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Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 1

Nachdem ich euch über die letzten Wochen aus meinem bewegten Dezember berichtet habe, muss ich euch endlich mal auf den neuesten Stand aus 2017 bringen. Es hat sich so ziemlich alles geändert, was sich ändern kann, und der Bericht ist so lang, dass ich ihn in zwei Teilen schreiben werden. Hier Teil 1.

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IMG_9483 (2)Im Dezember bin ich nach Peru gereist (Berichte dieser Reise muss ich leider auf unbestimmte Zeit verschieben), um das Land zu verlassen und ein neues Touristenvisum über 90 Tage ausgestellt zu bekommen. Das hat nicht so geklappt, wie es sollte. Ich habe am Flughafen in Bogotá nur einen 7-Tage-Stempel bekommen, weil der Beamte meinte, dies seien die Tage, die von meinem alten Visum noch „übrig“ wären. Ich müsste zur Migrationsbehörde in Cúcuta, und da würde ich dann ohne Probleme (haha …) meine neuen 90 Tage bekommen. Angel und ich sind also am 03. Januar zur Behörde gefahren und dort wurde mir gesagt, wenn ich in 2017 ein neues Visum beantrage, müsste ich auch in 2017 das Land verlassen und wieder einreisen. Diese Info war komplett gegensätzlich zu den Infos, die wir zusammen im Dezember eingeholt hatten – ich war so wütend! Wir hatten extra gefragt, ob es egal sei, in welchem Jahr die Ausreise stattfindet … Tja, aber wir mussten eben mit den Infos arbeiten, die wir zu diesem Zeitpunkt hatten.

Wir standen also geschockt und planlos da … und schließlich setzten wir uns ins Auto und fuhren zur Grenze mit Venezuela. Das war die einzige Möglichkeit für mich, in meinem Zeit- und vor allem auch Finanzlimit das Land zu verlassen, wieder einzureisen und dadurch einen neuen Stempel zu erhalten, den ich ja nun mal brauchte. Diese Möglichkeit hatte Angel schon im Dezember vorgeschlagen, ich hatte mich aber dagegen ausgesprochen, denn es besteht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Venezuela, und meine Reisekrankenversicherung übernimmt keine Kosten für Behandlungen von während dieser Reise entstandenen Verletzungen. Ich war so wütend auf die kolumbianischen Behörden, da es nie eine Antwort gibt, auf die man sich 100%ig verlassen kann – spricht man mit einer anderen Person, bekommt man ganz andere Infos!

Die Ausreise klappte problemlos – nach endlosem Warten in einer Schlange fragte der Beamte auf der kolumbianischen Seite mich lediglich, was um alles in der Welt ich denn in Venezuela wollte? Wäre er Deutscher, würde er definitiv nach Deutschland reisen – zack, hatte ich meinen Ausreisestempel, ohne dass er eine Antwort erwartete. Wir machten uns auf den Weg über die Brücke, die die beiden Ländern verbindet, und stellten uns aus der venezuelanischen Seite in die Schlange, die sich vor dem Büro formte. Ich musste schließlich alleine hinein, Angel durfte nicht mit. Dieser Beamte war weniger freundlich – was ich hier wollte, wo ich denn hinreisen würde, wie ich dahinkommen wollte, wie lange ich bleiben würde … Ich wurde ganz nervös, weil ich natürlich keine guten Antworten parat hatte. Ich gab also vor, nicht antworten zu können und der Beamte wurde böse. „No entiendes español?!“, zischte er mich an. Ich erwiderte: „Sí, le entiendo, yo entiendo más que hablo y es difícil explicar lo que voy a hacer.“ – „Doch, ich verstehe Sie, ich verstehe mehr, als ich spreche und es ist schwierig, zu erklären, was ich machen werde.“ Grummelnd, kopfschüttelnd und alles andere als zufrieden drückte mir der mürrische Beamte dann einen Stempel in den Pass. Als ich wieder aus dem Büro kam, bedrängte mich Angel: „Was wollte der denn alles wissen?!“

Wir setzten uns auf den Bordstein, Angel kaufte uns je ein Eis und wir redeten 20 Minuten über alles und nichts. Dann besorgten wir Angel ein Papier, das er zur Ausreise brauchte. Idiotisch, da auf dieses Papier alle Infos geschrieben werden, die auch auf seiner ID stehen. Muss aber gemacht werden, sagte er. Als der Ausreise-Beamte feststellte: „Ihr seid doch gerade erst eingereist!“, hatten wir unsere Story bereit, aber erstmal versuchte es Angel mit „Sí, pero tenemos que volver.“„Ja, aber wir müssen zurückreisen.“ und für diesen Beamten reichte das. Wir schlenderten also wieder über die Brücke zurück nach Kolumbien, reihten uns wieder in die Schlange ein und als ich vorgerufen wurde zum Beamten, war ich erleichtert, dass wir uns eine Geschichte überlegt hatten.

Er: „Du bist doch gerade erst ausgereist!“
Ich: „Ja, mit meinem Freund, wir wollten seine Freunde besuchen, aber wir müssen zurück.“
Er: „Warum denn das?“
Ich: „Er wurde angerufen, jemand aus seiner Familie hatte einen Unfall.“
Er: „Und warum reist du nicht alleine weiter?“
Ich: „Naja, es sind seine Freunde, die wir besuchen wollen und außerdem ist mein Spanisch nicht so gut, dass ich mich sicher fühle, alleine zu reisen.“
Er: „Und wo geht es jetzt für dich hin?“
Ich: „Nach Cúcuta!“
Er: „Und wo wirst du wohnen?“
Ich: „Bei Freunden.“
Er: „Hast du die Adresse?“
Ich: „Ja, die ist sicher im System gespeichert, das ist Ave… “
Er: „Okay, will ich jetzt gerade gar nicht wissen.“

Und mit einer wegwerfenden Handbewegung wendete sich der Beamte meinem Pass zu. Ich starrte ihn verwundert an – warum fragen, wenn die Antwort nicht gewünscht ist? Keine drei Sekunden später fragte er mich mit triumphierendem Blitzen in den Augen, warum ich denn nicht am Tag vorher ausgereist sei.

Ich: „Weil wir die Freunde meines Freundes heute besuchen wollen. Warum fragen Sie?“
Er: „Weil dein Visum nur bis gestern gültig war.“
Ich: „Ja, das ist der alte Stempel, aber da ist ein anderer, mit dem ich bis zum 06. bleiben darf. Ich bin letztes Jahr ausgereist.“

Und ich zeigte ihm den neuen Stempel, den ich am Flughafen bekommen hatte. Er zog die Nase hoch, wackelte mit den Augenbrauen und wendete sich seinem PC zu. Ich versuchte mich erst gar nicht mehr am Smalltalk. Mit einem vernichtenden Blick in meine Richtung stempelte er schließlich meinen Pass ab und schob ihn mir über den Tresen zu. Ich bedankte mich artig und gesellte mich zu Angel. Zusammen gingen wir zum Auto und fuhren zurück nach Hause. Das war vielleicht ein Akt!

Zu Hause angekommen, machte ich mich dann an die Beantragung des Arbeitsvisums, das ich für meine Arbeit im Februar brauchen würde. Auf der Webseite hieß es: „Sie werden wohl mindestens 15 Minuten brauchen, um dieses Formular auszufüllen.“ Ich habe mir schon gedacht, dass es länger dauern würde, war aber nicht vorbereitet auf anderthalb Stunden!! Das war alles auf Spanisch und dementsprechend schwierig, und die englische Übersetzung war ebenfalls irreführend … Fehler kann man sich bei sowas ja eher nicht leisten. Als ich dann endlich fertig war, hab ich 3 Kreuze gemacht, das könnt ihr mir glauben. Leider war auch die Bezahlung superkompliziert, da ich die vorgeschlagenen Methoden allesamt nicht nutzen konnte und auch Angel mir damit nicht helfen konnte … Zum Glück traf ich mich nachmittags mit meinem Freund Jaime, und während unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass er mir mit einer Zahlungsmethode helfen konnte. Zum Glück! Als das dann endlich vom Tisch war und ich am 05.01. ins Institut ging, um mir alles erklären und Messungen für meine Uniform durchführen zu lassen, war ich richtig erleichtert und vorfreudig: jetzt konnte ja nichts mehr schiefgehen!

Ich hatte anscheinend in den 6 vorangegangenen Monaten nichts gelernt. Kaum öffnete ich nach dem Besuch im Institut mein Emailpostfach, hatte ich eine Nachricht vom ministerio. Sie bräuchten ganz andere Unterlagen, ich müsste dies löschen und jenes einschicken usw usf … Zum Muckenpucken! Nach einem Gespräch mit der Direktorin, in der ich die geforderten Dokumente benannte und sie mir in sehr klarem und unhöflichem Ton erklärte, ich müsste zusehen, wie ich das regeln würde, von ihr würde ich die Dokumente nicht bekommen, war ich weit entfernt von meinem positiven Vormittagsgefühl. Ich war verzweifelt, alleine und hilflos. Mir war plötzlich klar, dass ich nicht in Kolumbien bleiben würde, weder, um für dieses Institut zu arbeiten, noch, um in der Familie zu bleiben. Trotzdem machte ich weiter, denn was blieb mir anderes übrig? Angel half mir, eine Antwort in beamten-spanisch zu verfassen und ich schickte sie ab. Ein paar Tage später kam die Antwort, die ich erwartet hatte und ich teilte der Direktorin die Absage des Ministeriums mit und dementsprechend auch meine eigene. Damit hatte das Kapitel „profesora de inglés in Cúcuta“ geendet, bevor es angefangen hatte.

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Teil 2 folgt hier!

Aventuras Nuevas – Cita con el doctor

Hallo ihr Lieben,

ich werde euch heute davon berichten, wie mein erster Besuch bei einem kolumbianischen Arzt war. Vor 3 Wochen bin ich gestolpert und hab mich blöd an der Schulter verletzt. Wir haben zu Hause erste Hilfe geleistet und erstmal gewartet, ob das reicht, aber es wurde nicht besser. Also hat Renata mir mit Hilfe ihrer Kontakte einen Arzt gesucht, der Englisch spricht. Ich wollte das gerne alleine schaffen, zum einen, weil mir das Selbstvertrauen gibt, auch mal schwierigere Dinge alleine zu schaffen, und zum anderen, weil ich nicht immer abhängig von der Familie sein möchte. Renata hat mir alles erklärt: was ich sagen muss, was sie mich fragen könnten, wie viel es kostet, welche Unterlagen ich mitnehmen muss, wie der Ablauf ist usw. Außerdem hat sie mit dem Arzt selbst gesprochen und direkt vor meinem Termin auch nochmal angerufen und wiederholt, wer ich bin, dass ich nur wenig Spanisch spreche und im Prinzip doppelt und dreifach abgecheckt, dass der auch wirklich englisch spricht und nicht nur so tut. Total klasse. Ich wurde losgeschickt mit den Worten: „Und wenn was ist, ruf an!“

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Ein Straßenplan meiner Nachbarschaft in Cúcuta

Eigentlich war geplant, dass ich alleine dorthin gehe, aber da es an dem Tag sehr heiß war und das Straßensystem in Cúcuta sehr, sehr kompliziert ist (selbst für Cúcuteños, die Einwohner Cúcutas), hat Renzo angeboten, mich zu fahren. Das war letztendlich auch gut, denn ich hätte mich, glaube ich, verlaufen in dem System aus Calles und Avenidas und den ganzen Nummern … Dort, wo das kleine rote Dreieck ist, wohne ich. Und irgendwo außerhalb des linken Bildrandes liegt die Praxis … glaube ich. Ich finde es nicht mal auf googlemaps … muy complicado. Renzo hat mich vor dem Haus, in dem die Praxis untergebracht ist, abgesetzt und ich habe mich durch das Haus zum Arzt navigiert. Durch die Praxistür kam ich in ein kleines, vollbesetztes Wartezimmer samt TV und einem kleinen Rezeptionstresen. Alles sah eher unorganisert aus, nicht so wie in deutschen Arztpraxen. Die Sprechstundenhilfe hat mich auch nicht sehr freundlich angeschaut, als ich sagte: „Buenas tardes, tengo una cita a las 2 con doctor Páez.“ – „Hoy?“  – „Sí, a las dos. Mi nombre es Katharina.“  „Natürlich heute“, dachte ich so, „sonst wäre ich ja an einem anderen Tag gekommen.“ … Eine Tür öffnete sich und eine weitere Sprechstundenhilfe wollte meinen Pass sehen und sagte dann: „Son doscientos mil pesos, por favor.“  Ich reichte ihr 200.000 COP – umgerechnet sind das in etwa 70€. Ich wurde durchgewunken durch die Tür, durch die sie vorher erschienen ist und sie zeigte auf einen langen Gang – den sollte ich hinuntergehen und mich auf die Bank setzen. Der Arzt würde mich aufrufen.

Dieses „Wartezimmer“ war quasi ein Freiluftwartezimmer, sehr angenehm, da der Wind durch die Gitter wehte und der Hitze ein wenig die Stärke nahm. Ich wartete vielleicht 10 Minuten und wurde dann zum Arzt hineingerufen. Er begrüßte mich gleich mit „Good afternoon, how are you?“ und ich war so dermaßen erleichtert. Er hatte einen Akzent, an den ich mich erst gewöhnen musste, aber nach ein paar Minuten ging es super. Er wirkte sehr vertrauenswürdig und nahm sich ganz viel Zeit für mich. Er erklärte mir alles an Bildern an der Wand und war ganz entsetzt, dass ich schon so lange Schmerzmittel nehme für meinen Steiß. „No, you can’t do that. We’ll find out what it is and make it go away.“ Also ehrlich, das fand ich so lieb 🙂 Er meinte, er würde mir eine Überweisung für je 1 MRT schreiben (hier in Kolumbien RMN – resonancia magnética nuclear oder auch einfach kurz „resonancia“), erklärte mir das Prozedere und dass wir die Ergebnisse in einem zweiten (nicht mehr kostenpflichtigen) Termin besprechen würden.

Als ich die Überweisung und die Rechnung/Quittung bekam, musste ich ihm und seiner Sprechstundenhilfe erklären, wie unser deutsches Namenssystem funktioniert. Hier (sowie in vielen weiteren spanischsprachigen Ländern auch, denke ich) haben die Menschen zwei Vornamen und zwei Nachnamen. Benutzt wird meist der erste Vorname und der erste Nachname. Ich habe aber nun drei Vornamen und einen Nachnamen – das bringt die armen Kolumbianer total durcheinander, und obwohl es im Pass und auf meinem Ausweis deutlich untergliedert ist und ich es auch immer wieder erkläre, erscheint regelmäßig mein dritter Vorname als mein Nachname. Prinzipiell stört es mich nicht, aber für offizielle Dokumente ist es schon sicherer, alles ordentlich aufgereiht zu haben, damit es keine Probleme mit der Versicherung gibt. Das Vor-/Nachnamenphänomen kann ich auch schon sehr gut auf Spanisch erklären! 🙂

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Irgendwie á la Pippi Langstrumpf 😉

Nachdem wir das geklärt hatten und während alles nochmal richtig aufgeschrieben wurde, fragte mich der nette Arzt noch, wie es mir hier gefiele usw. und wollte dann wissen, ob ich Deutschunterricht geben würde – ich verneinte, weil ich ja alles in Spanisch erklären müsste und das nicht könnte. Es stellte sich heraus, dass er fragte, weil seine Tochter sehr gerne Deutsch lernen würde und perfekt Englisch spräche – ich könnte es mir ja überlegen. Wir tauschten schon mal Telefonnummern und verabredeten, beim nächsten Termin nochmal miteinander darüber zu sprechen.

 Ich sollte mir eigentlich ein Taxi zurück nehmen, aber ich habe beschlossen, zu laufen. Taxis sind hier nicht teuer, die Fahrt hätte wahrscheinlich nicht mal 2€ gekostet, aber ich hatte ja keinen Zeitdruck und bin der Meinung, dass man sich besser zurechtfindet, wenn man auch bzw. gerade komplizierte Wege selber abschreitet. Ich bin einfach in die Richtung gegangen, in der ich das Einkaufszentrum vermutet habe, und war sehr erleichtert, als es vor mir erschien – geschafft! Diesen tollen eingepackten Baum habe ich auf dem Rückweg gefunden – ziemlich cool 🙂

Eine der Kliniken, in der ich die MRTs machen konnte, liegt praktischerweise direkt gegenüber des Spielplatzes, auf dem wir immer sind, und Renata hat am Nachmittag für mich einen Termin für den nächsten Tag (Dienstag) gemacht. Abends haben wir uns zusammengesetzt und Renata ist mit mir Schritt für Schritt durchgegangen, was passieren wird. Das habe ich mir alles aufgeschrieben, auch, was ich sagen muss, und „die Liste“ war quasi mein Plan durch das Labyrinth der kolumbianischen Klinikwelt.

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In der Clinica Santa Ana wurden die resonancias gemacht.

Ich habe eingepackt: meinen Pass, meine Überweisung vom Arzt, meinen Terminzettel, meine Kreditkarte und zur Sicherheit auch noch den zu zahlenden Betrag in Pesos – und natürlich die Liste. Am Eingang der Klinik musste ich einem Sicherheitsbeamten erklären, warum ich da war: „Tengo una cita para resonancias.“ Er nickte und wies mir den Weg durch eine Glastür zur Rezeption. Dort angekommen, erklärte ich mein Anliegen nochmals und reichte den receptionistas den Terminzettel. Sie wollten meinen Pass sehen und die Überweisung des Arztes. Ich sagte, ich würde das Original für mich brauchen – „Necesito el original para mí.“ – und sie machten eine Kopie. So weit, so gut – und dann reichten sie mir einen Zettel zum Ausfüllen. Ich wurde nervös. Das stand nicht auf der Liste! Zum Glück musste ich in Deutschland auch schon mal in die Röhre, daher konnte ich mir ca. denken, was sie wissen wollten, habe aber trotzdem nochmal alles mit den Sprechstundenhilfen geklärt – bis diese allerdings auf die Idee kamen, google translator zu Hilfe zu nehmen, verging ein bißchen Zeit … Nachdem alles ausgefüllt war, bekam ich eine Quittung und musste zur caja – wo ich 775.000 COP bezahlen würde, 350.000 COP für die Schulter und 425.000 COP für den Steiß – uiuiui! Das sind ca. 235€ und fast so viel, wie ich in einem Monat verdiene. Ich habe beschlossen, das mit meiner Notfallkreditkarte zu bezahlen, auch wenn die Familie mir versichert hat, sie würden mir Geld vorstrecken.

Die Kassenfrau (Kasse=caja) war furchtbar – sie saß in einem Glaskasten und nuschelte mir alles durch einen dünnen Schlitz in der Glasscheibe zu – wie sollte ich sie nur verstehen?! Ich war so frustriert, als sie nicht zu kapieren schien, dass ich sie nicht verstand, dass ich ein bißchen auf deutsch herumschimpfte. Besser wurde es dadurch nicht, aber ich hab mich zumindest etwas besser gefühlt. Es war so gut, dass ich die Liste hatte. Renata hatte erklärt, dass sie mich fragen würden, ob es eine „credito“- oder eine „debito“-Karte wäre und was ich antworten müsste. Hier in Kolumbien ist es wohl außerdem üblich, dass in mehreren Raten bezahlt wird – also mehreren „quotas“. Auf die Frage „Cuantas quotas?“ müsste ich allerdings unbedingt mit „Una quota, por favor.“ antworten, sagte sie, weil es sonst nicht klappen würde mit der Bezahlung. Ein Glück, dass ich das vorher wusste, sonst wäre ich vermutlich ausgerastet an der caja.

Nachdem das geschafft war, ging ich zurück zur Rezeption und wurde durch einen langen Gang in den Wartebereich des MRTs geschickt, wo ich 1,5 Stunden wartete. Dann erklärte mir der Arzt dort, ich müsste mich ausziehen – kurzer Moment der Peinlichkeit, als er erwähnte, ich müsste den BH ausziehen, könnte aber die Unterhose anlassen – und ich verschwand im kleinen Bad, um mich in ein schickes, blaues Gewand zu hüllen. Es mag kittelvielleicht blöd klingen, aber das dieses Ding relativ ordentlich an mir aussah, gab mir irgendwie etwas Selbstvertrauen zurück. Ich wurde dann zum Gerät geführt und der Arzt unterhielt sich sehr freundlich mit mir – er fragte, woher ich käme, was ich hier machen würde, wie alt ich sei … Alltagsdinge eben, und dass ich antworten konnte, tat mir gut, es gab mir das Gefühl von Normalität. Er erzählte mir auch von einem Besuch in den USA und er sagte: “ … y no entendí nada! Inglés es muy complicado!“ Obwohl er Englisch also nicht verstanden hatte und für sehr kompliziert hielt, warf er immer mal wieder ein paar Worte ein und brachte mich zum Lachen. Er zog mir liebevoll blaue Puschen an die nackten Füße und half mir fürsorglich, mich hinzulegen. Bevor er mich zum zweiten Mal in die Röhre schieben musste, wollte er wissen, ob mir zu kalt sei, er könne mir gerne noch eine zweite Lage Kleidung organisieren. „No, todo bien, muchas gracias!“  Als auch der zweite Durchgang geschafft war, half er mir wieder auf, ich zog mich an und er bestätigte nochmals, dass ich auch eine CD von den Ergebnissen haben wollte: „Necesita un CD, verdad?“ Bevor er sich auf Englisch (!!) verabschiedete, sagte er mir, ich könnte die resultados am Freitagnachmittag ab 16h abholen.

Wundervoll. Das habe ich auch gemacht – erst durfte ich allerdings nicht in die Klinik, weil ich Anja dabeihatte. Versteh das einer, ich musste ja nur zur Rezeption! Als ich dann endlich drin war (ohne Anja), schien es eine schwere Aufgabe zu sein, meinen Namen in eine Liste einzutragen, und als es dann nach 10 Minuten endlich geschafft war, musste ich erneut das mit dem Vor-/Nachnamen erklären, weil es sowohl auf der Tasche mit den Ergebnissen als auch auf der Liste, die ich unterschreiben musste, falsch stand … Man man man. SO schwierig finde ich es es nun auch wieder nicht … Ich habe dem Arzt von Dienstag dann noch ein kleines Geschenk vorbeigebracht, weil ich es so toll von ihm fand, dass er sich so um mich gekümmert hatte. Er hat sich total gefreut und auf Englisch bedankt 🙂 Ich hatte ihm Ferrero Rocher gekauft (hier etwas richtig Feines) und eine kleine Notiz dazugeschrieben: „Gracias por su paciencia y por tener la amabilidad de ayudarme a comprender todo.“

Jetzt liegen die Bilder hier bei mir und übermorgen muss ich erneut zu Doktor Páez, um die Ergebnisse zu besprechen. Mal sehen, was dabei herauskommt. Ich bin auf jeden Fall stolz, dass ich das geschafft habe und auch größtenteils alleine (und natürlich mit Hilfe der Liste). Das fühlt sich gut an – Dinge, die ich zu Hause alleine schaffe, auch hier zu schaffen – gerade dann, wenn sie ein bißchen schwieriger sind.

In diesem Sinne werde ich den Post abschließen mit einem Zitat, das ich gestern auf facebook gefunden habe. Es geht um’s Fitnesstraining, denke ich, finde aber, man kann die Worte genauso gut auf den Alltag und die kleinen Schwierigkeiten in diesem beziehen …

Un abrazo grande! x

Der lange Weg nach Kolumbien

Hallo ihr Lieben!

Nachdem ich euch jetzt schon auf eine kleine, virtuelle Reise durch meine Wohnung mitgenommen habe, wollte ich euch auch mal auf den neuesten Stand bringen, was meine echten Reisepläne angeht. Es hat sich einiges getan, seit ich das letzte Mal gepostet habe (zum Glück!).

Zum einen habe ich jetzt meinen Flug gebucht. Ich habe über mehrere Wochen immer mal wieder geschaut, aber wie bereits erwähnt, angesichts der Preise war ich nie versucht, auf den „buchen“-Button zu klicken. Nach wiederholtem JD806715 - KopieSuchen bin ich am 22. April endlich fündig geworden – per Zufall! Ich hab mich sehr gefreut, denn den Preis (1346€) fand ich für einen Hin- und Rückflug in der Hauptreisezeit und dann an Neujahr ziemlich günstig. Die Familie übernimmt noch die Hälfte, und ich kann bis Bogotá sogar mit meiner Wunsch-Airline fliegen, yay!   🙂 Am 07.07.2016 um 10.35h werde ich deutschen Grund und Boden in Hannover verlassen und gen Frankfurt fliegen, wo ich dann wieder selbigen Grund und Boden berühre. Kurze Trennung  😉 Dann geht’s aber recht fix weiter von Frankfurt nach Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien, dort komme ich um 19h an. Um 20.45 geht’s dann weiter ans eigentliche Ziel: Cúcuta im Departamento de Norte de Santander, an der Grenze zu Venezuela. Dort werde ich um 22h landen, und bis ich draußen bin, dauert es bestimmt ewig, vor allem, weil ich kein Spanisch kann. Die Familie wird mich abholen und ich hoffe, ich kann im Auto schlafen … Das wird also eine turbulente Reise werden!

Neben der Odyssee mit dem Flug habe ich auch endlich verstanden, wie das mit dem Visum ablaufen soll. Wir haben uns aus organisatorischen Gründen für ein Touristenvisum entschieden, das wird zunächst am Flughafen für 90 Tage ausgestellt, das kann dann kostenpflichtig um weitere 90 Tage verlängert werden. Dann muss ich ausreisen, um dann bei Einreise erneut ein 90-Tage-Visum ausgestellt zu bekommen, dass ich dann, wenn gewünscht, wieder für 90 Tage verlängern kann. Kompliziert ist einfach dagegen! Zum Glück übernimmt auch hier die Familie die Verlängerungskosten und die Ausreise ist kein Problem, da Marieke ja wie erwähnt in Bolivien sein wird und ich finde, dass ich sie nach 6 getrennten Monaten auch ruhig mal besuchen kann. ❤

Was habe ich noch auf Reihe bekommen? Ich habe endlich begonnen, meine Wohnung zu bewerben. Mit einigen der Fotos, die ich für die „Meine 4 Wände“-Strecke nutze, habe ich bei wg-gesucht und bei studenten-wg, in verschiedenen Gruppen bei facebook und per ebay-Kleinanzeigen nach einem Zwischenmieter gesucht. Ich möchte auf gar keinen Fall kündigen, denn ich liebe die Wohnung und sie ist mein zu Hause geworden, wie ihr ja auch gesehen habt. Gleichzeitig ist es illusorisch, zu glauben, dass ich nach einem Jahr wieder in diese Wohnung einziehen kann, wenn ich sie jetzt aufgebe. Ich kann ich es mir leider nicht leisten, die Miete ein Jahr zu zahlen, ohne dort zu wohnen, also ist ein Zwischenmieter die naheliegendste Lösung.

antrag-bLeider war die Resonanz auf meine Anzeigen sehr gering, was mich etwas gewundert hat. Einige der wenigen Bewerber konnte ich leider auch direkt aussortieren. Und dann kam Y. Die Art, wie er am Telefon mit mir gesprochen hat, fand ich zwar befremdlich, habe ihn aber trotzdem zum Anschauen der Wohnung eingeladen, denn absagen geht ja dann immer noch. Als er da war, habe ich mich geschämt. Er ist Asylbewerber, seit 1.5 Jahren hier und spricht für diese kurze Zeit sehr gut deutsch. Er hatte seine Deutschlehrerin dabei und war mir sehr, sehr sympatisch. Jetzt habe ich bereits die Hürde genommen, von dem Besitzer des Hauses die Erlaubnis für die Zwischenvermietung an Y. zu bekommen und habe mit Hilfe meiner tollen Immobilienmaklerin dieses Formular für’s Jobcenter ausgefüllt, das Y. benötigt, damit das Jobcenter die Mietkosten übernimmt. Ich hoffe sehr, dass das klappt, sowohl für ihn als auch für mich.

Neben der Vermietung der Wohnung musste ich mich natürlich auch um meine Krankenversicherung in Deutschland und den Auslandsreisekrankenversicherungsschutz während der Reise kümmern. Beim Tippen dieses Wortes ist mir klar geworden, dass es ein solches Wort NUR in der deutschen Sprache geben kann. Es hat 39 Buchstaben, also 1.5x so viele wie das Alphabet! Verrückter Sch. Jedenfalls habe ich erfahren, dass ich meine Krankenversicherung in Deutschland zwei Monate vor dem gewünschten Ende des Versicherungsschutzes kündigen muss. Das Problem ist, dass ich im Juli ja noch 6 bzw. 7 Tage hier versichert sein muss, also kann ich nicht zum 30.06. kündigen. Mit der Versicherungsgesellschaft habe ich das jetzt so geregelt, dass ich zum 30.07. kündige und für den Juli einen sogenannten Anwartschaftsbeitrag zahle, also nur anteilig. In meinem Fall sind das ~50€ statt 83€. Für 6 Tage finde ich das immer noch recht hoch, aber anders ist es nicht möglich.

Die ursprüngliche Idee, mich in Kolumbien über diecsm_versicherung_-_puzzle-gr_4a4961bc1f Versicherung der Familie mitversichern zu lassen, ist aus Kostengründen geplatzt und jetzt werde ich mich vermutlich mit der envivas versichern. Da habe ich auch schon meine Versicherung für die Tanzania-Reise abgeschlossen und alles verlief easy und problemlos. Das ist aber ein Punkt, den ich erst noch abhaken muss auf meiner Liste. Die Vorarbeit konnte ich zum Glück schon leisten. Blöd ist bloß, dass ich vermutlich für länger als ein Jahr weg sein werde und diese Versicherung für maximal 365 Tage abgeschlossen und nicht verlängert werden kann. Da muss ich mir noch was überlegen. Habt ihr einen Tipp?

DSC_4814[1].jpgIch hatte ja im letzten Post erwähnt, dass ich meinen Pass und andere Dokumente auf Gültigkeit prüfen muss. Prompt war der Pass abgelaufen – Albträumlein! Verniedlichung deshalb, weil ich recht schnell meinen Pass neu beantragen konnte (60€ Kosten). Glück gehabt. Außerdem durfte ich meinen alten Pass sogar behalten, was mich wirklich freut, weil da so viele Erinnerungen dranhängen.
Für die Impfungen und die Impfberatung habe ich nächsten Mittwoch einen Termin, das wird mich um etwa 150€ ärmer machen, aber das meiste bekomme ich zurückgezahlt von der Krankenkasse. Hoffentlich. Dienstag habe ich einen Termin bei der Verbraucherschutzzentrale in Hannover, damit mich ein Anwalt beraten kann, wie ich am besten mit der Mitgliedschaft im Fitnessstudio umgehe und welche Chancen ich habe, aus dem Vertrag zu kommen. Darauf hab ich, ehrlich gesagt, nicht so viel Lust, also auf die Auseinandersetzung mit den Fitnessleuten, aber ich hoffe, der Anwalt kann mir gute Tipps geben. 10€ für 20 Minuten finde ich auch nicht zu viel verlangt.

Tjaaaa, so ist das. Ich glaube, jetzt seid ihr auch erstmal wieder auf dem neuesten Stand, was meine Organisation so angeht. Schulisch bin ich jetzt durch mit den Klausuren und habe noch bis Ende Mai Unterricht, dann bin ich durch, bis am 17. Juni die Zeugnisübergabe stattfinden wird. Oh, wie aufregend!
Was die Arbeit angeht, werde ich den Kids Mitte Mai sagen, dass ich nur noch bis Ende Juni komme; so haben sie genug Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Das wird traurig  😦  Aber meine Teamleitung sagte, wenn ich wiederkomme, dann werde ich mich ja sowieso bei ihnen bewerben. Haha, ich denke wirklich ernsthaft darüber nach und dann von ihr (und vom Rest des Teams) diese tolle Rückmeldung zu bekommen, tut wirklich gut.
Ich hab auch noch mal so richtig Glück gehabt, und die Verwaltung hat zugestimmt, dass ich mir meine Urlaubstage auszahlen lassen kann! Das hilft mir wirklich sehr, und bei 5 Nächten, die ich dort arbeite, brauche ich nicht wirklich noch Urlaub.

SO. Jetzt werde ich die Sonne genießen und weitere Vorbereitungen treffen. 🙂 Habt ein schönes Wochenende!      

Die Berge zwischen mir und Kolumbien

 

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Liebe Lebensmaler,

es steht jetzt fest: ich fliege nach Kolumbien zu Renata, Renzo und Anja (momentan 5 Monate alt)! Mit Renata habe ich mich auf „Anfang Juli“ geeinigt und ich suche jetzt fieberhaft nach einem Flug, der weder 31 Stunden dauert noch 1.500€ kostet – Wahnsinn, was einem da so angeboten zugemutet wird!

Ich habe aber echt Glück mit meiner Familie – sie übernehmen die Hälfte der Flugkosten, eventuelle Umbuchungskosten, die Visa-Gebühren, zahlen meinen Sprachkurs, helfen mir mit der Versicherung … es ist echt eine Erleichterung, zu wissen, dass sie sich so freuen auf mich. Renata ist immer so herzlich in ihren Mails und versichert mir jedes Mal, dass sie alles dafür tun werden, damit ich mich bei ihnen wohlfühle.

Wenn ich euch solche Dinge berichte, dann ist es ganz leicht für mich, zu lächeln und michdocs mit warmem Gefühl im Bauch auf meinen Aufenthalt dort zu freuen. Bisweilen wird das warme Gefühl aber doch verdrängt durch den Schatten des Berges, der sich vor mir auftürmt: Fragen und ganz viel Organisationskram bilden die Gesteinsbrocken, die ganz schön schwer abzutragen sind. Alles hängt zusammen: ich muss meine Wohnung zwischenvermieten, kann das aber nicht tun, wenn ich nicht weiß, wie lange ich weg bin. Wie lange ich bleibe, kann ich aber erst sagen, wenn ich herausgefunden habe, wie das mit dem Visum läuft. „Das mit dem Visum“ ist aber megakompliziert und auf 3 Websiten finden sich 4 unterschiedliche Antworten. Also habe ich der kolumbianischen Botschaft in Berlin geschrieben und muss ich auf die Antwort warten. Das Warten bedeutet aber, dass ich den Flug noch nicht buchen kann, weil es günstiger wird, wenn ich Hin- und Rückflug im Paket buche und nicht einzeln – was aber wiederum nur möglich ist, wenn ich weiß, wie lange ich bleibe. Außerdem würde ich nach Kolumbien tatsächlich gerne noch nach Chile … aber auch das kann ich erst entscheiden, wenn sich herausstellt, wie lange ich mit dem Visum in Kolumbien bleiben kann. Ist es also sinnvoll, den Rückflug nach Deutschland zu buchen oder doch nach Chile? Hm.

Während ich also auf die Antwort der Botschaft warte, könnte ich mich ja mal um meine Auslands-Krankenversicherung kümmern. Die kann ich aber auch nur abschließen, wenn ich weiß, wann ich fliege und wie lange ich weg bin – die meisten lassen sich für maximal ein Jahr abschließen und was, wenn ich länger weg bin? Oder kürzer? Und ich müsste außerdem auch meine deutsche Krankenversicherung kündigen – mit 2 Monaten Frist. Also ziemlich bald, wenn ich Anfang Juli losreisen möchte – aber das genaue Datum steht ja noch nicht fest. Tja … wo wir gerade bei Versicherungen sind: ich muss dringend zu verschiedensten Ärzten. Frauenarzt, Zahnarzt, Hautarzt, Rheumatologe, Chiropraktor – das kann ich mir in Kolumbien sparen, weil ich das auf spanisch schon gar nicht hinkriege und ob die Ärzte dort gut englisch sprechen? Wer weiß? Also in die Warteschleifen einreihen und um Termine bitten. Meine Impfungen muss ich auch auf Reihe bringen, wobei das eins der kleinsten Probleme ist: ich bin soweit ganz gut dabei, nur Gelbfieber, Cholera und evtl. Tollwut und Influenza müssten durchgeführt werden. Wenigstens hier muss mir der Angstschweiß nicht ausbrechen.

Stichwort Schweiß: meine Mitgliedschaft im Fitnessstudio muss ich auch kündigen – Verzeihung, pausieren! Bei einer Kündigung müsste ich direkt mit einem Anwalt dort camauflaufen, da das Fitnessstudioteam bei solchen Dingen erstaunlich „unflexibel“ ist für eine sportliche Truppe (freundlich ausgedrückt). Und für Schlammschlachten habe ich momentan weder Lust noch Zeit noch Energie übrig. Meinen Pass und sonstige Dokumente muss ich auch noch auf Gültigkeit überprüfen und evtl. neu beantragen, mir überlegen, welche Zusatzversicherungen sinnvoll sind und eine Gesellschaft finden, die mir nicht Unsummen abknüpft. Puh … Meine Kreditkarte wurde zum Glück einfach so verlängert von der Bank, ohne dass ich mich darum kümmern muss – da kann ich also glücklich einen Haken hinter setzen. Auch eine Kamera habe ich endlich neu! OOOH ❤ Davon habe ich euch noch nicht erzählt – bei ebay habe ich ein Schnäppchen gemacht und ich bin glücklich. Ich muss mich noch mit ihr vertraut machen und evtl. ein weiteres Objektiv erwerben, aber zumindest habe ich wieder eine. 🙂

Aber nicht nur mir will ich etwas Gutes tun, sondern auch meiner Gastfamilie. Ich habe schon fleißig recherchiert und mir überlegt, was ich mit meinem Schützling wohl alles anstellen kann, auf was ich achten muss und woran die Kleine Freude haben könnte. Natürlich habe ich im Hinterkopf auch eine (noch leere) Liste, was ich meinen Gasteltern schenken möchte. Schade ist, dass ich meinen Geburtstag dieses Jahr nicht hier feiern kann – der ist ja erst am 24. Juli und angepeilt als Ausreisedatum ist der 7. Juli. Hm. Schade, aber ich hoffe, dass ich noch mal mit allen Freunden zusammensitzen, klönen und Abschied feiern kann. Das muss auch bedacht und organisiert werden (wenn auch noch nicht mit höchster Priorität). Auch von meinen Jugendlichen in der Wohngruppe muss ich Abschied nehmen – das wird hart! Fast 2 Jahre war ich da und ich hab das Team und die Teens echt ins Herz geschlossen. Schön ist allerdings, dass eine meiner besten Freundinnen dieses Mal „mitkommt“ ans andere Ende der Welt!

Naja, mitkommen ist relativ. Wenn man schon von „mitkommen“ sprechen möchte, dann komme eigentlich eher ich mit, weil ihre Pläne schon vor meinen feststanden. Ihre Ausreise findet einen Monat später statt als meine und sie geht nach Bolivien, nicht nach Kolumbien – aber das ist ja fast nebeneinander! Als wir davon sprachen, dass wir „zusammen nach Südamerika“ gehen würden, zog ihre Mutter die Augenbraue hoch und erinnerte freundlich daran, dass die beiden Länder schon etwas weiter auseinanderlägen … Das ist uns egal, wir leben in aneinander grenzenden Zeitzonen und außerdem auf dem gleichen Kontinent – näher aneinander als wir es wären, wäre eine von uns hiergeblieben.

Tja … So ist das. Zwischen den ganzen Orga-Steinen in meinem Weg finde ich also auch immer kleine Goldstücke. Jetzt werde ich mich mit ein paar Gesteinsbrocken beschäftigen und sie hoffentlich aus dem Weg schaffen.

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.

Ich pflastere mir daraus meine Straße nach Kolumbien – naja, zumindest die Startbahn für meinen Flieger, wenn ich denn dann endlich einen Flug finde!  ✈ Ich halte euch auf dem Laufenden 🙂 Hasta pronto! 🙂