Frau Freitag – Chill mal, Frau Freitag

„Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin“, heißt es auf dem Cover des Buches.https://i2.wp.com/1.bp.blogspot.com/-mmBbHxvzAJY/UCLZ--n1IuI/AAAAAAAAAf4/LvpBP0Pq6xs/s1600/chill-mal-frau-freitag.jpg
Als unerschrocken kann man Frau Freitag auf jeden Fall beschreiben, ebenso als nervenstark, ausdauernd, geduldig und positiv.

Frau Freitag ist Lehrerin an einer deutschen Großstadtschule, aber der Großteil ihrer Schüler beherrscht weder die deutsche Sprache noch die eigene Muttersprache perfekt, weswegen sie tagtäglich von einem Gemisch aus (schlechtem, wohlgemerkt) deutsch und „ausländisch“ umgeben ist.

„Frau Freitag, fahren wir Heidepark?“
„Abó, mach nicht so!“

Netterweise bietet Frau Freitag gleich Übersetzungen der Stilblüten ihrer 9. Klasse, sodass der gemeine Leser versteht, was passiert:

Ich höre mehrfach die arabischen Wörter »Chara« (Scheiße) und »Scharmuta« (Hure). Irgendwann reicht es mir. Ich stürze an den Tisch und schreie »Challas!« (Lass das). Die Jungen gucken mich verwirrt an. Ich sage: »Istrele!« (Arbeitet). Keiner reagiert. »Was ist,
verstehst du das nicht?«, frage ich einen von ihnen und gucke böse. »Ich kann kein Arabisch, ich bin Kurde.« »Aber du«, wende ich mich an den Nächsten. »Du verstehst das doch.«  »Nee, ich bin aus Polen.«
Der Dritte war Türke, und dann saß an dem Tisch noch der Sohn einer thailändischen Mutter, der jedoch nur Deutsch sprach. Aber auf Arabisch fluchen, das geht.

Frau Freitag zieht ihren Nutzen aus dem Leben als Lehrerin, verbessert sie doch täglich ihre Türkischkenntnisse:

Elterngespräche auf Türkisch klappen aber schon ganz gut. Übersetzt gehen die ungefähr so:
»Öretmen Erhan.« (Ich Lehrerin Erhan.)
»Erhan hayir cok güzel English.« (Erhan nein sehr schön Englisch.)
»Erhan Englisch hayir, hayir.« (Erhan Englisch nein, nein. »Schlecht«
kenne ich noch nicht.)
»Erhan immer Handy.« (Handy ist universal verständlich.)
»Erhan Kunst cok güzel.« (Erhan Kunst sehr schön.)
Ich mache ein trauriges Gesicht. Mutter Erhan auch.
»Aber Erhan guter Junge.« (Ersguterjunge heißt Bushidos Platten –
label.)
»Memnum oldum Erhan.« (Sagt man eigentlich zur Begrüßung und
heißt soviel wie »ebenfalls angenehm«.)
Mutter wieder happy. Frau Freitag auch happy. Erhan auch happy.
Fertig.

Schade ist, dass die Erlebnisse den deutschen Schulalltag ziemlich gut wiedergeben, sonst wäre das Buch wirklich komplett unbeschwert zu genießen. Es gibt aber auch Lichtblicke:

»Frau Freitag, Samira und ich lesen doch gerade Anne Frank und das ist ja sooo schrecklich, wie die die Juden behandelt haben.« Ich erinnere mich dunkel daran, dass die Deutschlehrerin mit meiner Klasse ein neues Buch anfangen wollte: »Lest ihr  das jetzt in Deutsch?« »Nein, das haben wir uns aus der Bücherei ausgeliehen. Und das ist so ein gutes Buch. Aber alles so  schrecklich. Die Juden durften ja nicht mehr rausgehen abends.« »Ja, ich weiß. Esra, verstehst du jetzt, warum wir nicht wollen, dass ihr ›Jude‹ als Schimpfwort benutzt? Weil die Deutschen doch damals so gemein zu den Juden waren.« »Ja, ich mach das auch nicht mehr.« Damit trottet sie wieder an ihren Platz. Ich starre ihr verwirrt hinterher. »Weil die so gemein
waren« – habe ich das eben echt gesagt? Leicht untertrieben, aber egal, Hauptsache sie lesen. Und dann auch noch Anne Frank und zwar freiwillig – wer hätte das gedacht?

Trotz des teilweise verstörenden Wiedererkennungswertes der Konversationen finde ich das Buch unglaublich witzig geschrieben und „informativ“. Weiter so, Frau Freitag!🙂

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