Tag-Archiv | Geschenk

DIY – Glücksbringer

Hallo liebe Lebensmaler,

bevor es weitergeht mit Tag 3 aus Bucaramanga, möchte ich euch erst noch zeigen, was ich Angel für seinen letzten Aufenthalt in Venezuela mitgegeben habe. Dieses Mal sollte er tatsäch nicht nur Papierkram erledigen oder Flüge simulieren, sondern endlich mal wieder selber im echten Cockpit sitzen und die Welt von über den Wolken betrachten. Ich war bis zum letzten Moment planlos, aber dann habe ich die Idee gehabt.

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Ihr braucht:                     | zwischen 3-10 Minuten

Papier (weiß oder farbig)
evtl. Schere zum Zurechtschneiden
versch. Stifte

Und so geht’s:

Ich habe bei google nach „Papierflieger falten“ gesucht und habe diese Website gewählt: besserbasteln.de. Dort habe ich mich für den „Mittelstreckenflieger -Düsenjet“ entschieden. Ich habe kein A4-Blatt genommen, sondern einfach mit einem Blatt, dessen Größe mir passend erschien, drauflosgefaltet (es war in etwa so groß wie ein Haftnotizzettel). Nach 2 Versuchen nur hatte ich meinen Düsenjet, den ich dann personalisiert habe.

Natürlich hat mein Pilotenfreund seine eigene Airline – „Angel Airline“ – dieser Schriftzug ziert eine der Tragflächen. Aus mehreren Gründen habe ich mich dafür entschieden, die andere Tragfläche mit 3 Sternen zu versehen: Angel hat sowohl die kolumbianische als auch die venezuelanische Staatsbürgerschaft, seine Ausbildung hat er dort drüben gemacht und auch jetzt hat er dort drüber zu tun- dieses Land ist genauso Teil von ihm wie Kolumbien. Auf der venezuelanischen Flagge sind Sterne zu sehen und außerdem ist er natürlich (m)ein „Star“, was das Fliegen angeht – gänzlich unvoreingenommen 😉 Blau habe ich gewählt, weil es seine Lieblingsfarbe ist und natürlich auch die des Himmels, durch den er mit seiner Angel Airline fliegt – ganz symbolträchtig also alles. 😉

In den „Innenraum“ des Flugzeuges kam dann meine persönliche Nachricht an ihn und fertig war mein diesmaliger Glücksbringer. Das ist so ein einfaches Geschenk, das ihr in wenigen Minuten gut nachbasteln und sehr, sehr persönlich gestalten könnt. Was meint ihr dazu? 🙂

Wie immer brauche ich noch mehr Tipps, weil er demnächst nochmal los muss … Ich bin wirklich uninspiriert momentan. Ich freue mich über eure Tipps, Anregungen und Meinungen!

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DIY – Gepäck und Schutzengel

Bevor ich euch weiter von unseren Abenteuern in Bucaramanga berichte, möchte ich heute einen kleinen Kreativ-Post dazwischenschieben.

In letzter Zeit musste Angel oft nach Venezuela reisen, um dort verschiedene Angelegenheiten zu regeln, die mit seinem Beruf zusammenhängen. Mal war er nur kurz weg, mal länger. Jedes Mal habe ich ihm eine Kleinigkeit mitgegeben, damit er mich bei sich hat, wenn wir getrennt sind und um ihm Glück zu wünschen. Für seine erste Reise habe ich ihm schlicht eine „1 Cent“-Münze mitgegeben, da diese ja bei uns als Glücksbringer bekannt ist. Für seine zweite Reise habe ich ihm „Extragepäck“ geschenkt und für die dritte Reise habe ich ihm „Flügel verliehen“.

Ihr braucht:                   |   ca. 10 Minuten pro Geschenk

weißes Papier
Bleistift, Farbstifte
Schere, Tesafilm

ggf. PC/Handy zum Suchen nach Bildern zum Abpausen, wenn ihr (wie ich) nicht gut frei Hand zeichnen könnt

Und so geht’s:

Für den Koffer habe ich einfach bei google „Koffer Cartoon“ eingegeben, ein passendes Bild vom Bildschirm abgepaust (s.u.), ausgeschnitten und farblich gestaltet. Meine simplen Wünsche habe ich natürlich sicher im Koffer verstaut und letztendlich habe ich alles mit Tesafilm umklebt, damit der Koffer wasserfest ist („imprägniert“ sozusagen 😉 ) und nichts verwischt.

Für die Flügel habe ich bei google „Flügel basteln“ eingegeben, ein bißchen gescrollt und letztendlich genau das Gleiche gemacht: abgepaust (s.u.), ausgeschnitten, meine Wünsche verfasst und alles mit Tesafilm umwickelt. Über die Flügel hat Angel besonders gelächelt, weil sie nicht nur als Schutzengelflügel zu sehen sind, sondern auch zu seinem Namen passen, zu seinem Beruf (Pilot) und zu dem, was er in Venezuela erledigen musste.

 

Sowohl Gepäck als auch Flügel ließen sich schnell und unkompliziert herstellen, gerade auch, weil wenig Material benötigt wird, und die Größe kann passend zu den Wünschen, die ihr verfassen wollt, ausgewählt werden. Was haltet ihr von diesen Ideen?

UND ich brauche eure Hilfe: was fällt euch noch ein zum Thema Reisen / Schutzengel / Glück wünschen? Er muss noch mindestens 2x los und mir gehen die Ideen aus! Für Inspiration, Tipps und Tricks bin ich sehr dankbar! 🙂

Aventuras Nuevas – Cita con el doctor

Hallo ihr Lieben,

ich werde euch heute davon berichten, wie mein erster Besuch bei einem kolumbianischen Arzt war. Vor 3 Wochen bin ich gestolpert und hab mich blöd an der Schulter verletzt. Wir haben zu Hause erste Hilfe geleistet und erstmal gewartet, ob das reicht, aber es wurde nicht besser. Also hat Renata mir mit Hilfe ihrer Kontakte einen Arzt gesucht, der Englisch spricht. Ich wollte das gerne alleine schaffen, zum einen, weil mir das Selbstvertrauen gibt, auch mal schwierigere Dinge alleine zu schaffen, und zum anderen, weil ich nicht immer abhängig von der Familie sein möchte. Renata hat mir alles erklärt: was ich sagen muss, was sie mich fragen könnten, wie viel es kostet, welche Unterlagen ich mitnehmen muss, wie der Ablauf ist usw. Außerdem hat sie mit dem Arzt selbst gesprochen und direkt vor meinem Termin auch nochmal angerufen und wiederholt, wer ich bin, dass ich nur wenig Spanisch spreche und im Prinzip doppelt und dreifach abgecheckt, dass der auch wirklich englisch spricht und nicht nur so tut. Total klasse. Ich wurde losgeschickt mit den Worten: „Und wenn was ist, ruf an!“

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Ein Straßenplan meiner Nachbarschaft in Cúcuta

Eigentlich war geplant, dass ich alleine dorthin gehe, aber da es an dem Tag sehr heiß war und das Straßensystem in Cúcuta sehr, sehr kompliziert ist (selbst für Cúcuteños, die Einwohner Cúcutas), hat Renzo angeboten, mich zu fahren. Das war letztendlich auch gut, denn ich hätte mich, glaube ich, verlaufen in dem System aus Calles und Avenidas und den ganzen Nummern … Dort, wo das kleine rote Dreieck ist, wohne ich. Und irgendwo außerhalb des linken Bildrandes liegt die Praxis … glaube ich. Ich finde es nicht mal auf googlemaps … muy complicado. Renzo hat mich vor dem Haus, in dem die Praxis untergebracht ist, abgesetzt und ich habe mich durch das Haus zum Arzt navigiert. Durch die Praxistür kam ich in ein kleines, vollbesetztes Wartezimmer samt TV und einem kleinen Rezeptionstresen. Alles sah eher unorganisert aus, nicht so wie in deutschen Arztpraxen. Die Sprechstundenhilfe hat mich auch nicht sehr freundlich angeschaut, als ich sagte: „Buenas tardes, tengo una cita a las 2 con doctor Páez.“ – „Hoy?“  – „Sí, a las dos. Mi nombre es Katharina.“  „Natürlich heute“, dachte ich so, „sonst wäre ich ja an einem anderen Tag gekommen.“ … Eine Tür öffnete sich und eine weitere Sprechstundenhilfe wollte meinen Pass sehen und sagte dann: „Son doscientos mil pesos, por favor.“  Ich reichte ihr 200.000 COP – umgerechnet sind das in etwa 70€. Ich wurde durchgewunken durch die Tür, durch die sie vorher erschienen ist und sie zeigte auf einen langen Gang – den sollte ich hinuntergehen und mich auf die Bank setzen. Der Arzt würde mich aufrufen.

Dieses „Wartezimmer“ war quasi ein Freiluftwartezimmer, sehr angenehm, da der Wind durch die Gitter wehte und der Hitze ein wenig die Stärke nahm. Ich wartete vielleicht 10 Minuten und wurde dann zum Arzt hineingerufen. Er begrüßte mich gleich mit „Good afternoon, how are you?“ und ich war so dermaßen erleichtert. Er hatte einen Akzent, an den ich mich erst gewöhnen musste, aber nach ein paar Minuten ging es super. Er wirkte sehr vertrauenswürdig und nahm sich ganz viel Zeit für mich. Er erklärte mir alles an Bildern an der Wand und war ganz entsetzt, dass ich schon so lange Schmerzmittel nehme für meinen Steiß. „No, you can’t do that. We’ll find out what it is and make it go away.“ Also ehrlich, das fand ich so lieb 🙂 Er meinte, er würde mir eine Überweisung für je 1 MRT schreiben (hier in Kolumbien RMN – resonancia magnética nuclear oder auch einfach kurz „resonancia“), erklärte mir das Prozedere und dass wir die Ergebnisse in einem zweiten (nicht mehr kostenpflichtigen) Termin besprechen würden.

Als ich die Überweisung und die Rechnung/Quittung bekam, musste ich ihm und seiner Sprechstundenhilfe erklären, wie unser deutsches Namenssystem funktioniert. Hier (sowie in vielen weiteren spanischsprachigen Ländern auch, denke ich) haben die Menschen zwei Vornamen und zwei Nachnamen. Benutzt wird meist der erste Vorname und der erste Nachname. Ich habe aber nun drei Vornamen und einen Nachnamen – das bringt die armen Kolumbianer total durcheinander, und obwohl es im Pass und auf meinem Ausweis deutlich untergliedert ist und ich es auch immer wieder erkläre, erscheint regelmäßig mein dritter Vorname als mein Nachname. Prinzipiell stört es mich nicht, aber für offizielle Dokumente ist es schon sicherer, alles ordentlich aufgereiht zu haben, damit es keine Probleme mit der Versicherung gibt. Das Vor-/Nachnamenphänomen kann ich auch schon sehr gut auf Spanisch erklären! 🙂

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Irgendwie á la Pippi Langstrumpf 😉

Nachdem wir das geklärt hatten und während alles nochmal richtig aufgeschrieben wurde, fragte mich der nette Arzt noch, wie es mir hier gefiele usw. und wollte dann wissen, ob ich Deutschunterricht geben würde – ich verneinte, weil ich ja alles in Spanisch erklären müsste und das nicht könnte. Es stellte sich heraus, dass er fragte, weil seine Tochter sehr gerne Deutsch lernen würde und perfekt Englisch spräche – ich könnte es mir ja überlegen. Wir tauschten schon mal Telefonnummern und verabredeten, beim nächsten Termin nochmal miteinander darüber zu sprechen.

 Ich sollte mir eigentlich ein Taxi zurück nehmen, aber ich habe beschlossen, zu laufen. Taxis sind hier nicht teuer, die Fahrt hätte wahrscheinlich nicht mal 2€ gekostet, aber ich hatte ja keinen Zeitdruck und bin der Meinung, dass man sich besser zurechtfindet, wenn man auch bzw. gerade komplizierte Wege selber abschreitet. Ich bin einfach in die Richtung gegangen, in der ich das Einkaufszentrum vermutet habe, und war sehr erleichtert, als es vor mir erschien – geschafft! Diesen tollen eingepackten Baum habe ich auf dem Rückweg gefunden – ziemlich cool 🙂

Eine der Kliniken, in der ich die MRTs machen konnte, liegt praktischerweise direkt gegenüber des Spielplatzes, auf dem wir immer sind, und Renata hat am Nachmittag für mich einen Termin für den nächsten Tag (Dienstag) gemacht. Abends haben wir uns zusammengesetzt und Renata ist mit mir Schritt für Schritt durchgegangen, was passieren wird. Das habe ich mir alles aufgeschrieben, auch, was ich sagen muss, und „die Liste“ war quasi mein Plan durch das Labyrinth der kolumbianischen Klinikwelt.

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In der Clinica Santa Ana wurden die resonancias gemacht.

Ich habe eingepackt: meinen Pass, meine Überweisung vom Arzt, meinen Terminzettel, meine Kreditkarte und zur Sicherheit auch noch den zu zahlenden Betrag in Pesos – und natürlich die Liste. Am Eingang der Klinik musste ich einem Sicherheitsbeamten erklären, warum ich da war: „Tengo una cita para resonancias.“ Er nickte und wies mir den Weg durch eine Glastür zur Rezeption. Dort angekommen, erklärte ich mein Anliegen nochmals und reichte den receptionistas den Terminzettel. Sie wollten meinen Pass sehen und die Überweisung des Arztes. Ich sagte, ich würde das Original für mich brauchen – „Necesito el original para mí.“ – und sie machten eine Kopie. So weit, so gut – und dann reichten sie mir einen Zettel zum Ausfüllen. Ich wurde nervös. Das stand nicht auf der Liste! Zum Glück musste ich in Deutschland auch schon mal in die Röhre, daher konnte ich mir ca. denken, was sie wissen wollten, habe aber trotzdem nochmal alles mit den Sprechstundenhilfen geklärt – bis diese allerdings auf die Idee kamen, google translator zu Hilfe zu nehmen, verging ein bißchen Zeit … Nachdem alles ausgefüllt war, bekam ich eine Quittung und musste zur caja – wo ich 775.000 COP bezahlen würde, 350.000 COP für die Schulter und 425.000 COP für den Steiß – uiuiui! Das sind ca. 235€ und fast so viel, wie ich in einem Monat verdiene. Ich habe beschlossen, das mit meiner Notfallkreditkarte zu bezahlen, auch wenn die Familie mir versichert hat, sie würden mir Geld vorstrecken.

Die Kassenfrau (Kasse=caja) war furchtbar – sie saß in einem Glaskasten und nuschelte mir alles durch einen dünnen Schlitz in der Glasscheibe zu – wie sollte ich sie nur verstehen?! Ich war so frustriert, als sie nicht zu kapieren schien, dass ich sie nicht verstand, dass ich ein bißchen auf deutsch herumschimpfte. Besser wurde es dadurch nicht, aber ich hab mich zumindest etwas besser gefühlt. Es war so gut, dass ich die Liste hatte. Renata hatte erklärt, dass sie mich fragen würden, ob es eine „credito“- oder eine „debito“-Karte wäre und was ich antworten müsste. Hier in Kolumbien ist es wohl außerdem üblich, dass in mehreren Raten bezahlt wird – also mehreren „quotas“. Auf die Frage „Cuantas quotas?“ müsste ich allerdings unbedingt mit „Una quota, por favor.“ antworten, sagte sie, weil es sonst nicht klappen würde mit der Bezahlung. Ein Glück, dass ich das vorher wusste, sonst wäre ich vermutlich ausgerastet an der caja.

Nachdem das geschafft war, ging ich zurück zur Rezeption und wurde durch einen langen Gang in den Wartebereich des MRTs geschickt, wo ich 1,5 Stunden wartete. Dann erklärte mir der Arzt dort, ich müsste mich ausziehen – kurzer Moment der Peinlichkeit, als er erwähnte, ich müsste den BH ausziehen, könnte aber die Unterhose anlassen – und ich verschwand im kleinen Bad, um mich in ein schickes, blaues Gewand zu hüllen. Es mag kittelvielleicht blöd klingen, aber das dieses Ding relativ ordentlich an mir aussah, gab mir irgendwie etwas Selbstvertrauen zurück. Ich wurde dann zum Gerät geführt und der Arzt unterhielt sich sehr freundlich mit mir – er fragte, woher ich käme, was ich hier machen würde, wie alt ich sei … Alltagsdinge eben, und dass ich antworten konnte, tat mir gut, es gab mir das Gefühl von Normalität. Er erzählte mir auch von einem Besuch in den USA und er sagte: “ … y no entendí nada! Inglés es muy complicado!“ Obwohl er Englisch also nicht verstanden hatte und für sehr kompliziert hielt, warf er immer mal wieder ein paar Worte ein und brachte mich zum Lachen. Er zog mir liebevoll blaue Puschen an die nackten Füße und half mir fürsorglich, mich hinzulegen. Bevor er mich zum zweiten Mal in die Röhre schieben musste, wollte er wissen, ob mir zu kalt sei, er könne mir gerne noch eine zweite Lage Kleidung organisieren. „No, todo bien, muchas gracias!“  Als auch der zweite Durchgang geschafft war, half er mir wieder auf, ich zog mich an und er bestätigte nochmals, dass ich auch eine CD von den Ergebnissen haben wollte: „Necesita un CD, verdad?“ Bevor er sich auf Englisch (!!) verabschiedete, sagte er mir, ich könnte die resultados am Freitagnachmittag ab 16h abholen.

Wundervoll. Das habe ich auch gemacht – erst durfte ich allerdings nicht in die Klinik, weil ich Anja dabeihatte. Versteh das einer, ich musste ja nur zur Rezeption! Als ich dann endlich drin war (ohne Anja), schien es eine schwere Aufgabe zu sein, meinen Namen in eine Liste einzutragen, und als es dann nach 10 Minuten endlich geschafft war, musste ich erneut das mit dem Vor-/Nachnamen erklären, weil es sowohl auf der Tasche mit den Ergebnissen als auch auf der Liste, die ich unterschreiben musste, falsch stand … Man man man. SO schwierig finde ich es es nun auch wieder nicht … Ich habe dem Arzt von Dienstag dann noch ein kleines Geschenk vorbeigebracht, weil ich es so toll von ihm fand, dass er sich so um mich gekümmert hatte. Er hat sich total gefreut und auf Englisch bedankt 🙂 Ich hatte ihm Ferrero Rocher gekauft (hier etwas richtig Feines) und eine kleine Notiz dazugeschrieben: „Gracias por su paciencia y por tener la amabilidad de ayudarme a comprender todo.“

Jetzt liegen die Bilder hier bei mir und übermorgen muss ich erneut zu Doktor Páez, um die Ergebnisse zu besprechen. Mal sehen, was dabei herauskommt. Ich bin auf jeden Fall stolz, dass ich das geschafft habe und auch größtenteils alleine (und natürlich mit Hilfe der Liste). Das fühlt sich gut an – Dinge, die ich zu Hause alleine schaffe, auch hier zu schaffen – gerade dann, wenn sie ein bißchen schwieriger sind.

In diesem Sinne werde ich den Post abschließen mit einem Zitat, das ich gestern auf facebook gefunden habe. Es geht um’s Fitnesstraining, denke ich, finde aber, man kann die Worte genauso gut auf den Alltag und die kleinen Schwierigkeiten in diesem beziehen …

Un abrazo grande! x

Aventuras Nuevas – Schon wieder Post!

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Und ich hab schon wieder Post bekommen – ist das toll! Dieses Mal eine Karte im Briefumschlag, ebenfalls am 19.7. abgeschickt, ebenfalls für meinen Geburtstag. Ich freue mich sehr und werde sie zu der ersten Karte an meine Postkartenwand hängen, die hoffentlich bald voller wird! 🙂 Dankeschön Mama  ❤

 

Aventuras Nuevas – Un regalo

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Melcocha – typische kolumbianische Süßigkeit

Ich hatte ja schon erwähnt, dass Angel und ich uns treffen, um Spanisch bzw. Deutsch zu lernen. Wenn wir uns treffen, bringt er oft eine Kleinigkeit mit, Bonbons oder eine typische kolumbianische Süßigkeit oder er kauft mir irgendwas zu trinken, auch wenn ich behaupte, nicht durstig zu sein (er hatte durchschaut, dass ich mich noch nicht traue, alleine zu bestellen). Außerdem kümmert er sich um mich, wenn ich Hilfe brauche: er erklärt mir das Straßensystem, fährt mich nach Hause, wenn es dunkel ist und wenn ich zu Fuß gehe, möchte er, dass ich ihm schreibe, wenn ich heile angekommen bin, wo ich hinwollte. Wenn’s mir nicht gut geht, kann ich ihm schreiben und er ist für mich da und bald wird er mir auch mit meinem ersten Friseurbesuch hier in Kolumbien helfen. Ist ja klar, dass ich das sehr zu schätzen weiß, denn sowas ist absolut nicht selbstverständlich, finde ich.

Als ich ihn fragte, was ich ihm denn mal schenken könnte, irgendetwas Kleines, meinte er, das sei nicht nötig. Als ich nicht locker ließ, meinte er: „Okay, es gibt etwas! Keine unregelmäßigen Verben mehr, bitte!“ Die findet er verständlicherweise schwierig und furchtbar. Leider geht’s aber nicht ohne … Ich hab also lange überlegt und dann kam mir die Idee: Kinderschokolade! Schokolade ist hier sehr teuer und daher etwas Besonderes und Kinderschokolade ist nun mal typisch deutsch. Die gibt es hier im éxito, einem Supermarkt, für 6450COP (Kolumbianische Pesos). Umgerechnet sind das etwa 2€. Man teilt einfach den Preis durch 3000 und hat Pi-mal-Daumen den Euro-Preis.

Außerdem hatte Angel mir erzählt, dass seine dreijährige Nichte aus Venezuela über das Wochenende zu Besuch kommen würde und er liebt sie total. In Venezuela ist die Situation sehr schwierig, ich weiß nicht, wie viel davon in Deutschland (bzw. dort, wo ihr euch aufhaltet) ankommt. In den Supermärkten gibt es keine bzw. kaum Nahrungsmittel, Kosmetik- oder Haushaltsartikel, die Menschen ernähren sich größtenteils von Kartoffeln, Reis und Dingen, die man aus Mehl herstellen kann, alles ist sehr teuer und schwierig zu bekommen, Medikamente gibt es auch kaum noch und eine Ausreise nach Kolumbien war bis vor Kurzem nicht möglich. Cúcuta liegt nur ca. 50km von der Grenze zu Venezuela entfernt und kurz nach meiner Ankunft hier wurde diese (ich glaube 2x) für einen halben Tag geöffnet, sodass Venezuelaner in die Stadt kommen und hier Lebensmittel kaufen konnten. Über 10.000 Menschen kamen an einem dieser Tage und kauften die Supermärkte leer. Ehrlich, leer. Es gab nach diesen Tagen einige Dinge nicht mehr zu kaufen. Es muss furchtbar sein dort drüben. Wir hatten auch eine Familie hier, die Venezuela verlassen hat – Mutter, Vater, 2 Kinder. Der Vater hatte eine Firma und alles war gut, bis er sie an die Regierung verloren hat. Dann hatte die Familie nichts mehr, aber wirklich nichts. Als sie bei uns ankamen, konnten sie nicht fassen, was es hier alles gibt. Im Supermarkt haben sie Fotos gemacht von allen Lebensmitteln und erzählten, dies sei das erste Mal nach 3 Jahren, dass sie sich mit Seife und Schampoo waschen könnten. An der Grenze wurde ihnen auch alles Geld abgenommen und dann wurde behauptet, sie hätten noch nicht bezahlt für die Ausreiseerlaubnis. Zum Glück kannte einer der Militärbeamten dort den Papa hier, hat ihn angerufen und als ihm bestätigt wurde, dass die Familie Freunde von ihm seien, half er ihnen, ging mit ihnen zu den Beamten, die sie abgezockt hatten und veranlasste, dass alles geregelt wurde. Furchtbar, ich kann mir das gar nicht vorstellen und würde es auch nicht glauben, wenn ich es nicht miterlebt hätte.

Jedenfalls hatte Angels Nichte von ihren Eltern die Erlaubnis bekommen, für ein Wochenende hierher zu kommen. Da ich Angel nicht irgendeinen nutzlosen Kram kaufen wollte und ich wusste, wie sehr er seine Nichte liebt, habe ich beschlossen, einfach etwas für sie zu kaufen. Ich dachte mir, wenn sie glücklich ist, ist er es auch, und das ist ja die Idee hinter dem Geschenk. Die Idee kam mir, als ich in der Shoppingmall durch Zufall in einen Buchladen geriet. Dort lagen glitzernde, bunte Kinderbücher aus und ich wusste sofort: du kaufst „Carlita“ ein Buch! Ich wollte ihr etwas schenken, mit dem sie nicht nur spielen kann, sondern das sie auch in ihrer Bildung unterstützt. Bücher sind hier auch eher ein Luxusgut, was ich sehr schade finde, denn meine Liebe zu Büchern ist so riesig, weil ich sie als Kind kennen- und liebengelernt habe.

Ich entschied mich nach langem Suchen für „El jardin mágico de la pequeña Hada“, also „Der magische Garten der kleinen Fee“. Dieses Buch war ab 3 Jahren, es gab schöne Bilder und nicht zu viel Text und außerdem Magnetbildchen, die ergänzend zum Text (oder auch einfach wahllos) auf die magnetischen Seiten gelegt werden konnten. Carlita würde Spaß daran haben, die Magnete anzubringen und zu betrachten, gleichzeitig würde sie die Wörter spielerisch lernen und später auch den Text selbst lesen lernen können, so dachte ich mir. Ein Geschenk, das länger vorhält. Dieses Buch kostete 18000COP, also umgerechnet 6€, was ich total gut finde für ein Buch! In Bildung kann man nicht genug investieren.

Ich kaufte es und dann im Exito noch 2 Tafeln Kinderschokolade, packte zu Hause alles ein und am Abend traf ich mich mit Angel. Die Geschenke für Carlita kamen in relativ buntes Papier, Angels Schokolade verpackte ich in ein weißes A4-Blatt und schrieb mit verschiedenen Farben „Danke“ in allen Sprachen auf, die wir beide sprechen. Als ich ihm die Tüte mit Geschenken gab, bekam er große Augen und fragte ungläubig: „Das alles? Das ist zu viel!“ Als ich uns Getränke kaufte (ich traue mich mittlerweile, alleine zu bestellen) kam er plötzlich mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm ins Café! Oh, die Kleine sah richtig süß aus, aber auch müde und schüchtern war sie – ist ja klar, ich sehe ganz anders aus als alles, was sie bisher kennt, und dann spreche ich auch noch komisch …

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Wieder zurück am Tisch schlug ich vor, ihr das Geschenk jetzt zu geben. Sie saß auf Angels Mamas Schoß und wusste erst nicht so recht … aber dann begannen ihre Finger zögerlich, das Papier zu öffnen. Als sie den pinken Umschlag des Buches sah, sah ich ehrliche Kinderfreude: ihre Augen wurden groß, ihr Mund lächelte und sie zog freudig-überrascht die Luft ein, dann arbeiteten ihre kleinen Fingerchen sich blitzschnell durch das Papier. Sie konnte es nicht fassen! Auch Angel und seine Mama saßen mit großen, funkelnden Augen daneben – und diese Szene miterleben zu dürfen, war das allerbeste Geschenk für mich. Es war ein richtig magischer Moment und ich konnte die Freude und Überraschung in der Luft fast greifen. Ein kleines Buch und ich mache 3 Menschen glücklich- wie wundervoll.

Sie war immer noch scheu mir gegenüber, aber das ist ja klar. Sie flüsterte Angels Mama etwas ins Ohr: „Wir werden Mama und Papa erzählen, jemand hat mir eine Überraschung bereitet.“ Carlita bestand darauf, das Buch überall mit hinzunehmen und Angel berichtete mir später, sie hätte ihm nicht erlaubt, ihr beim Tragen zu helfen. Auch zu Hause hätte er das Buch immer wieder auf den Schoß gelegt bekommen. Ach, wie mich das freut 🙂

Seit einigen Tagen habe ich den Spruch auf dem Bild unten im Kopf, also in etwa: „In einer Welt, in der du alles sein kannst, sei freundlich.“ Und außerdem diese Zeile aus „The End“ von den Beatles, in etwa: „Am Ende ist die Liebe, die du nimmst, die Liebe, die du gibst.“ Und in diesem Moment, in dem Carlita überrascht einatmete und die Augen von Angels Mama leuchteten und Angel die Kleine beobachtete und lächelte, habe ich das, was ich gegeben hatte, zurückbekommen. Ich hatte das Gefühl, wir saßen in unserer eigenen kleinen Blase aus Überraschung und Freude und Liebe und das Leben um uns herum stand kurz still – das war ein einzigartiger und wundervoller Moment und ich werde mich hoffentlich immer an dieses Gefühl erinnern, und auch daran, dass Geben und Lieben sich immer lohnen. Ich habe das gegeben, was ich selbst am meisten brauche und es zurückbekommen.

Euch sende ich auch ganz viel Liebe und un abrazo grande! xx

Abschied nehmen

Hallo liebe Lebensmaler,

heute ist mein letzter Tag auf der Arbeit und es wird mir schwer fallen, von den Kindern und auch meinen Kollegen Abschied zu nehmen. Wir werden bestimmt in Kontakt bleiben, aber trotzdem werde ich nicht mehr Teil des Teams sein, mich nicht mehr kümmern müssen, nicht mehr aktiv beteiligt sein. Abschiede finde ich traurig, aber zwei Auszüge aus einem meiner Lieblingsbücher, nämlich „Der kleine Prinz“, helfen, dem Abschiednehmen eine positivere Note zu geben.

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Genauso wie der Fuchs die Farbe des Weizens gewonnen hat, habe ich durch die Arbeit eine ganze Menge Wissen, viele wertvolle Erfahrungen, interessante Ideen, andere Sichtweisen und Selbstbewusstsein und Handlungskompetenz sowie unendlich viele kleine Freuden und Glücksmomente gewonnen. Weil ich den Job dort und die Ausbildung parallel angefangen habe, waren meine Kollegen von Anfang an in der Erzieher-Ausbildung dabei und haben viel zu der Entwicklung beigetragen, die ich im Laufe der Zeit durchgemacht habe. Nach dem anfänglichen „sich vertraut machen“ habe ich ganz schnell eine „Palette voller Farben“ gesammelt, die mich an die Arbeit an sich, die Kinder und Kollegen erinnern wird.

Ich könnte es auch mit den Worten Winnie Puuhs ausdrücken: „Wie glücklich ich doch sein kann, etwas zu haben, das Abschiednehmen so schwer macht.“

Farbspritzer

Heute habe ich das Geburtstagsgeschenk für eine Freundin verpackt und gestaltet, die es echt nicht ganz so leicht hat mit ihrem Leben – trotzdem steht sie immer wieder auf und schlägt sich weiter durch. Sie gibt mir ganz oft Mut, dass auch ich das schaffen kann. Und gestern stand ich zufällig in einem Laden vor einem Schalregal und fand das perfekte Geschenk. Zusammen mit einem übersetzten Auszug aus „The Personal Shopper“ von Carmen Reid sagt es genau das aus, was ich an ihr bewundere: immer weiter machen, nach vorne schauen, sich selbst drum kümmern, dass man seine Ziele erreicht, sich selbst etwas Gutes tun und dafür sorgen, dass es einem so gut geht, wie es unter den momentanen Umständen eben möglich ist.

Die persönliche Note finde ich bei gekauften Geschenken so wichtig – wie seht ihr das?