Tag-Archiv | Visum

Aventuras Nuevas – Alles neu! – Teil 2

Herzlich Willkommen zu Teil 2 von „Alles neu!“ Wir waren stehen geblieben an dem Punkt, an dem meine Pläne, als Lehrerin in Kolumbien zu bleiben, mit lautem Klirren zu einem beträchtlichen Scherbenhaufen zusammenfielen.

*
*
*

IMG-20170108-WA0038

Angie und ich bei einem die Seelenrisse kittenden Eis

Zum Glück gibt es Angie, meine beste Freundin in Kolumbien. Inmitten unserer jeweiligen chaotischen Leben haben wir uns getroffen und bei einem Picknick alles erörtert, auseinandergepflückt, zusammengesetzt und erneut durchgekaut, bis wir uns beide etwas leichter fühlten mit allem, was sich auf uns stürzt und uns unter sich begräbt. Es tat so gut, sich mit ihr alles von der Seele zu reden, alles 3x zu sagen, weil es so ätzend ist, und sich verstanden zu fühlen. Während dieses Gesprächs sprachen wir u.a. darüber, was denn im Falle einer Absage meine Optionen wären, und ich scherzte: „I’ll just go back to Australia.“ Und es war ein Scherz, ich schwöre. Doch wie es so ist, in jedem Scherz steckt auch ein Körnchen Wahrheit und ich konnte diese Idee nicht davon abhalten, sich in meinem Kopf und Herzen einzunisten.

Für alle, die 2013 noch nicht mitgelesen haben: ich habe damals als Backpackerin von Februar – Juli auf einer Rinderfarm im Outback gelebt und gearbeitet. Viele meiner damaligen Beiträge findet ihr ab Februar 2013 im Archiv bzw. unter der Kategorie „Farm Charm“.

Ich habe also Kontakt mit meiner Gastfamilie von damals aufgenommen und gefragt, ob sie mich eventuell wieder aufnehmen würden. Keine 12 Stunden später hatte ich eine Antwort und mir fiel der Mount Everest vom Herzen. Ich sei immer willkommen und müsse ihnen nur meine Reisedaten mitteilen. Gesagt, getan – ich buchte einen Flug, kümmerte mich um die jeweils nötigen Visa, schickte die Infos nach Australien … und machte mich Millionen Mal ans Aussortieren/Koffer-Probepacken. Geplant war, mit einem Touristenvisum 3 Monate in Australien zu bleiben und dann für einen Monat nach Kolumbien zurückzukehren, um mit Angel seinen Geburtstag zu feiern, bevor es am nächsten Tag zurück nach Deutschland gehen würde. Ich hatte mich gegen eine sofortige Reise nach Hause entschieden, weil ich so meine Auslandskrankenversicherung verlieren und dies eine sehr lange zeitliche Trennung von Angel bedeuten würde. Durch die Reise nach Australien bliebe die Versicherung bestehen und er und ich würden uns vor der unausweichlichen Trennung im Juli nochmal sehen.

Den Januar sollte ich ja sowieso bei meiner Gastfamilie in Kolumbien bleiben und ich habe ihnen dann noch den Februar gegeben, damit sie sich nach jemand neuem umschauen können. Ich fand es unfair, von heute auf morgen zu verschwinden (obwohl ich das gekonnt hätte), aber auf keinen Fall wollte ich bei ihnen bleiben. Das war eine gute Entscheidung. Mit dem Wissen, dass ich bald gehen würde, ließen sich der restliche Januar und der Februar gut überstehen, aber die Atmosphäre war keine schöne und verschlechterte sich zusehends. Zu vielen Dingen nickte ich einfach nur noch, weil ich keine Lust mehr hatte, mich darüber aufzuregen, aber ich fühlte mich zunehmend eingeengt und eingeschränkt, ungerecht behandelt und unwohl. Am Ende ging es dann tatsächlich im Streit auseinander, womit ich ja schon im letzten Jahr gerechnet hatte. Ich habe aber irgendwann genug davon gehabt, alles hinzunehmen, zu nicken und „ja und Amen“ zu sagen. Nicht nur das Aupair muss sich in gewissem Grade anpassen, sondern auch eine Familie muss sich auf die Bedürfnisse und Wünsche des Aupairs einstellen, und irgendwann habe ich meine Hacken in den Boden gestemmt und mich gegen die Zügel der Familie gewehrt. Kam nicht so gut an.

Am Samstag, 04. März, zog ich aus, ohne richtiges Abschiedsgeschenk von der Familie und tatsächlich auch ohne Abschied von Seiten meines Gastvaters, der mich gegen Ende komplett ignorierte. Ich konnte nur den Kopf schütteln, denn obwohl die letzten Tage alles andere als schön waren, hatte ich Abschiedsgeschenke für die Familie vorbereitet.

Ich zog bis Montagabend zu Angie. Koffer, Boxen und Taschen ließ ich bei Angel, zu dem ich Montagabend ziehen sollte. Mit meiner Reisetasche machte ich mich nach einem kurzen Treffen mit Angel mit dem Bus auf den Weg nach Villa del Rosario, wo Angie mich vom Bus abholte. Die Familie hatte mir untersagt, Angie dort zu besuchen, aus „Sicherheitsgründen“. Dass sie mir damit die Chance nahmen, meine beste Freundin zu sehen und ihre Familie kennenzulernen, berührte sie nicht. Umso mehr genoss ich es, dass mich Angies Familie so selbstverständlich aufnahm, als gehörte ich schon ewig dazu. In diesen 2,5 Tagen habe ich mich wohler gefühlt in einem zu Hause als die letzten 8 Monate zuvor. Mir wurde klargemacht, dies sei jetzt auch mein zu Hause, ich solle mich wohlfühlen. Wir aßen zusammen, unterhielten uns, scherzten, lachten, tauschten uns aus, halfen einander. Ich fühlte mich so geborgen und angenommen und die Zeit mit Angie zu verbringen, war so wunderbar. Ich kochte für ihre Familie Kartoffelpuffer, um mich zu bedanken für alles, und als ich mich am Montagnachmittag verabschiedete, wurde ich so herzlich gedrückt und die Einladung, im Juni wieder bei ihnen zu wohnen („Eres bienvenida siempre, esta es tu casa“), klang schon fast wie eine Feststellung, als sei es klar, dass ich dann wieder bei ihnen wohnen würde. Ich lief über vor Dankbarkeit und Zuneigung.

Ich erledigte noch einige Dinge, bevor ich zu Angel fuhr und verbrachte die letzten Tage dort recht unabhängig. Dienstag hatte ich zum letzten Mal Physiotherapie, ging zum Friseur, erledigte noch ein paar Einkäufe, schrieb ein paar Nachrichten und kochte abends wieder Puffer, diesmal für seine Familie. Am Mittwoch lud er mich zu einem vegetarischen Mittagessen ein (überlaufendes Herz und strahlendes Gesicht meinerseits) und danach fuhren wir zu Freunden seiner Familie, wo extra für mich noch eine kolumbianische Spezialität gebacken wurde. Ich hab leider vergessen, wie sie heißt, aber sie erinnert mich an eine Mischung aus Fladenbrot und Pfannkuchen, und ist an sich schon ziemlich süß, aber die Kolumbianer  essen sie mit leche condensada (Kondesmilch) – und zwar richtig, richtig viel. Ich habe einfach weniger davon über die Fladen gegossen und es war sooo lecker! Das war ein schönes Abschiedgeschenk.

Von allen meinen Freunden hatte ich mich in meiner letzten Woche bei der Familie verabschiedet. Jeden Abend war ich froh, die Haustür hinter mir zuzuziehen und mich auf Menschen freuen zu können, die gerne Zeit mit mir verbringen, an mir interessiert sind und die meine Ansichten teilen. Schon lange vorher traf ich Francisco, mit dem ich Eis gegessen habe, bevor er selbst zurück nach Venezuela gereist ist, wo er lebt. Ich lief in Horacio hinein und freute mich total über dieses spontane Treffen. Marcela und Carol, die selbst je 2 Aupair-Jahre in den USA hinter sich hatten, luden mich zu einer Pizza ein, nach der ich endlich mal richtig satt war, und wir sprachen über das Aupairleben, Gastfamilien, ihre jetzige Arbeit, Sprachen lernen, was wir zusammen erlebt haben und was die Zukunft für uns wohl bringen würde. Ich traf Rafael, mit dem ich redete und redete, ich traf Alejandra, die mir ein wundervolles Abschiedsgeschenk machte und mit der ich das ganze Treffen lang auf Spanisch sprach – und es fiel mir nicht mal schwer! Ich traf Jaime, dem ich über die Maßen dankbar einen Berg ausgeliehene Bücher zurückgab und ich traf Jodi, mit der ich ebenfalls Eis aß und zum letzten Mal tiefgründige Gespräche führte.

Alle meine Freunde und Bekannten vom Spielplatz hatte ich in den vorangegangenen Tagen davon unterrichtet, dass ich bald gehen würde und sie kamen nach und nach, um mich zu umarmen, sich zu verabschieden, Nummern auszutauschen und noch ein letztes Foto mit mir zu machen. Meine beste Spielplatz-Freundin Juliana und ihre Mama Ximena machten mir ein Geschenk, und das war so wunderschön, weil es unerwartet war: eine Zeichnung samt Brief von Juliana und ein Gutschein für eine Mani-Pedi, zum Entspannen! Das hat mich über alles gefreut, weil es in krassem Gegensatz zu den nicht vorhandenen Geschenken meiner Gastfamilie stand. Zu sehen, dass sich Menschen auf dem Spielplatz so sehr um mich kümmern und sich solche Gedanken und Mühen machen, hat bewirkt, dass mir warm um’s Herz wurde. Und an meinem letzten Tag auf dem Spielplatz kam sogar mein Pflegehund nach Wochen der Abwesenheit mal wieder vorbei und brachte uns nach Hause. Ich habe mich so unendlich gefreut, Caramelo noch ein letztes Mal zu sehen und in den Arm nehmen zu können. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen, genau so wie Maria Elizabeth, mit der ich mich am Montag vor der Manip-Pedi-Behandlung nochmals traf und Geschenke, Neuigkeiten und eine feste Umarmung austauschte. Meine Freunde werden mir sehr fehlen, das ist sicher.

Mittwochabend finalisierte ich mein Packen, zog mich um und verabschiedete mich von Angels Eltern. Wir luden das Gepäck ins Auto, stiegen ein und fuhren zum Flughafen. Es wurde nochmal stressig, weil die Unterkunft, die ich mir in Bogotá organisiert hatte, in letzter Minute geplatzt ist und wir meine neue SIM-Karte nicht aufladen konnten … Das Aufladen hat Angel dann erledigt, während ich schon über den Wolken dahinsegelte (von Cúcuta nach Bogotá) und eine Ersatzunterkunft hatte er mir auch noch organisiert. Die ist dann leider auch nicht zustande gekommen, sodass ich sehr provisorisch am Flughafen in Bogotá gecampt habe, bevor ich 8.10h am nächsten Morgen kolumbianischen Boden hinter bzw. unter mir ließ. Davon, von meiner laaaaaangen Reise, von allem was davor (seit dem letzten Post) und vor allem auch davon, was seit meiner Reise passiert ist, erzähle ich euch im nächsten Post … Was jetzt wichtig zu wissen ist, ist: ich bin heile angekommen und habe euch nicht vergessen.

Ein Gruß aus dem australischen Outback …
… y un abrazo fuerte! 

colombia

Kolumbien, du wirst mir fehlen!

Der lange Weg nach Kolumbien

Hallo ihr Lieben!

Nachdem ich euch jetzt schon auf eine kleine, virtuelle Reise durch meine Wohnung mitgenommen habe, wollte ich euch auch mal auf den neuesten Stand bringen, was meine echten Reisepläne angeht. Es hat sich einiges getan, seit ich das letzte Mal gepostet habe (zum Glück!).

Zum einen habe ich jetzt meinen Flug gebucht. Ich habe über mehrere Wochen immer mal wieder geschaut, aber wie bereits erwähnt, angesichts der Preise war ich nie versucht, auf den „buchen“-Button zu klicken. Nach wiederholtem JD806715 - KopieSuchen bin ich am 22. April endlich fündig geworden – per Zufall! Ich hab mich sehr gefreut, denn den Preis (1346€) fand ich für einen Hin- und Rückflug in der Hauptreisezeit und dann an Neujahr ziemlich günstig. Die Familie übernimmt noch die Hälfte, und ich kann bis Bogotá sogar mit meiner Wunsch-Airline fliegen, yay!   🙂 Am 07.07.2016 um 10.35h werde ich deutschen Grund und Boden in Hannover verlassen und gen Frankfurt fliegen, wo ich dann wieder selbigen Grund und Boden berühre. Kurze Trennung  😉 Dann geht’s aber recht fix weiter von Frankfurt nach Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien, dort komme ich um 19h an. Um 20.45 geht’s dann weiter ans eigentliche Ziel: Cúcuta im Departamento de Norte de Santander, an der Grenze zu Venezuela. Dort werde ich um 22h landen, und bis ich draußen bin, dauert es bestimmt ewig, vor allem, weil ich kein Spanisch kann. Die Familie wird mich abholen und ich hoffe, ich kann im Auto schlafen … Das wird also eine turbulente Reise werden!

Neben der Odyssee mit dem Flug habe ich auch endlich verstanden, wie das mit dem Visum ablaufen soll. Wir haben uns aus organisatorischen Gründen für ein Touristenvisum entschieden, das wird zunächst am Flughafen für 90 Tage ausgestellt, das kann dann kostenpflichtig um weitere 90 Tage verlängert werden. Dann muss ich ausreisen, um dann bei Einreise erneut ein 90-Tage-Visum ausgestellt zu bekommen, dass ich dann, wenn gewünscht, wieder für 90 Tage verlängern kann. Kompliziert ist einfach dagegen! Zum Glück übernimmt auch hier die Familie die Verlängerungskosten und die Ausreise ist kein Problem, da Marieke ja wie erwähnt in Bolivien sein wird und ich finde, dass ich sie nach 6 getrennten Monaten auch ruhig mal besuchen kann. ❤

Was habe ich noch auf Reihe bekommen? Ich habe endlich begonnen, meine Wohnung zu bewerben. Mit einigen der Fotos, die ich für die „Meine 4 Wände“-Strecke nutze, habe ich bei wg-gesucht und bei studenten-wg, in verschiedenen Gruppen bei facebook und per ebay-Kleinanzeigen nach einem Zwischenmieter gesucht. Ich möchte auf gar keinen Fall kündigen, denn ich liebe die Wohnung und sie ist mein zu Hause geworden, wie ihr ja auch gesehen habt. Gleichzeitig ist es illusorisch, zu glauben, dass ich nach einem Jahr wieder in diese Wohnung einziehen kann, wenn ich sie jetzt aufgebe. Ich kann ich es mir leider nicht leisten, die Miete ein Jahr zu zahlen, ohne dort zu wohnen, also ist ein Zwischenmieter die naheliegendste Lösung.

antrag-bLeider war die Resonanz auf meine Anzeigen sehr gering, was mich etwas gewundert hat. Einige der wenigen Bewerber konnte ich leider auch direkt aussortieren. Und dann kam Y. Die Art, wie er am Telefon mit mir gesprochen hat, fand ich zwar befremdlich, habe ihn aber trotzdem zum Anschauen der Wohnung eingeladen, denn absagen geht ja dann immer noch. Als er da war, habe ich mich geschämt. Er ist Asylbewerber, seit 1.5 Jahren hier und spricht für diese kurze Zeit sehr gut deutsch. Er hatte seine Deutschlehrerin dabei und war mir sehr, sehr sympatisch. Jetzt habe ich bereits die Hürde genommen, von dem Besitzer des Hauses die Erlaubnis für die Zwischenvermietung an Y. zu bekommen und habe mit Hilfe meiner tollen Immobilienmaklerin dieses Formular für’s Jobcenter ausgefüllt, das Y. benötigt, damit das Jobcenter die Mietkosten übernimmt. Ich hoffe sehr, dass das klappt, sowohl für ihn als auch für mich.

Neben der Vermietung der Wohnung musste ich mich natürlich auch um meine Krankenversicherung in Deutschland und den Auslandsreisekrankenversicherungsschutz während der Reise kümmern. Beim Tippen dieses Wortes ist mir klar geworden, dass es ein solches Wort NUR in der deutschen Sprache geben kann. Es hat 39 Buchstaben, also 1.5x so viele wie das Alphabet! Verrückter Sch. Jedenfalls habe ich erfahren, dass ich meine Krankenversicherung in Deutschland zwei Monate vor dem gewünschten Ende des Versicherungsschutzes kündigen muss. Das Problem ist, dass ich im Juli ja noch 6 bzw. 7 Tage hier versichert sein muss, also kann ich nicht zum 30.06. kündigen. Mit der Versicherungsgesellschaft habe ich das jetzt so geregelt, dass ich zum 30.07. kündige und für den Juli einen sogenannten Anwartschaftsbeitrag zahle, also nur anteilig. In meinem Fall sind das ~50€ statt 83€. Für 6 Tage finde ich das immer noch recht hoch, aber anders ist es nicht möglich.

Die ursprüngliche Idee, mich in Kolumbien über diecsm_versicherung_-_puzzle-gr_4a4961bc1f Versicherung der Familie mitversichern zu lassen, ist aus Kostengründen geplatzt und jetzt werde ich mich vermutlich mit der envivas versichern. Da habe ich auch schon meine Versicherung für die Tanzania-Reise abgeschlossen und alles verlief easy und problemlos. Das ist aber ein Punkt, den ich erst noch abhaken muss auf meiner Liste. Die Vorarbeit konnte ich zum Glück schon leisten. Blöd ist bloß, dass ich vermutlich für länger als ein Jahr weg sein werde und diese Versicherung für maximal 365 Tage abgeschlossen und nicht verlängert werden kann. Da muss ich mir noch was überlegen. Habt ihr einen Tipp?

DSC_4814[1].jpgIch hatte ja im letzten Post erwähnt, dass ich meinen Pass und andere Dokumente auf Gültigkeit prüfen muss. Prompt war der Pass abgelaufen – Albträumlein! Verniedlichung deshalb, weil ich recht schnell meinen Pass neu beantragen konnte (60€ Kosten). Glück gehabt. Außerdem durfte ich meinen alten Pass sogar behalten, was mich wirklich freut, weil da so viele Erinnerungen dranhängen.
Für die Impfungen und die Impfberatung habe ich nächsten Mittwoch einen Termin, das wird mich um etwa 150€ ärmer machen, aber das meiste bekomme ich zurückgezahlt von der Krankenkasse. Hoffentlich. Dienstag habe ich einen Termin bei der Verbraucherschutzzentrale in Hannover, damit mich ein Anwalt beraten kann, wie ich am besten mit der Mitgliedschaft im Fitnessstudio umgehe und welche Chancen ich habe, aus dem Vertrag zu kommen. Darauf hab ich, ehrlich gesagt, nicht so viel Lust, also auf die Auseinandersetzung mit den Fitnessleuten, aber ich hoffe, der Anwalt kann mir gute Tipps geben. 10€ für 20 Minuten finde ich auch nicht zu viel verlangt.

Tjaaaa, so ist das. Ich glaube, jetzt seid ihr auch erstmal wieder auf dem neuesten Stand, was meine Organisation so angeht. Schulisch bin ich jetzt durch mit den Klausuren und habe noch bis Ende Mai Unterricht, dann bin ich durch, bis am 17. Juni die Zeugnisübergabe stattfinden wird. Oh, wie aufregend!
Was die Arbeit angeht, werde ich den Kids Mitte Mai sagen, dass ich nur noch bis Ende Juni komme; so haben sie genug Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Das wird traurig  😦  Aber meine Teamleitung sagte, wenn ich wiederkomme, dann werde ich mich ja sowieso bei ihnen bewerben. Haha, ich denke wirklich ernsthaft darüber nach und dann von ihr (und vom Rest des Teams) diese tolle Rückmeldung zu bekommen, tut wirklich gut.
Ich hab auch noch mal so richtig Glück gehabt, und die Verwaltung hat zugestimmt, dass ich mir meine Urlaubstage auszahlen lassen kann! Das hilft mir wirklich sehr, und bei 5 Nächten, die ich dort arbeite, brauche ich nicht wirklich noch Urlaub.

SO. Jetzt werde ich die Sonne genießen und weitere Vorbereitungen treffen. 🙂 Habt ein schönes Wochenende!      

Die Berge zwischen mir und Kolumbien

 

orga

Liebe Lebensmaler,

es steht jetzt fest: ich fliege nach Kolumbien zu Renata, Renzo und Anja (momentan 5 Monate alt)! Mit Renata habe ich mich auf „Anfang Juli“ geeinigt und ich suche jetzt fieberhaft nach einem Flug, der weder 31 Stunden dauert noch 1.500€ kostet – Wahnsinn, was einem da so angeboten zugemutet wird!

Ich habe aber echt Glück mit meiner Familie – sie übernehmen die Hälfte der Flugkosten, eventuelle Umbuchungskosten, die Visa-Gebühren, zahlen meinen Sprachkurs, helfen mir mit der Versicherung … es ist echt eine Erleichterung, zu wissen, dass sie sich so freuen auf mich. Renata ist immer so herzlich in ihren Mails und versichert mir jedes Mal, dass sie alles dafür tun werden, damit ich mich bei ihnen wohlfühle.

Wenn ich euch solche Dinge berichte, dann ist es ganz leicht für mich, zu lächeln und michdocs mit warmem Gefühl im Bauch auf meinen Aufenthalt dort zu freuen. Bisweilen wird das warme Gefühl aber doch verdrängt durch den Schatten des Berges, der sich vor mir auftürmt: Fragen und ganz viel Organisationskram bilden die Gesteinsbrocken, die ganz schön schwer abzutragen sind. Alles hängt zusammen: ich muss meine Wohnung zwischenvermieten, kann das aber nicht tun, wenn ich nicht weiß, wie lange ich weg bin. Wie lange ich bleibe, kann ich aber erst sagen, wenn ich herausgefunden habe, wie das mit dem Visum läuft. „Das mit dem Visum“ ist aber megakompliziert und auf 3 Websiten finden sich 4 unterschiedliche Antworten. Also habe ich der kolumbianischen Botschaft in Berlin geschrieben und muss ich auf die Antwort warten. Das Warten bedeutet aber, dass ich den Flug noch nicht buchen kann, weil es günstiger wird, wenn ich Hin- und Rückflug im Paket buche und nicht einzeln – was aber wiederum nur möglich ist, wenn ich weiß, wie lange ich bleibe. Außerdem würde ich nach Kolumbien tatsächlich gerne noch nach Chile … aber auch das kann ich erst entscheiden, wenn sich herausstellt, wie lange ich mit dem Visum in Kolumbien bleiben kann. Ist es also sinnvoll, den Rückflug nach Deutschland zu buchen oder doch nach Chile? Hm.

Während ich also auf die Antwort der Botschaft warte, könnte ich mich ja mal um meine Auslands-Krankenversicherung kümmern. Die kann ich aber auch nur abschließen, wenn ich weiß, wann ich fliege und wie lange ich weg bin – die meisten lassen sich für maximal ein Jahr abschließen und was, wenn ich länger weg bin? Oder kürzer? Und ich müsste außerdem auch meine deutsche Krankenversicherung kündigen – mit 2 Monaten Frist. Also ziemlich bald, wenn ich Anfang Juli losreisen möchte – aber das genaue Datum steht ja noch nicht fest. Tja … wo wir gerade bei Versicherungen sind: ich muss dringend zu verschiedensten Ärzten. Frauenarzt, Zahnarzt, Hautarzt, Rheumatologe, Chiropraktor – das kann ich mir in Kolumbien sparen, weil ich das auf spanisch schon gar nicht hinkriege und ob die Ärzte dort gut englisch sprechen? Wer weiß? Also in die Warteschleifen einreihen und um Termine bitten. Meine Impfungen muss ich auch auf Reihe bringen, wobei das eins der kleinsten Probleme ist: ich bin soweit ganz gut dabei, nur Gelbfieber, Cholera und evtl. Tollwut und Influenza müssten durchgeführt werden. Wenigstens hier muss mir der Angstschweiß nicht ausbrechen.

Stichwort Schweiß: meine Mitgliedschaft im Fitnessstudio muss ich auch kündigen – Verzeihung, pausieren! Bei einer Kündigung müsste ich direkt mit einem Anwalt dort camauflaufen, da das Fitnessstudioteam bei solchen Dingen erstaunlich „unflexibel“ ist für eine sportliche Truppe (freundlich ausgedrückt). Und für Schlammschlachten habe ich momentan weder Lust noch Zeit noch Energie übrig. Meinen Pass und sonstige Dokumente muss ich auch noch auf Gültigkeit überprüfen und evtl. neu beantragen, mir überlegen, welche Zusatzversicherungen sinnvoll sind und eine Gesellschaft finden, die mir nicht Unsummen abknüpft. Puh … Meine Kreditkarte wurde zum Glück einfach so verlängert von der Bank, ohne dass ich mich darum kümmern muss – da kann ich also glücklich einen Haken hinter setzen. Auch eine Kamera habe ich endlich neu! OOOH ❤ Davon habe ich euch noch nicht erzählt – bei ebay habe ich ein Schnäppchen gemacht und ich bin glücklich. Ich muss mich noch mit ihr vertraut machen und evtl. ein weiteres Objektiv erwerben, aber zumindest habe ich wieder eine. 🙂

Aber nicht nur mir will ich etwas Gutes tun, sondern auch meiner Gastfamilie. Ich habe schon fleißig recherchiert und mir überlegt, was ich mit meinem Schützling wohl alles anstellen kann, auf was ich achten muss und woran die Kleine Freude haben könnte. Natürlich habe ich im Hinterkopf auch eine (noch leere) Liste, was ich meinen Gasteltern schenken möchte. Schade ist, dass ich meinen Geburtstag dieses Jahr nicht hier feiern kann – der ist ja erst am 24. Juli und angepeilt als Ausreisedatum ist der 7. Juli. Hm. Schade, aber ich hoffe, dass ich noch mal mit allen Freunden zusammensitzen, klönen und Abschied feiern kann. Das muss auch bedacht und organisiert werden (wenn auch noch nicht mit höchster Priorität). Auch von meinen Jugendlichen in der Wohngruppe muss ich Abschied nehmen – das wird hart! Fast 2 Jahre war ich da und ich hab das Team und die Teens echt ins Herz geschlossen. Schön ist allerdings, dass eine meiner besten Freundinnen dieses Mal „mitkommt“ ans andere Ende der Welt!

Naja, mitkommen ist relativ. Wenn man schon von „mitkommen“ sprechen möchte, dann komme eigentlich eher ich mit, weil ihre Pläne schon vor meinen feststanden. Ihre Ausreise findet einen Monat später statt als meine und sie geht nach Bolivien, nicht nach Kolumbien – aber das ist ja fast nebeneinander! Als wir davon sprachen, dass wir „zusammen nach Südamerika“ gehen würden, zog ihre Mutter die Augenbraue hoch und erinnerte freundlich daran, dass die beiden Länder schon etwas weiter auseinanderlägen … Das ist uns egal, wir leben in aneinander grenzenden Zeitzonen und außerdem auf dem gleichen Kontinent – näher aneinander als wir es wären, wäre eine von uns hiergeblieben.

Tja … So ist das. Zwischen den ganzen Orga-Steinen in meinem Weg finde ich also auch immer kleine Goldstücke. Jetzt werde ich mich mit ein paar Gesteinsbrocken beschäftigen und sie hoffentlich aus dem Weg schaffen.

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.

Ich pflastere mir daraus meine Straße nach Kolumbien – naja, zumindest die Startbahn für meinen Flieger, wenn ich denn dann endlich einen Flug finde!  ✈ Ich halte euch auf dem Laufenden 🙂 Hasta pronto! 🙂

Aotearoa – Und auf Anfang …

Ich werde jetzt in den folgenden Woche so langsam meine Wochen in Neuseeland und Australien Revue passieren lassen, damit meine wundervolle Reise hier auch formvollendet dokumentiert wird. Zwischendurch gibt’s auch aktuelle Beiträge, aber ich konzentriere mich erstmal auf die Vergangenheit, denn die ist wirklich sehr ereignisreich gewesen. Manchmal auch nervenaufreibend, aber das kennt man ja nicht anders von mir.

Nachdem wir also bis spät in die Nacht bzw. früh in den Morgen gefeiert hatten, sind Kate, Adrien und ich alle gemeinsam ins Bett geplumpst. Kate ist mitten in der Nacht aufgestanden hat nach gefühlt einer Stunde Schlaf um sich getreten, weil ihr zu warm wurde, und dann ist sie umgezogen in ihr eigenes Bett. Mein Wecker klingelte um 6.45h, ich stolperte unter die Dusche und machte mich soweit fertig. War natürlich zeitlich trotzdem alles sehr knapp; wir haben nicht mal unser Frühstücksgeschirr abwaschen können, weil wir dann nach einem Anruf von Lynda innerhalb einer halben Stunde fertig sein mussten. ARGH. Aber wir haben es alles geschafft und nach einem tränenreichen Abschied von allen saßen Kate und ich heulend im Auto von Lyndas Schwester. Wir wurden mittags am Flughafen in Townsville abgesetzt, wo wir die Wartestunden damit verbrachten, umzupacken, auszusortieren, zu lesen, Karten zu schreiben, Fotos zu tauschen sowie Filme zu schauen und zu schlafen. Abends um 19h sollten unsere Flüge gehen, Kates nach Melbourne, meiner nach Brisbane und dann nach Auckland, Neuseeland. Wir trennten uns schweren Herzens, aber mit der Erwartung, uns bald in Melbourne wiederzusehen.

JD806715 - Kopie

Meine Nacht in Brisbane verbrachte ich auf einem äußerst gemütlichen Sofa im Flughafen. Morgens um 5h bin ich aufgestanden, um einzuchecken. Ich hatte natürlich das Glück, eine unfreundliche Schalterfrau zu bekommen. Ich sei sehr spät, bemerkte sie. 5h morgens würde ich nicht als spät bezeichnen, dachte ich mir, aber ich hab nichts gesagt. Weiter ging es eh schon: wo denn mein Visum sei, wollte sie wissen. Ich hatte keins. Und mein Rückflug aus Neuseeland? Ich hatte keinen, aber ich versicherte der Frau, ich hätte genügend finanzielle Mittel, um mir einen Platz im Flieger zu sichern. Tja, das reiche aber nicht, bemerkte meine äußerst freundliche Servicekraft. Und da fing das Drama an. Ohne Visum und ohne Flugticket könne sie mich nicht fliegen lassen. Ich bestand darauf, dass mir gesagt wurde, dass ich nur genügend Rücklagen vorweisen müsste, um eine Einreiseerlaubnis für Neuseeland zu bekommen. Nein, nein, und nochmals nein. Den vorgesehenen Flug würde ich sowieso nicht mehr kriegen. Da muss ein großes, rotes, extrem leuchtendes ‚P‘ in meinen Augen erschienen sein, denn sie rief einen Kollegen zum Schalter, der, nachdem er die Situation geschildert bekommen hatte, anbot, mich für einen geringen Aufpreis auf einen späteren Flug zu verschieben – ich müsse mich dann aber um entweder ein Visum oder ein Ticket aus Neuseeland heraus kümmern. Und zwar jetzt.

Tja. Jeder, der schon mal versucht hat, ein Visum innerhalb von wenigen Stunden zu bekommen, weiß ganz genau, dass es völlig unmöglich ist. Völlig kopflos rannte ich 20 Minuten durch den Flughafen, um dann später doch am Schalter des Kollegen ein offenes Flugticket zu kaufen. So schnell sind 500 Dollar also weg, aha. Da hab ich mich echt geärgert. Aber besser, als gar nicht zu fliegen. Dank meines sonnigen Gemütes hab ich mich auch  wieder gefangen und mich einfach auf Neuseeland gefreut.

Später beim Einchecken hatte ich SO einen netten Schalterbeamten, der die Erfahrung mit der griesgrämigen Frau von vorher echt komplett ungeschehen gemacht hat. Er hat mich nach meinem Namen gefragt, mit mir dessen Ursprung beleuchtet, deutsch mit mir gesprochen und mir ein wundervolles Kompliment gemacht: ‚I love your hand luggage. SO cool.‘
Später, beim Einchecken ins Flugzeug war er auch wieder da, riss meine Karte ab, lächelte und sagte: ‚Best hand luggage ever.‘ Hach 😉 Und der Flugbegleiter … als ich ihm meine Platzkarte reichte, checkte er mich auch erst einmal aus und sagte: ‚I like your style.‘ Also, das ist doch …

In Ackland angekommen stellte sich gleich das Gefühl von ’nach Hause kommen‘ ein. Der Flughafen ist mir so vertraut, obwohl ich weder ihn noch die Stadt besonders leiden kann. Ich wurde erwartet und in ein Auto verladen. Von wem, warum, und wo es genau hinging, erfahrt ihr im nächsten Post!

P1030994

Hello New Zealand.