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Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 2

Herzlich Willkommen zu Teil 2 von „Alles neu!“ Wir waren stehen geblieben an dem Punkt, an dem meine Pläne, als Lehrerin in Kolumbien zu bleiben, mit lautem Klirren zu einem beträchtlichen Scherbenhaufen zusammenfielen.

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Angie und ich bei einem die Seelenrisse kittenden Eis

Zum Glück gibt es Angie, meine beste Freundin in Kolumbien. Inmitten unserer jeweiligen chaotischen Leben haben wir uns getroffen und bei einem Picknick alles erörtert, auseinandergepflückt, zusammengesetzt und erneut durchgekaut, bis wir uns beide etwas leichter fühlten mit allem, was sich auf uns stürzt und uns unter sich begräbt. Es tat so gut, sich mit ihr alles von der Seele zu reden, alles 3x zu sagen, weil es so ätzend ist, und sich verstanden zu fühlen. Während dieses Gesprächs sprachen wir u.a. darüber, was denn im Falle einer Absage meine Optionen wären, und ich scherzte: „I’ll just go back to Australia.“ Und es war ein Scherz, ich schwöre. Doch wie es so ist, in jedem Scherz steckt auch ein Körnchen Wahrheit und ich konnte diese Idee nicht davon abhalten, sich in meinem Kopf und Herzen einzunisten.

Für alle, die 2013 noch nicht mitgelesen haben: ich habe damals als Backpackerin von Februar – Juli auf einer Rinderfarm im Outback gelebt und gearbeitet. Viele meiner damaligen Beiträge findet ihr ab Februar 2013 im Archiv bzw. unter der Kategorie „Farm Charm“.

Ich habe also Kontakt mit meiner Gastfamilie von damals aufgenommen und gefragt, ob sie mich eventuell wieder aufnehmen würden. Keine 12 Stunden später hatte ich eine Antwort und mir fiel der Mount Everest vom Herzen. Ich sei immer willkommen und müsse ihnen nur meine Reisedaten mitteilen. Gesagt, getan – ich buchte einen Flug, kümmerte mich um die jeweils nötigen Visa, schickte die Infos nach Australien … und machte mich Millionen Mal ans Aussortieren/Koffer-Probepacken. Geplant war, mit einem Touristenvisum 3 Monate in Australien zu bleiben und dann für einen Monat nach Kolumbien zurückzukehren, um mit Angel seinen Geburtstag zu feiern, bevor es am nächsten Tag zurück nach Deutschland gehen würde. Ich hatte mich gegen eine sofortige Reise nach Hause entschieden, weil ich so meine Auslandskrankenversicherung verlieren und dies eine sehr lange zeitliche Trennung von Angel bedeuten würde. Durch die Reise nach Australien bliebe die Versicherung bestehen und er und ich würden uns vor der unausweichlichen Trennung im Juli nochmal sehen.

Den Januar sollte ich ja sowieso bei meiner Gastfamilie in Kolumbien bleiben und ich habe ihnen dann noch den Februar gegeben, damit sie sich nach jemand neuem umschauen können. Ich fand es unfair, von heute auf morgen zu verschwinden (obwohl ich das gekonnt hätte), aber auf keinen Fall wollte ich bei ihnen bleiben. Das war eine gute Entscheidung. Mit dem Wissen, dass ich bald gehen würde, ließen sich der restliche Januar und der Februar gut überstehen, aber die Atmosphäre war keine schöne und verschlechterte sich zusehends. Zu vielen Dingen nickte ich einfach nur noch, weil ich keine Lust mehr hatte, mich darüber aufzuregen, aber ich fühlte mich zunehmend eingeengt und eingeschränkt, ungerecht behandelt und unwohl. Am Ende ging es dann tatsächlich im Streit auseinander, womit ich ja schon im letzten Jahr gerechnet hatte. Ich habe aber irgendwann genug davon gehabt, alles hinzunehmen, zu nicken und „ja und Amen“ zu sagen. Nicht nur das Aupair muss sich in gewissem Grade anpassen, sondern auch eine Familie muss sich auf die Bedürfnisse und Wünsche des Aupairs einstellen, und irgendwann habe ich meine Hacken in den Boden gestemmt und mich gegen die Zügel der Familie gewehrt. Kam nicht so gut an.

Am Samstag, 04. März, zog ich aus, ohne richtiges Abschiedsgeschenk von der Familie und tatsächlich auch ohne Abschied von Seiten meines Gastvaters, der mich gegen Ende komplett ignorierte. Ich konnte nur den Kopf schütteln, denn obwohl die letzten Tage alles andere als schön waren, hatte ich Abschiedsgeschenke für die Familie vorbereitet.

Ich zog bis Montagabend zu Angie. Koffer, Boxen und Taschen ließ ich bei Angel, zu dem ich Montagabend ziehen sollte. Mit meiner Reisetasche machte ich mich nach einem kurzen Treffen mit Angel mit dem Bus auf den Weg nach Villa del Rosario, wo Angie mich vom Bus abholte. Die Familie hatte mir untersagt, Angie dort zu besuchen, aus „Sicherheitsgründen“. Dass sie mir damit die Chance nahmen, meine beste Freundin zu sehen und ihre Familie kennenzulernen, berührte sie nicht. Umso mehr genoss ich es, dass mich Angies Familie so selbstverständlich aufnahm, als gehörte ich schon ewig dazu. In diesen 2,5 Tagen habe ich mich wohler gefühlt in einem zu Hause als die letzten 8 Monate zuvor. Mir wurde klargemacht, dies sei jetzt auch mein zu Hause, ich solle mich wohlfühlen. Wir aßen zusammen, unterhielten uns, scherzten, lachten, tauschten uns aus, halfen einander. Ich fühlte mich so geborgen und angenommen und die Zeit mit Angie zu verbringen, war so wunderbar. Ich kochte für ihre Familie Kartoffelpuffer, um mich zu bedanken für alles, und als ich mich am Montagnachmittag verabschiedete, wurde ich so herzlich gedrückt und die Einladung, im Juni wieder bei ihnen zu wohnen („Eres bienvenida siempre, esta es tu casa“), klang schon fast wie eine Feststellung, als sei es klar, dass ich dann wieder bei ihnen wohnen würde. Ich lief über vor Dankbarkeit und Zuneigung.

Ich erledigte noch einige Dinge, bevor ich zu Angel fuhr und verbrachte die letzten Tage dort recht unabhängig. Dienstag hatte ich zum letzten Mal Physiotherapie, ging zum Friseur, erledigte noch ein paar Einkäufe, schrieb ein paar Nachrichten und kochte abends wieder Puffer, diesmal für seine Familie. Am Mittwoch lud er mich zu einem vegetarischen Mittagessen ein (überlaufendes Herz und strahlendes Gesicht meinerseits) und danach fuhren wir zu Freunden seiner Familie, wo extra für mich noch eine kolumbianische Spezialität gebacken wurde. Ich hab leider vergessen, wie sie heißt, aber sie erinnert mich an eine Mischung aus Fladenbrot und Pfannkuchen, und ist an sich schon ziemlich süß, aber die Kolumbianer  essen sie mit leche condensada (Kondesmilch) – und zwar richtig, richtig viel. Ich habe einfach weniger davon über die Fladen gegossen und es war sooo lecker! Das war ein schönes Abschiedgeschenk.

Von allen meinen Freunden hatte ich mich in meiner letzten Woche bei der Familie verabschiedet. Jeden Abend war ich froh, die Haustür hinter mir zuzuziehen und mich auf Menschen freuen zu können, die gerne Zeit mit mir verbringen, an mir interessiert sind und die meine Ansichten teilen. Schon lange vorher traf ich Francisco, mit dem ich Eis gegessen habe, bevor er selbst zurück nach Venezuela gereist ist, wo er lebt. Ich lief in Horacio hinein und freute mich total über dieses spontane Treffen. Marcela und Carol, die selbst je 2 Aupair-Jahre in den USA hinter sich hatten, luden mich zu einer Pizza ein, nach der ich endlich mal richtig satt war, und wir sprachen über das Aupairleben, Gastfamilien, ihre jetzige Arbeit, Sprachen lernen, was wir zusammen erlebt haben und was die Zukunft für uns wohl bringen würde. Ich traf Rafael, mit dem ich redete und redete, ich traf Alejandra, die mir ein wundervolles Abschiedsgeschenk machte und mit der ich das ganze Treffen lang auf Spanisch sprach – und es fiel mir nicht mal schwer! Ich traf Jaime, dem ich über die Maßen dankbar einen Berg ausgeliehene Bücher zurückgab und ich traf Jodi, mit der ich ebenfalls Eis aß und zum letzten Mal tiefgründige Gespräche führte.

Alle meine Freunde und Bekannten vom Spielplatz hatte ich in den vorangegangenen Tagen davon unterrichtet, dass ich bald gehen würde und sie kamen nach und nach, um mich zu umarmen, sich zu verabschieden, Nummern auszutauschen und noch ein letztes Foto mit mir zu machen. Meine beste Spielplatz-Freundin Juliana und ihre Mama Ximena machten mir ein Geschenk, und das war so wunderschön, weil es unerwartet war: eine Zeichnung samt Brief von Juliana und ein Gutschein für eine Mani-Pedi, zum Entspannen! Das hat mich über alles gefreut, weil es in krassem Gegensatz zu den nicht vorhandenen Geschenken meiner Gastfamilie stand. Zu sehen, dass sich Menschen auf dem Spielplatz so sehr um mich kümmern und sich solche Gedanken und Mühen machen, hat bewirkt, dass mir warm um’s Herz wurde. Und an meinem letzten Tag auf dem Spielplatz kam sogar mein Pflegehund nach Wochen der Abwesenheit mal wieder vorbei und brachte uns nach Hause. Ich habe mich so unendlich gefreut, Caramelo noch ein letztes Mal zu sehen und in den Arm nehmen zu können. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen, genau so wie Maria Elizabeth, mit der ich mich am Montag vor der Manip-Pedi-Behandlung nochmals traf und Geschenke, Neuigkeiten und eine feste Umarmung austauschte. Meine Freunde werden mir sehr fehlen, das ist sicher.

Mittwochabend finalisierte ich mein Packen, zog mich um und verabschiedete mich von Angels Eltern. Wir luden das Gepäck ins Auto, stiegen ein und fuhren zum Flughafen. Es wurde nochmal stressig, weil die Unterkunft, die ich mir in Bogotá organisiert hatte, in letzter Minute geplatzt ist und wir meine neue SIM-Karte nicht aufladen konnten … Das Aufladen hat Angel dann erledigt, während ich schon über den Wolken dahinsegelte (von Cúcuta nach Bogotá) und eine Ersatzunterkunft hatte er mir auch noch organisiert. Die ist dann leider auch nicht zustande gekommen, sodass ich sehr provisorisch am Flughafen in Bogotá gecampt habe, bevor ich 8.10h am nächsten Morgen kolumbianischen Boden hinter bzw. unter mir ließ. Davon, von meiner laaaaaangen Reise, von allem was davor (seit dem letzten Post) und vor allem auch davon, was seit meiner Reise passiert ist, erzähle ich euch im nächsten Post … Was jetzt wichtig zu wissen ist, ist: ich bin heile angekommen und habe euch nicht vergessen.

Ein Gruß aus dem australischen Outback …
… y un abrazo fuerte! 

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Kolumbien, du wirst mir fehlen!

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Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 1

Nachdem ich euch über die letzten Wochen aus meinem bewegten Dezember berichtet habe, muss ich euch endlich mal auf den neuesten Stand aus 2017 bringen. Es hat sich so ziemlich alles geändert, was sich ändern kann, und der Bericht ist so lang, dass ich ihn in zwei Teilen schreiben werden. Hier Teil 1.

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IMG_9483 (2)Im Dezember bin ich nach Peru gereist (Berichte dieser Reise muss ich leider auf unbestimmte Zeit verschieben), um das Land zu verlassen und ein neues Touristenvisum über 90 Tage ausgestellt zu bekommen. Das hat nicht so geklappt, wie es sollte. Ich habe am Flughafen in Bogotá nur einen 7-Tage-Stempel bekommen, weil der Beamte meinte, dies seien die Tage, die von meinem alten Visum noch „übrig“ wären. Ich müsste zur Migrationsbehörde in Cúcuta, und da würde ich dann ohne Probleme (haha …) meine neuen 90 Tage bekommen. Angel und ich sind also am 03. Januar zur Behörde gefahren und dort wurde mir gesagt, wenn ich in 2017 ein neues Visum beantrage, müsste ich auch in 2017 das Land verlassen und wieder einreisen. Diese Info war komplett gegensätzlich zu den Infos, die wir zusammen im Dezember eingeholt hatten – ich war so wütend! Wir hatten extra gefragt, ob es egal sei, in welchem Jahr die Ausreise stattfindet … Tja, aber wir mussten eben mit den Infos arbeiten, die wir zu diesem Zeitpunkt hatten.

Wir standen also geschockt und planlos da … und schließlich setzten wir uns ins Auto und fuhren zur Grenze mit Venezuela. Das war die einzige Möglichkeit für mich, in meinem Zeit- und vor allem auch Finanzlimit das Land zu verlassen, wieder einzureisen und dadurch einen neuen Stempel zu erhalten, den ich ja nun mal brauchte. Diese Möglichkeit hatte Angel schon im Dezember vorgeschlagen, ich hatte mich aber dagegen ausgesprochen, denn es besteht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Venezuela, und meine Reisekrankenversicherung übernimmt keine Kosten für Behandlungen von während dieser Reise entstandenen Verletzungen. Ich war so wütend auf die kolumbianischen Behörden, da es nie eine Antwort gibt, auf die man sich 100%ig verlassen kann – spricht man mit einer anderen Person, bekommt man ganz andere Infos!

Die Ausreise klappte problemlos – nach endlosem Warten in einer Schlange fragte der Beamte auf der kolumbianischen Seite mich lediglich, was um alles in der Welt ich denn in Venezuela wollte? Wäre er Deutscher, würde er definitiv nach Deutschland reisen – zack, hatte ich meinen Ausreisestempel, ohne dass er eine Antwort erwartete. Wir machten uns auf den Weg über die Brücke, die die beiden Ländern verbindet, und stellten uns aus der venezuelanischen Seite in die Schlange, die sich vor dem Büro formte. Ich musste schließlich alleine hinein, Angel durfte nicht mit. Dieser Beamte war weniger freundlich – was ich hier wollte, wo ich denn hinreisen würde, wie ich dahinkommen wollte, wie lange ich bleiben würde … Ich wurde ganz nervös, weil ich natürlich keine guten Antworten parat hatte. Ich gab also vor, nicht antworten zu können und der Beamte wurde böse. „No entiendes español?!“, zischte er mich an. Ich erwiderte: „Sí, le entiendo, yo entiendo más que hablo y es difícil explicar lo que voy a hacer.“ – „Doch, ich verstehe Sie, ich verstehe mehr, als ich spreche und es ist schwierig, zu erklären, was ich machen werde.“ Grummelnd, kopfschüttelnd und alles andere als zufrieden drückte mir der mürrische Beamte dann einen Stempel in den Pass. Als ich wieder aus dem Büro kam, bedrängte mich Angel: „Was wollte der denn alles wissen?!“

Wir setzten uns auf den Bordstein, Angel kaufte uns je ein Eis und wir redeten 20 Minuten über alles und nichts. Dann besorgten wir Angel ein Papier, das er zur Ausreise brauchte. Idiotisch, da auf dieses Papier alle Infos geschrieben werden, die auch auf seiner ID stehen. Muss aber gemacht werden, sagte er. Als der Ausreise-Beamte feststellte: „Ihr seid doch gerade erst eingereist!“, hatten wir unsere Story bereit, aber erstmal versuchte es Angel mit „Sí, pero tenemos que volver.“„Ja, aber wir müssen zurückreisen.“ und für diesen Beamten reichte das. Wir schlenderten also wieder über die Brücke zurück nach Kolumbien, reihten uns wieder in die Schlange ein und als ich vorgerufen wurde zum Beamten, war ich erleichtert, dass wir uns eine Geschichte überlegt hatten.

Er: „Du bist doch gerade erst ausgereist!“
Ich: „Ja, mit meinem Freund, wir wollten seine Freunde besuchen, aber wir müssen zurück.“
Er: „Warum denn das?“
Ich: „Er wurde angerufen, jemand aus seiner Familie hatte einen Unfall.“
Er: „Und warum reist du nicht alleine weiter?“
Ich: „Naja, es sind seine Freunde, die wir besuchen wollen und außerdem ist mein Spanisch nicht so gut, dass ich mich sicher fühle, alleine zu reisen.“
Er: „Und wo geht es jetzt für dich hin?“
Ich: „Nach Cúcuta!“
Er: „Und wo wirst du wohnen?“
Ich: „Bei Freunden.“
Er: „Hast du die Adresse?“
Ich: „Ja, die ist sicher im System gespeichert, das ist Ave… “
Er: „Okay, will ich jetzt gerade gar nicht wissen.“

Und mit einer wegwerfenden Handbewegung wendete sich der Beamte meinem Pass zu. Ich starrte ihn verwundert an – warum fragen, wenn die Antwort nicht gewünscht ist? Keine drei Sekunden später fragte er mich mit triumphierendem Blitzen in den Augen, warum ich denn nicht am Tag vorher ausgereist sei.

Ich: „Weil wir die Freunde meines Freundes heute besuchen wollen. Warum fragen Sie?“
Er: „Weil dein Visum nur bis gestern gültig war.“
Ich: „Ja, das ist der alte Stempel, aber da ist ein anderer, mit dem ich bis zum 06. bleiben darf. Ich bin letztes Jahr ausgereist.“

Und ich zeigte ihm den neuen Stempel, den ich am Flughafen bekommen hatte. Er zog die Nase hoch, wackelte mit den Augenbrauen und wendete sich seinem PC zu. Ich versuchte mich erst gar nicht mehr am Smalltalk. Mit einem vernichtenden Blick in meine Richtung stempelte er schließlich meinen Pass ab und schob ihn mir über den Tresen zu. Ich bedankte mich artig und gesellte mich zu Angel. Zusammen gingen wir zum Auto und fuhren zurück nach Hause. Das war vielleicht ein Akt!

Zu Hause angekommen, machte ich mich dann an die Beantragung des Arbeitsvisums, das ich für meine Arbeit im Februar brauchen würde. Auf der Webseite hieß es: „Sie werden wohl mindestens 15 Minuten brauchen, um dieses Formular auszufüllen.“ Ich habe mir schon gedacht, dass es länger dauern würde, war aber nicht vorbereitet auf anderthalb Stunden!! Das war alles auf Spanisch und dementsprechend schwierig, und die englische Übersetzung war ebenfalls irreführend … Fehler kann man sich bei sowas ja eher nicht leisten. Als ich dann endlich fertig war, hab ich 3 Kreuze gemacht, das könnt ihr mir glauben. Leider war auch die Bezahlung superkompliziert, da ich die vorgeschlagenen Methoden allesamt nicht nutzen konnte und auch Angel mir damit nicht helfen konnte … Zum Glück traf ich mich nachmittags mit meinem Freund Jaime, und während unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass er mir mit einer Zahlungsmethode helfen konnte. Zum Glück! Als das dann endlich vom Tisch war und ich am 05.01. ins Institut ging, um mir alles erklären und Messungen für meine Uniform durchführen zu lassen, war ich richtig erleichtert und vorfreudig: jetzt konnte ja nichts mehr schiefgehen!

Ich hatte anscheinend in den 6 vorangegangenen Monaten nichts gelernt. Kaum öffnete ich nach dem Besuch im Institut mein Emailpostfach, hatte ich eine Nachricht vom ministerio. Sie bräuchten ganz andere Unterlagen, ich müsste dies löschen und jenes einschicken usw usf … Zum Muckenpucken! Nach einem Gespräch mit der Direktorin, in der ich die geforderten Dokumente benannte und sie mir in sehr klarem und unhöflichem Ton erklärte, ich müsste zusehen, wie ich das regeln würde, von ihr würde ich die Dokumente nicht bekommen, war ich weit entfernt von meinem positiven Vormittagsgefühl. Ich war verzweifelt, alleine und hilflos. Mir war plötzlich klar, dass ich nicht in Kolumbien bleiben würde, weder, um für dieses Institut zu arbeiten, noch, um in der Familie zu bleiben. Trotzdem machte ich weiter, denn was blieb mir anderes übrig? Angel half mir, eine Antwort in beamten-spanisch zu verfassen und ich schickte sie ab. Ein paar Tage später kam die Antwort, die ich erwartet hatte und ich teilte der Direktorin die Absage des Ministeriums mit und dementsprechend auch meine eigene. Damit hatte das Kapitel „profesora de inglés in Cúcuta“ geendet, bevor es angefangen hatte.

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Teil 2 folgt hier!

Aventuras Nuevas – Why I Sometimes Hate It Here – Stuff I Need To Get Off My Chest

First of all I need to tell you how grateful I am for the ’save and edit later‘ function on here because if I had posted right away what poured out of my poor heart and soul yesterday night – or actually last morning at 1am – this post would have been quite disturbing for some of you.

After an average day of a few good and a few bad moments it all came tumbling down around midnight. Right after waking up in the morning I had to deal with a text from home which unfolded into an argument and in the course of the day into something huge and time consuming. This had me start my day off with a heart beating an uncomfortable rhythm of anger and frustration.

Later in the morning a woman came around to visit (she was someone who knew someone who knew someone of my hostmum’s family) and while she greeted me with the obligatory kiss on the cheek and „Hola, cómo está?“, in the course of the conversation with my hostmum she kept talking about me right in front of me. I was there to listen to her talk about me. The fact that she did it and the way she did it made me feel inferior and invisible.

In the park when Anja and I wanted to enjoy our drumming session on the blue plastic chairs the owner of the kiosk there had the nerve to approach us and take Anja down from the chair without my permisson and tell me in Spanish why he thought it was a bad idea to put her there. I was RIGHT THERE in front of her and he thought she wasn’t safe and I was doing the wrong thing. I felt so indignant and thrown off my guard – but at the same time I felt speechless.

I had noticed that I felt more tense with the girl for a couple of days and couldn’t tolerate as well as before some things she did. I felt really stressed for reasons I couldn’t put my finger on, which stressed me even more. I tried to push it away and shrug it off. Until last night when I suppose my guard was down and I was tired and I had felt emotional all day. Everything had been building up inside of me and suddenly all these intense feelings that I hadn’t allowed myself to feel before washed over me and I couldn’t breath and there was no other thing I could do than burst into tears. I couldn’t hold in any longer and I burst into tears because… sometimes I hate it here.

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That process of bursting into tears started with Angel suggesting that we start speaking more Spanish when we text so I could practice. He said I was in a comfort zone with the mum speaking German and him speaking English. I never speak Spanish in front of him, just about „class things“, and even that I dislike. I couldn’t figure out exactly why but at his suggestion last night, everything in me screamed „No, please, not you, too!“
There are a couple of other people that I text with who can speak only Spanish. Everytime I receive a text from them I feel like I’ve just been given a huge task. I need to look up every second word to understand what they say, and then I have to think about what I want to reply, and then think about how I can say that in Spanish in a non-complicated way and then I need to look up verb forms and words and hope I get the meaning right and put everything in the right order when I compose my sentence. It’s work, it’s bloody hard work, and I still can’t say exactly what I want and feel. Also I still make mistakes after putting so much effort into my answer. It’s so frustrating and it feels like I’m on a test, not like I’m chatting with a friend. It makes me feel really awful and lonely.

However, with Angel I’m really comfortable and he’s become a close friend, considering what I told him about me in the amount of time we’ve known each other. I trust him like I trust my friends at home and we joke easily, like friends who have known each other for a long time do. He has more of an idea of my personality than anyone else here seeing that I can be more of myself with him than with any other person. Because he’s a friend, not an employer or outstander or shop assistant or whatever. Sometimes he’s my teacher (and I’m his) but most of all we’re friends.

So when he suggested speaking more Spanish, I felt my friend turn into a teacher in our „spare time“, too, and I don’t want any more pressure on me, having to speak Spanish. By starting to watch my language, too, like everyone else constantly does, he will take away something from me that I need more than learning a bit of Spanish grammar or words. It’s hard enough not being me during the day when I have to deal with people who don’t understand me (language and personality wise) and when I can’t express my feelings in a proper fashion, so when I talk to a friend I want to do it without having to think about every word in every sentence. Also there is a difference in conveying feelings – in Spanish I write bare sentences without (my real) feelings most of the time. In English I know how to express annoyance or anger, joy or interest, zest or excitement. I know how to be caring and helpful, cheesy and sneaky and funny and witty. I Spanish I don’t and therefor I am not any of these things.

So his offer (even though coming from a good place) pushed me over the edge of the emotional cliff I’d been balancing on all day. Because I am definitely not in a comfort zone. The mum is an employer, even though we get on really well. It’s still different to chatting with a friend though. The people I speak to daily are not friends. They don’t get me and collectively, they make me feel horrible and stupid and hate the language and the idea of coming here and they make me miss my friends so badly and also they make me want to go home. So after pouring my heart out to poor Angel (bless him, he dealt with me really well) and saying goodnight I kept crying it all out and then I felt like writing it all out, too. So, at 1am, I sat in front of my computer, the light of which was blinding my swollen panda eyes (yes, I forgot to take off my make up … and yes, you are allowed to laugh at this image of me squinting my eyes like a granny panda), sniffing occasionally and putting on paper (well, screen really) everything that I couldn’t and didn’t want to hold inside.

So, if you are interested in how I felt at the dead of night yesterday, you are most welcome to read on (the italic part at the end of the post). Bear in mind that these are unreflected thoughts of the tired, emotional, annoyed and lonely part of my being. Today I have still been very emotional and a bit quite embarrassed by my outburst with Angel, but I had time to reflect on what I’m feeling and why I’m feeling it and everything you’ve read up to here is the result of my thinking. So if you’d rather not read on and spoil the impression it’s fine as well.

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Thank you for bearing with me on this (emotional) rollercoaster that is my life at the moment. I’m still adjusting to everything here and it’s tough – though according to Angel I’m too Colombian already a veces. Well, I don’t know about that …

Un abrazo grande! xx

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I sometimes hate being here because I don’t have any friends. I cannot be myself because I’m lacking the language. I feel like there are people looking down on me and think that I am stupid just because I can’t understand them or voice my opinion. They think I don’t have an opinion when all I’m actually missing are the words to voice it. I hate it that I can’t buy myself clothes that fit. I hate being dependent on other people to tell me things or drive me somewhere or to deal with stuff I’d be able to deal with on my own at home. People think I’m inferior because I look different and can’t speak their language, so they think it’s okay to speak about me while I’m right in front of them. They think it’s okay to point their fingers at me or stare at me like I’m an object in a museum. They think it’s okay to want to take pictures of me with their kids because I’m obviously a rarity. And they think it’s okay to take pictures of me without my consent because I can’t object in their language. They think it’s okay to call me names and they also think it’s okay to stare at me like I’m a piece of something on a market table they can choose and take home. And you know what? They also think I am not responsible and taking care properly. They think because I’m doing it differently from the way they do it I’m not responsible and caring and loving and basically not doing it right. And it hurts. What these people keep forgetting is that I am a person with feelings and perception like anyone else. I may not completely get every single word they say but I get what they say about me when they think I don’t. I hear them talking about me and I see them looking my way and whispering to their friends and pointing their fingers at me. I feel their disapproving stares behind my back when they think I can’t see and I hate it when they come over to me and tell me what to do in a voice like I’m stupid and not capable of doing anything. I hate it when they snigger with their friends and colleagues behind my back and exchange glances like I can’t see that. These people make me hate being here and hate the language and regret the idea of coming here and want to go home. And I’m not in a comfort zone. At all. It may look like I am but I am not. I don’t have friends here and I’m missing them. I miss talking about big and small things that move our worlds and that we can share, and meeting to go for a walk and being able to stay home because I want to, not because I don’t have anywhere else to go. I miss being able to just trust someone. I hate the time difference because when I get up my friends’ days are halfway done and it feels like I can’t share anything with them … or anyone. I hate it because I feel lonely and misunderstood.

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Aventuras Nuevas – El Club de Cazadores: Jäger? Vielleicht Sonnenjäger! ☼

Hallo liebe Lebensmaler,

ich habe euch bisher ziemlich wenig von meinem Alltag und meiner Umgebung erzählt, weil ich am Anfang so mit mir selbst beschäftigt war und dann plötzlich alles auf einmal passiert ist und ich gar nicht hinterhergekommen bin mit dem Fühlen, Erleben, Verarbeiten und Berichten. Ich versuche jetzt, mich langsam an alles heranzutasten und heute möchte ich euch vom „Club“ erzählen.

Hier in Cúcuta ist es ziemlich heiß. Wir haben zwar gerade Winter, aber alles, was das anscheinend bedeutet, ist, dass mehr Wind weht als sonst. Wir haben fast jeden Tag Temperaturen zum wortwörtlichen Dahinschmelzen: zwischen 33°C und 40°C ist alles möglich, und wenn wir Glück haben, wird es abends „kühler“ (30°C).  Nach dem Duschen und Abtrocknen bin ich bereits wieder durchgeschwitzt, aber ich habe mich schon darauf eingestellt, denn prinzipiell mag ich Hitze lieber als Kälte.

Gleichzeitig bin ich aber auch großer Fan davon, mich abzukühlen, und Schwimmbäder eignen sich dazu bestens. Leider gibt es hier wenig öffentliche Schwimmbäder und keins in der Nähe, sondern meist private Schwimmclubs, in denen man Mitglied sein muss. Als ich hier ankam, konnten wir noch auf Einladung einer Freundin der Familie einen Club besuchen, diesen also quasi zwei Monate „testen“, aber die einmalige Mitgliedschaftsgebühr und monatlichen Kosten waren exorbitant und standen in keinem Verhältnis zu dem, was uns geboten wurde. Das Kinderbecken war okay, hatte aber eine „im Wasser-Bar“, wo Erwachsene sich nachmittags um 16h ihre Cola mit „güisqui“ (spanische Schreibweise von „Whisky“) hinter die Binde kippten und megalaut Charts hörten. Das Schwimmbecken war recht klein und meist fand zu der Zeit, in der wir dort waren, Schwimmunterricht statt und zwar von rechts nach links und nicht entlang der langen Seite. Keine Ahnung, warum, aber das ist hier so üblich, und es bedeutete, dass wir nicht ordentlich schwimmen konnten, was uns allen wichtig war.

Seit zwei Wochen sind wir aber Mitglied im Club de Cazadores, also „Club der Jäger“, der ca. 10 Gehminuten von uns entfernt ist. Auf der Website sah er sehr schick aus und während Renata alles mit der Clubleitung regelte, erkundeten Anja und ich die Umgebung. Es gibt ein großes Schwimmbecken mit unterschiedlichen Tiefen, ein flacheres Kinderbecken, genug Sitzmöglichkeiten, sowohl überdacht als auch unter freiem Himmel, eine Bar und ein paar kleine „Lädchen“ für Eis oder Säfte, ein Nagelstudio, ein Spa, eine Sauna und ein Fitnessstudio, einen Spielplatz und mehrere Sportplätze, auf denen unterschiedliche Sportarten gelehrt und betrieben werden. Leider gab es sehr wenig Grünfläche, aber immerhin ein kleines Eckchen Rasen. Das alles hörte sich ziemlich gut an und war auch auf den ersten Blick wirklich toll. Nach einigen Besuchen entdeckten unsere kritischen Augen (und Ohren) einige Mängel, mit denen wir aber trotzdem leben können.

Es gibt zum Beispiel ein erhöhtes Podest mit riesigen Boxen, aus denen den ganzen Tag laute Musik läuft – das Leben hier wird überall von Musik begleitet (im Schwimmbad, im Einkaufszentrum, in den einzelnen Läden, beim Friseur, im Nagelstudio, …) und es ist auch keine Seltenheit, dass aus verschiedenen Boxen verschiedene Lieder laufen – es entsteht ein Wettbewerb, wessen Musik lauter aufgedreht werden kann. Niemand beschwert sich jedoch, auch wenn man sein eigenes Wort nicht verstehen kann. Das Leben in Kolumbien ist wohl einfach so – die Leute werden nervös, wenn es zu leise wird. (Auch abends dringen oft aus verschiedenen Bars laute Musik, Gesang oder Stimmengewirr zu mir ins Schlafzimmer, das dementsprechend zum Wachzimmer wird.) Das Fleckchen Rasen, das wir im Club zu unserem Platz auserkoren haben, ist leider direkt unter den Boxen und so bitten Renata oder ich regelmäßig darum, die wummernde Discomusik oder die spanischen Rhythmen doch bitte leiser zu stellen. Wir werden ebenso regelmäßig verwirrt angeschaut und belehrt, das müsse so sein. Wie unhöflich von uns, den anderen Leuten die Musik nicht zu gönnen! Also ehrlich. Tztztz. Manchmal machen wir aber auch einfach übertrieben Party – wir klatschen und wippen im Takt der Musik, bewegen die Köpfe ruckartig nach vorne und hinten und machen mit Armen und Beinen die tollsten Verrenkungen. Anja findet es genial und wir lachen uns schlapp.

Auch in diesem Schwimmerbecken wird im Schwimmunterricht von rechts nach links geschwommen und nicht längs – ich frage mich wirklich, was das soll? Hier werden aber zwei Bahnen abgetrennt, damit man dort in Ruhe schwimmen oder einfach sein kann, was uns gut gefällt. Blöd ist, das beide Becken immer in der prallen Sonne sind, aber man kann ja nicht alles haben. Wir bleiben meist so 20 Minuten im Wasser, dann machen wir Snackpause und danach geht Renata ihre Bahnen ziehen, während Anja und ich den Club erkunden. Wir entdecken die Duschen, sammeln Müll auf und bringen ihn in die bereitgestellten Mülleimer (Anjas Hobby), rocken ab zur Musik, die aus den Lautsprechern oder aus dem Fitnessstudio schallt und freuen uns, wenn andere Leute mitmachen, schauen uns ein Basketballspiel an oder vergnügen uns auf dem Spielplatz. Leider liegen auf dem Boden oft Scherben, Drahtstücke oder kleine Haufen Kot, sodass ich immer beide Augen auf den Boden gerichtet habe, um Unfälle zu vermeiden. Laut Clubordnung und Leitung sind Hunde verboten und es ist uns ein Rätsel, wieso die braunen Haufen regelmäßig auftauchen – und vor allem nicht entfernt werden! Auch der Spielplatz hat seine Tücken. Viele Oberflächen sind aus mir unerklärlichen Gründen aus Metall, was natürlich total Sinn ergibt für Spielgeräte, die die meiste Zeit in der prallen Sonne stehen, da werdet ihr mir sicher zustimmen. Manche Geräte sehen auch nicht sehr vertrauenerweckend aus und einiges ist bereits kaputtgegangen, seit wir dort sind (nicht durch uns natürlich!). Es ist trotzdem schön, dass es überhaupt einen Spielplatz mit verschiedenen und tollen Geräten gibt und ich lasse Anja im Rahmen der sicheren Möglichkeiten so viel Freiraum, dass sie sich ungestört ausprobieren kann – und sie macht waghalsige Dinge, kann ich euch sagen!

Ich freue mich trotz mancher Mängel wirklich sehr, dass wir in diesem Club Mitglied sind. Den Weg alleine zurücklegen zu können gibt mir das Gefühl, mein Leben irgendwie in der Hand zu haben, wenn ihr versteht, was ich meine. Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, dass die Familie mich fährt, ich finde mich zurecht und tue etwas für meinen Körper und meine Gesundheit und gleichzeitig etwas gegen die ungesunde Energie, die machmal in mir brodelt und mit der ich nicht weiß, wohin. Das scheinen winzige Schritte zu sein, aber mit diesen winzigen Schritten gehe ich dem Gefühl entgegen, mich hier wohlzufühlen, und dieses Gefühl ist unglaublich gewachsen in letzter Zeit. Ich bin „gezwungen“, mich alleine mit Menschen auseinanderzusetzen und mit ihnen in Kontakt zu treten, sowohl auf der Straße als auch im Club, ohne Hilfe und Übersetzerin. „Gezwungen“ mit Anführungsstrichen, weil es nicht ein negatives Zwingen ist, sondern ein liebevoller, notwendiger Schubser in die Richtung, in die ich mir wünsche, zu gehen. Anfangs bin ich jedoch davor zurückgescheut, jetzt traue ich mich und das fühlt sich gut an. Ich bin mit der „realen Welt“ in Berührung und das macht es realer und leichter, ein Teil davon zu sein bzw. zu werden. Die meisten Leute, die ich bis jetzt dort oder auf dem Weg dorthin getroffen habe, waren jedenfalls sehr freundlich. Auf dem Weg lächeln mich viele Menschen an, grüßen mich, machen mir in der für sie eigenen subtilen Art Komplimente (z.B. Kussmünder begleitet von „Muy hermosa!“ oder „Muy bonita!“) oder hupen mich an. Im Club sind die Menschen ebenfalls sehr nett und überaus hilfsbereit, wenn sie merken, dass ich mit Spanisch noch unsicher bin. Sie versuchen sich in Englisch, versuchen, jemanden zu finden, der Englisch spricht oder nutzen Hände und Füße, um mir etwas zu erzählen oder zu erklären. Die Pförtner kennen mich schon, ist ja auch nicht so schwer, mich wiederzuerkennen als Blondine zwischen den Kolumbianern  😉 Sie machen mir die Pforte auf, ohne meinen Ausweis sehen zu wollen und wünschen mir wie selbstverständlich „Buenos días!“, worauf ich strahlend ebenfalls mit einem „Buenos días!“ antworte.

Morgens stehe ich jetzt meist gegen 6.15h auf, streife meinen Bikini über und mache mich auf den Weg, um vor der Arbeit in Ruhe einen Kilometer zu schwimmen. Ich brauche mich nicht zu beeilen, denn ich beginne meinen Arbeitstag erst um 10h, sodass ich mir oft die Zeit nehme, um mich auf den Liegen auszustrecken und der Musik zu lauschen, die manchmal anwesenden anderen Leute zu beobachten oder einfach in den Himmel zu schauen.

Ich weiß, dass ich hier ein sehr luxuriöses Leben führe und finde das einerseits toll, denn in Deutschland bin ich das in diesen Ausmaßen nicht gewöhnt, andererseits finde ich es schade, denn dies scheint nicht das Leben eines typischen Kolumbianers zu sein – vielleicht das der gehobeneren Schicht, ja, aber das Leben des Großteils der kolumbianischen Gesellschaft scheint sich sehr von meinem zu unterscheiden. Aber das ist nun mal so – in Deutschland gibt es ja auch nicht DAS typische deutsche Leben – ich bin mir sicher, dass sich das Lebens eines ALGII-Empfängers sehr von dem einer Anwaltsfamilie unterscheidet. Und egal, welches Leben ich hier kennenlerne – es ist auf jeden Fall anders als das, was ich in Deutschland führe und definitiv eine Umstellung, Erfahrung und Herausforderung! Ich werde mir Mühe geben, euch in Zukunft mehr davon zu berichten und teilhaben zu lassen – ich freue mich darauf, dass ihr mit mir mitreist und mir die Gelegenheit gebt, euch zu berichten.

Bis zum nächsten Post … un abrazo grande! x

Bienvenidos a Colombia!

Hallo ihr Lieben 🙂

Ich sende euch herzlichste Grüße aus Südamerika! Ich wollte euch eigentlich noch vor der Ausreise Bescheid geben, dass es losgeht, wann es losgeht, wie es mir geht … aber es war zu viel los! Ihr habt sicher auch gemerkt, dass meine Posts weniger wurden. Ich hatte natürlich immer noch eine Liste mit abertausend Dingen, die erledigt werden mussten und es kamen für eine abgehakte Sache zwei neue dazu. Besonders mit der Post hatte ich erhebliche Probleme.

Außerdem habe ich seit einigen Wochen mit einer Entzündung des Steißes zu tun, die äußerst schmerzhaft ist. Ich kann nicht sitzen, ohne dass es unglaublich doll wehtut und kann laut meinem Arzt nichts tun als warten und Tonnen an Schmerzmitteln schlucken. Die leider nichts helfen. Das hat mir ganz schön zugesetzt – ich habe mir wegen allem Sorgen gemacht: Kann ich so lange fliegen? Kann ich mit dieser Entzündung überhaupt mit der Kleinen spielen? Kann ich meinen Backpack benutzen oder brauche ich einen Koffer? Übernimmt die Versicherung die Kosten, wenn in Kolumbien etwas ist? Sollte ich die Reise absagen/verschieben?

glitter

Letzen Endes habe ich meine Reisekasse strapaziert, mir einen hübschen blauen Koffer gekauft und die Zähne zusammengebissen. Ich hab mich in meine Lieblingskleidungsstücke geworfen: meinen schwarzen Jumpsuit mit Palmen drauf, meine Chucks und meine graue, lange Strickjacke sowie meinen Hut und los ging es. Der Flug war echt hart, die Schmerzmittel haben einfach nicht mehr gewirkt und ich war total kaputt.
Am 7.7. fuhren meine Mama und ich morgens um 7h zu Hause los, um 10.35h verspätete sich der Abflug aus Hannover um eine Stunde, aber in Frankfurt blieb alles beim Alten. Der Flug von Frankfurt nach Bogotá verlief planmäßig, bis auf dass wir nicht pünktlich landen konnten. Das Fußballspiel wurde live übertragen und im Flugzeug waren auf fast allen Bildschirmen ein grüner Rasen und 20 flitzende Fußballer zu sehen. Das Endergebnis war leider nicht so ganz nach meinem Geschmack, aber wenigstens haben sich die mitreisenden Franzosen gefreut 😉

In Bogotá angekommen war ich überfordert. Ich dachte, die Beamten würden nett sein, würden sich bemühen, mir zu helfen, weil ich ja kaum Spanisch spreche und wir würden in einem lustigen Mix aus Englisch und Spanisch alle Fragen klären … nix da. Die meisten der Beamten waren kurz angebunden und offensichtlich genervt davon, dass ich ihre Sprache nicht sprach und sie sich nun selbst abmühen mussten mit Englisch. Manche lachten mich aus oder redeten einfach weiter auf mich ein, obwohl ich auf Spanisch erklärte, dass ich nur ganz wenig Spanisch sprechen würde. Sie verdrehten die Augen und schickten mich weiter zu ihren Kollegen, die allesamt eine „ist doch nicht mein Problem, du willst ja was von mir“-Ausstrahlung versprühten. Im Normalfall hätte ich schlagfertig auf deutsch ebenso schnell dahergebrabbelt, aber ich war einfach so kaputt und schmerzgeplagt und überfordert und außerdem wirklich auf Hilfe angewiesen …

Der einzige freundliche Mensch, der mir dort begegnete, war der Buskoordinator. Ich kam gerade zur Haltestelle, als der Bus, der die zwei Terminals verband, abfuhr. Er sagte etwas auf Spanisch, ich wiederholte mein Sätzchen, ich spräche nur ein bißchen Spanisch und er versuchte tatsächlich, sich mit Händen und Füßen verständlich zu machen. Das war Balsam für meine Seele! Als das weder für ihn noch für mich funktionierte, versuchte ich es so: „Escribir?“ Schreiben? Ich bekam ein Blatt und einen Stift und wir klärten unser Problem so. Alles war gut – er bot mir einen Sitzplatz an, ich verneinte lächelnd und dank jahrelanger Activity-Übung konnte ich ihm erklären, mir täte der Po weh. Diese Begegnung stellte mich ein bißchen wieder her.

Letztenendes lag ich nach der Busfahrt aber am Terminal 2 des Flughafens auf den beinharten Stühlen, die sich so einladend in meinen Rücken und meine Hüften bohrten wie Legosteine in Fußsohlen, und musste mich von einem älteren Herren anstarren lassen, der mich wohl sehr gerne ebenfalls in einer spanischen Schimpftirade davon unterrichtet hätte, was er davon hielt, dass ich mich ignoranterweise auf Sitzmöbel legte. Ich hatte keinen Nerv mehr zu gar nichts und ignorierte ihn mit unterdrückten Tränen in den Augen.

Auf dem Flug von Bogotá nach Cúcuta konnte ich tatsächlich ein bißchen schlafen und alles klappte gut. Ich glaube, wir hatten wieder Verspätung, aber durch mein Nickerchen habe ich nichts mitbekommen – außerdem habe ich kein Wort der spanischen Durchsagen verstanden. Ich hob mein Köfferchen vom Band und wurde von Renzo abgeholt, dem Papa der Familie. Wir erzählten ein bißchen auf Englisch und das tat so unglaublich gut! Einfach reden können und der andere versteht dich und ist nett zu dir.
Wir kamen irgendwann nach Mitternacht in meinem neuen zu Hause an und nach einer kurzen Email nach Hause habe ich mich sofort ins riesige Doppelbett geworfen und geschlafen. Es war so ein geniales Gefühl. Liegen, schlafen, nicht reden müssen in einer Sprache, in der ich niemanden verstehe und mich auch niemand versteht.

Ich wohne jetzt im 7. Stock des „edificio Caranday“ und habe mein eigenes Zimmer samt walk-in closet und en-suite bathroom. Hört sich sehr schick an, oder? 🙂 Ich muss es noch etwas persönlicher gestalten, diejenigen die meine Zimmer in Australien gesehen haben, wissen, was ich meine (Canberra, Farm). Ich bin ja aber erst 4 Tage hier und habe noch Zeit. Aus meinem Alltag berichte ich euch, wenn ich etwas mehr Zeit habe, aber hier seht ihr den Ausblick aus meinem Zimmer. Unglaublich schön, oder?

sunrise

Der lange Weg nach Kolumbien

Hallo ihr Lieben!

Nachdem ich euch jetzt schon auf eine kleine, virtuelle Reise durch meine Wohnung mitgenommen habe, wollte ich euch auch mal auf den neuesten Stand bringen, was meine echten Reisepläne angeht. Es hat sich einiges getan, seit ich das letzte Mal gepostet habe (zum Glück!).

Zum einen habe ich jetzt meinen Flug gebucht. Ich habe über mehrere Wochen immer mal wieder geschaut, aber wie bereits erwähnt, angesichts der Preise war ich nie versucht, auf den „buchen“-Button zu klicken. Nach wiederholtem JD806715 - KopieSuchen bin ich am 22. April endlich fündig geworden – per Zufall! Ich hab mich sehr gefreut, denn den Preis (1346€) fand ich für einen Hin- und Rückflug in der Hauptreisezeit und dann an Neujahr ziemlich günstig. Die Familie übernimmt noch die Hälfte, und ich kann bis Bogotá sogar mit meiner Wunsch-Airline fliegen, yay!   🙂 Am 07.07.2016 um 10.35h werde ich deutschen Grund und Boden in Hannover verlassen und gen Frankfurt fliegen, wo ich dann wieder selbigen Grund und Boden berühre. Kurze Trennung  😉 Dann geht’s aber recht fix weiter von Frankfurt nach Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien, dort komme ich um 19h an. Um 20.45 geht’s dann weiter ans eigentliche Ziel: Cúcuta im Departamento de Norte de Santander, an der Grenze zu Venezuela. Dort werde ich um 22h landen, und bis ich draußen bin, dauert es bestimmt ewig, vor allem, weil ich kein Spanisch kann. Die Familie wird mich abholen und ich hoffe, ich kann im Auto schlafen … Das wird also eine turbulente Reise werden!

Neben der Odyssee mit dem Flug habe ich auch endlich verstanden, wie das mit dem Visum ablaufen soll. Wir haben uns aus organisatorischen Gründen für ein Touristenvisum entschieden, das wird zunächst am Flughafen für 90 Tage ausgestellt, das kann dann kostenpflichtig um weitere 90 Tage verlängert werden. Dann muss ich ausreisen, um dann bei Einreise erneut ein 90-Tage-Visum ausgestellt zu bekommen, dass ich dann, wenn gewünscht, wieder für 90 Tage verlängern kann. Kompliziert ist einfach dagegen! Zum Glück übernimmt auch hier die Familie die Verlängerungskosten und die Ausreise ist kein Problem, da Marieke ja wie erwähnt in Bolivien sein wird und ich finde, dass ich sie nach 6 getrennten Monaten auch ruhig mal besuchen kann. ❤

Was habe ich noch auf Reihe bekommen? Ich habe endlich begonnen, meine Wohnung zu bewerben. Mit einigen der Fotos, die ich für die „Meine 4 Wände“-Strecke nutze, habe ich bei wg-gesucht und bei studenten-wg, in verschiedenen Gruppen bei facebook und per ebay-Kleinanzeigen nach einem Zwischenmieter gesucht. Ich möchte auf gar keinen Fall kündigen, denn ich liebe die Wohnung und sie ist mein zu Hause geworden, wie ihr ja auch gesehen habt. Gleichzeitig ist es illusorisch, zu glauben, dass ich nach einem Jahr wieder in diese Wohnung einziehen kann, wenn ich sie jetzt aufgebe. Ich kann ich es mir leider nicht leisten, die Miete ein Jahr zu zahlen, ohne dort zu wohnen, also ist ein Zwischenmieter die naheliegendste Lösung.

antrag-bLeider war die Resonanz auf meine Anzeigen sehr gering, was mich etwas gewundert hat. Einige der wenigen Bewerber konnte ich leider auch direkt aussortieren. Und dann kam Y. Die Art, wie er am Telefon mit mir gesprochen hat, fand ich zwar befremdlich, habe ihn aber trotzdem zum Anschauen der Wohnung eingeladen, denn absagen geht ja dann immer noch. Als er da war, habe ich mich geschämt. Er ist Asylbewerber, seit 1.5 Jahren hier und spricht für diese kurze Zeit sehr gut deutsch. Er hatte seine Deutschlehrerin dabei und war mir sehr, sehr sympatisch. Jetzt habe ich bereits die Hürde genommen, von dem Besitzer des Hauses die Erlaubnis für die Zwischenvermietung an Y. zu bekommen und habe mit Hilfe meiner tollen Immobilienmaklerin dieses Formular für’s Jobcenter ausgefüllt, das Y. benötigt, damit das Jobcenter die Mietkosten übernimmt. Ich hoffe sehr, dass das klappt, sowohl für ihn als auch für mich.

Neben der Vermietung der Wohnung musste ich mich natürlich auch um meine Krankenversicherung in Deutschland und den Auslandsreisekrankenversicherungsschutz während der Reise kümmern. Beim Tippen dieses Wortes ist mir klar geworden, dass es ein solches Wort NUR in der deutschen Sprache geben kann. Es hat 39 Buchstaben, also 1.5x so viele wie das Alphabet! Verrückter Sch. Jedenfalls habe ich erfahren, dass ich meine Krankenversicherung in Deutschland zwei Monate vor dem gewünschten Ende des Versicherungsschutzes kündigen muss. Das Problem ist, dass ich im Juli ja noch 6 bzw. 7 Tage hier versichert sein muss, also kann ich nicht zum 30.06. kündigen. Mit der Versicherungsgesellschaft habe ich das jetzt so geregelt, dass ich zum 30.07. kündige und für den Juli einen sogenannten Anwartschaftsbeitrag zahle, also nur anteilig. In meinem Fall sind das ~50€ statt 83€. Für 6 Tage finde ich das immer noch recht hoch, aber anders ist es nicht möglich.

Die ursprüngliche Idee, mich in Kolumbien über diecsm_versicherung_-_puzzle-gr_4a4961bc1f Versicherung der Familie mitversichern zu lassen, ist aus Kostengründen geplatzt und jetzt werde ich mich vermutlich mit der envivas versichern. Da habe ich auch schon meine Versicherung für die Tanzania-Reise abgeschlossen und alles verlief easy und problemlos. Das ist aber ein Punkt, den ich erst noch abhaken muss auf meiner Liste. Die Vorarbeit konnte ich zum Glück schon leisten. Blöd ist bloß, dass ich vermutlich für länger als ein Jahr weg sein werde und diese Versicherung für maximal 365 Tage abgeschlossen und nicht verlängert werden kann. Da muss ich mir noch was überlegen. Habt ihr einen Tipp?

DSC_4814[1].jpgIch hatte ja im letzten Post erwähnt, dass ich meinen Pass und andere Dokumente auf Gültigkeit prüfen muss. Prompt war der Pass abgelaufen – Albträumlein! Verniedlichung deshalb, weil ich recht schnell meinen Pass neu beantragen konnte (60€ Kosten). Glück gehabt. Außerdem durfte ich meinen alten Pass sogar behalten, was mich wirklich freut, weil da so viele Erinnerungen dranhängen.
Für die Impfungen und die Impfberatung habe ich nächsten Mittwoch einen Termin, das wird mich um etwa 150€ ärmer machen, aber das meiste bekomme ich zurückgezahlt von der Krankenkasse. Hoffentlich. Dienstag habe ich einen Termin bei der Verbraucherschutzzentrale in Hannover, damit mich ein Anwalt beraten kann, wie ich am besten mit der Mitgliedschaft im Fitnessstudio umgehe und welche Chancen ich habe, aus dem Vertrag zu kommen. Darauf hab ich, ehrlich gesagt, nicht so viel Lust, also auf die Auseinandersetzung mit den Fitnessleuten, aber ich hoffe, der Anwalt kann mir gute Tipps geben. 10€ für 20 Minuten finde ich auch nicht zu viel verlangt.

Tjaaaa, so ist das. Ich glaube, jetzt seid ihr auch erstmal wieder auf dem neuesten Stand, was meine Organisation so angeht. Schulisch bin ich jetzt durch mit den Klausuren und habe noch bis Ende Mai Unterricht, dann bin ich durch, bis am 17. Juni die Zeugnisübergabe stattfinden wird. Oh, wie aufregend!
Was die Arbeit angeht, werde ich den Kids Mitte Mai sagen, dass ich nur noch bis Ende Juni komme; so haben sie genug Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Das wird traurig  😦  Aber meine Teamleitung sagte, wenn ich wiederkomme, dann werde ich mich ja sowieso bei ihnen bewerben. Haha, ich denke wirklich ernsthaft darüber nach und dann von ihr (und vom Rest des Teams) diese tolle Rückmeldung zu bekommen, tut wirklich gut.
Ich hab auch noch mal so richtig Glück gehabt, und die Verwaltung hat zugestimmt, dass ich mir meine Urlaubstage auszahlen lassen kann! Das hilft mir wirklich sehr, und bei 5 Nächten, die ich dort arbeite, brauche ich nicht wirklich noch Urlaub.

SO. Jetzt werde ich die Sonne genießen und weitere Vorbereitungen treffen. 🙂 Habt ein schönes Wochenende!      

Achterbahn nach Südamerika

Punkt 8: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, globedesto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.“

Friedrich Dürrenmatt, 21 Punkte zu den Physikern, 1962

 

Aus den 21 Punkten zu „Die Physiker“ von Dürrenmatt beschreibt dieser haargenau meine kleine Achterbahnfahrt zur Gastfamilie in Südamerika! Vor ca. 1,5 Monaten habe ich mich bei 3 Aupair-Seiten angemeldet, mit dem klaren Plan, mich der Welt der potentiellen zukünftigen Arbeitgeber als einziges für sie in Frage kommendes Aupair vorzustellen.  😉 Das war teilweise ganz schön viel Arbeit, da alle Webseiten unterschiedliche Profilstrukturen hatten. Also mussten Texte umgeschrieben und angepasst, Fotos mehrmals hochgeladen, vergrößert oder verkleinert und zusätzlich noch vorgefertigte Ankreuztests ausgefüllt werden.

Ich habe es aber geschafft und schon bald versendete ich die ersten Bewerbungen und bekam auch die ersten. Nun ist das ja immer ganz einfach – man liest eine Bewerbung oder ein Profil und findet sofort die passende Familie. Genauso einfach lassen sich die richtigen Zahlen für den Sechser im Lotto ankreuzen …

Ich fand schon nette Familien, aber irgendwie fehlte immer dieses gewisse Etwas, der Funken und das Gefühl, dass es passt. Man schrieb ein bißchen hin- und her und es war nicht so, dass mir die Familien unsympathisch waren, aber auch nicht so, dass ich das Gefühl hatte, dass sich ein „home away from home“-Gefühl einstellen würde. Ich hatte nie das Gefühl, dass es okay wäre, wenn ich mal schlechte Laune hätte, mal überfordert wäre mit allem, einfach nur nach Hause wollen würde … da kamen die alten Erinnerungen wieder hoch an die Zeit mit meiner ersten Familie in Australien, die nicht so toll war. Auf keinen Fall wollte ich wieder das Risiko eingehen, mutterseelenallein am anderen Ende der Welt zu sitzen, ohne Geld und ohne Freunde und dann auch zusätzlich noch ohne Sprache – ich kann immer noch nicht mehr Spanisch als im Februar.

Dann bekam ich Elisas Nachricht – sie war freundlich, witzig, übersprudelnd, aber gleichzeitig auch beruhigend und willkommenheißend. Mein Bauch grummelte auch sogleich seine Zustimmung und wir verabredeten uns für ein skype-Interview. Wir mussten es dann spontan verschieben, weil sie so herrlich verplant war und die Geburtstagsparty ihrer Schwester vergessen hatte – sie wurde mir immer sympathischer, denn ich bin ja auch mal verplant. Nicht perfekt sein zu müssen als Aupair nimmt schon enorm den Druck. In unseren Mails und WhatsApp-Nachrichten und auch bei unseren 2 Skypedates, bei denen ich auch ihren Mann kennenlernte, war schnell klar, dass wir gut zusammenpassen würden und gegenseitig Favourit waren. Ich grinste die ganze Zeit vor mich hin und hüpfte mental schon ins Flugzeug nach Chile.

Und dann kam die Absage – nett verpackt, aber ein Nein ist ja nicht weniger doof mit Schleife drum und Glitzer drauf. Das war hart. Richtig, richtig hart. Ich habe geweint. Es war so plötzlich und tat uns beiden so Leid – ich konnte sofort sehen, dass es eine schlechte Nachricht wird, als ihr skype-Bild erschien. Wir werden weiter Kontakt halten und ich kann eventuell nächstes Jahr kommen – trotzdem war ich am Boden zerstört. Kennt ihr das, wenn ihr euch etwas so sehr wünscht, dass es wehtut und ihr denkt, ihr solltet euch nicht darauf versteifen, es könnte immer noch etwas schief gehen, aber euer Herz trotzdem noch die Hoffnung hegt und pflegt und einfach nicht auf den vernünftigen Part hören will? Und dann kommt ein Gewitter mit Donner, Blitz und Hagel und macht das Babypflänzchen Hoffnung kaputt? Tja, das war der Zufall, der mich sehr wirksam getroffen hat – dankeschön, Herr Dürrenmatt.

Während ich in Kontakt mit Elisa stand, hatte ich auch mit Renata gesprochen – die in unseren Gesprächen so herzlich und bemüht war, mir zu helfen, meine Fragen zu beantworten, Sorgen zu nehmen und mir im Vorfeld schon alle Unterstützung zuteil werden zu lassen, die man sich wünschen kann, sodass ich einfach mal mutig war und zugesagt habe. Ich habe immer noch dolles Bauchkribbeln, weil ich gar nicht so richtig weiß, was mich erwartet – ich war ja noch nie in diesem Teil der Welt, ich spreche die Sprache nicht, die Mentalität scheint eine ganz andere zu sein … und es ist so verdammt viel vorzubereiten!!

Oh mein Gott. Man gebe mir bitte einen Eimer mit Sand, in den ich meinen Kopf stecken kann. Aber gleichzeitig freue ich mich auch wie irre – ich bin meinem Traum, wieder zu reisen und endlich Spanisch zu lernen, ein großes Stück nähergekommen. Ich kann meiner Sehnsucht endlich wieder gerecht werden, neue Dinge lernen, Erfahrungen machen, neue Freundschaften schließen, Altlasten hinter mir lassen und wachsen, wachsen, wachsen – Kolumbien, ich komme!  Colombia, estoy en mi camino! ♡

Und jetzt Vorhang auf für euch: Bitte freut euch mit mir! 🙂

columb