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Aventuras Nuevas – Feliz Navidad y Feliz Año

Ich weiß, dass ich etwas spät dran bin für Weihnachtswünsche und irgendwie auch für Neujahrswünsche – sonst gar nicht mein Stil, aber wieso sollte es in Kolumbien anders sein als in Deutschland? Auch hier gab es last minute-Stress, verschiedenster Art. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal habe ich festgestellt, dass ich zu Weihnachten doch ein paar Menschen beschenken kann, und das hat mich recht glücklich gemacht. Das geht an Weihnachten oft verloren, finde ich: es geht nur um Geschenke und wer etwas bekommen muss, wer wohl beleidigt ist, wenn er nichts bekommt, für wen unbedingt das perfekte Geschenk gefunden werden sollte. Dabei geht es nicht mehr darum, warum man diesen Menschen beschenkt, sondern dass und was man schenkt. Ich hatte mich diesbezüglich auf ein ruhiges Weihnachten eingestellt, da ich nichts nach Deutschland schicken und von dort auch nichts empfangen konnte. Doch dann ist mir aufgefallen, dass ich mich bei einigen Menschen hier bedanken wollte, weil sie mein Leben hier erleichtert haben, mir Lasten abgenommen, mir geholfen, zur Seite gestanden oder mir ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert haben – und bei einigen auch, weil sie Freunde geworden sind.

Ich habe mich also in die Küche gestellt und deutsche Schwarz-Weiß-Kekse gebacken – die gehören bei uns zu Hause zur Weihnachtszeit dazu wie der Baum und der Adventskranz. Die habe ich dann hübsch verpackt (die Suche nach durchsichtigem Geschenkpapier war die reinste Odyssee!), kleine Nachrichten dazu geschrieben und an die Empfänger verteilt. Neben den kleinen Päckchen habe ich auch eine große Menge für meinen Gastvater abgepackt und auch für Angel’s Familie, bei der ich ein zweites zu Hause gefunden habe (sieht die zweckentfremdete ud neu gestaltete Douglastüte nicht aus wie eine „teure“ Verpackung  luxuriöser Backgüter? Ich war so stolz!). Meine Gastmama, Angel’s Mama und auch Angel haben noch extra Geschenke bekommen – und ich habe mich sehr glücklich gefühlt, dass ich an so viele Menschen denken kann, da ich noch nicht ganz 6 Monate hier lebe und schon so vielen Menschen dankbar sein kann. Das war für mich eine tolle Erfahrung.

Zusätzlich zu den Geschenken musste ich meine Koffer packen – ich bin am 23. zu Angel „gezogen“ für ein paar Tage. Das hatten wir schon vor ein paar Wochen so geplant, da es Unstimmigkeiten in meiner Gastfamilie gab und wir uns auf einen Auszug am 23.12. geeinigt hatten. Die Umstände dieser Entscheidung haben sich zwar wieder geändert, sodass das Packen im kleineren Stil verlief als ursprünglich angedacht, aber an dem Plan haben wir trotzdem festgehalten, da ich Weihnachten gerne mit ihm verbringen wollte. Aber nicht nur für den Aufenthalt bei ihm mussten meine Koffer gepackt werden, sondern auch für meine erste weitere Reise in Lateinamerika: am 26.12. sollte es für mich nach Peru gehen, genauer gesagt in dessen Hauptstadt Lima. Diese Reise war notwendig, um ein neues Touristenvisum beantragen zu können, da ich vorhabe, noch länger in Kolumbien zu bleiben und mein jetziges Visum nur bis zum 02.01. (morgen) gültig ist. Bei der Aus- und Einreise würde ich einen neuen Stempel in meinen Pass bekommen, der mir erlauben sollte, erneut 90 Tage in Kolumbien zu bleiben.

hojadevida

Mein Lebenslauf – Hoja de vida

Mein Wunsch, länger in Kolumbien zu bleiben, hat mehrere Gründe: zum einen möchte ich länger bei Angel bleiben können und zum anderen möchte ich gerne weiter an meinem Spanisch arbeiten, was ich zu Hause in dem Stil wie hier nicht könnte. Da es aber in meiner Gastfamilie, wie erwähnt, Unstimmigkeiten gab und wir uns dazu entschieden hatten, den Vertrag nicht zu verlängern, musste ich mich nach einer Alternative umschauen, was ganz schön an meinen Nerven gezogen und auch die Zeit mit Angel belastet hat. Er hat mir geholfen mit allem, was ich nicht alleine schaffen konnte, und wir haben meinen Lebenslauf bei mehreren Englischinstituten eingereicht. Privat habe ich mich natürlich auch umgeschaut und -hört und es ergaben sich viele, viele Möglichkeiten … die leider alle nach und nach in sich zusammengefallen sind, leise, aber meine Welt hat es doch erschüttert. Ich habe während dieser Wochen gelernt, dass die Kolumbianer zwar sagen, dass sie helfen werden, aber eigentlich meinen, dass sie helfen möchten. Ein großer Unterschied, denn irgendwann stellten alle, die mir Hilfe zugesagt hatten, dann fest, dass sie nicht helfen konnten und ich stand da – desillusioniert, hilflos und ganz verzweifelt.

Zum Glück hat mich dann ein Englischinstitut zu einem Interview eingeladen – und ich werde im Februar beginnen, als Lehrerin in der ISE -International School of English- zu unterrichten. Die Stunden, die ich absolvieren muss, sind exorbitant, die Pflichten, die ich habe, sind kolossal und breitgefächert und die Arbeit, die ich außerhalb meiner Arbeitszeit abzuleisten habe, ist gewaltig. So viel zum Soll; auf der Haben-Seite steht ein ziemlich kümmerlicher Lohn und karge Freizeit, dafür aber Zeit in Kolumbien. Was tut man nicht alles …? Wie es eben in Kolumbien so ist, wird alles auf die letzte Minute erledigt, sodass ich am 23.12. morgens ins Institut musste, um meinen Vertrag zu unterschreiben und alles für den Antrag auf ein Arbeitsvisum vorzubereiten. Das hat ziemlich lange gedauert, und zum Arzt musste ich auch noch, sodass ich in Zeitstress kam. Das Arbeitsvisum zu beantragen habe ich nicht mehr geschafft, und muss ich jetzt recht fix erledigen. Ich hoffe, dass damit alles glatt läuft – drückt mir die Daumen!

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Glitzernde, blinkende Lichter kolumbianischer Weihnacht

Weihnachten war dann etwas ganz anderes als zu Hause – hier ist es eher eine große Party mit lauter Musik, viel Alkohol und blinkenden Lichtern. Mir hat die Besinnlichkeit, Ruhe und die Gemeinschaft gefehlt, und obwohl (oder gerade weil) ich inmitten von Angels spanischsprechender, kommender und gehender Familie saß, habe ich mich sehr einsam gefühlt und mich nach Hause gesehnt. Es gab keinen erkennbaren Ablauf für mich, kein Aufgehobensein, kein Zusammensein, wie ich es gewohnt bin und liebe, und auch keinen Baum oder Geschenke. Eine kleine Bescherung haben wir gemacht, als wir von der Familienfeier wieder zu Hause waren, und die Freude über mein Geschenk auf seinem Gesicht zu sehen, war unbezahlbar. Ich habe wieder etwas gelernt dieses Jahr: Weihnachten zu Hause ist etwas Besonderes, und etwas, das ich in den nächsten Jahren mehr zu schätzen wissen werde.

Am 26. hat Angel mich dann morgens zum Flughafen gefahren und ich machte mich auf die Reise nach Lima (Peru) mit Stopover in Bogotá (Kolumbien). Am 31.12. bin ich um kurz nach Mitternacht wieder auf kolumbianischem Boden gelandet und habe gemerkt, wie sehr das ein Gefühl von „nach Hause kommen“ ist, gerade auch dann, als ich gegen 8 Uhr morgens nach einer komplizierten, turbulenten Heimreise leichten Schrittes in Angels Arme lief, der mich in Cúcuta abholte. Mit ihm und seiner Familie habe ich dann auch Silvester verbracht und jetzt ist schon das neue Jahr! Wie flugs das ging! Irgendwie fühlt es sich an, als wäre gerade gestern alles losgegangen mit 2016 … und plötzlich ist es 2017. Bevor es wieder losgeht mit dem ganzen Organisieren, das ansteht, möchte ich mir aber noch die Zeit nehmen, euch meine Wünsche für Weihnachten und Neujahr zu überbringen (nachträglich zwar, aber trotzdem mit der gleichen Herzlichkeit):

Ich hoffe, dass ihr alle eine wundervolle Weihnachtszeit hattet, mit Menschen, die euch am Herzen liegen und denen ihr „Danke“ sagen konntet. Dass ihr zu Weihnachten und auch „zwischen den Jahren“ Zeit hattet, euch zu besinnen auf das, was euch wichtig ist, was gut lief und was zum Glück vorbei ist. Dass ihr reflektieren konntet, was ihr alles geschafft, erreicht und überlebt habt, was euch stärker gemacht und was euch etwas gelehrt hat. Dass ihr euch klar werden konntet darüber, was euch für 2017 wichtig ist, was ihr erreichen wollt und welche Ziele ihr habt. Welche Menschen ihr in eurem Leben haben wollt und braucht und welchen ihr vielleicht freundlich die Tür aufhalten solltet. Ich hoffe, dass ihr gut ins neue Jahr gestartet seid und dass ihr die vielen weißen Seiten, die das Jahresbuch euch bietet, freudig und zuversichtlich mit Farben und Musik, mit Abenteuern, Liebe und Freude, Glücksmomenten, Frieden, gemeinsamer Zeit, Freundschaft … und Leben füllen werdet. Ich wünsche euch, dass ihr 2017 zu eurem Jahr machen und zum Zeitpunkt der nächsten Jahreswende zufrieden sein könnt mit dem, was war, und neugierig auf das blicken werdet, was kommt. In diesem Sinne:

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Aventuras Nuevas – Why I Sometimes Hate It Here – Stuff I Need To Get Off My Chest

First of all I need to tell you how grateful I am for the ’save and edit later‘ function on here because if I had posted right away what poured out of my poor heart and soul yesterday night – or actually last morning at 1am – this post would have been quite disturbing for some of you.

After an average day of a few good and a few bad moments it all came tumbling down around midnight. Right after waking up in the morning I had to deal with a text from home which unfolded into an argument and in the course of the day into something huge and time consuming. This had me start my day off with a heart beating an uncomfortable rhythm of anger and frustration.

Later in the morning a woman came around to visit (she was someone who knew someone who knew someone of my hostmum’s family) and while she greeted me with the obligatory kiss on the cheek and „Hola, cómo está?“, in the course of the conversation with my hostmum she kept talking about me right in front of me. I was there to listen to her talk about me. The fact that she did it and the way she did it made me feel inferior and invisible.

In the park when Anja and I wanted to enjoy our drumming session on the blue plastic chairs the owner of the kiosk there had the nerve to approach us and take Anja down from the chair without my permisson and tell me in Spanish why he thought it was a bad idea to put her there. I was RIGHT THERE in front of her and he thought she wasn’t safe and I was doing the wrong thing. I felt so indignant and thrown off my guard – but at the same time I felt speechless.

I had noticed that I felt more tense with the girl for a couple of days and couldn’t tolerate as well as before some things she did. I felt really stressed for reasons I couldn’t put my finger on, which stressed me even more. I tried to push it away and shrug it off. Until last night when I suppose my guard was down and I was tired and I had felt emotional all day. Everything had been building up inside of me and suddenly all these intense feelings that I hadn’t allowed myself to feel before washed over me and I couldn’t breath and there was no other thing I could do than burst into tears. I couldn’t hold in any longer and I burst into tears because… sometimes I hate it here.

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That process of bursting into tears started with Angel suggesting that we start speaking more Spanish when we text so I could practice. He said I was in a comfort zone with the mum speaking German and him speaking English. I never speak Spanish in front of him, just about „class things“, and even that I dislike. I couldn’t figure out exactly why but at his suggestion last night, everything in me screamed „No, please, not you, too!“
There are a couple of other people that I text with who can speak only Spanish. Everytime I receive a text from them I feel like I’ve just been given a huge task. I need to look up every second word to understand what they say, and then I have to think about what I want to reply, and then think about how I can say that in Spanish in a non-complicated way and then I need to look up verb forms and words and hope I get the meaning right and put everything in the right order when I compose my sentence. It’s work, it’s bloody hard work, and I still can’t say exactly what I want and feel. Also I still make mistakes after putting so much effort into my answer. It’s so frustrating and it feels like I’m on a test, not like I’m chatting with a friend. It makes me feel really awful and lonely.

However, with Angel I’m really comfortable and he’s become a close friend, considering what I told him about me in the amount of time we’ve known each other. I trust him like I trust my friends at home and we joke easily, like friends who have known each other for a long time do. He has more of an idea of my personality than anyone else here seeing that I can be more of myself with him than with any other person. Because he’s a friend, not an employer or outstander or shop assistant or whatever. Sometimes he’s my teacher (and I’m his) but most of all we’re friends.

So when he suggested speaking more Spanish, I felt my friend turn into a teacher in our „spare time“, too, and I don’t want any more pressure on me, having to speak Spanish. By starting to watch my language, too, like everyone else constantly does, he will take away something from me that I need more than learning a bit of Spanish grammar or words. It’s hard enough not being me during the day when I have to deal with people who don’t understand me (language and personality wise) and when I can’t express my feelings in a proper fashion, so when I talk to a friend I want to do it without having to think about every word in every sentence. Also there is a difference in conveying feelings – in Spanish I write bare sentences without (my real) feelings most of the time. In English I know how to express annoyance or anger, joy or interest, zest or excitement. I know how to be caring and helpful, cheesy and sneaky and funny and witty. I Spanish I don’t and therefor I am not any of these things.

So his offer (even though coming from a good place) pushed me over the edge of the emotional cliff I’d been balancing on all day. Because I am definitely not in a comfort zone. The mum is an employer, even though we get on really well. It’s still different to chatting with a friend though. The people I speak to daily are not friends. They don’t get me and collectively, they make me feel horrible and stupid and hate the language and the idea of coming here and they make me miss my friends so badly and also they make me want to go home. So after pouring my heart out to poor Angel (bless him, he dealt with me really well) and saying goodnight I kept crying it all out and then I felt like writing it all out, too. So, at 1am, I sat in front of my computer, the light of which was blinding my swollen panda eyes (yes, I forgot to take off my make up … and yes, you are allowed to laugh at this image of me squinting my eyes like a granny panda), sniffing occasionally and putting on paper (well, screen really) everything that I couldn’t and didn’t want to hold inside.

So, if you are interested in how I felt at the dead of night yesterday, you are most welcome to read on (the italic part at the end of the post). Bear in mind that these are unreflected thoughts of the tired, emotional, annoyed and lonely part of my being. Today I have still been very emotional and a bit quite embarrassed by my outburst with Angel, but I had time to reflect on what I’m feeling and why I’m feeling it and everything you’ve read up to here is the result of my thinking. So if you’d rather not read on and spoil the impression it’s fine as well.

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Thank you for bearing with me on this (emotional) rollercoaster that is my life at the moment. I’m still adjusting to everything here and it’s tough – though according to Angel I’m too Colombian already a veces. Well, I don’t know about that …

Un abrazo grande! xx

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I sometimes hate being here because I don’t have any friends. I cannot be myself because I’m lacking the language. I feel like there are people looking down on me and think that I am stupid just because I can’t understand them or voice my opinion. They think I don’t have an opinion when all I’m actually missing are the words to voice it. I hate it that I can’t buy myself clothes that fit. I hate being dependent on other people to tell me things or drive me somewhere or to deal with stuff I’d be able to deal with on my own at home. People think I’m inferior because I look different and can’t speak their language, so they think it’s okay to speak about me while I’m right in front of them. They think it’s okay to point their fingers at me or stare at me like I’m an object in a museum. They think it’s okay to want to take pictures of me with their kids because I’m obviously a rarity. And they think it’s okay to take pictures of me without my consent because I can’t object in their language. They think it’s okay to call me names and they also think it’s okay to stare at me like I’m a piece of something on a market table they can choose and take home. And you know what? They also think I am not responsible and taking care properly. They think because I’m doing it differently from the way they do it I’m not responsible and caring and loving and basically not doing it right. And it hurts. What these people keep forgetting is that I am a person with feelings and perception like anyone else. I may not completely get every single word they say but I get what they say about me when they think I don’t. I hear them talking about me and I see them looking my way and whispering to their friends and pointing their fingers at me. I feel their disapproving stares behind my back when they think I can’t see and I hate it when they come over to me and tell me what to do in a voice like I’m stupid and not capable of doing anything. I hate it when they snigger with their friends and colleagues behind my back and exchange glances like I can’t see that. These people make me hate being here and hate the language and regret the idea of coming here and want to go home. And I’m not in a comfort zone. At all. It may look like I am but I am not. I don’t have friends here and I’m missing them. I miss talking about big and small things that move our worlds and that we can share, and meeting to go for a walk and being able to stay home because I want to, not because I don’t have anywhere else to go. I miss being able to just trust someone. I hate the time difference because when I get up my friends’ days are halfway done and it feels like I can’t share anything with them … or anyone. I hate it because I feel lonely and misunderstood.

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Ein ziemlich schön gefülltes Leben

Hallo ihr Lieben,

es war ein bißchen länger ruhig hier – ich war irgendwie mitten im Leben und das war schön, darum hab ich weniger Zeit gehabt für’s Bloggen. Jetzt möchte ich euch aber berichten, was es Neues gibt.

Meine Wohnung ist endlich fix und fertig zwischenvermietet 🙂 Das war ja meine allergröße Sorge, niemanden zu finden bzw. dass Yacoub nicht einziehen kann, weil das Jobcenter sich querstellt – das kommt im Paragraphendschungel Deutschland ja ab und an mal vor (hab ich so gehört …). Aber es hat tatsächlich alles geklappt und am 19.05. haben Yacoub und ich den Zwischenmietvertrag unterschrieben! 🙂 Juchu! Jetzt muss ich bloß noch ein paar Listen machen für ihn und meine Wohnung ausräumen, wenn es dann soweit ist. Am 01.07. zieh ich aus und er ein.

Meine Versicherung ist auch endlich abgeschlossen, und sie ist gar nicht teuer. Ich kann allen TK-Mitgliedern, die ins Ausland reisen, die envivas wärmstens empfehlen. Die haben ein breites Angebot, das leicht verständlich ist und einen gut absichert. Außerdem ist der Kunderservice wirklich erste Sahne. Sollte ich tatsächlich länger als ein Jahr bleiben, habe ich die Bupa im Hinterkopf, denn die kann ich auch aus dem Ausland heraus abschließen – leider ist sie ziemlich teuer.

Einen Vertrag haben Renata und ich schon in Angriff genommen und wir sind fleißig dabei, die Vorlage an unsere Ideen anzupassen. Meine Impfungen habe ich auch fast erledigt, morgen ist der letzte Termin. Mein Fitness-Studio stellt sich wie erwartet quer, was die Kündigung angeht, aber zumindest kann ich pausieren, während ich weg bin. Immerhin etwas. Vollmachten habe ich auch schon ausgestellt und auf der Arbeit habe ich gestern Abend im Jugendteam bekannt gegeben, dass ich meine letzte Nacht im Juni haben werde.

Meine Teens haben es gemischt aufgenommen: sie wollten Details wissen, waren aufgeregt und haben gleich überlegt, was wir in der letzten Nacht zusammen machen: Party? Spieleabend? Filme? Grillen? Einige haben sich sofort Postkarten gewünscht und gefragt, ob ich denn kolumbianisch spreche … andere fanden die Neuigkeit nicht ganz so prickelnd und eins meiner Mädchen konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen. Das ging schon ans Herz, vor allem, weil ich das Mädchen gut verstehen kann – wir haben irgendwie eine besondere Verbindung. Ich habe mir viel Zeit genommen, mit ihr und denen, die Gesprächsbedarf hatten, Fragen zu klären, meine Motivation für die Reise zu erklären und  möglichst viele Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen. Wir haben ja noch ein paar Nächte zusammen, mal sehen, was sie noch alles klären möchten oder welche Probleme es gibt.

Ansonsten beginne ich langsam, über den Inhalt meines Rucksackes nachzudenken, über Gastgeschenke und dergleichen. Nur noch 1,5 Monate! Aufregend!

Jetzt Freitag bekommen wir unsere Noten verkündet und das wird mein allerletzter Schultag sein! Wie traurig. Ich habe in der Zeit nach der Kita gemerkt, wie sehr ich die Schule liebe. Damit meine ich nicht nur die Inhalte, die wir lernen, sondern auch die Unterstützung der Lehrer, generell die Schüler-Lehrer-Interaktion, die Atmophäre in der Schule – einfach alles! Ich will gar nicht weg.

Am 17. Juni werden dann die Zeugnisse verliehen und meine Freunde und ich werden uns am 18. nochmal zusammensetzen und meinen Abschied feiern – und ich glaube, dass ich mich recht glücklich schätzen kann, von so vielen lieben Menschen und liebgewonnenen Dingen und Orten Abschied nehmen zu können. Das bedeutet ja bloß, dass ich ein ziemlich schön gefülltes Leben habe …

… in das ich mich jetzt auch wieder voller Freude stürzen werde 🙂 Bis zum nächsten Post 🙂

Der lange Weg nach Kolumbien

Hallo ihr Lieben!

Nachdem ich euch jetzt schon auf eine kleine, virtuelle Reise durch meine Wohnung mitgenommen habe, wollte ich euch auch mal auf den neuesten Stand bringen, was meine echten Reisepläne angeht. Es hat sich einiges getan, seit ich das letzte Mal gepostet habe (zum Glück!).

Zum einen habe ich jetzt meinen Flug gebucht. Ich habe über mehrere Wochen immer mal wieder geschaut, aber wie bereits erwähnt, angesichts der Preise war ich nie versucht, auf den „buchen“-Button zu klicken. Nach wiederholtem JD806715 - KopieSuchen bin ich am 22. April endlich fündig geworden – per Zufall! Ich hab mich sehr gefreut, denn den Preis (1346€) fand ich für einen Hin- und Rückflug in der Hauptreisezeit und dann an Neujahr ziemlich günstig. Die Familie übernimmt noch die Hälfte, und ich kann bis Bogotá sogar mit meiner Wunsch-Airline fliegen, yay!   🙂 Am 07.07.2016 um 10.35h werde ich deutschen Grund und Boden in Hannover verlassen und gen Frankfurt fliegen, wo ich dann wieder selbigen Grund und Boden berühre. Kurze Trennung  😉 Dann geht’s aber recht fix weiter von Frankfurt nach Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien, dort komme ich um 19h an. Um 20.45 geht’s dann weiter ans eigentliche Ziel: Cúcuta im Departamento de Norte de Santander, an der Grenze zu Venezuela. Dort werde ich um 22h landen, und bis ich draußen bin, dauert es bestimmt ewig, vor allem, weil ich kein Spanisch kann. Die Familie wird mich abholen und ich hoffe, ich kann im Auto schlafen … Das wird also eine turbulente Reise werden!

Neben der Odyssee mit dem Flug habe ich auch endlich verstanden, wie das mit dem Visum ablaufen soll. Wir haben uns aus organisatorischen Gründen für ein Touristenvisum entschieden, das wird zunächst am Flughafen für 90 Tage ausgestellt, das kann dann kostenpflichtig um weitere 90 Tage verlängert werden. Dann muss ich ausreisen, um dann bei Einreise erneut ein 90-Tage-Visum ausgestellt zu bekommen, dass ich dann, wenn gewünscht, wieder für 90 Tage verlängern kann. Kompliziert ist einfach dagegen! Zum Glück übernimmt auch hier die Familie die Verlängerungskosten und die Ausreise ist kein Problem, da Marieke ja wie erwähnt in Bolivien sein wird und ich finde, dass ich sie nach 6 getrennten Monaten auch ruhig mal besuchen kann. ❤

Was habe ich noch auf Reihe bekommen? Ich habe endlich begonnen, meine Wohnung zu bewerben. Mit einigen der Fotos, die ich für die „Meine 4 Wände“-Strecke nutze, habe ich bei wg-gesucht und bei studenten-wg, in verschiedenen Gruppen bei facebook und per ebay-Kleinanzeigen nach einem Zwischenmieter gesucht. Ich möchte auf gar keinen Fall kündigen, denn ich liebe die Wohnung und sie ist mein zu Hause geworden, wie ihr ja auch gesehen habt. Gleichzeitig ist es illusorisch, zu glauben, dass ich nach einem Jahr wieder in diese Wohnung einziehen kann, wenn ich sie jetzt aufgebe. Ich kann ich es mir leider nicht leisten, die Miete ein Jahr zu zahlen, ohne dort zu wohnen, also ist ein Zwischenmieter die naheliegendste Lösung.

antrag-bLeider war die Resonanz auf meine Anzeigen sehr gering, was mich etwas gewundert hat. Einige der wenigen Bewerber konnte ich leider auch direkt aussortieren. Und dann kam Y. Die Art, wie er am Telefon mit mir gesprochen hat, fand ich zwar befremdlich, habe ihn aber trotzdem zum Anschauen der Wohnung eingeladen, denn absagen geht ja dann immer noch. Als er da war, habe ich mich geschämt. Er ist Asylbewerber, seit 1.5 Jahren hier und spricht für diese kurze Zeit sehr gut deutsch. Er hatte seine Deutschlehrerin dabei und war mir sehr, sehr sympatisch. Jetzt habe ich bereits die Hürde genommen, von dem Besitzer des Hauses die Erlaubnis für die Zwischenvermietung an Y. zu bekommen und habe mit Hilfe meiner tollen Immobilienmaklerin dieses Formular für’s Jobcenter ausgefüllt, das Y. benötigt, damit das Jobcenter die Mietkosten übernimmt. Ich hoffe sehr, dass das klappt, sowohl für ihn als auch für mich.

Neben der Vermietung der Wohnung musste ich mich natürlich auch um meine Krankenversicherung in Deutschland und den Auslandsreisekrankenversicherungsschutz während der Reise kümmern. Beim Tippen dieses Wortes ist mir klar geworden, dass es ein solches Wort NUR in der deutschen Sprache geben kann. Es hat 39 Buchstaben, also 1.5x so viele wie das Alphabet! Verrückter Sch. Jedenfalls habe ich erfahren, dass ich meine Krankenversicherung in Deutschland zwei Monate vor dem gewünschten Ende des Versicherungsschutzes kündigen muss. Das Problem ist, dass ich im Juli ja noch 6 bzw. 7 Tage hier versichert sein muss, also kann ich nicht zum 30.06. kündigen. Mit der Versicherungsgesellschaft habe ich das jetzt so geregelt, dass ich zum 30.07. kündige und für den Juli einen sogenannten Anwartschaftsbeitrag zahle, also nur anteilig. In meinem Fall sind das ~50€ statt 83€. Für 6 Tage finde ich das immer noch recht hoch, aber anders ist es nicht möglich.

Die ursprüngliche Idee, mich in Kolumbien über diecsm_versicherung_-_puzzle-gr_4a4961bc1f Versicherung der Familie mitversichern zu lassen, ist aus Kostengründen geplatzt und jetzt werde ich mich vermutlich mit der envivas versichern. Da habe ich auch schon meine Versicherung für die Tanzania-Reise abgeschlossen und alles verlief easy und problemlos. Das ist aber ein Punkt, den ich erst noch abhaken muss auf meiner Liste. Die Vorarbeit konnte ich zum Glück schon leisten. Blöd ist bloß, dass ich vermutlich für länger als ein Jahr weg sein werde und diese Versicherung für maximal 365 Tage abgeschlossen und nicht verlängert werden kann. Da muss ich mir noch was überlegen. Habt ihr einen Tipp?

DSC_4814[1].jpgIch hatte ja im letzten Post erwähnt, dass ich meinen Pass und andere Dokumente auf Gültigkeit prüfen muss. Prompt war der Pass abgelaufen – Albträumlein! Verniedlichung deshalb, weil ich recht schnell meinen Pass neu beantragen konnte (60€ Kosten). Glück gehabt. Außerdem durfte ich meinen alten Pass sogar behalten, was mich wirklich freut, weil da so viele Erinnerungen dranhängen.
Für die Impfungen und die Impfberatung habe ich nächsten Mittwoch einen Termin, das wird mich um etwa 150€ ärmer machen, aber das meiste bekomme ich zurückgezahlt von der Krankenkasse. Hoffentlich. Dienstag habe ich einen Termin bei der Verbraucherschutzzentrale in Hannover, damit mich ein Anwalt beraten kann, wie ich am besten mit der Mitgliedschaft im Fitnessstudio umgehe und welche Chancen ich habe, aus dem Vertrag zu kommen. Darauf hab ich, ehrlich gesagt, nicht so viel Lust, also auf die Auseinandersetzung mit den Fitnessleuten, aber ich hoffe, der Anwalt kann mir gute Tipps geben. 10€ für 20 Minuten finde ich auch nicht zu viel verlangt.

Tjaaaa, so ist das. Ich glaube, jetzt seid ihr auch erstmal wieder auf dem neuesten Stand, was meine Organisation so angeht. Schulisch bin ich jetzt durch mit den Klausuren und habe noch bis Ende Mai Unterricht, dann bin ich durch, bis am 17. Juni die Zeugnisübergabe stattfinden wird. Oh, wie aufregend!
Was die Arbeit angeht, werde ich den Kids Mitte Mai sagen, dass ich nur noch bis Ende Juni komme; so haben sie genug Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Das wird traurig  😦  Aber meine Teamleitung sagte, wenn ich wiederkomme, dann werde ich mich ja sowieso bei ihnen bewerben. Haha, ich denke wirklich ernsthaft darüber nach und dann von ihr (und vom Rest des Teams) diese tolle Rückmeldung zu bekommen, tut wirklich gut.
Ich hab auch noch mal so richtig Glück gehabt, und die Verwaltung hat zugestimmt, dass ich mir meine Urlaubstage auszahlen lassen kann! Das hilft mir wirklich sehr, und bei 5 Nächten, die ich dort arbeite, brauche ich nicht wirklich noch Urlaub.

SO. Jetzt werde ich die Sonne genießen und weitere Vorbereitungen treffen. 🙂 Habt ein schönes Wochenende!      

Achterbahn nach Südamerika

Punkt 8: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, globedesto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.“

Friedrich Dürrenmatt, 21 Punkte zu den Physikern, 1962

 

Aus den 21 Punkten zu „Die Physiker“ von Dürrenmatt beschreibt dieser haargenau meine kleine Achterbahnfahrt zur Gastfamilie in Südamerika! Vor ca. 1,5 Monaten habe ich mich bei 3 Aupair-Seiten angemeldet, mit dem klaren Plan, mich der Welt der potentiellen zukünftigen Arbeitgeber als einziges für sie in Frage kommendes Aupair vorzustellen.  😉 Das war teilweise ganz schön viel Arbeit, da alle Webseiten unterschiedliche Profilstrukturen hatten. Also mussten Texte umgeschrieben und angepasst, Fotos mehrmals hochgeladen, vergrößert oder verkleinert und zusätzlich noch vorgefertigte Ankreuztests ausgefüllt werden.

Ich habe es aber geschafft und schon bald versendete ich die ersten Bewerbungen und bekam auch die ersten. Nun ist das ja immer ganz einfach – man liest eine Bewerbung oder ein Profil und findet sofort die passende Familie. Genauso einfach lassen sich die richtigen Zahlen für den Sechser im Lotto ankreuzen …

Ich fand schon nette Familien, aber irgendwie fehlte immer dieses gewisse Etwas, der Funken und das Gefühl, dass es passt. Man schrieb ein bißchen hin- und her und es war nicht so, dass mir die Familien unsympathisch waren, aber auch nicht so, dass ich das Gefühl hatte, dass sich ein „home away from home“-Gefühl einstellen würde. Ich hatte nie das Gefühl, dass es okay wäre, wenn ich mal schlechte Laune hätte, mal überfordert wäre mit allem, einfach nur nach Hause wollen würde … da kamen die alten Erinnerungen wieder hoch an die Zeit mit meiner ersten Familie in Australien, die nicht so toll war. Auf keinen Fall wollte ich wieder das Risiko eingehen, mutterseelenallein am anderen Ende der Welt zu sitzen, ohne Geld und ohne Freunde und dann auch zusätzlich noch ohne Sprache – ich kann immer noch nicht mehr Spanisch als im Februar.

Dann bekam ich Elisas Nachricht – sie war freundlich, witzig, übersprudelnd, aber gleichzeitig auch beruhigend und willkommenheißend. Mein Bauch grummelte auch sogleich seine Zustimmung und wir verabredeten uns für ein skype-Interview. Wir mussten es dann spontan verschieben, weil sie so herrlich verplant war und die Geburtstagsparty ihrer Schwester vergessen hatte – sie wurde mir immer sympathischer, denn ich bin ja auch mal verplant. Nicht perfekt sein zu müssen als Aupair nimmt schon enorm den Druck. In unseren Mails und WhatsApp-Nachrichten und auch bei unseren 2 Skypedates, bei denen ich auch ihren Mann kennenlernte, war schnell klar, dass wir gut zusammenpassen würden und gegenseitig Favourit waren. Ich grinste die ganze Zeit vor mich hin und hüpfte mental schon ins Flugzeug nach Chile.

Und dann kam die Absage – nett verpackt, aber ein Nein ist ja nicht weniger doof mit Schleife drum und Glitzer drauf. Das war hart. Richtig, richtig hart. Ich habe geweint. Es war so plötzlich und tat uns beiden so Leid – ich konnte sofort sehen, dass es eine schlechte Nachricht wird, als ihr skype-Bild erschien. Wir werden weiter Kontakt halten und ich kann eventuell nächstes Jahr kommen – trotzdem war ich am Boden zerstört. Kennt ihr das, wenn ihr euch etwas so sehr wünscht, dass es wehtut und ihr denkt, ihr solltet euch nicht darauf versteifen, es könnte immer noch etwas schief gehen, aber euer Herz trotzdem noch die Hoffnung hegt und pflegt und einfach nicht auf den vernünftigen Part hören will? Und dann kommt ein Gewitter mit Donner, Blitz und Hagel und macht das Babypflänzchen Hoffnung kaputt? Tja, das war der Zufall, der mich sehr wirksam getroffen hat – dankeschön, Herr Dürrenmatt.

Während ich in Kontakt mit Elisa stand, hatte ich auch mit Renata gesprochen – die in unseren Gesprächen so herzlich und bemüht war, mir zu helfen, meine Fragen zu beantworten, Sorgen zu nehmen und mir im Vorfeld schon alle Unterstützung zuteil werden zu lassen, die man sich wünschen kann, sodass ich einfach mal mutig war und zugesagt habe. Ich habe immer noch dolles Bauchkribbeln, weil ich gar nicht so richtig weiß, was mich erwartet – ich war ja noch nie in diesem Teil der Welt, ich spreche die Sprache nicht, die Mentalität scheint eine ganz andere zu sein … und es ist so verdammt viel vorzubereiten!!

Oh mein Gott. Man gebe mir bitte einen Eimer mit Sand, in den ich meinen Kopf stecken kann. Aber gleichzeitig freue ich mich auch wie irre – ich bin meinem Traum, wieder zu reisen und endlich Spanisch zu lernen, ein großes Stück nähergekommen. Ich kann meiner Sehnsucht endlich wieder gerecht werden, neue Dinge lernen, Erfahrungen machen, neue Freundschaften schließen, Altlasten hinter mir lassen und wachsen, wachsen, wachsen – Kolumbien, ich komme!  Colombia, estoy en mi camino! ♡

Und jetzt Vorhang auf für euch: Bitte freut euch mit mir! 🙂

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Erste graue Haare …

In den 8,5 Stunden, die ich im Kindergarten verbringe, sammelt sich so einiges aus den Kinderköpfen- und mündern an, das mich zum Lachen bringt. Ich habe begonnen, mich hinzusetzen und diese Anekdoten aufzuschreiben – unter den kritischen Augen eines Mädchens. Immer, wenn ich mich mit Stift und Zettel bewaffne, steht M. nach max. 1 Minute neben mir: „Was schreibst du da auf?“, fragt sie neugierig, woraufhin ich antworte: „Die witzigen Dinge, die ihr so sagt, damit ich sie nicht vergesse.“ Natürlich vergesse ich trotzdem die Hälfte, also folgt hier eine Auswahl.

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Situation 1:

entsetzte-schreiende-frau-34027891R. schaut mich an: „Mamaaa …“
Ich: „Ich bin doch nicht deine Mama!“
R.: „Ups …“
Ich: „Deine Mama hat die gleiche Haarfarbe wie du – welche Haarfarbe hast du?“
R.: „Braun!“
Ich: „Richtig, ihr habt beide braune Haare. Und ich, welche Haarfarbe habe ich?“
R.: „Grau!“

Autsch 😀 Aber sie hat sicher Recht, mir wachsen bestimmt schon irgendwo ein paar graue Haare, kein Wunder bei all den nervenaufreibenden Momenten täglich 😉

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Situation 2:

C. kommt oft verkeidet oder geschminkt in die Kita und stellt sich auch selbst ihre Outfits zusammen, was ich persönlich total schön finde. Es sieht sehr abenteuerlich, bunt und zusammengewürfelt aus und es ist genau dadurch total erfrischend. Wir stehen neulich zusammen auf dem Flur.

8483333-cute-girl-cartoon-presentingC.: „Katharina, findest du mich hübsch?“
Ich: „Findest du dich denn hübsch?“
C.:“Mmh-mmh!“ (enthusiastisches Kopfnicken)
Ich: „Das ist das Wichtigste!“
C. „Und die anderen – sind die schön?“
Ich: „Findest du sie schön?“
C.: „Nö!“

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Situation 3:

Ich sitze mit den Jungen am Frühstückstisch. Ein Junge bemerkt, dass ich vom gemeinsamen Obst nasche.

shy-smiley-face-clip-art-509742D.: „Du hast ja gar nichts zu essen mit !“
Ich: „Ja, heute ist ein verhexter Tag! Ich hatte keine Milch für’s Frühstück, die war nämlich schlecht und ich hatte vergessen, neue zu kaufen. Essen habe ich auch nicht mitgebracht, das habe ich auch vergessen – ein Glück, dass ich nicht auch vergessen habe, mir etwas anzuziehen. Dann wäre ich ja nackig gekommen und hätte wieder gehen müssen!“
D.: „Neeeein, du hättest ruhig bleiben können!“


Schade, dass ich nicht einfach mit einem Diktafon durch die Kita laufen und alles aufnehmen kann. Manchmal lockert so ein Witz eine angespannte Situation auf, sodass die Kids und ich zusammen lachen, anstatt uns böse anzustarren; manchmal ist er so clever, dass ich staune; manchmal kann ich in solchen Situationen auch wichtige Lerninhalte vermitteln, wie z.B. in der Situation mit C. Die Arbeit mit den Kids ist einfach herrlich – da sind die paar grauen Haare, die ich bestimmt schon habe, zu verschmerzen 😉

Lucky me

Manchmal wünschte ich, mein Leben wäre aufregender. Irgendwie bunter. Ereignisreicher. Ich würde gerne andere Zutaten für meine Lebenssuppe verwenden als Aufstehen, Arbeit, minimale Freizeit und Schlafen. Ich habe diesen einen Freund, der in 5 Schritten von seinem Bett an den Strand stolpert, surft, auf Slacklines balanciert, mit Freunden Cocktails trinkt, indoor an Kletterwänden klettert, Quad fährt, reitet und was weiß ich nicht noch alles Tolles mit seinen 24 Stunden anfängt. Mein Leben erscheint mir dann im Vergleich immer so klein und grau und langweilig.

Als er mich gestern fragte, wie mein Tag so war, erzählte ich folgendes:

„I worked today. It was a good day. I love the kids, I really do. We built blanket forts and read books and cuddled, we sang songs and we went on the slide and the swings. And a girl told me she loves me. It was a really good day.“

Erst nach dem Tippen ist mir die Magie aufgefallen, die ich da beschrieben habe. Es braucht nicht immer große, aufregende und ausgefallene Dinge, um den Tag wundervoll zu machen. Dieser Tag war gefüllt mit Sonnenschein und Lachen, mit Umarmungen und albernen Grimassen, mit Abenteuern und Freude. Und diese Magie wirkt irgendwie auch heute noch nach. Ich freue mich auf die Arbeit, meine Kollegen, auf die Kinder und den Trubel, der heute wieder meine „kleine, graue und langeweilige“ Welt durcheinander bringen wird.