Tag-Archiv | Reise

DIY – Glücksbringer

Hallo liebe Lebensmaler,

bevor es weitergeht mit Tag 3 aus Bucaramanga, möchte ich euch erst noch zeigen, was ich Angel für seinen letzten Aufenthalt in Venezuela mitgegeben habe. Dieses Mal sollte er tatsäch nicht nur Papierkram erledigen oder Flüge simulieren, sondern endlich mal wieder selber im echten Cockpit sitzen und die Welt von über den Wolken betrachten. Ich war bis zum letzten Moment planlos, aber dann habe ich die Idee gehabt.

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Ihr braucht:                     | zwischen 3-10 Minuten

Papier (weiß oder farbig)
evtl. Schere zum Zurechtschneiden
versch. Stifte

Und so geht’s:

Ich habe bei google nach „Papierflieger falten“ gesucht und habe diese Website gewählt: besserbasteln.de. Dort habe ich mich für den „Mittelstreckenflieger -Düsenjet“ entschieden. Ich habe kein A4-Blatt genommen, sondern einfach mit einem Blatt, dessen Größe mir passend erschien, drauflosgefaltet (es war in etwa so groß wie ein Haftnotizzettel). Nach 2 Versuchen nur hatte ich meinen Düsenjet, den ich dann personalisiert habe.

Natürlich hat mein Pilotenfreund seine eigene Airline – „Angel Airline“ – dieser Schriftzug ziert eine der Tragflächen. Aus mehreren Gründen habe ich mich dafür entschieden, die andere Tragfläche mit 3 Sternen zu versehen: Angel hat sowohl die kolumbianische als auch die venezuelanische Staatsbürgerschaft, seine Ausbildung hat er dort drüben gemacht und auch jetzt hat er dort drüber zu tun- dieses Land ist genauso Teil von ihm wie Kolumbien. Auf der venezuelanischen Flagge sind Sterne zu sehen und außerdem ist er natürlich (m)ein „Star“, was das Fliegen angeht – gänzlich unvoreingenommen 😉 Blau habe ich gewählt, weil es seine Lieblingsfarbe ist und natürlich auch die des Himmels, durch den er mit seiner Angel Airline fliegt – ganz symbolträchtig also alles. 😉

In den „Innenraum“ des Flugzeuges kam dann meine persönliche Nachricht an ihn und fertig war mein diesmaliger Glücksbringer. Das ist so ein einfaches Geschenk, das ihr in wenigen Minuten gut nachbasteln und sehr, sehr persönlich gestalten könnt. Was meint ihr dazu? 🙂

Wie immer brauche ich noch mehr Tipps, weil er demnächst nochmal los muss … Ich bin wirklich uninspiriert momentan. Ich freue mich über eure Tipps, Anregungen und Meinungen!

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Aventuras Nuevas – Bucaramanga 1

Anfang Dezember hatte ich ein paar mehr Tage am Stück frei und Angel und ich haben diese Tage genutzt, um einen größeren Ausflug zu planen: nach Bucaramanga sollte es gehen, für 4 Tage.

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Bucaramanga ist die „Landeshauptstadt“ des departamentos Santander und liegt 5-6 ruckelige und schuckelige Busstunden von Cúcuta entfernt. 1622 wurde die Stadt gegründet und 1886 zur Landeshauptstadt gemacht – in den 60er und 70er Jahren gab es anscheinend eine regelrechte Invasion deutscher Abenteurer, was den Einheimischen gar nicht recht war. Heute zählt die Stadt in etwa 500.000 Einwohner und ist damit Kolumbiens achtgrößte Stadt (fünftgrößte mit den im Ballungsraum lebenden Einwohnern, dann sind es knapp über eine Million). Sie wird auch „la ciudad de los parques“ genannt, da es in ihr über 100 Grünanlagen gibt. Dies bedeutet nicht zwangsläufig „Rasenfläche“, meistens eher einen mit Bäumen und Sträuchern begrünten Platz, aber trotzdem: grün ist grün und Bucaramanga nennt sich stolz „Kolumbiens schön(st)e Stadt“. Bucaramanga hat viele kleinere Städte um sich herum eingemeindet, die einen Besuch wert sind, beispielsweise Floridablanca und Girón, und ganz in der Nähe liegt auch der Chicamocha Nationalpark. Obwohl mein Reiseführer sagte, dass Bucaramangas Zentrum selbst nicht sehr viele Attraktionen besitzt, war es für mich sehr spannend, endlich mal etwas anderes zu sehen als Cúcuta, und da mir viele Dinge des normalen Lebens, de la vida cotidiana colombiana noch fremd sind, habe ich die „Touristenzeit“ sehr genossen.

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Ein typischer „Park“ in Kolumbien – nicht ganz das, was ich als Deutsche unter einem Park verstehe

Am 02. Dezember habe ich mich gegen 13 Uhr mit gepackter Tasche auf den Weg zu Angel gemacht und von ihm aus sind wir mit dem Taxi zum Busbahnhof gefahren. Dort ist er von Bus zu Bus gelaufen, hat ob der teuren Preise immer wieder entrüstet den Kopf geschüttelt und sich zum Gehen gewendet, bis die Busfahrer so weit runtergegangen sind mit ihren Preisen, dass sie akzeptabel waren. Das war eine sehr gute Lehrstunde für mich und ich habe diese Technik ebenfalls bereits erfolgreich angewendet. Nachdem wir dann jeder 35.000 COP (umgerechnet ca. 12€) bezahlt und unsere Taschen verstaut hatten, haben wir es uns im Bus gemütlich gemacht. Wir hatten gepolsterte Sitze nebeneinander, haben das Obst, das er mitgebracht hat, gegessen und dann Musik gehört und versucht, zu schlafen. Die Reise ging durch Berge, Kurven und über Holperwege … und ich wurde Opfer übelster Reisekrankheit, wie ich sie noch nie erlebt habe. Kopfschmerzen, Schwindel, Druck auf den Ohren, Würgreiz – oh man, hab ich mich mies gefühlt! Angel blieb zum Glück verschont, sodass er sich liebevoll um mich kümmern konnte. Er hatte Tabletten dabei, die er mir gab, ich durfte mich bei ihm anlehnen und meine Beine über seine legen und er hielt mich ganz fest und strich mir über den Rücken, als es mir miserabel ging. Wir haben etwa 6 Stunden gebraucht, bis wir in Bucaramanga am Busbahnhof abgesetzt wurden.

Vom Busbahnhof aus nahmen wir ein Taxi in das Viertel, in dem eine Freundin seiner Mama wohnt, die uns für 3 Nächte bei sich aufnahm. Ich glaube, dass ich an dieser Stelle mal etwas über die Verkehrsmittel sagen muss. Wenn ich sage, wir nehmen ein Taxi, dann ist das nicht etwa ein Luxus, den wir uns leisten, sondern ganz normal hier. Für eine zehnminütige Fahrt bezahlt man in etwa 6.000COP, das sind ca. 2€. Busfahrten kosten hier, unabhängig von Fahrtzeit und Route meist so 1.600COP, also knapp 50 Cent. Es war schon sptä, als wir ankamen und da Angel sich dort auch nicht gut auskannte, haben wir uns das Taxi gegönnt und die Kosten geteilt. Die Freundin holte uns ab an einer Straßenecke und wir gingen zusammen zu ihr nach Hause. Mir ging es etwas besser, und das war auch gut so, denn wir hatten noch ein bißchen social time vor uns. Ich bin nicht ganz durchgestiegen, wer in welche Familie und welche Familienkonstellation in welche Wohnung in diesem Haus gehörte, aber alle waren sehr nett und haben viel gefragt, Essen und Trinken angeboten, auf die Kinder eingeredet, uns Tipps für den nächsten Tag gegeben und die Freundin hat dann sogar für mich einen dicken Schlafanzug rausgekramt, weil mir so kalt war. Irgendwann konnten wir dann aber glücklicherweise die Tür zu „unserem“ Zimmer hinter uns schließen, unsere Schlafklamotten überwerfen, Zähne putzen und ins Bett plumpsen. Ach, das tat gut – denn Kopfschmerzen hatte ich immer noch, trotz der Reisetabletten. Die Nacht war kurz, die Matratze sehr dünn, aber mir war nicht kalt und ich konnte neben meinem tollen Freund aufwachen 🙂

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Unser Zimmer mit Bett – und superdünner Matratze

Nach diesem gemeinsamen Aufwachen haben wir die Freundin und zwei der Kids noch getroffen, sie waren aber schon auf dem Weg aus der Tür, sodass wir einen relativ ruhigen Morgen hatten. Die Aussicht auf die Umgebung war total schön und auch die Straßen und Häuser in der Nähe fand ich bezaubernd, weil sie so ganz anders waren, als ich es von meiner Aussicht und meinem Stadtviertel in Cúcuta gewohnt war. Alles war irgendwie so wie in einem Film 🙂 Jeden Morgen bin ich leise aufgestanden, mit meiner Kamera durchs Wohnzimmer zum Fenster getappt und habe die Umgebung festgehalten – zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlich viel Sonne … es war immer etwas Neues zu entdecken und ich teile gleich die Fotos mehrerer Tage mit euch. Was wir so unternommen haben an diesem ersten Tag, erzähle ich euch hier.

Bis bald 🙂

 

Bienvenidos a Colombia!

Hallo ihr Lieben 🙂

Ich sende euch herzlichste Grüße aus Südamerika! Ich wollte euch eigentlich noch vor der Ausreise Bescheid geben, dass es losgeht, wann es losgeht, wie es mir geht … aber es war zu viel los! Ihr habt sicher auch gemerkt, dass meine Posts weniger wurden. Ich hatte natürlich immer noch eine Liste mit abertausend Dingen, die erledigt werden mussten und es kamen für eine abgehakte Sache zwei neue dazu. Besonders mit der Post hatte ich erhebliche Probleme.

Außerdem habe ich seit einigen Wochen mit einer Entzündung des Steißes zu tun, die äußerst schmerzhaft ist. Ich kann nicht sitzen, ohne dass es unglaublich doll wehtut und kann laut meinem Arzt nichts tun als warten und Tonnen an Schmerzmitteln schlucken. Die leider nichts helfen. Das hat mir ganz schön zugesetzt – ich habe mir wegen allem Sorgen gemacht: Kann ich so lange fliegen? Kann ich mit dieser Entzündung überhaupt mit der Kleinen spielen? Kann ich meinen Backpack benutzen oder brauche ich einen Koffer? Übernimmt die Versicherung die Kosten, wenn in Kolumbien etwas ist? Sollte ich die Reise absagen/verschieben?

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Letzen Endes habe ich meine Reisekasse strapaziert, mir einen hübschen blauen Koffer gekauft und die Zähne zusammengebissen. Ich hab mich in meine Lieblingskleidungsstücke geworfen: meinen schwarzen Jumpsuit mit Palmen drauf, meine Chucks und meine graue, lange Strickjacke sowie meinen Hut und los ging es. Der Flug war echt hart, die Schmerzmittel haben einfach nicht mehr gewirkt und ich war total kaputt.
Am 7.7. fuhren meine Mama und ich morgens um 7h zu Hause los, um 10.35h verspätete sich der Abflug aus Hannover um eine Stunde, aber in Frankfurt blieb alles beim Alten. Der Flug von Frankfurt nach Bogotá verlief planmäßig, bis auf dass wir nicht pünktlich landen konnten. Das Fußballspiel wurde live übertragen und im Flugzeug waren auf fast allen Bildschirmen ein grüner Rasen und 20 flitzende Fußballer zu sehen. Das Endergebnis war leider nicht so ganz nach meinem Geschmack, aber wenigstens haben sich die mitreisenden Franzosen gefreut 😉

In Bogotá angekommen war ich überfordert. Ich dachte, die Beamten würden nett sein, würden sich bemühen, mir zu helfen, weil ich ja kaum Spanisch spreche und wir würden in einem lustigen Mix aus Englisch und Spanisch alle Fragen klären … nix da. Die meisten der Beamten waren kurz angebunden und offensichtlich genervt davon, dass ich ihre Sprache nicht sprach und sie sich nun selbst abmühen mussten mit Englisch. Manche lachten mich aus oder redeten einfach weiter auf mich ein, obwohl ich auf Spanisch erklärte, dass ich nur ganz wenig Spanisch sprechen würde. Sie verdrehten die Augen und schickten mich weiter zu ihren Kollegen, die allesamt eine „ist doch nicht mein Problem, du willst ja was von mir“-Ausstrahlung versprühten. Im Normalfall hätte ich schlagfertig auf deutsch ebenso schnell dahergebrabbelt, aber ich war einfach so kaputt und schmerzgeplagt und überfordert und außerdem wirklich auf Hilfe angewiesen …

Der einzige freundliche Mensch, der mir dort begegnete, war der Buskoordinator. Ich kam gerade zur Haltestelle, als der Bus, der die zwei Terminals verband, abfuhr. Er sagte etwas auf Spanisch, ich wiederholte mein Sätzchen, ich spräche nur ein bißchen Spanisch und er versuchte tatsächlich, sich mit Händen und Füßen verständlich zu machen. Das war Balsam für meine Seele! Als das weder für ihn noch für mich funktionierte, versuchte ich es so: „Escribir?“ Schreiben? Ich bekam ein Blatt und einen Stift und wir klärten unser Problem so. Alles war gut – er bot mir einen Sitzplatz an, ich verneinte lächelnd und dank jahrelanger Activity-Übung konnte ich ihm erklären, mir täte der Po weh. Diese Begegnung stellte mich ein bißchen wieder her.

Letztenendes lag ich nach der Busfahrt aber am Terminal 2 des Flughafens auf den beinharten Stühlen, die sich so einladend in meinen Rücken und meine Hüften bohrten wie Legosteine in Fußsohlen, und musste mich von einem älteren Herren anstarren lassen, der mich wohl sehr gerne ebenfalls in einer spanischen Schimpftirade davon unterrichtet hätte, was er davon hielt, dass ich mich ignoranterweise auf Sitzmöbel legte. Ich hatte keinen Nerv mehr zu gar nichts und ignorierte ihn mit unterdrückten Tränen in den Augen.

Auf dem Flug von Bogotá nach Cúcuta konnte ich tatsächlich ein bißchen schlafen und alles klappte gut. Ich glaube, wir hatten wieder Verspätung, aber durch mein Nickerchen habe ich nichts mitbekommen – außerdem habe ich kein Wort der spanischen Durchsagen verstanden. Ich hob mein Köfferchen vom Band und wurde von Renzo abgeholt, dem Papa der Familie. Wir erzählten ein bißchen auf Englisch und das tat so unglaublich gut! Einfach reden können und der andere versteht dich und ist nett zu dir.
Wir kamen irgendwann nach Mitternacht in meinem neuen zu Hause an und nach einer kurzen Email nach Hause habe ich mich sofort ins riesige Doppelbett geworfen und geschlafen. Es war so ein geniales Gefühl. Liegen, schlafen, nicht reden müssen in einer Sprache, in der ich niemanden verstehe und mich auch niemand versteht.

Ich wohne jetzt im 7. Stock des „edificio Caranday“ und habe mein eigenes Zimmer samt walk-in closet und en-suite bathroom. Hört sich sehr schick an, oder? 🙂 Ich muss es noch etwas persönlicher gestalten, diejenigen die meine Zimmer in Australien gesehen haben, wissen, was ich meine (Canberra, Farm). Ich bin ja aber erst 4 Tage hier und habe noch Zeit. Aus meinem Alltag berichte ich euch, wenn ich etwas mehr Zeit habe, aber hier seht ihr den Ausblick aus meinem Zimmer. Unglaublich schön, oder?

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Oh Africa – Here I come!

Liebe Lebensmaler,

ich verabschiede mich! Ich wollte euch eigentlich ganz viel von den Vorbereitungen für Afrika erzählen und euch so mitfiebern lassen, aber der Plan ist irgendwie nicht so ganz auf-, sondern wohl eher untergegangen im Stress und Alltag. Schade!

Diesen Freitag um 4.15h (ja – morgens … 😦 ) treffen wir uns als Gruppe mit unseren Lehrerinnen am Flughafen in Hannover und werden uns bis um 6h ärgern, dass wir alle so früh da sein müssen. Um 6.15h startet dann der Flieger Richtung Amsterdam, von wo wir nach 3 Stunden Wartezeit weiterfliegen zum Kilimanjaro Airport. Dann fahren wir noch 1-2 Stunden an unser Ziel: die Stadt Moshi in Tansania.

Der Koffer ist schon gepackt, alle Vorbereitungen sind getroffen und ich bin ziemlich fertig. Darum gehe ich jetzt ins Bett und wir lesen uns in ca. 4 Wochen wieder! Ich freu mich auf euch und hoffe, ihr seid dann noch alle mit an Bord. Bis dann!

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