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Aventuras Nuevas – Als ich einmal Rednerin auf einer Abschlussfeier war …

Ich melde mich zurück mit einer weiteren Geschichte aus dem ereignisreichen Dezember! Ich arbeite so langsam alles ab, was liegengeblieben ist.

Meine Freundin Marcela hatte mich gefragt, ob ich auf der Abschlussfeier des Englischinstitutes, in dem sie arbeitete, eine Rede halten könne. Es gehe um die Wichtigkeit von Englisch im Leben, und es sei so schwer, jemanden zu finden, der interessant und/oder authentisch davon erzählen könne. Rednern von hier nähmen die Schüler das weniger ab als einer offensichtlichen „Ausländerin“ … und wo ich doch schon mal hier sei …

Sie hätte sich gar keine Sorgen machen müssen, ich mochte die Idee und sie versicherte mir, die Rede würde auf Englisch erwartet. Ich setzte mich also an den Schreibtisch und dachte nach, schrieb, strich durch, schrieb erneut quer am Rand entlang um die Ecke … Mehrere Stunden, die Tage wurden, und unzählige zerknüllte Blätter später hatte ich dann meine Rede fertig. Ich hatte mir vorgenommen, den Anfang und das Ende davon auf Spanisch zu schreiben, da dies die Authentizität des Inhaltes unterstreichen und mir von Anfang an die Aufmerksamkeit der Schüler sichern würde. Ich jagte die dafür vorgesehenen Teile durch google translate, ließ Angel Korrektur lesen und schreiben und präsentierte schließlich Marcela stolz meine Rede. Sie wand ein, dass ihre Chefs eine Rede rein auf Englisch wollten, aber begeisterte sich nach meiner Argumentation doch dafür: „Okay, wir machen deine Spanglisch-Sandwich-Rede einfach so!“

Am 12.12. hatte ich mir den Nachmittag freigenommen und machte ich mich für 17 Uhr fertig, unterstützt von Maria Elizabeth, die uns im Haushalt hilft: sie wusch last minute vorher unentdeckte Flecken aus meinem Kleid und bot mir von ihr handgefertigten Schmuck als Accessoires an – leider haben diese Stücke es nicht mehr pünktlich zu uns geschafft, obwohl ich mit Verspätung abgeholt wurde. Marcela und ihre Mutter holten mich in einem Taxi ab, dass uns durch verkehrsgefüllte Straßen zum Holiday Inn Hotel fuhr, wo die Feier stattfinden sollte. Endlich im Festsaal angekommen, bugsierte Marcela mich auf einen Stuhl auf der Tribüne und verschwand, um auf die letzte Minute noch einige Wogen zu glätten. Ihr Chef saß neben mir und tippte geschäftig auf seinem Telefon herum, während ich nervös die Leute beobachtete, meine Rede mit schwitzigen Händen auf- und zufaltete und darüber nachsann, ob es unhöflich sei, schon von meinem Wasser zu trinken. Irgendwann füllte sich unser Tisch auf dem Podest, die Lichter wurden gedimmt, nach und nach marschierten die Schüler zu ihren Sitzreihen, und die beiden Lehrer, die rednerisch durch’s Programm führten, begrüßten alle Anwesenden. Fast am Ende des ersten Drittels des Abends kamen die Vizepräsidenten des Institutes dann durch den Mittelgang spaziert, ganz entspannt, obwohl zu spät … also ehrlich! Das Programm war ein bunter Mix aus allem, es wurden verschiedene Reden gehalten, Projekte vorgestellt, gesungen und getanzt, Präsentationen … tja, präsentiert … und dann war ich dran.

Mit zitternden Beinen stand ich auf und ging, begleitet von Marcela, die die englischen Teile meiner Rede für die Familien der Schüler übersetzen würde, zum Rednerpult. Mein Mikrofon funktionierte anfangs nicht, sodass ich schon mal mit einem Lacher starten durfte – das machte mich den Zuhörern sympathisch und die Spannung viel von mir ab. Besser hätte es nicht sein können und die Rede kam sehr gut an. Ich bekam den lautesten Applaus des Abends und es war echt ein gutes Gefühl, meine Erfahrungen so einer breiten Masse präsentieren zu können – bei der sie vielleicht sogar auf fruchtbaren Boden fallen, etwas bewirken, Träume inspirieren und motivieren … Das war ein sehr belohnendes Gefühl und ich war stolz. Als wir uns wieder auf unsere Stühle plumpsen lassen wollten (so anmutig wie möglich natürlich!), klatschten die Chefs und Vizepräsidenten wie verrückt und umarmten und küssten mich … ach, ich war so erleichtert!

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Marcela steht mir bei meiner Rede zur Seite

Später wurde ich dann noch ins kalte Wasser geworden und als Glücksfee für eine Tombola ausgewählt. Der Vizepräsident fand es dann sehr witzig, mich als la mano inocente de Alemania vorzustellen und mich einige Dinge zu fragen … unter anderem, ob ich denn verheiratet oder single sei. Dies verwirrte mich so, dass ich „single“ sagte, und mich dann fix verbessern musste: „No estoy casada pero no estoy soltera tampoco. Tengo novio!“ [„Ich bin nicht verheiratet, aber auch nicht single. Ich habe einen Freund.“] Das fanden dann alle so toll und als sie dann auch noch erfuhren, dass el novio mio ein Cucuteño war, waren sie aus dem Häuschen. Angel wurde zwar eingeladen als mein +1, konnte aber nicht mitkommen, sonst hätten sie ihn sicher auch auf die Bühne geholt, um ihn sich näher anzugucken, diese verrückten Kolombianer. Der Mann, dessen Familie den Tombola-Preis gewonnen hat, hat mich 100x umarmt und sich bedankt, und ich war dann ebenfalls sehr dankbar, als ich wieder hinter den Tisch auf meinen sicheren Platz verschwinden konnte und nur noch hübsch lächeln musste.

Schließlich begann die langwierige Prozedur, die Urkunden an die Schüler zu übergeben, während der ich meine Gesichtsmuskeln für die Fotos überstrapazierte, und schließlich wurde ein typisches Abschlussfoto gemacht mit den Urkunden und fliegenden Hüten. Nach tosendem Abschiedsapplaus verlief sich die Menschenmenge ganz fix. Es wurde Sekt ausgeschenkt und wir durften uns frei bewegen – ich kann gar nicht zählen, wie viele Schüler zu mir kamen und unbedingt ein Foto mit mir machen und mit mir sprechen wollten. Es war aber eine positive Aufmerksamkeit und alle waren sehr lieb, sprachen Englisch und fragten ganz interessiert viele verschiedene Dinge. Mir wurden auf englisch und spanisch so viele herzliche Komplimente gemacht, was ich sehr genossen habe. Auch Marcelas Kollegen haben mich beglückwünscht, mir gratuliert und Komplimente gemacht – es tat so gut, denn auch sie hatten Zweifel an meiner Spanglisch-Sandwich-Idee und ich wollte Marcela keine Schwierigkeiten machen, aber gleichzeitig auch nicht die Idee hinter meiner Rede aufgeben … Gut, dass sie so gut angenommen wurde. Später machten Marcela und ich noch Fotos, alleine und mit ihren Kollegen, und schließlich verließen auch wir das Hotel – erleichtert und euphorisch, aber auch erschöpft.

Ich wurde zu Hause abgesetzt und von Javier begrüßt, der mich normalerweise nur in meiner ausgeleierten, beschmutzten Arbeitskleidung sieht – er war hin und weg von meinem Outfit. Ich berichtete von meinem Abend, übersetzte ihm meine Rede und wir machten Fotos – dass er meine Freude teilte, war ein wunderschöner Abschluss dieses tollen Abends!

Für diejenigen, die meine Rede interessiert, folgt sie jetzt im Original. Ansonsten verabschiede ich mich und bedanke mich für’s euer Mitlesen … bis zum nächsten Post! 🙂

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Buenas noches y felicitaciones por su grado. Todos ustedes pueden sentirse muy orgullosos de ustedes mismos por  cumplir este gran logro. Me siento honrada de formar parte de la celebración.

La coordinadora Marcela me invitó para dar este discurso a ustedes sobre un tema muy importante para mí y para ustedes también. Para hacerlo permitánme contarles sobre mí y mi vida.

My name is Katharina and I am 26. I am from Germany, a country in Europe, and I am in Cúcuta to learn about Colombian culture and how to speak Spanish. This is my first time in Latin America and it’s been a special experience, just like other experiences I have made in other countries.

I jumped out of an airplane, I snorkelled with dolphins, I learned the traditional war dance of New Zealand’s indigenous people, I walked through an active volcanic area, I held koalas on my arm and I lived in the Australian outback as a cowgirl for 5 months. I have friends from over 10 different countries around the world who have shared and still share their lives and cultures with me.

Now you maybe ask yourselves how that is possible. Do I speak over 10 different languages? No, no I don’t … but I speak English.

[Pause]

6 years ago, I was where you are now: I graduated and I was so glad that school was over. I need to tell you something that teachers don’t like to hear: I forgot most of what I learned in school. I forgot probably more than I remember. Most of the things I was taught I didn’t find useful.

Except one subject and that is English. Speaking English opened doors for me and gave me so many opportunities to get in touch with the world. Traveling, working and living in countries that are different from my own helped me to see things in a new way, helped me to learn how to deal with problems and how to stand up for myself.

My personality changed, I grew more self-confident and more courageous. I am more curious now, more adventurous and more spontaneous. I am more understanding of people, situations and decisions and I am more grateful for what I own. I have more insight into this fascinating world, more experiences and more memories than ever before. I am lucky to call more people my friends and more than one place my home.

[Pause]

He utilizado la palabra “more” – más – varias veces – lo hice a propósito para mostrarles la cantidad de “más” que hay que experimentar para saber más de un idioma. Yo misma estoy aprendiendo hablar un idioma más – el español. No es fácil para mí – en realidad es muy desafiante. A veces sólo quiero rendirme porque es demasiado duro – y entonces recuerdo que no voy a conseguir „más” por rendirme.

Por eso, mi consejo para ustedes es: nunca rendirse porque algo es duro o difícil. Si realmente lo desean, pueden conseguirlo. El conocimiento es poder, y si siguen trabajando por este poder, lo obtendrán – con el tiempo. Con el poder que ganaron, pueden crear la vida que desean tener. Les deseo lo mejor en esta nueva etapa de sus vidas. Cualquier cosa que decidan hacer con sus vidas, espero que siempre tengan la voluntad, el valor y la fuerza para aspirar “más” y siempre enfocados en hacer el bien.

Aus dem Mund von … Mark Forster

Hallo liebe Lebensmaler,

ich bin neulich auf einem meiner Streifzüge durch youtube über ein Lied gestolpert: „Zu dir (Weit weg)“ von Mark Forster. Ich konnte den Hype um ihn nie verstehen, darum habe ich auch nicht viel erwartet, als ich das Video anklickte … und dann wurde ich eingehüllt in seine Stimme und den Text und die Melodie dieses großartigen Liedes, und habe mich verstanden und aufgehoben und getröstet gefühlt. Es ist einfach und schnörkellos, ohne große Effekte und Schnickschnack, trifft aber gerade deswegen mitten ins Herz – nicht nur die Melodie, sondern auch der Text. In Bahn und Bus steigen, Abschied nehmen, Skypen, Entfernung überbrücken, Müdigkeit, Alltag meistern, Vermissen – es geht um den Alltag all jener, die Liebe in einer anderen Stadt oder einem anderen Land gefunden haben. Das Lied beschreibt eine Beziehung, die von Distanz, Trennungen, Fragen und Unsicherheit gekennzeichnet ist – die aber gleichzeitig genug Liebe und Sicherheit besitzt, dass es „für immer“ sein kann. Ich finde es so schön – Marks Stimme ist so besänftigend und liebevoll und er erzählt von Gefühlen, die gleichzeitig alltäglich und doch so außergewöhnlich und groß sein können. Die Melodie trägt den Zuhörer wunderbar durch diese kleine (Liebes-)Geschichte … vielleicht lasst ihr euch ja auch tragen?

markforster

 

Aventuras Nuevas – Español

Hallo liebe Lebensmaler,

ich möchte jetzt gerne mal loswerden, wie es mit meiner Sprache so funktioniert. In Kolumbien wird spanisch gesprochen und mein Wunsch war es schon längere Zeit, diese Sprache auch zu beherrschen. Prinzipiell sagt man ja: „Wenn du täglich von der Sprache umgeben bist, kommt das ganz schnell!“

Das Einzige, was hier schnell kommt, ist ein riesiges Fragezeichen in meinem Gesicht.

Zu Beginn sind Renata und ich immer zusammen auf den Spielplatz gegangen und sie hat mich vorgestellt, wenn jemand interessiert war, hat ganz langsam und deutlich gesprochen, sodass ich Sätze oder Wörter aufschnappen und eine Idee bekommen konnte, wie ich hier auf Kinder zugehen kann. Das hat viel geholfen, genauso wie unser allabendlicher Spanischunterricht. Trotzdem war es oft schwierig, ein Gespräch zu beginnen oder die Kinder dann zu verstehen. Ich habe erklärt, dass ich nur ganz wenig Spanisch spreche, aber ich glaube, Kindern ist nicht bewusst, dass sie eine „Sprache“ sprechen bzw. wie diese heißt, und dass es noch andere gibt. Somit war es für die Kinder schwer zu verstehen, wieso ich sie nicht verstehe. Eine Mama hat toll reagiert und ihrem Sohn ganz einfach erklärt, dass ich andere Wörter benutze, weil ich aus einem anderen Land komme, und darum nur wenige Wörter verstehe, die er benutzt. Das fand ich toll, und sie ist auch eine der wenigen Mamas, die normal sind. Juan Pablo ist ein Riesenfan von unserer Anja (und mir) und freut sich jedes Mal, uns zu sehen. („Hola niiiñaaaaaa!“ ruft er immer.)

spielplatz

„Unser“ Spielplatz

Ansonsten ist es für die meisten Erwachsenen schwer zu verstehen, was ich hier mache. Oft sprechen sie mich an und wenn ich dann erkläre, dass ich noch nicht so viel verstehe und sie bitte, langsamer zu sprechen und das Gesagte zu wiederholen, dann gibt es i.d.R. eine entweder … oder– Situation. Entweder schweigen sie komplett (was mir natürlich ungemein hilft, mein Spanisch zu verbessern) oder sie wiederholen alles, aber nicht etwa langsamer, sondern lediglich lauter. Auch super.

Was viele Menschen vergessen oder vielleicht auch noch gar nicht erfahren haben, ist, dass ein Mensch ohne seine Sprache eine vollkommen andere Person ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich offen auf Menschen zugehe und keine Probleme damit habe, jemanden kennenzulernen, dass ich auch bzw. gerade mit Kindern gut Kontakt knüpfen kann und generell Freude daran habe, mit Menschen in einen Austausch zu treten. Hier fehlen mir die Mittel, diesen Teil meiner Persönlichkeit auszuleben und somit fühle ich mich immer eingeschränkt und überhaupt nicht wie ich selbst. Das macht es mir sehr schwer, mich hier einzuleben und zu Hause zu fühlen.

In den letzten Wochen habe ich aber mehr und mehr Verantwortung übertragen bekommen und gehe mit Anja jetzt alleine auf den Spielplatz usw. Ich habe während dieser Solobesuche festgestellt, dass es besser ist, zu erklären, dass ich Spanisch hier lerne und deswegen noch nicht so viel sprechen/verstehen kann („Aprendo español aquí y sólo puedo hablar un poco“) anstatt nur zu sagen, dass ich noch nicht so viel spreche. Dann können Erwachsene meine Situation besser nachvollziehen und die Wahrscheinlichkeit von Folgefragen und Gesprächen steigt rapide an. Spielplatzgespräche kann ich schon ganz gut schaffen, denn im Prinzip sind es immer die gleichen Fragen und Themen, was mir hilft, mich verständlich zu machen und andere zu verstehen. Nachdem dann aber alles „Übliche“ durchgesprochen wurde, fällt es mir schwer, weiter zu erzählen bzw. Fragen zu stellen oder auch bei einer zweiten Begegnung neue Anknüpfungspunkte zu finden. Auch bei neuen Menschen ohne Kinder ist es irgendwie schwierig, etwas zu finden, was nicht langweilig ist, über das ich aber auch sprechen kann.

Neulich habe ich mit einer Frau gesprochen, die mir ein Kompliment gemacht hat – für 2.5 Wochen spräche ich schon richtig gut Spanisch, sagte sie. Heute habe ich mich mit einer Frau unterhalten, deren Hund uns immer freudig begrüßt. Auch sie war beeindruckt, dass ich nach 4 Wochen schon so viel Spanisch spreche. Das war Balsam für mein ramponiertes Selbstbewusstsein. Besonders knickt dieses ein, wenn mich wildfremde Männer mit eindeutigen Absichten anzwinkern, mir etwas zurufen oder mir zu nahe kommen … das mag ich nicht, weil ich mich in diesen Momenten definitiv außerhalb meiner Sicherheits-Komfort-Zone befinde und nichts schlagfertig erwidern kann. Der beste Weg zum Spielplatz führt leider an einer Baustelle vorbei und dementsprechend muss ich Pfiffe und sonstige Rufe über mich ergehen lassen. Neulich haben zwei der Bauarbeiter von dort auf dem Gelände des Spielplatzes Pause gemacht, Anja wollte ihnen unbedingt Hallo sagen und somit wurde mir ein Gespräch aufgedrängt. Nachdem ich erklärt hatte, wie mein Leben momentan aussieht, machten mir allerdings auch die beiden Komplimente, waren beeindruckt und meinten, dass sei sicher schwierig hier für mich. Seit diesem Gespräch gibt’s keine Pfiffe oder blöde Anmachen mehr, wenn ich an der Baustelle vorbeigehe.

Neulich im Supermarkt fragte die Kassiererin mich einige Dinge – ich konnte leider nur auf Englisch antworten, was immer mein erster Reflex ist. Englisch wiederum konnte sie aber nicht verstehen und wir waren beide etwas befangen. Ein anderer Mitarbeiter schaltete sich ein und fragte ganz lieb (und langsam) auf Spanisch, ob ich Englisch spräche – ich nickte, und erzählte, dass ich Spanisch hier lernen würde und dass es ganz schön schwierig sei. Er nickte wissend und sagte, dass es den Kolumbianern mit Englisch so gehen würde. Es war nichts großes, diese Begegnung, aber irgendwie hat mir das etwas gegeben und ich konnte mit einem Lächeln nach Hause gehen.

Trotzdem überkommt mich manchmal die Traurigkeit. Ich kann zwar über Kinderdinge sprechen und einige Informationen über mich weitergeben – aber in Alltagssachen bin ich sowas von hilflos und unbeholfen. Es ist so dermaßend frustrierend, nicht mal nach einer Bodylotion fragen zu können, wenn ich sie nicht finde. Oder mich nicht zu trauen, in einem Café etwas zu bestellen, weil mich dann alle anstarren, wenn ich es nicht verstehe. Oder einfach ein Gespräch mit jemandem anfangen zu können, den ich interessant finde. Ich fühle mich wie beim Stabhochsprung – die Hürde hängt irgendwo außerhalb meiner Reichweite und ich habe nicht die nötigen Gerätschaften, um sie (je) zu erreichen. Und während ich also im Spotlight der Arena stehe und verzweifelt versuche, diese eigentlich unlösbare Aufgabe zu meistern, langweilen sich die Zuschauer auf den Bänken und kichern hinter vorgehaltener Hand.

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Ich arbeite dran. Ab der zweiten Woche hatte ich jeden Abend Spanischunterricht bei Renata (der Mama). Wir haben mit ganz einfachen Sachen angefangen und uns so langsam gesteigert. Es wird immer verwirrender, habe ich das Gefühl. Jetzt treffen wir uns immer montags, mittwochs und freitags, sodass ich immer einen Tag dazwischen habe, um meine „deberes“ (Hausaufgaben) zu erledigen. Die bekomme ich natürlich immer auf – ich bin ja nicht zum Spaß hier! 😉

Außerdem treffe ich mich 2x die Woche mit Angel, den ich über Couchsurfing angeschrieben habe. Wir haben uns am 29.07. das erste Mal getroffen und uns sofort unglaublich gut verstanden. Er hat irgendwann vorgeschlagen, dass wir doch einfach einen „intercambio“ machen könnten, also einen Austausch der Sprachen. Er hilft mir mit Spanisch und ich bringe ihm Deutsch bei. Die Idee fand ich natürlich super, weil ich ihn einfach total klasse finde. Wir treffen uns immer Donnerstags und Samstags in einem Café oder bei ihm zu Hause und üben dann fleißig. Witzig ist, dass wir immer mit Spanisch beginnen müssen, damit er an Selbstvertrauen für Deutsch gewinnt, wie er immer mit einem Zwinkern und Lächeln bemerkt 😉 Und wenn wir dann komplizierte Wörter wie „Flughafen“ oder „Französisch“ aufschreiben, kommt ein abgrundtiefer Verzweiflungsseufzer: „Pheeeeew!“, begleitet von ungläubigem Kopfschütteln. Wir lachen viel während unserer Stunden. Wenn wir bei ihm sind, gibt es eine zusätzliche Schwierigkeitsstufe für mich: seine Eltern sprechen nur Spanisch (und das nicht gerade langsam) und obwohl er mir hilft und übersetzt, wenn es nötig ist, finden sowohl er als auch ich es gut, wenn ich mit seinen Eltern Spanisch spreche bzw. es zumindest versuche. (Das alles versuche ich jetzt kurz für ihn zusammenzufassen, damit er Bescheid weiß – darauf hat er bestanden, wenn ich ihn hier erwähne.)

(Angel: yo escribí que nos encontramos los jueves y los sábados para aprender español/alemán y que lo me gusta mucho 🙂 Yo escribí que tenemos que comenzar con las clases de español porque quires ganar autoconfianza por las clases de alemán. 😉 Yo escribí también que suspiras frecuentemente porque alemán es muy difícil (pheeeew) y mueves la cabeza Y que yo pruebo hablar español con sus padres pero que es muy difícil para mi. Espero que puedes entender :D)

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Mi amigo Ángel estudiando:“Pheeeew, qué bonito aprender alemán!“

Außerdem habe ich über Couchsurfing, auf dem Spielplatz und auch 1x bei einem Treffen mit Ángel ein paar Nummern von Kolumbianern bekommen, die wirklich nur Spanisch sprechen und wenn ich mit denen schreibe, muss ich mich ja irgendwie verständlich machen. Zwar sind das dann wahrscheinlich  Nachrichten voller Grammatikfehler, aber Übung macht die Meisterin, und außerdem versuche ich mich wenigstens an ihrer Sprache. Das Problem ist zumindest nicht das Leseverstehen – das klappt super. Ein bißchen schwieriger ist das Antworten per Nachricht (also geschrieben), auf der nächsten Stufe steht das Hörverstehen und ganz oben auf dem Siegertreppchen der Schwierigkeiten reckt stolz die „Sätze/Fragen-Produzieren“-Aufgabe die dürren Ärmchen in die Höhe. Das selbst-Formulieren fällt mir oft noch am schwersten, vor allem, weil es hier wichtig ist, ganz höflich zu sein und immer „usted/ustedes“ (Sie) zu sagen anstatt „tú“. Außerdem benutzen die Leute hier nicht die 2. Person Plural, also ihr bzw. „vosotros“, sondern sie siezen stattdessen. Deswegen komme ich mit den Verbformen durcheinander und habe Angst, dass ich total unhöflich bin …

Was mir aber hilft, ist, mich daran zu erinnern, dass ich im Englischunterricht mit einer 4 gestartet bin, „erst“ in der 10. Klasse (nach 5 Jahren Unterricht) meine 1 bekommen habe und eigentlich erst in Neuseeland so richtig in die Sprache hineingewachsen bin (nach 9 bzw. 10 Jahren). Jetzt ist es wie eine zweite Muttersprache für mich und ich fühle mich zu Hause in dieser Sprache, oft mehr als in Deutsch.

Ich trainiere also weiter und arbeite an meinen Spanisch-Fähigkeiten. Ich möchte das schließlich von ganzem Herzen können – und wenn man mit dem Herzen bei der Sache ist, wird es schon klappen (sagt man so, habe ich gehört 😉 ). Irgendwann werde ich diese blöde (Sprach-)Hürde also auch überspringen können!

Ich hoffe, ich habe euch einen kleinen Einblick geben können – ich freue mich, wenn ihr mir einen aufmunternden Kommentar hinterlasst oder mir von eurem Lernen einer fremden Sprache erzählt – dann fühle ich mich vielleicht nicht ganz so alleine mit meinen Schwierigkeiten 😉 In jedem Fall bis bald!

Un abrazo grande!

Ziemlich beste Freunde

Meinen besten Freund finde ich nicht immer toll. Manchmal bin ich mir gar nicht mal sicher, ob er mein bester Freund ist. Manchmal geht er mir ganz schön auf die Nerven, ist mir zu kindisch oder wir haben uns absolut nichts zu sagen, wenn wir telefonieren und wir schweigen uns dann an.

Aber letzten Endes läuft es doch auf dies hier hinaus:

So einfach ist das.

Denn dann gibt es da diese Momente, wenn er mich zum Lachen bringt, oder über sich selbst lacht. Oder wenn wir uns umarmen. Dann freu ich mich unglaublich, dass ich diesen Kerl kennengelernt habe und dass wir immer noch befreundet sind, obwohl wir so unterschiedlich sind. Und er riecht gut, scheint das aber gar nicht mitzubekommen.

Ich mag gar nicht an den Moment denken, wenn er eine Freundin anschleppt. Im Moment sieht es noch nicht danach aus, also kann ich ihm besten Gewissens wünschen, dass er die tollste Freundin der Welt bekommt und auf ihn einreden, warum er denn jetzt nicht wolle und was denn daran so schlimm sei, wenn …
Aber wenn er dann tatsächlich mal mit einer Freundin um die Ecke kommt, dann wird das hart. Ich werde eifersüchtig sein und mich grässlich fühlen, weil ich natürlich auch gleichzeitig furchtbar froh und glücklich sein werde, dass er jemanden gefunden hat, die ihn liebt, wie er ist.

Auch, wenn wir so unterschiedlich sind und eigentlich kaum etwas gemeinsam, nur wir 2, unternehmen, hab ich ihn schrecklich lieb, ist mir gerade bewusst geworden. Wenn er umziehen würde, würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden. Die gelegentlichen Treffen fielen weg, kein Lachen, das ich auch sehe und nicht nur hören kann und keine Umarmung mehr.

Was ich besonders an dieser Freundschaft liebe, ist, dass wir nicht jedes einzelne, kleinste Detail aus dem Leben das anderen kennen. Wir lernen uns immer weiter kennen, eine Sache nach der anderen; was für ein bestimmtes Thema wichtig ist, wird preisgegeben, aber es gibt keine Massenbeichte über Geheimnisse, Macken und Ticks.
Wenn wir bei einem „Kennst du deinen besten Freund“-Quiz dabei wären, hätte ich, glaube ich, nicht viele richtige Antworten, aber egal. Ich würde für diesen Menschen eine ziemlich große Menge an Dingen tun, die ich für viele andere Freunde nicht tun würde.

Er ist und bleibt mein bester Freund und ich hab ihn lieb.
Was ist mit euch? Habt ihr einen Freund, für den ihr alles tun würdet? Wie seid ihr damit umgegangen, als euer bester Freund / eure beste Freundin plötzlich in einer Beziehung steckte?

Aufwärts-Trend

It’s you’re screaming and no one can hear. You almost feel ashamed that someone could be that important that without them you feel like nothing. No one will ever understand how much it hurts. You feel hopeless, like nothing can save you. Then, when it’s over and it’s gone you almost wish that you could have all that bad stuff back so that you could have the good.

Rihanna, We Found Love

Diese Worte, die das Lied „We found love“ von Rihanna einleiten (und die fast nie im Radio eingespielt werden), berühren mich sehr. Ich finde sie treffen genau das Gefühl, das sich einfach nicht beschreiben lässt, wenn eine Beziehung zu einer geliebten Person endet oder enden muss.
Wer hat nicht schon mal mit dem Gedanken gespielt, einfach wieder zum Telefonhörer zu greifen und die vertraute Nummer zu wählen? Wer hat nicht das alte Tshirt ausgegraben, dass so sehr nach ihm oder ihr riecht? Wer öffnet nicht die Kiste mit Krams, der sich während der Beziehung so angesammelt hat, nimmt dieses oder jenes Stück in die Hand und erinnert sich an die schönen Zeiten? Und wer zum Teufel hat keine Fotos mehr von damals, die er oder sie sich angucken kann?

Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein muss, wenn eine liebevolle Beziehung im Streit endet und auseinandergeht, wie hart es dann sein muss. Oder wie sehr es wehtun muss, wenn der Partner einen betrogen hat. Zum Glück, und ich danke Gott jeden Tag dafür, dass die Trennung so verlaufen ist, wie es eben passiert ist.

„Die gute Nachricht“ … blablabla, das ist abgelutscht und man kann sie eh nicht mehr hören.

Es braucht Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat, dass der Partner weg ist. Bis man sich damit abfinden kann, und bis man es zu schätzen weiß, erst recht!
Aber ich mache mir jeden Tag aufs Neue klar, aus welchen präzisen Gründen die Trennung genau das richtige war und was eben alles nicht gepasst hat. Und ich bin mittlerweile einfach dankbar, dass es die Zeit gegeben hat und dass wir schöne Dinge erlebt haben und die Erinnerungen daran kann keiner auslöschen. Kein Groll, kein Ärger mehr darüber, dass es nicht mehr passt, sondern Freude darüber, dass es uns gegeben hat.
Außerdem führe ich Tagebuch – nicht regelmäßig, aber immer dann, wenn das Handy mich verführen will zum sms-Schreiben oder das Telefon in meine Hand zu springen scheint. Oder ich schreibe das, was ich sagen wollen würde auf, in Briefform. Die Briefe landen alle im Müll – zum Glück! 🙂

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Liebe ist so wichtig. Und sie äußert sich in so vielem.

Wenn ihr an den Geburtstag einer Freundin denkt, vielleicht sogar an den Geburtstag einer Person, die ihr nur flüchtig kennt. In einem Lächeln äußert sich Liebe, in einer Geste wie Winken oder einem leichten Streicheln. Eine leichte oder starke Umarmung lässt erahnen, wie wichtig euch jemand ist oder kleine Geschenke, kleine Aufmerksamkeiten werden dem Beschenkten eure Zuneigung zeigen. Dass ihr anruft, wenn eine Prüfung anstand oder ansteht, und fragt, wie es lief, dass ihr Briefe schreibt oder einfach mal eben vor jemandes Tür steht. Dass ihr ein Hobby teilt und diesem gemeinsam nachgeht, dass ihr euch freinehmt, um Zeit mit dem anderen zu verbringen, kann dieser anderen Person viel bedeuten. Ein Lächeln, das durch das Telefon zu hören ist, wenn euch jemand anruft, zeigt, wie sehr ihr euch freut und den Anruf zu schätzen wisst; wenn euch jemand die Tür aufhält, ist das ein Zeichen, dass jemand fürsorglich an euch denkt. Und ich glaube, dass es auch in dem Leben des Liebe Gebenden einen Unterschied macht, ob er jemandem ein Stück von sich, eine Stück Zuneigung, gegeben hat.

Vor ein paar Wochen musste ich auf Krücken durch die Stadt laufen. Als mir ein Buch aus der Hand rutschte, das ich gerade durchblätterte, bückte sich doch tatsächlich eine ältere Dame, um mir das Buch wiederzugeben. „Ich weiß, wie das ist“, sagte sie, „wenn man sich nicht bewegen kann.“ Und als ich das Geschäft verließ, hielt mir ein älterer Herr die Tür auf; ich war so dankbar und gerührt.

Liebe ist fast überall. Wenn ich manchmal in der Stadt einfach so dasitze, laufen oft Pärchen an mir vorbei, die teilweise bestimmt die 80 überschritten haben. Und wenn sie Händchen halten, oder die Frau den Arm des Mannes Halt suchend umfasst und von ihm gestützt wird, dann schnürt sich mir die Kehle zu – wie schön es sein muss, gemeinsam so alt zu werden und immer noch die Gegenwart des anderen zu schätzen zu wissen und als Geschenk zu sehen. Das ist Liebe.

Seid eine gute Freundin oder ein guter Freund, sowohl platonisch als auch in eurer Beziehung.
Seid gute Nachbarn, seid Helfer, seid Zuhörer.
Seid da, wenn euch jemand braucht, ohne dass ihr genau wisst, was ihr tun könnt. Seid einfach da.
Nehmt euch selbst nicht so wichtig und vergesst, was andere von euch denken. Vielleicht sehen sie euch nicht mal?

Jeder von uns ist in der Lage, den Tag einer anderen Person mit Liebe zu füllen, egal, ob er den – oder diejenige/n kennt. Ein aufmunterndes oder verständnisvolles Lächeln genügt oft bereits. Und das hat bestimmt jeder über und ganz gewiss braucht jeder so ein Lächeln an manchen Tagen. Und es macht niemanden ärmer.

Vielleicht fangt ihr gleich nach dem Lesen dieses Eintrages damit an, jemanden zu beschenken – mit eurer Zeit, mit eurer Aufmerksamkeit oder etwas anderem?

Danke an alle, die mich lieb haben! 🙂 Ihr wisst, wer ihr seid, denke ich, darum erwähne ich euch nicht noch mal extra.

Beim wem wirst du schlafen …?

Wisst ihr, was ich schön finde? Was mir meist ein warmes Gefühl in den Bauch zaubert?

Für mich ist es etwas Schönes, jemanden in meinem Bett schlafend zu finden, ich fühle mich dann besonders, ausgewählt. Sei es „nur“ meine Katze – dass sie es sich dort gemütlich macht, bedeutet, dass sie sich in meinem Zimmer wohlfühlt und dort die nötige Ruhe findet. Oft hebt sie nicht mal den Kopf, wenn ich dann in meinem Zimmer herumwerkele, und das ist genauso schön, zeigt es doch, dass sie sich in Sicherheit weiß.

Wenn mein Freund früher eher daheim war als ich, legte er sich in mein Bett und wartete, manchmal schlief er dabei ein. Wenn ich dann heimkam und mich umziehen wollte, lag also ein erwachsener Mann in meinem Bett, das Gesicht in meinem Kissen vergraben und völlig entspannt. Das entlockte mir immer ein Lächeln. Wie schön, dass er sich für mein Bett entschieden hatte, meinen Geruch, meinen Raum, obwohl sein Bett nur ein Zimmer weiter stand! Das zeigte mir, dass er gerne bei mir war, sich bei mir wohlfühlte und auf mich wartete. Hätte er in seinem Bett gelegen, wäre ich davon ausgegangen, dass er müde und abgearbeitet einfach schon vor dem Abendessen eingeschlafen war.

So aber war es ein Gefühl von „willkommen geheißen werden“ und „nach Hause kommen“. Es gibt diese eine Zeile aus dem Lied „Wir sind am Leben“ von Rosenstolz:

Und bei wem wirst du schlafen und vor wem rennst du weg?

Diese eine Zeile drückt aus, was ich empfinde: bei jemandem einzuschlafen, ist, ihm Vertrauen entgegen zu bringen, ist, ihm zu sagen „Hier fühle ich mich wohl“, heißt, sich fallen zu lassen. Und das ist doch etwas Schönes, oder nicht?

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