Tag-Archiv | entdecken

Aventuras Nuevas – Bucaramanga 2

Da bin ich wieder mit dem ersten Tag, den Angel und ich in und um Bucaramanga vebracht haben!

Wir sind, wie gesagt, morgens aufgestanden und hatten die Wohnung für uns alleine. Angel hat uns Frühstück gemacht, das wir von der Couch aus mit Ausblick auf die sonnenbeschienenen Berge genossen haben. Dann habe ich alles abgewaschen, was so an Geschirr um die Spüle herumlungerte, wir haben unseren Rucksack gepackt für den Tag und sind losgezogen. Unsere Wasserflasche haben wir vergessen – das haben wir natürlich festgestellt, direkt nachdem wir die Türen hinter uns zugeschlagen hatten. Logisch! Wir sind dann trotzdem unbetrübt mit einem Bus Richtung Stadtzentrum gefahren und hatten den Plan, uns dort alles ein bißchen anzusehen und dann mit einem Bus zu dem nahegelegenen Parque Nacional del Chicamocha zu fahren.

Das erste, was wir gesehen haben, nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen sind, war eine farmacia alemana – anscheinend der Zuwanderung der Deutschen in der 1860er und 70er Jahren geschuldet (mehr Infos hier) – und gleich danach habe ich etwas gesehen, dass ich schon immer probieren wollte: mango espaghetti. Für diesen Snack werden unreife Mangos an kleinen Ständen am Straßenrand geschält, zu Spaghettischnüren geschnitten und dann mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft in einem Becher serviert. Ich habe das schon in Cúcuta gesehen, mich aber nicht getraut, alleine einen Becher der Mangospaghetti zu kaufen. Mit Angel an meiner Seite aber doch – und ich durfte sogar Fotos von der Verarbeitung machen. Die Mangos sind, wie gesagt, unreif, und darum haben sie zwar den bekannten Mangogeschmack, aber ohne die starke Süße, sodass die Gewürze und der Saft perfekt die vorhandene Süße ergänzen. Muy rico!

Nachdem wir also mango espaghetti für mich gekauft haben, sind wir über den Platz und durch den Park gewander. Auf der einen Seite gab es verschiedene, offiziell aussehende Gebäude: der palacio municipal wurde flankiert von zwei Gebäuden, deren Namen oder Bestimmung ich nicht herausfinden konnte. Auf allen anderen Seiten gab es Läden, Stände, Shops, Restaurants … alles in einem bunten Durcheinander, inmitten dessen eine angebundene Kuh darauf wartete, ge- bzw. verkauft zu werden. Wir sind dann in eine der vom Park wegführenden Straßen abgebogen und haben uns auf den Weg zum Busterminal gemacht, wo wir unsere Bustickets zum Nationalpark gekauft haben. Auf dem Rückweg von dort hat mich ein älterer Herr angesprochen. „Señorita, ten cuidado con el cecular!“, sagte er und zeigte auf meine hintere Hosentasche, aus der für alle Welt sichtbar mein Handy ragte. Manchmal bin ich einfach zu unvorsichtig! Ich habe mich überschwänglich bei ihm bedankt – das wäre es ja gewesen, wenn ich mein Telefon auf diese Weise verloren hätte. Wir haben uns dann in einem kleinen Laden etwas zu Essen und zu Trinken gekauft und sind weiter durch die Straßen gezogen, bis es Zeit war, den Bus zu besteigen. Wir saßen mit vielen anderen Reisenden in einem mittelgroßen Bus, der uns 54km südlich fuhr.

Wir sind etwa 1 Stunde gefahren und haben diese Zeit mit Gesprächen gefüllt – es war so schön, über alles und nichts mit ihm zu sprechen; darüber, wie wir uns kennengelernt haben, was wir dachten, als wir einander das erste Mal gesehen haben, als wir uns getroffen haben … und so weiter und so fort. Viel zu schnell ging die Fahrt durch Berge und atemberaubende Landschaft für meinen Geschmack. Wir wurden oberhalb des Eingangs des Nationalparkes abgesetzt und wanderten Hand in Hand zur Kasse. Schockschwerenot!, die Preise hatten sich durch die Feriensaison verdoppelt! Wir hatten mit 35.000-40.000COP pro Person gerechnet (~11 – 13€), aber sollten nun 70.000COP (~23€) berappen. Wir hätten dafür zwar alles machen dürfen, was der Park an Extra-Aktivitäten bietet, aber wir hatten weder Kleidung dafür dabei, noch kann ich mit meinem Rücken die Adrenalin-Angebote wahrnehmen. Es gab keine Möglichkeit, ohne alle diese Extras den Park zu betreten, sodass wir uns entschieden haben, nicht zu bezahlen, sondern einfach nur am Rand des Parks entlangzuwandern und die Landschaft zu betrachten – was mir vollkommen reichte. Die Aussicht war spektakulär und das Wetter war ebenfalls spitze.

Der Park wurde 2006-2009 angelegt, um die Schönheit der Landschaft des cañón del Chicamocha für Besucher und Touristen zugänglich zu machen. Dieser cañón ist 227km lang und ca. 2km tief. Der Nationalpark, der 54km von Bucaramanga liegt, zeigt zwar nur einen kleinen Ausschnitt der zerfurchten Berge und leuchtenden Täler, aber das, was man sehen kann, ist wirklich wahnsinnig schön und natürlich. Neben der natürlichen Attraktion des Parks gibt es auch noch viele andere Aktivitäten, mit denen Besucher sich hier die Zeit vertreiben können: u.a. ein Schwimmbad, Klippenschaukeln, eine Schlittschuhbahn, Paragliding, Kayakfahren … und die berühmte Schwebebahn, die von der mesa de los santos startet, um Besucher 6.3km weit über den cañón bzw. nach unten durch den cañón auf die andere Seite zu transportieren. Da wir uns, wie gesagt, dazu entschieden hatten, nur am Rand des Parks entlangzuwandern und von der mesa de los santos aus alles zu bestaunen, machten wir uns dorthin auf den Weg. Wir wurden mit wahnsinniger Aussicht belohnt und kraxelten auf den ausgetretenen Steinwegen ein bißchen nach unten, um alles aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Dank meines Freundes gibt es ausnahmsweise auch mal Aufnahmen von mir – ich verstecke mich ja meist hinter der Linse.

Nachdem wir unsere Augen gesättigt hatten mit dieser überragenden Aussicht, meldeten sich unsere Mägen. Wir schlenderten zurück zum „Marktplatz“, wie ich diesen mit Restaurants und Touristenshops umrahmten Platz nenne, und entschieden uns für eins der Restaurants. Wir ließen uns nieder und freuten uns an der Gesellschaft des jeweils anderen. Lange allein blieben wir jedoch nicht: viele der streunenden Katzen strichen um die Tischbeine, um den ein oder anderen Happen zu erbetteln, und Besucher mit und ohne Hunde ließen sich an den Tischen um uns herum nieder. Nachdem wir unsere Teller leergegessen hatten, machten wir uns an den Nachtisch der besonderen Art: Ameisenpopo! Hormigas culonas sind eine Spezialität des departamentos Santander, genauer gesagt liegen die Hauptproduktionszentren in San Gil und Barichara, und mir wurde gesagt, ich solle die unbedingt probieren.

„Die Ameisen mit dem riesigen Po“ werden in Kolumbien seit hunderten Jahren gegessen und zählen in manchen Gegenden als traditionelles Hochzeitsgeschenk – vermutlich auch wegen des lokal verbreiteten Glaubens, diese Ameise sei ein Aphrodisiakum. Diese Tradition rührt von präkolumbianischen Kulturen wie der der Guanes her. Nur weibliche Tiere, die Königinnen, werden gefangen, da diese erstens einen immens großen Po haben und die anderen Artgenossen zweitens als nicht essbar gelten. Zum Verzehr werden die Beine und Flügel entfernt, die Körper in Salzwasser eingeweicht und schließlich geröstet. Die Ameisen haben laut Ernährungsstudien einen hohen Proteinwert, wenige gesättigte Fettsäuren und einen insgesamt hohen Nährwert. Nur 9 Wochen, in der Regenzeit, während sie ihre Paarungsbereitschaft durch Flüge signalisieren, werden die Königin-Ameisen von den lokal ansässigen Bauern „geerntet“ – das kann schnell schmerzhaft enden, denn diese Weibchen haben starke Unterkiefer und ergeben sich nicht kampflos. Da diese kurzlebige Industrie-Sparte (samt Export nach Kanada, England und Japan) aber eine sichere Einnahmequelle für die meist ärmlichen Bauern der Gegend ist, finden sich jedes Jahr genug „Fänger“. Dadurch, und durch Rivalitäten mit anderen Ameisenvölkern, reduziert sich die Population der hormigas culonas rasant, was Grund zur Sorge über die „Ausrottung“ dieser Art gibt.

Also, wegen mir müsste sich da niemand Sorgen machen – meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Insekten sind schön und gut, wenn ich sie aus der Nähe, bevorzugt aber aus der Ferne, angucken kann – aber essen?! Das war mir dann doch eigentlich etwas zu nah … gleichzeitig dachte ich mir aber auch: „Wo du schon mal hier bist …“ und kaufte mit Gänsehaut und mit schon beim Gedanken an Ameisenpopo gekräuselter Zunge für umgerechnet 2,50€ (8.000COP) die kleine Packung. Angel musste schließlich den ersten Schritt Bissen tun, denn ich konnte mich nicht überwinden, die Ameise in meinen Mund zu schieben … und als ich es doch tat, musste ich dringend mit Wasser nachspülen.

Der Geschmack an sich war nicht so schlimm wie erwartet. Die Ameise war halt knusprig und salzig, mehr nicht. Dass ich auf einem Insekt herumkaute, merkte ich nur daran, dass ich letztenendes überall im Mund Ameisenärmchen und -panzerstückchen kleben hatte. Der Nachgeschmack war seltsam, nicht wirklich zu beschreiben, erdig mit ranziger Erdnuss vielleicht? Ganz merkwürdig. Angel und ich haben beide noch 2, 3 weitere gegessen, wir hatten schließlich teures Geld dafür bezahlt – aber so richtig überzeugt waren wir nicht. Die Packung liegt bis heute unangetastet auf einer meiner Kommoden 😉

Nach dieser exzellenten Mahlzeit ( 😉 ) organisierten wir uns unsere Bustickets nach Hause und dann schlenderten wir den Rest des Nachmittag noch über die verschiedenen Wege, Plattformen und Grünflächen, streichelten zwei kleine Ziegen und verschiedenste Katzen und machten es uns auf den Steinstufen gemütlich, bevor uns unser Bus im Dunkeln auf kurvigen und unebenen Bergstraßen zurück nach Bucaramanga fuhr. Dort angekommen nahmen wir verschiedene Busse zur unserem Quartier, strichen unbehelligt durch die dunklen Straßen (auch dank Angels steter Wachsamkeit, was alles im Entfernten zwielichtig Aussehende angeht) und fielen totmüde ins Bett. Ich hatte besonders mit Reisekopfschmerz zu kämpfen, mir war ganz schwummerig und schlecht, sodass ich vor Angel ins Bett ging, während er mich vor unserer Gastgeberin entschuldigte und noch ein bißchen mit ihr und dem Rest der Familie plauderte, bevor er neben mich ins Bett sank. Wir haben gut geschlafen und konnten für den nächsten Tag gut auftanken, denn …

… auch am dritten Tag hatten wir viel vor – der nächste Post kommt demnächst! 🙂

Un abrazo fuerte!

Advertisements

Aventuras Nuevas – Bucaramanga 1

Anfang Dezember hatte ich ein paar mehr Tage am Stück frei und Angel und ich haben diese Tage genutzt, um einen größeren Ausflug zu planen: nach Bucaramanga sollte es gehen, für 4 Tage.

camino

Bucaramanga ist die „Landeshauptstadt“ des departamentos Santander und liegt 5-6 ruckelige und schuckelige Busstunden von Cúcuta entfernt. 1622 wurde die Stadt gegründet und 1886 zur Landeshauptstadt gemacht – in den 60er und 70er Jahren gab es anscheinend eine regelrechte Invasion deutscher Abenteurer, was den Einheimischen gar nicht recht war. Heute zählt die Stadt in etwa 500.000 Einwohner und ist damit Kolumbiens achtgrößte Stadt (fünftgrößte mit den im Ballungsraum lebenden Einwohnern, dann sind es knapp über eine Million). Sie wird auch „la ciudad de los parques“ genannt, da es in ihr über 100 Grünanlagen gibt. Dies bedeutet nicht zwangsläufig „Rasenfläche“, meistens eher einen mit Bäumen und Sträuchern begrünten Platz, aber trotzdem: grün ist grün und Bucaramanga nennt sich stolz „Kolumbiens schön(st)e Stadt“. Bucaramanga hat viele kleinere Städte um sich herum eingemeindet, die einen Besuch wert sind, beispielsweise Floridablanca und Girón, und ganz in der Nähe liegt auch der Chicamocha Nationalpark. Obwohl mein Reiseführer sagte, dass Bucaramangas Zentrum selbst nicht sehr viele Attraktionen besitzt, war es für mich sehr spannend, endlich mal etwas anderes zu sehen als Cúcuta, und da mir viele Dinge des normalen Lebens, de la vida cotidiana colombiana noch fremd sind, habe ich die „Touristenzeit“ sehr genossen.

img_9316

Ein typischer „Park“ in Kolumbien – nicht ganz das, was ich als Deutsche unter einem Park verstehe

Am 02. Dezember habe ich mich gegen 13 Uhr mit gepackter Tasche auf den Weg zu Angel gemacht und von ihm aus sind wir mit dem Taxi zum Busbahnhof gefahren. Dort ist er von Bus zu Bus gelaufen, hat ob der teuren Preise immer wieder entrüstet den Kopf geschüttelt und sich zum Gehen gewendet, bis die Busfahrer so weit runtergegangen sind mit ihren Preisen, dass sie akzeptabel waren. Das war eine sehr gute Lehrstunde für mich und ich habe diese Technik ebenfalls bereits erfolgreich angewendet. Nachdem wir dann jeder 35.000 COP (umgerechnet ca. 12€) bezahlt und unsere Taschen verstaut hatten, haben wir es uns im Bus gemütlich gemacht. Wir hatten gepolsterte Sitze nebeneinander, haben das Obst, das er mitgebracht hat, gegessen und dann Musik gehört und versucht, zu schlafen. Die Reise ging durch Berge, Kurven und über Holperwege … und ich wurde Opfer übelster Reisekrankheit, wie ich sie noch nie erlebt habe. Kopfschmerzen, Schwindel, Druck auf den Ohren, Würgreiz – oh man, hab ich mich mies gefühlt! Angel blieb zum Glück verschont, sodass er sich liebevoll um mich kümmern konnte. Er hatte Tabletten dabei, die er mir gab, ich durfte mich bei ihm anlehnen und meine Beine über seine legen und er hielt mich ganz fest und strich mir über den Rücken, als es mir miserabel ging. Wir haben etwa 6 Stunden gebraucht, bis wir in Bucaramanga am Busbahnhof abgesetzt wurden.

Vom Busbahnhof aus nahmen wir ein Taxi in das Viertel, in dem eine Freundin seiner Mama wohnt, die uns für 3 Nächte bei sich aufnahm. Ich glaube, dass ich an dieser Stelle mal etwas über die Verkehrsmittel sagen muss. Wenn ich sage, wir nehmen ein Taxi, dann ist das nicht etwa ein Luxus, den wir uns leisten, sondern ganz normal hier. Für eine zehnminütige Fahrt bezahlt man in etwa 6.000COP, das sind ca. 2€. Busfahrten kosten hier, unabhängig von Fahrtzeit und Route meist so 1.600COP, also knapp 50 Cent. Es war schon sptä, als wir ankamen und da Angel sich dort auch nicht gut auskannte, haben wir uns das Taxi gegönnt und die Kosten geteilt. Die Freundin holte uns ab an einer Straßenecke und wir gingen zusammen zu ihr nach Hause. Mir ging es etwas besser, und das war auch gut so, denn wir hatten noch ein bißchen social time vor uns. Ich bin nicht ganz durchgestiegen, wer in welche Familie und welche Familienkonstellation in welche Wohnung in diesem Haus gehörte, aber alle waren sehr nett und haben viel gefragt, Essen und Trinken angeboten, auf die Kinder eingeredet, uns Tipps für den nächsten Tag gegeben und die Freundin hat dann sogar für mich einen dicken Schlafanzug rausgekramt, weil mir so kalt war. Irgendwann konnten wir dann aber glücklicherweise die Tür zu „unserem“ Zimmer hinter uns schließen, unsere Schlafklamotten überwerfen, Zähne putzen und ins Bett plumpsen. Ach, das tat gut – denn Kopfschmerzen hatte ich immer noch, trotz der Reisetabletten. Die Nacht war kurz, die Matratze sehr dünn, aber mir war nicht kalt und ich konnte neben meinem tollen Freund aufwachen 🙂

unserzimmer

Unser Zimmer mit Bett – und superdünner Matratze

Nach diesem gemeinsamen Aufwachen haben wir die Freundin und zwei der Kids noch getroffen, sie waren aber schon auf dem Weg aus der Tür, sodass wir einen relativ ruhigen Morgen hatten. Die Aussicht auf die Umgebung war total schön und auch die Straßen und Häuser in der Nähe fand ich bezaubernd, weil sie so ganz anders waren, als ich es von meiner Aussicht und meinem Stadtviertel in Cúcuta gewohnt war. Alles war irgendwie so wie in einem Film 🙂 Jeden Morgen bin ich leise aufgestanden, mit meiner Kamera durchs Wohnzimmer zum Fenster getappt und habe die Umgebung festgehalten – zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlich viel Sonne … es war immer etwas Neues zu entdecken und ich teile gleich die Fotos mehrerer Tage mit euch. Was wir so unternommen haben an diesem ersten Tag, erzähle ich euch hier.

Bis bald 🙂

 

Globus, dreh dich – Des Rätsels Lösung

Liebe Lebensmaler,

ich habe euch ja neulich ganz kryptisch die Frage gestellt, ob ihr eine Idee habt, wohin in der Welt ich mich mit meinem Backpack verkrümelt habe. Ich habe mir nun die Zeit genommen, einige meiner Fotos zu sortieren und zu bearbeiten und finde, ich kann das Rätsel langsam auflösen.

Meine Freundin Inge, die aus Holland stammt, ist vor kurzem umgezogen und hat mich postwendend zu sich eingeladen. Wir haben uns 2011 in Neuseeland kennengelernt und sind seitdem stetig in Kontakt. Da ich meine 3 Monate dauernden Ferien irgendwann nicht mehr sinnvoll zu füllen wusste, lag es nahe, dass ich meinen Rucksack mal wieder packe und somit habe ich mich sehr gefreut über die Einladung. Mit dem Länderticket der Bahn ging es für überraschend günstige 34€ über Hannover und Amersfoort nach Den Haag. Ein bißchen Wissen to go zur drittgrößten Stadt Hollands gibt’s in den folgenden Posts.

Nach meiner Ankunft an einem Freitagnachmittag haben Inge und ich uns abends zum Strand „Scheveningen“ aufgemacht. Der Stadtteil Schevingen liegt 6km vom Stadtzentrum entfernt und zunächst war er nur ein kleines Fischerdörfchen, mauserte sich aber mit der Zeit zum größten Seebad der Niederlande.

kurhaus

Das Kurhaus vom Strand aus – davor die Strandbars und Buden. Ich finde, es hat etwas Magisches.

Für mich dominierend war das „Kurhaus“ direkt an der Strandpromenade. Was 1818 als einfaches, hölzernes Badehaus begann, wurde über die Jahre vergrößert, verändert, erweitert, abgerissen und umgebaut. Es wurde 1884/85 als Kurhaus neueröffnet und diente als solches 84 Jahre lang, seit 1979 wird es als Hotel betrieben und steht unter Denkmalschutz. Es ist der Bauweise barocker Schlösser nachempfunden und sieht sowohl bei Tag als auch beleuchtet bei Nacht sehr eindrucksvoll aus. Die Promenade zwischen Kurhaus und Strand ist gesäumt von Restaurants, Geschäften, kleinen Lokalen und immer wieder Bänken zum Verweilen, Staunen, Entspannen. Zu speziellen Anlässen sind Attraktionen geboten und der Spaziergang bekam die Note eines Jahrmarktbummels:

kurhausundbuden

Jahrmarkt bei Nacht – der Traum eines jeden Kindes (und meiner natürlich ebenso).

buden

Ein altmodisch anmutendes Karussel – bezaubernd!

carousel2

Farbenspiel bei Nacht.

carousel1

Ein magischer Ritt gefällig? Aufsitzen bitte!

Ich inhalierte tief die salzige Seeluft, in der Abenddämmerung sah der Himmel wunderschön aus und ich konnte es nicht erwarten, das angekündigte Feuerwerk zu sehen, denn an meinem ersten Wochenende in Den Haag sollte das alljährliche „Vuurwerk Festival“ stattfinden. Bei diesem für die Zuschauer kostenlosen Feuerwerkswettbewerb treten verschiedene Länder gegeneinander an, die alle mit demselben Budget ein Feuerwerksspektakel zusammenstellen, das von 11 bis zu 13 Minuten dauern muss bzw. darf. Doch zunächst fesselte eine Trommlergruppe Inges und meine Aufmerksamkeit. Mit lauter (und vor allem lauten) verschiedenen Trommeln ging diese Truppe über die Promenade und stoppte hin und wieder, um das rhythmische Wummern mit einstudierten Tanzeinlagen zu begleiten. Ohne je die beeindruckende Trommelei zu unterbrechen bewegten sich die Musiker entlang der Promenade.

trommler

Die Trommlergruppe bei ihrer Performance.

Später begaben Inge und ich uns auf den Sandstrand, suchten uns eine geeignete Position und warteten gebannt auf den Start des bunten Spektakels. Ich habe versucht, so gute Fotos wie möglich zu schießen, aber ich achte bei solchen Veranstaltungen immer darauf, nicht nur alles durch die Linse für „danach“ festzuhalten, sondern auch in dem Moment selbst das Dargebotene wahrzunehmen. Darum habe ich bewusst irgendwann aufgehört, zu fotografieren und darauf vertraut, dass ein paar der ersten Fotos schon okay sein werden. Hier kommt meine Ausbeute der zwei Länder, die an diesem Abend miteinander wetteiferten:

(Ich probiere zum ersten Mal die Diashow aus, für Rückmeldung wäre ich dankbar: gut, schlecht, Verbesserungspotentital, Tips? Danke!)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach dem Feuerwerk machten Inge und ich uns auf die Socken, zusammen mit den abertausend anderen Besuchern, die sich die Farbenpracht angesehen hatten. Wir pilgerten gemeinsam zur Straßenbahn-haltestelle, stempelten unsere Karten und ließen uns in der Bahn erschöpft, durchgefroren und vor allem glücklich auf zwei freie Plätze sinken. Zu Hause angekommen gab es einen Tee zum Aufwärmen, warme Socken und voller Vorfreude auf diesen wunderbaren Aufenthalt schlüpfte ich in mein Bett. Nächster Tag – nächste Erkundungstour. Ich hoffe, ihr kommt mit! 🙂

Globus, dreh dich …

Liebe Lebensmaler,

ich bin gerade wieder mit Rucksack und Kamera in der Welt unterwegs. Lange dauert die Reise diesmal aber (leider) nicht, ich bin bald zurück mit schönen Fotos und Geschichten. Habt ihr eine Idee, wo ich sein könnte? Dann hinterlasst mir einen Kommentar, ich freue mich darauf! Wer als erstes richtig rät, kann sich, wenn er/sie mag, über eine Postkarte freuen! 🙂

guesswhere

 

Das Leben ist ein schönes Puzzle

Hallo ihr Lieben,

Ich wollte einfach bloß mal mit meinem Glück in die Welt hinausplatzen. Ich liebe mein neues Ich, und das möchte ich am liebsten jedem und allen mitteilen. Das fiel mir gestern morgen mal wieder auf, als ich vor dem großen Spiegel im Flur stand, mich drehte und der Rock meines Kleides sich um meine bestrumpfhosten Beine schwang.

Ich stehe morgens um 5.45h auf und es macht mir nichts aus! Ich freue mich auf das, was der Tag, was die Schule oder die Arbeit bringt. Ich stehe vor meinem Kleiderschrank und ziehe zielsicher ein Kleid, einen Blazer und ein paar Accessoires aus Schubladen, Kästchen und von Haken und bewundere mein Werk vor dem Spiegel: ja, das bin ich, etwas verrückt, etwas verspielt, ausgefallen, aber auch ernst und irgendwie erwachsener – und ganz wichtig: keine leibgewordene H&M-Schaufensterpuppe, die die neueste Billigproduktion in den Straßen Mode läuft.

Ich habe meine Routine für morgens, ich bin pünktlich in der Schule oder auf Arbeit, ohne gestresst, außer Atem und Entschuldigungen murmelnd durch irgendwelche Türen zu stolpern. Ich habe auch eine gute Routine für nachmittags gefunden, eine gute Balance aus Freizeit und Arbeit.  Natürlich nimmt der Schulkram manchmal mehr Zeit ein, als mir lieb ist, aber ich setze gezielt bunte Akzente im Kugelschreiberblau des Nach – und Vorbereitens. Ich gehe spazieren, ich höre intensiv Musik oder arbeite kreativ. Donnerstagsabends ist zum Beispiel Teezeit mit der wundervollen Marieke: locker um 19h herum vereinbart, sodass nach hinten etwas Luft ist bei viel Papierkrieg, aber dennoch fest in den Tages – und Wochenablauf integriert. Und es tut so gut, die Schule zu vergessen und einfach mal für 4 Stunden herumzualbern, sich auszutauschen und Sorgen zu tilgen.

Meine Freunde kommen nicht zu kurz, ich bin erfolgreich in dem, was ich tue und ich tue es gerne. Ich freue mich, meinen Stil weiterzuentwickeln, Altes mit neuen Teilen zu kombinieren und Outfits zu tragen, für die ich Komplimente bekomme. Ich bin mit mir und meinem Körper zufrieden und ich bin unglaublich froh und dankbar dafür, denn selbstverständlich ist so etwas nicht, sondern auf langen Teilen des Weges echte Schwerstarbeit.

Ich merke, wie ich mehr in mir selbst ruhe und das ist etwas ganz Unbekanntes für mich. Ich bin normalerweise ein kleiner (oder auch großer) Wirbelwind, immer auf Achse, aktiv, und überall dabei. Aber das habe ich etwas abgeschwächt, bin zwar immer noch ein Begeisterungssturm, aber ich wähle genau aus, wo ich mitwirbele und wo ich lieber das Spektakel von der Zuschauertribüne aus verfolge. In der Krippe bekam ich kürzlich das Kompliment, ich sei so ruhig und gelassen bei meinen Angeboten, das wirke sich auch positiv auf die Kinder aus. Das hat mein Herz so mit Freude erfüllt, ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr.

Auch bei Konflikten kann ich mich besser stoppen, mit meinen ersten Wutgedanken herauszuplatzen. Ich hole tief Luft, atme sie aus und denke nochmal nach. Und wenn es mit dem Atmen nicht so gut klappt und ich doch platze, dann merke ich zumindest im Nachhinein, dass das nicht so cool war, überlege, warum der Konfliktpartner so reagiert hat, wie es der Fall war und entschuldige mich (inklusive Erklärung). Ich reflektiere viel besser!

Insgesamt habe ich das Gefühl, in Australien ein weiteres Teil meines Lebenspuzzles aufgesammelt zu haben, das unverrückbar und fest an seinem Platz liegt. Niemand kann mir meine Erfahrungen nehmen, gleichermaßen bin ich jedoch dafür veranwortlich, sie nicht einstauben zu lassen. Ich hoffe, dass euer 2013 auch etwas so wundervolles für euch bereitgehalten hat oder noch bereithält. Wofür seid ihr dankbar im Leben?

life quotes | via Facebook

Back on the Road – Kuranda Koala Gardens

Ich fand, dass mir nach dem ganzen authentischen australischen Bushleben auch mal etwas Tourismus zusteht – und mal ehrlich, so einen Koala zu halten ist schon eine coole Erfahrung. Hier jedoch Achtung: für einen Koala ist so etwas Stress pur, wenn es zu häufig am Tag geschieht. Und zu viel Stress verursacht Inkontinenz, die nicht heilbar ist (soweit ich weiß). Wenn ihr also selber Australien unsicher machen und Koalas kuscheln wollt, dann achtet darauf, dass der Park, den ihr euch aussucht, die Koalas schützt und nicht ausnutzt.

In Kuranda also blätterten Miia, Anna und ich ein kleines Vermögen für Eintritt und Foto hin und betraten mit einer Karte ausgestattet den übersichtlichen Park.

JD806537

Als erstes überquerten wir eine Brücke, unter der bedrohlich wirkende Süßwasserkrokodile ihre Bahnen zogen. Krokodile sind schon seit Milionen Jahren Teil des Ökosystems Australiens und die Süßwasserkrokodile sind in den Flüssen im Inland zu Hause. Größere (und aggressivere) Salzwasserkrokodile findet man an der Küste und in Flussmündungen – dort gehören sie laut Evolution hin. Die, die in den Flüssen zu finden sind, gelangten dort möglicherweise durch verschiedene Gründe hin: Beute, bessere Lebenserwartungen, Nestplätze …  und haben besondere Merkmale entwickelt, die sie von den Salzwasserkrokos unterscheiden, u.a. eine lange, schmale Schnauze mit scharfen Zähnen, die ideal ist zum Fischfang.

JD806533

Im nächsten Gehege kostete es uns etwas Zeit, das Wildleben zu finden: Warane, kleine Drachen und Eidechsen sind wahre Meister der Tarnung, die ihnen das Überleben sichert. Die Blauzungeneidechsen sind vermutlich Australiens bekannteste Reptile und wild in allen Vororten zu finden – vorausgesetzt, man öffnet die Augen. Ihre blaue Zunge und der pinke Mundinnenraum lassen sie bedrohlich erscheinen, wenn ihnen Gefahr droht!

IMG_8826

Als nächstes fielen uns die fluffigen Kugeln ins Auge, die man Koalas nennt. Zusammengerollt saßen sie eingeklemmt zwischen zwei Ästen und schliefen. Hier könnt ihr eine Menge über Koalas lesen, wenn ihr mehr erfahren wollt – dort gibt es auch mehr Bilder! Diese kleinen Kreaturen auf dem Arm zu halten war echt ein interessantes Gefühl – spannend!

IMG_8861 - Kopie

IMG_8865

Dann gab es erneut eine Begegnung der besonderen Art: Wallabies und Filander zum Füttern und Streicheln! Australien hat über 70 verschiedene Arten von Kängurus (hier gibt es mehr Infos) – in Kulandas Wildlife Park konnten wir auf Tuchfühlung gehen mit Moorwallabies und rotbeinigen Filandern! Einzigartig!

JD806551

IMG_8880

IMG_8949

IMG_8936 - Kopie

Danach war unsere Reise schon fast beendet, aber todesmutig haben wir uns ins Schlangenhaus gewagt, noch die Warnung der freundlichen Mitarbeiterin im Ohr: „Die schlängeln dort frei herum, also passt auf, wo ihr hintretet- und fasst. Wenn ihr eine außerhalb des Schlangenhauses seht, dann sagt uns Bescheid, da gehören die nämlich nicht hin.“ Alles klar, Arme dicht an den Körper gepresst und Kopf eingezogen. Alle Schlangen, auch die gleicher Spezies, haben höchst unterschiedliche Farben und Muster und so ist es nicht möglich, die Gattungen anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes festzustellen. Schlangen können ihren Unterkiefer aushaken und somit große Tiere verspeisen – in einer Nacht beispielsweise 4-5 Hühner! Urgh. Nach äußerst vorsichtigem Herumtapsen haben wir erleichtert die Tür zum Schlangenhaus hinter uns geschlossen – am Leben!

JD806558

JD806559

Back on the Road – Cairns – Night Out

Wie lange ich schon nicht mehr weg war kann ich euch gar nicht erzählen. In Cairns habe ich also die Möglichkeit beim Schopfe egriffen und mich mit den Mädels aus dem Hostel zurechtgemacht. Ich habe großzügig eins meiner Kleider verliehen (dass ich das mal sagen würde!) und Alice war für mein Makeup verantwortlich – Kate wäre stolz auf mich gewesen, denn ich habe sogar selber auf Lippenstift bestanden. Wann immer Kate mich geschminkt hat, haben wir auf Lippenstift verzichtet, sehr zu ihrem Bedauern, also war ich extrem stolz, ihr berichten zu können, dass ich in Cairns einen Schritt in die richtige Richtung gemacht habe.

Wir haben uns also fertig gemacht, wir gingen, wir aßen, wir tranken, wir tanzten. Es war wunderbar. Wir haben vom Hostel einen Essensgutschein bekommen und sind Pasta essen gegangen, dann sind wir durch die Nightmarkets gewandert und von 10 – 11 Uhr war Ladies‘ Night im Woolshed – 5 Gläser Champagner pro Lady. Und dann haben wir getanzt und die Nacht genossen. Wundervoll.

??????????

Offensichtlich eine klasse Nacht!

??????????

Alice und Claudia.

??????????

Ich inmitten der Mädels: Alice, Claudia und Moon.