Ein Vierteljahrhundert

Meine Damen und Herren …

… ich bin seit Freitag offiziell ein Vierteljahrhundert auf dieser Erde! Verrückt. Sonst kein Fan von großen Feiern mit vielen Gästen habe ich es dieses Jahr gewagt, alle meine Freunde einzuladen, mit mir meinen Geburtstag zu feiern. Ich dachte, dieses Jahr passt einfach alles: zweiter Ferientag, ein Freitag, ich werde 25, wer weiß, wo alle anderen und vor allem ich nächstes Jahr nach abgeschossener Ausbildung sind – außerdem war mir verrückterweise danach und was soll ich sagen? Ich hatte eine wundervolle Feier (von der leider wie letztes Jahr kaum Fotos existieren).

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Mein Geburtstagskuchen – jedes Jahr bekomme ich einen mit Kerzen und dem aktuellen Alter aus Smarties.

Am Donnerstagnachmittag habe ich dekoriert, Stühle, Tische und einen Feuerkorb an Ort und Stelle gerückt, abends stand ich dann 4 Stunden in der Küche, um zu backen und zu kochen. Der Spaß ging Freitagmorgen weiter und ich kam trotz penibelstem Zeitplan in Stress – wie eigentlich jeder, oder? Bitte sagt mir, dass ich nicht die Einzige bin, die kurz vor Ankunft der Gäste einen roten Kopf und schwitzige Hände bekommt, weil noch nicht alles da ist, wo es sein soll.

Die Feier an sich war dann jedenfalls wirklich großartig. Es war ein Fest der offenen Tür, sodass meine Freunde eintreffen und so lange bleiben konnten, wie sie wollten bzw es ihnen möglich war. Ich habe so viele Komplimente, Umarmungen, Lächeln und Fröhlichkeit geschenkt bekommen und war ganz gerührt, wie viele Menschen sich auf den weiten Weg zu mir gemacht hatten, um mir zu gratulieren und Zeit mit mir zu verbringen … inklusive einiger Überraschungsgäste!

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Überraschungsgast Tini und ich. Eine Prise Fröhlichkeit :)

Die Geschenke, die die Gäste mitbrachten, haben mich schlichtweg überwältigt. Unbeschreiblich, wie viele Gedanken, Mühe und Zeit in die Geschenke geflossen sind – ich habe einfach die besten Freunde der Welt. Mein Gabentisch bog sich buchstäblich nach unten, so überladen war er, und ich hab mich einfach so unglaublich bedacht und umsorgt gefühlt. Das Wetter hat auch mitgespielt und mir den ganzen Tag Sonne satt beschert – auch abends noch, sodass ich mein geliebtes Lagerfeuer anfachen konnte. Es geht doch nichts über Musik, Knabberkram, Stockbrot, Marshmallows und geräucherte Kleidung, während die Sonne langsam verschwindet. Es war perfekt (seufz). Auch meine Schwester hat sich der Lagerfeuergesellschaft noch angeschlossen, was mir sehr viel bedeutet hat.

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Meine Geschenke in Reih und Glied – und der Kater passt auf.

Aber nicht nur die Feier an sich war fabelhaft, sondern auch alle, die an mich gedacht haben. Ich habe nicht nur Besuch und Geschenke bekommen, sondern auch Anrufe und Post in jeglicher Form: Briefe, sms, Emails oder facebook-Nachrichten. Ich fand es wunderbar, am nächsten Tag auch noch Geburtstagsfeeling zu haben, während ich alle lieben Wünsche und Nachrichten gelesen habe. Unglaublich, wie viele Menschen auf der Welt sich um mich kümmern.

25 Jahre auf der Erde also – verrückt. Oder? Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass ich, was die Persönlichkeit betrifft, viel besser in meine Haut passe als bspw. vor 7 Jahren. Mit 18 hätte ich eine solche Feier weder gewuppt gekriegt noch genossen. Ich habe das Gefühl, ich bin viel mehr die Person, die ich wirklich sein will. Und das strahle ich auch aus, sodass mir oft meine eigene, lebhafte und neugierige Persönlichkeit aus den blitzenden Augen oder dem Lächeln meines Gegenübers entgegenblickt. Ich finde es schön, mich so wohlzufühlen, und hoffe, dass das keine Frage des jungen Alters ist, sondern dass ich das beibehalte, wenn ich zum Beispiel 75 werde.

Eine Freundin hat es in etwa so formuliert: “Ein Vierteljahrhundert geschafft – 3x noch das Ganze, dann hast du die 100 voll!” In diesem Sinne – auf die nächsten 25 Jahre … und dann wieder … und wieder … :)

Verliebt

Kennt ihr dieses verwirrende, magenumdrehende Gefühl, wenn man jemanden trifft, der ganz besonders scheint? Ich habe es vor ein paar Monaten gespürt und es sprang mich an wie ein Raubtier aus dem Gebüsch: unerwartet, heftig, angsteinflößend. Aber es war auch irgendwie schön. Ich konnte überhaupt nicht verstehen, was da los war. Wochenlang waren sie immer da, diese Gedanken und die Verwirrung: was soll das werden? Freundschaft? Ist das Verliebtsein? Ich kannte die Person nicht sonderlich gut, aber wenn ich sie gesehen habe, hat mein Herz angefangen, wie wild zu klopfen – ich war nicht außer Atem oder nervös wegen irgendetwas, ich hatte keinen Kreislaufkollaps oder Asthma. Nein, es lag schlicht und ergreifend an der Präsenz dieser einen Person – das Raubtier machte sich bereit zum Sprung.

Ich habe dauernd über die Person geredet – dau-ernd. Wie das eben so ist, wenn man jemanden toll findet und in ungefähr jedem Gespräch den Namen desjenigen erwähnen muss. XY hat dies gesagt, XY hat das so gemacht, XY meint … Puh. Wenn ich die Person gesehen habe und sie auf mich zukam, mich anlächelte … dann war alles gut, der Tag war gut, mir ging es gut. Alles war irgendwie anders plötzlich. Ich sah die Person ständig, hoffte, sie zu sehen, hoffte, sie nicht zu sehen – denn so gut, wie es manchmal war, so furchtbar war es an anderen Tagen – es verstärkte die Verwirrung und das Magenflimmern nur und ich wusste überhaupt nicht, wohin mit mir und was da eigentlich los ist. Unerklärlich. Merkwürdig.

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Das alles hat vor über einem halben Jahr begonnen und ich habe gerade meinem Tagebuch die jetzige Situation anvertraut: “Ich kann ganz schwer einschätzen, ob ich verliebt bin. Zumindest bin ich mir jetzt sicher, dass ich mir unsicher bin.” Ganz klarer Fall also. Aber für mich ergibt es Sinn. Ich habe die Person besser kennengelernt und denke immer noch oft an sie. Ich mag ihr Lachen und ihr offenes Gesicht und wie wir manchmal philosophieren. Ich konnte durch die Gespräche einen ruhigeren Standort gewinnen, quasi eine markierte Stelle im Sturm der Gefühle, von der aus ich mir alles Herumwirbelnde in Ruhe angucken und warten kann, bis ich die Gefühle und Gedanken gründlichst von allen Seiten betrachtet habe. Denn herumwirbeln tut da immer noch eine Menge. Aber nach dem gründlichen Betrachten kann ich immer noch entscheiden, was ich fühle und denke und (unternehmen) will.

Diese Erkenntnis tut gut. Und das Lächeln, das die Person mir ins Gesicht zaubert, das nehme ich einfach an. Ein bißchen Magie kann ja nicht schaden.

Heute vor 5 Jahren …

Ich kann es gar nicht glauben, dass es schon 5 Jahre her ist, dass ich meinen Rucksack gepackt habe und losgezogen bin zu einer Insel am anderen Ende der Welt. Ich hatte damals überhaupt keinen Schimmer von dieser Insel und was mich dort erwarten, was ich dort erleben würde … Wenn ich jetzt zurückgucke auf die Zeit dort, dann bin ich immer noch so unglaublich dankbar für all die Liebe und das Glück, die und das ich dort erfahren habe und für all die Menschen, die ich entlang des Wegs getroffen habe. Ich bin damals quasi nach Hause gereist, ohne es zu wissen. Ich habe in Neuseeland ein zu Hause gefunden, Menschen, die so ticken wie ich und einen Platz, an dem mein Herz gleichzeitig vor Aufregung laut und schnell schlägt und sich beruhigt zurücklehnt und ankommt. Es ist erstaunlich, wie sehr ich Neuseeland verfallen bin und was für einen riesigen Platz diese Insel am anderen Ende der Welt in meinem Herzen einnimmt. Ein Teil von mir wird immer dort unten sein und ich kann es nicht erwarten, endlich wieder “nach Hause” zurückzukehren. Zum Jahrestag möchte ich einige Aufnahmen mit euch teilen. Wenn ihr Fragen habt, stellt sie gerne, ich werde Rede und Antwort stehen. Wenn ihr euch mehr Bilder wünscht, bin ich mehr als bereit, euch noch zusätzliche hochzuladen. Aber jetzt erstmal: Vorhang auf!

Kei te aroha au ki a koe Aotearoa! <3

Aus dem Mund von … Angels and Airwaves

Ava

Ah, Angels and Airwaves, oder auch kurz “Ava” … ich weiß noch, wie ich damals in die CD-Abteilung von Kaufhof  ging, um mein Geld einfach mal auszugeben. Zufälligerweise griff ich nach “We Don’t Need To Whisper” – und so begann die kleine Lovestory. Tom DeLonge, der schon bei blink-182 Gitarre spielte und sang, ist Sänger dieser Band, die musikalisch ganz anders drauf ist als blink. Viel nachdenklicher, melodiöser und mit mehr Gehalt kommen die Songs daher und ich liebe es, sie einfach im Hintergrund laufen zu lassen. Ich verfolge nicht jeden Handschlag der Band, und bin so erst kürzlich auf das Video und Lied “Surrender” gestoßen. Ich bin begeistert und möchte zusätzlich zu meiner Lieblingsstelle auch das Video mit euch teilen – einfach so.

More beautiful than silence

Neulich mit Elena in den Straßen Hildesheims …

hildesheimcity

“Sprich nur, wenn das, was du gleich sagen wirst, schöner ist als die Stille.”

Zuhören ist genug

Das ist etwas, das ich in der Jugendarbeit oft erfahre – manchmal ist es gar nicht wichtig, tausend Ideen und Vorschläge und Kommentare parat zu haben, sondern viel eher, einfach da zu sein. Das klingt nach nicht viel, kann aber tausenderlei Gesichter haben. Eine Schulter verleihen. Offene Arme haben und massierende Finger wandern lassen. Eine Stirn zum Runzeln, einen Mund zum Seufzen, einen Rücken zum Lastenabnehmen anbieten. Aber eben still und teilnehmend. Denn oft ist es so, dass man dann beim Zuhören schon anfängt, über eine Erwiderung nachzudenken und dann hört man eben nicht mehr richtig zu. Ich selbst werde wütend, wenn meine Mutter mir gleich mit Ratschlägen kommt und womöglich noch versucht, mir die Perspektive und Gründe einer anderen Person aufzuzeigen. Ist mir doch schnurzpiepegal, ich kann mich da schon reinversetzen, aber was ich in diesem Moment brauche, ist dann einfach die Gewissheit: da ist jemand, der mir zuhört. Der sich die Zeit nimmt, mit mir zu sein. Den mein Teil, meine Sichtweise der Geschichte interessiert. Der nicht gleich alles gerade rücken will, sondern gemeinsam mit mir alles als anstrengend und überfordernd und auswegslos und bodenlos kacke findet. Mit dem ich motzen und schreien und weinen kann. Und dann ist es wieder gut, weil es raus ist.

Ich glaube wirklich, ohne abgedroschen klingen zu wollen, dass Zeit und Stille Geschenke sind, die wir alle maßlos unterschätzen. Beides ist so kostbar geworden, denn Orgakram und diese eine Email, aus der dann doch mindestens 5 werden, die Wäsche, der Rasen, die Überweisung, der Termin, das Auto, der Anruf, der Einkauf, facebook, twitter, aufräumen, … alles muss, will, soll erledigt werden.

Wo bleibt die Zeit zum Liebhaben?
Liebhaben sollte genauso auf unserer Liste stehen wie Kuscheln, Zuhören, Lächeln, Umarmen, Küssen, Streicheln, Massieren, in-den-Himmel-Schauen, Atmen, Schmecken. Manchmal muss man einfach aussteigen aus dem Karussell, das Drehen anhalten und die Jahrmarktmusik ausstellen. Sich auf das besinnen, was wirklich wichtig ist. Ich weiß noch nicht, ob die Stille immer schöner ist als Worte, aber ich möchte diesen Post abschließen mit einem Auszug aus Michael Endes “Momo” – er sagt so ziemlich alles aus, was ich über die Stille, das Zuhören und die Wichtigkeit von beidem denke. Ich finde diesen Ausschnitt sowie die ganze Geschichte einfach wundervoll.

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“Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war das Zuhören.

Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder.
Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur recht wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte – nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme.

Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm plötzlich Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose, unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden.

Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf denen es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte das alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.

So konnte Momo zuhören!”