Aventuras Nuevas – Un regalo

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Melcocha – typische kolumbianische Süßigkeit

Ich hatte ja schon erwähnt, dass Ángel und ich uns treffen, um Spanisch bzw. Deutsch zu lernen. Wenn wir uns treffen, bringt er oft eine Kleinigkeit mit, Bonbons oder eine typische kolumbianische Süßigkeit oder er kauft mir irgendwas zu trinken, auch wenn ich behaupte, nicht durstig zu sein (er hatte durchschaut, dass ich mich noch nicht traue, alleine zu bestellen). Außerdem kümmert er sich um mich, wenn ich Hilfe brauche: er erklärt mir das Straßensystem, fährt mich nach Hause, wenn es dunkel ist und wenn ich zu Fuß gehe, möchte er, dass ich ihm schreibe, wenn ich heile angekommen bin, wo ich hinwollte. Wenn’s mir nicht gut geht, kann ich ihm schreiben und er ist für mich da und bald wird er mir auch mit meinem ersten Friseurbesuch hier in Kolumbien helfen. Ist ja klar, dass ich das sehr zu schätzen weiß, denn sowas ist absolut nicht selbstverständlich, finde ich.

Als ich ihn fragte, was ich ihm denn mal schenken könnte, irgendetwas Kleines, meinte er, das sei nicht nötig. Als ich nicht locker ließ, meinte er: „Okay, es gibt etwas! Keine unregelmäßigen Verben mehr, bitte!“ Die findet er verständlicherweise schwierig und furchtbar. Leider geht’s aber nicht ohne … Ich hab also lange überlegt und dann kam mir die Idee: Kinderschokolade! Schokolade ist hier sehr teuer und daher etwas Besonderes und Kinderschokolade ist nun mal typisch deutsch. Die gibt es hier im exito, einem Supermarkt, für 6450COP (Kolumbianische Pesos). Umgerechnet sind das etwa 2€. Man teilt einfach den Preis durch 3000 und hat Pi-mal-Daumen den Euro-Preis.

Außerdem hatte Ángel mir erzählt, dass seine dreijährige Nichte aus Venezuela über das Wochenende zu Besuch kommen würde und er liebt sie total. In Venezuela ist die Situation sehr schwierig, ich weiß nicht, wie viel davon in Deutschland (bzw. dort, wo ihr euch aufhaltet) ankommt. In den Supermärkten gibt es keine bzw. kaum Nahrungsmittel, Kosmetik- oder Haushaltsartikel, die Menschen ernähren sich größtenteils von Kartoffeln, Reis und Dingen, die man aus Mehl herstellen kann, alles ist sehr teuer und schwierig zu bekommen, Medikamente gibt es auch kaum noch und eine Ausreise nach Kolumbien war bis vor Kurzem nicht möglich. Cúcuta liegt nur ca. 50km von der Grenze zu Venezuela entfernt und kurz nach meiner Ankunft hier wurde diese (ich glaube 2x) für einen halben Tag geöffnet, sodass Venezuelaner in die Stadt kommen und hier Lebensmittel kaufen konnten. Über 10.000 Menschen kamen an einem dieser Tage und kauften die Supermärkte leer. Ehrlich, leer. Es gab nach diesen Tagen einige Dinge nicht mehr zu kaufen. Es muss furchtbar sein dort drüben. Wir hatten auch eine Familie hier, die Venezuela verlassen hat – Mutter, Vater, 2 Kinder. Der Vater hatte eine Firma und alles war gut, bis er sie an die Regierung verloren hat. Dann hatte die Familie nichts mehr, aber wirklich nichts. Als sie bei uns ankamen, konnten sie nicht fassen, was es hier alles gibt. Im Supermarkt haben sie Fotos gemacht von allen Lebensmitteln und erzählten, dies sei das erste Mal nach 3 Jahren, dass sie sich mit Seife und Schampoo waschen könnten. An der Grenze wurde ihnen auch alles Geld abgenommen und dann wurde behauptet, sie hätten noch nicht bezahlt für die Ausreiseerlaubnis. Zum Glück kannte einer der Militärbeamten dort den Papa hier, hat ihn angerufen und als ihm bestätigt wurde, dass die Familie Freunde von ihm seien, half er ihnen, ging mit ihnen zu den Beamten, die sie abgezockt hatten und veranlasste, dass alles geregelt wurde. Furchtbar, ich kann mir das gar nicht vorstellen und würde es auch nicht glauben, wenn ich es nicht miterlebt hätte.

Jedenfalls hatte Ángels Nichte von ihren Eltern die Erlaubnis bekommen, für ein Wochenende hierher zu kommen. Da ich Ángel nicht irgendeinen nutzlosen Kram kaufen wollte und ich wusste, wie sehr er seine Nichte liebt, habe ich beschlossen, einfach etwas für sie zu kaufen. Ich dachte mir, wenn sie glücklich ist, ist er es auch, und das ist ja die Idee hinter dem Geschenk. Die Idee kam mir, als ich in der Shoppingmall durch Zufall in einen Buchladen geriet. Dort lagen glitzernde, bunte Kinderbücher aus und ich wusste sofort: du kaufst „Carlita“ ein Buch! Ich wollte ihr etwas schenken, mit dem sie nicht nur spielen kann, sondern das sie auch in ihrer Bildung unterstützt. Bücher sind hier auch eher ein Luxusgut, was ich sehr schade finde, denn meine Liebe zu Büchern ist so riesig, weil ich sie als Kind kennen- und liebengelernt habe.

Ich entschied mich nach langem Suchen für „El jardin mágico de la pequeña Hada“, also „Der magische Garten der kleinen Fee“. Dieses Buch war ab 3 Jahren, es gab schöne Bilder und nicht zu viel Text und außerdem Magnetbildchen, die ergänzend zum Text (oder auch einfach wahllos) auf die magnetischen Seiten gelegt werden konnten. Carlita würde Spaß daran haben, die Magnete anzubringen und zu betrachten, gleichzeitig würde sie die Wörter spielerisch lernen und später auch den Text selbst lesen lernen können, so dachte ich mir. Ein Geschenk, das länger vorhält. Dieses Buch kostete 18000COP, also umgerechnet 6€, was ich total gut finde für ein Buch! In Bildung kann man nicht genug investieren.

Ich kaufte es und dann im Exito noch 2 Tafeln Kinderschokolade, packte zu Hause alles ein und am Abend traf ich mich mit Ángel. Die Geschenke für Carlita kamen in relativ buntes Papier, Ángels Schokolade verpackte ich in ein weißes A4-Blatt und schrieb mit verschiedenen Farben „Danke“ in allen Sprachen auf, die wir beide sprechen. Als ich ihm die Tüte mit Geschenken gab, bekam er große Augen und fragte ungläubig: „Das alles?!“ Als ich uns Getränke kaufte (ich traue mich mittlerweile, alleine zu bestellen) kam er plötzlich mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm ins Café! Oh, die Kleine sah richtig süß aus, aber auch müde und schüchtern war sie – ist ja klar, ich sehe ganz anders aus als alles, was sie bisher kennt, und dann spreche ich auch noch komisch …

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Wieder zurück am Tisch schlug ich vor, ihr das Geschenk jetzt zu geben. Sie saß auf Ángels Mamas Schoß und wusste erst nicht so recht … aber dann begannen ihre Finger zögerlich, das Papier zu öffnen. Als sie den pinken Umschlag des Buches sah, sah ich ehrliche Kinderfreude: ihre Augen wurden groß, ihr Mund lächelte und sie zog freudig-überrascht die Luft ein, dann arbeiteten ihre kleinen Fingerchen sich blitzschnell durch das Papier. Sie konnte es nicht fassen! Auch Ángel und seine Mama saßen mit großen, funkelnden Augen daneben – und diese Szene miterleben zu dürfen, war das allerbeste Geschenk für mich. Es war ein richtig magischer Moment und ich konnte die Freude und Überraschung in der Luft fast greifen. Ein kleines Buch und ich mache 3 Menschen glücklich- wie wundervoll.

Sie war immer noch scheu mir gegenüber, aber das ist ja klar. Sie flüsterte Ángels Mama etwas ins Ohr: „Wir werden Mama und Papa erzählen, jemand hat mir eine Überraschung bereitet.“ Carlita bestand darauf, das Buch überall mit hinzunehmen und Ángel berichtete mir später, sie hätte ihm nicht erlaubt, ihr beim Tragen zu helfen. Auch zu Hause hätte er das Buch immer wieder auf den Schoß gelegt bekommen. Ach, wie mich das freut:)

Seit einigen Tagen habe ich den Spruch auf dem Bild unten im Kopf, also in etwa: „In einer Welt, in der du alles sein kannst, sei freundlich.“ Und außerdem diese Zeile aus „The End“ von den Beatles, in etwa: „Am Ende ist die Liebe, die du nimmst, die Liebe, die du gibst.“ Und in diesem Moment, in dem Carlita überrascht einatmete und die Augen von Ángels Mama leuchteten und Ángel die Kleine beobachtete und lächelte, habe ich das, was ich gegeben hatte, zurückbekommen. Ich hatte das Gefühl, wir saßen in unserer eigenen kleinen Blase aus Überraschung und Freude und Liebe und das Leben um uns herum stand kurz still – das war ein einzigartiger und wundervoller Moment und ich werde mich hoffentlich immer an dieses Gefühl erinnern, und auch daran, dass Geben und Lieben sich immer lohnen. Ich habe das gegeben, was ich selbst am meisten brauche und es zurückbekommen.

Euch sende ich auch ganz viel Liebe und un abrazo grande! xx

Aventuras Nuevas – Post aus Alemania

post2Ich habe Post bekommen:) Ach, ist das cool!

Ich kam gerade mit Anja vom Spielplatz nach Hause, als ein Motorrad vor unserem Haus hielt. Der Fahrer kramte in einer großen Tasche, die vorne auf dem Motorrad stand und betrachtete ganz genau, was er da herausgezogen hatte. Ich dachte nur: aha, so wird also Post ausgetragen. Que interessante! Dann aber kam er hinter uns die Stufen hoch und drückte Javier, unserem Portier, einen Brief und eine Karte in die Hand. Ich erhaschte nur einen kurzen Blick auf die Karte, aber sie sah so aus wie eine Karte, die aus Deutschland kommen könnte. Ich fragte aufgeregt „Para mí?“, und Javier grinste mich an und nickte. Da klatschte ich in die Hände, lachte und führte ein kleines Tänzchen auf. Javier hat sich mit mir gefreut und als wir uns fertig unterhalten hatten, stieg ich grinsend in den Fahrstuhl.

Ich LIEBE Post! Es erfreut mich immer so sehr, wenn mich ein Stück Papier mit Grüßen erreicht – es trägt ganz viel Liebe mit sich 1x rum die Welt! „Ein Stück Papier“ – für mich hat es die Kraft, einen schlechten Tag zu einem guten zu machen und mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich finde es so wundervoll, dass meine Freunde zu Hause an mich denken und freue mich wie eine Schneekönigin! Naja, wohl eher wie eine Sonnenkönigin, denn Schnee hält hier nicht lange😉 Diese Karte war für meinen Geburtstag letzten Monat – eine Woche vor meinem Geburtstag wurde sie losgeschickt, wie ich am Stempel sehen konnte – einen Monat hat sie gebraucht. Ach, wie ich mich freue:):)

Gerade gestern habe ich mit Ángel gelernt, wie sich die Adressen hier zusammensetzen, damit ich das Freunden zu Hause erklären und diese mir wiederum Post schicken können – und dann heute sowas! Toll, toll, toll:)

Aventuras Nuevas – Español

Hallo liebe Lebensmaler,

ich möchte jetzt gerne mal loswerden, wie es mit meiner Sprache so funktioniert. In Kolumbien wird spanisch gesprochen und mein Wunsch war es schon längere Zeit, diese Sprache auch zu beherrschen. Prinzipiell sagt man ja: „Wenn du täglich von der Sprache umgeben bist, kommt das ganz schnell!“

Das Einzige, was hier schnell kommt, ist ein riesiges Fragezeichen in meinem Gesicht.

Zu Beginn sind Renata und ich immer zusammen auf den Spielplatz gegangen und sie hat mich vorgestellt, wenn jemand interessiert war, hat ganz langsam und deutlich gesprochen, sodass ich Sätze oder Wörter aufschnappen und eine Idee bekommen konnte, wie ich hier auf Kinder zugehen kann. Das hat viel geholfen, genauso wie unser allabendlicher Spanischunterricht. Trotzdem war es oft schwierig, ein Gespräch zu beginnen oder die Kinder dann zu verstehen. Ich habe erklärt, dass ich nur ganz wenig Spanisch spreche, aber ich glaube, Kindern ist nicht bewusst, dass sie eine „Sprache“ sprechen bzw. wie diese heißt, und dass es noch andere gibt. Somit war es für die Kinder schwer zu verstehen, wieso ich sie nicht verstehe. Eine Mama hat toll reagiert und ihrem Sohn ganz einfach erklärt, dass ich andere Wörter benutze, weil ich aus einem anderen Land komme, und darum nur wenige Wörter verstehe, die er benutzt. Das fand ich toll, und sie ist auch eine der wenigen Mamas, die normal sind. Juan Pablo ist ein Riesenfan von unserer Anja (und mir) und freut sich jedes Mal, uns zu sehen. („Hola niiiñaaaaaa!“ ruft er immer.)

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„Unser“ Spielplatz

Ansonsten ist es für die meisten Erwachsenen schwer zu verstehen, was ich hier mache. Oft sprechen sie mich an und wenn ich dann erkläre, dass ich noch nicht so viel verstehe und sie bitte, langsamer zu sprechen und das Gesagte zu wiederholen, dann gibt es i.d.R. eine entweder … oder– Situation. Entweder schweigen sie komplett (was mir natürlich ungemein hilft, mein Spanisch zu verbessern) oder sie wiederholen alles, aber nicht etwa langsamer, sondern lediglich lauter. Auch super.

Was viele Menschen vergessen oder vielleicht auch noch gar nicht erfahren haben, ist, dass ein Mensch ohne seine Sprache eine vollkommen andere Person ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich offen auf Menschen zugehe und keine Probleme damit habe, jemanden kennenzulernen, dass ich auch bzw. gerade mit Kindern gut Kontakt knüpfen kann und generell Freude daran habe, mit Menschen in einen Austausch zu treten. Hier fehlen mir die Mittel, diesen Teil meiner Persönlichkeit auszuleben und somit fühle ich mich immer eingeschränkt und überhaupt nicht wie ich selbst. Das macht es mir sehr schwer, mich hier einzuleben und zu Hause zu fühlen.

In den letzten Wochen habe ich aber mehr und mehr Verantwortung übertragen bekommen und gehe mit Anja jetzt alleine auf den Spielplatz usw. Ich habe während dieser Solobesuche festgestellt, dass es besser ist, zu erklären, dass ich Spanisch hier lerne und deswegen noch nicht so viel sprechen/verstehen kann („Aprendo español aquí y sólo puedo hablar un poco“) anstatt nur zu sagen, dass ich noch nicht so viel spreche. Dann können Erwachsene meine Situation besser nachvollziehen und die Wahrscheinlichkeit von Folgefragen und Gesprächen steigt rapide an. Spielplatzgespräche kann ich schon ganz gut schaffen, denn im Prinzip sind es immer die gleichen Fragen und Themen, was mir hilft, mich verständlich zu machen und andere zu verstehen. Nachdem dann aber alles „Übliche“ durchgesprochen wurde, fällt es mir schwer, weiter zu erzählen bzw. Fragen zu stellen oder auch bei einer zweiten Begegnung neue Anknüpfungspunkte zu finden. Auch bei neuen Menschen ohne Kinder ist es irgendwie schwierig, etwas zu finden, was nicht langweilig ist, über das ich aber auch sprechen kann.

Neulich habe ich mit einer Frau gesprochen, die mir ein Kompliment gemacht hat – für 2.5 Wochen spräche ich schon richtig gut Spanisch, sagte sie. Heute habe ich mich mit einer Frau unterhalten, deren Hund uns immer freudig begrüßt. Auch sie war beeindruckt, dass ich nach 4 Wochen schon so viel Spanisch spreche. Das war Balsam für mein ramponiertes Selbstbewusstsein. Besonders knickt dieses ein, wenn mich wildfremde Männer mit eindeutigen Absichten anzwinkern, mir etwas zurufen oder mir zu nahe kommen … das mag ich nicht, weil ich mich in diesen Momenten definitiv außerhalb meiner Sicherheits-Komfort-Zone befinde und nichts schlagfertig erwidern kann. Der beste Weg zum Spielplatz führt leider an einer Baustelle vorbei und dementsprechend muss ich Pfiffe und sonstige Rufe über mich ergehen lassen. Neulich haben zwei der Bauarbeiter von dort auf dem Gelände des Spielplatzes Pause gemacht, Anja wollte ihnen unbedingt Hallo sagen und somit wurde mir ein Gespräch aufgedrängt. Nachdem ich erklärt hatte, wie mein Leben momentan aussieht, machten mir allerdings auch die beiden Komplimente, waren beeindruckt und meinten, dass sei sicher schwierig hier für mich. Seit diesem Gespräch gibt’s keine Pfiffe oder blöde Anmachen mehr, wenn ich an der Baustelle vorbeigehe.

Neulich im Supermarkt fragte die Kassiererin mich einige Dinge – ich konnte leider nur auf Englisch antworten, was immer mein erster Reflex ist. Englisch wiederum konnte sie aber nicht verstehen und wir waren beide etwas befangen. Ein anderer Mitarbeiter schaltete sich ein und fragte ganz lieb (und langsam) auf Spanisch, ob ich Englisch spräche – ich nickte, und erzählte, dass ich Spanisch hier lernen würde und dass es ganz schön schwierig sei. Er nickte wissend und sagte, dass es den Kolumbianern mit Englisch so gehen würde. Es war nichts großes, diese Begegnung, aber irgendwie hat mir das etwas gegeben und ich konnte mit einem Lächeln nach Hause gehen.

Trotzdem überkommt mich manchmal die Traurigkeit. Ich kann zwar über Kinderdinge sprechen und einige Informationen über mich weitergeben – aber in Alltagssachen bin ich sowas von hilflos und unbeholfen. Es ist so dermaßend frustrierend, nicht mal nach einer Bodylotion fragen zu können, wenn ich sie nicht finde. Oder mich nicht zu trauen, in einem Café etwas zu bestellen, weil mich dann alle anstarren, wenn ich es nicht verstehe. Oder einfach ein Gespräch mit jemandem anfangen zu können, den ich interessant finde. Ich fühle mich wie beim Stabhochsprung – die Hürde hängt irgendwo außerhalb meiner Reichweite und ich habe nicht die nötigen Gerätschaften, um sie (je) zu erreichen. Und während ich also im Spotlight der Arena stehe und verzweifelt versuche, diese eigentlich unlösbare Aufgabe zu meistern, langweilen sich die Zuschauer auf den Bänken und kichern hinter vorgehaltener Hand.

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Ich arbeite dran. Ab der zweiten Woche hatte ich jeden Abend Spanischunterricht bei Renata (der Mama). Wir haben mit ganz einfachen Sachen angefangen und uns so langsam gesteigert. Es wird immer verwirrender, habe ich das Gefühl. Jetzt treffen wir uns immer montags, mittwochs und freitags, sodass ich immer einen Tag dazwischen habe, um meine „deberes“ (Hausaufgaben) zu erledigen. Die bekomme ich natürlich immer auf – ich bin ja nicht zum Spaß hier!😉

Außerdem treffe ich mich 2x die Woche mit Ángel, den ich über Couchsurfing angeschrieben habe. Wir haben uns am 29.07. das erste Mal getroffen und uns sofort unglaublich gut verstanden. Er hat irgendwann vorgeschlagen, dass wir doch einfach einen „intercambio“ machen könnten, also einen Austausch der Sprachen. Er hilft mir mit Spanisch und ich bringe ihm Deutsch bei. Die Idee fand ich natürlich super, weil ich ihn einfach total klasse finde. Wir treffen uns immer Donnerstags und Samstags in einem Café oder bei ihm zu Hause und üben dann fleißig. Witzig ist, dass wir immer mit Spanisch beginnen müssen, damit er an Selbstvertrauen für Deutsch gewinnt, wie er immer mit einem Zwinkern und Lächeln bemerkt😉 Und wenn wir dann komplizierte Wörter wie „Flughafen“ oder „Französisch“ aufschreiben, kommt ein abgrundtiefer Verzweiflungsseufzer: „Pheeeeew!“, begleitet von ungläubigem Kopfschütteln. Wir lachen viel während unserer Stunden. Wenn wir bei ihm sind, gibt es eine zusätzliche Schwierigkeitsstufe für mich: seine Eltern sprechen nur Spanisch (und das nicht gerade langsam) und obwohl er mir hilft und übersetzt, wenn es nötig ist, finden sowohl er als auch ich es gut, wenn ich mit seinen Eltern Spanisch spreche bzw. es zumindest versuche. (Das alles versuche ich jetzt kurz für ihn zusammenzufassen, damit er Bescheid weiß – darauf hat er bestanden, wenn ich ihn hier erwähne.)

(Ángel: yo escribí que nos encontramos los jueves y los sábados para aprender español/alemán y que lo me gusta mucho:) Yo escribí que tenemos que comenzar con las clases de español porque quires ganar autoconfianza para (por?) las clases de alemán.😉 Yo escribí también que suspiras frecuentemente porque alemán es muy difícil (pheeeew) y mueves la cabeza Y que yo pruebo hablar español con sus padres pero que es muy difícil para mi. Espero que puedes entender :D)

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Mi amigo Ángel estudiando:“Pheeeew, qué bonito aprender alemán!“

Außerdem habe ich über Couchsurfing, auf dem Spielplatz und auch 1x bei einem Treffen mit Ángel ein paar Nummern von Kolumbianern bekommen, die wirklich nur Spanisch sprechen und wenn ich mit denen schreibe, muss ich mich ja irgendwie verständlich machen. Zwar sind das dann wahrscheinlich  Nachrichten voller Grammatikfehler, aber Übung macht die Meisterin, und außerdem versuche ich mich wenigstens an ihrer Sprache. Das Problem ist zumindest nicht das Leseverstehen – das klappt super. Ein bißchen schwieriger ist das Antworten per Nachricht (also geschrieben), auf der nächsten Stufe steht das Hörverstehen und ganz oben auf dem Siegertreppchen der Schwierigkeiten reckt stolz die „Sätze/Fragen-Produzieren“-Aufgabe die dürren Ärmchen in die Höhe. Das selbst-Formulieren fällt mir oft noch am schwersten, vor allem, weil es hier wichtig ist, ganz höflich zu sein und immer „usted/ustedes“ (Sie) zu sagen anstatt „tú“. Außerdem benutzen die Leute hier nicht die 2. Person Plural, also ihr bzw. „vosotros“, sondern sie siezen stattdessen. Deswegen komme ich mit den Verbformen durcheinander und habe Angst, dass ich total unhöflich bin …

Was mir aber hilft, ist, mich daran zu erinnern, dass ich im Englischunterricht mit einer 4 gestartet bin, „erst“ in der 10. Klasse (nach 5 Jahren Unterricht) meine 1 bekommen habe und eigentlich erst in Neuseeland so richtig in die Sprache hineingewachsen bin (nach 9 bzw. 10 Jahren). Jetzt ist es wie eine zweite Muttersprache für mich und ich fühle mich zu Hause in dieser Sprache, oft mehr als in Deutsch.

Ich trainiere also weiter und arbeite an meinen Spanisch-Fähigkeiten. Ich möchte das schließlich von ganzem Herzen können – und wenn man mit dem Herzen bei der Sache ist, wird es schon klappen (sagt man so, habe ich gehört😉 ). Irgendwann werde ich diese blöde (Sprach-)Hürde also auch überspringen können!

Ich hoffe, ich habe euch einen kleinen Einblick geben können – ich freue mich, wenn ihr mir einen aufmunternden Kommentar hinterlasst oder mir von eurem Lernen einer fremden Sprache erzählt – dann fühle ich mich vielleicht nicht ganz so alleine mit meinen Schwierigkeiten😉 In jedem Fall bis bald!

Un abrazo grande!

Aus dem Mund von … Wir sind Helden

„Ein Elefant für dich“ ist ein mittlerweile 11 Jahre altes Lied von „Wir sind Helden“. Ich finde es wunderschön und gleichzeitig so unendlich traurig. Es erzählt vom Lieben, davon, aufeinander Acht zu geben und einander Lasten abzunehmen. Davon, über sich selbst hinauszuwachsen … und davon, Abschied von einer geliebten Person zu nehmen, auch wenn man selbst oder beide noch nicht bereit sind. Ich finde, die Gefühle sind auf den Punkt genau beschrieben, aber so weich verpackt, dass man sich in die Worte einkuscheln und Trost finden kann. Ich stelle mir immer vor, wie ich als alte Dame mit der Liebe meines Lebens auf unser gemeinsames Leben zurückblicke. Wie ich seine Hand halte, ihm durch jene Worte Zuspruch gebe und ihm meine Liebe auf diese Weise ein letztes Mal schenke. Ich denke auch an meine Oma und meinen Opa und ob ich tatsächlich in der Lage sein werde, ein Elefant für meinen Opa zu sein, wenn es soweit ist und wir am Ende des Wegs angekommen sind. Bis es soweit ist, kuschele ich mich in die Worte des Liedes ein.

 

Aventuras Nuevas – La Música Colombiana

Hallo liebe Lebensmaler,

mir geht es wieder gut. Nach meinem letzten Post waren einige von euch liebenswerten Lesern ziemlich besorgt. Ihr könnt euch wieder beruhigt zurücklehnen – mein Körper ist meinen Füßen gefolgt und zusammen sind wir besser im Leben hier angekommen. Und die graue Strickjacke brauche ich nur noch manchmal.

Es gibt so vieles, von dem ich euch berichten möchte, denn vieles hat sich verändert. Nachdem ich diesen Post bestimmt 4x angefangen und zur Hälfte geschrieben hatte, habe ich mich jetzt entschieden, mit der kolumbianischen Musik anzufangen.

Sobald ich meinen PC auf kolumbianische Zeit gestellt hatte, stellte sich auch bei youtube alles auf Kolumbien. Mir wurden verschiedene Lieder vorgeschlagen und ich habe auch schon „canciones“ und „cantantes“, die ich regelmäßig höre. Hier in Kolumbien wird viel und bevorzugt kolumbianische und spanischsprachige Musik gehört. Die Musikrichtungen unterscheiden sich wohl in den einzelnen Städten sehr, was die Prägung angeht, aber sehr populär sind auf jeden Fall der „Vallenato“ und „Reggaetón“.

origin_vallenato„Vallenato“ stammt ursprünglich aus der karibischen Region Kolumbiens, nämlich aus dem Tal zwischen der Sierra Nevada de Santa Marta und der Serranía de Perijá. Dort liegt eine Stadt namens Valledupar, aus der der Vallenato stammt. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name dieser Musikrichtung daher so viel wie „im Tal geboren“. Ursprünglich wurde Vallenato mit einer bestimmten Flötenart, mit Guacharacas und mit Cajas (kleine Trommeln) gespielt, später wurde er bereichert um Klänge von Gitarre, Akkordeon und dem Klavier. Zunächst war es die Musik der unteren Klassen und der Farmer, die mit ihrem Vieh durch die Lande zogen, aber nach und nach setzte sich der Vallenato in allen Klassen durch. Wer die Instrumente sehen möchte, schaut hier vorbei.

Reggaetón stammt ursprünglich aus Puerto Rico, wo in den späten 90er Jahren Elemente aus  Reggae, Rap und der Hiphop verwendet wurden, um diese Musik „im Untergrund“ zu spielen. Nach und nach verschmolzen diese verschiedenen Stile zu dem, was heute als Reggaetón bekannt ist: jamaikanische Dancehall-Musik und Soca aus Trinidad machen zusammen mit Salsa, Bomba, lateinamerikanischem Hip Hop und elektronischer Musik aus Puerto Rico den heutigen Reggaetón aus. Der Gesang beinhaltet ebenfalls verschiedene Stile, z.B. wie rappen und singen.

So jetzt aber genug über das Hintergrundwissen, ich möchte euch Künstler und Lieder vorstellen, die ich gerne mag. Da haben wir zum Beispiel „La Bicicleta“ von Shakira und Carlos Vives. Gute-Laune-Vallenato. Dieses Lied weckt mich oft morgens, weil irgendjemand es in seinem Auto vollaufdreht und seine Runden um den Block zu drehen scheint. Ich mag es trotzdem sehr gerne.

Außerdem angefangen habe ich mit Piso21 und Mike Bahia. Ich finde das Lyric-Video zu „Me llamas“ so toll, denn ich konnte direkt mitlesen und mir so nach und nach zusammenreimen, worum es geht. Es gibt eine sehr schöne Accoustic-Version gesungen von Nicky Jam (begleitet von Piso21), den ich ebenfalls mag. Und „La Muñeca“ fand ich vom Rhythmus her einfach toll.

Dann gibt es da den wundervollen Sebastián Yatra. 2013 hatte er (mit 19 Jahren) seinen Durchbruch und gilt somit als Teenie Idol. Ich habe zu allererst sein neues Lied „Traicionera“ gehört und mochte es nicht mal besonders. Dann bin ich aber auch über vorherige Lieder gestolpert und war begeistert von der Bandbreite.:)

Dann mag ich „Bajo el agua“ von Manuel Medrano sehr gerne, hauptsächlich wegen des Videos, und auch „El perdedor“ von Maluma gefällt mir gut, denn ich mag die Botschaft, die er rüberbringen möchte, besonders die paar Zeilen am Ende des Videos.


Es gibt noch viel mehr Lieder, die ich mag, und mir ist auch bewusst, dass nicht alle Lieder, die ich hier vorstelle, Vallenato oder Reggaeton sind. Dies sind aber die Lieder, die mir geholfen haben, mich hier ein bißchen besser einzuleben. Musik ist ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens und dadurch, dass ich mir spanischsprachige Musik anhöre, fühlt sich mein Leben hier irgendwie normaler an,so als könnte ich besser hineinwachsen, wenn schon mal die Sprache der Musik stimmt:) Ich finde es auch total cool, dass hier der Markt nicht so voll ist mit amerikanischem Krams, sondern mit „landgemachter“ Musik. Genial:) Vielleicht gefallen euch ja auch einige davon? Lasst es mich wissen, ich bin gespannt!

Jetzt habe ich meine komplette Freizeit heute damit zugebracht, diesen Musikartikel zusammenzuschustern und mache mich mal besser wieder an die Arbeit! Ich freue mich, wenn ihr Fragen habt zu meinem Leben hier, das hilft mir sicher, Struktur in die Ideen in meinem Kopf zu bringen. Was interessiert euch, was wollt ihr wissen?

Un abrazo grande (eine große Umarmung)!

 

Aventuras Nuevas – Kolumbianische Wasser

Heute ist der Himmel grau, wolkenverhangen und es regnet. Dazu läuft „La Bicicleta“ von Shakira und Carlos Vives. Echter kolumbianischer Vallenato, ein gute Laune-Lied.

Und genauso gemischt sieht es in mir auch aus – stürmisch und nicht richtig hüh, aber auch nicht hott. Ich kann mich einfach nicht entscheiden, was ich davon halten soll, dass ich jetzt hier bin. Ich muss ganz oft an „Fifty Shades of Grey“ denken – nicht, weil mein neues Leben einem Porno gleicht, sondern weil Ana oft zu Christian sagte, er lebe in einem „ivory tower“. „Im Elfenbeinturm leben“ bedeutet, dass jemand zwar alles hat, was er an Gütern zum Leben braucht, aber ziemlich weit vom echten Leben entfernt ist.

Diese Beschreibung trifft ins Schwarze. So kommt es mir hier vor. Ich habe alles, was ich brauche und was ich nicht habe, aber brauche, kann besorgt werden, wird mir immer wieder versichert. Ich soll mich hier zu Hause fühlen und mit der Familie fühle ich mich auch wohl, aber mir fehlt das Leben „da draußen“, wenn ihr versteht, was ich damit meine.

Ich glaube, mir fehlt irgendein Leben, um ehrlich zu sein. Mein Leben zu Hause habe ich ja schließlich auch aufgegeben. Die Schule ist beendet und damit mein Leben als Schülerin/Auszubildende, meinen Nebenjob mit den WG-Kids habe ich gekündigt und meine Wohnung ist auch fest zwischenvermietet für ein Jahr. Meine Freunde sind in Deutschland und haben alle einen Job, eine Beziehung, eine Wohnung … und ich nicht. Mein deutsches Leben ist im Moment on hold – verstaut in ein paar schmuddeligen Kartons, die sich in meinem Zimmer bei meinen Eltern stapeln, und ob es mir noch passt, wenn ich wiederkomme, weiß ich nicht. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich viel Kontakt mit zu Hause haben möchte, einfach, um irgendeinen Kontakt mit jemandem zu haben, oder ob ich den Kontakt auf ein Minimum beschränken sollte, um mir das Ankommen hier zu erleichtern. Skype-Telefonate mit meinem Opa können nicht ersetzen, was mir fehlt und vertreiben auch nie das Bewusstsein, dass er vielleicht auch nicht mehr da ist, wenn ich wiederkomme.

Also, alles ist anders und neu und gilt, entdeckt zu werden – und genau so wollte ich das doch, oder nicht? Hat mein Bauch nicht freudig gegrummelt, als ich den Gedanken hatte? Und dann bei der Durchführung dieser verrückten Idee – da habe ich mir doch gesagt, nichts kann mich stoppen? Hm. Dieses Hochgefühl spüre ich momentan eher nicht.

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Es ist schwierig, hier Kontakte zu knüpfen. Nein halt – das stimmt so nicht ganz. Es fällt mir schwer, hier Kontakte zu knüpfen. Die Sprachbarriere ist echt ziemlich hoch – ich spreche natürlich noch ganz wenig, aber das, was ich kann, versuche ich, anzuwenden. Also im Prinzip hangele ich mich mit „Hallo, wie geht’s? Ich heiße Katharina. Ich komme aus Deutschland. Ich spreche ganz wenig Spanisch, kannst du/können Sie bitte langsamer sprechen?“  von Satz zu Satz meines Gegenübers. Oder besser: ich würde es versuchen, wenn nicht gleich alle verstummen würden, wenn sie meine verständnislose Miene sehen. Ehrlich, sobald ich erkläre, dass ich noch nicht so viel kann, werde ich gefühlt zur Aussätzigen. Und das schüchtert mich so ein, dass ich mich immer weniger traue, mit irgendjemandem zu sprechen.

Die Männer hier schauen mir hinterher, kriegen große Augen, rufen irgendwas – ich kann nichts sagen, weil ich nichts verstehe. Ich fühle mich unwohl, wenn ich alleine an einer Gruppe von 3 oder mehr Männern vorbeigehen muss, und gehe, wenn ich kann, einen Umweg. Frauen stecken die Köpfe zusammen und schauen dann ungeniert in meine Richtung. Heute bin ich mit dem Hund spazieren gewesen und es hat doch tatsächlich ein Mädchen in meinem Alter mit dem Finger auf mich gezeigt und ihren Freund auf mich aufmerksam gemacht. Dann wurde ich begafft wie ein wandelndes Ausstellungsstück. Dass mal jemand auf die Idee kommt, mich anzusprechen – darauf kann ich wohl eine Weile warten.

Gestern haben Renata und ich eine Britin getroffen, die mit einem kolumbianischen Freund unterwegs war. Wir haben uns viel unterhalten und es hat sich angefühlt wie ein ganz normales Leben – einfach erzählen, jemanden kennenlernen. Ihr Freund aber sprach kein Englisch und schaute genervt drein, wenn ich allerdings zu spanisch gewechselt habe, schaute er noch genervter, weil ich sicherlich Fehler gemacht habe. Mitten im Gespräch darüber, ob ich die Lebensmittel hier mag, wollte er plötzlich wissen, ob ich auf Jungs oder Mädels stehe – ich war so schockiert, überspielte das aber reflexartig mit einem Lachen und antwortete. Im Nachhinein war ich jedoch total aufgewühlt und empört – wie kann er wagen, mir eine solch persönliche Frage zu stellen, einfach basierend auf meinem Kurzhaarschnitt? Und ich antworte auch noch, als wäre es das Normalste der Welt, von einem wildfremden Menschen nach meinen sexuellen Vorlieben gefragt zu werden. Wenig später meinte er dann, es sei angebracht, mich auf meine Hautunreinheiten direkt anzusprechen. Natürlich hatte er direkt die Lösung parat: er führte sie auf meine vegetarische Ernährung zurück – wie unglaublich dreist. Ich konnte mich am Ende überhaupt nicht mehr beruhigen, aber in dem Moment war ich einfach so perplex, dass ich nicht genauso dreist reagiert und nach seiner sexuellen Orientierung gefragt und ihm meine Meinung zu seinen Haaren und den gebleachten Zähnen mitgeteilt habe.

Das Mädchen auf dem Shop, mit dem ich Nummern ausgetauscht hatte – sie hat mich spontan zu dem Geburtstag ihres Onkels eingeladen (Freitag auf Samstag), dann aber nicht gesagt, wann wir losfahren wollen. Als ich wiederholt fragte, war sie sich plötzlich nicht mehr sicher, ob sie nicht vielleicht doch am Samstag arbeiten muss – ich sagte, sie solle sich einfach melden. Hat sie aber nicht. Ihr WhatsApp Profilbild ist seit gestern neu – eindeutig auf einer Familienfeier entstanden. Ich war so enttäuscht. Der Schlag war umso härter, weil ich darauf angewiesen bin, dass sich die Leute hier freundlich verhalten und möglichst mehr Schritte auf mich zugehen als ich auf sie zugehen kann – ich stecke doch noch in meinen Babyschuhen, was Kolumbien angeht. Und klein fühle mich ich oft wirklich. Ich mag das nicht.

jackeEs ist so schwer, in einem Land Fuß zu fassen, wenn einem alles fremd ist: das Essen, die Sprache, der Kleidungsstil, die Bräuche, die Kultur, die Gewohnheiten, der Umgang miteinander, die Währung, das Klima. Irgendwie ist mir (abgesehen vom Deutschprechen mit Renata) wirklich gar nichts vertraut hier, an das ich mich wie an einen Rettungsring klammern könnte.

Damit mir das kalte, kolumbianische Wasser, in dem ich mich ohne Rettungsring mehr oder weniger erfolgreich über Wasser halte und unruhig vor mich hintreibe, mir nicht ganz so viel anhaben kann, suche ich Zuflucht in meiner Strickjacke. Wenn ich mich darin einwickele (ja, auch bei 40°C), kommt mir alles nicht mehr so schlimm vor – ich habe eine Schutzschicht aus grauem Polyacryl um mich geschlungen, die bis zu den Knien reicht. Alles davon abwärts bewegt sich weiter fort – in Babyschritten zwar, aber stehenbleiben ist einfach keine Option. Und nach und nach wird der Rest meines eingepackten Körpers wohl hinterherkommen.

Sommer, Sonne, Sonnenbrand …

… und das perfekte Mittel dagegen!

Hallo ihr Lieben,

wie ich hörte, kommt der Sommer jetzt auch endlich nach Deutschland! Mit der unerwarteten Hitze durch die Sonne kommt auch oft der unbeliebte und teilweise sehr schmerzhafte Sonnenbrand. Einige machen sich vielleicht nichts daraus, ich finde ihn unangenehm bis gefährlich und nehme das Eincremen meiner Haut sehr ernst. Wenn sich bei euch wie bei mir trotz aller Vorsicht eine Rötung zeigen sollte, gibt es ein tolles Mittel dagegen, dass ich hier direkt auf dem Balkon habe: eine Aloe Vera-Pflanze:)

Aloe Vera gehörte schon bei den Ägyptern in den Heilmittel-Schrank, da sie bei vielen verschiedenen Wehwehchen hilft. Äußerlich anwendbar ist sie hilfreich bei der Regeneration der Haut und spendet viele verschiedene Inhaltsstoffe. Zum Beispiel unterstützt sie bei der Wundheilung – die soll mit Aloe Vera 8x so schnell gehen wie ohne und sogar Verbrennungen heilen mit Unterstützung dieser Wunderpflanze wohl oft narbenfrei ab. Auch bei Kratz-, Schnitt- oder Bisswunden unterstützt der Saft der Aloe Vera die Heilung. Aufgrund ihrer vielseitigen Einsetzbarkeit wird sie oft „Königin der Heilpflanzen“ genannt. ♕

Das habe ich mir zu Nutzen gemacht, als meine Haut verbrannt war vom Schwimmen – ich habe mir einfach ein Aloe Vera-Blatt abgezupft und mir den dickflüssigen, gelben Saft direkt aus dem Blatt auf die roten Hautstellen aufgetragen. Erst fühlt es sich etwas komisch an, aber es hilft total. Das Auftragen habe ich mehrmals wiederholt und innerhalb eines Tages waren die Rötungen abgeklungen. Tatsächlich eine Wunderpflanze:)

Man sagt, dass schon Kolumbus mit seinem „Arzt im Blumentopf“ auf Seereise gegangen sein und dass auch Alexander der Große durch die Behandlung seiner Krieger mit Aloe Vera erhebliche Vorteile gegenüber den gegnerischen Heeren gehabt haben soll.

Aloe Vera-Pflanzen gibt es, soweit ich weiß, in Baumärkten und Blumenfachgeschäften und sie sind relativ pflegeleicht. Ich habe noch nichts erlebt, was so schnell und sicher gegen Sonnenbrand hilft – und ich bin häufig verbrannt, da ich leider eine sehr empfindliche Haut habe. Also, worauf warten wir noch? Ziehen wir in die Schlacht gegen Sonnenbrand und Schmerzen! HUH! (Schlachtruf😉 )