Tag-Archiv | Outback

Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 2

Herzlich Willkommen zu Teil 2 von „Alles neu!“ Wir waren stehen geblieben an dem Punkt, an dem meine Pläne, als Lehrerin in Kolumbien zu bleiben, mit lautem Klirren zu einem beträchtlichen Scherbenhaufen zusammenfielen.

*
*
*

IMG-20170108-WA0038

Angie und ich bei einem die Seelenrisse kittenden Eis

Zum Glück gibt es Angie, meine beste Freundin in Kolumbien. Inmitten unserer jeweiligen chaotischen Leben haben wir uns getroffen und bei einem Picknick alles erörtert, auseinandergepflückt, zusammengesetzt und erneut durchgekaut, bis wir uns beide etwas leichter fühlten mit allem, was sich auf uns stürzt und uns unter sich begräbt. Es tat so gut, sich mit ihr alles von der Seele zu reden, alles 3x zu sagen, weil es so ätzend ist, und sich verstanden zu fühlen. Während dieses Gesprächs sprachen wir u.a. darüber, was denn im Falle einer Absage meine Optionen wären, und ich scherzte: „I’ll just go back to Australia.“ Und es war ein Scherz, ich schwöre. Doch wie es so ist, in jedem Scherz steckt auch ein Körnchen Wahrheit und ich konnte diese Idee nicht davon abhalten, sich in meinem Kopf und Herzen einzunisten.

Für alle, die 2013 noch nicht mitgelesen haben: ich habe damals als Backpackerin von Februar – Juli auf einer Rinderfarm im Outback gelebt und gearbeitet. Viele meiner damaligen Beiträge findet ihr ab Februar 2013 im Archiv bzw. unter der Kategorie „Farm Charm“.

Ich habe also Kontakt mit meiner Gastfamilie von damals aufgenommen und gefragt, ob sie mich eventuell wieder aufnehmen würden. Keine 12 Stunden später hatte ich eine Antwort und mir fiel der Mount Everest vom Herzen. Ich sei immer willkommen und müsse ihnen nur meine Reisedaten mitteilen. Gesagt, getan – ich buchte einen Flug, kümmerte mich um die jeweils nötigen Visa, schickte die Infos nach Australien … und machte mich Millionen Mal ans Aussortieren/Koffer-Probepacken. Geplant war, mit einem Touristenvisum 3 Monate in Australien zu bleiben und dann für einen Monat nach Kolumbien zurückzukehren, um mit Angel seinen Geburtstag zu feiern, bevor es am nächsten Tag zurück nach Deutschland gehen würde. Ich hatte mich gegen eine sofortige Reise nach Hause entschieden, weil ich so meine Auslandskrankenversicherung verlieren und dies eine sehr lange zeitliche Trennung von Angel bedeuten würde. Durch die Reise nach Australien bliebe die Versicherung bestehen und er und ich würden uns vor der unausweichlichen Trennung im Juli nochmal sehen.

Den Januar sollte ich ja sowieso bei meiner Gastfamilie in Kolumbien bleiben und ich habe ihnen dann noch den Februar gegeben, damit sie sich nach jemand neuem umschauen können. Ich fand es unfair, von heute auf morgen zu verschwinden (obwohl ich das gekonnt hätte), aber auf keinen Fall wollte ich bei ihnen bleiben. Das war eine gute Entscheidung. Mit dem Wissen, dass ich bald gehen würde, ließen sich der restliche Januar und der Februar gut überstehen, aber die Atmosphäre war keine schöne und verschlechterte sich zusehends. Zu vielen Dingen nickte ich einfach nur noch, weil ich keine Lust mehr hatte, mich darüber aufzuregen, aber ich fühlte mich zunehmend eingeengt und eingeschränkt, ungerecht behandelt und unwohl. Am Ende ging es dann tatsächlich im Streit auseinander, womit ich ja schon im letzten Jahr gerechnet hatte. Ich habe aber irgendwann genug davon gehabt, alles hinzunehmen, zu nicken und „ja und Amen“ zu sagen. Nicht nur das Aupair muss sich in gewissem Grade anpassen, sondern auch eine Familie muss sich auf die Bedürfnisse und Wünsche des Aupairs einstellen, und irgendwann habe ich meine Hacken in den Boden gestemmt und mich gegen die Zügel der Familie gewehrt. Kam nicht so gut an.

Am Samstag, 04. März, zog ich aus, ohne richtiges Abschiedsgeschenk von der Familie und tatsächlich auch ohne Abschied von Seiten meines Gastvaters, der mich gegen Ende komplett ignorierte. Ich konnte nur den Kopf schütteln, denn obwohl die letzten Tage alles andere als schön waren, hatte ich Abschiedsgeschenke für die Familie vorbereitet.

Ich zog bis Montagabend zu Angie. Koffer, Boxen und Taschen ließ ich bei Angel, zu dem ich Montagabend ziehen sollte. Mit meiner Reisetasche machte ich mich nach einem kurzen Treffen mit Angel mit dem Bus auf den Weg nach Villa del Rosario, wo Angie mich vom Bus abholte. Die Familie hatte mir untersagt, Angie dort zu besuchen, aus „Sicherheitsgründen“. Dass sie mir damit die Chance nahmen, meine beste Freundin zu sehen und ihre Familie kennenzulernen, berührte sie nicht. Umso mehr genoss ich es, dass mich Angies Familie so selbstverständlich aufnahm, als gehörte ich schon ewig dazu. In diesen 2,5 Tagen habe ich mich wohler gefühlt in einem zu Hause als die letzten 8 Monate zuvor. Mir wurde klargemacht, dies sei jetzt auch mein zu Hause, ich solle mich wohlfühlen. Wir aßen zusammen, unterhielten uns, scherzten, lachten, tauschten uns aus, halfen einander. Ich fühlte mich so geborgen und angenommen und die Zeit mit Angie zu verbringen, war so wunderbar. Ich kochte für ihre Familie Kartoffelpuffer, um mich zu bedanken für alles, und als ich mich am Montagnachmittag verabschiedete, wurde ich so herzlich gedrückt und die Einladung, im Juni wieder bei ihnen zu wohnen („Eres bienvenida siempre, esta es tu casa“), klang schon fast wie eine Feststellung, als sei es klar, dass ich dann wieder bei ihnen wohnen würde. Ich lief über vor Dankbarkeit und Zuneigung.

Ich erledigte noch einige Dinge, bevor ich zu Angel fuhr und verbrachte die letzten Tage dort recht unabhängig. Dienstag hatte ich zum letzten Mal Physiotherapie, ging zum Friseur, erledigte noch ein paar Einkäufe, schrieb ein paar Nachrichten und kochte abends wieder Puffer, diesmal für seine Familie. Am Mittwoch lud er mich zu einem vegetarischen Mittagessen ein (überlaufendes Herz und strahlendes Gesicht meinerseits) und danach fuhren wir zu Freunden seiner Familie, wo extra für mich noch eine kolumbianische Spezialität gebacken wurde. Ich hab leider vergessen, wie sie heißt, aber sie erinnert mich an eine Mischung aus Fladenbrot und Pfannkuchen, und ist an sich schon ziemlich süß, aber die Kolumbianer  essen sie mit leche condensada (Kondesmilch) – und zwar richtig, richtig viel. Ich habe einfach weniger davon über die Fladen gegossen und es war sooo lecker! Das war ein schönes Abschiedgeschenk.

Von allen meinen Freunden hatte ich mich in meiner letzten Woche bei der Familie verabschiedet. Jeden Abend war ich froh, die Haustür hinter mir zuzuziehen und mich auf Menschen freuen zu können, die gerne Zeit mit mir verbringen, an mir interessiert sind und die meine Ansichten teilen. Schon lange vorher traf ich Francisco, mit dem ich Eis gegessen habe, bevor er selbst zurück nach Venezuela gereist ist, wo er lebt. Ich lief in Horacio hinein und freute mich total über dieses spontane Treffen. Marcela und Carol, die selbst je 2 Aupair-Jahre in den USA hinter sich hatten, luden mich zu einer Pizza ein, nach der ich endlich mal richtig satt war, und wir sprachen über das Aupairleben, Gastfamilien, ihre jetzige Arbeit, Sprachen lernen, was wir zusammen erlebt haben und was die Zukunft für uns wohl bringen würde. Ich traf Rafael, mit dem ich redete und redete, ich traf Alejandra, die mir ein wundervolles Abschiedsgeschenk machte und mit der ich das ganze Treffen lang auf Spanisch sprach – und es fiel mir nicht mal schwer! Ich traf Jaime, dem ich über die Maßen dankbar einen Berg ausgeliehene Bücher zurückgab und ich traf Jodi, mit der ich ebenfalls Eis aß und zum letzten Mal tiefgründige Gespräche führte.

Alle meine Freunde und Bekannten vom Spielplatz hatte ich in den vorangegangenen Tagen davon unterrichtet, dass ich bald gehen würde und sie kamen nach und nach, um mich zu umarmen, sich zu verabschieden, Nummern auszutauschen und noch ein letztes Foto mit mir zu machen. Meine beste Spielplatz-Freundin Juliana und ihre Mama Ximena machten mir ein Geschenk, und das war so wunderschön, weil es unerwartet war: eine Zeichnung samt Brief von Juliana und ein Gutschein für eine Mani-Pedi, zum Entspannen! Das hat mich über alles gefreut, weil es in krassem Gegensatz zu den nicht vorhandenen Geschenken meiner Gastfamilie stand. Zu sehen, dass sich Menschen auf dem Spielplatz so sehr um mich kümmern und sich solche Gedanken und Mühen machen, hat bewirkt, dass mir warm um’s Herz wurde. Und an meinem letzten Tag auf dem Spielplatz kam sogar mein Pflegehund nach Wochen der Abwesenheit mal wieder vorbei und brachte uns nach Hause. Ich habe mich so unendlich gefreut, Caramelo noch ein letztes Mal zu sehen und in den Arm nehmen zu können. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen, genau so wie Maria Elizabeth, mit der ich mich am Montag vor der Manip-Pedi-Behandlung nochmals traf und Geschenke, Neuigkeiten und eine feste Umarmung austauschte. Meine Freunde werden mir sehr fehlen, das ist sicher.

Mittwochabend finalisierte ich mein Packen, zog mich um und verabschiedete mich von Angels Eltern. Wir luden das Gepäck ins Auto, stiegen ein und fuhren zum Flughafen. Es wurde nochmal stressig, weil die Unterkunft, die ich mir in Bogotá organisiert hatte, in letzter Minute geplatzt ist und wir meine neue SIM-Karte nicht aufladen konnten … Das Aufladen hat Angel dann erledigt, während ich schon über den Wolken dahinsegelte (von Cúcuta nach Bogotá) und eine Ersatzunterkunft hatte er mir auch noch organisiert. Die ist dann leider auch nicht zustande gekommen, sodass ich sehr provisorisch am Flughafen in Bogotá gecampt habe, bevor ich 8.10h am nächsten Morgen kolumbianischen Boden hinter bzw. unter mir ließ. Davon, von meiner laaaaaangen Reise, von allem was davor (seit dem letzten Post) und vor allem auch davon, was seit meiner Reise passiert ist, erzähle ich euch im nächsten Post … Was jetzt wichtig zu wissen ist, ist: ich bin heile angekommen und habe euch nicht vergessen.

Ein Gruß aus dem australischen Outback …
… y un abrazo fuerte! 

colombia

Kolumbien, du wirst mir fehlen!

Advertisements

Farm Charm – Friday Night – Pizza Night!

Nach dem ganzen Chaos und schlechten Karma der letzten Wochen haben wir uns unglaublich auf die letzte Freitag Nacht gefreut: Pizza-Night mit der Familie und Neil (ihr erinnert euch, der war schon mal hier – hier nachzuschauen) und gleichzeitig die Abschiedsfeier für Wajihah.
Sie, Kate und ich haben vorher noch gemeinsam einen Spaziergang unternommen, auf dem wir wie die Schulmädels gekichert haben und generell endlich mal wieder ausgelassen und bester Stimmung waren. Als Darcy von der Arbeit heimkam (auf seinem Motorrad) hielt er an und fragte, ob wir etwas genommen hätten, woher denn die plötzliche gute Laune käme? Wir sagten, wir wüssten es nicht, aber wir seien froh, dass sie ihren Weg zu uns gefunden habe.

Der Abend war dann auch einfach klasse: jeder konnte eine Pizza belegen, wir hatten einen riesigen Krug „Pimm’s Cocktail“ (sehr lecker!), Lagerfeuer und eine wunderbar gemütliche Runde. Es war fantastisch, und Neil hier zu haben war einfach perfekt, denn er ist in Neutralisierer, immun gegen alle negativen Schwingungen und objektiv, sodass er uns wertvolle Tipps geben konnte und sicher auch bei der Familie ein gutes Wort für uns eingelegt hat. Außerdem ist er wundervoll positiv und immer gut gelaunt – wenn er bloß jünger, unverheiratet und sohnlos wäre … Naja, aber genug von Neil.

Im Laufe des Abend haben wir dann an Wajihahs „Highs and Lows“ teilhaben dürfen und der Abend tat einfach der Seele gut – seitdem ist auch endlich alles wieder im Lot mit Lynda und Darcy und wir sind zurück zu unserem lockeren, entspannten Umgang. Wunderbar – gegen 1Uhr waren wir dann alle wieder daheim und im Bett – wir hatten schließlich alle einen langen Tag hinter uns.

DSC_0089

Ing und ich – wie lieb ich sie hab 🙂

DSC_0134

Lynda, Ing und Kate – Ings Grinsen spricht Bände

DSC_0128

Kate and meee

DSC_0092

Kate und die „O’Brien Girls“

DSC_0149

„Kannst du mein Cologne riechen, Katharina?“

DSC_0151

Wie schön es ist, wieder gemeinsam zu lachen.

DSC_0160

Unser Lagerfeuer – trägt zur entspannten Atmosphäre bei

DSC_0200

Come on, Darling! Froschmund! Kate und Grace

DSC_0216

Fraser bespaßt Ing mit einer Pose

DSC_0234

Freundschaftliches Teilen, präsentiert von Darcy und Kate – wenn’s nun mal kalt ist!

DSC_0243

Neil von seiner besten Seite – ich möchte, dass er bei uns einzieht!

DSC_0237

Eine Abschiedsumarmung für Darcy …

DSC_0236

… und eine für Neil.

DSC_0240

Es tut so gut, Darcy richtig lachen zu sehen.

DSC_0247

Und wie schön, dass er sich mit uns so wohlfühlt, dass er einnickt 😉

Aber wie gesagt, wir hatten alle einen langen Tag, Darcy und Fraser ganz besonders, und da wir auf einen kurzen Abend eingestellt waren, war 1 Uhr schon „spät“. Der nächste Tag war entspannt und langsam – ganz nach unserem Geschmack. Wajihah hat gepackt, und abends haben wir gemeinsam mit Neil Schokokuchen, selbstgebackenes Brot mit Knoblauchbutter und Chips mit Salsasauce gegessen und Wein getrunken. Das war ebenfalls schön, nochmal in gemütlicher Runde zu sitzen und zu lachen.
Sonntagmittag haben wir uns dann schweren Herzens von Wajihah verabschiedet und jetzt sind nur noch Fraser, Kate und ich über. Fraser war von Sonntagmittag bis Mittwochabend anderswo beschäftigt, zusammen mit Darcy und ist jetzt zurück – mal sehen,wie sich das Zusammenleben in Zukunft entwickelt.

Farm Charm – Das Quad und ich – und ein Lagerfeuer

Neulich habe ich endlich mal mein Herz in die Hand genommen … ne, Moment. Die Beine in die Hand, das Herz in die Hose. Ich hab mir ein Herz gefasst, so! Also, ich habe mir ein Herz gefasst und Darcy gefragt, ob er mir beibringt, wie man „bike“ fährt. Ich hatte dabei das „motorbike“ im Sinn, aber „bike“ ist hier nicht gleich „bike“, wie ich gelernt habe, als Darcy den „fourwheeler“ hervorholte: das Quad!
Hat mir aber nichts ausgemacht, denn Quadfahren wollte ich auch schon immer mal lernen und so habe ich die spontane Quadstunde von Darcy willkommen geheißen. Wobei … „Stunde“ wird dem Ganzen nicht gerecht, es war eher eine Minute:
„Okay, hier ist die Gangschaltung: Parken, Rückwarts, Neutral, Low, High; hier gibst du Gas und hier und hier sind die Bremsen. Trage immer einen Helm … hier, nimm  den. Okay, kannst losfahren!“ Kurz und schmerzlos; an dieser Stelle einen Wink mit dem Zaun(-pfahl) und einen lieben Gruß an meinen ehemaligen Fahrschullehrer.

Ich habe also artig meinen Helm aufgesetzt und bin losgedüst. Schon nach 2 Sekunden habe ich gegrinst wie ein Honigkuchenpferd und ich bin natürlich richtig, richtig schnell gefahren – wooooooooow! Ich konnte es nicht fassen, wie glücklich ich in dem Moment war. Seid ihr je schnell mit einem Quad oder einem Motorrad gefahren, oder habt ihr je hintenauf gesessen bei jemandem, der schnell fährt? Ich schon und ich liebe es. Ich liebe es einfach. Schon als kleines Mädel hab ich hintendrauf gesessen und mir ’nen Keks gefreut.

Nachdem ich also erstmal angefangen hatte, gab es kein Halten mehr. Eines schönen Wochenendtages hatte Lynda mit ihren 3 Kindern und Wajihah und mir einen Ausflug zum Creek geplant, zum Schwimmen und Kanufahren, aber da nicht genug Platz im Auto war, musste jemand das Quad nehmen. Sowas Blödes aber auch 😉 Wir sind dann über eine Stunde über Stock und Stein durch die Wildnis gefahren, haben aber keinen geeigneten Schwimmplatz gefunden, was mich nicht im Geringsten gestört hat – ich saß auf einem Quad! Verdammt!

JD806801 - Kopie

Auge in Auge mit der Wildnis

JD806800 - Kopie

Lynda fährt vor, ich folge

JD806802 - Kopie

Alleine würde ich hier definitiv verloren gehen

Zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages haben wir dann ein Lagerfeuer angezündet, Stockbrot, Folienkartoffeln und Marshmallows geröstet und uns an Limonade betrunken. Außerdem haben wir die Gitarre herausgekramt und mein Leben war rundherum perfekt. Solche Abende liebe ich. Herrlich. Ich möchte nicht weg von hier, denn das hier ist Leben, echtes Leben, nicht die Lightversion.

JD806816

Lynda mit Dan und Ingrid und Wajihah mit Grace – alle tragen Stöcke für’s Lagerfeuer zusammen

JD806813

Alles drauf, immer schön stapeln …

JD806814

Konzentration! Ingrid macht Feuer. Süß, oder?

JD806819

Es brennt!

JD806827

Und geht auch nicht wieder aus! Wir Genies! 😉

JD806820

Ingrid und Grace

JD806837

Dan und Lynda

JD806832

Australisches „Folienbrot“ – genannt Damper

JD806834

Und Lynda mit der Gitarre … so schön

JD806840

Gute Nacht!

Steht ihr auch so auf Lagerfeuer, Stockbrot und Gitarrenmusik? Nette Gesellschaft, entspannte Gespräche und eine gute Zeit? Oder was sind eure Favouriten für einen Abend mit Freunden?

Farm Charm – Volcano Hike

♫♫♫ Wochenende, na endlich Wochenendeeeee! ♫♫♫

Tzihi 🙂 Kenn ihr die Serie „Wochenend Kids“? Da muss ich immer dran denken, wenn ich mich aufs Wochenende freue.
Die Wochenenden sind sehr, sehr langsam hier. Es dauert ewig, bis der Tag rum ist und man gammelt einfach nur. Wajihah und Kate haben gesagt, dass sie versuchen, jedes Wochenende ein „Projekt“ zu haben, auf das sie sich freuen können, und so war das auch letztes Wochenende: eine Wanderung auf einen alten Vulkan stand an! Ich hab mich angeschlossen, obwohl mein Knöchel Zicken macht, weil ich nicht alleine hier herumsitzen wollte.

Morgens ging es los, mit Wasserflaschen, Kameras und blauer Wolle ausgerüstet. Blaue Wolle? Jaha! Es ist nämlich so, dass es rauf ganz leicht geht: man kraxelt einfach, bis man da ist. Aber runter … alles sieht gleich aus und man verläuft sich leicht, steht dann auf einmal 3km entfernt vom Auto und findet sich nicht zurecht … also blaue Wolle als Wegmarkierer.
Mit unserem kleinen 4WD (Vierradantrieb) haben wir uns also aufgemacht, ich saß hinten drin, nur eine Decke zwischen mir und dem harten Boden (Sitze werden überbewertet) und wurde ordentlich durchgerüttelt. Wir sind so weit gefahren, wie es ging und sind dann zu Fuß – Sinn einer Wanderung, ich denke, ihr stimmt mit mir überein – losgestakst.

JD806964

4WD

JD807003

Los geht’s!

JD806965

JD806968

Kate markiert unser Revier!

JD806973

JD806976

Der Krater des Vulkans – da haben wir sogar einen wilden Dingo gesehen!

JD806980

Diese Steine sind alte Vulkangesteine, die absolut überall verstreut sind.

JD806991

Guck mal da – der Ausblick war einfach klasse!

JD806990

Blick vom „Daintrees Lookout“ – und all das gehört der Familie!

JD807009

Wassertank und Vulkangestein – wie aufregend mein Leben ist! 😉

JD807010

Alles klar? Unsere Scheibenwischer. Ohne Worte …

Während wir munter unsere blauen Markierungen gesetzt haben, haben wir uns gefragt, warum „Schnitzeljagd“ eigentlich „Schnitzel“-„Jagd“ heißt. Im englischen ergibt es eher Sinn: „treasure hunt“ – Schatzjagd. Wisst ihr es? Für all diejenigen, die genauso ratlos sind wie ich, hier die Auflösung:

Schnitzeljagd:

Das ganze kommt aus früheren Zeiten, in denen „kleine Teilstücke“ unter dem Namen „Schnitzel“ bekannt waren. Während einer solchen „Jagd“ weiß man ja nie den ganzen Weg, also sucht man sich diesen „Stück für Stück“ zusammen. Diejenigen, die die Strecke bestimmen, legen an Kreuzungspunkten Sägespäne oder Papier“schnitzel“ aus, es werden oft auch Kreide oder Stöcke zu Hilfe genommen. Neuartig funktioniert das auch mit Koordinaten und nennt sich „Geocaching“, wofür man dann allerdings ein Navi braucht.

Wieder was gelernt! Unsere Vermutung war, dass diese Art der Jagden früher einfach in einer Kneipe endeten, wo man sich dann ein großes Schnitzel gegönnt hat … zu offensichtlich! 😉 Was treibt iht, um euer Wochenende spannend zu gestalten?

Farm Charm – Operation Schuppen

Am zweiten Tag meines Aufenthaltes oblag es Wajihah und mir, aus einigen verstaubten, verspinnennetzten und vermutlich seit Jahren nicht mehr benutzen Räumen eines Schuppens auf dem Grundstück ein annehmbares Quartier für ein paar der Farmarbeiter zu fabrizieren, die Darcy beim Zusammentreiben und Tätowieren des Viehs halfen.

Bewaffnet mit Besen und Lappen, Wasserflaschen, Kamera und Laptop (für musikalische Untermalung der Aktion) marschierten wir also drauflos. Vom „Schlafraum“ habe ich keine Fotos gemacht, dafür aber vom Klo und „Badezimmer“ sowie dem Waschraum.

JD806913

Vorher: Der Waschraum

JD806919

Nachher: der Waschraum

Der Waschraum war einfach zu bewältigen, auch wenn ich jede Sekunde Angst hatte, mich mit einem Heer von angriffsbereiten Spinnen konfrontiert zu sehen. Die Toilette hat zum Großteil Wajihah übernommen, mit oben zu sehenden Hochdruckreiniger und ich habe mich damit im Duschraum versucht, von dem es leider nur ein Nachher-Foto gibt – hier hätte das Vorher-Foto sicher ordentlich Eindruck geschunden: der Boden voller Dreck und Fensterglas, alles bräunlich und überhaupt nicht ansprechend.

JD806918

Nachher: die Toilette

JD806914

Vorher: die Toilette

JD806920

Der Waschraum – das Fenster notdürftig mit Kartons verdeckt, damit es in der Dusche um die Ecke nicht zieht

JD806917

Diesen kleinen Kerl haben wir aus der Dusche gerettet

Die Farmhelfer waren zu zwei Dritteln ganz nett, aber leider hat das eine Drittel namens Ben es unmöglich gemacht, eine normale Beziehung herzustellen.

Der war absolut furchtbar und wir sind alle froh, dass er weg ist – inklusive meiner Farmeltern, die ihn auch nicht leiden konnten. Es gibt so viele unmögliche Geschichten von ihm … die alle zu erzählen lässt mich wie ein Tratschweib dastehen, darum schenk ich mir den Großteil, aber einige Sachen mag ich euch nicht vorenthalten.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass unsere Spülbecken unten die Eigenschaft haben, überzulaufen, wenn jemand eine allzu ausgedehnte Dusche genießt. Das muss einer der Farmhelfer getan haben, denn eines schönen Morgen kam Darcy vorbei, um die Farmhelfer abzuholen, und fand Ben auf Zehenspitzen durch die Küchen watend vor. Warum watet man durch die Küche? Der Boden war überschwemmt, und als Darcy fragte, wieso Ben dadurchwatete (mehr in die Richtung, warum er nichts gegen den Grund tue), war Bens schlaue Antwort: „Es ist nass.“ Mensch, Einstein! Nachdem Darcy seine Frage klarer stellte, meinte Ben abschätzig, das sei nicht sein Job, das sei Aufgabe „der Backpacker“ – da hat Darcy ihm aber fix den Kopf zurechtgerückt! Das wurde uns von Josh erzählt, da wir leider nicht anwesend waren, als es sich ereigente und so kamen Wajihah und ich dahinter, was es mit der Schale dreckigen Wassers auf sich hatte, die morgens auf den Boden stand.

Was mich persönlich extrem gegen Ben aufgebracht hat, war, dass jeden Morgen pünktlich, und zwar auf die Minute genau um 4:25h, seine Ische angerufen hat – da konnte man die Uhr nach stellen! Und das Telefon ist einfach unglaublich laut, sodass man einfach aus dem Bett purzeln muss. Ich meine, was erzählt man sich morgens um 4:25h?
„Ja, hi, Schatz, ich bin grad aufgestanden und eigentlich gibt es noch gar nichts zu erzählen, aber ich wollte dich mal anrufen und hören, wie es so läuft.“ ??? Ernsthaft …

Anna und Aron waren im Grund nett und mit ihnen – ohne Ben – hat es gut geklappt, was Kochen und das Zusammenleben anging. Aber im Schuppen wollten sie trotzdem nicht schlafen, obwohl wir den so schön geputzt hatten … Die beiden sind jetzt allerdings auch wieder weg und so sind nur noch Kate und Wajihah und ich über, da Josh ja auch den Samstag nach meiner Ankunft gegangen ist …

Jetzt wird „The Brook“ von Mädels geführt – wie Lynda es ausdrückte. Wir sind ne relativ entspannte Wohngemeinschaft, was mich sehr freut. Was ich sonst noch so treibe, erfahrt ihr nicht in der nächsten Maus, sondern exklusiv und hochaktuell hier. 🙂 Bleibt dran!

Farm Charm – Mein zu Hause

Tja, hier bin ich nun auf der Farm. Montagabend habe ich nicht mehr viel gesehen von allem, aber meine erste Reaktion war Schock. Purer Schock. Das lag aber vor allem an meinen Erwartungen und Vorstellungen. Jetzt, nachdem ich mein Zimmer einmal selbst durchgeschrubbt und mich von meinen „McLeods Töchter“-Vorstellungen verabschiedet habe, fühle ich mich hier eigentlich ziemlich wohl. Die verschiedensten Lebensformen der Tierwelt machen mir zum Großteil nichts mehr aus 😉

Ich lebe hier zusammen mit Kate, einer 27 Jahre alten Lehrerin aus England, und Wajihah, einer 24-jährigen Deutschen, die genau wie ich für Unterkunft und Essen arbeitet, um ihr 2. Visum zu bekommen. Als ich ankam, wohnte Josh auch noch hier – hach. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht ins Schwärmen gerate, den mochte ich nämlich wirklich gerne, obwohl er 5 Tage nach meiner Ankunft abgereist ist.

DSC_0055

Kate und Wajihah

Meine Farmfamilie besteht aus Darcy und Lynda, seit fast 10 Jahren glücklich verheiratet. Die beiden haben 3 Kinder, die ziemlich … fordernd sind, sagen wir es mal so 🙂
Grace ist 7 und absolut süß. Sie ist spargeldürr, kümmert sich liebevoll um ihren kleinen Bruder und ist sehr entspannt, was die Allüren ihrer jüngeren Schwester angeht – und sie ist eine echte Draufgängerin. Alle 3 Kinder sind so: immer barfuß durchs hohe Gras (giftige Schlangen? Unsinn!) und klettern können sie wie die Eichhörnchen. Ingrid ist 5 und eine kleine Diva – sie scheint manchmal sehr affektiert, aber sie ist neugierig und begeisterungsfähig – und gewieft! Am besten, man checkt dreimal mit Lynda, bevor man ihr irgendetwas glaubt! Der Jüngste in der Bande ist Dan(iel) und mit seinen 1.5 Jahren wickelt er alle um den Finger. Er ist sehr Mama-fixiert und weinerlich, aber genauso wild wie seine Schwestern.

DSC_0060

Darcy mit dem kleinen Dan (1.5), Lynda, Ingrid (5) und Grace (7)

DSC_0034

Dan – er liebt es, Hackenschuhe und Perücken zu tragen

DSC_0084

Lynda – superlieb und entspannt, ich mag sie sehr gerne.

DSC_0079

Ingrid und Grace – fasziniert von einem „Zaubertrick“

DSC_0142

Darcy und die Gitarre – wunderbare Stimmung, kann ich euch sagen!

Die Familie und wir wohnen in verschiedenen Häusern, unseres ist „The Brook“. Dort sind unsere Wohnräume und die Schulräume der Mädels untergebracht.
Unten befinden sich Küche und Vorratskammer, Wohnzimmer und einige kleine Räume, während oben die Schulräume, unsere Schlafzimmer sowie das Badezimmer und die Toilette zu finden sind. Hier ist es keine Seltenheit, dass einem Kängurus im Vorgarten begegnen oder dass Pferde mal eben am Haus vorbeigaloppieren. Das Leben hier ist eine kleine Wundertüte: jeden Tag gibt es kleine oder große Überraschungen.

JD807093

Das Tor zu unserem Heim

JD807094

Willkommen in „The Brook“!

JD806935

Die überdachte Terasse

JD806936 - Kopie (2)

Blick aus unserer Wohnzimmer-/Haustür auf einen Schuppen

JD807089 - Kopie

Wohnzimmer und Essbreich, im Hintergund links die Küche

JD807088 - Kopie

Die Küche

Es ist so, dass die ganze Rohrverlegung wohl sehr … eigen ist in diesem Haus. Wenn man oben duscht, dann steigt nämlich der Wasserspiegel unten im Abwaschbecken in der Küche.
Und was die Lampen hier betrifft: manche funktionieren, manche funktionieren nicht, aber sicher ist, dass immer irgendwelches Viehzeug durch die Fliegengitter gelangt und sich am Licht betrinken will. Neulich hatten wir eine Babyfledermaus an der Lampe hängen und da die Mädels sich nicht getraut haben, sie anzufassen, aber auch keine von uns mit einer Fledermaus das Quartier teilen wollte, habe ich todesmutig … die Flucht ergriffen. Nein, Scherz. Ich hab die Fledermaus natürlich gerettet und in die Freiheit entlassen.

JD806989 - Kopie JD806991 - Kopie

Des Weiteren teilen wir uns die Küche mit einer Maus und mindestens 2 Geckos, und wir haben unsere hauseigene Kröte, die uns jeden Abend, wenn wir uns Bett gehen wollen, einen Schrecken einjagt, wenn sie dort fett und bräunlich und … krötig eben … vor der Tür sitzt und uns den Weg versperrt. Gerade heute haben Kate und Wajihah wieder einen Frosch in der  Kloschüssel entdeckt und als ich dann auch mal die Toilette benutzen musste, fand ich mich Auge in Auge mit einem hyperventlierenden Frosch wieder, der mich von seinem Platz an der Tür aus kritisch beäugte …

JD806970 - Kopie

Ja, so ist das. So lebe ich jetzt. Was ich so die ganze Zeit treibe, werde ich euch im Laufe der Tage berichten! Es wird ziemlich cool, also bleibt dran 🙂

Farm Charm – Ankunft

Am Montag, 25.02. habe ich Townsville also verlassen und mich mit Sack und Pack nach Charters Towers aufgemacht. Vorher habe ich allerdings versucht, einen Arzt zu finden – gar nicht so leicht, wie sich das anhört. Ich bin im Endeffekt mit meinem kaputten Knöchel gefühlte 500km gelaufen, nur um festzustellen, dass es wirklich nur einen Arzt gibt – in Townsville weiß jeder besser Bescheid als die anderen, aber in Wahrheit hat niemand einen Plan. Außer der Bibliothekarin – der hätte ich mal vertrauen sollen.

Nachdem ich dann also bei einem Arzt mein schwindendes Backpackervermögen um weitere 75$ verringert hatte, habe ich in sengender Hitze versucht, die Bushaltestelle zu finden, von der mich ein Bus zum Bahnhof fahren sollte. Ich saß eine geschlagene ¾-Stunde mit einer anderen Frau herum, die mir 5x versicherte, der Bus fahre wirklich hier ab. Dann hab ich aber mal einen Busfahrer gelöchert und der hat mir dann eine andere Haltestelle genannt. Ernsthaft! Kurz vorm Heulen hab ich meine 40kg Hab und Gut geschultert und hab dann auch den richtigen Bus gefunden.  Der Busfahrer war so wenig hilfsbereit, wie ich es bereits erwartet hatte, aber am Ende stolperte ich endlich auf eine Bank im Bahnhof zu.

Ich hatte noch genug Zeit, etwas zu essen und mich zu entspannen. Es war wie eine Szene aus einem alten Western: niemand da, die Luft flimmert, der Wind treibt Stroh und Blätter über den Boden, aber statt Banjomusik (oder was immer da gespielt wird), plärrte mir Cascada ins Ohr – so viel zu authentischem Western.
Die Busfahrt nach Charters Towers verging schnell – ich hatte ein gutes Buch dabei und wir mussten nur einmal stoppen, weil ein Haustransport die Straße beanspruchte. (Ja, Haustransport, ihr lest richtig. Schaut hier)

In Charters angekommen, hat Darcy, der Farmdad mich aufgelesen und wir haben uns bei McDonalds noch was zu essen gekauft und dann ging es 2 Stunden Richtung „zu Hause“. Meine Hoffnung, dass vielleicht doch irgendwo in der Nähe der Farm ein Dairy/Tante Emma Laden ist, verflüchtigte sich rasch. Auf unserem Weg haben wir ganz viele Kangaroos und Wallabies gesehen, genauso Kühe und den schönsten Sonnenuntergang, den ihr euch vorstellen könnt.

Image

Image

JD806910

Neues berichte ich bald! Es ist schon eine Menge passiert, aber das Internet ist hier begrenzt und wir teilen es uns zu dritt, also muss ich etwas kürzer treten, was Bilder-Bloggen betrifft. Aber mir geht es gut! 🙂