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Aventuras Nuevas – Als ich einmal Rednerin auf einer Abschlussfeier war …

Ich melde mich zurück mit einer weiteren Geschichte aus dem ereignisreichen Dezember! Ich arbeite so langsam alles ab, was liegengeblieben ist.

Meine Freundin Marcela hatte mich gefragt, ob ich auf der Abschlussfeier des Englischinstitutes, in dem sie arbeitete, eine Rede halten könne. Es gehe um die Wichtigkeit von Englisch im Leben, und es sei so schwer, jemanden zu finden, der interessant und/oder authentisch davon erzählen könne. Rednern von hier nähmen die Schüler das weniger ab als einer offensichtlichen „Ausländerin“ … und wo ich doch schon mal hier sei …

Sie hätte sich gar keine Sorgen machen müssen, ich mochte die Idee und sie versicherte mir, die Rede würde auf Englisch erwartet. Ich setzte mich also an den Schreibtisch und dachte nach, schrieb, strich durch, schrieb erneut quer am Rand entlang um die Ecke … Mehrere Stunden, die Tage wurden, und unzählige zerknüllte Blätter später hatte ich dann meine Rede fertig. Ich hatte mir vorgenommen, den Anfang und das Ende davon auf Spanisch zu schreiben, da dies die Authentizität des Inhaltes unterstreichen und mir von Anfang an die Aufmerksamkeit der Schüler sichern würde. Ich jagte die dafür vorgesehenen Teile durch google translate, ließ Angel Korrektur lesen und schreiben und präsentierte schließlich Marcela stolz meine Rede. Sie wand ein, dass ihre Chefs eine Rede rein auf Englisch wollten, aber begeisterte sich nach meiner Argumentation doch dafür: „Okay, wir machen deine Spanglisch-Sandwich-Rede einfach so!“

Am 12.12. hatte ich mir den Nachmittag freigenommen und machte ich mich für 17 Uhr fertig, unterstützt von Maria Elizabeth, die uns im Haushalt hilft: sie wusch last minute vorher unentdeckte Flecken aus meinem Kleid und bot mir von ihr handgefertigten Schmuck als Accessoires an – leider haben diese Stücke es nicht mehr pünktlich zu uns geschafft, obwohl ich mit Verspätung abgeholt wurde. Marcela und ihre Mutter holten mich in einem Taxi ab, dass uns durch verkehrsgefüllte Straßen zum Holiday Inn Hotel fuhr, wo die Feier stattfinden sollte. Endlich im Festsaal angekommen, bugsierte Marcela mich auf einen Stuhl auf der Tribüne und verschwand, um auf die letzte Minute noch einige Wogen zu glätten. Ihr Chef saß neben mir und tippte geschäftig auf seinem Telefon herum, während ich nervös die Leute beobachtete, meine Rede mit schwitzigen Händen auf- und zufaltete und darüber nachsann, ob es unhöflich sei, schon von meinem Wasser zu trinken. Irgendwann füllte sich unser Tisch auf dem Podest, die Lichter wurden gedimmt, nach und nach marschierten die Schüler zu ihren Sitzreihen, und die beiden Lehrer, die rednerisch durch’s Programm führten, begrüßten alle Anwesenden. Fast am Ende des ersten Drittels des Abends kamen die Vizepräsidenten des Institutes dann durch den Mittelgang spaziert, ganz entspannt, obwohl zu spät … also ehrlich! Das Programm war ein bunter Mix aus allem, es wurden verschiedene Reden gehalten, Projekte vorgestellt, gesungen und getanzt, Präsentationen … tja, präsentiert … und dann war ich dran.

Mit zitternden Beinen stand ich auf und ging, begleitet von Marcela, die die englischen Teile meiner Rede für die Familien der Schüler übersetzen würde, zum Rednerpult. Mein Mikrofon funktionierte anfangs nicht, sodass ich schon mal mit einem Lacher starten durfte – das machte mich den Zuhörern sympathisch und die Spannung viel von mir ab. Besser hätte es nicht sein können und die Rede kam sehr gut an. Ich bekam den lautesten Applaus des Abends und es war echt ein gutes Gefühl, meine Erfahrungen so einer breiten Masse präsentieren zu können – bei der sie vielleicht sogar auf fruchtbaren Boden fallen, etwas bewirken, Träume inspirieren und motivieren … Das war ein sehr belohnendes Gefühl und ich war stolz. Als wir uns wieder auf unsere Stühle plumpsen lassen wollten (so anmutig wie möglich natürlich!), klatschten die Chefs und Vizepräsidenten wie verrückt und umarmten und küssten mich … ach, ich war so erleichtert!

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Marcela steht mir bei meiner Rede zur Seite

Später wurde ich dann noch ins kalte Wasser geworden und als Glücksfee für eine Tombola ausgewählt. Der Vizepräsident fand es dann sehr witzig, mich als la mano inocente de Alemania vorzustellen und mich einige Dinge zu fragen … unter anderem, ob ich denn verheiratet oder single sei. Dies verwirrte mich so, dass ich „single“ sagte, und mich dann fix verbessern musste: „No estoy casada pero no estoy soltera tampoco. Tengo novio!“ [„Ich bin nicht verheiratet, aber auch nicht single. Ich habe einen Freund.“] Das fanden dann alle so toll und als sie dann auch noch erfuhren, dass el novio mio ein Cucuteño war, waren sie aus dem Häuschen. Angel wurde zwar eingeladen als mein +1, konnte aber nicht mitkommen, sonst hätten sie ihn sicher auch auf die Bühne geholt, um ihn sich näher anzugucken, diese verrückten Kolombianer. Der Mann, dessen Familie den Tombola-Preis gewonnen hat, hat mich 100x umarmt und sich bedankt, und ich war dann ebenfalls sehr dankbar, als ich wieder hinter den Tisch auf meinen sicheren Platz verschwinden konnte und nur noch hübsch lächeln musste.

Schließlich begann die langwierige Prozedur, die Urkunden an die Schüler zu übergeben, während der ich meine Gesichtsmuskeln für die Fotos überstrapazierte, und schließlich wurde ein typisches Abschlussfoto gemacht mit den Urkunden und fliegenden Hüten. Nach tosendem Abschiedsapplaus verlief sich die Menschenmenge ganz fix. Es wurde Sekt ausgeschenkt und wir durften uns frei bewegen – ich kann gar nicht zählen, wie viele Schüler zu mir kamen und unbedingt ein Foto mit mir machen und mit mir sprechen wollten. Es war aber eine positive Aufmerksamkeit und alle waren sehr lieb, sprachen Englisch und fragten ganz interessiert viele verschiedene Dinge. Mir wurden auf englisch und spanisch so viele herzliche Komplimente gemacht, was ich sehr genossen habe. Auch Marcelas Kollegen haben mich beglückwünscht, mir gratuliert und Komplimente gemacht – es tat so gut, denn auch sie hatten Zweifel an meiner Spanglisch-Sandwich-Idee und ich wollte Marcela keine Schwierigkeiten machen, aber gleichzeitig auch nicht die Idee hinter meiner Rede aufgeben … Gut, dass sie so gut angenommen wurde. Später machten Marcela und ich noch Fotos, alleine und mit ihren Kollegen, und schließlich verließen auch wir das Hotel – erleichtert und euphorisch, aber auch erschöpft.

Ich wurde zu Hause abgesetzt und von Javier begrüßt, der mich normalerweise nur in meiner ausgeleierten, beschmutzten Arbeitskleidung sieht – er war hin und weg von meinem Outfit. Ich berichtete von meinem Abend, übersetzte ihm meine Rede und wir machten Fotos – dass er meine Freude teilte, war ein wunderschöner Abschluss dieses tollen Abends!

Für diejenigen, die meine Rede interessiert, folgt sie jetzt im Original. Ansonsten verabschiede ich mich und bedanke mich für’s euer Mitlesen … bis zum nächsten Post! 🙂

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Buenas noches y felicitaciones por su grado. Todos ustedes pueden sentirse muy orgullosos de ustedes mismos por  cumplir este gran logro. Me siento honrada de formar parte de la celebración.

La coordinadora Marcela me invitó para dar este discurso a ustedes sobre un tema muy importante para mí y para ustedes también. Para hacerlo permitánme contarles sobre mí y mi vida.

My name is Katharina and I am 26. I am from Germany, a country in Europe, and I am in Cúcuta to learn about Colombian culture and how to speak Spanish. This is my first time in Latin America and it’s been a special experience, just like other experiences I have made in other countries.

I jumped out of an airplane, I snorkelled with dolphins, I learned the traditional war dance of New Zealand’s indigenous people, I walked through an active volcanic area, I held koalas on my arm and I lived in the Australian outback as a cowgirl for 5 months. I have friends from over 10 different countries around the world who have shared and still share their lives and cultures with me.

Now you maybe ask yourselves how that is possible. Do I speak over 10 different languages? No, no I don’t … but I speak English.

[Pause]

6 years ago, I was where you are now: I graduated and I was so glad that school was over. I need to tell you something that teachers don’t like to hear: I forgot most of what I learned in school. I forgot probably more than I remember. Most of the things I was taught I didn’t find useful.

Except one subject and that is English. Speaking English opened doors for me and gave me so many opportunities to get in touch with the world. Traveling, working and living in countries that are different from my own helped me to see things in a new way, helped me to learn how to deal with problems and how to stand up for myself.

My personality changed, I grew more self-confident and more courageous. I am more curious now, more adventurous and more spontaneous. I am more understanding of people, situations and decisions and I am more grateful for what I own. I have more insight into this fascinating world, more experiences and more memories than ever before. I am lucky to call more people my friends and more than one place my home.

[Pause]

He utilizado la palabra “more” – más – varias veces – lo hice a propósito para mostrarles la cantidad de “más” que hay que experimentar para saber más de un idioma. Yo misma estoy aprendiendo hablar un idioma más – el español. No es fácil para mí – en realidad es muy desafiante. A veces sólo quiero rendirme porque es demasiado duro – y entonces recuerdo que no voy a conseguir „más” por rendirme.

Por eso, mi consejo para ustedes es: nunca rendirse porque algo es duro o difícil. Si realmente lo desean, pueden conseguirlo. El conocimiento es poder, y si siguen trabajando por este poder, lo obtendrán – con el tiempo. Con el poder que ganaron, pueden crear la vida que desean tener. Les deseo lo mejor en esta nueva etapa de sus vidas. Cualquier cosa que decidan hacer con sus vidas, espero que siempre tengan la voluntad, el valor y la fuerza para aspirar “más” y siempre enfocados en hacer el bien.

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