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Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 2

Herzlich Willkommen zu Teil 2 von „Alles neu!“ Wir waren stehen geblieben an dem Punkt, an dem meine Pläne, als Lehrerin in Kolumbien zu bleiben, mit lautem Klirren zu einem beträchtlichen Scherbenhaufen zusammenfielen.

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Angie und ich bei einem die Seelenrisse kittenden Eis

Zum Glück gibt es Angie, meine beste Freundin in Kolumbien. Inmitten unserer jeweiligen chaotischen Leben haben wir uns getroffen und bei einem Picknick alles erörtert, auseinandergepflückt, zusammengesetzt und erneut durchgekaut, bis wir uns beide etwas leichter fühlten mit allem, was sich auf uns stürzt und uns unter sich begräbt. Es tat so gut, sich mit ihr alles von der Seele zu reden, alles 3x zu sagen, weil es so ätzend ist, und sich verstanden zu fühlen. Während dieses Gesprächs sprachen wir u.a. darüber, was denn im Falle einer Absage meine Optionen wären, und ich scherzte: „I’ll just go back to Australia.“ Und es war ein Scherz, ich schwöre. Doch wie es so ist, in jedem Scherz steckt auch ein Körnchen Wahrheit und ich konnte diese Idee nicht davon abhalten, sich in meinem Kopf und Herzen einzunisten.

Für alle, die 2013 noch nicht mitgelesen haben: ich habe damals als Backpackerin von Februar – Juli auf einer Rinderfarm im Outback gelebt und gearbeitet. Viele meiner damaligen Beiträge findet ihr ab Februar 2013 im Archiv bzw. unter der Kategorie „Farm Charm“.

Ich habe also Kontakt mit meiner Gastfamilie von damals aufgenommen und gefragt, ob sie mich eventuell wieder aufnehmen würden. Keine 12 Stunden später hatte ich eine Antwort und mir fiel der Mount Everest vom Herzen. Ich sei immer willkommen und müsse ihnen nur meine Reisedaten mitteilen. Gesagt, getan – ich buchte einen Flug, kümmerte mich um die jeweils nötigen Visa, schickte die Infos nach Australien … und machte mich Millionen Mal ans Aussortieren/Koffer-Probepacken. Geplant war, mit einem Touristenvisum 3 Monate in Australien zu bleiben und dann für einen Monat nach Kolumbien zurückzukehren, um mit Angel seinen Geburtstag zu feiern, bevor es am nächsten Tag zurück nach Deutschland gehen würde. Ich hatte mich gegen eine sofortige Reise nach Hause entschieden, weil ich so meine Auslandskrankenversicherung verlieren und dies eine sehr lange zeitliche Trennung von Angel bedeuten würde. Durch die Reise nach Australien bliebe die Versicherung bestehen und er und ich würden uns vor der unausweichlichen Trennung im Juli nochmal sehen.

Den Januar sollte ich ja sowieso bei meiner Gastfamilie in Kolumbien bleiben und ich habe ihnen dann noch den Februar gegeben, damit sie sich nach jemand neuem umschauen können. Ich fand es unfair, von heute auf morgen zu verschwinden (obwohl ich das gekonnt hätte), aber auf keinen Fall wollte ich bei ihnen bleiben. Das war eine gute Entscheidung. Mit dem Wissen, dass ich bald gehen würde, ließen sich der restliche Januar und der Februar gut überstehen, aber die Atmosphäre war keine schöne und verschlechterte sich zusehends. Zu vielen Dingen nickte ich einfach nur noch, weil ich keine Lust mehr hatte, mich darüber aufzuregen, aber ich fühlte mich zunehmend eingeengt und eingeschränkt, ungerecht behandelt und unwohl. Am Ende ging es dann tatsächlich im Streit auseinander, womit ich ja schon im letzten Jahr gerechnet hatte. Ich habe aber irgendwann genug davon gehabt, alles hinzunehmen, zu nicken und „ja und Amen“ zu sagen. Nicht nur das Aupair muss sich in gewissem Grade anpassen, sondern auch eine Familie muss sich auf die Bedürfnisse und Wünsche des Aupairs einstellen, und irgendwann habe ich meine Hacken in den Boden gestemmt und mich gegen die Zügel der Familie gewehrt. Kam nicht so gut an.

Am Samstag, 04. März, zog ich aus, ohne richtiges Abschiedsgeschenk von der Familie und tatsächlich auch ohne Abschied von Seiten meines Gastvaters, der mich gegen Ende komplett ignorierte. Ich konnte nur den Kopf schütteln, denn obwohl die letzten Tage alles andere als schön waren, hatte ich Abschiedsgeschenke für die Familie vorbereitet.

Ich zog bis Montagabend zu Angie. Koffer, Boxen und Taschen ließ ich bei Angel, zu dem ich Montagabend ziehen sollte. Mit meiner Reisetasche machte ich mich nach einem kurzen Treffen mit Angel mit dem Bus auf den Weg nach Villa del Rosario, wo Angie mich vom Bus abholte. Die Familie hatte mir untersagt, Angie dort zu besuchen, aus „Sicherheitsgründen“. Dass sie mir damit die Chance nahmen, meine beste Freundin zu sehen und ihre Familie kennenzulernen, berührte sie nicht. Umso mehr genoss ich es, dass mich Angies Familie so selbstverständlich aufnahm, als gehörte ich schon ewig dazu. In diesen 2,5 Tagen habe ich mich wohler gefühlt in einem zu Hause als die letzten 8 Monate zuvor. Mir wurde klargemacht, dies sei jetzt auch mein zu Hause, ich solle mich wohlfühlen. Wir aßen zusammen, unterhielten uns, scherzten, lachten, tauschten uns aus, halfen einander. Ich fühlte mich so geborgen und angenommen und die Zeit mit Angie zu verbringen, war so wunderbar. Ich kochte für ihre Familie Kartoffelpuffer, um mich zu bedanken für alles, und als ich mich am Montagnachmittag verabschiedete, wurde ich so herzlich gedrückt und die Einladung, im Juni wieder bei ihnen zu wohnen („Eres bienvenida siempre, esta es tu casa“), klang schon fast wie eine Feststellung, als sei es klar, dass ich dann wieder bei ihnen wohnen würde. Ich lief über vor Dankbarkeit und Zuneigung.

Ich erledigte noch einige Dinge, bevor ich zu Angel fuhr und verbrachte die letzten Tage dort recht unabhängig. Dienstag hatte ich zum letzten Mal Physiotherapie, ging zum Friseur, erledigte noch ein paar Einkäufe, schrieb ein paar Nachrichten und kochte abends wieder Puffer, diesmal für seine Familie. Am Mittwoch lud er mich zu einem vegetarischen Mittagessen ein (überlaufendes Herz und strahlendes Gesicht meinerseits) und danach fuhren wir zu Freunden seiner Familie, wo extra für mich noch eine kolumbianische Spezialität gebacken wurde. Ich hab leider vergessen, wie sie heißt, aber sie erinnert mich an eine Mischung aus Fladenbrot und Pfannkuchen, und ist an sich schon ziemlich süß, aber die Kolumbianer  essen sie mit leche condensada (Kondesmilch) – und zwar richtig, richtig viel. Ich habe einfach weniger davon über die Fladen gegossen und es war sooo lecker! Das war ein schönes Abschiedgeschenk.

Von allen meinen Freunden hatte ich mich in meiner letzten Woche bei der Familie verabschiedet. Jeden Abend war ich froh, die Haustür hinter mir zuzuziehen und mich auf Menschen freuen zu können, die gerne Zeit mit mir verbringen, an mir interessiert sind und die meine Ansichten teilen. Schon lange vorher traf ich Francisco, mit dem ich Eis gegessen habe, bevor er selbst zurück nach Venezuela gereist ist, wo er lebt. Ich lief in Horacio hinein und freute mich total über dieses spontane Treffen. Marcela und Carol, die selbst je 2 Aupair-Jahre in den USA hinter sich hatten, luden mich zu einer Pizza ein, nach der ich endlich mal richtig satt war, und wir sprachen über das Aupairleben, Gastfamilien, ihre jetzige Arbeit, Sprachen lernen, was wir zusammen erlebt haben und was die Zukunft für uns wohl bringen würde. Ich traf Rafael, mit dem ich redete und redete, ich traf Alejandra, die mir ein wundervolles Abschiedsgeschenk machte und mit der ich das ganze Treffen lang auf Spanisch sprach – und es fiel mir nicht mal schwer! Ich traf Jaime, dem ich über die Maßen dankbar einen Berg ausgeliehene Bücher zurückgab und ich traf Jodi, mit der ich ebenfalls Eis aß und zum letzten Mal tiefgründige Gespräche führte.

Alle meine Freunde und Bekannten vom Spielplatz hatte ich in den vorangegangenen Tagen davon unterrichtet, dass ich bald gehen würde und sie kamen nach und nach, um mich zu umarmen, sich zu verabschieden, Nummern auszutauschen und noch ein letztes Foto mit mir zu machen. Meine beste Spielplatz-Freundin Juliana und ihre Mama Ximena machten mir ein Geschenk, und das war so wunderschön, weil es unerwartet war: eine Zeichnung samt Brief von Juliana und ein Gutschein für eine Mani-Pedi, zum Entspannen! Das hat mich über alles gefreut, weil es in krassem Gegensatz zu den nicht vorhandenen Geschenken meiner Gastfamilie stand. Zu sehen, dass sich Menschen auf dem Spielplatz so sehr um mich kümmern und sich solche Gedanken und Mühen machen, hat bewirkt, dass mir warm um’s Herz wurde. Und an meinem letzten Tag auf dem Spielplatz kam sogar mein Pflegehund nach Wochen der Abwesenheit mal wieder vorbei und brachte uns nach Hause. Ich habe mich so unendlich gefreut, Caramelo noch ein letztes Mal zu sehen und in den Arm nehmen zu können. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen, genau so wie Maria Elizabeth, mit der ich mich am Montag vor der Manip-Pedi-Behandlung nochmals traf und Geschenke, Neuigkeiten und eine feste Umarmung austauschte. Meine Freunde werden mir sehr fehlen, das ist sicher.

Mittwochabend finalisierte ich mein Packen, zog mich um und verabschiedete mich von Angels Eltern. Wir luden das Gepäck ins Auto, stiegen ein und fuhren zum Flughafen. Es wurde nochmal stressig, weil die Unterkunft, die ich mir in Bogotá organisiert hatte, in letzter Minute geplatzt ist und wir meine neue SIM-Karte nicht aufladen konnten … Das Aufladen hat Angel dann erledigt, während ich schon über den Wolken dahinsegelte (von Cúcuta nach Bogotá) und eine Ersatzunterkunft hatte er mir auch noch organisiert. Die ist dann leider auch nicht zustande gekommen, sodass ich sehr provisorisch am Flughafen in Bogotá gecampt habe, bevor ich 8.10h am nächsten Morgen kolumbianischen Boden hinter bzw. unter mir ließ. Davon, von meiner laaaaaangen Reise, von allem was davor (seit dem letzten Post) und vor allem auch davon, was seit meiner Reise passiert ist, erzähle ich euch im nächsten Post … Was jetzt wichtig zu wissen ist, ist: ich bin heile angekommen und habe euch nicht vergessen.

Ein Gruß aus dem australischen Outback …
… y un abrazo fuerte! 

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Kolumbien, du wirst mir fehlen!

Aventuras Nuevas – Feliz Navidad y Feliz Año

Ich weiß, dass ich etwas spät dran bin für Weihnachtswünsche und irgendwie auch für Neujahrswünsche – sonst gar nicht mein Stil, aber wieso sollte es in Kolumbien anders sein als in Deutschland? Auch hier gab es last minute-Stress, verschiedenster Art. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal habe ich festgestellt, dass ich zu Weihnachten doch ein paar Menschen beschenken kann, und das hat mich recht glücklich gemacht. Das geht an Weihnachten oft verloren, finde ich: es geht nur um Geschenke und wer etwas bekommen muss, wer wohl beleidigt ist, wenn er nichts bekommt, für wen unbedingt das perfekte Geschenk gefunden werden sollte. Dabei geht es nicht mehr darum, warum man diesen Menschen beschenkt, sondern dass und was man schenkt. Ich hatte mich diesbezüglich auf ein ruhiges Weihnachten eingestellt, da ich nichts nach Deutschland schicken und von dort auch nichts empfangen konnte. Doch dann ist mir aufgefallen, dass ich mich bei einigen Menschen hier bedanken wollte, weil sie mein Leben hier erleichtert haben, mir Lasten abgenommen, mir geholfen, zur Seite gestanden oder mir ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert haben – und bei einigen auch, weil sie Freunde geworden sind.

Ich habe mich also in die Küche gestellt und deutsche Schwarz-Weiß-Kekse gebacken – die gehören bei uns zu Hause zur Weihnachtszeit dazu wie der Baum und der Adventskranz. Die habe ich dann hübsch verpackt (die Suche nach durchsichtigem Geschenkpapier war die reinste Odyssee!), kleine Nachrichten dazu geschrieben und an die Empfänger verteilt. Neben den kleinen Päckchen habe ich auch eine große Menge für meinen Gastvater abgepackt und auch für Angel’s Familie, bei der ich ein zweites zu Hause gefunden habe (sieht die zweckentfremdete ud neu gestaltete Douglastüte nicht aus wie eine „teure“ Verpackung  luxuriöser Backgüter? Ich war so stolz!). Meine Gastmama, Angel’s Mama und auch Angel haben noch extra Geschenke bekommen – und ich habe mich sehr glücklich gefühlt, dass ich an so viele Menschen denken kann, da ich noch nicht ganz 6 Monate hier lebe und schon so vielen Menschen dankbar sein kann. Das war für mich eine tolle Erfahrung.

Zusätzlich zu den Geschenken musste ich meine Koffer packen – ich bin am 23. zu Angel „gezogen“ für ein paar Tage. Das hatten wir schon vor ein paar Wochen so geplant, da es Unstimmigkeiten in meiner Gastfamilie gab und wir uns auf einen Auszug am 23.12. geeinigt hatten. Die Umstände dieser Entscheidung haben sich zwar wieder geändert, sodass das Packen im kleineren Stil verlief als ursprünglich angedacht, aber an dem Plan haben wir trotzdem festgehalten, da ich Weihnachten gerne mit ihm verbringen wollte. Aber nicht nur für den Aufenthalt bei ihm mussten meine Koffer gepackt werden, sondern auch für meine erste weitere Reise in Lateinamerika: am 26.12. sollte es für mich nach Peru gehen, genauer gesagt in dessen Hauptstadt Lima. Diese Reise war notwendig, um ein neues Touristenvisum beantragen zu können, da ich vorhabe, noch länger in Kolumbien zu bleiben und mein jetziges Visum nur bis zum 02.01. (morgen) gültig ist. Bei der Aus- und Einreise würde ich einen neuen Stempel in meinen Pass bekommen, der mir erlauben sollte, erneut 90 Tage in Kolumbien zu bleiben.

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Mein Lebenslauf – Hoja de vida

Mein Wunsch, länger in Kolumbien zu bleiben, hat mehrere Gründe: zum einen möchte ich länger bei Angel bleiben können und zum anderen möchte ich gerne weiter an meinem Spanisch arbeiten, was ich zu Hause in dem Stil wie hier nicht könnte. Da es aber in meiner Gastfamilie, wie erwähnt, Unstimmigkeiten gab und wir uns dazu entschieden hatten, den Vertrag nicht zu verlängern, musste ich mich nach einer Alternative umschauen, was ganz schön an meinen Nerven gezogen und auch die Zeit mit Angel belastet hat. Er hat mir geholfen mit allem, was ich nicht alleine schaffen konnte, und wir haben meinen Lebenslauf bei mehreren Englischinstituten eingereicht. Privat habe ich mich natürlich auch umgeschaut und -hört und es ergaben sich viele, viele Möglichkeiten … die leider alle nach und nach in sich zusammengefallen sind, leise, aber meine Welt hat es doch erschüttert. Ich habe während dieser Wochen gelernt, dass die Kolumbianer zwar sagen, dass sie helfen werden, aber eigentlich meinen, dass sie helfen möchten. Ein großer Unterschied, denn irgendwann stellten alle, die mir Hilfe zugesagt hatten, dann fest, dass sie nicht helfen konnten und ich stand da – desillusioniert, hilflos und ganz verzweifelt.

Zum Glück hat mich dann ein Englischinstitut zu einem Interview eingeladen – und ich werde im Februar beginnen, als Lehrerin in der ISE -International School of English- zu unterrichten. Die Stunden, die ich absolvieren muss, sind exorbitant, die Pflichten, die ich habe, sind kolossal und breitgefächert und die Arbeit, die ich außerhalb meiner Arbeitszeit abzuleisten habe, ist gewaltig. So viel zum Soll; auf der Haben-Seite steht ein ziemlich kümmerlicher Lohn und karge Freizeit, dafür aber Zeit in Kolumbien. Was tut man nicht alles …? Wie es eben in Kolumbien so ist, wird alles auf die letzte Minute erledigt, sodass ich am 23.12. morgens ins Institut musste, um meinen Vertrag zu unterschreiben und alles für den Antrag auf ein Arbeitsvisum vorzubereiten. Das hat ziemlich lange gedauert, und zum Arzt musste ich auch noch, sodass ich in Zeitstress kam. Das Arbeitsvisum zu beantragen habe ich nicht mehr geschafft, und muss ich jetzt recht fix erledigen. Ich hoffe, dass damit alles glatt läuft – drückt mir die Daumen!

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Glitzernde, blinkende Lichter kolumbianischer Weihnacht

Weihnachten war dann etwas ganz anderes als zu Hause – hier ist es eher eine große Party mit lauter Musik, viel Alkohol und blinkenden Lichtern. Mir hat die Besinnlichkeit, Ruhe und die Gemeinschaft gefehlt, und obwohl (oder gerade weil) ich inmitten von Angels spanischsprechender, kommender und gehender Familie saß, habe ich mich sehr einsam gefühlt und mich nach Hause gesehnt. Es gab keinen erkennbaren Ablauf für mich, kein Aufgehobensein, kein Zusammensein, wie ich es gewohnt bin und liebe, und auch keinen Baum oder Geschenke. Eine kleine Bescherung haben wir gemacht, als wir von der Familienfeier wieder zu Hause waren, und die Freude über mein Geschenk auf seinem Gesicht zu sehen, war unbezahlbar. Ich habe wieder etwas gelernt dieses Jahr: Weihnachten zu Hause ist etwas Besonderes, und etwas, das ich in den nächsten Jahren mehr zu schätzen wissen werde.

Am 26. hat Angel mich dann morgens zum Flughafen gefahren und ich machte mich auf die Reise nach Lima (Peru) mit Stopover in Bogotá (Kolumbien). Am 31.12. bin ich um kurz nach Mitternacht wieder auf kolumbianischem Boden gelandet und habe gemerkt, wie sehr das ein Gefühl von „nach Hause kommen“ ist, gerade auch dann, als ich gegen 8 Uhr morgens nach einer komplizierten, turbulenten Heimreise leichten Schrittes in Angels Arme lief, der mich in Cúcuta abholte. Mit ihm und seiner Familie habe ich dann auch Silvester verbracht und jetzt ist schon das neue Jahr! Wie flugs das ging! Irgendwie fühlt es sich an, als wäre gerade gestern alles losgegangen mit 2016 … und plötzlich ist es 2017. Bevor es wieder losgeht mit dem ganzen Organisieren, das ansteht, möchte ich mir aber noch die Zeit nehmen, euch meine Wünsche für Weihnachten und Neujahr zu überbringen (nachträglich zwar, aber trotzdem mit der gleichen Herzlichkeit):

Ich hoffe, dass ihr alle eine wundervolle Weihnachtszeit hattet, mit Menschen, die euch am Herzen liegen und denen ihr „Danke“ sagen konntet. Dass ihr zu Weihnachten und auch „zwischen den Jahren“ Zeit hattet, euch zu besinnen auf das, was euch wichtig ist, was gut lief und was zum Glück vorbei ist. Dass ihr reflektieren konntet, was ihr alles geschafft, erreicht und überlebt habt, was euch stärker gemacht und was euch etwas gelehrt hat. Dass ihr euch klar werden konntet darüber, was euch für 2017 wichtig ist, was ihr erreichen wollt und welche Ziele ihr habt. Welche Menschen ihr in eurem Leben haben wollt und braucht und welchen ihr vielleicht freundlich die Tür aufhalten solltet. Ich hoffe, dass ihr gut ins neue Jahr gestartet seid und dass ihr die vielen weißen Seiten, die das Jahresbuch euch bietet, freudig und zuversichtlich mit Farben und Musik, mit Abenteuern, Liebe und Freude, Glücksmomenten, Frieden, gemeinsamer Zeit, Freundschaft … und Leben füllen werdet. Ich wünsche euch, dass ihr 2017 zu eurem Jahr machen und zum Zeitpunkt der nächsten Jahreswende zufrieden sein könnt mit dem, was war, und neugierig auf das blicken werdet, was kommt. In diesem Sinne:

navidad

The Invitation

baumeIt doesn’t interest me what you do for a living. I want to know what you ache for and if you dare to dream of meeting your heart’s longing.

It doesn’t interest me how old you are. I want to know if you will risk looking like a fool for love, for your dream, for the adventure of being alive.

It doesn’t interest me what planets are squaring your moon … I want to know if you have touched the centre of your own sorrow, if you have been opened by life’s betrayals or have become shrivelled and closed from fear of further pain.

I want to know if you can sit with pain, mine or your own, without moving to hide it or fade it or fix it.

I want to know if you can be with joy, mine or your own, if you can dance with wildness and let the ecstasy fill you to the tips of your fingers and toes without cautioning us to be careful, to be realistic, to remember the limitations of being human.

It doesn’t interest me if the story you are telling me is true. I want to know if you can disappoint another to be true to yourself. If you can bear the accusation of betrayal and not betray your own soul. If you can be faithless and therefore trustworthy.

I want to know if you can see beauty even when it is not pretty every day. And if you can source your own life from its presence.

I want to know if you can live with failure, yours and mine, and still stand at the edge of the lake and shout to the silver of the full moon, “Yes.”

girlforestIt doesn’t interest me to know where you live or how much money you have. I want to know if you can get up after the night of grief and despair, weary and bruised to the bone, and do what needs to be done to feed the children.

It doesn’t interest me who you know or how you came to be here. I want to know if you will stand in the centre of the fire with me and not shrink back.

It doesn’t interest me where or what or with whom you have studied. I want to know what sustains you from the inside when all else falls away.

I want to know if you can be alone with yourself and if you truly like the company you keep in the empty moments.

By Oriah © Mountain Dreaming, from the book The Invitation published by HarperONE, San Francisco, 1999 All rights reserved

Aus dem Mund von … Alanis Morissette

Ich möchte heute ein wundervolles Lied von Alanis Morissette mit euch teilen. Es ist schon länger eins meiner Lieblingslieder. Dazu geworden ist es, weil und nachdem ich auf den Text geachtet habe. Es erzählt von einer Liebesgeschichte, die sich unerwartet und langsam entwickelt und aus den kleinsten Aufmerksamkeiten heraus entstanden ist. So etwas muss nicht immer nur auf eine Liebesgeschichte zutreffen, sondern kann auch auf eine ganz normale Freundschaft passen. Eine solche Freundschaft, die mir sehr gut tut, habe ich hier ganz unerwartet gefunden – mit Angel. Wir sehen uns oft und auch nicht mehr „nur“ zur clase de español/clase de alemán, sondern wir reden über alles und nichts, machen Sport, fahren herum, essen Eis, sind bei ihm zu Hause, organisieren verschiedene Dinge, die ich ohne seine Hilfe nicht schaffen würde … und das tut mir richtig gut. Es sind so viele Kleinigkeiten, die unsere Freundschaft ausmachen.

Im Lied heißt es „You treat me like I’m a princess“ – Angels Spitzname für mich ist princesa und er kümmert sich wirklich toll um mich, bringt mir Kleinigkeiten mit, wenn wir uns treffen, bezieht mich in seine Tage mit ein und erkundigt sich nach meinen. Er nimmt mich mit auf Familienfeiern und fährt mich herum. Wenn ich z.B. abends mit dem Hund rausgehe oder in einem Café bin, wartet er mit dem Schlafengehen, bis ich ihm geschrieben habe, dass ich sicher zu Hause bin und dank seiner – im wahrsten Sinne des Wortes – „Engelsgeduld“ und Ruhe arten auch (seltene) Meinungsverschiedenheiten nicht in Streit aus.
Alanis singt „I couldn’t help it, it’s all your fault“ – das ist gerade besonders passend, weil hier in Kolumbien bei allem, was ungeplant passiert, prinzipiell erstmal die Schuld von sich gewiesen wird mit den 4 kleinen Worten „No es mi culpa“. Das ist einer der häufigsten Sätze, die er und ich (augenzwinkernd und grinsend) zu einander sagen – beim Schreiben in WhatsApp werden schon die richtigen Worte vorgeschlagen, wenn ich nur „no …“ eintippe.

Ich bin mir also nicht sicher, ob ich wegen all dieser Überschneidungen das Lied nun noch ein Stückchen mehr mag oder ob ich ihn wegen des Liedes ein Stückchen mehr mag. Fakt ist, dass wegen ihm und wie er mit mir umgeht, ein paar Dinge in mir heile gemacht werden, die schon länger kaputt waren. Und schon allein deswegen bin ich extrem dankbar, dass ich ihn getroffen habe und er ein Freund geworden ist. Mir war vor der Einreise nicht so ganz klar, wie es werden würde mit der Kontaktaufnahme/Freundschaften, aber ich habe nach meiner Ankunft schnell begriffen, dass es nicht so einfach werden würde wie sonst … Sprachbarriere, Frauen(ideal)bild usw … und dann überhaupt jemanden gefunden zu haben, mit dem ich mich verstehe und etwas unternehme, freut mich sehr – und dass es dann in so kurzer Zeit auch noch eine solche echte, tiefergehende, auf gegenseitigem (fast blindem) Vertrauen basierende Freundschaft wird … das empfinde ich als echtes Geschenk, für das ich jeden Tag dankbar bin.

Vielleicht gefällt euch das Lied ja auch und ihr denkt an eine bestimmte Person, die euch heile macht oder euch das Gefühl gibt, besonders zu sein? ❤ Vielleicht reist ihr auch in der Zeit zurück? Das Lied ist schon 21 Jahre alt – ich habe es gehört, als ich Teenager war und freue mich, dass ich es jetzt (wieder) für mich entdeckt habe.

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Aus dem Mund von … Julia Engelmann

Ich bin ein großer Fan von Julia Engelmann, ich liebe ihre träumerischen und gleichzeitig wachrüttelnden, erschütternden und tiefgründigen, tröstenden und ermutigenden Texte. Wie sie mit Worten spielt und sie aneinanderreiht, vergleicht, gegenüberstellt und auseinandernimmt, finde ich großartig. Wer sie nicht kennt, dem rate ich dringend, sie bei youtube zu suchen – sie ist wirklich, wirklich toll. Eine Poetry-Slammerin aus Bremen, die in Berlin studiert und herzberührende Texte schreibt. Ich habe schon mal hier auf dem Blog von ihr berichtet: hier könnt ihr etwas von der „Bestandsaufnahme“ lesen, und hier lest ihr etwas über „Eines Tages Baby“. Beides wahnsinnig gute Slams.

Wie sie ihre Texte vorträgt, hat auch nochmal eine ganz besondere Wirkung auf die Worte. Eins meiner Lieblingsgedichte von ihr heißt „Stille Wasser sind attraktiv“. Es gibt zwei verschiedene Videos dafür und ich finde beide berührend und sehr gut gelungen.

Der Grund, warum ich gerade jetzt und gerade hier daran denke … Gestern hatte ich ein wundervolles Treffen mit Angel, das ganz viel mit mir und meinen Gedanken und meinem Herzen gemacht hat. Ich hab mich besonders gefühlt, und stolz, und planlos, und alles  war überhaupt ein wenig durcheinander. Ich konnte das alles nicht ordnen, und dann hat eine Zeile aus eben diesem Slam ziemlich genau beschrieben, was ich gestern gefühlt habe. Ich finde sie wunderwunderwunderbar. Es sind so einfache Worte und Sätze, die aber eine Kraft haben und spenden, die unglaublich und überraschend ist. Schlichte Worte, die große Gefühle perfekt beschreiben. Das mag ich, und darum mag ich Julia Engelmann. ❤

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Aventuras Nuevas – Why I Sometimes Hate It Here – Stuff I Need To Get Off My Chest

First of all I need to tell you how grateful I am for the ’save and edit later‘ function on here because if I had posted right away what poured out of my poor heart and soul yesterday night – or actually last morning at 1am – this post would have been quite disturbing for some of you.

After an average day of a few good and a few bad moments it all came tumbling down around midnight. Right after waking up in the morning I had to deal with a text from home which unfolded into an argument and in the course of the day into something huge and time consuming. This had me start my day off with a heart beating an uncomfortable rhythm of anger and frustration.

Later in the morning a woman came around to visit (she was someone who knew someone who knew someone of my hostmum’s family) and while she greeted me with the obligatory kiss on the cheek and „Hola, cómo está?“, in the course of the conversation with my hostmum she kept talking about me right in front of me. I was there to listen to her talk about me. The fact that she did it and the way she did it made me feel inferior and invisible.

In the park when Anja and I wanted to enjoy our drumming session on the blue plastic chairs the owner of the kiosk there had the nerve to approach us and take Anja down from the chair without my permisson and tell me in Spanish why he thought it was a bad idea to put her there. I was RIGHT THERE in front of her and he thought she wasn’t safe and I was doing the wrong thing. I felt so indignant and thrown off my guard – but at the same time I felt speechless.

I had noticed that I felt more tense with the girl for a couple of days and couldn’t tolerate as well as before some things she did. I felt really stressed for reasons I couldn’t put my finger on, which stressed me even more. I tried to push it away and shrug it off. Until last night when I suppose my guard was down and I was tired and I had felt emotional all day. Everything had been building up inside of me and suddenly all these intense feelings that I hadn’t allowed myself to feel before washed over me and I couldn’t breath and there was no other thing I could do than burst into tears. I couldn’t hold in any longer and I burst into tears because… sometimes I hate it here.

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That process of bursting into tears started with Angel suggesting that we start speaking more Spanish when we text so I could practice. He said I was in a comfort zone with the mum speaking German and him speaking English. I never speak Spanish in front of him, just about „class things“, and even that I dislike. I couldn’t figure out exactly why but at his suggestion last night, everything in me screamed „No, please, not you, too!“
There are a couple of other people that I text with who can speak only Spanish. Everytime I receive a text from them I feel like I’ve just been given a huge task. I need to look up every second word to understand what they say, and then I have to think about what I want to reply, and then think about how I can say that in Spanish in a non-complicated way and then I need to look up verb forms and words and hope I get the meaning right and put everything in the right order when I compose my sentence. It’s work, it’s bloody hard work, and I still can’t say exactly what I want and feel. Also I still make mistakes after putting so much effort into my answer. It’s so frustrating and it feels like I’m on a test, not like I’m chatting with a friend. It makes me feel really awful and lonely.

However, with Angel I’m really comfortable and he’s become a close friend, considering what I told him about me in the amount of time we’ve known each other. I trust him like I trust my friends at home and we joke easily, like friends who have known each other for a long time do. He has more of an idea of my personality than anyone else here seeing that I can be more of myself with him than with any other person. Because he’s a friend, not an employer or outstander or shop assistant or whatever. Sometimes he’s my teacher (and I’m his) but most of all we’re friends.

So when he suggested speaking more Spanish, I felt my friend turn into a teacher in our „spare time“, too, and I don’t want any more pressure on me, having to speak Spanish. By starting to watch my language, too, like everyone else constantly does, he will take away something from me that I need more than learning a bit of Spanish grammar or words. It’s hard enough not being me during the day when I have to deal with people who don’t understand me (language and personality wise) and when I can’t express my feelings in a proper fashion, so when I talk to a friend I want to do it without having to think about every word in every sentence. Also there is a difference in conveying feelings – in Spanish I write bare sentences without (my real) feelings most of the time. In English I know how to express annoyance or anger, joy or interest, zest or excitement. I know how to be caring and helpful, cheesy and sneaky and funny and witty. I Spanish I don’t and therefor I am not any of these things.

So his offer (even though coming from a good place) pushed me over the edge of the emotional cliff I’d been balancing on all day. Because I am definitely not in a comfort zone. The mum is an employer, even though we get on really well. It’s still different to chatting with a friend though. The people I speak to daily are not friends. They don’t get me and collectively, they make me feel horrible and stupid and hate the language and the idea of coming here and they make me miss my friends so badly and also they make me want to go home. So after pouring my heart out to poor Angel (bless him, he dealt with me really well) and saying goodnight I kept crying it all out and then I felt like writing it all out, too. So, at 1am, I sat in front of my computer, the light of which was blinding my swollen panda eyes (yes, I forgot to take off my make up … and yes, you are allowed to laugh at this image of me squinting my eyes like a granny panda), sniffing occasionally and putting on paper (well, screen really) everything that I couldn’t and didn’t want to hold inside.

So, if you are interested in how I felt at the dead of night yesterday, you are most welcome to read on (the italic part at the end of the post). Bear in mind that these are unreflected thoughts of the tired, emotional, annoyed and lonely part of my being. Today I have still been very emotional and a bit quite embarrassed by my outburst with Angel, but I had time to reflect on what I’m feeling and why I’m feeling it and everything you’ve read up to here is the result of my thinking. So if you’d rather not read on and spoil the impression it’s fine as well.

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Thank you for bearing with me on this (emotional) rollercoaster that is my life at the moment. I’m still adjusting to everything here and it’s tough – though according to Angel I’m too Colombian already a veces. Well, I don’t know about that …

Un abrazo grande! xx

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I sometimes hate being here because I don’t have any friends. I cannot be myself because I’m lacking the language. I feel like there are people looking down on me and think that I am stupid just because I can’t understand them or voice my opinion. They think I don’t have an opinion when all I’m actually missing are the words to voice it. I hate it that I can’t buy myself clothes that fit. I hate being dependent on other people to tell me things or drive me somewhere or to deal with stuff I’d be able to deal with on my own at home. People think I’m inferior because I look different and can’t speak their language, so they think it’s okay to speak about me while I’m right in front of them. They think it’s okay to point their fingers at me or stare at me like I’m an object in a museum. They think it’s okay to want to take pictures of me with their kids because I’m obviously a rarity. And they think it’s okay to take pictures of me without my consent because I can’t object in their language. They think it’s okay to call me names and they also think it’s okay to stare at me like I’m a piece of something on a market table they can choose and take home. And you know what? They also think I am not responsible and taking care properly. They think because I’m doing it differently from the way they do it I’m not responsible and caring and loving and basically not doing it right. And it hurts. What these people keep forgetting is that I am a person with feelings and perception like anyone else. I may not completely get every single word they say but I get what they say about me when they think I don’t. I hear them talking about me and I see them looking my way and whispering to their friends and pointing their fingers at me. I feel their disapproving stares behind my back when they think I can’t see and I hate it when they come over to me and tell me what to do in a voice like I’m stupid and not capable of doing anything. I hate it when they snigger with their friends and colleagues behind my back and exchange glances like I can’t see that. These people make me hate being here and hate the language and regret the idea of coming here and want to go home. And I’m not in a comfort zone. At all. It may look like I am but I am not. I don’t have friends here and I’m missing them. I miss talking about big and small things that move our worlds and that we can share, and meeting to go for a walk and being able to stay home because I want to, not because I don’t have anywhere else to go. I miss being able to just trust someone. I hate the time difference because when I get up my friends’ days are halfway done and it feels like I can’t share anything with them … or anyone. I hate it because I feel lonely and misunderstood.

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Aventuras Nuevas – Un regalo

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Melcocha – typische kolumbianische Süßigkeit

Ich hatte ja schon erwähnt, dass Angel und ich uns treffen, um Spanisch bzw. Deutsch zu lernen. Wenn wir uns treffen, bringt er oft eine Kleinigkeit mit, Bonbons oder eine typische kolumbianische Süßigkeit oder er kauft mir irgendwas zu trinken, auch wenn ich behaupte, nicht durstig zu sein (er hatte durchschaut, dass ich mich noch nicht traue, alleine zu bestellen). Außerdem kümmert er sich um mich, wenn ich Hilfe brauche: er erklärt mir das Straßensystem, fährt mich nach Hause, wenn es dunkel ist und wenn ich zu Fuß gehe, möchte er, dass ich ihm schreibe, wenn ich heile angekommen bin, wo ich hinwollte. Wenn’s mir nicht gut geht, kann ich ihm schreiben und er ist für mich da und bald wird er mir auch mit meinem ersten Friseurbesuch hier in Kolumbien helfen. Ist ja klar, dass ich das sehr zu schätzen weiß, denn sowas ist absolut nicht selbstverständlich, finde ich.

Als ich ihn fragte, was ich ihm denn mal schenken könnte, irgendetwas Kleines, meinte er, das sei nicht nötig. Als ich nicht locker ließ, meinte er: „Okay, es gibt etwas! Keine unregelmäßigen Verben mehr, bitte!“ Die findet er verständlicherweise schwierig und furchtbar. Leider geht’s aber nicht ohne … Ich hab also lange überlegt und dann kam mir die Idee: Kinderschokolade! Schokolade ist hier sehr teuer und daher etwas Besonderes und Kinderschokolade ist nun mal typisch deutsch. Die gibt es hier im éxito, einem Supermarkt, für 6450COP (Kolumbianische Pesos). Umgerechnet sind das etwa 2€. Man teilt einfach den Preis durch 3000 und hat Pi-mal-Daumen den Euro-Preis.

Außerdem hatte Angel mir erzählt, dass seine dreijährige Nichte aus Venezuela über das Wochenende zu Besuch kommen würde und er liebt sie total. In Venezuela ist die Situation sehr schwierig, ich weiß nicht, wie viel davon in Deutschland (bzw. dort, wo ihr euch aufhaltet) ankommt. In den Supermärkten gibt es keine bzw. kaum Nahrungsmittel, Kosmetik- oder Haushaltsartikel, die Menschen ernähren sich größtenteils von Kartoffeln, Reis und Dingen, die man aus Mehl herstellen kann, alles ist sehr teuer und schwierig zu bekommen, Medikamente gibt es auch kaum noch und eine Ausreise nach Kolumbien war bis vor Kurzem nicht möglich. Cúcuta liegt nur ca. 50km von der Grenze zu Venezuela entfernt und kurz nach meiner Ankunft hier wurde diese (ich glaube 2x) für einen halben Tag geöffnet, sodass Venezuelaner in die Stadt kommen und hier Lebensmittel kaufen konnten. Über 10.000 Menschen kamen an einem dieser Tage und kauften die Supermärkte leer. Ehrlich, leer. Es gab nach diesen Tagen einige Dinge nicht mehr zu kaufen. Es muss furchtbar sein dort drüben. Wir hatten auch eine Familie hier, die Venezuela verlassen hat – Mutter, Vater, 2 Kinder. Der Vater hatte eine Firma und alles war gut, bis er sie an die Regierung verloren hat. Dann hatte die Familie nichts mehr, aber wirklich nichts. Als sie bei uns ankamen, konnten sie nicht fassen, was es hier alles gibt. Im Supermarkt haben sie Fotos gemacht von allen Lebensmitteln und erzählten, dies sei das erste Mal nach 3 Jahren, dass sie sich mit Seife und Schampoo waschen könnten. An der Grenze wurde ihnen auch alles Geld abgenommen und dann wurde behauptet, sie hätten noch nicht bezahlt für die Ausreiseerlaubnis. Zum Glück kannte einer der Militärbeamten dort den Papa hier, hat ihn angerufen und als ihm bestätigt wurde, dass die Familie Freunde von ihm seien, half er ihnen, ging mit ihnen zu den Beamten, die sie abgezockt hatten und veranlasste, dass alles geregelt wurde. Furchtbar, ich kann mir das gar nicht vorstellen und würde es auch nicht glauben, wenn ich es nicht miterlebt hätte.

Jedenfalls hatte Angels Nichte von ihren Eltern die Erlaubnis bekommen, für ein Wochenende hierher zu kommen. Da ich Angel nicht irgendeinen nutzlosen Kram kaufen wollte und ich wusste, wie sehr er seine Nichte liebt, habe ich beschlossen, einfach etwas für sie zu kaufen. Ich dachte mir, wenn sie glücklich ist, ist er es auch, und das ist ja die Idee hinter dem Geschenk. Die Idee kam mir, als ich in der Shoppingmall durch Zufall in einen Buchladen geriet. Dort lagen glitzernde, bunte Kinderbücher aus und ich wusste sofort: du kaufst „Carlita“ ein Buch! Ich wollte ihr etwas schenken, mit dem sie nicht nur spielen kann, sondern das sie auch in ihrer Bildung unterstützt. Bücher sind hier auch eher ein Luxusgut, was ich sehr schade finde, denn meine Liebe zu Büchern ist so riesig, weil ich sie als Kind kennen- und liebengelernt habe.

Ich entschied mich nach langem Suchen für „El jardin mágico de la pequeña Hada“, also „Der magische Garten der kleinen Fee“. Dieses Buch war ab 3 Jahren, es gab schöne Bilder und nicht zu viel Text und außerdem Magnetbildchen, die ergänzend zum Text (oder auch einfach wahllos) auf die magnetischen Seiten gelegt werden konnten. Carlita würde Spaß daran haben, die Magnete anzubringen und zu betrachten, gleichzeitig würde sie die Wörter spielerisch lernen und später auch den Text selbst lesen lernen können, so dachte ich mir. Ein Geschenk, das länger vorhält. Dieses Buch kostete 18000COP, also umgerechnet 6€, was ich total gut finde für ein Buch! In Bildung kann man nicht genug investieren.

Ich kaufte es und dann im Exito noch 2 Tafeln Kinderschokolade, packte zu Hause alles ein und am Abend traf ich mich mit Angel. Die Geschenke für Carlita kamen in relativ buntes Papier, Angels Schokolade verpackte ich in ein weißes A4-Blatt und schrieb mit verschiedenen Farben „Danke“ in allen Sprachen auf, die wir beide sprechen. Als ich ihm die Tüte mit Geschenken gab, bekam er große Augen und fragte ungläubig: „Das alles? Das ist zu viel!“ Als ich uns Getränke kaufte (ich traue mich mittlerweile, alleine zu bestellen) kam er plötzlich mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm ins Café! Oh, die Kleine sah richtig süß aus, aber auch müde und schüchtern war sie – ist ja klar, ich sehe ganz anders aus als alles, was sie bisher kennt, und dann spreche ich auch noch komisch …

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Wieder zurück am Tisch schlug ich vor, ihr das Geschenk jetzt zu geben. Sie saß auf Angels Mamas Schoß und wusste erst nicht so recht … aber dann begannen ihre Finger zögerlich, das Papier zu öffnen. Als sie den pinken Umschlag des Buches sah, sah ich ehrliche Kinderfreude: ihre Augen wurden groß, ihr Mund lächelte und sie zog freudig-überrascht die Luft ein, dann arbeiteten ihre kleinen Fingerchen sich blitzschnell durch das Papier. Sie konnte es nicht fassen! Auch Angel und seine Mama saßen mit großen, funkelnden Augen daneben – und diese Szene miterleben zu dürfen, war das allerbeste Geschenk für mich. Es war ein richtig magischer Moment und ich konnte die Freude und Überraschung in der Luft fast greifen. Ein kleines Buch und ich mache 3 Menschen glücklich- wie wundervoll.

Sie war immer noch scheu mir gegenüber, aber das ist ja klar. Sie flüsterte Angels Mama etwas ins Ohr: „Wir werden Mama und Papa erzählen, jemand hat mir eine Überraschung bereitet.“ Carlita bestand darauf, das Buch überall mit hinzunehmen und Angel berichtete mir später, sie hätte ihm nicht erlaubt, ihr beim Tragen zu helfen. Auch zu Hause hätte er das Buch immer wieder auf den Schoß gelegt bekommen. Ach, wie mich das freut 🙂

Seit einigen Tagen habe ich den Spruch auf dem Bild unten im Kopf, also in etwa: „In einer Welt, in der du alles sein kannst, sei freundlich.“ Und außerdem diese Zeile aus „The End“ von den Beatles, in etwa: „Am Ende ist die Liebe, die du nimmst, die Liebe, die du gibst.“ Und in diesem Moment, in dem Carlita überrascht einatmete und die Augen von Angels Mama leuchteten und Angel die Kleine beobachtete und lächelte, habe ich das, was ich gegeben hatte, zurückbekommen. Ich hatte das Gefühl, wir saßen in unserer eigenen kleinen Blase aus Überraschung und Freude und Liebe und das Leben um uns herum stand kurz still – das war ein einzigartiger und wundervoller Moment und ich werde mich hoffentlich immer an dieses Gefühl erinnern, und auch daran, dass Geben und Lieben sich immer lohnen. Ich habe das gegeben, was ich selbst am meisten brauche und es zurückbekommen.

Euch sende ich auch ganz viel Liebe und un abrazo grande! xx