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Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 2

Herzlich Willkommen zu Teil 2 von „Alles neu!“ Wir waren stehen geblieben an dem Punkt, an dem meine Pläne, als Lehrerin in Kolumbien zu bleiben, mit lautem Klirren zu einem beträchtlichen Scherbenhaufen zusammenfielen.

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Angie und ich bei einem die Seelenrisse kittenden Eis

Zum Glück gibt es Angie, meine beste Freundin in Kolumbien. Inmitten unserer jeweiligen chaotischen Leben haben wir uns getroffen und bei einem Picknick alles erörtert, auseinandergepflückt, zusammengesetzt und erneut durchgekaut, bis wir uns beide etwas leichter fühlten mit allem, was sich auf uns stürzt und uns unter sich begräbt. Es tat so gut, sich mit ihr alles von der Seele zu reden, alles 3x zu sagen, weil es so ätzend ist, und sich verstanden zu fühlen. Während dieses Gesprächs sprachen wir u.a. darüber, was denn im Falle einer Absage meine Optionen wären, und ich scherzte: „I’ll just go back to Australia.“ Und es war ein Scherz, ich schwöre. Doch wie es so ist, in jedem Scherz steckt auch ein Körnchen Wahrheit und ich konnte diese Idee nicht davon abhalten, sich in meinem Kopf und Herzen einzunisten.

Für alle, die 2013 noch nicht mitgelesen haben: ich habe damals als Backpackerin von Februar – Juli auf einer Rinderfarm im Outback gelebt und gearbeitet. Viele meiner damaligen Beiträge findet ihr ab Februar 2013 im Archiv bzw. unter der Kategorie „Farm Charm“.

Ich habe also Kontakt mit meiner Gastfamilie von damals aufgenommen und gefragt, ob sie mich eventuell wieder aufnehmen würden. Keine 12 Stunden später hatte ich eine Antwort und mir fiel der Mount Everest vom Herzen. Ich sei immer willkommen und müsse ihnen nur meine Reisedaten mitteilen. Gesagt, getan – ich buchte einen Flug, kümmerte mich um die jeweils nötigen Visa, schickte die Infos nach Australien … und machte mich Millionen Mal ans Aussortieren/Koffer-Probepacken. Geplant war, mit einem Touristenvisum 3 Monate in Australien zu bleiben und dann für einen Monat nach Kolumbien zurückzukehren, um mit Angel seinen Geburtstag zu feiern, bevor es am nächsten Tag zurück nach Deutschland gehen würde. Ich hatte mich gegen eine sofortige Reise nach Hause entschieden, weil ich so meine Auslandskrankenversicherung verlieren und dies eine sehr lange zeitliche Trennung von Angel bedeuten würde. Durch die Reise nach Australien bliebe die Versicherung bestehen und er und ich würden uns vor der unausweichlichen Trennung im Juli nochmal sehen.

Den Januar sollte ich ja sowieso bei meiner Gastfamilie in Kolumbien bleiben und ich habe ihnen dann noch den Februar gegeben, damit sie sich nach jemand neuem umschauen können. Ich fand es unfair, von heute auf morgen zu verschwinden (obwohl ich das gekonnt hätte), aber auf keinen Fall wollte ich bei ihnen bleiben. Das war eine gute Entscheidung. Mit dem Wissen, dass ich bald gehen würde, ließen sich der restliche Januar und der Februar gut überstehen, aber die Atmosphäre war keine schöne und verschlechterte sich zusehends. Zu vielen Dingen nickte ich einfach nur noch, weil ich keine Lust mehr hatte, mich darüber aufzuregen, aber ich fühlte mich zunehmend eingeengt und eingeschränkt, ungerecht behandelt und unwohl. Am Ende ging es dann tatsächlich im Streit auseinander, womit ich ja schon im letzten Jahr gerechnet hatte. Ich habe aber irgendwann genug davon gehabt, alles hinzunehmen, zu nicken und „ja und Amen“ zu sagen. Nicht nur das Aupair muss sich in gewissem Grade anpassen, sondern auch eine Familie muss sich auf die Bedürfnisse und Wünsche des Aupairs einstellen, und irgendwann habe ich meine Hacken in den Boden gestemmt und mich gegen die Zügel der Familie gewehrt. Kam nicht so gut an.

Am Samstag, 04. März, zog ich aus, ohne richtiges Abschiedsgeschenk von der Familie und tatsächlich auch ohne Abschied von Seiten meines Gastvaters, der mich gegen Ende komplett ignorierte. Ich konnte nur den Kopf schütteln, denn obwohl die letzten Tage alles andere als schön waren, hatte ich Abschiedsgeschenke für die Familie vorbereitet.

Ich zog bis Montagabend zu Angie. Koffer, Boxen und Taschen ließ ich bei Angel, zu dem ich Montagabend ziehen sollte. Mit meiner Reisetasche machte ich mich nach einem kurzen Treffen mit Angel mit dem Bus auf den Weg nach Villa del Rosario, wo Angie mich vom Bus abholte. Die Familie hatte mir untersagt, Angie dort zu besuchen, aus „Sicherheitsgründen“. Dass sie mir damit die Chance nahmen, meine beste Freundin zu sehen und ihre Familie kennenzulernen, berührte sie nicht. Umso mehr genoss ich es, dass mich Angies Familie so selbstverständlich aufnahm, als gehörte ich schon ewig dazu. In diesen 2,5 Tagen habe ich mich wohler gefühlt in einem zu Hause als die letzten 8 Monate zuvor. Mir wurde klargemacht, dies sei jetzt auch mein zu Hause, ich solle mich wohlfühlen. Wir aßen zusammen, unterhielten uns, scherzten, lachten, tauschten uns aus, halfen einander. Ich fühlte mich so geborgen und angenommen und die Zeit mit Angie zu verbringen, war so wunderbar. Ich kochte für ihre Familie Kartoffelpuffer, um mich zu bedanken für alles, und als ich mich am Montagnachmittag verabschiedete, wurde ich so herzlich gedrückt und die Einladung, im Juni wieder bei ihnen zu wohnen („Eres bienvenida siempre, esta es tu casa“), klang schon fast wie eine Feststellung, als sei es klar, dass ich dann wieder bei ihnen wohnen würde. Ich lief über vor Dankbarkeit und Zuneigung.

Ich erledigte noch einige Dinge, bevor ich zu Angel fuhr und verbrachte die letzten Tage dort recht unabhängig. Dienstag hatte ich zum letzten Mal Physiotherapie, ging zum Friseur, erledigte noch ein paar Einkäufe, schrieb ein paar Nachrichten und kochte abends wieder Puffer, diesmal für seine Familie. Am Mittwoch lud er mich zu einem vegetarischen Mittagessen ein (überlaufendes Herz und strahlendes Gesicht meinerseits) und danach fuhren wir zu Freunden seiner Familie, wo extra für mich noch eine kolumbianische Spezialität gebacken wurde. Ich hab leider vergessen, wie sie heißt, aber sie erinnert mich an eine Mischung aus Fladenbrot und Pfannkuchen, und ist an sich schon ziemlich süß, aber die Kolumbianer  essen sie mit leche condensada (Kondesmilch) – und zwar richtig, richtig viel. Ich habe einfach weniger davon über die Fladen gegossen und es war sooo lecker! Das war ein schönes Abschiedgeschenk.

Von allen meinen Freunden hatte ich mich in meiner letzten Woche bei der Familie verabschiedet. Jeden Abend war ich froh, die Haustür hinter mir zuzuziehen und mich auf Menschen freuen zu können, die gerne Zeit mit mir verbringen, an mir interessiert sind und die meine Ansichten teilen. Schon lange vorher traf ich Francisco, mit dem ich Eis gegessen habe, bevor er selbst zurück nach Venezuela gereist ist, wo er lebt. Ich lief in Horacio hinein und freute mich total über dieses spontane Treffen. Marcela und Carol, die selbst je 2 Aupair-Jahre in den USA hinter sich hatten, luden mich zu einer Pizza ein, nach der ich endlich mal richtig satt war, und wir sprachen über das Aupairleben, Gastfamilien, ihre jetzige Arbeit, Sprachen lernen, was wir zusammen erlebt haben und was die Zukunft für uns wohl bringen würde. Ich traf Rafael, mit dem ich redete und redete, ich traf Alejandra, die mir ein wundervolles Abschiedsgeschenk machte und mit der ich das ganze Treffen lang auf Spanisch sprach – und es fiel mir nicht mal schwer! Ich traf Jaime, dem ich über die Maßen dankbar einen Berg ausgeliehene Bücher zurückgab und ich traf Jodi, mit der ich ebenfalls Eis aß und zum letzten Mal tiefgründige Gespräche führte.

Alle meine Freunde und Bekannten vom Spielplatz hatte ich in den vorangegangenen Tagen davon unterrichtet, dass ich bald gehen würde und sie kamen nach und nach, um mich zu umarmen, sich zu verabschieden, Nummern auszutauschen und noch ein letztes Foto mit mir zu machen. Meine beste Spielplatz-Freundin Juliana und ihre Mama Ximena machten mir ein Geschenk, und das war so wunderschön, weil es unerwartet war: eine Zeichnung samt Brief von Juliana und ein Gutschein für eine Mani-Pedi, zum Entspannen! Das hat mich über alles gefreut, weil es in krassem Gegensatz zu den nicht vorhandenen Geschenken meiner Gastfamilie stand. Zu sehen, dass sich Menschen auf dem Spielplatz so sehr um mich kümmern und sich solche Gedanken und Mühen machen, hat bewirkt, dass mir warm um’s Herz wurde. Und an meinem letzten Tag auf dem Spielplatz kam sogar mein Pflegehund nach Wochen der Abwesenheit mal wieder vorbei und brachte uns nach Hause. Ich habe mich so unendlich gefreut, Caramelo noch ein letztes Mal zu sehen und in den Arm nehmen zu können. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen, genau so wie Maria Elizabeth, mit der ich mich am Montag vor der Manip-Pedi-Behandlung nochmals traf und Geschenke, Neuigkeiten und eine feste Umarmung austauschte. Meine Freunde werden mir sehr fehlen, das ist sicher.

Mittwochabend finalisierte ich mein Packen, zog mich um und verabschiedete mich von Angels Eltern. Wir luden das Gepäck ins Auto, stiegen ein und fuhren zum Flughafen. Es wurde nochmal stressig, weil die Unterkunft, die ich mir in Bogotá organisiert hatte, in letzter Minute geplatzt ist und wir meine neue SIM-Karte nicht aufladen konnten … Das Aufladen hat Angel dann erledigt, während ich schon über den Wolken dahinsegelte (von Cúcuta nach Bogotá) und eine Ersatzunterkunft hatte er mir auch noch organisiert. Die ist dann leider auch nicht zustande gekommen, sodass ich sehr provisorisch am Flughafen in Bogotá gecampt habe, bevor ich 8.10h am nächsten Morgen kolumbianischen Boden hinter bzw. unter mir ließ. Davon, von meiner laaaaaangen Reise, von allem was davor (seit dem letzten Post) und vor allem auch davon, was seit meiner Reise passiert ist, erzähle ich euch im nächsten Post … Was jetzt wichtig zu wissen ist, ist: ich bin heile angekommen und habe euch nicht vergessen.

Ein Gruß aus dem australischen Outback …
… y un abrazo fuerte! 

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Kolumbien, du wirst mir fehlen!

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Aventuras Nuevas – Bucaramanga 2

Da bin ich wieder mit dem ersten Tag, den Angel und ich in und um Bucaramanga vebracht haben!

Wir sind, wie gesagt, morgens aufgestanden und hatten die Wohnung für uns alleine. Angel hat uns Frühstück gemacht, das wir von der Couch aus mit Ausblick auf die sonnenbeschienenen Berge genossen haben. Dann habe ich alles abgewaschen, was so an Geschirr um die Spüle herumlungerte, wir haben unseren Rucksack gepackt für den Tag und sind losgezogen. Unsere Wasserflasche haben wir vergessen – das haben wir natürlich festgestellt, direkt nachdem wir die Türen hinter uns zugeschlagen hatten. Logisch! Wir sind dann trotzdem unbetrübt mit einem Bus Richtung Stadtzentrum gefahren und hatten den Plan, uns dort alles ein bißchen anzusehen und dann mit einem Bus zu dem nahegelegenen Parque Nacional del Chicamocha zu fahren.

Das erste, was wir gesehen haben, nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen sind, war eine farmacia alemana – anscheinend der Zuwanderung der Deutschen in der 1860er und 70er Jahren geschuldet (mehr Infos hier) – und gleich danach habe ich etwas gesehen, dass ich schon immer probieren wollte: mango espaghetti. Für diesen Snack werden unreife Mangos an kleinen Ständen am Straßenrand geschält, zu Spaghettischnüren geschnitten und dann mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft in einem Becher serviert. Ich habe das schon in Cúcuta gesehen, mich aber nicht getraut, alleine einen Becher der Mangospaghetti zu kaufen. Mit Angel an meiner Seite aber doch – und ich durfte sogar Fotos von der Verarbeitung machen. Die Mangos sind, wie gesagt, unreif, und darum haben sie zwar den bekannten Mangogeschmack, aber ohne die starke Süße, sodass die Gewürze und der Saft perfekt die vorhandene Süße ergänzen. Muy rico!

Nachdem wir also mango espaghetti für mich gekauft haben, sind wir über den Platz und durch den Park gewander. Auf der einen Seite gab es verschiedene, offiziell aussehende Gebäude: der palacio municipal wurde flankiert von zwei Gebäuden, deren Namen oder Bestimmung ich nicht herausfinden konnte. Auf allen anderen Seiten gab es Läden, Stände, Shops, Restaurants … alles in einem bunten Durcheinander, inmitten dessen eine angebundene Kuh darauf wartete, ge- bzw. verkauft zu werden. Wir sind dann in eine der vom Park wegführenden Straßen abgebogen und haben uns auf den Weg zum Busterminal gemacht, wo wir unsere Bustickets zum Nationalpark gekauft haben. Auf dem Rückweg von dort hat mich ein älterer Herr angesprochen. „Señorita, ten cuidado con el cecular!“, sagte er und zeigte auf meine hintere Hosentasche, aus der für alle Welt sichtbar mein Handy ragte. Manchmal bin ich einfach zu unvorsichtig! Ich habe mich überschwänglich bei ihm bedankt – das wäre es ja gewesen, wenn ich mein Telefon auf diese Weise verloren hätte. Wir haben uns dann in einem kleinen Laden etwas zu Essen und zu Trinken gekauft und sind weiter durch die Straßen gezogen, bis es Zeit war, den Bus zu besteigen. Wir saßen mit vielen anderen Reisenden in einem mittelgroßen Bus, der uns 54km südlich fuhr.

Wir sind etwa 1 Stunde gefahren und haben diese Zeit mit Gesprächen gefüllt – es war so schön, über alles und nichts mit ihm zu sprechen; darüber, wie wir uns kennengelernt haben, was wir dachten, als wir einander das erste Mal gesehen haben, als wir uns getroffen haben … und so weiter und so fort. Viel zu schnell ging die Fahrt durch Berge und atemberaubende Landschaft für meinen Geschmack. Wir wurden oberhalb des Eingangs des Nationalparkes abgesetzt und wanderten Hand in Hand zur Kasse. Schockschwerenot!, die Preise hatten sich durch die Feriensaison verdoppelt! Wir hatten mit 35.000-40.000COP pro Person gerechnet (~11 – 13€), aber sollten nun 70.000COP (~23€) berappen. Wir hätten dafür zwar alles machen dürfen, was der Park an Extra-Aktivitäten bietet, aber wir hatten weder Kleidung dafür dabei, noch kann ich mit meinem Rücken die Adrenalin-Angebote wahrnehmen. Es gab keine Möglichkeit, ohne alle diese Extras den Park zu betreten, sodass wir uns entschieden haben, nicht zu bezahlen, sondern einfach nur am Rand des Parks entlangzuwandern und die Landschaft zu betrachten – was mir vollkommen reichte. Die Aussicht war spektakulär und das Wetter war ebenfalls spitze.

Der Park wurde 2006-2009 angelegt, um die Schönheit der Landschaft des cañón del Chicamocha für Besucher und Touristen zugänglich zu machen. Dieser cañón ist 227km lang und ca. 2km tief. Der Nationalpark, der 54km von Bucaramanga liegt, zeigt zwar nur einen kleinen Ausschnitt der zerfurchten Berge und leuchtenden Täler, aber das, was man sehen kann, ist wirklich wahnsinnig schön und natürlich. Neben der natürlichen Attraktion des Parks gibt es auch noch viele andere Aktivitäten, mit denen Besucher sich hier die Zeit vertreiben können: u.a. ein Schwimmbad, Klippenschaukeln, eine Schlittschuhbahn, Paragliding, Kayakfahren … und die berühmte Schwebebahn, die von der mesa de los santos startet, um Besucher 6.3km weit über den cañón bzw. nach unten durch den cañón auf die andere Seite zu transportieren. Da wir uns, wie gesagt, dazu entschieden hatten, nur am Rand des Parks entlangzuwandern und von der mesa de los santos aus alles zu bestaunen, machten wir uns dorthin auf den Weg. Wir wurden mit wahnsinniger Aussicht belohnt und kraxelten auf den ausgetretenen Steinwegen ein bißchen nach unten, um alles aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Dank meines Freundes gibt es ausnahmsweise auch mal Aufnahmen von mir – ich verstecke mich ja meist hinter der Linse.

Nachdem wir unsere Augen gesättigt hatten mit dieser überragenden Aussicht, meldeten sich unsere Mägen. Wir schlenderten zurück zum „Marktplatz“, wie ich diesen mit Restaurants und Touristenshops umrahmten Platz nenne, und entschieden uns für eins der Restaurants. Wir ließen uns nieder und freuten uns an der Gesellschaft des jeweils anderen. Lange allein blieben wir jedoch nicht: viele der streunenden Katzen strichen um die Tischbeine, um den ein oder anderen Happen zu erbetteln, und Besucher mit und ohne Hunde ließen sich an den Tischen um uns herum nieder. Nachdem wir unsere Teller leergegessen hatten, machten wir uns an den Nachtisch der besonderen Art: Ameisenpopo! Hormigas culonas sind eine Spezialität des departamentos Santander, genauer gesagt liegen die Hauptproduktionszentren in San Gil und Barichara, und mir wurde gesagt, ich solle die unbedingt probieren.

„Die Ameisen mit dem riesigen Po“ werden in Kolumbien seit hunderten Jahren gegessen und zählen in manchen Gegenden als traditionelles Hochzeitsgeschenk – vermutlich auch wegen des lokal verbreiteten Glaubens, diese Ameise sei ein Aphrodisiakum. Diese Tradition rührt von präkolumbianischen Kulturen wie der der Guanes her. Nur weibliche Tiere, die Königinnen, werden gefangen, da diese erstens einen immens großen Po haben und die anderen Artgenossen zweitens als nicht essbar gelten. Zum Verzehr werden die Beine und Flügel entfernt, die Körper in Salzwasser eingeweicht und schließlich geröstet. Die Ameisen haben laut Ernährungsstudien einen hohen Proteinwert, wenige gesättigte Fettsäuren und einen insgesamt hohen Nährwert. Nur 9 Wochen, in der Regenzeit, während sie ihre Paarungsbereitschaft durch Flüge signalisieren, werden die Königin-Ameisen von den lokal ansässigen Bauern „geerntet“ – das kann schnell schmerzhaft enden, denn diese Weibchen haben starke Unterkiefer und ergeben sich nicht kampflos. Da diese kurzlebige Industrie-Sparte (samt Export nach Kanada, England und Japan) aber eine sichere Einnahmequelle für die meist ärmlichen Bauern der Gegend ist, finden sich jedes Jahr genug „Fänger“. Dadurch, und durch Rivalitäten mit anderen Ameisenvölkern, reduziert sich die Population der hormigas culonas rasant, was Grund zur Sorge über die „Ausrottung“ dieser Art gibt.

Also, wegen mir müsste sich da niemand Sorgen machen – meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Insekten sind schön und gut, wenn ich sie aus der Nähe, bevorzugt aber aus der Ferne, angucken kann – aber essen?! Das war mir dann doch eigentlich etwas zu nah … gleichzeitig dachte ich mir aber auch: „Wo du schon mal hier bist …“ und kaufte mit Gänsehaut und mit schon beim Gedanken an Ameisenpopo gekräuselter Zunge für umgerechnet 2,50€ (8.000COP) die kleine Packung. Angel musste schließlich den ersten Schritt Bissen tun, denn ich konnte mich nicht überwinden, die Ameise in meinen Mund zu schieben … und als ich es doch tat, musste ich dringend mit Wasser nachspülen.

Der Geschmack an sich war nicht so schlimm wie erwartet. Die Ameise war halt knusprig und salzig, mehr nicht. Dass ich auf einem Insekt herumkaute, merkte ich nur daran, dass ich letztenendes überall im Mund Ameisenärmchen und -panzerstückchen kleben hatte. Der Nachgeschmack war seltsam, nicht wirklich zu beschreiben, erdig mit ranziger Erdnuss vielleicht? Ganz merkwürdig. Angel und ich haben beide noch 2, 3 weitere gegessen, wir hatten schließlich teures Geld dafür bezahlt – aber so richtig überzeugt waren wir nicht. Die Packung liegt bis heute unangetastet auf einer meiner Kommoden 😉

Nach dieser exzellenten Mahlzeit ( 😉 ) organisierten wir uns unsere Bustickets nach Hause und dann schlenderten wir den Rest des Nachmittag noch über die verschiedenen Wege, Plattformen und Grünflächen, streichelten zwei kleine Ziegen und verschiedenste Katzen und machten es uns auf den Steinstufen gemütlich, bevor uns unser Bus im Dunkeln auf kurvigen und unebenen Bergstraßen zurück nach Bucaramanga fuhr. Dort angekommen nahmen wir verschiedene Busse zur unserem Quartier, strichen unbehelligt durch die dunklen Straßen (auch dank Angels steter Wachsamkeit, was alles im Entfernten zwielichtig Aussehende angeht) und fielen totmüde ins Bett. Ich hatte besonders mit Reisekopfschmerz zu kämpfen, mir war ganz schwummerig und schlecht, sodass ich vor Angel ins Bett ging, während er mich vor unserer Gastgeberin entschuldigte und noch ein bißchen mit ihr und dem Rest der Familie plauderte, bevor er neben mich ins Bett sank. Wir haben gut geschlafen und konnten für den nächsten Tag gut auftanken, denn …

… auch am dritten Tag hatten wir viel vor – der nächste Post kommt demnächst! 🙂

Un abrazo fuerte!

Aventuras Nuevas – Bucaramanga 1

Anfang Dezember hatte ich ein paar mehr Tage am Stück frei und Angel und ich haben diese Tage genutzt, um einen größeren Ausflug zu planen: nach Bucaramanga sollte es gehen, für 4 Tage.

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Bucaramanga ist die „Landeshauptstadt“ des departamentos Santander und liegt 5-6 ruckelige und schuckelige Busstunden von Cúcuta entfernt. 1622 wurde die Stadt gegründet und 1886 zur Landeshauptstadt gemacht – in den 60er und 70er Jahren gab es anscheinend eine regelrechte Invasion deutscher Abenteurer, was den Einheimischen gar nicht recht war. Heute zählt die Stadt in etwa 500.000 Einwohner und ist damit Kolumbiens achtgrößte Stadt (fünftgrößte mit den im Ballungsraum lebenden Einwohnern, dann sind es knapp über eine Million). Sie wird auch „la ciudad de los parques“ genannt, da es in ihr über 100 Grünanlagen gibt. Dies bedeutet nicht zwangsläufig „Rasenfläche“, meistens eher einen mit Bäumen und Sträuchern begrünten Platz, aber trotzdem: grün ist grün und Bucaramanga nennt sich stolz „Kolumbiens schön(st)e Stadt“. Bucaramanga hat viele kleinere Städte um sich herum eingemeindet, die einen Besuch wert sind, beispielsweise Floridablanca und Girón, und ganz in der Nähe liegt auch der Chicamocha Nationalpark. Obwohl mein Reiseführer sagte, dass Bucaramangas Zentrum selbst nicht sehr viele Attraktionen besitzt, war es für mich sehr spannend, endlich mal etwas anderes zu sehen als Cúcuta, und da mir viele Dinge des normalen Lebens, de la vida cotidiana colombiana noch fremd sind, habe ich die „Touristenzeit“ sehr genossen.

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Ein typischer „Park“ in Kolumbien – nicht ganz das, was ich als Deutsche unter einem Park verstehe

Am 02. Dezember habe ich mich gegen 13 Uhr mit gepackter Tasche auf den Weg zu Angel gemacht und von ihm aus sind wir mit dem Taxi zum Busbahnhof gefahren. Dort ist er von Bus zu Bus gelaufen, hat ob der teuren Preise immer wieder entrüstet den Kopf geschüttelt und sich zum Gehen gewendet, bis die Busfahrer so weit runtergegangen sind mit ihren Preisen, dass sie akzeptabel waren. Das war eine sehr gute Lehrstunde für mich und ich habe diese Technik ebenfalls bereits erfolgreich angewendet. Nachdem wir dann jeder 35.000 COP (umgerechnet ca. 12€) bezahlt und unsere Taschen verstaut hatten, haben wir es uns im Bus gemütlich gemacht. Wir hatten gepolsterte Sitze nebeneinander, haben das Obst, das er mitgebracht hat, gegessen und dann Musik gehört und versucht, zu schlafen. Die Reise ging durch Berge, Kurven und über Holperwege … und ich wurde Opfer übelster Reisekrankheit, wie ich sie noch nie erlebt habe. Kopfschmerzen, Schwindel, Druck auf den Ohren, Würgreiz – oh man, hab ich mich mies gefühlt! Angel blieb zum Glück verschont, sodass er sich liebevoll um mich kümmern konnte. Er hatte Tabletten dabei, die er mir gab, ich durfte mich bei ihm anlehnen und meine Beine über seine legen und er hielt mich ganz fest und strich mir über den Rücken, als es mir miserabel ging. Wir haben etwa 6 Stunden gebraucht, bis wir in Bucaramanga am Busbahnhof abgesetzt wurden.

Vom Busbahnhof aus nahmen wir ein Taxi in das Viertel, in dem eine Freundin seiner Mama wohnt, die uns für 3 Nächte bei sich aufnahm. Ich glaube, dass ich an dieser Stelle mal etwas über die Verkehrsmittel sagen muss. Wenn ich sage, wir nehmen ein Taxi, dann ist das nicht etwa ein Luxus, den wir uns leisten, sondern ganz normal hier. Für eine zehnminütige Fahrt bezahlt man in etwa 6.000COP, das sind ca. 2€. Busfahrten kosten hier, unabhängig von Fahrtzeit und Route meist so 1.600COP, also knapp 50 Cent. Es war schon sptä, als wir ankamen und da Angel sich dort auch nicht gut auskannte, haben wir uns das Taxi gegönnt und die Kosten geteilt. Die Freundin holte uns ab an einer Straßenecke und wir gingen zusammen zu ihr nach Hause. Mir ging es etwas besser, und das war auch gut so, denn wir hatten noch ein bißchen social time vor uns. Ich bin nicht ganz durchgestiegen, wer in welche Familie und welche Familienkonstellation in welche Wohnung in diesem Haus gehörte, aber alle waren sehr nett und haben viel gefragt, Essen und Trinken angeboten, auf die Kinder eingeredet, uns Tipps für den nächsten Tag gegeben und die Freundin hat dann sogar für mich einen dicken Schlafanzug rausgekramt, weil mir so kalt war. Irgendwann konnten wir dann aber glücklicherweise die Tür zu „unserem“ Zimmer hinter uns schließen, unsere Schlafklamotten überwerfen, Zähne putzen und ins Bett plumpsen. Ach, das tat gut – denn Kopfschmerzen hatte ich immer noch, trotz der Reisetabletten. Die Nacht war kurz, die Matratze sehr dünn, aber mir war nicht kalt und ich konnte neben meinem tollen Freund aufwachen 🙂

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Unser Zimmer mit Bett – und superdünner Matratze

Nach diesem gemeinsamen Aufwachen haben wir die Freundin und zwei der Kids noch getroffen, sie waren aber schon auf dem Weg aus der Tür, sodass wir einen relativ ruhigen Morgen hatten. Die Aussicht auf die Umgebung war total schön und auch die Straßen und Häuser in der Nähe fand ich bezaubernd, weil sie so ganz anders waren, als ich es von meiner Aussicht und meinem Stadtviertel in Cúcuta gewohnt war. Alles war irgendwie so wie in einem Film 🙂 Jeden Morgen bin ich leise aufgestanden, mit meiner Kamera durchs Wohnzimmer zum Fenster getappt und habe die Umgebung festgehalten – zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlich viel Sonne … es war immer etwas Neues zu entdecken und ich teile gleich die Fotos mehrerer Tage mit euch. Was wir so unternommen haben an diesem ersten Tag, erzähle ich euch hier.

Bis bald 🙂

 

Aventuras Nuevas – Chinácota

Sooo … ich nutze die freien Tage, die ich jetzt habe, dazu, um euch endlich mal auf den neuesten Stand zu bringen, denn im November/Dezember habe ich viel erlebt und auch zwei Reisen unternommen, über die ich euch gerne erzählen möchte. Ich habe es so genossen, endlich mal meine Tasche zu packen und etwas mehr von diesem tollen Land zu sehen!

Am Samstag, den 26.11. haben Angel und ich uns nachmittags gegen 16Uhr in einem kleinen Reisebus auf den Weg nach Chinácota gemacht – umgerechnet hat diese Reise wohl so 3€ gekostet. Wir hatten diesen Wochenendausflug schon seit einiger Zeit im Kopf, aber natürlich wurde alles Organisatorische bis zur letzten Minute gelassen („En Colombia es así!“) – zum Beispiel wussten wir am Samstagmorgen noch nicht, wo wir abends schlafen würden. Sowas macht mich normalerweise fuchsig, weil ich es gern organisiert habe. Dieses Mal jedoch habe ich mich zurückgenommen, ihm alles überlassen und gesagt: „It’s going to be fine. This is an adventure.“ Was soll ich sagen? Am Ende war es dann perfekt – manchmal ist die kolumbianische „a ver“-Einstellung doch ganz gut, weil man sich am Ende umso mehr freut, dass alles geklappt hat.

Der Start in dieses Abenteuer begann also mit einer Busreise durch kurvenreiche Berge, sodass besonders ich mit Kopfschmerzen und Schwindelgefühl am Ziel ankam. Die kleine Stadt liegt ca. 1 Stunde südlich von Cúcuta, es ist viel kühler dort, zumindest abends, und es gibt einen Höhenunterschied, der sicherlich an Kopfschmerz und Schwindel nicht ganz unbeteiligt war. Wir haben unsere Pension, in der er uns ein Zimmer organisiert hat, zum Glück sehr leicht gefunden und konnten auch gleich das Zimmer beziehen. 25.000COP haben wir dafür bezahlt, also umgerechnet ca. 8€, und das war ein mehr als fairer Preis für ein Zimmer mit Doppelbett, angeschlossenem Bad und in einer ruhigen Lage! Es war klein und gemütlich, und ich habe mich gleich beim Eintreten wohlgefühlt. Wir lagen schnell im Bett, weil wir uns beide nicht so gut gefühlt haben, und das Nickerchen wirkte Wunder, sodass wir uns dann entspannt auf die Suche nach einem Abendessen machen konnten. Es gab an der plaza, am „Hauptplatz“ der Stadt, am Straßenrand einen Hotdogstand, und die Leute dort haben gleich alle Stühle freigeräumt und zurechtgerückt, damit wir es gemütlich haben. Es hat wie aus Eimern geschüttet und wir haben uns ganz wohlgefühlt unter dem kleinen Dach aus Plastik, während um uns herum die Welt unterging. Das Fastfood war sehr lecker und auch nicht allzu teuer. Die Leute zu beobachten, die den Stand betrieben, wie sie miteinander und den Kunden umgegangen sind, wie sie gescherzt und ihre Arbeit gerne gemacht haben – das alles hat dazu beigetragen, dass es ein schöner Abend wurde. Wir haben die ganze Szenerie eine Weile auf uns wirken lassen und sind dann zurück ins Zimmer gewandert, um auszuschlafen für den nächsten Tag.

Vielleicht ist es jetzt übrigens mal an der Zeit, zu erwähnen, dass Angel mittlerweile nicht mehr nur ein Freund ist, sondern mein Freund. Einige haben sich das vielleicht schon gedacht, aber ich wollte es trotzdem nochmal für’s Protokoll festhalten 😉

Am nächsten Tag sind wir „früh“ aufgestanden. Ich setze das in „Tüddelchen“, weil er -sagen wir mal so- Schwierigkeiten damit hat, morgens aus dem Bett zu kommen und ich jemand bin, der in der Regel direkt mit dem Weckerklingeln die Beine aus dem Bett schwingt und ich es auf Reisen zusätzlich gar nicht erwarten kann, auszukosten, was der Tag so für mich bereithält. Nachdem wir es dann soweit geschafft hatten, dass wir die Füße vor die Tür setzen konnten, haben wir uns in einer kleinen tienda (Kiosk, Allerlei-Laden) ein Frühstück organisiert und sind dann durch die Straßen Chinácotas gewandert. Einfach so, ziellos hin und her, rauf und runter – ich mit meiner Kamera in der einen Hand und mit meiner anderen in seiner. Auf der plaza habe ich gesehen, wie ein Mann einem anderen die Schuhe putzte – beide lächelten, unterhielten sich angeregt und waren vertieft in diese Situation. Das gefiel mir so gut – weil es so menschlich war. Nicht irgendeine Maschine erledigt Arbeit, sondern ein Mensch, und mit diesem kann man sich „verbinden“, durch Worte und Gesten und Mimik. Als ich fragte, ob ich ein Foto machen könnte, lächelten beide, nickten und wollten wissen, in welchem Land ich sie denn berühmt machen wolle.

Die Stadt schmiegt sich zwischen Berge und es ist überall viel Grün zu sehen, manchmal als Unkraut am Straßenrand, manchmal als ein kleines Beet in einer Gasse, manchmal als Park … Die Häuser sind teilweise neu, teilweise alt und oft auch zerfallen. Ich fand die Stadt gerade deswegen total charmant und habe mich sehr wohlgefühlt, weil es so viel zu schauen und entdecken gab und mir nicht irgendetwas „perfekt touristisches“ präsentiert wurde. Werbung, kleinere Anzeigen oder Verkaufs-/Vermietangebote waren einfach auf Wände gepinselt und an vielen Türen oder Fenstern der Häuser waren kleine Kreuze oder Blumensträuße angebracht, um zu zeigen, dass dort gläubige Christen wohnen. Ich fand alles sehr authentisch und lebendig.

In Chinácota fand im Oktober 2015 el primer encuentro internacional de muralismo y arte público (Erstes internationales Treffen der Wandmalerei und öffentlicher Kunst) statt, bei dem viele wunderschöne Wandgemälde entstanden sind, die verschiedene Mauern in der ganzen Stadt zieren, und Geschichten erzählen. So etwas ist für mich ein Paradies, ich liebe Wandmalerei und kann mich gar nicht sattsehen daran. Ich hab so viel durch meine Kamera geguckt, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Die Bilder stelle ich an das Ende des Posts, es sind so viele, dass sie zwischendrin stören würden und ich möchte, dass ihr diesen Post UND die Fotos genießen könnt.

Einer meiner Wünsche war aber auch, einen mercado zu besuchen, den ich im Vorbeifahren gesehen hatte, als ich mit der Familie schon 1x durch Chinácota durchgefahren bin. Das haben wir auch gemacht und der Besuch dieser typisch kolumbianischen Markthalle war echt spannend. Ich wurde natürlich neugierigst beäugt, weil ich auffalle mit meiner piel de leche, wie ich meine helle Haut oft scherzhaft bezeichne, aber alle waren freundlich zu uns. „A la orden?“,  also in etwa „Zu Diensten!“ oder „Wie kann ich Ihnen helfen?“ schallte uns von überall her entgegen. Ich war froh, dass Angel dabei war und ich ihn alles mögliche fragen konnte: Was ist das für eine Frucht? Was für Saft ist das? Wie bereitet man dieses Gemüse zu? Ist das ein guter Preis? Was macht der Mann dort? Wieso sieht das so aus? Tausend Fragen, und ich habe es so genossen, einfach mal Reisende zu sein! Ganz lebendig habe ich mich gefühlt.  Im mercado haben wir dann auch eine Begegnung der besonderen Art gehabt – eine Minikatze hat es mir angetan, sie hat sich streicheln lassen, hat mit uns gespielt und war ganz tapsig. Die Frau, an deren Stand sie lebte, hat uns erklärt, dass die Mutter nicht mehr lebt und sie sich um sie und all ihre Geschwister gekümmert hat – diese Kleine war die letzte, die sie noch nicht unterbringen konnte. Ob ich sie nicht haben wollen würde? Na, ich konnte mir das Gesicht von Renzo und Renata vorstellen, wenn ich mit einer Babykatze im Gepäck heimkäme 😉

Nachdem wir den Vormittag durch die Straßen wandernd verbracht hatten, haben wir, zurück in der Pension, noch ein Mittagsschläfchen gehalten (habe ich schon erwähnt, dass Angel gerne schläft?), und wir sind eine Stunde zu spät zum Checkout bereit gewesen. Aber auch hier macht sich die kolumbianische Mentalität bezahlt. „Macht nichts“, sagte der Verwalter, als wir die Schlüssel zurückgaben und uns entschuldigten, und schüttelte den Kopf, als wir fragten, ob wir extra bezahlen müssten. Wir ließen unser Gepäck bei ihm in seiner tienda und wanderten gepäcklos weiter durch die Straßen. Bevor wir gegen 17 Uhr unseren Bus nach Hause nahmen, haben wir noch für 10.000COP (~4€) Mittag gegessen und anschließend in einem kleinen Laden die Spezialität Chinácotas genossen: fresas con crema, Erdbeeren mit Sahne. Soo lecker! Wir haben unsere Lieblingslieder gesungen, auf Spanisch erzählt (ich übe fleißigst mit ihm und fühle mich viel wohler mit der Sprache) und sind dann entspannt zur plaza gewandert, um den Bus zu besteigen. Die Fahrt nach Hause war viel entspannter, weil wir ganz vorne neben dem Fahrer sitzen konnten und es nicht so geschaukelt hat.

Zurück in Cúcuta haben wir uns für ein paar Stunden getrennt, örtlich gesehen natürlich nur, und später hat Angel mich abgeholt, um mich auf eine Semester-Abschlussfeier eines seiner besten Freunde mitzunehmen. Der hatte Angel eingeladen und extra betont, er möge mich doch bitte mitbringen. Nun ist es ja so, dass die Kolumbianerinnen es (meiner Meinung nach) gerne mal übertreiben, was die Outfits angeht und das einfach nicht mein Stil ist, mich so aufzubrezeln. Ich wollte erst in Jeans und Top gehen (was ja auch schick sein kann), aber dann habe ich mich umentschieden und mich in mein einziges schickes Kleid geworfen – das viel strapazierte kleine Schwarze. Ich dachte, das ist mal eine Gelegenheit, bei der nichts schiefgehen kann mit einem schicken Kleid – es würde vermutlich nicht mal auffallen, da ich im Vergleich zu den Kolumbianerinnen sehr schlicht auftreten würde. Angels Blick, als er mich gesehen hat, war dann jedenfalls Gold wert 🙂 Ich hab mich so gefreut, dass er sich so gefreut hat und offensichtlich fand, dass ich gut aussah – und er war natürlich ebenfalls sehr schick … Ich gehe gerne mit ihm weg, weil er so richtig gut aussieht in seiner „dressing up“-Kleidung! Sein Freund war dann sehr nett zu mir, hat mich tausend Dinge gefragt und mir im Laufe des Abend tausend Dinge erzählt – seine Erzählfreude stieg proportional zu seinem Alkoholkonsum 😉 Angel und ich tranken beide nicht, amüsierten uns aber prächtig. Wir konnten nicht tanzen, weil der DJ unfähig war, ordentliche Musik aufzulegen und sinnvolle Übergänge zu schaffen, aber wir machten Sitztanz, stießen mit Wasser an und beobachteten fasziniert, wie sich im Laufe der Nacht mehr und mehr Leute in den in der „Location“ vorhandenen Pool schmissen. Als ich allen erklärte, es sei ganz wichtig, sich beim Anstoßen in die Augen zu schauen, weil sonst 7 Jahre schlechter Sex drohen würden, gab es einen Aufstand und alle, wirklich alle, egal wie betrunken, gaben sich plötzlichst größte Mühe, klar geradeaus in irgendein Augenpaar zu schauen, bevor sie einen weiteren Schluck nahmen …

Als wir gegen Mitternacht nach Hause gingen, war ich sehr glücklich, denn dieses Wochenende war einfach so perfekt. Nicht nur, weil es ein Wochenende mit ihm war, sondern auch, weil ich endlich mal etwas mehr gesehen habe als die Straßen, Gebäude und den Himmel in Cúcuta. Mehr davon sollte es das nächste Wochenende geben … aber davon erzähle ich euch in der nächsten Maus in einem der folgenden Posts! 🙂

Ich hoffe, euch hat dieser Post gefallen und ich freue mich über eure Kommentare, Anregungen und Meinungen!

Un abrazo fuerte! 🙂 ❤

 

Aventuras Nuevas – Feliz Navidad y Feliz Año

Ich weiß, dass ich etwas spät dran bin für Weihnachtswünsche und irgendwie auch für Neujahrswünsche – sonst gar nicht mein Stil, aber wieso sollte es in Kolumbien anders sein als in Deutschland? Auch hier gab es last minute-Stress, verschiedenster Art. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal habe ich festgestellt, dass ich zu Weihnachten doch ein paar Menschen beschenken kann, und das hat mich recht glücklich gemacht. Das geht an Weihnachten oft verloren, finde ich: es geht nur um Geschenke und wer etwas bekommen muss, wer wohl beleidigt ist, wenn er nichts bekommt, für wen unbedingt das perfekte Geschenk gefunden werden sollte. Dabei geht es nicht mehr darum, warum man diesen Menschen beschenkt, sondern dass und was man schenkt. Ich hatte mich diesbezüglich auf ein ruhiges Weihnachten eingestellt, da ich nichts nach Deutschland schicken und von dort auch nichts empfangen konnte. Doch dann ist mir aufgefallen, dass ich mich bei einigen Menschen hier bedanken wollte, weil sie mein Leben hier erleichtert haben, mir Lasten abgenommen, mir geholfen, zur Seite gestanden oder mir ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert haben – und bei einigen auch, weil sie Freunde geworden sind.

Ich habe mich also in die Küche gestellt und deutsche Schwarz-Weiß-Kekse gebacken – die gehören bei uns zu Hause zur Weihnachtszeit dazu wie der Baum und der Adventskranz. Die habe ich dann hübsch verpackt (die Suche nach durchsichtigem Geschenkpapier war die reinste Odyssee!), kleine Nachrichten dazu geschrieben und an die Empfänger verteilt. Neben den kleinen Päckchen habe ich auch eine große Menge für meinen Gastvater abgepackt und auch für Angel’s Familie, bei der ich ein zweites zu Hause gefunden habe (sieht die zweckentfremdete ud neu gestaltete Douglastüte nicht aus wie eine „teure“ Verpackung  luxuriöser Backgüter? Ich war so stolz!). Meine Gastmama, Angel’s Mama und auch Angel haben noch extra Geschenke bekommen – und ich habe mich sehr glücklich gefühlt, dass ich an so viele Menschen denken kann, da ich noch nicht ganz 6 Monate hier lebe und schon so vielen Menschen dankbar sein kann. Das war für mich eine tolle Erfahrung.

Zusätzlich zu den Geschenken musste ich meine Koffer packen – ich bin am 23. zu Angel „gezogen“ für ein paar Tage. Das hatten wir schon vor ein paar Wochen so geplant, da es Unstimmigkeiten in meiner Gastfamilie gab und wir uns auf einen Auszug am 23.12. geeinigt hatten. Die Umstände dieser Entscheidung haben sich zwar wieder geändert, sodass das Packen im kleineren Stil verlief als ursprünglich angedacht, aber an dem Plan haben wir trotzdem festgehalten, da ich Weihnachten gerne mit ihm verbringen wollte. Aber nicht nur für den Aufenthalt bei ihm mussten meine Koffer gepackt werden, sondern auch für meine erste weitere Reise in Lateinamerika: am 26.12. sollte es für mich nach Peru gehen, genauer gesagt in dessen Hauptstadt Lima. Diese Reise war notwendig, um ein neues Touristenvisum beantragen zu können, da ich vorhabe, noch länger in Kolumbien zu bleiben und mein jetziges Visum nur bis zum 02.01. (morgen) gültig ist. Bei der Aus- und Einreise würde ich einen neuen Stempel in meinen Pass bekommen, der mir erlauben sollte, erneut 90 Tage in Kolumbien zu bleiben.

hojadevida

Mein Lebenslauf – Hoja de vida

Mein Wunsch, länger in Kolumbien zu bleiben, hat mehrere Gründe: zum einen möchte ich länger bei Angel bleiben können und zum anderen möchte ich gerne weiter an meinem Spanisch arbeiten, was ich zu Hause in dem Stil wie hier nicht könnte. Da es aber in meiner Gastfamilie, wie erwähnt, Unstimmigkeiten gab und wir uns dazu entschieden hatten, den Vertrag nicht zu verlängern, musste ich mich nach einer Alternative umschauen, was ganz schön an meinen Nerven gezogen und auch die Zeit mit Angel belastet hat. Er hat mir geholfen mit allem, was ich nicht alleine schaffen konnte, und wir haben meinen Lebenslauf bei mehreren Englischinstituten eingereicht. Privat habe ich mich natürlich auch umgeschaut und -hört und es ergaben sich viele, viele Möglichkeiten … die leider alle nach und nach in sich zusammengefallen sind, leise, aber meine Welt hat es doch erschüttert. Ich habe während dieser Wochen gelernt, dass die Kolumbianer zwar sagen, dass sie helfen werden, aber eigentlich meinen, dass sie helfen möchten. Ein großer Unterschied, denn irgendwann stellten alle, die mir Hilfe zugesagt hatten, dann fest, dass sie nicht helfen konnten und ich stand da – desillusioniert, hilflos und ganz verzweifelt.

Zum Glück hat mich dann ein Englischinstitut zu einem Interview eingeladen – und ich werde im Februar beginnen, als Lehrerin in der ISE -International School of English- zu unterrichten. Die Stunden, die ich absolvieren muss, sind exorbitant, die Pflichten, die ich habe, sind kolossal und breitgefächert und die Arbeit, die ich außerhalb meiner Arbeitszeit abzuleisten habe, ist gewaltig. So viel zum Soll; auf der Haben-Seite steht ein ziemlich kümmerlicher Lohn und karge Freizeit, dafür aber Zeit in Kolumbien. Was tut man nicht alles …? Wie es eben in Kolumbien so ist, wird alles auf die letzte Minute erledigt, sodass ich am 23.12. morgens ins Institut musste, um meinen Vertrag zu unterschreiben und alles für den Antrag auf ein Arbeitsvisum vorzubereiten. Das hat ziemlich lange gedauert, und zum Arzt musste ich auch noch, sodass ich in Zeitstress kam. Das Arbeitsvisum zu beantragen habe ich nicht mehr geschafft, und muss ich jetzt recht fix erledigen. Ich hoffe, dass damit alles glatt läuft – drückt mir die Daumen!

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Glitzernde, blinkende Lichter kolumbianischer Weihnacht

Weihnachten war dann etwas ganz anderes als zu Hause – hier ist es eher eine große Party mit lauter Musik, viel Alkohol und blinkenden Lichtern. Mir hat die Besinnlichkeit, Ruhe und die Gemeinschaft gefehlt, und obwohl (oder gerade weil) ich inmitten von Angels spanischsprechender, kommender und gehender Familie saß, habe ich mich sehr einsam gefühlt und mich nach Hause gesehnt. Es gab keinen erkennbaren Ablauf für mich, kein Aufgehobensein, kein Zusammensein, wie ich es gewohnt bin und liebe, und auch keinen Baum oder Geschenke. Eine kleine Bescherung haben wir gemacht, als wir von der Familienfeier wieder zu Hause waren, und die Freude über mein Geschenk auf seinem Gesicht zu sehen, war unbezahlbar. Ich habe wieder etwas gelernt dieses Jahr: Weihnachten zu Hause ist etwas Besonderes, und etwas, das ich in den nächsten Jahren mehr zu schätzen wissen werde.

Am 26. hat Angel mich dann morgens zum Flughafen gefahren und ich machte mich auf die Reise nach Lima (Peru) mit Stopover in Bogotá (Kolumbien). Am 31.12. bin ich um kurz nach Mitternacht wieder auf kolumbianischem Boden gelandet und habe gemerkt, wie sehr das ein Gefühl von „nach Hause kommen“ ist, gerade auch dann, als ich gegen 8 Uhr morgens nach einer komplizierten, turbulenten Heimreise leichten Schrittes in Angels Arme lief, der mich in Cúcuta abholte. Mit ihm und seiner Familie habe ich dann auch Silvester verbracht und jetzt ist schon das neue Jahr! Wie flugs das ging! Irgendwie fühlt es sich an, als wäre gerade gestern alles losgegangen mit 2016 … und plötzlich ist es 2017. Bevor es wieder losgeht mit dem ganzen Organisieren, das ansteht, möchte ich mir aber noch die Zeit nehmen, euch meine Wünsche für Weihnachten und Neujahr zu überbringen (nachträglich zwar, aber trotzdem mit der gleichen Herzlichkeit):

Ich hoffe, dass ihr alle eine wundervolle Weihnachtszeit hattet, mit Menschen, die euch am Herzen liegen und denen ihr „Danke“ sagen konntet. Dass ihr zu Weihnachten und auch „zwischen den Jahren“ Zeit hattet, euch zu besinnen auf das, was euch wichtig ist, was gut lief und was zum Glück vorbei ist. Dass ihr reflektieren konntet, was ihr alles geschafft, erreicht und überlebt habt, was euch stärker gemacht und was euch etwas gelehrt hat. Dass ihr euch klar werden konntet darüber, was euch für 2017 wichtig ist, was ihr erreichen wollt und welche Ziele ihr habt. Welche Menschen ihr in eurem Leben haben wollt und braucht und welchen ihr vielleicht freundlich die Tür aufhalten solltet. Ich hoffe, dass ihr gut ins neue Jahr gestartet seid und dass ihr die vielen weißen Seiten, die das Jahresbuch euch bietet, freudig und zuversichtlich mit Farben und Musik, mit Abenteuern, Liebe und Freude, Glücksmomenten, Frieden, gemeinsamer Zeit, Freundschaft … und Leben füllen werdet. Ich wünsche euch, dass ihr 2017 zu eurem Jahr machen und zum Zeitpunkt der nächsten Jahreswende zufrieden sein könnt mit dem, was war, und neugierig auf das blicken werdet, was kommt. In diesem Sinne:

navidad

Aventuras Nuevas – Umgebung und zu Hause

Hallo liebe Lebensmaler,

ich habe es ganz am Anfang versäumt, euch zu erzählen, wo und wie ich eigentlich wohne. Das ist irgendwie untergegangen im Gefühlschaos und dann gab es so viel zu erzählen und ich wusste nicht so richtig, wo anfangen. Heute werde ich euch also endlich Bilder meines Zimmers, unseres Gebäudes und der Umgebung zeigen.

Entonces … Ich wohne in Cúcuta, das ist die sechstgrößte Stadt Kolumbiens und die Hauptstadt des departamentos „Norte de Santander“. Sie liegt im Nordosten Kolumbiens und direkt an der Grenze zu Venezuela. Die Stadt ist in mehrere barrios aufgeteilt, und ich lebe im barrio „La Riviera“, einem der reicheren Bezirke. Das Straßensystem habe ich halbwegs durchschaut, aber ich finde mich trotzdem nur dort zurecht, wo ich öfters langgehe oder wo es in der Nähe Orientierungspunkte gibt, die mir helfen, zu ahnen, in welche Richtung ich mich fortbewegen muss. Das geht aber anscheinend nicht nur mir so, sondern auch cucuteños, die sich außerhalb ihres barrios befinden.

Allgemein gibt es in Kolumbien ein Straßensystem, das vom spanischen System übernommen wurde und als sehr einfach gilt: es gibt calles (abgekürzt C oder Cl), die von von Osten nach Westen laufen, und carreras (abgekürzt Cra, Kra oder K), die von Norden nach Süden laufen. Die Nummern werden entsprechend höher, je weiter man sich nach Westen bzw. Süden bewegt. In Cúcuta werden carreras allerdings avenidas genannt und während in anderen Städten Kolumbiens die carreras mit der Nummer 1 beginnen, geht es hier mit der avenida cero los. Adressen sind anders aufgebaut als deutsche, und sie sagen einem Suchenden auch ganz genau, wo sich das Haus oder Gebäude befindet, das gesucht wird.

Ich werde euch mal meine Adresse geben (links) und dazu erklären, welches die einzelnen Bestandteile sind (rechts):

adresse

Was mich immer noch verwirrt, ist die #7-10 Komponente der Adressen. Genauer geht eine Ortsangabe hier eigentlich nicht, aber ich finde mich trotzdem schwer zurecht damit. Hier gibt es zum Beispiel auch keine bzw. kaum Straßenschilder, man muss sich ausschließlich an den Angaben an den Häusern orientieren. Obwohl es ein Postleitzahlensystem gibt, weiß niemand seine Postleitzahl, sie wird nicht benutzt. Was auch anders ist: hier haben die Gebäude Namen, warum, weiß ich auch noch nicht, weder Angel noch meine Gastmama konnten mir das erklären. Unser Gebäude heißt „Caranday“, das ist eine südamerikanische Palmenart, und sie ist auf den Türen unseres Aufzugs abgebildet (s.u.), der uns in den 7. Stock in einen kleinen Vorflur fährt, von dem aus wir durch die riesige Eingangstür ins apartamento treten. Neben den Türen unten im Foyer hängt auch eine kleine Tafel, die erklärt, was es mit der namengebenden Palme auf sich hat – verstehe ich bloß leider nicht, weil es auf Spanisch geschrieben steht 😉

El Edificio Caranday ist ein hohes und großes Gebäude, das schon etwas älter ist. Auf allen Ebenen sind zwei apartamentos, wir haben den 7. Stock für uns ganz alleine, ca. 400m² sind es wohl, meinte meine Gastmama. Ich finde die Straßenlaterne mit dem altmodischen Schild vor unseren Treppen total schön. Nachdem man die Stufen erklommen hat, wird von innen vom Portier der Türöffner betätigt und man steht im Foyer. Riesig, kühl und spartanisch eingerichtet, immer abgedunkelt durch die getönten Fensterfolien. Hinterm Rezeptionstresen warten wechselnde Portiers – einer kommt nur am Wochenende, die beiden anderen unter der Woche. Manchmal empfangen sie uns mit Post oder anderen Sendungen, fast immer aber mit einem Lächeln. Javier (keine Ahnung, ob ich den Namen richtig schreibe) besonders – er ist ziemlich toll, versucht oft, mit mir zu sprechen und ist total liebevoll zu Anja. Der andere unter-der-Woche-Portier war anfangs sehr reserviert, da es zwischen meiner Gastfamilie und ihm Unstimmigkeiten gegeben hatte. Ich habe beschlossen, so zu tun, als wisse ich nichts davon, und habe ihn immer freundlich gegrüßt, angelächelt und mit Anja zusammen angesprochen. Nach einer Weile wurde er weniger frostig und jetzt lächelt er mich immer an, hält uns die Tür persönlich auf und sagt auch ein paar Worte auf deutsch. Für mich ist es immer noch komisch, nicht einfach unbe(ob)achtet kommen und gehen zu können, wie es mir passt, sondern mich manchmal unter den Augen der Portiers so zu fühlen, als sei ich 15 und schleiche mich auf eine verbotene Party oder käme von einer solchen heim. Außerdem tut es mir so Leid, wenn ich mitten in der Nacht heimkomme und sie wecke – die Armen!

Auf der nordöstlichen Seite (wenn ich mich nicht irre) des Gebäudes liegt ein kleiner Platz, der von oben sehr grün aussieht, es von unten aber leider nicht ist. Der „Spielplatz“, den es an einer Ecke gibt, ist z.B. sehr kahl und scheint irgendwie aus einer anderen Zeit zu kommen. Schade ist das, denn sonst könnte ich mit Anja auch dorthin gehen, wenn wir mal nicht so viel Zeit haben. Trotz der Kahlheit gehe ich hier oft mit der Süßen, dem Hund der Familie, eine kleine Mittags-oder Abendrunde, ansonsten beobachte ich gerne vom Balkon aus die Basketballspieler/innen auf dem kleinen Feld an einer Seite des Platzes, genieße die Aussicht oder bestaune das tolle Muster des Platzes. Oft sitzen hier kleine Grüppchen von Menschen, die sich einfach unterhalten, ein bißchen vorglühen, Pärchen, die in einander verschlungen sind, Hundebesitzer, die mit ihren Schützlingen eine Runde drehen, Menschen, die auf den Mauern im Schatten der Bäume ihre siesta halten … es gibt eigentlich immer was zu gucken.

Wobei man auch immer gucken und die Augen offen halten sollte, sind einfache Spaziergänge. Einfahrten, Schrägen und der „ebene“ Bürgersteig sind einfach irgendwie aneinander gebaut, sodass man schon fast Wanderschuhe braucht, um sich nicht die Knöchel zu verknicken. Fragt mich nicht, wie die Kolumbianerinnen das auf ihren Highheels meistern. Außerdem ragen aus dem Boden gerne mal irgendwelche Haken, in denen man hängen bleibt, stürzt und sich an der Schulter verletzt (ja, es tat weh!). Die Bürgersteige sind hier auch anders als in Deutschland: erstens sind sie oft mit sehr glatten Fliesen gefliest, sodass man bei Regen oder Wischwasser schneller auf dem Rücken zappelt wie ein Käfer, als man gucken kann. Und zweitens: Wischwasser? Ja, Wischwasser. Hier werden mindestens 2x die Woche die Bürgersteige erst gefegt und dann gewischt. Mir erschließt sich der Sinn dieser Aktion nicht so ganz, da sich der Dreck aufgrund des ständigen Windes eh so schnell verteilt und dann auf nassem Umtergund doch noch eher haften bleibt! Warum also Zeit und andere Ressourcen verschwenden? Gerade im Hinblick auf die Tatsache, dass die meisten Menschen hier ihren Müll dort fallen lassen, wo sie gerade damit fertig werden. Andere Länder, andere Sitten. Die Straßen sind auch oft ziemlich löcherig und schwer zu navigieren, da gefahren wird, wo gerade Platz ist und man sich nie sicher sein kann, aus welcher Richtung gleich das nächste Auto hupend angerast kommt, um einen die Zehen abzufahren. Der Kante zwischen Bürgersteig und Straße ist oft auch richtig hoch, sodass es sehr schwierig ist, mit dem Kinderwagen hoch und runter zu gelangen. So langsam gewöhne ich mich und weiß, wo ich gut langgehen kann, wer mir Platz macht und wo ich aufpassen muss.

Wenn ich dann also alle Unebenheiten, Gefahren und glitschigen Untergründe erfolgreich gemeistert habe, durch das Foyer geschritten und in den 7. Stock gefahren bin, trete ich durch unsere breite, braune Wohnungstür in den Eingangs-/Wohnbereich, ziehe meine Schuhe aus und gehe durch den langen Flur in mein Zimmer. Auf dem Bild vom Gebäude (s.o.) ist das Fenster an der Ecke, die zu uns zeigt, meins. Von der Wohnung werde ich euch keine Fotos schicken, um die Privatsphäre der Familie zu achten, aber mein Zimmer, meinen Lieblingsplatz und natürlich den Ausblick werde ich mit euch teilen. Mein Zimmer besteht aus dem Schlafzimmer und ist verbunden mit einem Ankleideraum, durch den ich ins angeschlossene Bad komme. Das Zimmer wirkt erstmal ziemlich groß und weiß, ist aber auch sehr hell, da eine Seite zu ¾ aus Fenster besteht. Ich arbeite noch daran, dass es sich heimeliger anfühlt, aber es ist bereits besser geworden als am Anfang. Wie schon in Australien oder zu Hause in bspw. meiner Küche habe ich als erstes Zitate gestaltet und angebracht. Die wichtigsten hängen an meinem Bett und sprechen mir oft Mut zu. Auch um meinen Schreibtisch herum habe ich motivierende Sprüche platziert und ich liebe es, sie anzusehen und durchzulesen. Meine sehr dezimierte Schmuckkollektion habe ich mit Bügeln aufgehängt, da ich hier nichts an die Wand anbringen kann, dass etwas mehr Gewicht trägt. Das hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, die Postkarten, die Tonnen von Freundschaft und Liebe zu mir getragen haben, aufzuhängen. In der braunen Tüte hat Angel mir eine Süßigkeit mitgebracht hat – und das hat mich so gefreut, dass sie ebenfalls einen Platz an meiner Postkartenwand bekommen hat. In und auf den Kommoden befinden sich Krimskrams, Dokumente und meine Bücher – viel zu wenig noch, aber darum kümmere ich mich in Zukunft.

Es hat eine ziemliche Weile gedauert, bis ich meinen Schreibtisch bekommen habe, aber seit er da ist, bin ich glücklich. Ich sitze jeden Tag hier und schreibe etwas, bereite etwas für die Deutschstunden mit Ángel vor oder mache meine Spanischhausaufgaben. Ich finde, der Tisch ist einfach zu klein für alles, was ich brauche, und darum habe ich mir mit der Erlaubnis meiner Gastmama einen Tisch danebengestellt, auf dem ich verschiedene Sachen, die ich nicht ständig brauche, aber doch griffbereit haben muss, lagere. Wie schon erwähnt, hängen in meinem Blickfeld auch hier ganz viele verschiedenen Zitate oder Motivationssprüche. Wöchentlich kommen mehrere hinzu. Außerdem hängen hier auch zwei Karten, die ich von zu Hause mitgebracht habe: eine von Vera (die hing auch schon in meinem Flur) und eine, die ich sowohl von meinen Kollegen im Kindergarten als auch von meinem Kollegen in der Kinder-und Jugendhilfe zum Abschied bekommen habe. Ich liebe den Spruch total und dass beide Teams diese Karte unabhängig voneinander für mich ausgewählt haben, machte und macht mich immer noch sehr glücklich.

Wenn ich durch die Tür neben dem Schreibtisch gehe, stehe ich schon einem kleinen Schrank-Viereck. So viel Schrank könnte ich in meinem ganzen Leben nicht füllen, bilde ich mir gerne ein, und auch jetzt nutze ich nur ein paar Regelbretter und Bügel. Viel neues ist auch noch nicht hinzugekommen, da es hier in Kolumbien unglaublich schwierig ist, etwas zu finden, dass mir passt und gefällt. Jedenfalls geht’s von diesem Schrank weiter ins Badezimmer, das direkt hinter der Wand an meinem Schreibtisch liegt. Ich liebe diesen altmodischen Waschbeckenschrank und den großen Spiegel – auch hier hängt die kleine Karte, die mir schon in Deutschland morgens vorm Spiegel Mut zugesprochen hat. „Keine Panik, das wird schon“, quakt mir eine Ente entgegen, der das Wasser im wahrsten Sinne bis zum Hals steht. Ansonsten ist mein Bad mit einer Duschbadewanne, einer Toilette und einem Bidet ausgestattet. Manchmal fühlt es sich alles an wie ein Hotelzimmer … aber ich tue mein Bestes, um meine persönliche Note im Raum zu verteilen.

Und dann ist da noch der Ausblick. Es ist ziemlich schön, was ich so sehe. Wir haben fast einen Rundum-Blick und wenn morgens um 4 Uhr die Sonne aufgeht, ist das wie ein magischer Moment. Der Himmel ist verlaufene Wasserfarbe und die Stadt sieht so friedlich aus unter der noch dunklen Decke, die die Nacht über sie geworfen hat. Das zweite Foto ist eins meiner Lieblingsfotos, weil ich es als so friedlich und heimelig emfpinde, wie sich die Bäume und die Häuser ihren Platz teilen, wie sich die Häuser zwischen die Bäume zu kuscheln scheinen und die Bäume ihre Äste ausstrecken. Wenn ich morgens aufwache, dann kann ich an schon am Licht der Sonne erkennen, ob es ein heißer Tag wird oder nicht – ich finde es schön, wie die Strahlen über den Rand der Berge in die Stadt fließen. Tagsüber leuchten dann die Farben so richtig intensiv, und nachmittags scheint alles von einem Filter überzogen zu sein: es wirkt alles warm und golden und weicher. Vom Balkon aus kann man im Hintergrund schon die Teile der Berge erkennen, die zu Venezuela gehören. So dicht dran sind wir. Auf dem Balkon sitze ich unglaublich gerne, ich habe dort einen kleinen Lieblingsplatz, von dem aus ich die Sonne, den Himmel und die Umgebung beobachte. Ich esse dort oft mein Frühstück und mag es, den Tag „für mich“ zu beginnen. Nachts oder abends sitze ich gerne auf dem Bett am Fenster, das ich meist nur als Ablage oder Sofaplatz nutze, und schaue mir die Lichter der Stadt an, lausche der Musik, die aus verschiedenen Richtungen an mein Ohr dringt und lasse mir den kühlen Wind um die Ohren wehen. Ich finde, die Lichter in der Ferne haben etwas magisches, so als seien Hügel extra festlich mit Lichterketten geschmückt worden, jede Nacht auf’s Neue. Oft wird auch der Himmel von Mutter Natur festlich beleuchtet: Wetterleuchten ist keine Seltenheit hier und ich finde es spannend, die aufblitzenden Lichter anzusehen.


Das war es dieses Mal, ich hoffe, ihr habt einen besseren Eindruck bekommen von dem, was mich hier umgibt und könnt euch etwas mehr vorstellen, wie die Umgebung draußen so aussieht. Ich freue mich immer noch über Fragen zu meinem Leben, zu Land und Leuten, höre gerne eure Meinungen und Vorschläge für neue Posts nehme ich auch gerne an. Es bedeutet mir viel, das ihr mitlest und so auch dabei seid.

Verzeiht, wenn ich etwas unregelmäßig und durcheinander poste, aber es geht drunter und drüber und es ist gerade sehr viel (und leider nicht nur Schönes) zu organisieren und zu entscheiden. Ich versuche trotzdem, euch teilhaben zu lassen, an diesem verrückten Leben.

Un abrazo grande! x

Aventuras Nuevas – Why I Sometimes Hate It Here – Stuff I Need To Get Off My Chest

First of all I need to tell you how grateful I am for the ’save and edit later‘ function on here because if I had posted right away what poured out of my poor heart and soul yesterday night – or actually last morning at 1am – this post would have been quite disturbing for some of you.

After an average day of a few good and a few bad moments it all came tumbling down around midnight. Right after waking up in the morning I had to deal with a text from home which unfolded into an argument and in the course of the day into something huge and time consuming. This had me start my day off with a heart beating an uncomfortable rhythm of anger and frustration.

Later in the morning a woman came around to visit (she was someone who knew someone who knew someone of my hostmum’s family) and while she greeted me with the obligatory kiss on the cheek and „Hola, cómo está?“, in the course of the conversation with my hostmum she kept talking about me right in front of me. I was there to listen to her talk about me. The fact that she did it and the way she did it made me feel inferior and invisible.

In the park when Anja and I wanted to enjoy our drumming session on the blue plastic chairs the owner of the kiosk there had the nerve to approach us and take Anja down from the chair without my permisson and tell me in Spanish why he thought it was a bad idea to put her there. I was RIGHT THERE in front of her and he thought she wasn’t safe and I was doing the wrong thing. I felt so indignant and thrown off my guard – but at the same time I felt speechless.

I had noticed that I felt more tense with the girl for a couple of days and couldn’t tolerate as well as before some things she did. I felt really stressed for reasons I couldn’t put my finger on, which stressed me even more. I tried to push it away and shrug it off. Until last night when I suppose my guard was down and I was tired and I had felt emotional all day. Everything had been building up inside of me and suddenly all these intense feelings that I hadn’t allowed myself to feel before washed over me and I couldn’t breath and there was no other thing I could do than burst into tears. I couldn’t hold in any longer and I burst into tears because… sometimes I hate it here.

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That process of bursting into tears started with Angel suggesting that we start speaking more Spanish when we text so I could practice. He said I was in a comfort zone with the mum speaking German and him speaking English. I never speak Spanish in front of him, just about „class things“, and even that I dislike. I couldn’t figure out exactly why but at his suggestion last night, everything in me screamed „No, please, not you, too!“
There are a couple of other people that I text with who can speak only Spanish. Everytime I receive a text from them I feel like I’ve just been given a huge task. I need to look up every second word to understand what they say, and then I have to think about what I want to reply, and then think about how I can say that in Spanish in a non-complicated way and then I need to look up verb forms and words and hope I get the meaning right and put everything in the right order when I compose my sentence. It’s work, it’s bloody hard work, and I still can’t say exactly what I want and feel. Also I still make mistakes after putting so much effort into my answer. It’s so frustrating and it feels like I’m on a test, not like I’m chatting with a friend. It makes me feel really awful and lonely.

However, with Angel I’m really comfortable and he’s become a close friend, considering what I told him about me in the amount of time we’ve known each other. I trust him like I trust my friends at home and we joke easily, like friends who have known each other for a long time do. He has more of an idea of my personality than anyone else here seeing that I can be more of myself with him than with any other person. Because he’s a friend, not an employer or outstander or shop assistant or whatever. Sometimes he’s my teacher (and I’m his) but most of all we’re friends.

So when he suggested speaking more Spanish, I felt my friend turn into a teacher in our „spare time“, too, and I don’t want any more pressure on me, having to speak Spanish. By starting to watch my language, too, like everyone else constantly does, he will take away something from me that I need more than learning a bit of Spanish grammar or words. It’s hard enough not being me during the day when I have to deal with people who don’t understand me (language and personality wise) and when I can’t express my feelings in a proper fashion, so when I talk to a friend I want to do it without having to think about every word in every sentence. Also there is a difference in conveying feelings – in Spanish I write bare sentences without (my real) feelings most of the time. In English I know how to express annoyance or anger, joy or interest, zest or excitement. I know how to be caring and helpful, cheesy and sneaky and funny and witty. I Spanish I don’t and therefor I am not any of these things.

So his offer (even though coming from a good place) pushed me over the edge of the emotional cliff I’d been balancing on all day. Because I am definitely not in a comfort zone. The mum is an employer, even though we get on really well. It’s still different to chatting with a friend though. The people I speak to daily are not friends. They don’t get me and collectively, they make me feel horrible and stupid and hate the language and the idea of coming here and they make me miss my friends so badly and also they make me want to go home. So after pouring my heart out to poor Angel (bless him, he dealt with me really well) and saying goodnight I kept crying it all out and then I felt like writing it all out, too. So, at 1am, I sat in front of my computer, the light of which was blinding my swollen panda eyes (yes, I forgot to take off my make up … and yes, you are allowed to laugh at this image of me squinting my eyes like a granny panda), sniffing occasionally and putting on paper (well, screen really) everything that I couldn’t and didn’t want to hold inside.

So, if you are interested in how I felt at the dead of night yesterday, you are most welcome to read on (the italic part at the end of the post). Bear in mind that these are unreflected thoughts of the tired, emotional, annoyed and lonely part of my being. Today I have still been very emotional and a bit quite embarrassed by my outburst with Angel, but I had time to reflect on what I’m feeling and why I’m feeling it and everything you’ve read up to here is the result of my thinking. So if you’d rather not read on and spoil the impression it’s fine as well.

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Thank you for bearing with me on this (emotional) rollercoaster that is my life at the moment. I’m still adjusting to everything here and it’s tough – though according to Angel I’m too Colombian already a veces. Well, I don’t know about that …

Un abrazo grande! xx

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I sometimes hate being here because I don’t have any friends. I cannot be myself because I’m lacking the language. I feel like there are people looking down on me and think that I am stupid just because I can’t understand them or voice my opinion. They think I don’t have an opinion when all I’m actually missing are the words to voice it. I hate it that I can’t buy myself clothes that fit. I hate being dependent on other people to tell me things or drive me somewhere or to deal with stuff I’d be able to deal with on my own at home. People think I’m inferior because I look different and can’t speak their language, so they think it’s okay to speak about me while I’m right in front of them. They think it’s okay to point their fingers at me or stare at me like I’m an object in a museum. They think it’s okay to want to take pictures of me with their kids because I’m obviously a rarity. And they think it’s okay to take pictures of me without my consent because I can’t object in their language. They think it’s okay to call me names and they also think it’s okay to stare at me like I’m a piece of something on a market table they can choose and take home. And you know what? They also think I am not responsible and taking care properly. They think because I’m doing it differently from the way they do it I’m not responsible and caring and loving and basically not doing it right. And it hurts. What these people keep forgetting is that I am a person with feelings and perception like anyone else. I may not completely get every single word they say but I get what they say about me when they think I don’t. I hear them talking about me and I see them looking my way and whispering to their friends and pointing their fingers at me. I feel their disapproving stares behind my back when they think I can’t see and I hate it when they come over to me and tell me what to do in a voice like I’m stupid and not capable of doing anything. I hate it when they snigger with their friends and colleagues behind my back and exchange glances like I can’t see that. These people make me hate being here and hate the language and regret the idea of coming here and want to go home. And I’m not in a comfort zone. At all. It may look like I am but I am not. I don’t have friends here and I’m missing them. I miss talking about big and small things that move our worlds and that we can share, and meeting to go for a walk and being able to stay home because I want to, not because I don’t have anywhere else to go. I miss being able to just trust someone. I hate the time difference because when I get up my friends’ days are halfway done and it feels like I can’t share anything with them … or anyone. I hate it because I feel lonely and misunderstood.

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