Tag-Archiv | abends

Aventuras Nuevas – Bucaramanga 3

Weiter geht es mit Tag 3 (und 4) in Bucaramanga! Hier Teil 1 und Teil 2.

Morgens habe ich in dem kleinen Lädchen unten an der Ecke Obst, Brot und Eier gekauft, und diese dann prompt liegen lassen … Hier werden Eier einfach in eine kleine Plastiktüte gesteckt und die hatte ich auf dem Tresen übersehen. Ich habe sie dann nachgeholt und uns Frühstück gemacht, diesen Morgen hat Angel abgewaschen und aufgeräumt und dann haben wir uns auf den Weg ins Shoppingzentrum „Cacique“ gemacht, wo wir unter anderem durch die Läden gestrichen sind, einen Freund von Angel getroffen und schließlich Mittag gegessen haben. Ich habe ein paar Kleidungsstücke anprobiert, aber ich mag es nicht, wenn jemand auf mich warten oder ich Kleidung präsentieren muss, sodass das recht fix vorbei war. Wir haben uns einfach viele verschiedene Läden angeschaut, ich habe Highheels anprobiert, die er mir verboten hat zu kaufen, weil ich damit noch viel größer bin als er, wir haben nach Fußkettchen und Piercings gesucht und uns schließlich für ein Mittagessen von Subway entschieden. Das haben wir dann in dem Teil des Einkaufszentrums eingenommen, der einen wunderbaren Blick auf die Stadt bot.

 

Nachdem wir in diesem Einkaufszentrum genug gestöbert hatten, sind wir nachmittags mit einem Bus in den Stadtteil „Floridablanca“ gefahren. Wir sind an einer Ecke ausgestiegen und durch die Straßen zu einem parque gelaufen, wo wir ein paar Fotos gemacht haben von Kirchen und Gebäuden, und ich mit einem Kind gespielt habe – ein kleines Energiebündel, das es genial fand, von einem Podest in die Arme seiner Mama zu springen, um dann wieder zur Treppe zu laufen …  Auf dem Weg zu diesem Platz haben wir an einem Auto gestoppt, dessen Kofferraum eine kuriose Sammlung an Dingen offenbart hat. Komische Schwämme, Stöcker und was weiß ich nicht noch alles … ich habe ein Stück dieses Schwammes gekauft, den ich ein paar Wochen später als Badeschwamm in Weihnachtsgeschenkpapier gewickelt habe.

Aber zurück zu unserem eigentlichen Ziel in Floridablanca: viele unserer Freunde hatten uns geraten, dort die obleas zu probieren, und das hatten wir vor. Obleas sind riesige oblaten-ähnliche Waffeln, die man mit ganz vielen verschiedenen süßen Zutaten/Aufstrichen essen kann, wie ein Sandwich werden sie serviert. Die obleas in Floridablanca, wie sowohl der Stadtteil als auch das Restaurant (Obleas Floridablanca) hießen, waren extragroß und extrateuer, weil es eben eine touristische Sache war. Wir haben uns gleich auf den Weg zu dem Restaurant gemacht, wo wir schließlich im überfüllten Eingangsbereich die Karte studiert haben. Die angebotenen obleas hatten dann auch wundervolle Namen wie etwa Afrodisiaca, Amor de tres, Divorcio, Mi Gran Amor und Amor Eterno. Das Aussuchen war also dementsprechend mit viel Witzelei verbunden 😉 Ich habe mich für Chocoblea entschieden, also eine Waffel mit Schokolade, Arequipe (Karamellcreme) und Sahne, Angel hat, glaube ich, Eclipse (Arequipe, Käse und Erdbeercreme) gewählt. Wir haben ewig viel dafür bezahlt, bestimmt fast 6.000COP für meine und ein bißchen weniger für seine Waffel. Stühle bzw. Tische zu finden war ein Akt, aber wir haben es geschafft und den Tisch später mit einer Familie geteilt, während wir unsere superleckeren Kalorienbomben vertilgt haben. Ich habe meine nicht geschafft und sie mir mit viel Kleberei für später eingepackt.

Danach sind wir wieder Richtung Hauptplatz gegangen und haben uns dort ein Taxi gesucht, das uns zum Cristo fahren sollte. Der Cristo ist eine riesige Statue des Christus auf einem hohen Berg, die mit einer Seilbahn zu erreichen ist. Das Areal nennt sich Cerro del Santisimo – „Hügel des Heiligen“ in etwa. Meinen Infos zufolge wurde die Konstruktion des Cristo im Jahr 2014 begonnen und der „Ecoparque“, wie das Areal auch gennant wird, in 2015 für Besucher eröffnet. Der Cristo misst 37 Meter an Höhe und ist somit 17m größer als die berühmte Christus-Statue in Rio de Janeiro, Brasilien.

Geplant war eigentlich, zum Cristo zu laufen, aber es war erstens schon spät und Angel wollte mit mir den Sonnenuntergang angucken, und zweitens wussten wir den Weg auch nicht. Es hat sich als vernünftig herausgestellt, das Taxi zu nehmen, denn wir hätten mehrere Kilometer bergan in völliger Dunkelheit wandern müssen und wären erst mitten in der Nacht angekommen. Der Taxifahrer hat uns abgezockt, was den Fahrpreis anging (8.000 COP!!), aber wenigstens waren wir pünktlich an der Basis. Die Seilbahn, mit der man von der Basis auf den Hügel fährt, der den Cristo beherbergt, überbrückt 1380 Meter Distanz und man hat einen wundervollen Ausblick auf die Stadt und die grünbewaldeten Flächen. Wir haben für je 22.000COP (7€) die Tickets für die Seilbahn gekauft und sind über den dunklen, begrünten Bergwände auf den cerro geschwebt.

Oben angekommen war es eine Farb- und Geräuschexplosion – zumindest für mich. Ruhig (visuell sowie akkustisch) kann Kolumbien einfach nicht. Überall waren weihnachtliche Lichter in allen möglichen Farben angebracht, dazu Scheinwerfer, die alles beleuchteten, was nicht durch die Lichterketten illuminiert wurde, und natürlich waren die Besucher auch ziemlich laut. Der Ausblick über die Stadt war aber dann wirklich spektakulär. Alles leuchtete in weiß und orange und es war magisch. Ein paar Fotos sind mir gelungen. Ich muss sagen, dass ich den Cristo am wenigsten beachtet habe, obwohl er ja eigentlich die Hauptattraktivität war … aber was soll ich eine große, weiße Statue anstarren, die nichts tut, wenn ich mich an einem zauberhaften Stadtpanorama sattsehen kann? Wir hatten dann das Glück, dass es eine Tanzshow gab, die wirlich beeindruckende Tänzer und Stile präsentiert hat, und danach gab es Wasserspiele, sowohl „Choreographien“ nur mit Wasserfontänen als auch bebilderte Wasser“vorhänge“. Wir haben uns auf den Stufen niedergelassen, die Tänze bestaunt und beklatscht, die Wasserspiele genossen und ich habe meine restliche oblea aufgegessen, während ich zwischen Angels Beinen eingekuschelt saß und mich sehr wohl gefühlt habe. Wir haben gescherzt und gefachsimpelt und die Zeit zusammen genossen.
Wer mehr sehen möchte, kann gerne auf diesen Link klicken und sich verschiedene Videos ansehen (z.B. unter dem Feld „El Santisimo“). Als es immer später und unkler wurde, haben wir uns entschlossen, mit der Seilbahn wieder zurück zur Basis zu fahren und haben von dort ein Sammeltaxi/einen Bus zurück nehmen können, das/der für jeden von uns 2.000COP gekostet hat. Dieser hat uns auf einem „Park&Ride“-ähnlichen Parkplatz abgesetzt, von wo aus uns ein Freund von Angel abgeholt hat. Der hat uns zu einer Pizza eingeladen und ich habe mich mit seinen Cousins auf Spanisch unterhalten, während Angel und er sich ausgetauscht haben. Es war ein schöner Abschluss, und der Freund hat uns dann ganz in der Nähe von unserem zu Hause rausgelassen, soass wir nicht lange laufen mussten. Wir haben uns sehr viel verfahren auf dem Nachhauseweg und mussten lachen, weil dies mit viel Geschrei einherging … „Hier links, nein doch rechts, argh! – Nein HIER links, nicht da!“ Irgendwann standen wir dann in der Nähe unseres zu Hauses, liefen heim und fielen müde ins Bett, nachdem wir uns verabschiedet und für die Gastfreundschaft bedankt hatten.
*  *  *
Am nächsten Tag schliefen wir relativ aus, packten unsere Sachen und nach dem normalen Prozedere (Frühstück und Abwaschen) verließen wir die Wohnung, um uns mit Hab und Gut auf den Weg zum Busterminal zu machen. Wir fuhren mit dem Taxi, Angel organisierte uns Plätze im Bus nach Hause und wir hatten gerade noch Zeit, ein bißchen etwas zu Essen und Reisekrankheitstabletten zu kaufen, dann ging es auch schon los. Ich weiß auch nicht, was das dieses Mal war, aber es war megakalt in diesem Bus, obwohl es Tag war. Die Klimaanlage war an und der Fahrtwind wehte durch die offenen Fenster, obwohl uns allen kalt war, und mir wurde ganz ganz schnell eisig kalt. Wenigstens wurde ich dieses Mal von der Reiseübelkeit verschont – Angel erwischte es aber leider, und er verbrachte die meiste Zeit der Reise mit abgeschirmten Augen, zugedeckt auf meinem Herzkissen schlafend. Ich bestaunte zitternd die tolle Landschaft, von der ich auf der Hinfahrt ja nicht so viel sehen konnte aus eben den Gründen, die jetzt meinen armen Freund lahmlegten und zog nach und nach mehr Socken oder Pullover aus meiner Tasche … bis mir ein älteres Pärchen von der Rückbank aus seine flauschige Decke anbot, mit der es sich gegen die Kälte schützte. „Nimm sie schon!“, insistierten beide und ich nahm dankbar an. Bei einem kleinen Zwischenstop auf der Hälfte der Reise wärmten wir uns mit agua miel con queso und kamen dann im Laufe des Nachmittags/Abends wieder in Cúcuta an. Am nächsten Tag ging es wieder zurück in die Familie und am Tag danach zurück in meinen Alltag.
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Ich hatte in Bucaramanga eine schöne Zeit mit Angel und habe es genossen, mehrere Tage alleine mit ihm in einer neuen Stadt zu sein, neben ihm einzuschlafen und aufzuwachen, einfach mal raus zu seinem aus dem ganzen Alltagsgrau, das mein Leben (und seins vermutlich auch) in Cúcuta leider geworden ist, und ein bißchen mehr von Kolumbien zu sehen. Dieser Kurzausflug war ein willkommener Farbklecks, und umso schöner mit ihm.
Danke dafür, dass ihr mitgereist seid, ich hoffe, euch haben die Beiträge gefallen 🙂
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Flüssiges Gold

“There’s a sunrise and a sunset every single day, and they’re absolutely free. Don’t miss so many of them.”
– Jo Walton –

Isn’t this most amazing? Taking a walk at dusk I was rewarded with these views and I was stunned. Those lively colours took my breath away and the black delicateness of the branches and leaves against the luminescent sky made the scene look like a painting that took hours and hours to complete. This work of art can be marveled at every single day at twilight and I wish I took more time to take in the beauty of nature. It has a wonderful calming effect and demonstrates how the truly good things in life are free. Who could you take to see the sunset tomorrow? Who would you like to share this with?

Back on the Road – Cairns

Cairns – ich wusste nicht viel über Cairns, bevor ich beschlossen habe, dorthin zu reisen, habe mir aber mit Hilfe meines Reiseführers eine schicke Liste erstellt mit Dingen, die ich sehen oder tun will und hatte das Gefühl, bestens gerüstet aufzubrechen: Pustekuchen.

Cairns ist ein Stadt, die 1876 gegründet wurde, als im Norden Queenslands Gold gefunden wurde – Tourismus hielt sich in Grenzen, und obwohl der Hafen Cairns‘ der Bezugspunkt der Fisch- und Krabbenindustry im Norden ist, ging es mit der Entwicklung erst 1970 so richtig los. Das war das Jahr, in dem das Great Barrier Reef entdeckt wurde – ich persönlich denke, dass Cairns darüber am meisten definiert und damit in Verbindung gebracht wird. Mit seinen bunten Farben, außerirdisch scheinenden Fischen und seiner Einzigartigkeit ist es ein Magnet für Besucher -und macht Cairns zur Tauch-Hauptstadt Australiens!

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Ebenfalls ein Weltkulturerbe in der Cairns-Region ist der „Wet Tropics“ (nasse Tropen) – Regenwald, der unfassbar grün ist und interessante Flora und Fauna beherbergt: unter anderem den gefährlichsten Vogel der Welt: den Cassowary, auf deutsch Kasuar. (Noch nicht davon gehört? Ich auch nicht!)
Dieser bis zu 2m große, flugunfähige Vogel hat einen schwarzen Körper, einen blauen Kopf, rote und gelbe Kehlen und kann bis zu 60km/h schnell laufen – wenn man ihn stört oder in die Enge treibt, kann er einem ganz schon wehtun, also besser zusehen, dass man unbemerkt entkommt, wenn man einen entdeckt! Das ist mir aber zum Glück nicht passiert, als ich durchgewandert bin – Fotos folgen in einem separaten Post.

Über Cairns an sich ist noch zu sagen, dass die Stadt und ihre Attraktionen ganz schön hochgeschaukelt werden – ich hatte eine große Stadt voller bunter Lichter, Hochhäuser, breite Straßen voller Autos und viel, viel Party erwartet, ganz viele It-Girls and It-Boys, Strand, Mode, Shoppen – quasi Metropolenfeeling. Habe ich das bekommen? Nunja.

Ich bekam: Stadtfeeling, Straßenlaternenlicht, maximal 3-stöckige Häuser, breite Straßen und Party, hübsche Mädchen und Jungs, die ohne Unterhose, aber dann mit heruntergelassener Hose feiern gehen – und 2 Shoppingcenter. Irgendwie war ich enttäuscht, aber ich hatte Glück und hab nette Menschen getroffen, die meine „Ferien“ trotzdem zu einem klasse Aufenthalt gemacht haben.

Ich hatte mich in ein Hostel eingebucht, das nur Mädchen beherbergte – aus dem simplen Grund der geringsten Kosten pro Nacht. Aber schon nach einem Tag hab ich festgestellt, dass ich damit genau die richtige Entscheidung getroffen hatte, denn meine 5 Zimmergenossinnen waren allesamt nett, ein bunter Mix aus 1 Deutschen, 1 Östereicherin, 1 Engländerin und 2 Finninnen.
Später kam noch eine Deutsche im Austausch für die Engländerin, dann eine Französin im Austausch für diese Deutsche. Außerdem kam für die Österreicherin eine Australierin und im Austausch für die Australierin kam eine Türkin, ein kleiner Wirbelwind.
Viele Mädchen im Hostel kamen aus Asien und die Zimmer waren auch ein bißchen danach sortiert, was ich aber auch gut fand und keineswegs rassistisch, denn es ergibt Sinn für mich, Menschen mit ähnlichem kulturellen Hintergrund auf engstem Raum zusammenleben zu lassen. Und im Hostel gab es genügend Begegnungsmöglichkeiten, sodass keine Trennung vorlag.

Am Dienstag, dem Tag meiner Ankunft, hab ich erstmal nur die Stadt erkundet: das war schnell getan, denn so viel zu sehen gab es dort nicht … Abends bin ich dann noch mit Suzanne, der Engländerin, durch die Stadt und zum Strand gegangen und wir sind die Promenade entlanggeschlendert – aber mit Füßen auf Sand oder gar im Wasser war da nicht viel, da das Meer leider von einer groooßen Mauer umgeben war. Schöne Fotos haben wir trotzdem gemacht. Und als wir hochgeschaut haben, war der Himmel schwarz. Zunächst dachten wir, die schwarzen Punkte seien Vögel, aber dann entdeckten wir, dass es sich um riesige Fledermäuse bzw. Flughunde handelte! Da waren wirklich hunderte – atemberaubend.

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Wall Art über dem Eingang zu den Night Markets.

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Liebe das Leben und das Leben wird deine Liebe erwidern!

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Braucht jemand eine neue Handtasche?

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… oder ein neues Auto?

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Kreative Abendbeleuchtung in der Begrünung am Strand

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Das Wasser ist weg …

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Leuchtende Farben

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Wunderschöne Illumination der Stadt

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Paradies? Check!

Farm Charm – Zivilisation

Uuuuh, Zivilisation. Das bedeutet unter anderem:
Straßen. Autos. Ampeln. Verkehr. Menschen. Läden. Lichter, Straßenlaternen. Busse.

Am Donnerstag haben Kate, Fraser und ich uns gegen 14h auf den Weg in die Stadt gemacht. Der eigentliche Grund war ein Zahnarzttermin von Kate, aber verbunden damit waren mehrere andere Dinge, unter anderem auch Frasers Abreise. Das hat die Stimmung ganz schön gedrückt, aber wir haben uns allergrößte Mühe gegeben, die letzten Stunden mit ihm zu genießen. Außerdem haben wir Wajihah wiedergesehen, die extra noch eine Nacht länger in Townsville geblieben ist. „The Brook Crew“ war wieder beisammen!

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Kate, meine Wenigkeit, Wajihah und Fraser formen die Brook-Crew!

Nachdem wir also 4 Stunden über Queenslands einsame Straßen gefahren waren – Fahranweisung waren: rechts, links, rechts – kamen wir in Townsville an und haben unsere Zimmer bezogen; durch einen glücklichen Zufall haben wir für den Preis eines Schlafsaales Doppelzimmer bekommen, sodass Kate und ich uns eines geteilt und Fraser und Wajihah im anderen genächtigt haben.
Wir haben uns kurz frischgemacht und das Hostel auskundschaftet, dann haben wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht, um etwas zu essen. Im Pub haben wir uns dann über unsere Zukunftspläne ausgetauscht, da Wajihah am nächsten Tag nach Cairns reisen sollte, für Fraser ging es zurück nach Sydney und auch Kate wird in einer Woche abreisen! Außerdem haben wir Fraser nach seinen „Highs and Lows“ gefragt, also seinen Höhe- und Tiefpunkten; eine Brook-Tradition und da er kein BBQ zum Abschied bekommen hatte, fanden wir, dass wir ihn einfach beim letzten gemeinsam Essen fragen sollten.

Nach unserem Abendmahl haben wir uns noch in eine Bar verirrt, die uns überfordert hat an Menschen, Musik und Misswahlen – und mir das teuerste Cider meines Lebens verkauft hat. Den restlichen Abend haben wir dann im Hostel verbracht, wo wir Mädels Fraser in Ruhe gelassen und uns in Kates und meinem Zimmer zusammengesetzt haben, um einfach nur zu quatschen – wie in guten alten Brook-Zeiten.

Am nächsten Tag haben wir uns morgens – mal wieder – von Wajihah verabschiedet und sind dann zu dritt losgefahren, um Kate beim Zahnarzt abzusetzen und im Baumarkt etwas für Darcy und Lynda umzutauschen. Nachdem Fraser und ich uns ein paar Mal erfolgreich verfahren haben, haben wir Kate wieder abgeholt und sind zurück in die Stadt gedüst. Nach kurzer Selbstverfügung kam dann der furchtbarste Teil des Tages: die Fahrt zum Flughafen und der Abschied von Fraser. Nach Umarmungen und guten Wünschen haben wir gewunken und dann bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr mir dieser Kerl ans Herz gewachsen ist. Auch Kate ist das ziemlich nah gegangen, wenn auch weniger Tränen involviert waren – sie weiß ja, wann sie ihn wiedersieht, ich hingegen bin mir ziemlich sicher, dass ich ihn an diesem Flughafen das letzte Mal zu Gesicht bekommen habe. Ein winziger Hoffnungsfunke glimmt in mir, dass wir uns eventuell in Neuseeland treffen, aber das wird vermutlich nicht so einfach.

Den restlichen Tag haben wir in allen möglichen Läden verbracht, unter anderem einem Friseur (meine neue Frisur zeige ich euch in den nächsten Tagen! Bin schon gespannt, was ihr sagt!) und 2nd-Hand-Shops. Abends sind wir auf den 286m hohen Castle Hill gefahren, um uns einen 360°- Sonnenuntergang anzuschauen. Es war echt atemberaubend, auf der einen Seite die Stadt mit ihren Lichtern, auf der anderen Seite aber die Sonne ins Meer tauchen zu sehen, in dessen Mitte die schwarze „Magnetische Insel“ schwamm.

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Kate und der Sonnenuntergang – wunderschön, wie ich finde.

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Die untergehende Sonne lässt die Felsen rot erstrahlen – ein klasse Kontrast zum Meerblau und Himmelviolett.

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Magnetic Island – 8km vom Festland entfernt.

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Time to stop and stare – findet ihr Kate?

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Solch lebendige Farben!

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Am nächsten Tag haben wir uns nach dem Auschecken unseren Weg durch die Stadt zum Strand gebahnt, um in Juliette’s Café etwas zu trinken, unsere Füße im Sand zu vergraben und die Sonne auf unserer Haut zu genießen. Danach ging es dann Richtung Farm – das Abenteuer Zivilisation ist erfolgreich abgeschlossen.

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Kaffee, gute Bücher und nette Gesellschaft – ein wunderbarer Start in den Tag.

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Diese Brände sind kontrollierte Brände – zum einen machen sie die Erde fruchtbar, zum anderen werden so natürliche Brände verhindert, die in der Trockenzeit einfach ausbrechen und unberechenbar wüten.

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Die 2 Kerle in diesem Auto haben uns unsere Heimreise ungemein versüßt, indem wir immer wieder aneinander vorbeigefahren sind und gehupt haben. Als wir auf die Landstraße heimwärts abbogen, haben sie sogar gewunken. Australia, mate.

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Hit the road, Jack.

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Hier links, nach 1 Stunde rechts, und nach einer weiteren Stunde wieder links. Easy as, mate.

Farm Charm – Einfach so

Hier in der Wildernis hab ich viel Zeit zum Nachdenken und zu-mir-selber-Finden. Es tut gut, nicht immer von einer Sache zur nächsten zu hetzen und ich merke selbst, dass ich ruhiger und gelassener werde. Jeden Abend gehe ich mit dem Hund, Charlie, spazieren und höre meine Musik. Mal laute und fröhliche, sodass ich richtig tanze und singe, während ich die Straße auf- und abtrotte, oft aber auch einfach ruhige Musik, bei der ich mich an die Vergangenheit erinnern kann, über Fehler nachdenke und gute Vorsätze für die Zukunft fasse. Diese Abendspaziergänge kann ich mir schon gar nicht mehr wegdenken und ich hab sie richtig gerne, sie runden den Tag einfach schön ab und ich bekomme noch mal Gelegenheit, mit mir alleine zu sein, die Spannung wegzulaufen und Kraft zu tanken. In letzter Zeit begleitet Kate mich oft und das ist auch sehr schön, denn sie und ich können uns über so viel austauschen und obwohl wir in vieler Hinsicht gleich sind, haben wir so unterschiedliche Ansichten manchmal; und das hilft unglaublich, eine andere Perspektive auf Dinge zu bekommen und über die andere Seite der Medaille nachzudenken, mir zu überlegen, wie manche Situationen von Freunden wahrgenommen wurden oder wie ich an bestimmte Dinge herangehen kann, um etwas zu verändern.

Heute habe ich die Straße alleine mit Charlie bezwungen und auf einmal den Drang verspürt, mich auf die Straße zu setzen und in die Sonne zu gucken – und das habe ich gemacht! Einfach so, mitten auf der Straße, mitten im Nirgendwo zu sitzen und die Sonne beim Untergehen zu betrachten ist eine wunderbare Sache. Mir ist klar geworden, dass die Welt mich nicht braucht, um sich weiterzudrehen – und das ist eine unglaubliche Erleichterung. Es nimmt den Druck von mir, ich bin frei! Gleichzeitig bin ich mit einer Dankbarkeit erfüllt, dass ich hier sein und all das Schöne der Welt erleben darf. Mal ehrlich, wie atemberaubend und erfüllend ist mein Leben im Moment? Ich sage nicht, dass es einfach ist, aber ich bin irgendwie in einer Art Einklang mit mir, und das ist so beruhigend, dass ich einfach fröhlich sein kann trotz mancher Schwierigkeiten. Ich war noch nie so glücklich und bin so dankbar für alles, was ich habe und möchte mit niemandem tauschen. Ich hoffe, auch ihr seid zufrieden mit eurem Leben und genießt es, auf der Welt zu sein. Ich gönne es euch von ganzem Herzen.

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Farm Charm – Das Quad und ich – und ein Lagerfeuer

Neulich habe ich endlich mal mein Herz in die Hand genommen … ne, Moment. Die Beine in die Hand, das Herz in die Hose. Ich hab mir ein Herz gefasst, so! Also, ich habe mir ein Herz gefasst und Darcy gefragt, ob er mir beibringt, wie man „bike“ fährt. Ich hatte dabei das „motorbike“ im Sinn, aber „bike“ ist hier nicht gleich „bike“, wie ich gelernt habe, als Darcy den „fourwheeler“ hervorholte: das Quad!
Hat mir aber nichts ausgemacht, denn Quadfahren wollte ich auch schon immer mal lernen und so habe ich die spontane Quadstunde von Darcy willkommen geheißen. Wobei … „Stunde“ wird dem Ganzen nicht gerecht, es war eher eine Minute:
„Okay, hier ist die Gangschaltung: Parken, Rückwarts, Neutral, Low, High; hier gibst du Gas und hier und hier sind die Bremsen. Trage immer einen Helm … hier, nimm  den. Okay, kannst losfahren!“ Kurz und schmerzlos; an dieser Stelle einen Wink mit dem Zaun(-pfahl) und einen lieben Gruß an meinen ehemaligen Fahrschullehrer.

Ich habe also artig meinen Helm aufgesetzt und bin losgedüst. Schon nach 2 Sekunden habe ich gegrinst wie ein Honigkuchenpferd und ich bin natürlich richtig, richtig schnell gefahren – wooooooooow! Ich konnte es nicht fassen, wie glücklich ich in dem Moment war. Seid ihr je schnell mit einem Quad oder einem Motorrad gefahren, oder habt ihr je hintenauf gesessen bei jemandem, der schnell fährt? Ich schon und ich liebe es. Ich liebe es einfach. Schon als kleines Mädel hab ich hintendrauf gesessen und mir ’nen Keks gefreut.

Nachdem ich also erstmal angefangen hatte, gab es kein Halten mehr. Eines schönen Wochenendtages hatte Lynda mit ihren 3 Kindern und Wajihah und mir einen Ausflug zum Creek geplant, zum Schwimmen und Kanufahren, aber da nicht genug Platz im Auto war, musste jemand das Quad nehmen. Sowas Blödes aber auch 😉 Wir sind dann über eine Stunde über Stock und Stein durch die Wildnis gefahren, haben aber keinen geeigneten Schwimmplatz gefunden, was mich nicht im Geringsten gestört hat – ich saß auf einem Quad! Verdammt!

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Auge in Auge mit der Wildnis

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Lynda fährt vor, ich folge

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Alleine würde ich hier definitiv verloren gehen

Zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages haben wir dann ein Lagerfeuer angezündet, Stockbrot, Folienkartoffeln und Marshmallows geröstet und uns an Limonade betrunken. Außerdem haben wir die Gitarre herausgekramt und mein Leben war rundherum perfekt. Solche Abende liebe ich. Herrlich. Ich möchte nicht weg von hier, denn das hier ist Leben, echtes Leben, nicht die Lightversion.

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Lynda mit Dan und Ingrid und Wajihah mit Grace – alle tragen Stöcke für’s Lagerfeuer zusammen

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Alles drauf, immer schön stapeln …

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Konzentration! Ingrid macht Feuer. Süß, oder?

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Es brennt!

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Und geht auch nicht wieder aus! Wir Genies! 😉

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Ingrid und Grace

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Dan und Lynda

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Australisches „Folienbrot“ – genannt Damper

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Und Lynda mit der Gitarre … so schön

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Gute Nacht!

Steht ihr auch so auf Lagerfeuer, Stockbrot und Gitarrenmusik? Nette Gesellschaft, entspannte Gespräche und eine gute Zeit? Oder was sind eure Favouriten für einen Abend mit Freunden?

Farm Charm – Sommerabende

Habt ihr je „Der Pferdeflüsterer“ gesehen? Wenn ja, erinnert ihr euch an die Szene, in der Pilgrim, das Pferd, durch das klingelnde Handy der Mutter erschreckt wurde und abgehauen ist und irgendwo auf einer Wiese steht? Tom, der Pferdeflüsterer, findet ihn, hockt sich hin und wartet geduldig auf das Näherkommen des Pferdes, während sich der Bildschirm mit 360 Grad Wildernis füllt.
So ist das hier: Felder, Bäume, Wiesen und Berge im Hintergrund. Es ist wunderschön und ruhig. Abends, wenn gerade die Sonne den Horizont berührt, ist es am schönsten: es ist noch warm von der Hitze des Tages, aber der Wind weht kühl, die Bäume strecken ihre langen Schattenfinger über die Erde und der Staub wirbelt malerisch in den Sonnenstrahlen, die alles in ein warmes Licht tauchen.

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Ich möchte nirgendwo anders sein im Moment, denn ich genieße mein Leben und bin wirklich zufrieden mit allem, was ich hineingelassen und auch herausgelassen habe.