IndieAir auf youtube … By your side

Hallo liebe Lebensmaler,

ich habe einen wundervollen Channel auf youtube gefunden, und zwar den „IndieAir„-Channel. Dort gibt es wundervolle, fröhliche, ruhige, aufmunternde, nachdenkliche Lieder zuhauf und ich kann gar nicht genug bekommen vom Stöbern! Es ist wie eine eigene kleine Welt auf youtube. Genial.

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Mein liebstes Lieblingslied, das ich bis jetzt gefunden habe, heißt „By your side“ von „The Runaway Club“. Für mich ist es ein Lied, das ziemlich simpel und schnörkellos ist, aber gleichzeitig vermag, große Gefühle auszudrücken und dieses überwältigende Gefühl von Liebe perfekt in der Musik zu verpacken. Einfach toll. Das möchte ich heute mit euch teilen und hoffe, dass ihr dort vielleicht auch fündig werdet. Ganz liebe Grüße an euch🙂

Aventuras Nuevas – Umgebung und zu Hause

Hallo liebe Lebensmaler,

ich habe es ganz am Anfang versäumt, euch zu erzählen, wo und wie ich eigentlich wohne. Das ist irgendwie untergegangen im Gefühlschaos und dann gab es so viel zu erzählen und ich wusste nicht so richtig, wo anfangen. Heute werde ich euch also endlich Bilder meines Zimmers, unseres Gebäudes und der Umgebung zeigen.

Entonces … Ich wohne in Cúcuta, das ist die sechstgrößte Stadt Kolumbiens und die Hauptstadt des departamentos „Norte de Santander“. Sie liegt im Nordosten Kolumbiens und direkt an der Grenze zu Venezuela. Die Stadt ist in mehrere barrios aufgeteilt, und ich lebe im barrio „La Riviera“, einem der reicheren Bezirke. Das Straßensystem habe ich halbwegs durchschaut, aber ich finde mich trotzdem nur dort zurecht, wo ich öfters langgehe oder wo es in der Nähe Orientierungspunkte gibt, die mir helfen, zu ahnen, in welche Richtung ich mich fortbewegen muss. Das geht aber anscheinend nicht nur mir so, sondern auch cucuteños, die sich außerhalb ihres barrios befinden.

Allgemein gibt es in Kolumbien ein Straßensystem, das vom spanischen System übernommen wurde und als sehr einfach gilt: es gibt calles (abgekürzt C oder Cl), die von von Osten nach Westen laufen, und carreras (abgekürzt Cra, Kra oder K), die von Norden nach Süden laufen. Die Nummern werden entsprechend höher, je weiter man sich nach Westen bzw. Süden bewegt. In Cúcuta werden carreras allerdings avenidas genannt und während in anderen Städten Kolumbiens die carreras mit der Nummer 1 beginnen, geht es hier mit der avenida cero los. Adressen sind anders aufgebaut als deutsche, und sie sagen einem Suchenden auch ganz genau, wo sich das Haus oder Gebäude befindet, das gesucht wird.

Ich werde euch mal meine Adresse geben (links) und dazu erklären, welches die einzelnen Bestandteile sind (rechts):

adresse

Was mich immer noch verwirrt, ist die #7-10 Komponente der Adressen. Genauer geht eine Ortsangabe hier eigentlich nicht, aber ich finde mich trotzdem schwer zurecht damit. Hier gibt es zum Beispiel auch keine bzw. kaum Straßenschilder, man muss sich ausschließlich an den Angaben an den Häusern orientieren. Obwohl es ein Postleitzahlensystem gibt, weiß niemand seine Postleitzahl, sie wird nicht benutzt. Was auch anders ist: hier haben die Gebäude Namen, warum, weiß ich auch noch nicht, weder Ángel noch meine Gastmama konnten mir das erklären. Unser Gebäude heißt „Caranday“, das ist eine südamerikanische Palmenart, und sie ist auf den Türen unseres Aufzugs abgebildet (s.u.), der uns in den 7. Stock in einen kleinen Vorflur fährt, von dem aus wir durch die riesige Eingangstür ins apartamento treten. Neben den Türen unten im Foyer hängt auch eine kleine Tafel, die erklärt, was es mit der namengebenden Palme auf sich hat – verstehe ich bloß leider nicht, weil es auf Spanisch geschrieben steht😉

El Edificio Caranday ist ein hohes und großes Gebäude, das schon etwas älter ist. Auf allen Ebenen sind zwei apartamentos, wir haben den 7. Stock für uns ganz alleine, ca. 400m² sind es wohl, meinte meine Gastmama. Ich finde die Straßenlaterne mit dem altmodischen Schild vor unseren Treppen total schön. Nachdem man die Stufen erklommen hat, wird von innen vom Portier der Türöffner betätigt und man steht im Foyer. Riesig, kühl und spartanisch eingerichtet, immer abgedunkelt durch die getönten Fensterfolien. Hinterm Rezeptionstresen warten wechselnde Portiers – einer kommt nur am Wochenende, die beiden anderen unter der Woche. Manchmal empfangen sie uns mit Post oder anderen Sendungen, fast immer aber mit einem Lächeln. Javier (keine Ahnung, ob ich den Namen richtig schreibe) besonders – er ist ziemlich toll, versucht oft, mit mir zu sprechen und ist total liebevoll zu Anja. Der andere unter-der-Woche-Portier war anfangs sehr reserviert, da es zwischen meiner Gastfamilie und ihm Unstimmigkeiten gegeben hatte. Ich habe beschlossen, so zu tun, als wisse ich nichts davon, und habe ihn immer freundlich gegrüßt, angelächelt und mit Anja zusammen angesprochen. Nach einer Weile wurde er weniger frostig und jetzt lächelt er mich immer an, hält uns die Tür persönlich auf und sagt auch ein paar Worte auf deutsch. Für mich ist es immer noch komisch, nicht einfach unbe(ob)achtet kommen und gehen zu können, wie es mir passt, sondern mich manchmal unter den Augen der Portiers so zu fühlen, als sei ich 15 und schleiche mich auf eine verbotene Party oder käme von einer solchen heim. Außerdem tut es mir so Leid, wenn ich mitten in der Nacht heimkomme und sie wecke – die Armen!

Auf der nordöstlichen Seite (wenn ich mich nicht irre) des Gebäudes liegt ein kleiner Platz, der von oben sehr grün aussieht, es von unten aber leider nicht ist. Der „Spielplatz“, den es an einer Ecke gibt, ist z.B. sehr kahl und scheint irgendwie aus einer anderen Zeit zu kommen. Schade ist das, denn sonst könnte ich mit Anja auch dorthin gehen, wenn wir mal nicht so viel Zeit haben. Trotz der Kahlheit gehe ich hier oft mit der Süßen, dem Hund der Familie, eine kleine Mittags-oder Abendrunde, ansonsten beobachte ich gerne vom Balkon aus die Basketballspieler/innen auf dem kleinen Feld an einer Seite des Platzes, genieße die Aussicht oder bestaune das tolle Muster des Platzes. Oft sitzen hier kleine Grüppchen von Menschen, die sich einfach unterhalten, ein bißchen vorglühen, Pärchen, die in einander verschlungen sind, Hundebesitzer, die mit ihren Schützlingen eine Runde drehen, Menschen, die auf den Mauern im Schatten der Bäume ihre siesta halten … es gibt eigentlich immer was zu gucken.

Wobei man auch immer gucken und die Augen offen halten sollte, sind einfache Spaziergänge. Einfahrten, Schrägen und der „ebene“ Bürgersteig sind einfach irgendwie aneinander gebaut, sodass man schon fast Wanderschuhe braucht, um sich nicht die Knöchel zu verknicken. Fragt mich nicht, wie die Kolumbianerinnen das auf ihren Highheels meistern. Außerdem ragen aus dem Boden gerne mal irgendwelche Haken, in denen man hängen bleibt, stürzt und sich an der Schulter verletzt (ja, es tat weh!). Die Bürgersteige sind hier auch anders als in Deutschland: erstens sind sie oft mit sehr glatten Fliesen gefliest, sodass man bei Regen oder Wischwasser schneller auf dem Rücken zappelt wie ein Käfer, als man gucken kann. Und zweitens: Wischwasser? Ja, Wischwasser. Hier werden mindestens 2x die Woche die Bürgersteige erst gefegt und dann gewischt. Mir erschließt sich der Sinn dieser Aktion nicht so ganz, da sich der Dreck aufgrund des ständigen Windes eh so schnell verteilt und dann auf nassem Umtergund doch noch eher haften bleibt! Warum also Zeit und andere Ressourcen verschwenden? Gerade im Hinblick auf die Tatsache, dass die meisten Menschen hier ihren Müll dort fallen lassen, wo sie gerade damit fertig werden. Andere Länder, andere Sitten. Die Straßen sind auch oft ziemlich löcherig und schwer zu navigieren, da gefahren wird, wo gerade Platz ist und man sich nie sicher sein kann, aus welcher Richtung gleich das nächste Auto hupend angerast kommt, um einen die Zehen abzufahren. Der Kante zwischen Bürgersteig und Straße ist oft auch richtig hoch, sodass es sehr schwierig ist, mit dem Kinderwagen hoch und runter zu gelangen. So langsam gewöhne ich mich und weiß, wo ich gut langgehen kann, wer mir Platz macht und wo ich aufpassen muss.

Wenn ich dann also alle Unebenheiten, Gefahren und glitschigen Untergründe erfolgreich gemeistert habe, durch das Foyer geschritten und in den 7. Stock gefahren bin, trete ich durch unsere breite, braune Wohnungstür in den Eingangs-/Wohnbereich, ziehe meine Schuhe aus und gehe durch den langen Flur in mein Zimmer. Auf dem Bild vom Gebäude (s.o.) ist das Fenster an der Ecke, die zu uns zeigt, meins. Von der Wohnung werde ich euch keine Fotos schicken, um die Privatsphäre der Familie zu achten, aber mein Zimmer, meinen Lieblingsplatz und natürlich den Ausblick werde ich mit euch teilen. Mein Zimmer besteht aus dem Schlafzimmer und ist verbunden mit einem Ankleideraum, durch den ich ins angeschlossene Bad komme. Das Zimmer wirkt erstmal ziemlich groß und weiß, ist aber auch sehr hell, da eine Seite zu ¾ aus Fenster besteht. Ich arbeite noch daran, dass es sich heimeliger anfühlt, aber es ist bereits besser geworden als am Anfang. Wie schon in Australien oder zu Hause in bspw. meiner Küche habe ich als erstes Zitate gestaltet und angebracht. Die wichtigsten hängen an meinem Bett und sprechen mir oft Mut zu. Auch um meinen Schreibtisch herum habe ich motivierende Sprüche platziert und ich liebe es, sie anzusehen und durchzulesen. Meine sehr dezimierte Schmuckkollektion habe ich mit Bügeln aufgehängt, da ich hier nichts an die Wand anbringen kann, dass etwas mehr Gewicht trägt. Das hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, die Postkarten, die Tonnen von Freundschaft und Liebe zu mir getragen haben, aufzuhängen. In der braunen Tüte hat Ángel mir eine Süßigkeit mitgebracht hat – und das hat mich so gefreut, dass sie ebenfalls einen Platz an meiner Postkartenwand bekommen hat. In und auf den Kommoden befinden sich Krimskrams, Dokumente und meine Bücher – viel zu wenig noch, aber darum kümmere ich mich in Zukunft.

Es hat eine ziemliche Weile gedauert, bis ich meinen Schreibtisch bekommen habe, aber seit er da ist, bin ich glücklich. Ich sitze jeden Tag hier und schreibe etwas, bereite etwas für die Deutschstunden mit Ángel vor oder mache meine Spanischhausaufgaben. Ich finde, der Tisch ist einfach zu klein für alles, was ich brauche, und darum habe ich mir mit der Erlaubnis meiner Gastmama einen Tisch danebengestellt, auf dem ich verschiedene Sachen, die ich nicht ständig brauche, aber doch griffbereit haben muss, lagere. Wie schon erwähnt, hängen in meinem Blickfeld auch hier ganz viele verschiedenen Zitate oder Motivationssprüche. Wöchentlich kommen mehrere hinzu. Außerdem hängen hier auch zwei Karten, die ich von zu Hause mitgebracht habe: eine von Vera (die hing auch schon in meinem Flur) und eine, die ich sowohl von meinen Kollegen im Kindergarten als auch von meinem Kollegen in der Kinder-und Jugendhilfe zum Abschied bekommen habe. Ich liebe den Spruch total und dass beide Teams diese Karte unabhängig voneinander für mich ausgewählt haben, machte und macht mich immer noch sehr glücklich.

Wenn ich durch die Tür neben dem Schreibtisch gehe, stehe ich schon einem kleinen Schrank-Viereck. So viel Schrank könnte ich in meinem ganzen Leben nicht füllen, bilde ich mir gerne ein, und auch jetzt nutze ich nur ein paar Regelbretter und Bügel. Viel neues ist auch noch nicht hinzugekommen, da es hier in Kolumbien unglaublich schwierig ist, etwas zu finden, dass mir passt und gefällt. Jedenfalls geht’s von diesem Schrank weiter ins Badezimmer, das direkt hinter der Wand an meinem Schreibtisch liegt. Ich liebe diesen altmodischen Waschbeckenschrank und den großen Spiegel – auch hier hängt die kleine Karte, die mir schon in Deutschland morgens vorm Spiegel Mut zugesprochen hat. „Keine Panik, das wird schon“, quakt mir eine Ente entgegen, der das Wasser im wahrsten Sinne bis zum Hals steht. Ansonsten ist mein Bad mit einer Duschbadewanne, einer Toilette und einem Bidet ausgestattet. Manchmal fühlt es sich alles an wie ein Hotelzimmer … aber ich tue mein Bestes, um meine persönliche Note im Raum zu verteilen.

Und dann ist da noch der Ausblick. Es ist ziemlich schön, was ich so sehe. Wir haben fast einen Rundum-Blick und wenn morgens um 4 Uhr die Sonne aufgeht, ist das wie ein magischer Moment. Der Himmel ist verlaufene Wasserfarbe und die Stadt sieht so friedlich aus unter der noch dunklen Decke, die die Nacht über sie geworfen hat. Das zweite Foto ist eins meiner Lieblingsfotos, weil ich es als so friedlich und heimelig emfpinde, wie sich die Bäume und die Häuser ihren Platz teilen, wie sich die Häuser zwischen die Bäume zu kuscheln scheinen und die Bäume ihre Äste ausstrecken. Wenn ich morgens aufwache, dann kann ich an schon am Licht der Sonne erkennen, ob es ein heißer Tag wird oder nicht – ich finde es schön, wie die Strahlen über den Rand der Berge in die Stadt fließen. Tagsüber leuchten dann die Farben so richtig intensiv, und nachmittags scheint alles von einem Filter überzogen zu sein: es wirkt alles warm und golden und weicher. Vom Balkon aus kann man im Hintergrund schon die Teile der Berge erkennen, die zu Venezuela gehören. So dicht dran sind wir. Auf dem Balkon sitze ich unglaublich gerne, ich habe dort einen kleinen Lieblingsplatz, von dem aus ich die Sonne, den Himmel und die Umgebung beobachte. Ich esse dort oft mein Frühstück und mag es, den Tag „für mich“ zu beginnen. Nachts oder abends sitze ich gerne auf dem Bett am Fenster, das ich meist nur als Ablage oder Sofaplatz nutze, und schaue mir die Lichter der Stadt an, lausche der Musik, die aus verschiedenen Richtungen an mein Ohr dringt und lasse mir den kühlen Wind um die Ohren wehen. Ich finde, die Lichter in der Ferne haben etwas magisches, so als seien Hügel extra festlich mit Lichterketten geschmückt worden, jede Nacht auf’s Neue. Oft wird auch der Himmel von Mutter Natur festlich beleuchtet: Wetterleuchten ist keine Seltenheit hier und ich finde es spannend, die aufblitzenden Lichter anzusehen.


Das war es dieses Mal, ich hoffe, ihr habt einen besseren Eindruck bekommen von dem, was mich hier umgibt und könnt euch etwas mehr vorstellen, wie die Umgebung draußen so aussieht. Ich freue mich immer noch über Fragen zu meinem Leben, zu Land und Leuten, höre gerne eure Meinungen und Vorschläge für neue Posts nehme ich auch gerne an. Es bedeutet mir viel, das ihr mitlest und so auch dabei seid.

Verzeiht, wenn ich etwas unregelmäßig und durcheinander poste, aber es geht drunter und drüber und es ist gerade sehr viel (und leider nicht nur Schönes) zu organisieren und zu entscheiden. Ich versuche trotzdem, euch teilhaben zu lassen, an diesem verrückten Leben.

Un abrazo grande! x

Aus dem Mund von … Julia Engelmann

Ich bin ein großer Fan von Julia Engelmann, ich liebe ihre träumerischen und gleichzeitig wachrüttelnden, erschütternden und tiefgründigen, tröstenden und ermutigenden Texte. Wie sie mit Worten spielt und sie aneinanderreiht, vergleicht, gegenüberstellt und auseinandernimmt, finde ich großartig. Wer sie nicht kennt, dem rate ich dringend, sie bei youtube zu suchen – sie ist wirklich, wirklich toll. Eine Poetry-Slammerin aus Bremen, die in Berlin studiert und herzberührende Texte schreibt. Ich habe schon mal hier auf dem Blog von ihr berichtet: hier könnt ihr etwas von der „Bestandsaufnahme“ lesen, und hier lest ihr etwas über „Eines Tages Baby“. Beides wahnsinnig gute Slams.

Wie sie ihre Texte vorträgt, hat auch nochmal eine ganz besondere Wirkung auf die Worte. Eins meiner Lieblingsgedichte von ihr heißt „Stille Wasser sind attraktiv“. Es gibt zwei verschiedene Videos dafür und ich finde beide berührend und sehr gut gelungen.

Der Grund, warum ich gerade jetzt und gerade hier daran denke … Gestern hatte ich ein wundervolles Treffen mit Ángel, das ganz viel mit mir und meinen Gedanken und meinem Herzen gemacht hat. Ich hab mich besonders gefühlt, und stolz, und planlos, und alles  war überhaupt ein wenig durcheinander. Ich konnte das alles nicht ordnen, und dann hat eine Zeile aus eben diesem Slam ziemlich genau beschrieben, was ich gestern gefühlt habe. Ich finde sie wunderwunderwunderbar. Es sind so einfache Worte und Sätze, die aber eine Kraft haben und spenden, die unglaublich und überraschend ist. Schlichte Worte, die große Gefühle perfekt beschreiben. Das mag ich, und darum mag ich Julia Engelmann.❤

juliaengelmann

 

Aventuras Nuevas – Cita con el doctor

Hallo ihr Lieben,

ich werde euch heute davon berichten, wie mein erster Besuch bei einem kolumbianischen Arzt war. Vor 3 Wochen bin ich gestolpert und hab mich blöd an der Schulter verletzt. Wir haben zu Hause erste Hilfe geleistet und erstmal gewartet, ob das reicht, aber es wurde nicht besser. Also hat Renata mir mit Hilfe ihrer Kontakte einen Arzt gesucht, der Englisch spricht. Ich wollte das gerne alleine schaffen, zum einen, weil mir das Selbstvertrauen gibt, auch mal schwierigere Dinge alleine zu schaffen, und zum anderen, weil ich nicht immer abhängig von der Familie sein möchte. Renata hat mir alles erklärt: was ich sagen muss, was sie mich fragen könnten, wie viel es kostet, welche Unterlagen ich mitnehmen muss, wie der Ablauf ist usw. Außerdem hat sie mit dem Arzt selbst gesprochen und direkt vor meinem Termin auch nochmal angerufen und wiederholt, wer ich bin, dass ich nur wenig Spanisch spreche und im Prinzip doppelt und dreifach abgecheckt, dass der auch wirklich englisch spricht und nicht nur so tut. Total klasse. Ich wurde losgeschickt mit den Worten: „Und wenn was ist, ruf an!“

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Ein Straßenplan meiner Nachbarschaft in Cúcuta

Eigentlich war geplant, dass ich alleine dorthin gehe, aber da es an dem Tag sehr heiß war und das Straßensystem in Cúcuta sehr, sehr kompliziert ist (selbst für Cúcuteños, die Einwohner Cúcutas), hat Renzo angeboten, mich zu fahren. Das war letztendlich auch gut, denn ich hätte mich, glaube ich, verlaufen in dem System aus Calles und Avenidas und den ganzen Nummern … Dort, wo das kleine rote Dreieck ist, wohne ich. Und irgendwo außerhalb des linken Bildrandes liegt die Praxis … glaube ich. Ich finde es nicht mal auf googlemaps … muy complicado. Renzo hat mich vor dem Haus, in dem die Praxis untergebracht ist, abgesetzt und ich habe mich durch das Haus zum Arzt navigiert. Durch die Praxistür kam ich in ein kleines, vollbesetztes Wartezimmer samt TV und einem kleinen Rezeptionstresen. Alles sah eher unorganisert aus, nicht so wie in deutschen Arztpraxen. Die Sprechstundenhilfe hat mich auch nicht sehr freundlich angeschaut, als ich sagte: „Buenas tardes, tengo una cita a las 2 con doctor Páez.“ – „Hoy?“  – „Sí, a las dos. Mi nombre es Katharina.“  „Natürlich heute“, dachte ich so, „sonst wäre ich ja an einem anderen Tag gekommen.“ … Eine Tür öffnete sich und eine weitere Sprechstundenhilfe wollte meinen Pass sehen und sagte dann: „Son doscientos mil pesos, por favor.“  Ich reichte ihr 200.000 COP – umgerechnet sind das in etwa 70€. Ich wurde durchgewunken durch die Tür, durch die sie vorher erschienen ist und sie zeigte auf einen langen Gang – den sollte ich hinuntergehen und mich auf die Bank setzen. Der Arzt würde mich aufrufen.

Dieses „Wartezimmer“ war quasi ein Freiluftwartezimmer, sehr angenehm, da der Wind durch die Gitter wehte und der Hitze ein wenig die Stärke nahm. Ich wartete vielleicht 10 Minuten und wurde dann zum Arzt hineingerufen. Er begrüßte mich gleich mit „Good afternoon, how are you?“ und ich war so dermaßen erleichtert. Er hatte einen Akzent, an den ich mich erst gewöhnen musste, aber nach ein paar Minuten ging es super. Er wirkte sehr vertrauenswürdig und nahm sich ganz viel Zeit für mich. Er erklärte mir alles an Bildern an der Wand und war ganz entsetzt, dass ich schon so lange Schmerzmittel nehme für meinen Steiß. „No, you can’t do that. We’ll find out what it is and make it go away.“ Also ehrlich, das fand ich so lieb🙂 Er meinte, er würde mir eine Überweisung für je 1 MRT schreiben (hier in Kolumbien RMN – resonancia magnética nuclear oder auch einfach kurz „resonancia“), erklärte mir das Prozedere und dass wir die Ergebnisse in einem zweiten (nicht mehr kostenpflichtigen) Termin besprechen würden.

Als ich die Überweisung und die Rechnung/Quittung bekam, musste ich ihm und seiner Sprechstundenhilfe erklären, wie unser deutsches Namenssystem funktioniert. Hier (sowie in vielen weiteren spanischsprachigen Ländern auch, denke ich) haben die Menschen zwei Vornamen und zwei Nachnamen. Benutzt wird meist der erste Vorname und der erste Nachname. Ich habe aber nun drei Vornamen und einen Nachnamen – das bringt die armen Kolumbianer total durcheinander, und obwohl es im Pass und auf meinem Ausweis deutlich untergliedert ist und ich es auch immer wieder erkläre, erscheint regelmäßig mein dritter Vorname als mein Nachname. Prinzipiell stört es mich nicht, aber für offizielle Dokumente ist es schon sicherer, alles ordentlich aufgereiht zu haben, damit es keine Probleme mit der Versicherung gibt. Das Vor-/Nachnamenphänomen kann ich auch schon sehr gut auf Spanisch erklären!🙂

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Irgendwie á la Pippi Langstrumpf😉

Nachdem wir das geklärt hatten und während alles nochmal richtig aufgeschrieben wurde, fragte mich der nette Arzt noch, wie es mir hier gefiele usw. und wollte dann wissen, ob ich Deutschunterricht geben würde – ich verneinte, weil ich ja alles in Spanisch erklären müsste und das nicht könnte. Es stellte sich heraus, dass er fragte, weil seine Tochter sehr gerne Deutsch lernen würde und perfekt Englisch spräche – ich könnte es mir ja überlegen. Wir tauschten schon mal Telefonnummern und verabredeten, beim nächsten Termin nochmal miteinander darüber zu sprechen.

 Ich sollte mir eigentlich ein Taxi zurück nehmen, aber ich habe beschlossen, zu laufen. Taxis sind hier nicht teuer, die Fahrt hätte wahrscheinlich nicht mal 2€ gekostet, aber ich hatte ja keinen Zeitdruck und bin der Meinung, dass man sich besser zurechtfindet, wenn man auch bzw. gerade komplizierte Wege selber abschreitet. Ich bin einfach in die Richtung gegangen, in der ich das Einkaufszentrum vermutet habe, und war sehr erleichtert, als es vor mir erschien – geschafft! Diesen tollen eingepackten Baum habe ich auf dem Rückweg gefunden – ziemlich cool🙂

Eine der Kliniken, in der ich die MRTs machen konnte, liegt praktischerweise direkt gegenüber des Spielplatzes, auf dem wir immer sind, und Renata hat am Nachmittag für mich einen Termin für den nächsten Tag (Dienstag) gemacht. Abends haben wir uns zusammengesetzt und Renata ist mit mir Schritt für Schritt durchgegangen, was passieren wird. Das habe ich mir alles aufgeschrieben, auch, was ich sagen muss, und „die Liste“ war quasi mein Plan durch das Labyrinth der kolumbianischen Klinikwelt.

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In der Clinica Santa Ana wurden die resonancias gemacht.

Ich habe eingepackt: meinen Pass, meine Überweisung vom Arzt, meinen Terminzettel, meine Kreditkarte und zur Sicherheit auch noch den zu zahlenden Betrag in Pesos – und natürlich die Liste. Am Eingang der Klinik musste ich einem Sicherheitsbeamten erklären, warum ich da war: „Tengo una cita para resonancias.“ Er nickte und wies mir den Weg durch eine Glastür zur Rezeption. Dort angekommen, erklärte ich mein Anliegen nochmals und reichte den receptionistas den Terminzettel. Sie wollten meinen Pass sehen und die Überweisung des Arztes. Ich sagte, ich würde das Original für mich brauchen – „Necesito el original para mí.“ – und sie machten eine Kopie. So weit, so gut – und dann reichten sie mir einen Zettel zum Ausfüllen. Ich wurde nervös. Das stand nicht auf der Liste! Zum Glück musste ich in Deutschland auch schon mal in die Röhre, daher konnte ich mir ca. denken, was sie wissen wollten, habe aber trotzdem nochmal alles mit den Sprechstundenhilfen geklärt – bis diese allerdings auf die Idee kamen, google translator zu Hilfe zu nehmen, verging ein bißchen Zeit … Nachdem alles ausgefüllt war, bekam ich eine Quittung und musste zur caja – wo ich 775.000 COP bezahlen würde, 350.000 COP für die Schulter und 425.000 COP für den Steiß – uiuiui! Das sind ca. 235€ und fast so viel, wie ich in einem Monat verdiene. Ich habe beschlossen, das mit meiner Notfallkreditkarte zu bezahlen, auch wenn die Familie mir versichert hat, sie würden mir Geld vorstrecken.

Die Kassenfrau (Kasse=caja) war furchtbar – sie saß in einem Glaskasten und nuschelte mir alles durch einen dünnen Schlitz in der Glasscheibe zu – wie sollte ich sie nur verstehen?! Ich war so frustriert, als sie nicht zu kapieren schien, dass ich sie nicht verstand, dass ich ein bißchen auf deutsch herumschimpfte. Besser wurde es dadurch nicht, aber ich hab mich zumindest etwas besser gefühlt. Es war so gut, dass ich die Liste hatte. Renata hatte erklärt, dass sie mich fragen würden, ob es eine „credito“- oder eine „debito“-Karte wäre und was ich antworten müsste. Hier in Kolumbien ist es wohl außerdem üblich, dass in mehreren Raten bezahlt wird – also mehreren „quotas“. Auf die Frage „Cuantas quotas?“ müsste ich allerdings unbedingt mit „Una quota, por favor.“ antworten, sagte sie, weil es sonst nicht klappen würde mit der Bezahlung. Ein Glück, dass ich das vorher wusste, sonst wäre ich vermutlich ausgerastet an der caja.

Nachdem das geschafft war, ging ich zurück zur Rezeption und wurde durch einen langen Gang in den Wartebereich des MRTs geschickt, wo ich 1,5 Stunden wartete. Dann erklärte mir der Arzt dort, ich müsste mich ausziehen – kurzer Moment der Peinlichkeit, als er erwähnte, ich müsste den BH ausziehen, könnte aber die Unterhose anlassen – und ich verschwand im kleinen Bad, um mich in ein schickes, blaues Gewand zu hüllen. Es mag kittelvielleicht blöd klingen, aber das dieses Ding relativ ordentlich an mir aussah, gab mir irgendwie etwas Selbstvertrauen zurück. Ich wurde dann zum Gerät geführt und der Arzt unterhielt sich sehr freundlich mit mir – er fragte, woher ich käme, was ich hier machen würde, wie alt ich sei … Alltagsdinge eben, und dass ich antworten konnte, tat mir gut, es gab mir das Gefühl von Normalität. Er erzählte mir auch von einem Besuch in den USA und er sagte: “ … y no entendí nada! Inglés es muy complicado!“ Obwohl er Englisch also nicht verstanden hatte und für sehr kompliziert hielt, warf er immer mal wieder ein paar Worte ein und brachte mich zum Lachen. Er zog mir liebevoll blaue Puschen an die nackten Füße und half mir fürsorglich, mich hinzulegen. Bevor er mich zum zweiten Mal in die Röhre schieben musste, wollte er wissen, ob mir zu kalt sei, er könne mir gerne noch eine zweite Lage Kleidung organisieren. „No, todo bien, muchas gracias!“  Als auch der zweite Durchgang geschafft war, half er mir wieder auf, ich zog mich an und er bestätigte nochmals, dass ich auch eine CD von den Ergebnissen haben wollte: „Necesita un CD, verdad?“ Bevor er sich auf Englisch (!!) verabschiedete, sagte er mir, ich könnte die resultados am Freitagnachmittag ab 16h abholen.

Wundervoll. Das habe ich auch gemacht – erst durfte ich allerdings nicht in die Klinik, weil ich Anja dabeihatte. Versteh das einer, ich musste ja nur zur Rezeption! Als ich dann endlich drin war (ohne Anja), schien es eine schwere Aufgabe zu sein, meinen Namen in eine Liste einzutragen, und als es dann nach 10 Minuten endlich geschafft war, musste ich erneut das mit dem Vor-/Nachnamen erklären, weil es sowohl auf der Tasche mit den Ergebnissen als auch auf der Liste, die ich unterschreiben musste, falsch stand … Man man man. SO schwierig finde ich es es nun auch wieder nicht … Ich habe dem Arzt von Dienstag dann noch ein kleines Geschenk vorbeigebracht, weil ich es so toll von ihm fand, dass er sich so um mich gekümmert hatte. Er hat sich total gefreut und auf Englisch bedankt🙂 Ich hatte ihm Ferrero Rocher gekauft (hier etwas richtig Feines) und eine kleine Notiz dazugeschrieben: „Gracias por su paciencia y por tener la amabilidad de ayudarme a comprender todo.“

Jetzt liegen die Bilder hier bei mir und übermorgen muss ich erneut zu Doktor Páez, um die Ergebnisse zu besprechen. Mal sehen, was dabei herauskommt. Ich bin auf jeden Fall stolz, dass ich das geschafft habe und auch größtenteils alleine (und natürlich mit Hilfe der Liste). Das fühlt sich gut an – Dinge, die ich zu Hause alleine schaffe, auch hier zu schaffen – gerade dann, wenn sie ein bißchen schwieriger sind.

In diesem Sinne werde ich den Post abschließen mit einem Zitat, das ich gestern auf facebook gefunden habe. Es geht um’s Fitnesstraining, denke ich, finde aber, man kann die Worte genauso gut auf den Alltag und die kleinen Schwierigkeiten in diesem beziehen …

Un abrazo grande! x

Aventuras Nuevas – Why I Sometimes Hate It Here – Stuff I Need To Get Off My Chest

First of all I need to tell you how grateful I am for the ’save and edit later‘ function on here because if I had posted right away what poured out of my poor heart and soul yesterday night – or actually last morning at 1am – this post would have been quite disturbing for some of you.

After an average day of a few good and a few bad moments it all came tumbling down around midnight. Right after waking up in the morning I had to deal with a text from home which unfolded into an argument and in the course of the day into something huge and time consuming. This had me start my day off with a heart beating an uncomfortable rhythm of anger and frustration.

Later in the morning a woman came around to visit (she was someone who knew someone who knew someone of my hostmum’s family) and while she greeted me with the obligatory kiss on the cheek and „Hola, cómo está?“, in the course of the conversation with my hostmum she kept talking about me right in front of me. I was there to listen to her talk about me. The fact that she did it and the way she did it made me feel inferior and invisible.

In the park when Anja and I wanted to enjoy our drumming session on the blue plastic chairs the owner of the kiosk there had the nerve to approach us and take Anja down from the chair without my permisson and tell me in Spanish why he thought it was a bad idea to put her there. I was RIGHT THERE in front of her and he thought she wasn’t safe and I was doing the wrong thing. I felt so indignant and thrown off my guard – but at the same time I felt speechless.

I had noticed that I felt more tense with the girl for a couple of days and couldn’t tolerate as well as before some things she did. I felt really stressed for reasons I couldn’t put my finger on, which stressed me even more. I tried to push it away and shrug it off. Until last night when I suppose my guard was down and I was tired and I had felt emotional all day. Everything had been building up inside of me and suddenly all these intense feelings that I hadn’t allowed myself to feel before washed over me and I couldn’t breath and there was no other thing I could do than burst into tears. I couldn’t hold in any longer and I burst into tears because… sometimes I hate it here.

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That process of bursting into tears started with Ángel suggesting that we start speaking more Spanish when we text so I could practice. He said I was in a comfort zone with the mum speaking German and him speaking English. I never speak Spanish in front of him, just about „class things“, and even that I dislike. I couldn’t figure out exactly why but at his suggestion last night, everything in me screamed „No, please, not you, too!“
There are a couple of other people that I text with who can speak only Spanish. Everytime I receive a text from them I feel like I’ve just been given a huge task. I need to look up every second word to understand what they say, and then I have to think about what I want to reply, and then think about how I can say that in Spanish in a non-complicated way and then I need to look up verb forms and words and hope I get the meaning right and put everything in the right order when I compose my sentence. It’s work, it’s bloody hard work, and I still can’t say exactly what I want and feel. Also I still make mistakes after putting so much effort into my answer. It’s so frustrating and it feels like I’m on a test, not like I’m chatting with a friend. It makes me feel really awful and lonely.

However, with Ángel I’m really comfortable and he’s become a close friend, considering what I told him about me in the amount of time we’ve known each other. I trust him like I trust my friends at home and we joke easily, like friends who have known each other for a long time do. He has more of an idea of my personality than anyone else here seeing that I can be more of myself with him than with any other person. Because he’s a friend, not an employer or outstander or shop assistant or whatever. Sometimes he’s my teacher (and I’m his) but most of all we’re friends.

So when he suggested speaking more Spanish, I felt my friend turn into a teacher in our „spare time“, too, and I don’t want any more pressure on me, having to speak Spanish. By starting to watch my language, too, like everyone else constantly does, he will take away something from me that I need more than learning a bit of Spanish grammar or words. It’s hard enough not being me during the day when I have to deal with people who don’t understand me (language and personality wise) and when I can’t express my feelings in a proper fashion, so when I talk to a friend I want to do it without having to think about every word in every sentence. Also there is a difference in conveying feelings – in Spanish I write bare sentences without (my real) feelings most of the time. In English I know how to express annoyance or anger, joy or interest, zest or excitement. I know how to be caring and helpful, cheesy and sneaky and funny and witty. I Spanish I don’t and therefor I am not any of these things.

So his offer (even though coming from a good place) pushed me over the edge of the emotional cliff I’d been balancing on all day. Because I am definitely not in a comfort zone. The mum is an employer, even though we get on really well. It’s still different to chatting with a friend though. The people I speak to daily are not friends. They don’t get me and collectively, they make me feel horrible and stupid and hate the language and the idea of coming here and they make me miss my friends so badly and also they make me want to go home. So after pouring my heart out to poor Ángel (bless him, he dealt with me really well) and saying goodnight I kept crying it all out and then I felt like writing it all out, too. So, at 1am, I sat in front of my computer, the light of which was blinding my swollen panda eyes (yes, I forgot to take off my make up … and yes, you are allowed to laugh at this image of me squinting my eyes like a granny panda), sniffing occasionally and putting on paper (well, screen really) everything that I couldn’t and didn’t want to hold inside.

So, if you are interested in how I felt at the dead of night yesterday, you are most welcome to read on (the italic part at the end of the post). Bear in mind that these are unreflected thoughts of the tired, emotional, annoyed and lonely part of my being. Today I have still been very emotional and a bit quite embarrassed by my outburst with Ángel, but I had time to reflect on what I’m feeling and why I’m feeling it and everything you’ve read up to here is the result of my thinking. So if you’d rather not read on and spoil the impression it’s fine as well.

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Thank you for bearing with me on this (emotional) rollercoaster that is my life at the moment. I’m still adjusting to everything here and it’s tough – though according to Ángel I’m too Colombian already a veces. Well, I don’t know about that …

Un abrazo grande! xx

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I sometimes hate being here because I don’t have any friends. I cannot be myself because I’m lacking the language. I feel like there are people looking down on me and think that I am stupid just because I can’t understand them or voice my opinion. They think I don’t have an opinion when all I’m actually missing are the words to voice it. I hate it that I can’t buy myself clothes that fit. I hate being dependent on other people to tell me things or drive me somewhere or to deal with stuff I’d be able to deal with on my own at home. People think I’m inferior because I look different and can’t speak their language, so they think it’s okay to speak about me while I’m right in front of them. They think it’s okay to point their fingers at me or stare at me like I’m an object in a museum. They think it’s okay to want to take pictures of me with their kids because I’m obviously a rarity. And they think it’s okay to take pictures of me without my consent because I can’t object in their language. They think it’s okay to call me names and they also think it’s okay to stare at me like I’m a piece of something on a market table they can choose and take home. And you know what? They also think I am not responsible and taking care properly. They think because I’m doing it differently from the way they do it I’m not responsible and caring and loving and basically not doing it right. And it hurts. What these people keep forgetting is that I am a person with feelings and perception like anyone else. I may not completely get every single word they say but I get what they say about me when they think I don’t. I hear them talking about me and I see them looking my way and whispering to their friends and pointing their fingers at me. I feel their disapproving stares behind my back when they think I can’t see and I hate it when they come over to me and tell me what to do in a voice like I’m stupid and not capable of doing anything. I hate it when they snigger with their friends and colleagues behind my back and exchange glances like I can’t see that. These people make me hate being here and hate the language and regret the idea of coming here and want to go home. And I’m not in a comfort zone. At all. It may look like I am but I am not. I don’t have friends here and I’m missing them. I miss talking about big and small things that move our worlds and that we can share, and meeting to go for a walk and being able to stay home because I want to, not because I don’t have anywhere else to go. I miss being able to just trust someone. I hate the time difference because when I get up my friends’ days are halfway done and it feels like I can’t share anything with them … or anyone. I hate it because I feel lonely and misunderstood.

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Aventuras Nuevas – Das Land der 1000 Möglichkeiten

Hallo liebe Lebensmaler,

ich hatte ja erwähnt, dass mir hier viel hinterhergeschaut und -gerufen wird und wie unangenehm mir diese Aufmerksamkeit war. An der Aufmerksamkeit hat sich nichts geändert, an mir allerdings schon ein bißchen – oder vielleicht eher in mir. Ich hatte mehr Zeit, darüber nachzudenken und gehe jetzt ganz anders mit der Aufmerksamkeit um.

Unangenehm war mir die Aufmerksamkeit vor allem, weil ich nicht wusste, wie ichspotlight angemessen mit ihr umgehen kann – ist das etwas Positives, was mir nachgerufen wird? Sollte ich lächeln und nicken oder lieber die Stirn krausziehen und den Kopf schütteln? Dass ich nicht wusste, wie ich reagieren sollte, war für mich auch deshalb unangenehm, weil ich fürchtete, dass alle Welt nun erahnen würde, dass ich kaum bzw. nicht sehr gut Spanisch spreche. Für mich ist es immer unerfreulich, wenn etwas beleuchtet und präsentiert wird, was mir selbst nicht so gut gefällt. Und da ich wegen meines Aussehens hier eh schon auf dem Präsentierteller im Scheinwerferlicht stehe, wollte ich vermeiden, dass auch noch „ans Licht kommt“, dass ich kein/kaum Spanisch spreche.

Ich habe mit Vera, mit Ángel und mit ein paar anderen Freunden über diese Aufmerksamkeit und die Gefühle gesprochen, die ausgelöst werden, wenn ich angestarrt werde – das tat unglaublich gut, denn sie waren sich unabhängig voneinander alle total einig. Ihr gemeinsames Verdikt war: „Die Leute sind interessiert an dir. Du bist neu und anders und ungewöhnlich, aber sie wissen nicht so recht mit dir umzugehen.“

Das habe ich mir durch den Kopf gehen lassen, habe es hin und her gewendet und von allen Seiten beleuchtet – und dabei habe ich gemerkt, dass es den Leuten mit mir so gehen muss wie mir mit diesem Gedanken. Ich habe begonnen, das mir fremde und mich beunruhigende Verhalten als Chance zu sehen – ich erhalte jeden Tag tausend Einladungen, mit unglaublich vielen verschiedenen, neuen Menschen in Kontakt zu treten, tausend Möglichkeiten sozusagen. Mit dieser Einstellung ging es mir besser und ich begann, die viele Aufmerksamkeit (in den meisten Fällen) schön zu finden. Ich bin einfach nicht dieses Mädchen, das verlegen und verschlossen auf den Boden schaut, niemanden anlächelt, aus Angst, sonst ein Gespräch führen zu müssen und sich so irgendwie auch selbst isoliert – völlig konträr handelnd zu dem Wunsch, hier zu Hause zu sein.

Zusätzlich zu dieser Änderung des Blickwinkels habe ich begriffen, dass ich mit der Mitgliedschaft im Club auch meine Eigenverantwortung zurückbekommen habe: ich kann nicht nur in den Club gehen, ich bin jetzt selbst dafür verantwortlich, dass ich dorthin gehe. Es liegt nicht mehr in jemand anderes Verantwortung, ob ich gehe – nein, es liegt in meiner Hand, meinen Füßen, meinem Kopf.

Und es stellte sich heraus, dass der größte Schweinehund, den ich überwinden musste, der in meinem Kopf war. Er drückte sich zitternd in die Ecken meines Oberstübchens, schweinehundund winselte und jaulte, dass es doch peinlich sei, wenn man uns nicht verstünde, dass es sich blöd anfühlen würde, dass wir angestarrt würden, dass es mir sicher unangenehm sei, wenn alle dächten, ich sei doofer, als ich eigentlich tatsächlich bin.

Und natürlich hatte er Recht – es ist mir peinlich, wenn mich die Leute nicht verstehen oder ich sie nicht, es fühlt sich blöd an, angestarrt zu werden und es ist mir tatsächlich sehr unangenehm, wenn ich das Gefühl habe, die Leute halten mich für nicht so helle. Aber das wird sich nicht ändern, wenn ich nicht rausgehe und übe, übe, übe. „Nur durch’s Fallen lernt man das Laufen“, hat meine Lieblingslehrerin in der Ausbildung immer gesagt, und diesen Spruch habe ich verinnerlicht, ich liebte ihn so sehr, dass er einer der Grundsätze meiner Arbeit wurde. Blöd bloß, dass es so schwer ist, ihn auch bei mir selbst anzuwenden.

Eines Nachmittags aber, als der Schweinehund grad faul in der Sonne lag, kam mir der Gedanke: „Ich könnte heute neue Schuhe kaufen.“ Blitzschnell schoss ich hoch, packte alles, was ich brauchte und marschierte los. Ich unterband alles Winseln und Jaulen und Fiepen, ich ließ nicht zu, dass ich irgendetwas dachte, bis ich in der Mall im Schuhladen stand und es peinlicher gewesen wäre, zu gehen als zu bleiben. Nach etwa einer halben Stunde verließ ich den Laden – mit meinen neuen Sandalen (die laut Verkäufer sehr gut zu meiner „weißen Haut“ passten) und der Telefonnummer ebendieses Verkäufers, die mir mit der dringenden Ermahnung, ihm unbedingt zu schreiben, überreicht wurde.

Und was soll ich sagen? Das passiert oft. Die Menschen, die mich ansprechen, wenn ich alleine unterwegs bin oder die über Anja versuchen, mit mir in Kontakt zu kommen, waren immer sehr freundlich und interessiert. Viele wollen wissen, was ich hier mache, wie lange ich schon hier bin, wie es mir gefällt, ob es anders ist als zu Hause … und wenn sie hören, dass ich erst 7 Wochen hier bin (heute sind es 8!), dann reißen sie erstaunt die Augen auf und meinen, dass ich für diese kurze Zeit schon sehr gut Spanisch spräche. Sie machen mir Mut, indem sie sagen, dass ich keinen erkennbaren Akzent hätte, dass Spanisch sehr kompliziert sei und dass es normal sei, es schwer zu finden, sie meinen, ich sei sehr mutig und manche geben mir ihre Nummer und sagen, wenn ich etwas brauche, dann solle ich ihnen Bescheid geben …

Ich hatte, wenn ich so darüber nachdenke, viele, viele tolle Begegnungen. Die Schwimmclique im Club, die sich einen Arm ausgerissen hat, um mir eine ihrer Schwimmbrillen anzubieten; Samuel, der Schwimmlehrer; die beiden, die mir total freundlich die Öffnungszeiten des Fitnessstudios vorgelesen haben; die Frau, der ich ihre weggewehte Mütze aufgesammelt habe; der Typ, der mir lauthals Küsse zugeworfen hat und mich heiraten wollte – und die beiden Frauen, die das erst auf sich bezogen haben; unser Park-Freund, dessen Namen ich nicht weiß, aber den seines Hundes; der Kioskbesitzer; die zwei Frauen, die zwar keine profesoras waren, „pero mamas!“ mit Santiago und Luisa; der Papa, der nicht herausfinden konnte, woher mein Akzent kommt und der Englisch mit mir gesprochen hat; gestern der wundervolle 5-jährige Aron, der mich zum Abschied umarmte, mit seinem tollen Großvater; die Sicherheitstypen im Ventura oder im Metro; der eine Verkäufer, der sich im exito so freundlich (und langsam) mit mir unterhalten hat; Andrea aus dem Nagelstudio; viele Fitnesstypen im Park; Juan Pablo und seine Mama; unsere Portiers und die Reinigungsfrau, die mich immer anlächeln und mir helfen mit Anja; die beiden Bauarbeiter aus dem Park; „unser“ Eisverkäufer mit der Krücke; die 4er-Clique im Juan Valdez, die mir immer irgendwas zugerufen haben; Angestellten im Juan Valdez, die mir erlauben, während des Saubermachens sitzen zu bleiben („No, tranquila!“); die Postobon-Lieferanten … die Liste ist eigentlich ziemlich endlos.

Ich habe beschlossen, einfach dieses Mädchen zu sein, dass man gerne ansprechen würde, weil es strahlt, weil es sich wohlfühlt, weil es Spaß zu habenheart und witzig zu sein scheint, weil es sich Dinge traut und weil man es deswegen gerne in seinem Bekannten- oder Freundeskreis hätte. Ich möchte, dass die Leute sich trauen, mich anzusprechen, weil sie das Gefühl haben, ich antworte bestimmt freundlich, egal, was sie sagen.

Und es klappt. Ich trete viel mehr in Kontakt mit Menschen und traue mich, zu sprechen, ich gehe aufrechter und habe Freude daran, Gespräche zu führen. Wenn ich zum Beispiel mit der Mama durch die Straßen gehe und uns der Postobon-Lieferant (Getränkemarke) zuwinkt, dann meint sie: „Wow, der ist echt dein Freund!“, wenn wir an der Baustelle vorbeigehen und niemand mehr pfeift, meint sie: „Du hast ganz schön Eindruck gemacht auf die Bauarbeiter!“ oder wenn Samuel im Club über das Schwimmbecken hinweg meinen Namen schreit und lacht und winkt, dann meint sie: „Wow, der mag dich echt gerne!“

Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass ich viele Freunde habe, aber es fühlt sich ein klitzekleines bißchen natürlicher an, mal hier und da ein „Hallo“ zugerufen zu bekommen oder selber jemandem zuwinken zu können. Ich traue mich mehr, sodass mehr schöne Dinge passieren, und darum traue ich mich dann noch mehr und dann  … und dann …   🙂

Un abrazo grande con una sonrisa radiante! x

Aventuras Nuevas – Mein Besuch beim „estilista“

Hallo liebe Lebensmaler,

diejenigen unter euch, die schon länger auf meinem Blog sind und quasi mit mir reisen, können sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich in Australien meine längeren Haare gegen einen Undercut getauscht habe – wer möchte, kann hier nachschauen. Trotz manch anderer verrückter Einfälle ist die Frisur seitdem so geblieben, bzw. die kurzen Haare sind noch kürzer geworden – 6mm! Ich liebe meine Haare so, denn ich muss nichts mit ihnen tun, sie liegen einfach immer (meistens … na gut … sie machen was sie wollen, aber zumindest weiß ich das und versuche gar nicht erst, etwas dagegen zu tun).

Die Krux mit kurzen Haaren ist nun aber, dass regelmäßig ein Friseur besucht werden muss. War der Friseurbesuch damals in Australien schon nervenaufreibend, könnt ihr euch sicherlich vorstellen, wie es mir hier geht. Erstens war es für mich schon auf Englisch schwierig, zu erklären, was ich möchte, wie soll ich das auf Spanisch schaffen? Und zweitens haben die Frauen hier Haare wie aus einer Fabrik: alle lang bis zum Po, alle glatt, Punkt. Ich glaube, dass ein estilista, der keine Übung hat mit kurzen, lockigen Haaren, leicht überfordert sein und den Job versauen könnte. Und das konnte ich mir seelisch einfach nicht leisten. Wenn meine Haare blöd aussehen, fühle ich mich total unwohl.

Zum Glück hat Ángel eine ganz ähnliche Frisur wie ich und meinte, er würde mich mit zu seinem Friseur nehmen – der wüsste etwas mit kurzen, lockigen Haaren anzufangen. So ein Glück! Diesen Friseurbesuch haben wir bestimmt 3 Wochen immer wieder verschoben (typisch kolumbianisch), aber dieses Wochenende hat es geklappt. Samstag hat Ángel mich abgeholt und wir sind zur peluquería gefahren. Ich habe nicht auf den Namen geachtet, und als ich Ángel später fragte, meinte er: „Irgendwas mit Glam And Beauty oder so …“ DAS hätte ich mir auch denken können😀

Wir öffneten die Tür und uns schallte – wie in Kolumbien eben üblich – Musik entgegen. Daran hab ich mich mittlerweile gewöhnt und es stört mich nicht – im Gegenteil, ich genieße es, die neuesten kolumbianischen Charts zu sehen oder ältere Sommerhits wieder ins Gedächtnis gerufen zu bekommen. Und die Musik war gut – irgendwie war alles mit extra Bass unterlegt. Wir setzten uns auf die Couch und warteten, schrien uns regelrecht an bei dem Versuch, eine Unterhaltung zu führen, und alle dort Anwesenden schauten neugierig und mehr oder weniger offensichtlich zu uns herüber, weil wir natürlich Englisch sprachen. Die peluquería ähnelte übrigens nur entfernt unseren Friseuren in Deutschland. Unten habe ich euch einen Grundriss aufgezeichnet, weil ich leider keine Fotos machen konnte. Alles wirkte vollgestellt und irgendwie durcheinander, Spiegel stapelten sich auf Werkzeugkästen, die Haare wurden vom Stuhl auf den Boden geföhnt, wo sie dann liegen blieben und was hier überall üblich scheint, war auch in dieser peluquería vertreten: die Angestellten hängen während der Arbeit am Handy. Da wird mal schnell ’ne WhatsApp geschrieben oder eine Sprachnachricht abgehört, während der Kunde mit feuchten Haaren auf das Schnipp-Schnapp der Schere wartet.

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Ángel war zuerst dran, weil ich sehen wollte, was bei ihm passiert und ob ich mich sicher fühlen kann. Ich hab die Musik genossen, mich an die Einheimischen angepasst und mein Handy herausgekramt, während ich immer mal wieder Ángel und den Friseur beobachtete. Ángel sah mit seiner neuen Frisur gut aus und so hab ich mich auch getraut. Unter den neugierigen Augen aller wurden mir die Haare gewaschen und als ich mich auf dem Stuhl niederließ, erklärte Ángel dem Friseur, was ich wollte. Eigentlich wollte ich 6mm wie immer, aber er meinte, er würde erstmal mit 9mm beginnen, kürzer ginge ja immer noch. Okay. Das war eine gute Entscheidung, denn anscheinend sind 6mm nicht überall 6mm. Ich erklärte, was mit den längeren Haaren passieren sollte – wieder erklärte der Friseur, er würde sie erstmal nur zur Hälfte abschneiden, kürzer ginge ja immer noch …

Nach dem ersten Schneiden bat ich um’s Trockenföhnen, um zu sehen, zu was sich meine Haare heute entscheiden würden. Danach musste der schockierte Friseur noch mal die gleiche Menge Haare abschneiden wie zuvor. Er versicherte sich vor jedem Schnitt, ob ich sicher sei – auch Ángel war besorgt und fragte auch immer nochmal nach. Meine Haare wurden kürzer als seine, ich glaube, das war unerwartet für ihn. Als die langen Haare kurz genug waren, wollte ich noch meinen Hinterkopf sehen – ein Glück, dass ich daran gedacht habe! Der Friseur hatte ein Haardreieck stehen lassen, das von unten nach oben immer länger wurde  und das sah so dermaßen bescheuert aus! Ich erklärte ihm „Más corto, por favor! Todo el pelo aquí…“ und fuchtelte mit meinen Händen herum, um ihm zu erklären, dass alles ab sollte. Ich bin bestimmt 3x aufgestanden und habe im Spiegel nachgesehen, und musste jedes Mal sagen „Más corto, porfa“, sehr zum Erstaunen aller. Irgendwann fragten die anderen Frauen Ángel, woher ich kommen würde und dann sprachen sie über etwas anderes, was ich nicht mehr verstand. Als die Haare endlich so waren, wie ich das wollte, wurde mir noch Gel ins Haar geklatscht, dann zahlten wir und verließen „Glam and Beauty“ – wie ich den Laden jetzt einfach nenne. Der Schnitt kostete 15.000COP, also nicht mal 5€.

Im Auto meinte ich zu Ángel, dass die Leute mich ja ganz schön angestarrt hätten. Er meinte, sie hätten gesagt, die Frisur stehe mir sehr gut und lange Haare wären eben nicht für jeden etwas. Ich nickte zufrieden, während er noch hinzufügte: „Und sie meinten, du wärst sehr mutig.“ Ich meinte zu ihm, dass er sich das doch jetzt ausdenken würde, und er erwiderte: „Nein, das haben sie echt gesagt. Der Friseur hat auch zu ihnen gesagt: „Hört ihr das? Sie sagt mir wirklich, ich soll es kürzer machen! Sie will das so!““ Hier ist es wohl so, dass die Frauen es schon furchtbar finden, wenn nur 2cm Spitzen geschnitten werden, und sie in solchen Momenten wohl regelrecht mit den Tränen kämpfen. Klar, dass ich da Kontrastproramm bin mit meinem „Kürzer … nein, noch kürzer … noch etwas kürzer, bitte.“😀 Tja, ich finde es tatsächlich etwas kurz, aber innerhalb einer Woche wird es schon wieder nachgewachsen sein und so aussehen, wie ich das möchte, also ist es kein großes Drama. Ich sah definitiv schon schlimmer aus nach einem Besuch beim Friseur!

Ich glaube, Ángel war sehr erleichtert, dass ich glücklich war. Als er mich beim Abholen von zu Hause fragte, was ich haben wollte, meinte ich scherzhaft, dass er jetzt unter großem Druck stünde, weil er das alles erklären müsse. Und er entgegnete total ernst: „Ja, das ist echt so! Wenn es sch… aussieht, dann ist das meine Schuld!“ Ich beruhigte ihn, ich würde genau das wollen, was er auch bekommt, nur eben mit einer winzigen Änderung, und wenn ich doof aussehen würde, würde er auch doof aussehen und dann wären wir ja quitt.

Es sah aber nicht doof aus, und ich bin richtig richtig stolz, dass ich das geschafft habe. Es scheint wie nichts großes, aber für mich ist es eine ungeheure Überwindung gewesen. Erstens: jemand muss mich mitnehmen und für mich übersetzen, sodass ich total in Anhängigkeit von ihm bin – er sieht mich in einem schwachen Moment. Zweitens: in einen Laden gehen, wo ich angestarrt werde. Drittens: mich in einem fremden Land einem fremden Friseur mit fremder Sprache anvertrauen und hoffen, dass das Ergebnis so aussieht wie zu Hause. Und schließlich viertens: genau sagen, was ich will und was ich nicht will.

Vielleicht kennt ihr das: man sitzt beim Friseur und nickt begeistert, während man die Zähne zusammenbeißt und schon darüber nachdenkt, ob es wohl bis zum Date in 3 Tagen wieder halbwegs normal aussieht. Zu Hause wäscht man die Haare 2x und hofft, das hilft …
Mir fällt es SO schwer, direkt zu sagen, dass jemand etwas nicht zu meiner Zufriedenheit gemacht hat. Ich gehe immer davon aus, dass die Person ihr Bestes gegeben hat und es ist mir unangenehm, das für nicht gut genug zu befinden. Ich gehe lieber mit einem schlechten Gefühl aus dem Laden, als eine Person mit einem schlechten Gefühl darin zurückzulassen. Und wenn ich dann doch mal etwas sage und der zweite Versuch immer noch nicht zufriedenstellend ist, dann nicke ich trotzdem und beiße die Zähne zusammen. Vermutlich bin ich einfach konfliktscheu – das habe ich auch in anderen Situationen bemerkt, denn es fällt mir schwer, ohne verlegenes Lachen oder schon in der Frage enthaltene Entschuldigungen für das, was ich sage, das zu fordern, was ich mir wünsche und was mir zusteht.

Hier kann ich mir das aber einfach nicht erlauben – ich bin so weit außerhalb aller Komfortzonensicherheit, dass alles, was mit meinem Äußeren zu tun hat, einen riesigen Beitrag zu meinem Wohlbefinden leistet. Und dass ich mich hier wohlfühle, hat schlicht und einfach auch etwas mit meinem „Überleben“ zu tun. Ich werde seelisch angreifbarer, wenn ich mich mit meinem Körper unwohl fühle und flugs segle ich die Abwärtsspirale hinab.

Natürlich war es auch ein unangenehmes Gefühl, immer wieder zu fordern „Hier noch etwas … da noch mehr … dort gefällt es mir nicht …“, gerade, weil ich durch bestimmt 10 Paar Argusaugen beobachtet wurde und ich es auf Englisch zu Ángel sagen und dieser es übersetzen musste. Es klang wie eine eiskalte Forderung und ich bevorzuge es normalerweise, meine Forderungen netter zu verpacken bzw. mit freundlichen Aussagen zu begleiten, damit mich die Menschen „trotzdem noch mögen“. Also ehrlich, wenn ich es hier aufschreibe, klingt es nicht sehr schmeichelhaft für mich … Jedenfalls hatte ich in diesem Friseursalon das Gefühl, ich wäre nur ein Objekt, für das übersetzt und an dem herumgeschnippelt wird, bis es endlich zufrieden ist und Ruhe gibt – und die Menschen dort gar nicht die richtige, freundliche Katharina kennenlernen. Andererseits habe ich mir gedacht, es gibt später niemanden verantwortlich zu machen außer dich selbst, wenn du nicht sagst, was dir nicht passt. Wenn du dich nachher nicht gut fühlst mit deiner Frisur, dann kannst du nicht meckern und niemandem die Schuld geben, weil du nichts gesagt hast. Und so habe ich meine Kritik-Angst und den Gedanken „Was denken die Leute von mir?“ zur Seite geschoben und genau das gefordert, was ich wollte.

Und soll ich euch was sagen? Das hat sich stark angefühlt. Richtig stark. Für das einzustehen, was ich haben wollte und mich nicht verunsichern zu lassen von den lang- und glatthaarigen Mädels mit ihren 5cm Fingernägeln und perfektem Barbie-Makeup, mich nicht beirren zu lassen durch den zweifelnden Blick des estilistas und mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen durch Ángels gefurchte Stirn – das war aus meiner jetzigen Sicht eine richtig starke Leistung. Und irgendwie haben die Menschen so doch die richtige Katharina kennengelernt: die starke, mutige Weltenbummlerin, die sich nicht an die Erwartungen anpasst, wie sie auszusehen und wo sie zu arbeiten und was sie zu tun hat.

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Das war’s von meinem Friseurabenteuer. Ich glaube, das nächste Mal traue ich mich auch, alleine dorthin zu gehen, denn der Friseur kennt mich und meine Haare jetzt, ich kann gestikulierend erklären, was ich möchte und ich weiß, wo der Laden liegt und wie das Prozedere funktioniert. Dadurch, dass ich mich einfach in die Situationen begebe, vor denen ich anfangs eher zurückgeschreckt bin, erlange ich Stück für Stück mehr Selbstbewusstsein und Selbständigkeit und das fühlt sich richtig gut an.

Was sagt ihr zur neuen, alten Frisur?
Un abrazo grande! x