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Aventuras Nuevas – El Club de Cazadores: Jäger? Vielleicht Sonnenjäger! ☼

Hallo liebe Lebensmaler,

ich habe euch bisher ziemlich wenig von meinem Alltag und meiner Umgebung erzählt, weil ich am Anfang so mit mir selbst beschäftigt war und dann plötzlich alles auf einmal passiert ist und ich gar nicht hinterhergekommen bin mit dem Fühlen, Erleben, Verarbeiten und Berichten. Ich versuche jetzt, mich langsam an alles heranzutasten und heute möchte ich euch vom „Club“ erzählen.

Hier in Cúcuta ist es ziemlich heiß. Wir haben zwar gerade Winter, aber alles, was das anscheinend bedeutet, ist, dass mehr Wind weht als sonst. Wir haben fast jeden Tag Temperaturen zum wortwörtlichen Dahinschmelzen: zwischen 33°C und 40°C ist alles möglich, und wenn wir Glück haben, wird es abends „kühler“ (30°C).  Nach dem Duschen und Abtrocknen bin ich bereits wieder durchgeschwitzt, aber ich habe mich schon darauf eingestellt, denn prinzipiell mag ich Hitze lieber als Kälte.

Gleichzeitig bin ich aber auch großer Fan davon, mich abzukühlen, und Schwimmbäder eignen sich dazu bestens. Leider gibt es hier wenig öffentliche Schwimmbäder und keins in der Nähe, sondern meist private Schwimmclubs, in denen man Mitglied sein muss. Als ich hier ankam, konnten wir noch auf Einladung einer Freundin der Familie einen Club besuchen, diesen also quasi zwei Monate „testen“, aber die einmalige Mitgliedschaftsgebühr und monatlichen Kosten waren exorbitant und standen in keinem Verhältnis zu dem, was uns geboten wurde. Das Kinderbecken war okay, hatte aber eine „im Wasser-Bar“, wo Erwachsene sich nachmittags um 16h ihre Cola mit „güisqui“ (spanische Schreibweise von „Whisky“) hinter die Binde kippten und megalaut Charts hörten. Das Schwimmbecken war recht klein und meist fand zu der Zeit, in der wir dort waren, Schwimmunterricht statt und zwar von rechts nach links und nicht entlang der langen Seite. Keine Ahnung, warum, aber das ist hier so üblich, und es bedeutete, dass wir nicht ordentlich schwimmen konnten, was uns allen wichtig war.

Seit zwei Wochen sind wir aber Mitglied im Club de Cazadores, also „Club der Jäger“, der ca. 10 Gehminuten von uns entfernt ist. Auf der Website sah er sehr schick aus und während Renata alles mit der Clubleitung regelte, erkundeten Anja und ich die Umgebung. Es gibt ein großes Schwimmbecken mit unterschiedlichen Tiefen, ein flacheres Kinderbecken, genug Sitzmöglichkeiten, sowohl überdacht als auch unter freiem Himmel, eine Bar und ein paar kleine „Lädchen“ für Eis oder Säfte, ein Nagelstudio, ein Spa, eine Sauna und ein Fitnessstudio, einen Spielplatz und mehrere Sportplätze, auf denen unterschiedliche Sportarten gelehrt und betrieben werden. Leider gab es sehr wenig Grünfläche, aber immerhin ein kleines Eckchen Rasen. Das alles hörte sich ziemlich gut an und war auch auf den ersten Blick wirklich toll. Nach einigen Besuchen entdeckten unsere kritischen Augen (und Ohren) einige Mängel, mit denen wir aber trotzdem leben können.

Es gibt zum Beispiel ein erhöhtes Podest mit riesigen Boxen, aus denen den ganzen Tag laute Musik läuft – das Leben hier wird überall von Musik begleitet (im Schwimmbad, im Einkaufszentrum, in den einzelnen Läden, beim Friseur, im Nagelstudio, …) und es ist auch keine Seltenheit, dass aus verschiedenen Boxen verschiedene Lieder laufen – es entsteht ein Wettbewerb, wessen Musik lauter aufgedreht werden kann. Niemand beschwert sich jedoch, auch wenn man sein eigenes Wort nicht verstehen kann. Das Leben in Kolumbien ist wohl einfach so – die Leute werden nervös, wenn es zu leise wird. (Auch abends dringen oft aus verschiedenen Bars laute Musik, Gesang oder Stimmengewirr zu mir ins Schlafzimmer, das dementsprechend zum Wachzimmer wird.) Das Fleckchen Rasen, das wir im Club zu unserem Platz auserkoren haben, ist leider direkt unter den Boxen und so bitten Renata oder ich regelmäßig darum, die wummernde Discomusik oder die spanischen Rhythmen doch bitte leiser zu stellen. Wir werden ebenso regelmäßig verwirrt angeschaut und belehrt, das müsse so sein. Wie unhöflich von uns, den anderen Leuten die Musik nicht zu gönnen! Also ehrlich. Tztztz. Manchmal machen wir aber auch einfach übertrieben Party – wir klatschen und wippen im Takt der Musik, bewegen die Köpfe ruckartig nach vorne und hinten und machen mit Armen und Beinen die tollsten Verrenkungen. Anja findet es genial und wir lachen uns schlapp.

Auch in diesem Schwimmerbecken wird im Schwimmunterricht von rechts nach links geschwommen und nicht längs – ich frage mich wirklich, was das soll? Hier werden aber zwei Bahnen abgetrennt, damit man dort in Ruhe schwimmen oder einfach sein kann, was uns gut gefällt. Blöd ist, das beide Becken immer in der prallen Sonne sind, aber man kann ja nicht alles haben. Wir bleiben meist so 20 Minuten im Wasser, dann machen wir Snackpause und danach geht Renata ihre Bahnen ziehen, während Anja und ich den Club erkunden. Wir entdecken die Duschen, sammeln Müll auf und bringen ihn in die bereitgestellten Mülleimer (Anjas Hobby), rocken ab zur Musik, die aus den Lautsprechern oder aus dem Fitnessstudio schallt und freuen uns, wenn andere Leute mitmachen, schauen uns ein Basketballspiel an oder vergnügen uns auf dem Spielplatz. Leider liegen auf dem Boden oft Scherben, Drahtstücke oder kleine Haufen Kot, sodass ich immer beide Augen auf den Boden gerichtet habe, um Unfälle zu vermeiden. Laut Clubordnung und Leitung sind Hunde verboten und es ist uns ein Rätsel, wieso die braunen Haufen regelmäßig auftauchen – und vor allem nicht entfernt werden! Auch der Spielplatz hat seine Tücken. Viele Oberflächen sind aus mir unerklärlichen Gründen aus Metall, was natürlich total Sinn ergibt für Spielgeräte, die die meiste Zeit in der prallen Sonne stehen, da werdet ihr mir sicher zustimmen. Manche Geräte sehen auch nicht sehr vertrauenerweckend aus und einiges ist bereits kaputtgegangen, seit wir dort sind (nicht durch uns natürlich!). Es ist trotzdem schön, dass es überhaupt einen Spielplatz mit verschiedenen und tollen Geräten gibt und ich lasse Anja im Rahmen der sicheren Möglichkeiten so viel Freiraum, dass sie sich ungestört ausprobieren kann – und sie macht waghalsige Dinge, kann ich euch sagen!

Ich freue mich trotz mancher Mängel wirklich sehr, dass wir in diesem Club Mitglied sind. Den Weg alleine zurücklegen zu können gibt mir das Gefühl, mein Leben irgendwie in der Hand zu haben, wenn ihr versteht, was ich meine. Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, dass die Familie mich fährt, ich finde mich zurecht und tue etwas für meinen Körper und meine Gesundheit und gleichzeitig etwas gegen die ungesunde Energie, die machmal in mir brodelt und mit der ich nicht weiß, wohin. Das scheinen winzige Schritte zu sein, aber mit diesen winzigen Schritten gehe ich dem Gefühl entgegen, mich hier wohlzufühlen, und dieses Gefühl ist unglaublich gewachsen in letzter Zeit. Ich bin „gezwungen“, mich alleine mit Menschen auseinanderzusetzen und mit ihnen in Kontakt zu treten, sowohl auf der Straße als auch im Club, ohne Hilfe und Übersetzerin. „Gezwungen“ mit Anführungsstrichen, weil es nicht ein negatives Zwingen ist, sondern ein liebevoller, notwendiger Schubser in die Richtung, in die ich mir wünsche, zu gehen. Anfangs bin ich jedoch davor zurückgescheut, jetzt traue ich mich und das fühlt sich gut an. Ich bin mit der „realen Welt“ in Berührung und das macht es realer und leichter, ein Teil davon zu sein bzw. zu werden. Die meisten Leute, die ich bis jetzt dort oder auf dem Weg dorthin getroffen habe, waren jedenfalls sehr freundlich. Auf dem Weg lächeln mich viele Menschen an, grüßen mich, machen mir in der für sie eigenen subtilen Art Komplimente (z.B. Kussmünder begleitet von „Muy hermosa!“ oder „Muy bonita!“) oder hupen mich an. Im Club sind die Menschen ebenfalls sehr nett und überaus hilfsbereit, wenn sie merken, dass ich mit Spanisch noch unsicher bin. Sie versuchen sich in Englisch, versuchen, jemanden zu finden, der Englisch spricht oder nutzen Hände und Füße, um mir etwas zu erzählen oder zu erklären. Die Pförtner kennen mich schon, ist ja auch nicht so schwer, mich wiederzuerkennen als Blondine zwischen den Kolumbianern  😉 Sie machen mir die Pforte auf, ohne meinen Ausweis sehen zu wollen und wünschen mir wie selbstverständlich „Buenos días!“, worauf ich strahlend ebenfalls mit einem „Buenos días!“ antworte.

Morgens stehe ich jetzt meist gegen 6.15h auf, streife meinen Bikini über und mache mich auf den Weg, um vor der Arbeit in Ruhe einen Kilometer zu schwimmen. Ich brauche mich nicht zu beeilen, denn ich beginne meinen Arbeitstag erst um 10h, sodass ich mir oft die Zeit nehme, um mich auf den Liegen auszustrecken und der Musik zu lauschen, die manchmal anwesenden anderen Leute zu beobachten oder einfach in den Himmel zu schauen.

Ich weiß, dass ich hier ein sehr luxuriöses Leben führe und finde das einerseits toll, denn in Deutschland bin ich das in diesen Ausmaßen nicht gewöhnt, andererseits finde ich es schade, denn dies scheint nicht das Leben eines typischen Kolumbianers zu sein – vielleicht das der gehobeneren Schicht, ja, aber das Leben des Großteils der kolumbianischen Gesellschaft scheint sich sehr von meinem zu unterscheiden. Aber das ist nun mal so – in Deutschland gibt es ja auch nicht DAS typische deutsche Leben – ich bin mir sicher, dass sich das Lebens eines ALGII-Empfängers sehr von dem einer Anwaltsfamilie unterscheidet. Und egal, welches Leben ich hier kennenlerne – es ist auf jeden Fall anders als das, was ich in Deutschland führe und definitiv eine Umstellung, Erfahrung und Herausforderung! Ich werde mir Mühe geben, euch in Zukunft mehr davon zu berichten und teilhaben zu lassen – ich freue mich darauf, dass ihr mit mir mitreist und mir die Gelegenheit gebt, euch zu berichten.

Bis zum nächsten Post … un abrazo grande! x

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Lebenskette

Hallo ihr Lebensmaler,

jetzt hat es mich auch erwischt. Inmitten des einsetzenden Sommers (28°C sollen es werden heute!) hab ich mich erkältet. Na wunderbar. Mit geschwollenem Hals, laufender Nase und kalten Füßen sitze ich daheim und schlürfe Tee. Mit Sonnenbrand. Ha. Ein bißchen komisch ist es ja auch.
Jedenfalls, während ich so schlürfe, schniefe und surfe, möchte ich wieder etwas Leben und Farbe auf meinem Blog verbreiten. Ich bin während meiner Prüfungsvorbereitung spazieren gegangen, um den Kopf frei zu bekommen und habe währenddessen Fotos gemacht, an denen ich euch jetzt teilhaben lassen werde.

Jeder schöne Augenblick ist eine Perle,
die wir auf die Kette unseres Lebens fädeln.
Und jeder glitzernde Glücksmoment,
den wir genießen,
macht unsere Kette ein kleines bißchen kostbarer.

Ich wünsche euch ganz viele schöne Augenblicke für eure Lebenskette. Was freut euch, worauf freut ihr euch?

Mehr Leben leben.

Heute ist aus irgendeinem Grund ein wundervoller Tag. Es ist kalt, es ist grau, ich bin krank und schon um 8 Uhr aufgestanden und das an einem Sonntag.  Aber ich bin voller Lebensfreude. Ich glaube, es liegt daran, dass ich weniger für die Schule gemacht habe, mein Pflichtbewusstsein einfach mal Pflichtbewusstsein sein lassen habe, Freitag trotz Kälte 4 Stunden auf einem Lagerfeuergeburtstag war, Samstag gebacken und in den Tag hineingelebt habe und ein viel ausgewogeneres Leben geführt habe. Das Gleichgewicht zwischen Pflicht und Freizeit geht mir nämlich ganz, ganz leicht flöten im grauen Alltag, ich werde gestresst, raufe mir die Haare und die kleinen grauen Zellen in meinem Kopf versuchen, mir die Überbelastung mitzuteilen, indem sie sehr vernehmlich gegen die Innenwände meines Kopfes klopfen.

Das ist echt schade, denn mein Leben könnte sehr entspannt sein. Die Abiturientin in mir jedoch kennt sich irgendwie noch nicht so aus mit dem Prinzip der Freizeit. Sobald sich eine ruhige Minute oder gar Stunde (Gott bewahre!) abzuzeichnen beginnt, wird sie hibbelig. Man könnte doch … hast du daran gedacht, dass … und überhaupt, meinst du nicht, du solltest noch … ??

Nein, meine ich nicht. Ich möchte nicht wieder zu einem Nervenbündel werden wie vor 3 Jahren. Ich möchte nicht gestresst und genervt und unruhig und unausgeglichen werden wie zur Schulzeit. Ich möchte nicht kein soziales Leben haben. Und darum nehme ich mir ganz bewusst Auszeiten. Ich sehe Freunde, sage Verabredungen nicht ab, obwohl ich eigentlich noch was für die Schule tun könnte und mache abends auch dann das Licht aus, wenn ich noch nicht alle 7 Seiten für die Schule gelesen habe. Ich nehme mir Zeit, Kreatives zu tun, spazieren zu gehen und ich höre einfach viel mehr auf meinen Bauch – wenn ich keine Lust mehr habe, dann quäle ich mich nicht bis zum Ende mit etwas herum, sondern ziehe die Konsequenz und schalte ab.

Meine Mission: mehr Leben leben – und zwar jetzt. Ich hoffe, ihr macht mir und könnt abschalten von eurem Alltag. Das ist nämlich wichtig. Wie bringt ihr euren vollen Terminkalender und eure Freizeit unter einen Hut?

lifeisamazing

Farm Charm – Zivilisation

Uuuuh, Zivilisation. Das bedeutet unter anderem:
Straßen. Autos. Ampeln. Verkehr. Menschen. Läden. Lichter, Straßenlaternen. Busse.

Am Donnerstag haben Kate, Fraser und ich uns gegen 14h auf den Weg in die Stadt gemacht. Der eigentliche Grund war ein Zahnarzttermin von Kate, aber verbunden damit waren mehrere andere Dinge, unter anderem auch Frasers Abreise. Das hat die Stimmung ganz schön gedrückt, aber wir haben uns allergrößte Mühe gegeben, die letzten Stunden mit ihm zu genießen. Außerdem haben wir Wajihah wiedergesehen, die extra noch eine Nacht länger in Townsville geblieben ist. „The Brook Crew“ war wieder beisammen!

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Kate, meine Wenigkeit, Wajihah und Fraser formen die Brook-Crew!

Nachdem wir also 4 Stunden über Queenslands einsame Straßen gefahren waren – Fahranweisung waren: rechts, links, rechts – kamen wir in Townsville an und haben unsere Zimmer bezogen; durch einen glücklichen Zufall haben wir für den Preis eines Schlafsaales Doppelzimmer bekommen, sodass Kate und ich uns eines geteilt und Fraser und Wajihah im anderen genächtigt haben.
Wir haben uns kurz frischgemacht und das Hostel auskundschaftet, dann haben wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht, um etwas zu essen. Im Pub haben wir uns dann über unsere Zukunftspläne ausgetauscht, da Wajihah am nächsten Tag nach Cairns reisen sollte, für Fraser ging es zurück nach Sydney und auch Kate wird in einer Woche abreisen! Außerdem haben wir Fraser nach seinen „Highs and Lows“ gefragt, also seinen Höhe- und Tiefpunkten; eine Brook-Tradition und da er kein BBQ zum Abschied bekommen hatte, fanden wir, dass wir ihn einfach beim letzten gemeinsam Essen fragen sollten.

Nach unserem Abendmahl haben wir uns noch in eine Bar verirrt, die uns überfordert hat an Menschen, Musik und Misswahlen – und mir das teuerste Cider meines Lebens verkauft hat. Den restlichen Abend haben wir dann im Hostel verbracht, wo wir Mädels Fraser in Ruhe gelassen und uns in Kates und meinem Zimmer zusammengesetzt haben, um einfach nur zu quatschen – wie in guten alten Brook-Zeiten.

Am nächsten Tag haben wir uns morgens – mal wieder – von Wajihah verabschiedet und sind dann zu dritt losgefahren, um Kate beim Zahnarzt abzusetzen und im Baumarkt etwas für Darcy und Lynda umzutauschen. Nachdem Fraser und ich uns ein paar Mal erfolgreich verfahren haben, haben wir Kate wieder abgeholt und sind zurück in die Stadt gedüst. Nach kurzer Selbstverfügung kam dann der furchtbarste Teil des Tages: die Fahrt zum Flughafen und der Abschied von Fraser. Nach Umarmungen und guten Wünschen haben wir gewunken und dann bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr mir dieser Kerl ans Herz gewachsen ist. Auch Kate ist das ziemlich nah gegangen, wenn auch weniger Tränen involviert waren – sie weiß ja, wann sie ihn wiedersieht, ich hingegen bin mir ziemlich sicher, dass ich ihn an diesem Flughafen das letzte Mal zu Gesicht bekommen habe. Ein winziger Hoffnungsfunke glimmt in mir, dass wir uns eventuell in Neuseeland treffen, aber das wird vermutlich nicht so einfach.

Den restlichen Tag haben wir in allen möglichen Läden verbracht, unter anderem einem Friseur (meine neue Frisur zeige ich euch in den nächsten Tagen! Bin schon gespannt, was ihr sagt!) und 2nd-Hand-Shops. Abends sind wir auf den 286m hohen Castle Hill gefahren, um uns einen 360°- Sonnenuntergang anzuschauen. Es war echt atemberaubend, auf der einen Seite die Stadt mit ihren Lichtern, auf der anderen Seite aber die Sonne ins Meer tauchen zu sehen, in dessen Mitte die schwarze „Magnetische Insel“ schwamm.

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Kate und der Sonnenuntergang – wunderschön, wie ich finde.

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Die untergehende Sonne lässt die Felsen rot erstrahlen – ein klasse Kontrast zum Meerblau und Himmelviolett.

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Magnetic Island – 8km vom Festland entfernt.

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Time to stop and stare – findet ihr Kate?

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Solch lebendige Farben!

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Am nächsten Tag haben wir uns nach dem Auschecken unseren Weg durch die Stadt zum Strand gebahnt, um in Juliette’s Café etwas zu trinken, unsere Füße im Sand zu vergraben und die Sonne auf unserer Haut zu genießen. Danach ging es dann Richtung Farm – das Abenteuer Zivilisation ist erfolgreich abgeschlossen.

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Kaffee, gute Bücher und nette Gesellschaft – ein wunderbarer Start in den Tag.

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Diese Brände sind kontrollierte Brände – zum einen machen sie die Erde fruchtbar, zum anderen werden so natürliche Brände verhindert, die in der Trockenzeit einfach ausbrechen und unberechenbar wüten.

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Die 2 Kerle in diesem Auto haben uns unsere Heimreise ungemein versüßt, indem wir immer wieder aneinander vorbeigefahren sind und gehupt haben. Als wir auf die Landstraße heimwärts abbogen, haben sie sogar gewunken. Australia, mate.

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Hit the road, Jack.

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Hier links, nach 1 Stunde rechts, und nach einer weiteren Stunde wieder links. Easy as, mate.

Zufrieden sein

Okay, ich mag es offiziell, ganz alleine hier zu sein. Es ist nicht gruselig oder angsteinflößend, sondern entspannt und äußerst gut für meine Laune. Zum Beispiel ist es jetzt 23.40h und ich sitze laut singend im Klassenzimmer und tippe fröhlich diesen Text. Außerdem laufe ich in meinen Klamotten rum, wie ich will, ohne mir die ganze Zeit Gedanken zu machen, wie ich wohl aussehe, und ich esse, wann ich will und stapele das Geschirr im Abwaschbecken, bis ich kein Besteck/Geschirr mehr habe. Außerdem stehe ich auf und schlafe, wann immer mir danach ist, ich räume mal hier und mal da auf, singe laut vor mich hin, koche und backe, schaue nur dann Fernsehen, wann ich will, lümmele auf der Couch und lese und wasche so viel Wäsche, wie ich will. Ich bin wieder fröhlich und dieser Fakt wiederum stimmt mich fröhlicher, als ich es mir je hätte denken können. Und zu meiner guten Laune trägt außerdem der Song „Drops of Jupiter“ von Train bei. Es ist mein absoluter Allzeit-Lieblinsgsong für gute Laune. Er erinnert mich ans Reisen, ans Heimkommen, an Freundschaft und ans Lernen und Entwickeln, ans Verändern und ans Leben Genießen. Ich singe lauthals mit und denke an meine beste Freundin und daran, wie zufrieden ich wieder bin.

Was ist euer Gute Laune Song? Was tut ihr am liebsten, was stimmt euch fröhlich?

Farm Charm – Not Good Cherry Eating

„With me is not good cherry eating.“

Wirklich nicht, denn in den letzten Tagen war ich so unglaublich schlecht drauf, das kann sich echt keiner vorstellen. Ich hatte keinen Hunger (absolut unnatürlich für mich), ich wusste bei der Arbeit nicht, wo anfangen sollte und bin im Endeffekt wie ein kopfloses Huhn hin – und hergelaufen und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hab ich auch noch angefangen zu heulen vor meinem Farmpapa – Himmel, was für eine Woche. Der arme Kerl wusste gar nicht, was er machen sollte, hat sich aber äußerst lieb um mich gekümmert und die Situation gerettet.

Jetzt hab ich das Wochenende für mich alleine, denn Wajihah, Kate und Fraser sind in Charters auf einem Festival, Darcy arbeitet auf einem anderen Grundstück und Lynda und die Kinder sind seit Dienstag auf einer Schulveranstaltung und kommen vermutlich erst Sonntag wieder. Alleine im australischen Busch! Mal sehen, was ich so anstelle. Heute hab ich erstmal ganz viele Kekse gegessen und bin ne Runde Quad gefahren – ein guter Start, wenn ihr mich fragt.

Auf jeden Fall wird jetzt erst mal meine Musik aufgedreht und dann schwinge ich den Besen. Und den Pinsel. Und dann räum ich den Schrank auf und das Wohnzimmer um und gehe spazieren und stelle die Pumpe aus und dann backe ich und brau ich und morgen hol ich der Königin … naja, das geht dann wohl doch zu weit. Wie ihr seht, werd ich schon verrückt und bin noch nicht mal 2 Stunden alleine. Herr im Himmel, das wird was werden 😉

Meine Karriere als Glasbläserin

Jackson liebt das Glassblowing Centre und fragt ganz oft, ob wir hingehen und beim Glasblasen zugucken können. Ja, und nicht nur das: „selbst machen!“ hieß es für mich an einem schönen Wochenendtag.

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Nachdem Sicherheitskleidung (Schürze, Handschuhe und für Nicht-Brillen-Träger eine Schutzbrille) angelegt wurde, geht es zunächst ans Aussuchen der Farben.

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Danach wird ein Klumpen Glas in den heißen Ofen geschoben und gleichmäßig gedreht, um das Glas … zu erhitzen. Äh, genau. Hättet ihr wahrscheinlich nicht erraten, wenn ich es nicht erwähnt hätte. Wie gut, dass ihr mich habt.

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Danach wird das heiße Glas gleichmäßig durch die ausgestreuten Glassplitter der gewählten Farbe(n) gerollt und wieder erhitzt. Und lasst euch gesagt sein: es ist ziemlich heiß.

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Danach geht es daran, das Glas bzw. den Baum in der Mitte der Kugel zu formen. Das funktioniert folgendermaßen:Durch den Stab mit der potenziellen Kugel wird Luft geblasen, sodass besagte Kugel entsteht. Der Stab wird gedreht und mit einer spitzen Zange wird an drei Stellen in die Kugel eingestochen, sodass das eingestochene Glas an der Innenseite der Glaskugel kleben bleibt, in etwa so wie Kaugummi.  Zwischen den einzelnen Einstichen (hört sich an wie eine Ermordung und dann wie eine Operation, was ich da gemacht hab – und das alles innerhalb von 5 Minuten!) wird die Kugel immer wieder „aufgeblasen“. Danach geht’s wieder in den Ofen.

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Danach wird die Kugel in ihre runde Form gebracht, mit einer  – wer hätte das gedacht? – runden Kelle. Ich spreche wahre Weisheiten aus heute. Da muss was im Wasser gewesen sein, passiert doch sonst nicht! Zuerst wird die also Kugel erhitzt, dann aufgepustet und mit der nassen Kelle geformt, wieder erhitzt, während die Kelle ins Wasser getaucht wird, dann wird wieder aufgepustet und geformt.

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Nachdem die Kugel die gewünschte Form hat, wird dort, wo später der Haken ist, das Glas ganz ganz dünn gedrückt.

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Danach wird mit der „Kugel am Stab“ zu einer Werkbank gewandert, wo die dünne Stelle der Kugel mit dem Bunsenbrenner (so einem Schlauch-Bunsenbrenner) erhitzt und dann abgeknipst wird. Dann wird das Glas zu einem Haken geformt und die immer noch heiße Kugel landet im „Backofen“, wo sie ein paar Tage lagert, bevor sie abgeholt werden kann.

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Danach mache man noch ein wunderbares Foto mit seinem Lehrer und voilà: fertig ist das Samstagsvormittagsvergnügen! 🙂 Ich muss leider zu meiner Schande gestehen, dass ich vergessen habe, wie der beste Glasbläserlehrer der Welt heißt. Muss ich beim nächsten Mal Zugucken nachfragen 😉

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Achso, hier ist übrigens das gute Stück:

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Aber warum schmücken wir unseren Weihnachtsbaum eigentlich mit Kugeln? Und seit wann? Wer hat damit angefangen? Und wie war es vorher? Was hat es mit diesem Baum in der Mitte der Kugel auf sich (den wahrscheinlich niemand erkennt auf dem Foto)? Das könnt ihr im nächsten Post lesen, wenn es euch interessiert.

Habt ihr auch mal was richtig Ausgefallenes gemacht? Was war das und wo? 🙂