before, this is what I have to deal with practically every day,  so here we go:
How do you get into the shower without having the frog jump on your (insert body part here:) _______________?

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The answer is simple: don’t even try, you’ll lose.  Make use of the toilet instead while the frog is busy blocking the shower door. Use this rare opportunity of possible solitude on the loo, that’ll have the frog hopping away in no time! Then use the shower while your froggy friend is occupying the toilet, probably planning to jump at you from his hide-out inside the toilet bowl when you take a seat next. (Been there, done that!) It’s all about timing, I think you agree with me, don’t ya?

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So best of luck for your next trip to bushland, you are officially prepared for wildlife encounter!

Farm Charm – Mein zu Hause

Tja, hier bin ich nun auf der Farm. Montagabend habe ich nicht mehr viel gesehen von allem, aber meine erste Reaktion war Schock. Purer Schock. Das lag aber vor allem an meinen Erwartungen und Vorstellungen. Jetzt, nachdem ich mein Zimmer einmal selbst durchgeschrubbt und mich von meinen „McLeods Töchter“-Vorstellungen verabschiedet habe, fühle ich mich hier eigentlich ziemlich wohl. Die verschiedensten Lebensformen der Tierwelt machen mir zum Großteil nichts mehr aus 😉

Ich lebe hier zusammen mit Kate, einer 27 Jahre alten Lehrerin aus England, und Wajihah, einer 24-jährigen Deutschen, die genau wie ich für Unterkunft und Essen arbeitet, um ihr 2. Visum zu bekommen. Als ich ankam, wohnte Josh auch noch hier – hach. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht ins Schwärmen gerate, den mochte ich nämlich wirklich gerne, obwohl er 5 Tage nach meiner Ankunft abgereist ist.

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Kate und Wajihah

Meine Farmfamilie besteht aus Darcy und Lynda, seit fast 10 Jahren glücklich verheiratet. Die beiden haben 3 Kinder, die ziemlich … fordernd sind, sagen wir es mal so 🙂
Grace ist 7 und absolut süß. Sie ist spargeldürr, kümmert sich liebevoll um ihren kleinen Bruder und ist sehr entspannt, was die Allüren ihrer jüngeren Schwester angeht – und sie ist eine echte Draufgängerin. Alle 3 Kinder sind so: immer barfuß durchs hohe Gras (giftige Schlangen? Unsinn!) und klettern können sie wie die Eichhörnchen. Ingrid ist 5 und eine kleine Diva – sie scheint manchmal sehr affektiert, aber sie ist neugierig und begeisterungsfähig – und gewieft! Am besten, man checkt dreimal mit Lynda, bevor man ihr irgendetwas glaubt! Der Jüngste in der Bande ist Dan(iel) und mit seinen 1.5 Jahren wickelt er alle um den Finger. Er ist sehr Mama-fixiert und weinerlich, aber genauso wild wie seine Schwestern.

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Darcy mit dem kleinen Dan (1.5), Lynda, Ingrid (5) und Grace (7)

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Dan – er liebt es, Hackenschuhe und Perücken zu tragen

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Lynda – superlieb und entspannt, ich mag sie sehr gerne.

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Ingrid und Grace – fasziniert von einem „Zaubertrick“

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Darcy und die Gitarre – wunderbare Stimmung, kann ich euch sagen!

Die Familie und wir wohnen in verschiedenen Häusern, unseres ist „The Brook“. Dort sind unsere Wohnräume und die Schulräume der Mädels untergebracht.
Unten befinden sich Küche und Vorratskammer, Wohnzimmer und einige kleine Räume, während oben die Schulräume, unsere Schlafzimmer sowie das Badezimmer und die Toilette zu finden sind. Hier ist es keine Seltenheit, dass einem Kängurus im Vorgarten begegnen oder dass Pferde mal eben am Haus vorbeigaloppieren. Das Leben hier ist eine kleine Wundertüte: jeden Tag gibt es kleine oder große Überraschungen.

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Das Tor zu unserem Heim

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Willkommen in „The Brook“!

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Die überdachte Terasse

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Blick aus unserer Wohnzimmer-/Haustür auf einen Schuppen

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Wohnzimmer und Essbreich, im Hintergund links die Küche

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Die Küche

Es ist so, dass die ganze Rohrverlegung wohl sehr … eigen ist in diesem Haus. Wenn man oben duscht, dann steigt nämlich der Wasserspiegel unten im Abwaschbecken in der Küche.
Und was die Lampen hier betrifft: manche funktionieren, manche funktionieren nicht, aber sicher ist, dass immer irgendwelches Viehzeug durch die Fliegengitter gelangt und sich am Licht betrinken will. Neulich hatten wir eine Babyfledermaus an der Lampe hängen und da die Mädels sich nicht getraut haben, sie anzufassen, aber auch keine von uns mit einer Fledermaus das Quartier teilen wollte, habe ich todesmutig … die Flucht ergriffen. Nein, Scherz. Ich hab die Fledermaus natürlich gerettet und in die Freiheit entlassen.

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Des Weiteren teilen wir uns die Küche mit einer Maus und mindestens 2 Geckos, und wir haben unsere hauseigene Kröte, die uns jeden Abend, wenn wir uns Bett gehen wollen, einen Schrecken einjagt, wenn sie dort fett und bräunlich und … krötig eben … vor der Tür sitzt und uns den Weg versperrt. Gerade heute haben Kate und Wajihah wieder einen Frosch in der  Kloschüssel entdeckt und als ich dann auch mal die Toilette benutzen musste, fand ich mich Auge in Auge mit einem hyperventlierenden Frosch wieder, der mich von seinem Platz an der Tür aus kritisch beäugte …

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Ja, so ist das. So lebe ich jetzt. Was ich so die ganze Zeit treibe, werde ich euch im Laufe der Tage berichten! Es wird ziemlich cool, also bleibt dran 🙂

Rainbow Beach – Shit happens

Nach unserem Stopp in Brisbane führte uns eine einsame Landstraße Richtung Rainbow Beach. Wir fuhren und fuhren, und es wurde dunkel, und wir fuhren immer noch. Und kamen und kamen nicht an. Aber dann endlich: Lichter! 🙂 Anna und Thomas haben mich am Hostel abgesetzt und ich wurde in mein Zimmer gelotst: das winzigste 4er-Zimmer, das man sich denken kann, und so minimalistisch eingerichtet wie ein … ich weiß auch nicht wie. Die wenigen, verteilten Habseligkeiten ließen darauf schließen, dass ich meine Unterkunft mit 3 Kerlen teilte – an sich kein Problem.

Es wird erst zu einem Problem, wenn besagte Kerle mitten in der Nacht (3 Uhr morgens) stockbesoffen ins Zimmer fallen und die Dämpfe ihrer konsumierten Getränke alle ohnehin nicht frische Luft im Zimmer vertreiben. Da ich als letzte ins Zimmer gezogen bin, musste ich mit dem oberen Bett vorlieb nehmen – und wurde einmal ordentlich durchgerüttelt, als einer der Kerle sich ins Bett schmiss. Okay, ganz ruhig: einatmen, ausatmen, versuchen, schnell einzuschlafen, morgen sieht alles gaaaanz anders aus (und ich hab vermutlich eine Alkoholvergiftung nur durch’s Atmen).

Das Vorhaben, schnell einzuschlafen, wurde von meinen Zimmergenossen jäh zunichtegemacht – gerade war ich am Einschlummern, da durchzog ein Schnarcher den Raum, der einem – großen – Bären alle Ehre gemacht hätte. Na klasse. Augen verdreht und die Ohropax rausgekramt – nicht mal die konnten die Mörderschnarcher ausblocken.

Irgendwie muss es mir aber trotzdem gelungen sein, wieder einzuschlafen, denn der nächste Zwischenfall ließ nicht lange auf sich warten und schreckte mich aus dem Schlaf: Mr Schnarcher musste auf die Toilette. RUMMS! ging’s und er fiel aus dem Bett, riss die Tür auf und stampfte Richtung stilles (ha!) Örtchen. Seine Abwesenheit nutze ich, um wieder einzudösen, aber auch das war nur von kurzer Dauer: ich saß senkrecht im Bett, als der Schnarcher zu mir auf’s Bett kletterte. Ja. Genau. Das war der Moment, in dem ich beschloss, am Morgen aus dem Hostel auszuchecken.

Er kletterte also zu mir ins Bett. Ich starrte ihn in der Dunkelheit des Zimmers an und brachte ein empörtes „Excuse me?“ zustande. Das lenkte ihn von seinem (offensichtlich ziemlich komplizierten) Aufstieg ab und er starrte zurück – und murmelte etwas, das wie „Sorry, wrong bed (falsches Bett)“ klang. Ob er mein geseufztes „Yeah“ noch mitbekommen hat, weiß ich nicht, aber nachdem er sich wieder in sein eigenes Bett manövriert hatte, begann er wieder mit seinem zweifelhaften Konzert …

Wie ich das Einschlafen dann letztendlich gemeistert hab, kann ich nicht sagen. Ich hab mich gerächt, indem ich am nächsten Tag so oft wie menschenmöglich rein – und rausgelaufen bin und auch jedes Mal das Licht angeknipst hab. Hatte keinen sichtbaren Effekt, und als ich aus dem Hostel ausgecheckt hab, so gegen 11h, haben sie immer noch geschlafen.
Da macht man was mit …